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        <title type="volume" n="vol-34">Karl Barth – Eduard Thurneysen. Briefwechsel Bd. III 1930–1935</title>
        <title type="content">Eduard Thurneysen an Karl Barth</title>
        <title type="citation_line_1">Eduard Thurneysen an Karl Barth, 16. Mai 1931</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/34045 (Stand: 2. Oktober 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Karl Barth – Eduard Thurneysen. Briefwechsel Bd. III 1930–1935, hrsg. v. Algner, Caren (Gesamtausgabe, Abt. V), Zürich 2000, S. 132–139.</title>
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        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
        <sponsor>Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW)</sponsor>
        <sponsor>Schweizerischer Nationalfonds (SNF)</sponsor>
        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
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        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
        <date when="2026">2026</date>
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        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
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          <title type="volume">Karl Barth – Eduard Thurneysen. Briefwechsel Bd. III 1930–1935</title>
          <title type="text">Eduard Thurneysen an Karl Barth</title>
          <author ref="kbga-actors-403">Thurneysen, Eduard</author>
          <editor>Algner, Caren</editor>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
          <date type="publication">2000</date>
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        <!-- The first digital edition (data from xml and database) -->
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          <title type="edition">Princeton Barth Project edition</title>
          <title type="text">electronic edition of Karl Barth, Gesamtausgabe V.34, Karl Barth - Eduard Thurneysen Briefwechsel Band III 1930-1935, letter 37</title>
          <author ref="kbga-actors-403">Thurneysen, Eduard</author>
          <editor>James R. Adair, Jr.</editor>
          <editor>Timothy J. Finney</editor>
          <editor>Christian Kelm</editor>
          <pubPlace>Princeton</pubPlace>
          <publisher>Alexander Street Press</publisher>
          <date type="publication">2001</date>
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        <bibl xml:id="A" type="source">A (Vorlage der Edition): Thurneysen, Eduard, Eduard Thurneysen an Karl Barth, 16. Mai 1931. <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/18976">KBA 9370.659</ref>. </bibl>
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                    <salute>Lieber <persName ref="kbga-actors-2151">Karl</persName>,</salute></opener>
        <p>Die heiße Baslersonne liegt wieder über dem <placeName ref="kbga-places-859">Minschterplatz</placeName>, die Zeit ist angebrochen, wo man hierzulande eine Stunde Schlaf mehr haben sollte als anderswo, oder wo man zum mindesten über Mittag ein wenig mudrig<note xml:id="n01">= verdrossen.</note> in seinem Gefechtsstand sitzt und nicht gerade ans Produzieren denkt. Aber ein Brief kann immerhin vom Stapel gehen, er ist ohnehin längst, längst fällig und überfällig. Ich habe so lange gewartet, weil ich ihm gerne die Manuskriptblätter wieder beigelegt hätte, gelesen sind sie, aber nicht kommentiert. Ich werde sie nächste Woche an dich zurückgehen lassen. Mein erster Eindruck ist, daß es sich wieder um ein einfach notwendiges und ausgezeichnet gelungenes Dichterknüpfen aller Maschen handle. Und was kann gegenwärtig Besseres geschehen? Es herrscht, scheint mir, augenblicklich eine so völlige Windstille auf dem theologischen See, daß alles Segelspannen und Ausfahrenwollen doch nichts nützen würde. Also bereitet man im Stillen die Netze vor, bis der Augenblick zu einem richtigen Fang wieder anbricht. Ich habe wie du <persName ref="kbga-actors-171">Heims</persName> Buch wenigstens angelesen, den Schluß selbstverständlich vorwegnehmend.<note xml:id="n02"><persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> Lektüre von <bibl corresp="kbga-bibls-5258"><persName ref="kbga-actors-171">K. Heims</persName> Buch
                            <hi rend="italic">Der evangelische Glaube und das Denken der Gegenwart. Grundzüge einer christlichen Lebensauffassung</hi>, Bd. I: <hi rend="italic">Glaube und Denken. Philosophische Grundlegung einer christlichen Lebensanschauung</hi>, Berlin
                            1931</bibl>, zeigt sich (außer in seinem Offenen Brief; s. <ref type="pub" target="#fn_n03">Anm. 3</ref>) auch in <bibl corresp="kbga-bibls-2">KD I/1, S. 25f.29</bibl>, offenbar in jenem Teil, den <persName ref="kbga-actors-403">Thurneysen</persName> soeben im Manuskript gelesen hatte. Im letzten Kapitel des Buches, «Die Aufgabe einer evangelischen Glaubenslehre in der heutigen Geisteslage», setzt <persName ref="kbga-actors-171">Heim</persName> sich auf S. 407–426 mit Barth auseinander.</note> Und da war mein Eindruck aufs Haar derselbe, <pb xml:id="p133" ed="pga"/> wie er sich in deinem ausgezeichneten und kräftigen Brief<note xml:id="n03">
                        <bibl corresp="kbga-bibls-1177"><persName ref="kbga-actors-2151">K. Barth</persName>, <hi rend="italic">Karl Barth an Karl Heim</hi> (Bonn, den <ref type="kba-objects-id" target="18916">27.4.1931</ref>), in: ZZ, Jg. 9 (1931), S. 451–453.</bibl>
                    </note> aus der Einöde an den so erfolgreichen Mann im Süden ausspricht. Man greift sich an den Kopf, wenn man diesem Eristiker<note xml:id="n04">
                        «<hi rend="italic">Eristik</hi>»: von <persName ref="kbga-actors-63">E. Brunner</persName> eingeführte Bezeichnung für die apologetische Aufgabe der Theologie; vgl. oben<ref type="pub" target="../volume/34/p042#fn_n16"> S. 42, Anm. 16</ref>.</note> zuhört: also so soll das neue Genre theologischer Literatur aussehen, das diesen Leuten vorschwebt.<note xml:id="n05">Vgl.<bibl corresp="kbga-bibls-5258"> <persName ref="kbga-actors-171">K. Heim</persName>, a.a.O., S.V</bibl>: «Es ist darum heute mehr als in irgendeiner früheren Zeit das Bedürfnis entstanden nach einer Diskussion dieser Fragen [scil. nach Ursprung und Ziel des Daseins, nach Sinn und Wert des Lebens], die auf einer breiteren Basis geführt wird und über den Rahmen der theologischen und philosophischen Fachwissenschaft hinausgreift. Aus diesem Bedürfnis geht heute eine neue Literaturgattung hervor, eine Form der Abhandlung über Lebensfragen, die einerseits nicht ein leichter Essai oder eine Popularisierung wissenschaftlicher Ergebnisse sein will, sondern die volle Strenge wissenschaftlichen Denkens hat, und die doch andererseits ohne großen historischen Apparat in einer dem Gebildeten verständlichen Sprache unmittelbar in die Sache selbst hineinführt.»</note> Kein noch so leiser Versuch einer Aufnahme eines wirklich gewachsenen dogmatischen Gespräches, und das ausgerechnet an dem Punkte der Vernunft und Offenbarung, wo doch wirklich auch schon vor <persName ref="kbga-actors-168">Heidegger</persName> und <persName ref="kbga-actors-142">Grisebach</persName> und <persName ref="kbga-actors-137">Gogarten</persName><note xml:id="n06">Vgl. zu <persName ref="kbga-actors-168">Heidegger</persName> etwa <bibl corresp="kbga-bibls-5258">a.a.O., S. 27–29.112–122.124–128.132.199.352–356</bibl>; zu <persName ref="kbga-actors-142">Grisebach</persName> a.a.O., S. 30f.36–38.116.138–141.148.151; zu <persName ref="kbga-actors-137">Gogarten</persName>
                            a.a.O., S. 426–431.
               </note> und wie alle diese Gegenwartsnamen heißen, einiges erwogen worden ist. Ohne alle Verankerung in der Theologie der Reformatoren, ohne jede Auseinandersetzung mit der klassischen deutschen Philosophie (wenigstens so weit ich sehen konnte) treibt dieser riesige Kahn dahin. Und wie abgerissen und ohne richtige Darstellung des Gegners wird das Gespräch auch mit den Modernen geführt. Daß er an dir aufs gründlichste vorbeigeschossen hat, ist ja mit Händen zu greifen. Meint er, meint er wirklich, das habest du oder irgendeiner von unserem Verein habe das gemeint, was er da mit Triumph zu Boden redet? Selbst <persName ref="kbga-actors-63">Emil</persName> wird, wie du dem beiliegenden Briefe<note xml:id="n07">Wahrscheinlich Brief <persName ref="kbga-actors-63">E. Brunners</persName> vom <date when="1931-05-13">13.5.1931</date> an <persName ref="kbga-actors-403">E. Thurneysen</persName>: «Hast du den neuen <persName ref="kbga-actors-171">Heim</persName> schon gelesen? Schade daß er den Wert der ersten zwei Teile durch eine wirklich uneinsichtige Polemik gegen <persName ref="kbga-actors-2151">K[arl] B[arth]</persName> verdirbt. Die ersten zwei Teile finde ich ausgezeichnet und sicher von großem ‹eristischen‹ Wert. Der theologische Gehalt ist nicht groß.» Vgl. auch oben <ref type="pub" target="../volume/34/p064#fn_n04">S. 64, Anm. 4</ref>.</note> entnehmen kannst, sehr stutzig. Und Gespräche mit <persName ref="kbga-actors-157">Hartenstein</persName> <pb xml:id="p134" ed="pga"/> und dem immer mehr in seiner völligen theologischen Harmlosigkeit sich entpuppenden wackeren <persName ref="kbga-actors-1092">Köberle</persName> zeigen mir, daß auch sie den Meister im Grund nicht erklären und decken können. Wirklich, du konntest nichts Besseres tun, als grimmig lachend<note xml:id="n08">Anspielung auf eine Formulierung <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> (<bibl corresp="kbga-bibls-1177">a.a.O. [<ref type="pub" target="#fn_n03">Anm. 3</ref>], S. 451</bibl>): «Wie ist es möglich, … daß Sie … als Erstes die freudige Erklärung abgeben können: ‹Wir haben genug dogmatische Lehrbücher, die in die Lehre der evangelischen Kirche … ausgezeichnet einführen› — und daß ich auf diese Versicherung eigentlich ehrlicher Weise nur mit einem grimmigen Gelächter antworten könnte?»</note> zu deinen Netzen zurückzukehren. Schade ist einfach, daß deine Krankheit das Herauskommen des <bibl corresp="kbga-bibls-46"><ref type="pub-" target="../texts?facet-volume=13">Anselmbuches</ref></bibl> gerade visavis diesem Heimwerke nicht möglich werden ließ. Ein besseres Gegenstück wäre nicht denkbar gewesen. Allerdings — es wäre wohl vom theologischen Publikum gerade um seines so völligen Andersseins [willen] in diesem Augenblick seltsam genug aufgenommen worden.</p>
        <p>Ich war unterdessen, noch vor Beginn des eigentlichen Semesters, schnell selber in <placeName ref="kbga-places-61">Tübingen</placeName>. Aber von den Größen war noch keine da. Und ich hatte vor Missionaren zu sprechen über die theologische und die kirchliche Lage der Gegenwart.<note xml:id="n09">Der Vortrag konnte nicht nachgewiesen werden.</note> Es war ein gutes Zusammensein. <persName ref="kbga-actors-171">Heim</persName>- und <persName ref="kbga-actors-359">Schlatter</persName><hi rend="italic">schüler</hi> habe ich freilich einige getroffen und hatte durchwegs keinen erfreulichen Eindruck von dieser Art Theologie. Irgend etwas Weiches, Knochenloses haftet ihnen allen an. Von <persName ref="kbga-actors-171">Heim</persName> her verlangen sie «Entscheidung» und von <persName ref="kbga-actors-359">Schlatter</persName> her vermissen sie bei uns die «Freude». Keine guten Einwände! Im übrigen habe ich <placeName ref="kbga-places-61">Tübingen</placeName> zum ersten Male gesehen, war in Bebenhausen<note xml:id="n10">Ort bei <placeName ref="kbga-places-61">Tübingen</placeName> mit einer ehemaligen Zisterzienserabtei.</note> draußen und im Städtlein herum, hatte Sonnenschein und fand, es sei auf alle Fälle zum Studentlen ein guter Ort. An Fronleichnam muß ich nun also an die Gießener Konferenz<note xml:id="n11">In den Unterlagen und Veranstaltungskalendern der Universität Gießen findet sich kein Hinweis auf die Konferenz am <date when="1931-06-04">4.6.1931</date> (Fronleichnam) oder auf <persName ref="kbga-actors-403">Thurneysens</persName> Vortrag (briefliche Auskunft von Katharina Kunter, Institut für evangelische Religionswissenschaft Gießen, vom <date when="1994-09-27">27.9.1994</date>). <persName ref="kbga-actors-403">Thurneysens</persName> Vortrag konnte nicht nachgewiesen werden.</note> und erwäge natürlich, ob und wie es zu machen sei, daß ich bei euch vorbeifahre. Ich kann noch nichts sagen, auf alle Fälle kostet diese Fahrt wieder einmal mitten aus der Woche heraus <pb xml:id="p135" ed="pga"/> einige Tage und außerdem Geld, so daß ich mir alles überlegen muß. Es könnte sich höchstens darum handeln, daß ich für eine Nacht, und zwar vom Dienstag auf Mittwoch, in <placeName ref="kbga-places-10">Bonn</placeName> wäre. Aber ich muß noch alles offen lassen. Deine Absagen in <placeName ref="kbga-places-1214">Wädenswil</placeName> und in <placeName ref="kbga-places-197">Elberfeld</placeName> haben mir entsprechende Anfragen eingetragen. Ich habe aber an beiden Orten ebenfalls abgelehnt. Leider hat nun auch <persName ref="kbga-actors-23">Heiner</persName> keine Gelegenheit, in <placeName ref="kbga-places-197">Elberfeld</placeName> zu reden, da man ihn dort offenbar nur mit dir zusammen auftreten lassen will.<note xml:id="n12"><persName ref="kbga-actors-2151">K.</persName> und <persName ref="kbga-actors-23">H. Barth</persName> waren auf der Theologischen Woche in <placeName ref="kbga-places-197">Elberfeld</placeName> <date when="1929">1929</date> gemeinsam als Referenten aufgetreten und hatten ihre Vorträge veröffentlicht in: <bibl corresp="kbga-bibls-6282"><persName ref="kbga-actors-2151">K. Barth</persName> / <persName ref="kbga-actors-23">H. Barth</persName>, <hi rend="italic">Zur Lehre vom Heiligen Geist</hi> (Beiheft zu ZZ, Nr. 1), München 
                        1930</bibl> (K. Barths Vortrag wieder abgedruckt in: <bibl corresp="kbga-bibls-416">V.u.kl.A. 1925-1930, <ref type="pub-" target="../volume/24/p458#p458">S.<choice><sic ed="pga"> 448</sic><corr type="misprint" resp="sm"> 458</corr></choice>–520</ref>)</bibl>; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-932">Bw.Th. II, <ref type="pub-" target="4272#fn_n03">S. 676, Anm. 3</ref></bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-134">Busch, S. 201f.</bibl></note> <persName ref="kbga-actors-23">Heiner</persName> — ich bin wieder, und zwar diesmal zusammen mit unserem Freund <persName ref="kbga-actors-737">Querbein</persName>, Teilnehmer an seinem Seminar über Geschichtsphilosophie der Gegenwart<note xml:id="n13">Titel laut Vorlesungsverzeichnis: «<hi rend="italic">Besprechung geschichtsphilosophischer Autoren der Gegenwart</hi>».</note>. <persName ref="kbga-actors-96">Dilthey</persName> war das letzte Mal dran, nachdem eine Einleitung die ganze Situation aufgezeigt hatte. Es kam aus Anlaß von <persName ref="kbga-actors-96">Dilthey</persName> zu guten Gesprächen, wenn auch alles ein wenig bei gedämpfter Trommel Klang<note xml:id="n14">Siehe oben <ref type="pub" target="../volume/34/p001#fn_n04">S. 1, Anm. 4</ref>.</note> sich abspielt und große Ausbrüche oder gar Erledigungen nicht geliebt werden. Es hat aber diese Methode des vorsichtigen Befragens und Beklopfens (etwa vergleichbar der Untersuchung bei einem Lungenarzt) auch wieder viel für sich. Und auf alle Fälle entspricht sie <persName ref="kbga-actors-23">Heiner</persName> selbst ganz und gar. Er ist wirklich Bakteriologe und nicht Chirurg und am allerwenigsten Wunderdoktor. Leider wollen sie offensichtlich solch einen Ausrufer und Charlatan weiter und weiter in <placeName ref="kbga-places-5">Basel</placeName>. Ich höre nicht Bestimmtes, man munkelt aber neuerdings von <persName ref="kbga-actors-7388">Schmalenbach</persName> und <persName ref="kbga-actors-142">Grisebach</persName>.<note xml:id="n15">Nachdem die Berufung <persName ref="kbga-actors-7448">Stenzels</persName> gescheitert war (s. oben <ref type="pub" target="../volume/34/p071#fn_n28">S. 71, Anm. 28</ref>), standen «Prof. <choice><sic ed="pga">Schalenbach</sic><corr type="misprint" resp="sm"><persName ref="kbga-actors-7388">Schmalenbach</persName></corr></choice> [sic], der die historische Tradition Prof. <persName ref="kbga-actors-1072">Joels</persName> [sic] fortführen würde, und Prof. <choice><sic ed="pga">riesebach </sic><corr type="misprint" resp="sm"><persName ref="kbga-actors-142">Grisebach</persName></corr></choice>[sic], bei dem das systematische Interesse überwiegt» als nächste auf der Vorschlagsliste der Fakultät (Brief eines Ungenannten [vermutlich Dekan der Fakultät] an <persName ref="kbga-actors-9865">Thalmann</persName> vom <date when="1931-03-14">14.3.1931</date>, in:<ref type="archival"> Dossier Universitätsarchiv XI 3,3, Staatsarchiv Basel-Stadt</ref>). — Herman Schmalenbach (1885–1950) war seit 1923 a.o. Professor für Philosophie in Göttingen, seit 1928 zugleich an der Technischen Hochschule Hannover.</note> Wahrscheinlich passiert aber das Allerunerwünschteste, das heißt, es geschieht vorerst auf lange Zeit überhaupt nichts, sondern der alte <persName ref="kbga-actors-1072">Jöl</persName><note xml:id="n16"><persName ref="kbga-actors-1072">Karl Joël</persName>.</note> 
               <pb xml:id="p136" ed="pga"/> jölt weiter. Und <persName ref="kbga-actors-23">Heiner</persName> bleibt ohne alle anständige Abfindung. Ein schrecklicher Zustand. Aber was soll man da tun? <persName ref="kbga-actors-737">Querbein</persName> hat auch aufs neue keine Ruhe, aber was werden soll, weiß ich noch nicht. Da ist Heiners tapferes Aushalten einer wahrhaftig unhaltbaren Lage wirklich das Erfreulichere. Und vielleicht lohnt es sich doch noch einmal.</p>
        <p>Aus den <orgName ref="kbga-actors-7468">theologischen Blättern</orgName> entnahm ich mit gläubiger Ehrfurcht, daß <persName ref="kbga-actors-367">Karl Ludwig</persName> und sein Bonner Kollege <persName ref="kbga-actors-246">Fritz</persName> in <placeName ref="kbga-places-52">Paris</placeName> nicht nur nachtgelebt, sondern sogar an mysteriösen Kulten teilgenommen haben.<note xml:id="n17">
                        <bibl corresp="kbga-bibls-6283"><persName ref="kbga-actors-367">K. L. Schmidt</persName>, <hi rend="italic">Deutsche Theologen im Ausland</hi>, in: ThBl, Jg. 10 (1931), Sp. 140f.</bibl>; dort wird von langen Debatten <persName ref="kbga-actors-246">Fr. Liebs</persName> und <persName ref="kbga-actors-367">K. L. Schmidts</persName> mit verschiedenen russisch-orthodoxen Theologen und Geisteswissenschaftlern berichtet, «vor allem auch mit dem <orgName ref="kbga-actors-9871">CSV</orgName>-Sekretär <persName ref="kbga-actors-7308">F. T. Pianov</persName>, in dessen Begleitung wir an einem Gottesdienst der unter der Jurisdiktion des Moskauer Patriarchats verbleibenden kleinen Gemeinde teilnahmen» (a.a.O., Sp. 140f.).</note> Ich lege dir eine Nummer des <orgName ref="kbga-actors-9868">Aufbau</orgName><note xml:id="n18">
                        <bibl corresp="kbga-bibls-6284"><hi rend="italic">Der Aufbau. Schweizerische Wochenzeitung für Recht, Freiheit und Frieden</hi>, Jg. 12 (1931), Nr. 20 vom 15.5.1931.</bibl> — Die religiös-soziale Zeitung war von <persName ref="kbga-actors-566">Max Gerwig</persName> und <persName ref="kbga-actors-564">Max Gerber</persName> begründet worden.</note> bei, einmal, damit du wieder einmal die Sprache deiner alten Safenwiler Getreuen aus dem Aufruf der Freischar<note xml:id="n19">
                        <bibl corresp="kbga-bibls-6285"><hi rend="italic">Aufruf zum Pfingsttreffen der Freischar-Jugend, Samstag, Sonntag und Montag, den 23., 24. und 25. Mai 1931, in Veltheim. (Aargau)</hi>, in: <hi rend="italic">Der Aufbau</hi>, a.a.O., S. 82.</bibl> — Die unabhängig sozialistische Jugend der Schweiz nannte sich Freischar.</note> vernehmest (sie kehren sichtlich immer mehr zu den Anfängen, den Quellen, den Müttern zurück<note xml:id="n20">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-1624"><persName ref="kbga-actors-136">J. W. von Goethe</persName>, <hi rend="italic">Faust II</hi>, Erster Akt, Szene «Finstere Galerie», bes. V. 6216-6219.6263–6266.6283–6293</bibl>; vgl. auch ebd., Szene «Rittersaal», V. 6427-6438.</note>, zum pfingstlichen Sozialismus — und wenn man in diesen Sommertagen zurückdenkt an die Aargauer Sommertage von vor fünfzehn Jahren, so ist’s, wie wenn es nur einen kleinen Ruck brauchte, und man wäre auch wieder dort weit hinter den Bergen an irgendeinem <orgName ref="kbga-actors-8613">Blaukreuz</orgName>- oder Maifeierfestlein<note xml:id="n21">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-215">V.u.kl.A. 1909-1914, <ref type="pub-" target="../volume/22/p559#p559">S. 559–562</ref>.<ref type="pub-" target="../volume/22/p710#p710">710f</ref>.<ref type="pub-" target="../volume/22/p734#p734">734-738</ref></bibl>.</note>) und zugleich den merkwürdigen Aufruf lesest, den solch ein östlicher Bischof<note xml:id="n22">
                        <bibl corresp="kbga-bibls-6286">[<persName ref="kbga-actors-564">M.] Gerber</persName>, <hi rend="italic">Von Kirchenfürsten</hi>, in: Der Aufbau, a.a.O. (<ref type="pub" target="#fn_n18">Anm. 18</ref>), S. 80– 82</bibl>; darin S. 80f. «Aufruf Seiner Hochehrwürden des Metropoliten Antonius. Eine Erzpriesterliche Sendung an alle Rechtgläubigen Russen im unterjochten Rußland und im Auslande».</note> und wahrscheinlich eben aus Fritzens Pariser Ecke zur Lage erläßt, wahrhaftig nichts gelernt und nichts vergessen habend, im Grunde aus der nämlichen Munterkeit und Sattheit heraus wie irgend <pb xml:id="p137" ed="pga"/> ein deutscher Dibelius. Man fragt sich, ob der Start mit diesen Brüdern<note xml:id="n23"><persName ref="kbga-actors-246">Liebs</persName> Beschäftigung mit der russischen Geistesgeschichte und Kirche begann bereits während seiner Zeit als Privatdozent in Basel (1924–1930). Neben seiner Lehrtätigkeit — seit 1931 als Professor für östliches Christentum in Bonn — gab er von 1929 bis 1936 (mit wechselnden Mitarbeitern) in unregelmäßiger Folge die Zeitschrift «Orient und Occident. Staat — Gesellschaft — Kirche. Blätter für Theologie und Soziologie» heraus. Seine Kontakte zu russisch-orthodoxen Emigranten in Paris, durch jährliche Reisen im Frühjahr gepflegt, intensivierten sich, als er nach seiner Entlassung durch die Nationalsozialisten (1933) 1934/1937 in Clamart bei Paris lebte.</note> wirklich so viel besser herauskommt als mit den Evangeliumschristen, von denen ja <persName ref="kbga-actors-246">Fritz</persName> aus guten Gründen weit abgerückt ist.<note xml:id="n24">Über die Identität der «Evangeliumschristen» und <persName ref="kbga-actors-246">Liebs</persName> offenbar wechselnde Haltung zu ihnen ließ sich nichts ermitteln.</note> Und man sagt sich, daß es auch dem Osten gegenüber wahrscheinlich das Beste sein wird, unsereiner flicke und knüpfe seine westlichen Netze, so gut es eben geht. Was daraus wird, wenn der Osten wirklich erwachen sollte, das ist eine Sache für sich.</p>
        <p>Hast du auch ein so scharfes Urteil über <persName ref="kbga-actors-105">Elert</persName>? Ich kenne das Buch<note xml:id="n25">
                        Vermutlich <bibl corresp="kbga-bibls-6287"><persName ref="kbga-actors-105">W. Elert</persName>, <hi rend="italic">Morphologie des Luthertums</hi>, Bd. I: <hi rend="italic">Theologie und Weltanschauung des Luthertums hauptsächlich des 16. und 17. Jahrhunderts</hi>, München
                            1931</bibl>.
                    </note> nicht. Und nun noch etwas. Ein paar ordlige<note xml:id="n26">= brav, folgsam, freundlich.</note> Konfirmanden wollen es sich nicht nehmen lassen, mir etwas zu schenken, und fragen mich nach Bücherwünschen. Als du das letzte Mal hier warst, sagtest du etwas von einer neuerscheinenden kurzen Weltgeschichte. Ich habe aber den Verfasser ganz vergessen. Und doch hätte ich es dringend nötig, so etwas zu besitzen. Bitte, schreib mir doch gleich auf einer Karte den Titel. Es eilt etwas. Ich bin den Töchtern<note xml:id="n27">= Mädchen.</note> die Antwort schon etwas lange schuldig. Oder weißt du sonst etwas Treffliches, das man sich wünschen könnte, falls etwa die besagte Weltgeschichte doch nicht wirklich brauchbar oder viel zu teuer wäre?</p>
        <p>Ich stecke nun mitten im Betrieb meines homiletischen Seminars<note xml:id="n28"><persName ref="kbga-actors-403">Thurneysens</persName> erstes «Homiletisches Seminar» war für mittwochs 14-16 Uhr angekündigt.</note> drin. Eine einstige Schülerin von dir, eine Fräulein Schmidt<note xml:id="n29">Die — vermutlich lückenhaft überlieferten — Immatrikulationsunterlagen der <orgName ref="kbga-actors-5398">Universität Basel</orgName> enthalten keinen Hinweis auf eine Studentin dieses Namens im SS 1931 (telephonische Auskunft durch das Archiv der Universität Basel am 20.4.1998). Vielleicht handelt es sich um Ingeborg Schmidt aus Königswusterhausen (Brandenburg) bei Berlin, die im SS 1931 Mitglied der Vereinigung christlicher Studenten Basel war (s. Semesterbericht von Walter Wolfer im Lederband mit Semesterberichten des [sic] V.C.S 
                  1883–1935, <ref type="archival">Staatsarchiv Basel-Stadt, PA 806 B 4</ref>) und im Dezember 1933 in Basel ihr theologisches Examen mit «gut» bestand (Zulassung laut Beschluß der Fakultätssitzung vom 8.11.1933, s. Band Protokolle, Staatsarchiv Basel-Stadt, S. 130). — Oder war es Henny Schmidt, die, wie aus ihrem Brief an <persName ref="kbga-actors-2151">K. Barth</persName> vom <ref type="kba-objects-id" target="46189">29.6.1947</ref> hervorgeht, in Münster bei Barth studiert hatte und «gern an diese schönste Zeit, das Himmelreichhaus, Frau <persName ref="kbga-actors-26">N. Barth</persName> und ‹unser Kränzchen›» zurückdachte?</note> aus <placeName ref="kbga-places-8">Ber<pb xml:id="p138" ed="pga" break="no"/>lin</placeName>, sitzt als besonders getreue Zuhörerin immer obenan neben mir und glaubt mir alles. Ich habe ziemlich viel Füxe<note xml:id="n30">Aus der Sprache der Studentenverbindungen: noch nicht vollberechtigtes Verbindungsmitglied der ersten drei Semester (bei der <orgName ref="kbga-actors-2687">Zofinger</orgName> Vereinigung).</note>, das heißt eben erst dem Prope<note xml:id="n31">Studentensprachliche Abkürzung für «Propädeuticum»: in der Schweiz obligatorisches Zwischenexamen für Theologiestudenten.</note> Entronnene, die fatalerweise noch keine Dogmatik und erst recht keine Homiletik gehört haben, so daß ich zuerst allerlei Grundlegendes einpauken mußte. Nun habe ich eben eine Tafel mit Kriterien einer rechten Predigt mit ihnen aufgestellt, und wir können jetzt daran gehen, Predigten zu beurteilen und zu erstellen. Letzten Sonntag mußte das ganze Seminar in die Predigt zu Pfarrer <persName ref="kbga-actors-491">Benz</persName><note xml:id="n32">Dr. <persName ref="kbga-actors-491">Gustav Benz</persName> (1866–1937), 1897–1937 Pfarrer an St. Matthäus in Basel, bekannter Prediger.</note>, um dann am Mittwoch darauf darüber sich auszusprechen. Ich höre, daß auch <persName ref="kbga-actors-275">Georgius</persName> ähnliche Türken<note xml:id="n33">Siehe oben <ref type="pub" target="../volume/34/p045#fn_n11">S. 45, Anm. 11</ref>.</note> unternimmt.</p>
        <p>Währenddem rollen und rollen aber <persName ref="kbga-actors-316">Ruedi</persName> und <persName ref="kbga-actors-315">Gerty</persName> in fernen, sonnigen und südlich-östlichen Gegenden. Gestern kam eine Karte aus der Gegend von <placeName ref="kbga-places-303">Sarajewo</placeName><note xml:id="n34">Nicht erhalten. Nach <persName ref="kbga-actors-316">R.</persName> und <persName ref="kbga-actors-315">G. Pestalozzis</persName> Reisebericht «Kleines Tagebuch unserer Jugoslavienfahrt. Mai 1931» (<date>2.5.-28.5.1931</date>) waren Pestalozzis vom 11.-13.5. in Sarajewo (vervielfältigtes, gebundenes Typoskript im Format DIN A4, 42 S., im <orgName ref="kbga-actors-8253">Karl Barth-Archiv</orgName>).</note> und meldete, daß sie bereits einmal im Auto stecken geblieben [sind] und eine Nacht im Freien verbringen mußten. Aber offenbar ist im Ganzen doch Gelingen bei ihrem Tun. Ich selber war also noch 8 Tage im <placeName ref="kbga-places-1265">Törli</placeName><note xml:id="n35">Vgl. oben <ref type="pub" target="../volume/34/p044#fn_n05">S. 44, Anm. 5</ref>.</note> vor Semesterbeginn und habe Grammophon, Neuenburger, Zigarren und Wald und Auto genießen können. Der Sommer wird doch sicher euch auch wieder herbringen. Euch winken ja jetzt schon bald die großen Ferien. Wenn ich <persName ref="kbga-actors-275">Georg</persName> und dich <pb xml:id="p139" ed="pga"/> um etwas beneide, so darum. Hoffentlich geht es dir bis dahin erträglich. Wie steht’s eigentlich mit deinen fatalen Zuständen im Kopf? Grüße <persName ref="kbga-actors-26">Nelly</persName> und <persName ref="kbga-actors-223">Lollo</persName> herzlich, herzlich von uns beiden. Uns geht es soweit recht und gut. Das <persName ref="kbga-actors-7483">Christinli</persName> gedeiht. <persName ref="kbga-actors-1285">Marguerite</persName> wird heute von der Pflegerin verlassen und allein weiterfahren müssen, was natürlich einige Sorge bereitet. Sie stillt das Kind bis jetzt ganz und hofft, es gehe auch weiterhin.</p>
        <p>Sei selber herzlich und treulich gegrüßt und laß mir doch weiterhin die <bibl corresp="kbga-bibls-220"><ref type="pub-" target="../texts?facet-volume=14">Prolegomena</ref></bibl> zukommen. Sie kamen mir bereits auch in der Einleitung zu meinen Predigtübungen und der Skizzierung der ganzen theologischen Lage im Seminar sehr zu Gute.</p>
        <closer>
          <salute>Dein</salute>
          <signed><persName ref="kbga-actors-403">Eduard</persName></signed>
        </closer>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
