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        <title type="volume" n="vol-34">Karl Barth – Eduard Thurneysen. Briefwechsel Bd. III 1930–1935</title>
        <title type="content">Eduard Thurneysen an Karl Barth</title>
        <title type="citation_line_1">Eduard Thurneysen an Karl Barth, 22. September 1932</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/34087 (Stand: 2. Oktober 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Karl Barth – Eduard Thurneysen. Briefwechsel Bd. III 1930–1935, hrsg. v. Algner, Caren (Gesamtausgabe, Abt. V), Zürich 2000, S. 280–285.</title>
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        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
        <sponsor>Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW)</sponsor>
        <sponsor>Schweizerischer Nationalfonds (SNF)</sponsor>
        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
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        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
        <date when="2026">2026</date>
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        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
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          <title type="volume">Karl Barth – Eduard Thurneysen. Briefwechsel Bd. III 1930–1935</title>
          <title type="text">Eduard Thurneysen an Karl Barth</title>
          <author ref="kbga-actors-403">Thurneysen, Eduard</author>
          <editor>Algner, Caren</editor>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
          <date type="publication">2000</date>
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          <title type="edition">Princeton Barth Project edition</title>
          <title type="text">electronic edition of Karl Barth, Gesamtausgabe V.34, Karl Barth - Eduard Thurneysen Briefwechsel Band III 1930-1935, letter 79</title>
          <author ref="kbga-actors-403">Thurneysen, Eduard</author>
          <editor>James R. Adair, Jr.</editor>
          <editor>Timothy J. Finney</editor>
          <editor>Christian Kelm</editor>
          <pubPlace>Princeton</pubPlace>
          <publisher>Alexander Street Press</publisher>
          <date type="publication">2001</date>
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        <bibl xml:id="A" type="source">A (Vorlage der Edition): Thurneysen, Eduard, Eduard Thurneysen an Karl Barth, 22. September 1932. <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/20689">KBA 9370.684</ref>. </bibl>
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          <salute>Lieber <persName ref="kbga-actors-2151">Karl</persName>,</salute>
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        <p>dein guter Brief hat mir wohlgetan, nimm Dank dafür. Was für seltsame und lehrreiche Begegnungen haben deiner nun auch in <placeName ref="kbga-places-9">Bern</placeName> wieder gewartet. <persName ref="kbga-actors-835">Martin Werner</persName> mit seinen abstehenden Ohren, wie du schreibst irgendwie schicksalhaft ein Sektierer und Häretiker. Und unterdessen hast du nun auch den in seiner Weise nicht minder fatalen <persName ref="kbga-actors-6941">Eymann</persName> zu dir genommen — wie lief das wohl ab? Als ich vor einem Jahr in <placeName ref="kbga-places-5">Basel</placeName> in einem öffentlichen Vortrag beispielsweise über <placeName ref="kbga-places-15">Dornach</placeName> sprach<note xml:id="n01">Ein Vortrag <persName ref="kbga-actors-403">Thurneysens</persName> im Herbst 1931 konnte nicht nachgewiesen werden. Gemeint ist wohl sein für den «<orgName ref="kbga-actors-8549">Münstergemeindeverein der Positiven</orgName>» am <date when="1932-02-25">25.2.1932</date> gehaltener, ungedruckter Vortrag über das Thema «Der Glaube an Gott den Erlöser und die Anthroposophie», Typoskript (9 S., DIN A 4) im <bibl corresp="kbga-bibls-6800">Nachlaß Thurneysen (Signatur: D 4)</bibl>. Ferner befindet sich in Thurneysens Nachlaß ein undatiertes Typoskript mit dem Titel «Anthroposophie und Christenglaube» (im Nachlaßverzeichnis wohl fälschlich als Aufsatz bezeichnet, eher ein Vortrag, 10 S., DIN A 4, mit zahlreichen Rotstiftanstreichungen und handschriftlichen Ergänzungen, <bibl corresp="kbga-bibls-6800">Signatur: D 3</bibl>).</note>, brach eine kleine von dorther entsendete Sturmtruppe gegen mich los, konnte aber nicht sehr viel ausrichten und beteuerte zum Schluß nur das eine: in Bern oben da sei einer, der mir Bescheid geben könne, ob ich mich ihm etwa stellen würde? Ich sagte dann: wenn es sein müsse, ja, obwohl ich mir nichts davon verspreche. Aber trotz ihrem Bemühen kam der Mann dann doch nicht hieher. Aber in Dornach sehe ich ihn gelegentlich als Vortragenden angezeigt. Nun hast du <pb xml:id="p281" ed="pga"/> ihn oder er dich gefunden. Ob du zu guter Letzt auch die <persName ref="kbga-actors-7305">Vreneli Stadler</persName> noch empfangen hast, um auch nach dieser Seite Klärung zu schaffen?<note xml:id="n02">Auf <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> Einladung hin (Brief an <persName ref="kbga-actors-7305">V. Pfenninger</persName> vom <ref type="kba-objects-id" target="20545">15.8.1932</ref>) kam es am <date when="1932-09-16">16.9.1932</date> zu einem Treffen Barths mit V. Pfenninger (geb. Stadler), ihrem Mann <persName ref="kbga-actors-7306">Walter</persName> und zwei weiteren Theologinnen in <placeName ref="kbga-places-603">Wabern</placeName>.</note> Ich hatte letzten Montag den monatlichen Leseabend mit den wißbegierigen Mädchen und Frauen. Und da hat Frl. <persName ref="kbga-actors-1252">Speiser</persName> nun einmal ausdrücklich über die Theologin geredet.<note xml:id="n03">Der Verlauf der Frauenabende, die eine Frauenkommission im Auftrag des <orgName ref="kbga-actors-8549">Münstergemeindevereins der Positiven</orgName> seit mehreren Jahren jeden Winter einmal monatlich veranstaltete, wurde im <orgName ref="kbga-actors-10864">Münsterboten</orgName> beschrieben: «Es wird an diesen Abenden jeweils ein Vortrag oder eine Erzählung, oft auch Musik oder ähnlich gute Unterhaltung geboten. Man bringt seinen Strickstrumpf oder andere Handarbeit mit und kann sich in den Pausen mit seiner Nachbarin unterhalten. In den letzten Jahren nahmen gewöhnlich 100 bis 150 Frauen und Töchter [= junge Mädchen] teil» (<bibl corresp="kbga-bibls-6616"><hi rend="italic">Frauenabende im Bischofshof</hi>, in: Münsterbote. Gemeindeblatt für die Glieder und Freunde der Münstergemeinde, Jg. 13 [1932], No. 2, S. 24</bibl>). — <persName ref="kbga-actors-1252">Marie Speiser</persName> (1901–1986), 1931–1933 Vikarin in Oberwil und in Pratteln (Kanton Basel-Landschaft), 1933–1958 als erste Frau in der Schweiz mit einem selbständigen Pfarramt Pfarrerin in Derendingen-Zuchwil (Kanton Solothurn); vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-6617"><hi rend="italic">Marie Speiser 9. August 1901-6. Februar 1986</hi>, o. O. o. J. [Basel 1986] (Privatdruck, Universitätsbibliothek Basel).</bibl></note> Und ich habe mir alle Mühe gegeben, den Weisungen <persName ref="kbga-actors-223">Lollos</persName> gemäß die Frage wirklich nach keiner Seite hin abzuhauen, sondern gestellt sein zu lassen, so daß es wirklich zu einer ganz dankbaren und gelösten Situation zwischen den Frauen und mir kam. Einzig die Exegese von <ref type="can" subtype="bible" target="1.Tim.2.12">1.Tim. 2,12</ref> konnte ich nicht dort stehen lassen, wo Frl. Speiser sie haben wollte, und auch die etwas allzu einfache Auskunft, daß, alles in allem genommen, «der Herr Jesus heute doch ganz gewiß» auch für die Theologin wäre, mußte mit einigen Bedenken umgeben werden, aber die Widerlegung der Möglichkeit einer Berufung der Frau zur Verkündigung aus «dem Wesen der Frau» wurde endgültig erledigt</p>
        <p>Heute hat mir <persName ref="kbga-actors-1203">Karl Sartorius</persName> angeläutet, findest du nicht auch — ihr habt euch ja gestern gesehen —, er ist doch wirklich ein trefflicher Mann, mit dem sich reden läßt. Deine politische Schau hat ihm sichtlich tiefen Eindruck gemacht. Hoffentlich färbt etwas davon auf den immer weiter alles besser wissenden und schulmeisternden <persName ref="kbga-actors-712">Oeri</persName><note xml:id="n04"><persName ref="kbga-actors-712">Jakob Albert Oeri</persName> (1875–1950), seit 1902 Redaktor, seit 1925 Chefredakteur und (mit deren Herausgeber <persName ref="kbga-actors-1203">Karl Sartorius</persName>) Leiter der Basler Nachrichten, war 40 Jahre lang Mitglied des Basler Großen Rates (des Kantonsparlamentes) für die Liberale Partei, 1931 auch des Nationalrates.</note> ab. <pb xml:id="p282" ed="pga"/> Von Pfarrer <persName ref="kbga-actors-6852">Bultmann</persName> aus dem Oldenburgischen werde ich in letzter Zeit mit Zeitungen versehen, die das bestätigen, was du zu Karl offenbar gesagt hast: eine zunehmende, fast lächerliche Nervosität der Nazimachthaber <persName ref="kbga-actors-3432">Papens</persName> Regierung gegenüber, was darauf hinweist, daß die <orgName ref="kbga-actors-8272">Nazi</orgName> sich nicht mehr sicher im Sattel fühlen und nach und nach einfach kuschen werden, während der Papen im Sattel bleibt.<note xml:id="n05">Welche Zeitungsausschnitte <persName ref="kbga-actors-6852">Bultmann</persName> <persName ref="kbga-actors-403">Thurneysen</persName> zuschickte (vgl. unten <ref type="pub" target="../volume/34/p287#p287">S. 287</ref>), läßt sich nicht mehr ermitteln. Im Delmenhorster Kreisblatt, das im Haus des Ganderkeseer Pfarrers gelesen wurde, erschien jedoch z. B. am <date when="1932-08-02">2.8.1932</date> unter dem Titel <bibl corresp="kbga-bibls-6618"><hi rend="italic">Sieger ist Papen</hi></bibl> ein Leitartikel über die Reichstagswahl vom 31.7. (vgl. oben <ref type="pub" target="../volume/34/p262#fn_n12">S. 262, Anm. 12</ref>), in dem es heißt: «In ihren Leitartikeln über die Reichstagswahl sind sich die Londoner Blätter darin einig, daß der eigentliche Sieger im Wahlkampf die <persName ref="kbga-actors-3432">Papen</persName>-Regierung ist, deren Ziele in England im allgemeinen sympathische Unterstützung finden. … Über die nationalsozialistische Bewegung ist man der Ansicht, daß sie ihren Höhepunkt erreicht habe.» Als außenpolitische «Schlußfolgerungen der französischen Blätter» wird wiedergegeben: «Was die Nationalsozialisten anlange, so hätten sie nun auch die letzte Aussicht verloren, die Macht allein an sich zu reißen und dem deutschen Volke eine Diktatur aufzuzwingen» (Jg. 101, Nr. 179). Kurze Zeit später heißt es in einem Leitartikel desselben Blattes differenzierter: «Daß der Papen-Regierung durch die Wahl das Vertrauen eines großen Teiles des Volkes zum Ausdruck gebracht ist, … liegt auf der Hand. Andererseits meldet aber die eigentliche Siegerin des Wahlkampfs, die <orgName ref="kbga-actors-8272">NSDAP</orgName>, sehr nachdrücklich ihre Forderung auf Übernahme der Regierung an» (Nr. 181 vom 4.8.1932); briefliche Auskunft von Pfarrer i. R. <persName ref="kbga-actors-3929">Hermann Schmidt</persName> vom 5.9.1994. Vgl. auch oben <ref type="pub" target="../volume/34/p262#fn_n13">S. 262, Anm. 13</ref>; <bibl corresp="kbga-bibls-6585">Kl. Schaap, <hi rend="italic">Die Endphase …</hi>, a.a.O. (<ref type="pub" target="../volume/34/p258#fn_n04">S. 258, Anm. 4</ref>), S. 214–244.</bibl>
               </note> Und ja, wo wird das hinauslaufen? Hast du unterdessen <persName ref="kbga-actors-275">Georgs</persName> Brief erhalten? Wir freuen uns nun also restlos auf dein Kommen am Dienstag. Ich muß fast annehmen, daß du erst gegen Abend eintriffst, oder nicht? In diesem Falle würde ich vom Montag auf Dienstag in <placeName ref="kbga-places-160">Baden</placeName> bleiben und am Dienstag nachmittag zu <hi rend="italic">guter</hi> Zeit von dort zurückkehren. Aber laß es mich ja wissen, wenn wir dich früher erwarten dürfen, gelt! <placeName ref="kbga-places-160">Baden</placeName> wäre nicht so wichtig, daß wir dich nicht schon früher empfangen würden. Komm auf alle Fälle so früh, als es dir möglich ist. <persName ref="kbga-actors-1203">Karl Sartorius</persName> kam beinahe etwas erschüttert von eurem Zusammensein zurück, weil er fand, du sehest noch gar nicht ausgeruht aus. Ich weiß, daß es nicht nur die doch wieder mit Arbeit erfüllten Ferien sind, sondern die wahrhaftig drängenden Sorgen um alles, was auf einem und dir ganz besonders <pb xml:id="p283" ed="pga"/> liegt. Es zieht sich irgendwie der «schmalkaldische Krieg»<note xml:id="n06">Krieg zwischen der kaiserlichen Partei (und ihren evangelischen Verbündeten) mit dem evangelischen <orgName ref="kbga-actors-8451">Schmalkaldischen Bund</orgName> 1546–1547, der mit dessen Niederlage endete.</note> um die «dialektische Theologie» zusammen, und es ist ja wirklich auch über die äußere Lage nicht viel zu lachen übrig. Aber wirklich, laß dich nicht allzusehr bedrängen, such auch deinerseits dein «gut torgauisch Bier»<note xml:id="n07">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-5324"><hi rend="italic">Ein ander Sermon D. M. Luthers. Am Montag nach Invocavit</hi> (10.3.1522), WA 10/III, 18,13-19,3</bibl>: «Ich bin dem ablas und allen papisten entgegen gewesen, aber mit keyner gewalt, jch hab allein gottes wort getrieben, geprediget und geschrieben, sonst hab ich nichts gethan. Das hat, wenn ich geschlafen han, wenn ich wittenbergisch bier mit meynem Philipo und Amßdorff getrunkken hab, also vil gethan, das das Bapstum also schwach worden ist, das jm noch nye keyn Fürst noch Keyser so vil abgebrochen hat. Ich hab nichts gethan, das wort hau es alles gehandelt und außgericht.» — Eine <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName>-Stelle, in der Bier in einem Zusammenhang mit <hi rend="italic">Torgau</hi> vorkommt, findet sich in einem dort geschriebenen Brief vom <date when="1532-02-27">27.2.1532</date>. an seine Frau, 
                            <bibl corresp="kbga-bibls-19">WA.B 6, 270,6-9, Nr. 1908</bibl>: «Ich schlafe überaus wohl, etwa 6 oder 7 Stunden aneinander und darnach zwo oder drei Stunden hinnach. Es ist des Biers Schuld, wie ich achte. Aber nüchtern bin ich, gleichwie zu Wittenberg.»</note> zu trinken und das Schicksal Schicksal sein zu lassen. Der weite Weg, den du nun von neuem vor dir hast, erfordert mehr als je den langen Atem. Lassen wir <persName ref="kbga-actors-171">Heim</persName> (du hast doch die Anzeige seines neuen Buches<note xml:id="n08">Wahrscheinlich: <bibl corresp="kbga-bibls-6619"><persName ref="kbga-actors-171">K. Heim</persName>, <hi rend="italic">Leben aus dem Glauben. Beiträge zur Frage nach dem Sinn des Lebens</hi>, Berlin
                            1932.</bibl></note> 
              gesehen?) seinen «innern Glaubensweg» vor seiner Gemeinde ausbreiten, als ob das jetzt das Wort zur Stunde wäre, lassen wir <persName ref="kbga-actors-1092">Köberle</persName> über «die Seele des Christentums» nachsinnen<note xml:id="n09"><bibl corresp="kbga-bibls-6620"><persName ref="kbga-actors-1092">A. Köberle</persName>, <hi rend="italic">Die Seele des Christentums. Ein Gespräch mit dem religiösen Judentum unserer Tage</hi> (Vortrag 1930), in: <hi rend="italic">Die Seele des Christentums. Beiträge zum Verständnis des Christusglaubens und der Christusnachfolge in der Gegenwart</hi>, Berlin 1932<hi rend="sup">4</hi>, Sp. 315-347.</bibl></note>, als ob es noch um etwas derartiges gehen könnte, lassen wir <persName ref="kbga-actors-63">Emil</persName> nach «Lourdes» wallfahren (denn irgendwie um eine solche Möglichkeit handelt es sich ja letztlich doch wohl bei <persName ref="kbga-actors-2637">Buchman</persName>), aber unterdessen wird dein Schiff flott gemacht und in Fahrt gesetzt.<note xml:id="n10">Gemeint ist die Druckvorbereitung für <bibl corresp="kbga-bibls-2">KD I/1.</bibl> Die Arbeit an den Registern hatte Anfang August begonnen (Brief <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> an <persName ref="kbga-actors-662">Lempp</persName> vom <ref type="kba-objects-id" target="20527">7.8.1932</ref>) und wurde unter großem Zeitdruck von Barth und <persName ref="kbga-actors-223">Ch. von Kirschbaum</persName> Mitte Oktober beendet (Brief Ch. von Kirschbaums an <persName ref="kbga-actors-1716">E. Küppers</persName> vom <ref type="kba-objects-id" target="20773">20.10.1932</ref>).</note> Und vielleicht zwingt es auch von diesen seltsamen Zeitgenossen doch noch einige in eine bessere Fahrtrichtung. Denn si<pb xml:id="p284" ed="pga" break="no"/>cher sind sie ja ihrer Sache doch immer wieder nicht, das merkt man [an] vielen Einzelheiten. Doch, wir werden das am Dienstag abend in der «Bayrischen»<note xml:id="n11">Scil. Bierhalle in Basel (s. oben <ref type="pub" target="../volume/34/p103#fn_n08">S. 103, Anm. 8</ref>).</note> noch endgültig abmachen.</p>
        <p><persName ref="kbga-actors-223">Lollos</persName> Unfall trifft merkwürdigerweise zusammen mit einem ebensolchen von — Vater <persName ref="kbga-actors-329">Rade</persName><note xml:id="n12"><persName ref="kbga-actors-329">Martin Rade</persName> (1857–1949), Schwiegervater von <persName ref="kbga-actors-27">P. Barth</persName>, 1886–1931 Schriftleiter der Christlichen Welt; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-931">Bw.Th. I</bibl> und <bibl corresp="kbga-bibls-932">II</bibl> (Namenregister) sowie <bibl corresp="kbga-bibls-966">K. Barth / M. Rade, <hi rend="italic">Ein Briefwechsel</hi>, hrsg. von Chr. Schwöbel, Gütersloh
                            1981</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-1478">J. Rathje, Die Welt des Freien Protestantismus. Ein Beitrag zur deutsch-evangelischen Geistesgeschichte dargestellt an Leben und Werk von Martin Rade, Stuttgart
                            1951</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-6209">O.Br.
                            1945-1968, <ref type="pub" target="15015">S. 118–121</ref>.</bibl>
               </note> hier in <placeName ref="kbga-places-5">Basel</placeName>. Gestern nämlich war die Tagung der <orgName ref="kbga-actors-4183">Freunde der C. W.</orgName>, ich nahm nicht daran teil, einmal weil ich keine Zeit hatte, dann weil ich mir von <persName ref="kbga-actors-772">Ruedi Schwarzens</persName> Vortrag nur Krach versprach (er schaffte — dieser Optimist — den Teufel in aller Form ab, Thema: «der Böse oder das Böse?»<note xml:id="n13">
                        <bibl corresp="kbga-bibls-6621"><persName ref="kbga-actors-772">R. Schwarz</persName>, <hi rend="italic">Der Böse oder das Böse</hi> (Vortrag bei der Tagung der Freunde der Christlichen Welt in Basel am 21. September 1932), in: CW, Jg. 47 (1933), Sp. 6–16. 50-58</bibl> (vgl. auch: ders., <bibl corresp="kbga-bibls-6622"><hi rend="italic">Teufel als Ausrede</hi>, in: CW, Jg. 46 [1932], Sp. 275–277</bibl>); <bibl corresp="kbga-bibls-6623"><persName ref="kbga-actors-1252">M. Speiser</persName>, <hi rend="italic">Freunde der Christlichen Welt in Basel</hi>, in: An die Freunde. Vertrauliche d.i. nicht für die Öffentlichkeit bestimmte Mitteilungen, Nr. 107 vom 18.11.1932, Sp. 1083f.</bibl>
               </note>). Aber ich sah am späteren Abend <persName ref="kbga-actors-329">Rade</persName> noch im «Schlüssel»<note xml:id="n14">Lokal im Gebäude der Schlüsselzunft in Basel.</note>, und da hatte er ein gepflastertes Gesicht, er war am Tag vorher ziemlich bedrohlich im Verkehr gestürzt. Natürlich nahm er (wie mir gesagt wurde) Anlaß, bei Schwarzens Vortrag die Diskussion damit zu eröffnen, daß er sagte: «Wenn ich nun an <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> denke, so müßte ich wohl sagen: der Teufel habe mich auf der Straße hingelegt» … Wir, die wir den Teufel abzuschaffen uns hüten werden, werden im Stillen eher der Engel gedenken, die <persName ref="kbga-actors-223">Lollo</persName> aufgehoben haben. Aber sie darf wirklich nicht mehr mit ihrem Bruder Auto fahren! Denn der Teufel könnte es ja wirklich auf die neue Dogmatik abgesehen haben, und man muß ihn nicht herausfordern. Was deine intimste Sorge betrifft, <persName ref="kbga-actors-2151">Karl</persName>, steht es da nicht doch im Augenblick einigermaßen tragbar? Wir, <persName ref="kbga-actors-1285">Marguerite</persName> und ich, hatten wenigstens den Eindruck so, als <persName ref="kbga-actors-26">Nelly</persName> bei uns war. Natürlich fuhr auch sie nicht ohne Sorgen wieder heim, aber so ganz unmöglich schien ihr ihr Weg doch nicht vorzukommen. Lollo ist wohl eher schwieriger dran, aber es wird ja sicher auch wieder gehen.</p>
      
        <p>  <pb xml:id="p285" ed="pga" rend="noPipe"/> Dem Mann in Amerika habe ich geschrieben oder vielmehr schreiben lassen.<note xml:id="n15"><persName ref="kbga-actors-7076">E. G. Homrighausen</persName>. Der Brief ist nicht erhalten.</note> Denn — hör an, mit <persName ref="kbga-actors-275">Georg</persName> zu reden — ich verfüge nun über eine wirklich gute Tochter<note xml:id="n16">= junge Frau.</note>, die alles kann, was nötig ist, um Sekretärinnendienst bei mir zu versehen. Ich kann sie Woche für Woche für ein, zwei oder drei Vormittage haben. Eben hat sie mir auch ein kleines englisches Büchlein in der Hauptsache vorübersetzt, das den schönen Titel trägt: «The Challenge of Karl Barth»<note xml:id="n17">
                        <bibl corresp="kbga-bibls-6624"><persName ref="kbga-actors-7050">C. Heath</persName>, <hi rend="italic">The Challenge of Karl Barth. A Critical Comment</hi>, London o. J. [1932]</bibl>; deutsch erschienen unter dem Titel: <bibl corresp="kbga-bibls-6624"><hi rend="italic">Der Ruf Karl Barths. Auslegung und Kritik</hi>, Bad Pyrmont o. J. [1934] (1946<hi rend="sup">2</hi></bibl>).</note>, verfaßt von einem Quäker und erfüllt von einem horribeln und grob häretischen Widersprechen gegen die neue Lehre. Kennst du es?</p>
        <p>Schluß, ich muß an meine Arbeit über «die Arbeit»<note xml:id="n18">Vortrag für den Sozialkurs in <placeName ref="kbga-places-160">Baden</placeName> am 26.9.; vgl. oben <ref type="pub" target="../volume/34/p267#fn_n18">S. 267, Anm. 18</ref>.</note> gehen. Hätte ich sie nur schon unter Dach! Hier dein ausgezeichneter Brief an <persName ref="kbga-actors-275">Georg</persName> gleich zurück!<note xml:id="n19">Vgl. oben <ref type="pub" target="../volume/34/p273#fn_n16">S. 273, Anm. 16</ref>.</note> Wirklich, warum hat er <hi rend="italic">darauf</hi> so ungenügend geantwortet? <hi rend="italic">Kann</hi> er auch einfach im Augenblick nicht mehr hören? <persName ref="kbga-actors-23">Heiner</persName> habe ich noch nicht gesehen, doch ist zu der bevorstehenden Auseinandersetzung über Offenbarung<note xml:id="n20">Vermutlich das Treffen der <orgName ref="kbga-actors-10837">Philosophisch-theologischen Vereinigung</orgName> am <date when="1932-09-30">30.9.1932</date>; vgl. unten <ref type="pub" target="../volume/34/p289#p289">S. 289f</ref>.</note> bereits solenn eingeladen, und ich sehe dieser Sache nicht ohne Besorgnis entgegen, will aber wirklich deiner <persName ref="kbga-actors-18">Mutter</persName> Rat beherzigen. Ich mag diese so frontal gefaßten Themata eigentlich gar nicht. <hi rend="italic">Darüber, was</hi> Offenbarung nun eigentlich <hi rend="italic">sei</hi> im Unterschied zur Vernunft, läßt sich vor so gemischten Auditorien gar nichts ausmachen, es ließe sich viel eher <hi rend="italic">von da aus</hi>, dies im Rücken habend, über allerlei reden, so daß dann lehrreich genug dieser verborgene Ausgangspunkt immer wieder sichtbar würde. Aber es ist nun einmal so gewünscht, auch und gerade von Heiner. Herzliche Grüße an deine Mutter. Herzliche Grüße dir selber</p>
        <closer>
          <salute>Dein</salute>
          <signed><persName ref="kbga-actors-403">Eduard</persName></signed>
        </closer>
      </div>
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</TEI>
