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        <title type="volume" n="vol-34">Karl Barth – Eduard Thurneysen. Briefwechsel Bd. III 1930–1935</title>
        <title type="content">Eduard Thurneysen an Karl Barth</title>
        <title type="citation_line_1">Eduard Thurneysen an Karl Barth, 5. Oktober 1930</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/34022 (Stand: 2. Oktober 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Karl Barth – Eduard Thurneysen. Briefwechsel Bd. III 1930–1935, hrsg. v. Algner, Caren (Gesamtausgabe, Abt. V), Zürich 2000, S. 37–43.</title>
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        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
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        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
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        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
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        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
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          <title type="volume">Karl Barth – Eduard Thurneysen. Briefwechsel Bd. III 1930–1935</title>
          <title type="text">Eduard Thurneysen an Karl Barth</title>
          <author ref="kbga-actors-403">Thurneysen, Eduard</author>
          <editor>Algner, Caren</editor>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
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        <!-- The first digital edition (data from xml and database) -->
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          <title type="edition">Princeton Barth Project edition</title>
          <title type="text">electronic edition of Karl Barth, Gesamtausgabe V.34, Karl Barth - Eduard Thurneysen Briefwechsel Band III 1930-1935, letter 14</title>
          <author ref="kbga-actors-403">Thurneysen, Eduard</author>
          <editor>James R. Adair, Jr.</editor>
          <editor>Timothy J. Finney</editor>
          <editor>Christian Kelm</editor>
          <pubPlace>Princeton</pubPlace>
          <publisher>Alexander Street Press</publisher>
          <date type="publication">2001</date>
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        <!-- Data from KBA (https://kba.karl-barth.ch) -->
        <bibl xml:id="A" type="source">A (Vorlage der Edition): Thurneysen, Eduard, Eduard Thurneysen an Karl Barth, 5. Oktober 1930. <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/18152">KBA 9370.648</ref>. </bibl>
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        <p>Eben erhalte ich eine Karte von <persName ref="kbga-actors-512">Bultmann</persName> mit der Meinung, daß also die ganze Marburgerbesprechung dahinfällt.<note xml:id="n01"><persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> war für die seit <date when="1927">1927</date> jährlich stattfindende Konferenz eines Schülerund Doktorandenkreises um <persName ref="kbga-actors-512">R. Bultmann</persName> auf Ende <date when="1930-10">Oktober 1930</date> zu einem Referat über natürliche Theologie eingeladen worden, das er auch zunächst zugesagt hatte. Zugleich war eine Aussprache zwischen Bultmann und maßgeblichen Theologen aus dem Kreis um «<orgName ref="kbga-actors-6169">Zwischen den Zeiten</orgName>» geplant. Infolge eines Mißverständnisses, wegen Zeitnot und besonders weil weder <persName ref="kbga-actors-63">E. Brunner</persName> noch <persName ref="kbga-actors-137">Fr. Gogarten</persName> an der geplanten Aussprache hätten teilnehmen können, nahm <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> seine Zusage kurzfristig wieder zurück, was — unter anderem — zu einer Verstimmung im Verhältnis zu R. Bultmann führte, die noch im Mai 1931 spürbar war (s. unten <ref type="pub" target="../volume/34/p049#fn_n04">S. 49 bei Anm. 4</ref>; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-1921">Bw.B.<hi rend="sup">1</hi>, S. 107–124</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-2033">Bw.B.<hi rend="sup">2</hi>, <ref type="pub" target="../volume/01/p106#p106">S. 106–122</ref></bibl>).</note> Schade, denn ich hatte meinerseits nun doch alle Anstrengungen gemacht, um erscheinen zu können. Und es wäre gegangen. Aber nun habe ich die nötige Unverfrorenheit nicht, zu tun, als ob die Reise dennoch unbedingt notwendig sei, den Unterricht, der dann eben begonnen hat, ausfallen zu lassen und mit wichtiger Miene den D-Zug zu besteigen. Du selber wirst ja <pb xml:id="p038" ed="pga"/> den Wegfall dieser Round table-Besprechung nicht sehr bedauern, denn wer weiß, wie sehr man auseinandergekommen wäre! Wahrscheinlich bleibt zunächst einiges Fatale besser unausgesprochen zwischen den Großmächten, sonst wird der Krieg am Ende unvermeidlich. Sehen wir zu, wie alles weiterläuft.</p>
        <p>Du bist wieder in deinen Gefechtsstand eingerückt. Wie hat sich wohl alles angelassen? Schreibst du mir einmal zwei Zeilen? Ich muß nicht viel wissen, aber irgendwie sehe ich ja doch fragend zu Euch hinüber und denke nicht ohne Unruhe an alle Möglichkeiten eures schwierigen Weges. Hoffentlich findet Ihr ihn alle drei von Tag zu Tage. Uns ist hier in <placeName ref="kbga-places-5">Basel</placeName> unterdessen ein kleiner Krach erblüht, wie du aus dem beiliegenden Dossier ersehen magst. Der Anlaß war ein Inserat der sozialistischen Kirchengenossen, in dem zur Sammlung von Gaben für die durch den Streik<note xml:id="n02">Nachdem Verhandlungen über einen neuen Arbeitsvertrag — der alte war im <date when="1929-11">November 1929</date> von den Holzarbeitern gekündigt worden — gescheitert, d. h. wegen Abwesenheit der Vertreter der Meister gar nicht erst zustande gekommen waren, hatten die Basler Schreiner und Zimmerleute im Einvernehmen mit dem Zentralvorstand des Bau- und Holzarbeiterverbandes am <date when="1930-03-05">5.3.1930</date> einen unbefristeten Streik beschlossen, dem sich für kurze Zeit die Bauarbeiter, am 12.7. auch etwa 400 Gipser anschlossen. Der Streik endete nach 33 Wochen am <date when="1930-10-16">16.10.1930</date> mit einem Arbeitsvertrag, der schlechtere Bedingungen enthielt als ein Schiedsgerichts-Angebot vor Streikbeginn. Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-6112">W. Gerster, <hi rend="italic">Die Basler Arbeiterbewegung …</hi>, a.a.O. (<ref type="pub" target="../volume/34/p027#fn_n35">S. 27, Anm. 35</ref>), S. 218–222.</bibl></note> notleidenden Familien aufgefordert war und in dem sich ein paar Pfarrer als Sammelstellen hatten nennen lassen.<note xml:id="n03">Am <date when="1930-09-17">17.9.1930</date> erschien im Anzeigenblatt Baslerstab ein Inserat mit dem Text: «<hi rend="italic">Sammlung / für durch den Streik in Not geratene Familien</hi>. / Wir bitten Gaben zur Milderung der Notlage an folgenden Sammelstellen abzugeben oder auf Postcheck V5514 Dr. <persName ref="kbga-actors-7132">Ed. Koechlin</persName> einzuzahlen. … [Es folgt eine Namenliste der als «Sammelstellen» fungierenden Pfarrer <persName ref="kbga-actors-515">K. Buxtorf</persName>, <persName ref="kbga-actors-528">S. Dieterle</persName>, <persName ref="kbga-actors-665">R. Liechtenhan</persName>, <persName ref="kbga-actors-1785">O. Moppert</persName>, <persName ref="kbga-actors-7282">M. von Orelli</persName>, <persName ref="kbga-actors-4940">E. Schulthess</persName> und <persName ref="kbga-actors-403">Thurneysen</persName> mit Angabe ihrer Adressen.] Die Verteilung liegt in der Hand einer am Arbeitskonflikt im Holzgewerbe unbeteiligten Kommission unter der Leitung von Pfarrer <persName ref="kbga-actors-665">R. Liechtenhan</persName>. / <hi rend="italic">Die Vereinigung sozialistischer Kirchgenossen</hi>.» (<bibl corresp="kbga-bibls-6124">Baslerstab. Tagblatt der Stadt Basel, Jg. 8 [1930], Nr. 215, 2. Blatt</bibl>; auch in: <bibl corresp="kbga-bibls-5934">NZ, Jg. 88 [1930], Nr. 431 vom 19.9.1930, S. [5]</bibl>). — Die unterzeichnete Gruppe hatte sich 1930 neben den anderen Gemeindevereinigungen — wie sie in einer Selbstdarstellung zur Werbung neuer Mitglieder schrieb — aus solchen Christen gebildet, «denen in besonderer Weise an der Verwirklichung der Gerechtigkeit im wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben auf Grund einer neuen sozialistischen Wirtschaftsordnung gelegen ist. … [Sie] möchte vor allem die Christen sozialistischer Richtung sammeln, damit sie ihre Auffassung in der Kirche gemeinsam vertreten und auch in den sozialistischen Kreisen für die christliche Grundlage ihres Sozialismus eintreten können» (<bibl corresp="kbga-bibls-6125"><hi rend="italic">Die Vereinigung sozialistischer Kirchgenossen Basel</hi>, in: Münsterbote. Gemeindeblatt für die Glieder und Freunde der Münstergemeinde, Jg. 12 [1931], No. 3, S. 36</bibl>; als Kontaktperson ist u. a.  Pfarrer <persName ref="kbga-actors-665">R. Liechtenhan</persName> genannt).</note> Dar<pb xml:id="p039" ed="pga" break="no"/>auf sofort großer Protest des bürgerlichen Basels, Vorstellungen des Spitzenverbandes der Unternehmer beim Kirchenrat, Austrittsdrohungen, und der Kirchenrat gab nach, wie du aus dem Briefe an uns ersehen kannst.<note xml:id="n04">Der Brief ist nicht erhalten. Der Kirchenrat, das Leitungsgremium der Basler Kirche, befaßte sich in seiner Sitzung vom <date when="1930-09-22">22.9.1930</date> mit der Sammlung, an der in der Diskussion beanstandet wurde, «daß sie die Bettagskollekte [eingesammelt am <date when="1930-09-21">21.9.1930</date>; vgl. <ref type="pub" target="#fn_n14">Anm. 14</ref>] konkurrenziert und den Kollegen gegenüber nicht völlig loyal ist. Hauptsächlich stellt sie aber eine Parteinahme zugunsten der Streikenden dar, für die die Gesamtkirche haftbar gemacht wird, indem die Pfarrämter offizielle Amtsstellen der Kirche sind. Bereits ist der Volkswirtschaftsbund beim Vorsitzenden [des Kirchenrates] vorstellig geworden. Der Kirchenrat, der so sorgsam bemüht war, seine Unparteilichkeit zu bewahren, muß durch öffentliche Erklärung feststellen, daß die betr. Pfarrer auf eigene Verantwortung gehandelt haben.» Statt dessen beschloß der Kirchenrat (auf Antrag seines Sekretärs <persName ref="kbga-actors-228">A. Koechlin</persName>), seine Stellungnahme den betroffenen Pfarrern in einem Brief direkt darzulegen und sie darin dazu aufzufordern, «in einer öffentlichen Erklärung festzustellen, daß sie die Sammlung persönlich und nicht namens der Kirche unterstützt haben. Zu einer solchen öffentlichen Erklärung haben sie sich bereit erklärt. Auch dem Volkswirtschaftsbund wird die Stellungnahme des Kirchenrates mitgeteilt» (<ref type="archival">Protokoll der 14. Sitzung des Kirchenrates vom <date when="1930-09-22">22.9.1930</date>, Traktandum Nr. 210, S. 516–518, im Archiv der Evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt</ref>). — Zu der vorsichtigen Haltung der reformierten Kirche und ihren Maßnahmen während des Streiks vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-6126"><hi rend="italic">XX. Jahresbericht der Evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt pro 1930 (Siebenundfönfzigster Jahresbericht der vormaligen evangelisch-reformierten Landeskirche)</hi>, der Synode vom Kirchenrate vorgelegt am 10. Juni 1931, S. 17–20.</bibl>
               </note> Wir gaben dann eine kleine Erklärung ab.<note xml:id="n05">Die Erklärung der Pfarrer, die sich den sozialistischen Kirchgenossen als Sammelstation zur Verfügung gestellt hatten, erschien, weil dies «da und dort als Verstoß gegen die Unparteilichkeit der Kirche angesehen» werde, am <date when="1930-09-25">25.9.1930</date> in den <bibl corresp="kbga-bibls-4129">Basler Nachrichten</bibl>: «Die Unterzeichneten gehören selber nicht der Gruppe der sozialistischen Kirchgenossen an; sie sehen sich aber durch die tatsächlich bestehende und immer neu an sie herantretende Not veranlaßt, als Sammelstellen zu dienen, in der Ueberzeugung, daß sie als Pfarrer verpflichtet seien, soweit möglich in Not Geratenen jeder Partei Hand zu bieten. Sie haben das in eigener Verantwortung, das heißt ohne Kenntnisgabe an den Kirchenrat getan.» Die Unterzeichneten sind <persName ref="kbga-actors-515">K. Buxtorf</persName>, <persName ref="kbga-actors-528">S. Dieterle</persName>, <persName ref="kbga-actors-1785">O. Moppert</persName>, <persName ref="kbga-actors-7282">M. von Orelli</persName>, <persName ref="kbga-actors-7412">E. Schultheß</persName> und <persName ref="kbga-actors-403">Thurneysen</persName> (<bibl corresp="kbga-bibls-6127"><hi rend="italic">Die Geistlichen der Landeskirche und der Streik. Erklärung</hi>, in: BN, Jg. 86 [1930], Nr. 262 vom 25.09.1930, 2. Beilage</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-6128"><hi rend="italic">Die Sammlung für die durch den Streik in Not geratenen Familien. Eine Erklärung</hi>, in: NZ, Jg. 88 [1930], Nr. 441 vom 25.9.1930, S. [5]</bibl>). Die Redaktion der <orgName ref="kbga-actors-7974">Neuen Basler Zeitung</orgName> stellte in einer langen Anmerkung, mit der sie ihren Abdruck der Erklärung versah, «mit Befriedigung» fest, «daß der <hi rend="italic">Kirchenrat</hi> … das eigenmächtige Vorgehen einer Reihe jüngerer Geistlicher unserer Landeskirche zur finanziellen Unterstützung der Streikenden <hi rend="italic">nicht billigt</hi> und sich <hi rend="italic">nicht solidarisiert</hi>» (<bibl corresp="kbga-bibls-6130"><hi rend="italic">Zur Aktion sozialistischer Kirchgenossen</hi>, in: Neue Basler Zeitung. Bürgerlich-vaterländische Zeitung, Jg. 1 [1930] Nr. 164 vom 27.9.1930, 2. Blatt</bibl>).</note> Eine alte Ex<pb xml:id="p040" ed="pga" break="no"/>zellenz aus der Dalben<note xml:id="n06">Siehe oben <ref type="pub" target="../volume/34/p024#fn_n27">S. 24, Anm. 27</ref>.</note>, der alte Regierungsrat <persName ref="kbga-actors-4965">Speiser</persName>, aber schrieb in den Nachrichten eine bewegliche Klage über uns<note xml:id="n07">
                        <bibl corresp="kbga-bibls-6131"><persName ref="kbga-actors-4965">P. Sp[eiser]</persName>, <hi rend="italic">Die Geistlichen der Landeskirche und der Streik</hi>, in: BN, Jg. 86 (1930), Nr. 261 vom 24.9.1930, 1. Beilage.</bibl> — Dr. iur. Paul Speiser (1846–1935) war 1873–1919 in verschiedenen, meist führenden Positionen an der Basler Universität sowie im Rechtswesen tätig, mit Unterbrechungen 1878–1919 Regierungsrat (Mitglied der Kantonsregierung), 1889–1919 auch liberaler Nationalrat (Mitglied des eidgenössischen Parlaments).</note>, während die von einem jungreformierten Redaktor<note xml:id="n08">Der Schreiber konnte nicht identifiziert werden; im Impressum der <orgName ref="kbga-actors-7974">Neuen Basler Zeitung</orgName> erscheinen unter dem Stichwort «Redaktion» die Namen: Dr. <persName ref="kbga-actors-7134">Emil Koenig</persName> und Dr. <persName ref="kbga-actors-7449">Eduard Steuri</persName> (zugleich Verlagsleitung). — Die «Jungreformierten» unter der Führung des Zürcher Anstaltspfarrers <persName ref="kbga-actors-582">Rudolf Grob</persName> (vgl. unten <ref type="pub" target="../volume/34/p915#fn_n04">S. 915, Anm. 4</ref>) waren politisch konservativ und vertraten «einen streng dogmatischen altprotestantischen Calvinismus». Ihr wöchentlich erscheinendes Organ, die <orgName ref="kbga-actors-10813">Reformierte Schweizer Zeitung</orgName>, stellte sich 1933 positiv zur nationalsozialistischen Machtübernahme in Deutschland; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-4643">Kaiser, S. 200–204</bibl>; Zitat dort S. 200.</note> geschriebene faszistische <orgName ref="kbga-actors-7974">Neue Basler Zeitung</orgName> über Disziplinbruch der Pfarrer zeterte<note xml:id="n09">In der «Anmerkung der Redaktion» zur Erklärung der angegriffenen Pfarrer (s. <ref type="pub" target="#fn_n05">Anm. 5</ref>) heißt es weiter: «Wir erblicken in dem eigenmächtigen Vorgehen unserer Pfarrer auch einen bedauerlichen Akt der Unkollegialität, indem es nun nach der abgegebenen Erklärung beinahe scheinen könnte, als ob die andern Pfarrer unserer Stadt, die sich nicht als Sammelstellen … zur Verfügung stellten, ein weniger ausgeprägtes soziales Empfinden besitzen. … Man sollte nachgerade in den Kreisen unserer evangelischen Pfarrer erkennen, daß es auch in der reformierten Kirche nicht ohne eine gewisse Disziplin abgeht, soll der Kirchturm mitten im Dorf bleiben. Die evangelische Freiheit selbst steht nicht in Frage; doch die Ueberspannung dieses Freiheitsbegriffes und der Mangel an Subordination führt immer wieder in der evangelischen Kirche zu einer beklagenswerten Zerrissenheit nach außen. … Niemand bestreitet den evangelischen Pfarrern das Recht, sich in ihrer Gemeinde aller in Not geratenen Familien nach Kräften anzunehmen; aber der Appell der sozialistischen Kirchengenossen [sic] an die Oeffentlichkeit kommt einer öffentlichen Unterstützung der Streikenden gleich und stößt damit alle im andern Lager stehenden und nicht minder leidenden Teile vor den Kopf.» Bereits am 18.9. war in dieser Zeitung eine scharfe Polemik erschienen, die sich vor allem gegen die Integrität der sozialistischen Kirchgenossen und gegen die angebliche Parteinahme der Pfarrer für die Srreikenden richtete (<bibl corresp="kbga-bibls-6133"><hi rend="italic">Die Vereinigung sozialistischer Kirchgenossen</hi>, in: Neue Basler Zeitung, Nr. 156 vom 18.9.1930, 2. Blatt</bibl>).</note>. Und nun haben sich <pb xml:id="p041" ed="pga"/> die <orgName ref="kbga-actors-5804">Basler Nachrichten</orgName> leider wieder ganz ungut gehalten<note xml:id="n10">Abgesehen von <persName ref="kbga-actors-4965">Speisers</persName> Artikel und der Erklärung der sechs Pfarrer (s. oben <ref type="pub" target="#fn_n05">Anm. 5</ref> und <ref type="pub" target="#fn_n07">7</ref>) fanden die Auseinandersetzungen um die Sammlung in den <orgName ref="kbga-actors-5804">Basler Nachrichten</orgName> keinen Niederschlag. Vielleicht meint <persName ref="kbga-actors-403">Thurneysen</persName> den einzigen seit dem Abdruck der Erklärung dort erschienenen Artikel über den Streik: <bibl corresp="kbga-bibls-6134"><hi rend="italic">Der Bau- und Holzarbeiterverband im Schlepptau der Kommunisten</hi>, in: BN, Jg. 86 (1930), Nr. 269 vom 2.10.1930</bibl>. Darin kommentiert der anonyme Autor «die unverantwortliche Haltung auf Arbeitnehmerseite», die in einer Versammlung Änderungen eines von beiden Seiten ausgehandelten Arbeitsvertragsentwurfs gefordert hatte, welche den Unternehmern unannehmbar erschienen: «Die Führer des Bau- und Holzarbeiterverbandes scheinen stark unter dem Einfluß der kommunistischen Propaganda zu stehen und fügen sich eher der Gewerkschaftstaktik der Kommunisten als der Stimme der Vernunft und der besseren Einsicht. Es ist anzunehmen, daß nur die <hi rend="italic">Angst vor der kommunistischen Konkurrenz</hi> die Führer des Bau- und Holzarbeiterverbandes dazu verleiten ließ, die letzte Gelegenheit zu einer Verständigung zu verpassen.»</note>, wie du ebenfalls dem beigelegten Dossier entnehmen kannst. Aber laß <persName ref="kbga-actors-10109">Karl Sartorius</persName> deswegen in Frieden! Ich habe mich bereits bei ihm beklagt. Er kann ja selber in diesen Fällen nicht viel ausrichten. Ein von uns nun doch arrangierter Abend mit einer anschließenden Aussprache über den Streik<note xml:id="n11">Konnte nicht nachgewiesen werden.</note> verlief sehr gut. Es sprachen zuerst einer von der Streikleitung, dann ein Unternehmer, und die Debatte habe ich mit einem längeren Votum eingeleitet. Natürlich benützten die Religiössozialen vor allem die Gelegenheit, ihre sämtlichen sonst von niemandem angehörten Reden nun einmal loszulassen. Aber das hatte ja doch auch sein Gutes, die verschiedenen Fäßlein konnten alle angestochen werden und auslaufen, und das bringt auf alle Fälle Entspannung mit sich.</p>
        <p>Ein Sonntag ist wieder einmal vorüber. Ich hatte nicht zu predigen und habe die Gelegenheit ergriffen und selber sogar zwei Predigten entgegengenommen. Und ich muß sagen, sie waren beide in ihrer Art gut. Eine von <persName ref="kbga-actors-528">Dieterle</persName><note xml:id="n12"><persName ref="kbga-actors-528">Samuel Dieterle</persName> (1882–1950), 1909–1929 Pfarrer in St. Gallen-Straubenzell, 1929–1948 an der Peterskirche in Basel. Seine Freundschaft mit <persName ref="kbga-actors-403">Thurneysen</persName> begann, nachdem dieser 1920 die Nachbar-Pfarrstelle in Bruggen-Winkeln übernommen hatte; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-932">Bw.Th. II</bibl> (Namenregister).</note> und eine von <persName ref="kbga-actors-1785">Moppert</persName><note xml:id="n13"><persName ref="kbga-actors-1785">Oscar Moppert</persName> (1880–1972), 1918–1948 Pfarrer in St. Alban-Breite (Tochtergemeinde des Münsters) in Basel.</note>. Es wurden an beiden Orten Dinge gesagt, die man wirklich nicht auch in der Zeitung lesen <pb xml:id="p042" ed="pga"/> könnte. Man ging nachdenklich von dannen. Wenn es nur ein wenig recht gemacht wird, so ist es sofort irgendwie eine überzeugende und notwendige Sache um die Predigt. Aber freilich, man erlebt ja sehr viel mehr das Andere. <persName ref="kbga-actors-1716">Erica Küppers</persName> war auf der Heimreise unser Gast und erzählte erschüttert von einer offenbar ganz unmöglichen Predigt unseres Freundes <persName ref="kbga-actors-63">Emil</persName> am Bettag<note xml:id="n14">Der eidgenössische Dank-, Buß- und Bettag, ein religiös-patriotischer Festtag der evangelischen und katholischen Christen, wird seit 1832 (seit 1848 mit Graubünden) in der ganzen Schweiz am dritten Sonntag im September begangen. — Das Typoskript von <persName ref="kbga-actors-63">Brunners</persName> unveröffentlichter Predigt (10S., mit handschriftlichen Ergänzungen und Unterstreichungen), überschrieben «Predigten über die 10 Gebote. Nr. 2. Das erste Gebot nochmals. Zum eidg Bettag, 21 Sept 30.», befindet sich im <ref type="archival">Staatsarchiv des Kantons Zürich (Nachlaß Emil Brunner)</ref>.</note>. Dabei hat er sich, wie ich ihrem Berichte entnahm, alle Mühe gegeben, den gottlosen Zürchern wüst zu sagen<note xml:id="n15">= gehörig die Meinung zu sagen.</note>, aber eben das ist offensichtlich ganz und gar nicht geraten. Ja, die Eristik!<note xml:id="n16">Zu <persName ref="kbga-actors-63">E. Brunners</persName> Programm einer «eristischen Theologie» und dessen Ablehnung durch <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> und <persName ref="kbga-actors-403">Thurneysen</persName> vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-932">Bw.Th. II, <ref type="pub-" target="../volume/04/p669#p669">S. 669f</ref>.<ref type="pub-" target="../volume/04/p672#p672">672</ref>.<ref type="pub-" target="../volume/04/p713#p713">713</ref></bibl>, sowie <bibl corresp="kbga-bibls-1099"><persName ref="kbga-actors-63">E. Brunner</persName>, <hi rend="italic">Die andere Aufgabe der Theologie</hi>, in: ZZ, Jg. 7 (1929), S. 255–276, bes. S. 259f.262</bibl> (<bibl corresp="kbga-bibls-6135">O.W. I, S. 171–193; bes. S. 176f.179</bibl>)</note>
            </p>
        <p>Morgen wird er höchstselbst bei mir eintreffen, um an einer ganz geheimen und gesiebten Konferenz<note xml:id="n17">Ein Hinweis auf diese Konferenz, an der auch <persName ref="kbga-actors-403">Thurneysen</persName> teilnahm (s. unten <ref type="pub" target="../volume/34/p056#p056">S. 56f.</ref>), konnte nicht gefunden werden. <persName ref="kbga-actors-63">E. Brunner</persName> hatte bereits im Mai 1930 in Basel über das Thema gesprochen: <bibl corresp="kbga-bibls-6136"><hi rend="italic">Der Säkularismus als Problem der Kirche</hi> (Eingangsvortrag zu einer missionstheologischen Konferenz), Basel, Frühjahr 1930, in: Unser Blatt. Im Auftrag des Komitees für die aktiven Missionare der Basler Mission hrsg. von K. Hartenstein, Jg. 1 (1929/30), Nr. 3 (Sommer 1930), S. 10–19</bibl>; vgl. auch unten <ref type="pub" target="../volume/34/p212#fn_n02">S. 212, Anm. 2</ref>. Zum Thema hatte sich u. a.  auch <persName ref="kbga-actors-171">K. Heim</persName> geäußert: <bibl corresp="kbga-bibls-6137"><hi rend="italic">Der Kampf gegen den Säkularismus. Thesen von Professor D. Dr. Karl Heim, Tübingen</hi>, in: <hi rend="italic">Verhandlungen der XVI. Kontinentalen Missions-Konferenz zu Bremen vom 22. bis 26. Mai 1930</hi>, Bremen
                            1930, S. 7f. (Besprechung der Thesen dort S. 8–13)</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-6138"><hi rend="italic">Der Kampf gegen den Säkularismus</hi>, in: Die deutsche evangelische Heidenmission. Jahrbuch 1931 der vereinigten Missionskonferenzen, i.A. hrsg. von W. Freytag, Hamburg
                            1931.</bibl>
               </note> mit <persName ref="kbga-actors-7280">Oldham</persName> und <persName ref="kbga-actors-987">Frick</persName><note xml:id="n18"><persName ref="kbga-actors-125">Heinrich Frick</persName> (1893–1952), 1925–1952 o. Professor für Systematische Theologie, seit 1929 auch für Religionswissenschaft und Missionskunde in Marburg.</note> und wer weiß was für Spitzen der Mission teilzunehmen, wo es um eine Art Welteristik gehen soll mit dem Schlagwort: Wider den Säkularismus! <pb xml:id="p043" ed="pga"/> Du liebe Zeit, wenn das nur nicht einfach ein Rauch wird. Am Abend aber haben wir die entscheidenden Herren zu einem Nachtesselein zu uns eingeladen, das heißt <persName ref="kbga-actors-63">Emil</persName>, <persName ref="kbga-actors-171">Karl Heim</persName><note xml:id="n19"><persName ref="kbga-actors-171">Karl Heim</persName> (1874–1958), 1920–1939 o. Professor für Systematische Theologie in Tübingen; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-6139">K. Heim, <hi rend="italic">Ich gedenke der vorigen Zeiten. Erinnerungen aus acht Jahrzehnten</hi>, Hamburg
                            1960<hi rend="sup">3</hi></bibl>; s. auch <bibl corresp="kbga-bibls-931">Bw.Th. I, <ref type="pub" target="../volume/03/p430#fn_n04">S. 431, Anm. 4</ref></bibl>.</note>, <persName ref="kbga-actors-157">Hartenstein</persName><note xml:id="n20"><persName ref="kbga-actors-157">Karl Hartenstein</persName> (1894–1952), 1926–1939 Direktor der Basler Missionsgesellschaft, Freund <persName ref="kbga-actors-403">Thurneysens</persName>; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-932">Bw.Th. II</bibl> (Namenregister) und <bibl corresp="kbga-bibls-6140"><hi rend="italic">Karl Hartenstein. Ein Leben für Kirche und Mission</hi>, in Gemeinschaft mit einem Kreis von Freunden hrsg. von W. Metzger, Stuttgart 
                        1953 (1956<hi rend="sup">2</hi>).</bibl>
               </note> und <persName ref="kbga-actors-1092">Köberle</persName>. Da werde ich Heim über seine Ethik zu interpellieren trachten.</p>
        <p>Das Beste aber steht uns bevor mit den Herbsttagen auf dem <placeName ref="kbga-places-100">Bergli</placeName>. Hoffentlich wird es nicht alle Tage regnen, hoffentlich bricht der Winter noch nicht ganz herein, sondern läßt [es] sich noch ein wenig an der Sonne sitzen und ein Kelchlein leeren. Wir werden euer auf alle Fälle herzlich gedenken.</p>
        <p>Sei mit <persName ref="kbga-actors-26">Nelly</persName> und <persName ref="kbga-actors-223">Lollo</persName> herzlich gegrüßt von <persName ref="kbga-actors-1285">Marguerite</persName> und mir.</p>
        <closer>
          <salute>Dein</salute>
          <signed><persName ref="kbga-actors-403">Eduard</persName></signed>
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