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        <title type="volume" n="vol-34">Karl Barth – Eduard Thurneysen. Briefwechsel Bd. III 1930–1935</title>
        <title type="content">Eduard Thurneysen an Nelly Barth</title>
        <title type="citation_line_1">Eduard Thurneysen an Nelly Barth, 19. Februar 1932</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/34069 (Stand: 2. Oktober 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Karl Barth – Eduard Thurneysen. Briefwechsel Bd. III 1930–1935, hrsg. v. Algner, Caren (Gesamtausgabe, Abt. V), Zürich 2000, S. 209–211.</title>
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        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
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        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
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        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
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        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
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          <title type="volume">Karl Barth – Eduard Thurneysen. Briefwechsel Bd. III 1930–1935</title>
          <title type="text">Eduard Thurneysen an Nelly Barth</title>
          <author ref="kbga-actors-403">Thurneysen, Eduard</author>
          <editor>Algner, Caren</editor>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
          <date type="publication">2000</date>
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          <title type="edition">Princeton Barth Project edition</title>
          <title type="text">electronic edition of Karl Barth, Gesamtausgabe V.34, Karl Barth - Eduard Thurneysen Briefwechsel Band III 1930-1935, letter 61</title>
          <author ref="kbga-actors-403">Thurneysen, Eduard</author>
          <editor>James R. Adair, Jr.</editor>
          <editor>Timothy J. Finney</editor>
          <editor>Christian Kelm</editor>
          <pubPlace>Princeton</pubPlace>
          <publisher>Alexander Street Press</publisher>
          <date type="publication">2001</date>
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                    <salute>Liebe <persName ref="kbga-actors-26">Nelly</persName>,</salute></opener>
        <p>Mitten aus allerhand Gedränge heraus muß ich dir schnell etwas schreiben, das dich vielleicht ein wenig freut. Ich war am letzten Dienstag rasch im <placeName ref="kbga-places-152">Aargau</placeName>, weil ich in <placeName ref="kbga-places-425">Suhr</placeName> die Trauung eines Mädchens vorhatte, das schon in <placeName ref="kbga-places-76">Leutwil</placeName> bei uns war, später Kinderpflege erlernte und dann immer etwas in Fühlung blieb mit uns und das nun also heiratete.<note xml:id="n01">Am <date when="1932-02-16">16.2.1932</date> traute <persName ref="kbga-actors-403">E. Thurneysen</persName> Bertha Rodel (geb. 1903) und den Gerichtspräsidenten Dr. Gustaaf Willem Nossel (laut Eintragung in das Eheregister der Kirchengemeinde Suhr).</note> Und dazu kam noch etwas: Pfarrer <persName ref="kbga-actors-1168">Ott</persName> hat bekanntlich <placeName ref="kbga-places-54">Safenwil</placeName> verlassen, und zwar etwas stürmisch, so daß er nicht einmal seine Kündigungsfrist innehielt und daher einen Ersatzmann stellen mußte. Den kenne ich persönlich gut, hatte ihn <persName ref="kbga-actors-1168">Ott</persName> empfohlen, und er nahm ihn.<note xml:id="n02">Das Sitzungsprotokoll der Safenwiler Kirchenpflege vom <date when="1932-02-02">2.2.1932</date> vermerkt, daß <persName ref="kbga-actors-1168">Ernst Ott</persName>, dessen Rücktritt in keinem Sitzungsprotokoll erwähnt wird, «nach seinem neuen Wirkungskreis verreist» sei. Otts Stellvertreter <persName ref="kbga-actors-5720">Eduard Iselin</persName> (1892–1972), 1925–1931 Pfarrer in Münchenstein (Kanton Basel-Landschaft), war auch der Gemeinde von Thurneysen brieflich empfohlen worden. Das Protokoll der Kirchenpflegesitzung vom <date when="1932-03-03">3.3.1932</date> vermerkt: «Ein Brief von Herrn Pfarrer <persName ref="kbga-actors-403">Thurneysen</persName> in Basel, gerichtet an Herrn <persName ref="kbga-actors-7096">Hans Jent</persName>, Lehrer, wird noch verlesen. Herr Pfarrer <persName ref="kbga-actors-403">Thurneysen</persName> ist sich seiner Verantwortung voll bewußt, kann aber dennoch Herrn Pfarrer Iselin unserer Kirchgemeinde warm empfehlen.» Am 18.3.1932 wurde Iselin zum neuen Pfarrer gewählt und 6.5. in sein Amt eingesetzt, das er bis 1937 innehatte (brieflichen Auskünfte von Pfarrer i.R. Rudolf Weber vom 7.9. und 13.9.1994).</note> Und nun benützte ich die Gelegenheit und fuhr gleich nach Safenwil, um den Mann dort zu besuchen. Es war ein fast frühlingsmäßig schöner, sonniger Tag, die Aargauerwälder zwar noch verschneit, aber begehbar, das ganze Land selten <pb xml:id="p210" ed="pga"/> schön. Wir spazierten. Und er erzählte mir unter anderem auch von der Pfarrwahl, an der die Safenwiler nun wieder herummachen. Und nun sei es ein Hauptanliegen von ihnen, nicht nur einen Pfarrer, sondern auch wieder eine Pfarrfrau zu bekommen. Und, sagten sie meinem Freund, Otts Ledigsein sei nicht das Wahre gewesen, <persName ref="kbga-actors-510">Brändlis</persName><note xml:id="n03"><persName ref="kbga-actors-510">Hans Heinrich Brändli</persName> (1896–1974), 1921–1927 Pfarrer in Safenwil (Kanton Aargau).</note> Frau sei für sie ganz ausgefallen, aber die letzte Pfarrfrau, die sie gehabt hätten, das seist <hi rend="italic">du</hi> gewesen. Und dein An-ihnen-Anteilnehmen, das sei bei ihnen einfach noch in heller Erinnerung. Und von daher seien sie jetzt darauf aus, einen Pfarrer mit einer <hi rend="italic">Frau</hi> zu bekommen. <persName ref="kbga-actors-2151">Karl</persName> selber habe ja, wurde gesagt, nicht allzuviel Besuche in der Gemeinde mehr gemacht, aber du seiest immer wieder bei den Leuten aus- und eingegangen. Du bist also wirklich noch nicht vergessen! Überhaupt muß nun eure ganze Zeit nach all den fatalen Erlebnissen mit Brändli und den sehr stürmischen Zeiten mit <persName ref="kbga-actors-1168">Ott</persName> als letzte wirklich gute Zeit in Safenwil in Erinnerung stehen. Ich war kürzlich zusammen mit einem Herrn <persName ref="kbga-actors-7063">Hilfiker</persName><note xml:id="n04"><persName ref="kbga-actors-7063">Walter Hilfiker</persName> (1897–1945), Industriekaufmann in Frenkendorf (Kanton Basel-Landschaft), seit 1931 bis zu seinem Tod sozialdemokratischer Regierungsrat (d. h. Mitglied der Regierung) und als solcher Leiter der Erziehungsdirektion; vgl. die Nachrufe von <bibl corresp="kbga-bibls-6389">L. Mann, <hi rend="italic">Der Erziehungsdirektor, Politiker und Volksmann</hi>, in: <hi rend="italic">Baselbieter Heimatbuch</hi>, Bd. 3, 1945, S. 7–9</bibl>, und <bibl corresp="kbga-bibls-6390">P. Suter, <hi rend="italic">Der Förderer kultureller Bestrebungen</hi>, a.a.O., S. 9f.</bibl></note>, der jetzt gegenwärtig Regierungsrat von <placeName ref="kbga-places-6">Baselland</placeName> ist, einem Safenwiler, der von <persName ref="kbga-actors-2151">Karl</persName> nicht nur in das Christentum, sondern auch in den Sozialismus eingeführt worden ist. Und der einem zu verstehen gibt, <persName ref="kbga-actors-2151">Karl</persName> müsse eigentlich stolz darauf sein, einen Schüler herangezogen zu haben, der nun also die Liestaler Kantonalbank geleitet [hat] und schließlich Regierungsrat geworden ist als Sozialdemokrat. Konfirmiert ist er freilich, soviel ich vernahm, als Bezirksschüler in <placeName ref="kbga-places-243">Kölliken</placeName> worden. Aber er hat sich dann in Basel seinerzeit bei mir trauen lassen, und seine Tante, sagte er mir, sei eine treue Anhängerin von <persName ref="kbga-actors-2151">Karl</persName> gewesen. Und nun erzählte er mir allerlei aus Safenwil. Unter anderem, daß auch erbitterte alte Feinde von <persName ref="kbga-actors-2151">Karl</persName> wie der Wirt <persName ref="kbga-actors-7554">Zehnder</persName><note xml:id="n05"><persName ref="kbga-actors-7554">Johannes (Hans) Zehnder</persName> (1864–1936), Bäcker und Wirt im Restaurant «Zehnder», 1889–1925 wohnhaft in Safenwil.</note> ihm erst kürzlich gesagt hätten, der letzte wirklich gute Pfarrer von Safenwil sei eben doch <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> gewesen. Man habe es ihm ja wüst gemacht<note xml:id="n06">= schwer gemacht.</note>, aber gegen Schluß hin sei es doch noch ganz recht gekommen!</p>
        <p>Ich versprach meinem Freunde, dir das zu sagen. Und ich habe es gern getan. Wir beide, <persName ref="kbga-actors-1285">Marguerite</persName> und ich, gedenken deiner, eurer ja wirklich weiter und weiter mit aller inneren Anteilnahme, auch wenn es zum direkten Schreiben so selten kommt. Aber in Gedanken sind wir viel bei euch. Das wirst du mir glauben. Nimm warme Grüße von mir und <persName ref="kbga-actors-1285">Marguerite</persName>. Darf ich dich bitten, wenn’s möglich wäre, mir eine Nummer der <orgName ref="kbga-actors-7627">Frankfurter Zeitung</orgName> zukommen zu lassen mit dem Artikel von <persName ref="kbga-actors-2151">Karl</persName> über <persName ref="kbga-actors-87">Dehn</persName><note xml:id="n07">Siehe oben <ref type="pub" target="../volume/34/p208#fn_n05">S. 208, Anm. 5</ref>.</note>? Oder, wenn das nicht möglich ist, mir die betreffende Nummer zu sagen, damit ich sie selber mir besorgen kann. <pb xml:id="p211" ed="pga"/> Herzliche Grüße an <persName ref="kbga-actors-223">Lollo</persName> und <persName ref="kbga-actors-2151">Karl</persName> und die Kinder. Unseren geht es augenblicklich allen fünfen gut. <persName ref="kbga-actors-1285">Marguerite</persName> war über die Fastnacht für drei Tage allein mit den Kindern im <placeName ref="kbga-places-1557">Schwarzwald</placeName> oben. <persName ref="kbga-actors-2151">Karl</persName> und <persName ref="kbga-actors-223">Lollo</persName> lasse ich vielmal danken für die rasche Zusendung der Dogmatikparagraphen über die Schöpfung, die ich gründlich ansehen werde.</p>
        <closer>
          <salute>Herzlich</salute>
          <salute>Dein</salute>
          <signed><persName ref="kbga-actors-403">Eduard</persName></signed>
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