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        <title type="volume" n="vol-34">Karl Barth – Eduard Thurneysen. Briefwechsel Bd. III 1930–1935</title>
        <title type="content">Eduard Thurneysen an Karl Barth</title>
        <title type="citation_line_1">Eduard Thurneysen an Karl Barth, 9. Februar 1932</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/34067 (Stand: 2. Oktober 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Karl Barth – Eduard Thurneysen. Briefwechsel Bd. III 1930–1935, hrsg. v. Algner, Caren (Gesamtausgabe, Abt. V), Zürich 2000, S. 195–207.</title>
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        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
        <sponsor>Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW)</sponsor>
        <sponsor>Schweizerischer Nationalfonds (SNF)</sponsor>
        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
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        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
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        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
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          <title type="volume">Karl Barth – Eduard Thurneysen. Briefwechsel Bd. III 1930–1935</title>
          <title type="text">Eduard Thurneysen an Karl Barth</title>
          <author ref="kbga-actors-403">Thurneysen, Eduard</author>
          <editor>Algner, Caren</editor>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
          <date type="publication">2000</date>
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          <title type="edition">Princeton Barth Project edition</title>
          <title type="text">electronic edition of Karl Barth, Gesamtausgabe V.34, Karl Barth - Eduard Thurneysen Briefwechsel Band III 1930-1935, letter 59</title>
          <author ref="kbga-actors-403">Thurneysen, Eduard</author>
          <editor>James R. Adair, Jr.</editor>
          <editor>Timothy J. Finney</editor>
          <editor>Christian Kelm</editor>
          <pubPlace>Princeton</pubPlace>
          <publisher>Alexander Street Press</publisher>
          <date type="publication">2001</date>
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        <bibl xml:id="A" type="source">A (Vorlage der Edition): Thurneysen, Eduard, Eduard Thurneysen an Karl Barth, 9. Februar 1932. <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/19934">KBA 9370.670</ref>. </bibl>
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            <date when="1932-02-09">9. Februar 1932</date><note xml:id="n01">Besonders im Hauptteil dieses Briefes, der Schilderung der Sitzung der <orgName ref="kbga-actors-10837">Philosophisch-theologischen
Vereinigung</orgName>, lehnte <persName ref="kbga-actors-403">Thurneysen</persName> sich eng an seinen
Brief an <persName ref="kbga-actors-316">R.</persName> und <persName ref="kbga-actors-315">G. Pestalozzi</persName> vom <date when="1932-02-06">6.2.1932</date> (Durchschlag im <bibl corresp="kbga-bibls-6800">Nachlaß Thurneysen</bibl>)
an: der Aufbau und viele Wendungen dieses Stückes sind gleich, die Schilderung
im späteren Brief ist jedoch ausführlicher. Etwas kürzer als im Brief an
Pestalozzis faßte <persName ref="kbga-actors-403">Thurneysen</persName> in seinem Brief an <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> die Beurteilung des Vortrags
von <persName ref="kbga-actors-1017">Guardini</persName> und die Schilderung des Besuches von <placeName ref="kbga-places-76">Leutwil</placeName> (hier im Postskriptum,
dort am Anfang des Briefes). Unter dem Brief vom 6.2. steht das auf
den <date when="1932-02-09">9.2.1932</date> datierte Postskriptum: «Der Brief an Euch blieb liegen, weil ich
noch an <persName ref="kbga-actors-2151">Karl</persName> schreiben wollte, und dazu brauchte ich — infolge Geistesarmut—
als Vorlage diesen Brief. An <persName ref="kbga-actors-2151">Karl</persName> habe ich nun ausführlicher, aber das Gleiche
geschrieben und lege zur Ergänzung einen Durchschlag bei.»</note>
            </dateline>
          <salute>Lieber <persName ref="kbga-actors-2151">Karl</persName>,</salute>
        </opener>
        <p>Was für eine schreckliche Lücke habe ich aufgehen lassen in unserem Briefgespräch. Ich wage fast nicht mehr, dir unter die Augen zu treten. Ach, sieh, es ist wirklich nicht Schlamperei oder gar eine wirkliche Ferne, die daran schuld wären, sondern schuld daran ist das unaufhörliche, das nicht ablassende Gedränge, in dem drin mein Dasein verläuft. Ich komme oft für mich selber kaum zur Besinnung, sondern muß wie auf einer Ressliritti<note xml:id="n02">(oder Rössliritti) = Karussell.</note> immer weiter im Kreis herum von einem zum andern eilen. Nun aber muß das Loch in diese Mauer des Schweigens wieder einmal gebrochen werden!</p>
        <p>Vor Weihnacht — da war der gute Abend, den ich in <placeName ref="kbga-places-20">Frankfurt</placeName> bei deinem Schüler <persName ref="kbga-actors-987">Fricke</persName> hatte<note xml:id="n03">Vgl. <persName ref="kbga-actors-403">Thurneysens</persName> Bericht in einem Brief vom <date when="1931-12-20">20.12.1931</date> an <persName ref="kbga-actors-315">G.</persName> und <persName ref="kbga-actors-316">R. Pestalozzi</persName>: «Unterdessen war ich also in <placeName ref="kbga-places-20">Frankfurt</placeName> und habe dort sehr gute Aufnahme gefunden und einen herzlichen und wertvollen Kontakt mit dem Pfr. <persName ref="kbga-actors-987">Fricke</persName>, der unentwegt seine Arbeit in seinem Vorort tut und zeigt, wie viel an ganz neuen Arbeitsmöglichkeiten gerade durch die Krisis in kirchlicher Hinsicht sich eröffnet, wenn man der Mann dazu ist, zu sehen und anzugreifen. Auch er war sehr unverzagt und meinte nur, Deutschland müsse nun die neue, kommende gebundene Wirtschafts- und Gemeinschaftsform innerlich erarbeiten. Es sei dazu in die Not hineingezwungen. Insofern habe der Bolschewismus schon etwas zu bedeuten, aber asiatisiert würden wir allerdings nicht werden, so sehr die Anstöße vom Osten her aufgenommen werden und eben verarbeitet werden müßten» (<bibl corresp="kbga-bibls-6800">Nachlaß Thurneysen</bibl>).</note>, mit dem ich mich richtig befreundet ha<pb xml:id="p196" ed="pga" break="no"/>be. Mein Vortrag war mir fast Nebensache über dem, was Fricke mir sagte und zeigte von seiner Gemeindearbeit. Das hat mir alles einfach eingeleuchtet bis hin zu seiner Notkirche, in der man «zur Not» sogar kochen kann<note xml:id="n04"><date when="1927">1927</date> entstand aus Teilen von <persName ref="kbga-actors-987">Frickes</persName> bisheriger, zur Landeskirche Hessen-Kassel gehöriger Bockenheimer Gemeinde und einer anderen Frankfurter Gemeinde die neue evangelisch-lutherische Dreifaltigkeitsgemeinde (Landeskirche Frankfurt am Main), die als Kirchengebäude einen zu diesem Zweck errichteten Notbau benutzte. Dieser Bau enthielt nicht nur einen Kirchenraum mit erhöhtem Altarbereich, Empore und Orgel. «Sehr hübsche, kleine Teeküchen ermöglichen die Bewirtung an Familienabenden.» Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-6380"><hi rend="italic">Frankfurter Kirchen-Kalender für die evangelischen Gemeinden Großfrankfurts</hi>, Jg. 43 (1931), S. 53–57 (mit Photographien; Zitat dort S. 56)</bibl>.</note>. 
        Was da weitergeht, wird unsere ganze Aufmerksamkeit verdienen. Ich habe mich auch theologisch gut mit ihm verstanden. Er hat mir Predigten gezeigt und zu lesen gegeben, die einfach gut sind. Und auch was er aus seiner realen Denkweise heraus über die Gegenwartslage zu sagen weiß, ist mir alles ganz einleuchtend und nahe gewesen. Da hast du einen Schüler, der sich auf exponiertem Posten wirklich bewährt.</p>
        <p>Und dann kam also der Weihnachtsrummel selbst mit seinem vielfachen Predigen und Rufen, während bei euch die Arbeit ein wenig ruhte und dafür die theologischen Jünglinge bei mir vorbeikamen und mir Kunde gaben von dem großen Antrieb und Auftrieb, in dem sie in <placeName ref="kbga-places-10">Bonn</placeName> drinstehen. Der Exfuxmajor<note xml:id="n05"><persName ref="kbga-actors-7373">Arnold Schär</persName>.</note>, der von seinem gewaltigen <persName ref="kbga-actors-528">Vater</persName> sicher etwas erdrückte <persName ref="kbga-actors-6896">Paul Dieterle</persName>, der ganz erstklassige <persName ref="kbga-actors-6963">Paul Frey</persName>, sie alle, alle wußten jeder in seiner Färbung Bonn nicht genug zu loben. Und ich bin restlos froh um jeden, der von hier aus den Weg zu dir findet und endlich einmal etwas anständige Theologie zu schmecken bekommt. Sie bilden dann allerdings nach ihrer jeweiligen Rückkehr Steine des Anstoßes bei der hiesigen Lehrbildung, sie kaufen unserem <pb xml:id="p197" ed="pga"/> Freund <persName ref="kbga-actors-787">Ernst</persName> seine Spekulationen über die gefallene Schöpfung<note xml:id="n06">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-6304"><persName ref="kbga-actors-787">E. Staehelin</persName>, <hi rend="italic">Sechsundfünfzig Thesen…</hi>, a.a.O., [<ref type="pub" target="../volume/34/p151#fn_n21">S. 151, Anm. 21</ref>], S. 12–17 (These 10-21).</bibl> Vgl. auch das Zitat aus Staehelins Ansprache bei der Trauerfeier für Professor <persName ref="kbga-actors-6908">E. Dürr</persName> unten <ref type="pub" target="../volume/34/p596#fn_n01">S. 596, Anm. 1</ref>.</note> (welcher fatalen Lehre übrigens neuerdings zu meinem Gram und Groll dein Bruder <persName ref="kbga-actors-23">Heiner</persName> freundlichsten Beifall zu spenden beginnt!) und <persName ref="kbga-actors-1092">Köberle</persName> seine Halbheiligung nicht mehr recht ab. Dafür bilden sie dann die Stützen in meinem Seminar, das mir im übrigen viel Kummer bereitet. Denn mein Dutzend ist im übrigen theologisch von einer fabelhaften Buntscheckigkeit, Ignoranz und Unzuverlässigkeit — immer mit der Ausnahme der ein bis zwei, die von dir herkommen, diesmal ist es der junge <persName ref="kbga-actors-1280">Sutz</persName><note xml:id="n07"><persName ref="kbga-actors-1280">Erwin Sutz</persName> (1906–1987), Student bei <persName ref="kbga-actors-63">E. Brunner</persName> und im WS 1928/29 bei <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> in Münster (vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-932">Bw.Th. II, <ref type="pub-" target="../volume/04/p639#p639">S. 639</ref></bibl>) — er vermittelte die ersten persönlichen Begegnungen seines Freundes <persName ref="kbga-actors-50">D. Bonhoeffer</persName> mit <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> und <persName ref="kbga-actors-63">Brunner</persName> —, wurde nach seiner Ordination am 5.6.1932 Vikar in Zürich-Fluntern, 1933–1969 Pfarrer in verschiedenen schweizerischen Pfarrstellen; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-3222">E. Bethge, <hi rend="italic">Dietrich Bonhoeffer. Theologe, Christ, Zeitgenosse</hi>, München 1983<hi rend="sup">5</hi>, S. 189f.216.218.817.</bibl></note> und ein gewisser <persName ref="kbga-actors-7029">Gysel</persName><note xml:id="n08"><persName ref="kbga-actors-7029">Hermann Gysel</persName> (1908–1990), nach seinem Studium in Zürich, Bonn (bei <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName>), Basel und Marburg (bei <persName ref="kbga-actors-512">Bultmann</persName>) bis zu seinem krankheitsbedingten Rücktritt 1972 Pfarrer in verschiedenen Orten im Kanton Schaffhausen.</note>.</p>
        <p>Über Neujahr waren <persName ref="kbga-actors-1285">Marguerite</persName> und ich drei Tage im <placeName ref="kbga-places-1557">Schwarzwald</placeName> oben für uns allein. Und da las ich von A bis Z das mir von euch geschenkte Buch über den wackeren <persName ref="kbga-actors-8403">Schlunk</persName> oder vielmehr Schlun<hi rend="italic">ck</hi><note xml:id="n09">
                        <bibl corresp="kbga-bibls-6381"><hi rend="italic">Ein Pfarrer im Kriege. Kriegserlebnisse des renitenten Pfarrers Rudolf Schlunck</hi>, hrsg. von R. Schlunck und W. Wibbeling, München
                            1931.</bibl> — <persName ref="kbga-actors-363">Rudolf Schlunck</persName> (1871–1927) war 1902–1927 (unterbrochen von Kriegsdienst) Pfarrer der renitenten hessischen Gemeinden Schemmern, Melsungen und Morschen (s. unten <ref type="pub" target="#fn_n12">Anm. 12</ref>) und zugleich Gymnasiallehrer (vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-931">Bw.Th. I</bibl> und <bibl corresp="kbga-bibls-932">II</bibl> [Namenregister]). Infolge von innerfamiliären Auseinandersetzungen über seine Art, in einer Predigt «offenkundige politische Tatsachen unter die sittliche Beleuchtung des Wortes Gottes» zu stellen, hatte er im Sommer 1917 das von seinem Großvater gestrichene c wieder in seinen Namen eingefügt, vgl. a.a.O., S. 314–316; Zitat dort S. 314.</note>, denn darauf legt er ja Gewicht! Ich habe schließlich das Gefühl, man habe dem Guten einen reichlich schlechten Dienst erwiesen mit dieser Vollveröffentlichung aller seiner Wege und Gedanken.<note xml:id="n10">Das Buch enthält <persName ref="kbga-actors-363">Schluncks</persName> Feldpost (Briefe an seine Familie, Freunde und seine Gemeinden), gekürzt «um rein persönliche Mitteilungen und Wiederholungen», sowie einige Beiträge für die Zeitschrift «Kirche und Welt» von 1918 (<bibl corresp="kbga-bibls-6381">a.a.O., S. 5</bibl>).</note> Sein Durch<pb xml:id="p198" ed="pga" break="no"/>bruch zum preußischen Leutnant<note xml:id="n11">Die Dokumente spiegeln auch <persName ref="kbga-actors-363">Schluncks</persName> Kampf um die Eröffnung der Offizierslaufbahn wider, von der er während seiner früheren einjährigen Militärzeit wegen seiner politischen Gesinnung — seiner Ansicht nach unrechtmäßig — ausgeschlossen worden war. Seine Zugehörigkeit zu einer nicht anerkannten Kirche (der Renitenten Kirche in Niederhessen, s. unten <ref type="pub" target="#fn_n12">Anm. 12</ref>), durch die ihm auch die Stellung eines Feldgeistlichen verwehrt war, erwies sich als zusätzliches Hindernis in diesem Kampf. Doch nach Überwindung immer neuer Widerstände und Bewährung an der Front wurde er im Juli 1915 zum Unteroffizier (<bibl corresp="kbga-bibls-6381">a.a.O., S. 134</bibl>), im März 1916 zum Vizefeldwebel und Offiziersaspiranten (a.a.O., S. 226) und im Oktober 1916 zum Leutnant (a.a.O., S. 269) befördert.</note> ist nun einmal wirklich auch reichsgottesgeschichtlich kein Ereignis, und so viel Gutes und Lehrreiches und menschlich Sympathisches in dem Buche zu lesen steht, es ist doch eine tolle Überschätzung der Renitenz<note xml:id="n12">Beim Anschluß Kurhessens an die Preußische Union 1873 verweigerten 43 Anhänger <persName ref="kbga-actors-7501">August Wilhelm Vilmars</persName> mit Teilen ihrer Gemeinden dem neuerrichteten Gesamtkonsistorium die Anerkennung und bildeten die «Renitente Kirche ungeänderter Augsburgischer Confession», die sich 1945 z. T. wieder der Landeskirche, z. T. der Selbständigen evangelisch-lutherischen Kirche anschloß; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-931">Bw.Th. I, <ref type="pub" target="../volume/03/p450#fn_n02">S. 450, Anm. 2</ref></bibl>. <persName ref="kbga-actors-363">Schluncks</persName> Feldbriefe lassen erkennen, für wie überlegen er die Kompromißlosigkeit und das offene Auftreten der Renitenz gegenüber der Haltung der allerlei Rücksichten nehmenden Landeskirchen und der Militärgeistlichkeit hielt; vgl. bes. <bibl corresp="kbga-bibls-6381">a.a.O., S. 35.37.94-96.111.144-146.149.168.250.331.</bibl></note>.</p>
        <p>Was mich aber gegenwärtig wirklich sorgenvoll beschäftigt, das ist, <persName ref="kbga-actors-2151">Karl</persName>, mein Freund <persName ref="kbga-actors-23">Heiner</persName>. Du weißt ja um seine mit mir betriebene Neugründung, die theologisch-philosophische Arbeitsgemeinschaft. Hör an (mit <persName ref="kbga-actors-275">Georg</persName> zu reden): die erste Sitzung fand noch vor Weihnacht statt und endete mit einem solennen — Krach zwischen <persName ref="kbga-actors-23">Heiner</persName> und mir. <persName ref="kbga-actors-23">Heiner</persName> hatte einen einleitenden Vortrag, den ich nach wie vor einfach für schwach halten muß, über das Thema «Vernunft und Offenbarung»<note xml:id="n13">Ein mit «Vernunft und Offenbarung, Philosoph.-Theolog. Vereinigung, <date when="1931-12-08">8. Dez. 1931</date>» überschriebenes Typoskript (11 S., DIN A 4), befindet sich samt der handschriftlichen Vorlage <persName ref="kbga-actors-23">H. Barths</persName> im <bibl corresp="kbga-bibls-6813">Nachlaß H. Barth (Universitätsbibliothek Basel)</bibl>.</note>, wie er es selbst formuliert haben wollte. Und wenn ich recht sehe, war die Sache so gedacht, daß er, <persName ref="kbga-actors-23">Heiner</persName>, mit diesem Vortrag einleitend das Feld zwischen mir und sich so abzustecken gedachte, daß ich mir jedenfalls keinerlei theologische «Übergriffe» mehr gestatten können sollte. Ich will dir ein paar (wörtliche) Zitate geben. «Was könnte dem Theologen daran liegen, dem profanen Denken alle Wahr<pb xml:id="p199" ed="pga" break="no"/>heit abzustreiten? Diese Ausstoßung in die Wüste ist sicher oft weniger ernst gemeint, als der dialektische Eifer vermuten läßt. Wir halten [es] hier mit dem heiligen <persName ref="kbga-actors-1282">Thomas</persName>, der in allem Weltsein, auch im weltlichen Denken, [einen <hi rend="italic">Hinweis</hi> auf die letzte Wahrheit, so etwas wie] eine ‹<hi rend="italic">Analogie</hi>› des <hi rend="italic">göttlichen</hi> Seins anerkennt. Das Problem der [‹]letzten Dinge[›] muß schon in den ersten aufgeworfen sein.»<note xml:id="n14">
                        <bibl corresp="kbga-bibls-6813">Typoskript (s. <ref type="pub" target="#fn_n13">Anm. 13</ref>), S. 10</bibl>; Ergänzungen in den eckigen Klammern von der Hrsgn. nach dem Typoskript, außerdem dort statt «dem profanen Denken»: «ihm» und statt «heiligen»; «hl.».</note> Du ersiehst aus diesen paar Sätzen wohl deutlich genug, auf welcher Linie <persName ref="kbga-actors-23">Heiner</persName> zu fechten gedachte. <foreign xml:lang="lat">Analogia entis</foreign>!<note xml:id="n15">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-4673"><persName ref="kbga-actors-327">E. Przywara</persName>, <hi rend="italic">Analogia entis. Metaphysik</hi>, [Bd.] I: <hi rend="italic">Prinzip</hi>, München
                            1932.</bibl> — Der von <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> 1932 als «<hi rend="italic">die</hi> Erfindung des Antichrist» bezeichnete Begriff (<bibl corresp="kbga-bibls-2">KD I/1, S. VIII</bibl>) begegnet in <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> Schriften erstmals in seinem 1929 gehaltenen Vortrag «Schicksal und Idee in der Theologie»: vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-5534">V.u.kl.A. 1925-1930, <ref type="pub-" target="../volume/24/p344#p344">S. 344–392</ref></bibl>, dort <ref type="pub-" target="../volume/24/p356#p356">S. 356</ref>; vgl. auch <bibl corresp="kbga-bibls-2">KD I/1, S. 40.</bibl></note> Was mich aber beim Anhören aufbrachte, war nicht so sehr die sachliche Differenz gegen diesen philosophischen Thomismus, als die gewisse mir ärgerliche «Abgeklärtheit» und Überlegenheit, aus der heraus ich ihn gegenüber der Theologie reden hörte. Immerhin war eben auch sachlich die Lage sehr diskussionsbedürftig. Überlege dir noch folgende (wörtliche) Zitate: <persName ref="kbga-actors-23">Heiner</persName> proklamierte: «… bereits oben wurde der Hinweis gemacht auf das Moment der <hi rend="italic">Ursprünglichkeit</hi>, des unbedingt <hi rend="italic">Primären</hi> und <hi rend="italic">Endgültigen</hi> in der Vernunft. Diese Ursprünglichkeit kommt in der <hi rend="italic">platonisch-augustinischen Linie</hi> der Geistesgeschichte zum Ausdruck, zu der wir uns in diesem entscheidenden Punkte bekennen möchten, ohne die Gefahren ihrer mystisch-spekulativen Unmittelbarkeit zu übersehen. Die Erkenntnis hat ihren <hi rend="italic">Ursprung</hi> in <hi rend="italic">Gott</hi>. Die <hi rend="italic">Vernunft</hi> ist endgültig nicht unsere, sondern Gottes <hi rend="italic">Vernunft</hi>; was in uns aufleuchtet, ist ein Abglanz des ewigen Lichtes, der uns an das <foreign xml:lang="lat">transcendens</foreign>, an das <foreign xml:lang="lat">unum, verum, bonum</foreign> erinnern soll. Der Versuch, die <hi rend="italic">Vernunft</hi> in diesem transcendenten Sinne in den Bereich unserer vermeintlichen Verfügbarkeit zu rücken, dürfte weniger nahe liegen. Für das moderne Bewußtsein, auch für die Theologen, ist leider die rein <hi rend="italic">säkularistische</hi> Auffassung der <hi rend="italic">Vernunft</hi> Axiom. Wir fragen: ist diese Säkularisierung des Erkenntnisbegriffs, die der ganzen Tradition fremd war, das letzte Wort? Warum soll Vernunft nur einen profanen, nur einen trivial-menschlichen Klang haben? Etwa damit ein absoluter Gegensatz gegen Offenbarung entsteht? Die Philo<pb xml:id="p200" ed="pga" break="no"/>sophie der Erkenntnis weist nicht in der Richtung eines banalen <hi rend="italic">Vernunft</hi> begriffs …»<note xml:id="n16">
                        <bibl corresp="kbga-bibls-6813">Typoskript (s. <ref type="pub" target="#fn_n13">Anm. 13</ref>), S. 7</bibl> (Hervorhebungen von der Hrsgn. aus dem Typoskript übernommen). Der Anfang des Zitats lautet dort: «bereits oben der Hinweis auf das Moment der <hi rend="italic">Ursprünglichkeit</hi>, des unbedingt <hi rend="italic">Primären</hi> und <hi rend="italic">Endgültigen</hi> in ihr …»</note> Nun, nicht wahr, es war doch zum mindesten am Platz, diesen Formulierungen gegenüber ein paar sichernde, den Offenbarungsbegriff sichernde Fragen zu stellen? Ich hatte den Abend zu leiten und konnte mir infolgedessen erst ganz am Schluß selber das Wort erteilen. Und nun scheinen meine Anfragen etwas sehr aggressiv hervorgebrochen zu sein. Und es endete alles unter dem Eindruck wirklicher Diskrepanz zwischen den beiden Leitenden! Und dies umso mehr, als auf der anderen Seite ein mir besonders ärgerlicher, aber wirklich erstaunlich dichter und vollständiger Consensus zwischen <persName ref="kbga-actors-23">Heiner</persName> und — unserem Freund <persName ref="kbga-actors-1259">Ernst Staehelin</persName> und <persName ref="kbga-actors-1092">Köberle</persName> entstand. Sie trafen sich einfach alle merkwürdig freudig auf der augustinisch-thomistischen Linie. Und als ich <persName ref="kbga-actors-23">Heiner</persName> nachher auf diese seine doch etwas seltsamen Partner hinweisen wollte, erklärte er mir stirnrunzelnd, ich unterschätze eben <persName ref="kbga-actors-1259">Ernst Staehelin</persName> doch bedeutend! Und nun denk dir noch dazu eine ziemlich beträchtliche Zuschauertribüne, das heißt ein stummer Kreis von diesem Duell beiwohnenden Lehrern und Lehrerinnen aus Töchterschule und Gymnasium<note xml:id="n17">Das heißt wohl aus dem Humanistischen Gymnasium am <placeName ref="kbga-places-859">Münsterplatz</placeName> und dem einzigen Mädchengymnasium Basels am Kohlenberg. (Jungen standen daneben noch das Mathematisch-naturwissenschaftliche und das Realgymnasium offen.)</note> und etlichen sonstigen Zuzügern, und ich wirklich in <foreign xml:lang="eng">splendid isolation</foreign> allen gegenüber.</p>
        <p>Die Folge war nun, daß stürmisch verlangt wurde, der finstere, vernunftunfreudige Theologe solle nun seinerseits das Wort nehmen am nächsten Abend über das gleiche Thema. Und das ist nun auch geschehen. Ich habe vor 8 Tagen nun meinen Vortrag gehalten vor dem gleichen Kreise. Wie ging das zu? Es begann damit, daß ich einen ganzen Sonntag lang bis tief in die Nacht hinein las, las, las, und zwar, wie konnte es anders sein? — <persName ref="kbga-actors-2151">Karl Barth</persName> und noch einmal <persName ref="kbga-actors-2151">Karl Barth</persName>, einmal aufs sorgfältigste die mir glücklicherweise von <persName ref="kbga-actors-223">Lollo</persName> (wie dankbar war ich gerade dafür!) übersandten Paragraphen über die Erkennbarkeit des Wortes Gottes<note xml:id="n18">Siehe oben <ref type="pub" target="../volume/34/p188#fn_n05">S. 188, Anm. 5</ref>.</note>, dazu die Seminarnotizen über die (katholische) <pb xml:id="p201" ed="pga"/> natürliche Theologie, ferner ganz genau und gründlich die einleitenden Paragraphen der Ethik über die Abgrenzung der theologischen und der philosophischen <bibl corresp="kbga-bibls-112">Ethik</bibl><note xml:id="n19">
                        <bibl corresp="kbga-bibls-112">Ethik I, <ref type="pub-" target="../volume/02/p001#p001">S. 1–29</ref></bibl>: § 1 Ethik und Dogmatik; <ref type="pub-" target="../volume/02/p030#p030">S. 30–74</ref>: § 2 Theologische und philosophische Ethik; <ref type="pub-" target="../volume/02/p074#p074">S. 74–101</ref>: § 3 Der Weg der theologischen Ethik.</note> und natürlich den <bibl corresp="kbga-bibls-46">Anselm</bibl><note xml:id="n20">
                        <bibl corresp="kbga-bibls-46"><persName ref="kbga-actors-2151">K. Barth</persName>,<ref type="pub-" target="../texts?facet-volume=13"> <hi rend="italic">Fides quaerens intellectum …</hi></ref>, a.a.O. (<ref type="pub" target="../volume/34/p014#fn_n23">S. 14, Anm. 23</ref>).</bibl>
                    </note>. Ich war schließlich von alle dem vollgesogen wie ein Schwamm und legte mich zu Bette, und anderntags ging ich dann daran und schrieb einen mehr nur skizzenhaft abgefaßten Vortrag<note xml:id="n21"><persName ref="kbga-actors-403">Thurneysens</persName> Vortrag trug ebenfalls den Titel «Vernunft und Offenbarung» (laut Brief <persName ref="kbga-actors-403">Thurneysens</persName> an <persName ref="kbga-actors-316">R.</persName> und <persName ref="kbga-actors-315">G. Pestalozzi</persName> vom <date when="1932-02-09">9.2.1932</date>, s. oben <ref type="pub" target="#fn_n01">Anm. 1</ref>).</note>, in dem ich zunächst einfach noch einmal den Offenbarungsbegriff entwickelte und an Hand davon die Eigenart theologischer und philosophischer Aussagen. Ich wählte schließlich ein ganz konkretes Beispiel, indem ich auf den Satz «der Tod ist der Sünde Sold» [<ref type="can" subtype="bible" target="Röm.6.13">Röm. 6,13</ref>] eine theologische Aussage aufbaute und diese abgrenzte gegenüber den Todesaussagen etwa des Platonismus oder <persName ref="kbga-actors-168">Heideggers</persName><note xml:id="n22">Vgl. etwa <bibl corresp="kbga-bibls-6382"><persName ref="kbga-actors-168">M. Heidegger</persName>, <hi rend="italic">Sein und Zeit</hi>, Erste Hälfte (Sonderdruck aus: Jahrbuch für Philosophie und phänomenologische Forschung 8), Halle a.d.S. 1927 (1986<hi rend="sup">16</hi>), S. 235–267</bibl>: 2. Abschnitt des 1. Kapitels «Das mögliche Ganzsein des Daseins und das Sein zum Tode». Zu Todesaussagen <persName ref="kbga-actors-322">Platons</persName> und des Platonismus vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-6383">A. Hügli, Art. «Tod», in: Historisches Wörterbuch der Philosophie, Bd. X, Sp. 1227–1242, dort Sp. 1230–1232</bibl>.</note> und die theologische Aussage als eine den Tod eben in ganz und gar sonderlicher Weise qualifizierende Aussage auf Grund eines nur kraft Offenbarung gefallenen Urteils darstellte, die philosophisch nicht eingesehen oder gar begründet werden könne. Ich schloß dann mit einem letzten Teile, in dem ich an Hand deines Ethikparagraphen versuchte, eine Abgrenzung zwischen Philosophie und Theologie durchzuführen, die aber als solche Arbeitsgemeinschaft bedeuten müßte. Aber das war natürlich alles viel zu wenig für <persName ref="kbga-actors-23">Heiner</persName>! Vor allem eines ertrug er nicht, daß ich an der Zweiheit der Begriffsbildung: «Vernunft» und «Offenbarung» grundsätzlich festhielt und die mir nicht abkaufen ließ. Ich sprach an Hand von Notizen und aus einer gewissen heilsamen Wurstigkeit heraus, entschlossen, meine theologische Position bis zum letzten zu halten. Und es kam, wie ich mir denken mußte: es bildete sich aufs neue wieder die Einheitsfront gegen mich von <persName ref="kbga-actors-23">Heiner</persName> bis <persName ref="kbga-actors-1092">Köberle</persName> und <persName ref="kbga-actors-1259">Ernst</persName>, diesmal noch sehr verstärkt durch Heiners Fachkollegen <persName ref="kbga-actors-6979">Gauß</persName><note xml:id="n23"><persName ref="kbga-actors-6979">Hermann Gauß</persName> (1902–1966), 1929 Privatdozent für Philosophie, 1938/1949 Professor mit einem Lehrauftrag zur «Interpretation klassischer philosophischer Autoren» in Basel, ab 1949 in Bern.</note>. Und zwar so, daß mich alle, alle, <persName ref="kbga-actors-23">Heiner</persName> in zwei ausführli<pb xml:id="p202" ed="pga" break="no"/>chen Voten, worunter ein langes über den Begriff der Analogie bei <persName ref="kbga-actors-1282">Thomas</persName>, in freundlichster Weise dazu bewegen wollten, ich solle doch von meinen schrecklichen und irgendwie bornierten Einseitigkeiten ablassen, dann könne man sofort mit sich reden lassen, und alles werde in einem großen Einverständnis enden. Aber eben daß ich das witterte hinter jedem Worte meines Partners, bewog mich nun dazu, mich steif zu machen und <hi rend="italic">meinen</hi> Weg weder in der Richtung von Ernsts spekulativer Schöpfungslehre noch in der Richtung von Heiners Transzendentalphilosophie auch nur um Haaresbreite zu verlassen. <persName ref="kbga-actors-23">Heiner</persName> ärgerte sich vor allem daran, daß ich so im allgemeinen von einem philosophischen Denken spreche, das dem theologischen gegenüberstehe, statt mich von vornherein einzulassen auf diese oder jene Philosophie, wobei dann gewiß auch starke und lebhafte Ablehnungen uneinsichtiger Philosophie möglich seien. Ich hatte somit auch diesen Abend wieder verdorben. Mir selber war eigentlich wohl dabei, denn ich hatte das Gefühl, während der ganzen Debatte an Verratsmöglichkeiten vorbeigeführt worden zu sein. Und wieder hörten alle die Lehrweiblein und ihre männlichen Kollegen zu, und wieder war ich völlig alleingelassen. Aber ich hatte den Eindruck, schließlich auch der Zuschauertribüne durch mein Steifbleiben mehr zu denken gegeben zu haben, als wenn ich den Friedensbogen allzu sichtbar hätte sich über dem Blachfelde breiten lassen. Übrigens war unter den Zuhörerinnen auch deine Schwester, die zufällig in <placeName ref="kbga-places-5">Basel</placeName> gewesen war, und die, wenn ich mich nicht täusche, eher bekümmert zuhörte. Nun aber geht meine Sorge weiter. Nämlich, jetzt hat <persName ref="kbga-actors-1259">Ernst Staehelin</persName> den Auftrag erhalten und angenommen, ein nächstes Mal über — ja, natürlich über die Schöpfung zu reden. Wahrscheinlich soll ich da den bekannten schwachen Punkt haben mitsamt der ganzen dialektischen Theologie. Und ich sehe schon die triumphale Spekulation daherkommen und bei den ja ahnungslosen Zuhörern ihren Eindruck nicht verfehlen, wie sie <persName ref="kbga-actors-1259">Ernst</persName> an dieser Stelle zu entwickeln liebt. Und so wird es wiederum zu Weiterungen kommen, obgleich ich selber eigentlich dieser Gesprächsführung jetzt schon müde bin. Und sieh, was früher eigentlich nicht so der Fall war — ich werde beim Anhören der Litanei von <persName ref="kbga-actors-1259">Ernst</persName> und der transzendentalen Fuge <pb xml:id="p203" ed="pga"/> von <persName ref="kbga-actors-23">Heiner</persName> nachgerade richtig mudrig<note xml:id="n24">= verdrossen, mißmutig.</note> und grollend. Irgendetwas daran vertrage ich schlecht. Und das hat dann zur Folge, daß ich auch menschlich ihnen gegenüber so ein wenig, wie soll ich sagen, abgeriegelter, froissierter<note xml:id="n25">= kühler.</note> empfinde. Sie können mir, wie man so sagt, gestohlen werden. So oft ich sie antreffe, geht es doch irgendwie, wenn auch in freundlicher Weise, wieder los, ich werde angehauen, manchmal auch angeödet<note xml:id="n26">= … ich werde auf burschikose Weise angesprochen, manchmal auch aggressiv und herabsetzend angeredet.</note>, und mag darauf nicht immer eingehen. Doch, ich weiß, das ist nun also nicht johanneisch<note xml:id="n27">Vgl. oben <ref type="pub" target="../volume/34/p007#fn_n05">S. 7, Anm. 5</ref>.</note>. Aber daß diese mir immerhin hier in Basel sozusagen Nächsten mein Anliegen so gar nicht sehen wollen oder als eine Art theologischer Borniertheit ansehen, das läßt mich wirklich manchmal so ein wenig mudrig werden. Ich denke leicht, ich habe wirklich noch anderes zu tun als diesen Professoren, die ja schön Zeit haben, ihre Belange zu pflegen, während ich immer nur aus irgendeiner Bedrängnis heraus meine Thesen zusammenraffen kann und muß, Red’ und Antwort zu stehen, ohne daß das Gespräch wirklich auch nur um ein weniges auch für mich fruchtbar und wertvoll würde. Tröste mich, <persName ref="kbga-actors-2151">Karl</persName>! Aber vor allem: sag mir um Himmels willen, was ich nun lesen soll, um auf den Schöpfungsvortrag gerüstet zu sein. Das ist ja Ernsts schönster und eindrucksvollster Tonfilm, bedenke. Und wie, ja wie soll da die <foreign xml:lang="lat">creatio ex nihilo</foreign> aus Offenbarung (und nicht aus Ernsts heillosem Vorherwissen oder aus Heiners Analogiewissen — er bestreitet, daß es <foreign xml:lang="lat">analogia entis</foreign> sei, es sei nur analogia an sich) verständlich gemacht werden? Wäre es nicht möglich, daß <persName ref="kbga-actors-223">Lollo</persName> mir die Paragraphen aus der Dogmatik 1 über die Schöpfung leihweise bis nach dieser Debatte übersenden würde, wie sie in der letztgelesenen Fassung<note xml:id="n28">D. h. aus der im SS 1927 in <placeName ref="kbga-places-44">Münster</placeName> gehaltenen, unveröffentlichten Fortsetzung der dogmatischen Vorlesung «Christliche Dogmatik». Der Text weicht nicht wesentlich ab von der ersten Fassung aus dem WS <date from="1924" to="1925">1924/25</date>; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-115"><persName ref="kbga-actors-2151">K. Barth</persName>, «<hi rend="italic">Unterricht in der christlichen Religion</hi>», Bd. II: <hi rend="italic">Die Lehre von Gott / Die Lehre vom Menschen</hi> (1924/25), hrsg. von H. Stoevesandt (Gesamtausgabe, Abt. II), Zürich
                        1990, dort: § 19: Die Schöpfung, <ref type="pub-" target="../volume/20/p213#p213">S. 213–245</ref>, und § 22: Der Mensch <choice><sic ed="pga">als Geschöpf</sic><corr type="misprint" resp="sm">als Gottes Geschöpf</corr></choice>, <ref type="pub-" target="../volume/20/p344#p344">S. 344–361</ref>.</bibl>
               </note> vorliegen? Ich wäre heillos dankbar dafür! Ich sollte irgendetwas Zusammenhängendes darüber gelesen haben wie das letzte Mal. Die <pb xml:id="p204" ed="pga"/> Dinge liegen in der Tat für mich nicht gerade sehr klar vor mir. Bitte, laßt mich nicht im Stich! Die Sitzung findet am <date when="1932-03-07">7. März</date> statt. <persName ref="kbga-actors-23">Heiner</persName> bestreitet rundweg, daß <persName ref="kbga-actors-1259">Ernst</persName> einfach damit zu erledigen sei, daß man ihm Spekulation vorwerfe. Aber was sonst?</p>
        <p>Was ist weiter zu erzählen? Die Muhme Rählen wüßte wirklich noch allerhand.<note xml:id="n29">Anspielung auf ein Gelegenheitsgedicht von <persName ref="kbga-actors-1105">Lydia Kutter</persName>, geb. Rohner, der Frau <persName ref="kbga-actors-240">Hermann Kutters</persName> d.Ä.: «… Die Muhme Rählen, die weiß was zu erzählen» (nach <bibl corresp="kbga-bibls-932">Bw.Th. II, <ref type="pub-" target="../volume/04/p384#fn_n10">S. 384, Anm. 10</ref></bibl>).</note> So z. B. von neuerlichen Begegnungen mit — (das Unheil breitet sich auch hier aus) <persName ref="kbga-actors-7442"><hi rend="italic">Meieli</hi> Staehelin-Kutter</persName><note xml:id="n30"><persName ref="kbga-actors-7442">Gertrud Staehelin</persName> (1901–1980), von ihrem Vater <persName ref="kbga-actors-240">Hermann Kutter</persName> von Anfang an «Meieli» genannt, Ehefrau <persName ref="kbga-actors-787">Ernst Staehelins</persName>.</note>, die auch nicht gut verlaufen und mich noch mehr von diesem Ecken wegtreiben. Dann vor allem von meinen Seminarübungen mit meinem Dutzend und merkwürdigen Erfahrungen, die ich auch hier zu machen habe und die mich bewogen haben, im kommenden Semester nun wirklich auch wieder eine kleine Vorlesung anzuzeigen über Grundprobleme der Predigt<note xml:id="n31">Der Titel der einstündigen Vorlesung <persName ref="kbga-actors-403">Thurneysens</persName> im SS 1932 lautete: «Homiletische Grundfragen».</note>, wobei das Wort «Grund» sehr zu unterstreichen ist, denn eben was eine Predigt sei und wie man allenfalls daran heranzutreten habe, das ist dieser theologischen Jugend seltsam verborgen geblieben. Fast noch wichtiger wäre freilich eigentlich (aber wie soll ich das können?), daß man diesen Jünglingen Exegese liest. Denn die Bibel ist ihnen im großen Ganzen rätselhaft verschlossen geblieben. Die exegetische Vorbereitung der Predigten, die ich im Seminar erleben muß, ist einfach unerhört hilflos. Dazu läuft auch die Pratteler Konferenz<note xml:id="n32">Außer dem von <persName ref="kbga-actors-521">L. Christ</persName> geleiteten Pfarrkonvent der Kirche im Kanton Basel-Landschaft kam in <placeName ref="kbga-places-412">Pratteln</placeName> auch ein inoffizielles «<orgName ref="kbga-actors-8246">Kränzli</orgName>» von Pfarrern (überwiegend aus dem Kanton Basel-Landschaft) zusammen, die sich — immer an einem Montag — über theologische Fragen austauschten (briefliche Auskunft von Frau Agathe und Frau Kunigund Christ vom 3.9.1994). Solche Zusammenkünfte fanden zumindest seit 1915 statt; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-931">Bw.Th. I, <ref type="pub" target="3057">S. 72f</ref>.
                  <ref type="pub" target="3099">127</ref></bibl>. «Im ‹Kränzli›, der damaligen Form der heutigen theologischen Weiterbildungskurse, die aber zugleich eine echte brüderliche Arbeitsgemeinschaft war, setzte er [scil. Lukas Christ] sich gerne im Kollegenkreise, lernend und lehrend, mit der ‹dialektischen Theologie› auseinander» (<bibl corresp="kbga-bibls-6384">M. B. Christ / E. G. Rüsch, <hi rend="italic">Vorwort</hi>, in: <hi rend="italic">Verehrte Väter und Brüder. Aus den Eröffhungsworten von Pfarrer D. Lukas Christ, gehalten vor dem Baselbieter Pfarrkonvent</hi>, zu seinem 100. Geburtstag hrsg. von M. B. Christ und E. G. Rüsch, Oltingen/Abtwil
                            1981, S. 3f; Zitat dort S. 3</bibl>).</note> weiter. Eben <pb xml:id="p205" ed="pga"/> gestern war eine Sitzung, wo dein alter Freund <persName ref="kbga-actors-515">Buxtorf</persName><note xml:id="n33"><persName ref="kbga-actors-515">Karl Buxtorf</persName> (1882–1953), 1929–1948 Pfarrer an St. Theodor in Basel, hatte wie <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> das Freie Gymnasium in Bern besucht.</note> nicht uneinsichtig über Krankheit und Sünde referierte, die Diskussion aber unter Anführung von <persName ref="kbga-actors-733">Adolf</persName><note xml:id="n34"><persName ref="kbga-actors-733">Adolf Preiswerk</persName> (1861–1936), Anhänger Christoph Blumhardts, 1897/1928 Pfarrer an St. Peter in Basel; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-931">Bw.Th. I</bibl> und <bibl corresp="kbga-bibls-932">II</bibl> (Namenregister).</note> fatalerweise in das Geleise der auch von uns wieder anzustrebenden Wunderheilungen lief. (Adolf wußte von zwei unter seiner Assistenz zum mindesten sich einst ereignet haben sollenden Wünderlein zu berichten, von denen <persName ref="kbga-actors-521">Lukas</persName> behauptet, es sei nichts damit, und er habe diese Geschichten nun schon zum sechsten Male von Adolf erzählen gehört.) Man konnte auch da nur abbremsen und warnen und dieser zum Heilen bereiten Pfarrerschar beschwörend in den Weg treten.</p>
        <p>Etwas Gutes noch, weil es undankbar wäre, wenn ich nichts davon sagen wollte. Vor Weihnachten noch bekam ich es in meiner Arbeit mit einem Manne zu tun, der in schwierigster, aussichtslosester innerer Lage an mich geriet und dessen Weg mich wochenlang und bis heute in Atem hielt, wobei ich aber einfach Zeuge so hoffnungsvoller Wendung und Durchhilfe werden durfte, daß ich selber viel davon hatte. Aus dieser Begegnung hat sich mir dann ein sehr freundlicher und mich bereichernder Kontakt ergeben mit der Frau dieses Mannes. Ich flüchte mich manchmal in die Gespräche mit ihr aus all den geschilderten mich so wenig befriedigenden anderen theologischen Gesprächen. Wie überhaupt mit den Weltkindern das Gespräch viel besser verläuft als mit den Zünftigen (wenigstens in <placeName ref="kbga-places-5">Basel</placeName>). Wäret Ihr doch näher! Am Freitag abend hörte ich einen Vortrag von <persName ref="kbga-actors-1017">Guardini</persName><note xml:id="n35"><persName ref="kbga-actors-1017">Romano Guardini</persName> (1885–1968), 1923–1939 Professor in Breslau (und Berlin), nach dem Krieg in Tübingen und München; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-932">Bw.Th. II, <ref type="pub-" target="4261">S. 657</ref>.</bibl> <persName ref="kbga-actors-1017">Guardini</persName> hielt seinen Vortrag über «Grenzen und Möglichkeiten der Gemeinschaft» auf Einladung der Studentenschaft Basel am <date when="1932-02-05">5.2.1932</date> im Hans Huber-Saal des Stadtcasinos; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-6385">sk, <hi rend="italic">Grenzen und Möglichkeiten der Gemeinschaft</hi>, in: BN, Jg. 88 (1932), Nr. 39 vom 9.2.1932, 1. Beilage</bibl>; ferner die Vorstellung Guardinis in: <bibl corresp="kbga-bibls-6386">vm, <hi rend="italic">Zum Vortrag Romano Guardini der Basler Studentenschaft</hi>, a.a.O. Nr. 35 vom 5.2.1932, 2. Beilage.</bibl>
               </note>, der schlechthin raffiniert war, aber kalt bis ins Letzte und, was mich besonders ärgerte, alle, aber auch alle theologischen Belange vollständig vermied, rein weltlich, psychologisch, so daß mir das Ganze wie ein Verrat vorkam, was es natürlich vom katholisch-theologischen Denken aus sicher nicht <pb xml:id="p206" ed="pga"/> war. Ich ging dann, weil es mir so ganz aussichtslos vorkam, nicht zur Diskussion. Aber denk, dafür hatte ich etwa 14 Tage vorher einen ganz ausgezeichneten Abend mit einem katholischen Literaturprofessor aus <placeName ref="kbga-places-44">Münster</placeName> namens <persName ref="kbga-actors-7249">Müller</persName><note xml:id="n36"><persName ref="kbga-actors-7249">Günther Müller</persName> (1890–1957), 1930–1946 o. Professor für Deutsche Literaturgeschichte in Münster. <persName ref="kbga-actors-7249">Müller</persName> sprach auf Einladung des Katholischen Erziehungsvereins beider Basel im Münstersaal über das Thema «Die Religion der deutschen Klassik und das Christentum»; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-6387"><hi rend="italic">Deutsche Klassik und Christentum. Vortrag von Prof. Günther Müller. Montag, 18. Januar 1932</hi>, in: BN, Jg. 88 (1932), Nr. 19 vom 20.1.1932, 1. Beilage.</bibl>
               </note>, der glänzend, überlegen und eindeutig theologisch orientiert über die Religiosität der <persName ref="kbga-actors-136">Goethe</persName>zeit sprach. Bis Mitternacht saßen wir zusammen, und es kam zu wirklich sehr lehrreichen Gesprächen zwischen ihm und mir. Denk, die Stadt <placeName ref="kbga-places-43">München</placeName> hat mich aufgefordert, als Partner <persName ref="kbga-actors-1017">Guardinis</persName> als protestantischer Theologe in ihrem dies Jahr veranstalteten Goethezyklus zu reden. Ich habe natürlich abgelehnt und diesen Ehrenauftrag an <persName ref="kbga-actors-253">Loew</persName> und <persName ref="kbga-actors-275">Georg</persName><note xml:id="n37"><persName ref="kbga-actors-253">W. Loew</persName> konnte eine Veröffentlichung zu <persName ref="kbga-actors-136">Goethe</persName> aufweisen (<bibl corresp="kbga-bibls-6388"><hi rend="italic">Goethe als religiöser Charakter</hi>, München
                            1924</bibl>); <persName ref="kbga-actors-275">Merz</persName> hatte mehrfach Vorträge über Goethe gehalten (vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-932">Bw.Th. II, <ref type="pub-" target="../volume/04/p093#p093">S. 93</ref>, <ref type="pub-" target="4110">282</ref></bibl>).</note> weiterzugeben zu veranlassen gesucht. Ich werde mich wohl hüten.</p>
        <p>Aber noch in anderer Hinsicht lebe ich ganz aus deiner Hand. So daß du wirklich bei mir nicht vergessen bist, nämlich in den Johannesbibelstunden dieses Winters, die mir auch ziemlich viel Mühe machen, aber auch ich habe etwas davon. Deine Arbeit<note xml:id="n38">
                        <bibl corresp="kbga-bibls-989"><persName ref="kbga-actors-2151">K. Barth</persName>, <hi rend="italic"><ref type="pub-" target="../texts?facet-volume=09">Erklärung des Johannes-Evangeliums …</ref></hi>, a.a.O. (<ref type="pub" target="../volume/34/p180#fn_n01">S. 180, Anm. 1</ref>).</bibl>
                    </note> ist wirklich auch hier mein Boden.</p>
        <p>Zum Schluß — es ist schon spät — deine <persName ref="kbga-actors-18">Mutter</persName> war auf der Rückreise bei mir. Du wirst dir denken können, von was sie mit [mir] reden wollte. Es verlief aber das Gespräch wirklich, soweit ich es sehen kann, restlos gut, besser als jemals zuvor. Ich bin so froh darüber.</p>
        <p>Das Frühjahr kommt. Wirst du bei uns auftauchen? Es wäre so gut! Dein Sohn <persName ref="kbga-actors-24">Markus</persName> hat mir um die Weihnachtszeit einen wirklich einfach guten, mich sehr bewegenden Brief<note xml:id="n39">Brief vom <date when="1931-12-20">20.12.1931</date> (<bibl corresp="kbga-bibls-6800">Nachlaß Thurneysen</bibl>).</note> geschrieben. Ich habe ihm bisher noch nicht geantwortet. Aber er ist nicht vergessen. Grüße ihn herzlich von mir. Und ich lasse ihm danken! Sei du mit <persName ref="kbga-actors-26">Nelly</persName> und <persName ref="kbga-actors-223">Lollo</persName> vielmal und herzlich gegrüßt. Was ist zur Weltlage zu sagen? Ob nicht das freche Auftauchen Japans<note xml:id="n40">Vermutlich die militärischen Aktionen um und in <placeName ref="kbga-places-305">Shanghai</placeName> nach feindlichen Übergriffen von Shanghaier Chinesen auf dort ansässige Japaner. Diese hatten die japanische Regierung um Entsendung von Truppen gebeten.</note> bewirkt, daß der Pharisäismus Amerikas <pb xml:id="p207" ed="pga"/> uns gegenüber ein wenig kleinlauter wird, wie auch die russische Anmaßung? Und so irgendwie doch eine Entlastung eintritt wenigstens für uns arme europäische Menschen? Oder sollen wir doch endgültig untergehen<note xml:id="n41">Anspielung auf: <bibl corresp="kbga-bibls-1917"><persName ref="kbga-actors-780">O. Spengler</persName>, <hi rend="italic">Der Untergang des Abendlandes</hi>, 2 Bde., München
                            1918-1922.</bibl>
               </note>? Wir denken und tragen weiter und weiter mit Euch in allen Dingen, auch wenn uns das Reden darüber und dazu nicht leicht fällt. Es müßte ja doch direkt und persönlich geschehen können.</p>
        <p>Also, gelt, vergiß nicht mein Anliegen wegen der «Schöpfung»!</p>
        <closer>
                    <salute>Dein</salute>
                    <signed><persName ref="kbga-actors-403">Eduard</persName></signed>. 
                    <signed><persName ref="kbga-actors-1285">Marguerite</persName> grüßt herzlich mit!</signed>
                </closer>
      <postscript>
        <p>Etwas noch: denk, am Sonntag vor vierzehn Tagen war ich mit <persName ref="kbga-actors-1285">Marguerite</persName> wieder einmal in — <placeName ref="kbga-places-76">Leutwil</placeName>. Und zwar ich auf der Kanzel! Der alte unselige Nachfolger<note xml:id="n42"><persName ref="kbga-actors-7163">Gottfried Ernst Leimgruber</persName> (1890–1966), 1920–1931 Pfarrer in Leutwil-Dürrenäsch (Kanton Aargau), wo zuvor (1913–1920) <persName ref="kbga-actors-403">E. Thurneysen</persName> amtiert hatte. Leimgrubers Betreuung der Gemeinde und sein kirchlicher Unterricht hatten während seiner Amtszeit zu bitteren Klagen von Gemeindegliedern bei <persName ref="kbga-actors-403">Thurneysen</persName> geführt (diese und die Angaben in der folgenden Anmerkung nach einer brieflichen Auskunft von Pfarrer H. Hug vom 21.6.1993).</note> ist weg und ein sehr guter junger Mann<note xml:id="n43"><persName ref="kbga-actors-7086">Heinrich Hug</persName> (geb. 1904), späterer Freund <persName ref="kbga-actors-403">Thurneysens</persName>, 1931–1942 Pfarrer in Leutwil-Dürrenäsch, war mit <persName ref="kbga-actors-403">Thurneysens</persName> seit <date when="1931-04">April 1931</date> persönlich bekannt, als er sich über seine Bewerbung in <placeName ref="kbga-places-76">Leutwil</placeName> im Zweifel befand und E. Thurneysens Rat einholte. «Er empfing den jungen ‹Schnaufe› mit einer mir bis heute unerklärlichen Herzlichkeit und beschwor mich geradezu, das Pfarramt in Leutwil zu übernehmen.» <persName ref="kbga-actors-403">Thurneysen</persName> kam dann jährlich einmal nach <placeName ref="kbga-places-76">Leutwil</placeName>, um die Sonntagspredigt zu halten, erstmals am <date when="1932-01-24">24.1.1932</date> (Predigt über <ref type="can" subtype="bible" target="Ps.103.1 Ps.103.4">Ps. 103,1–4</ref>).</note> an seine Stelle getreten, der uns anhängt. Und er hat mich gebeten, einen Sonntag zu übernehmen. Und das ist nun geschehen. Unter gewaltigem Zulauf des Volkes und viel Begrüßungen. Es ist durch den neuen Pfarrer alles wieder im Blei<note xml:id="n44">D. h. im Lot.</note>. Man kann wieder atmen dort oben. Nur — das Pfarrhaus, unser Pfarrhaus ist abgerissen und dafür ein schönes neues mit allen Chikanen ausgerüstetes daneben gestellt in den Pfarrbaumgarten. Wir haben viel an die alte Zeit gedacht, an euch, an die gemeinsame Wanderschaft im <placeName ref="kbga-places-152">Aargau</placeName>. In <placeName ref="kbga-places-54">Safenwil</placeName> ist <persName ref="kbga-actors-1168">Ott</persName><note xml:id="n45"><persName ref="kbga-actors-1168">Ernst Ott</persName> (1903–1984), 1927–1932 Pfarrer in <placeName ref="kbga-places-54">Safenwil</placeName> (Kanton Aargau), <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> früherer Gemeinde (1911–1921).</note> übrigens jetzt auch weg, und eben suchen sie einen neuen Pfarrer.</p>
      </postscript>
      </div>
    </body>
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</TEI>
