<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0" xml:id="kbga-texts-34095">
  <teiHeader>
    <fileDesc>
      <titleStmt>
        <title type="volume" n="vol-34">Karl Barth – Eduard Thurneysen. Briefwechsel Bd. III 1930–1935</title>
        <title type="content">Eduard Thurneysen an Karl Barth</title>
        <title type="citation_line_1">Eduard Thurneysen an Karl Barth, 22. Dezember 1932 – 23. Dezember 1932</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/34095 (Stand: 2. Oktober 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Karl Barth – Eduard Thurneysen. Briefwechsel Bd. III 1930–1935, hrsg. v. Algner, Caren (Gesamtausgabe, Abt. V), Zürich 2000, S. 309–317.</title>
      </titleStmt>
      <editionStmt>
        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
        <sponsor>Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW)</sponsor>
        <sponsor>Schweizerischer Nationalfonds (SNF)</sponsor>
        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
      </editionStmt>
      <publicationStmt>
        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
        <date when="2026">2026</date>
        <availability>
          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons BY-SA 4.0</licence>
        </availability>
        <idno type="url">https://kbga.karl-barth.ch/texts/34095</idno>
      </publicationStmt>
      <sourceDesc>
        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
        <bibl type="pga" xml:id="pga">
          <title type="volume">Karl Barth – Eduard Thurneysen. Briefwechsel Bd. III 1930–1935</title>
          <title type="text">Eduard Thurneysen an Karl Barth</title>
          <author ref="kbga-actors-403">Thurneysen, Eduard</author>
          <editor>Algner, Caren</editor>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
          <date type="publication">2000</date>
          <biblScope unit="page">Pp. 309-317</biblScope>
          <!--position within a volume-->
          <biblScope unit="part">95</biblScope>
        </bibl>
        <!-- The first digital edition (data from xml and database) -->
        <bibl type="asp" xml:id="asp">
          <title type="edition">Princeton Barth Project edition</title>
          <title type="text">electronic edition of Karl Barth, Gesamtausgabe V.34, Karl Barth - Eduard Thurneysen Briefwechsel Band III 1930-1935, letter 87</title>
          <author ref="kbga-actors-403">Thurneysen, Eduard</author>
          <editor>James R. Adair, Jr.</editor>
          <editor>Timothy J. Finney</editor>
          <editor>Christian Kelm</editor>
          <pubPlace>Princeton</pubPlace>
          <publisher>Alexander Street Press</publisher>
          <date type="publication">2001</date>
        </bibl>
        <!-- Data from KBA (https://kba.karl-barth.ch) -->
        <bibl xml:id="A" type="source">A (Vorlage der Edition): Thurneysen, Eduard, Eduard Thurneysen an Karl Barth, 22. Dezember 1932. <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/20961">KBA 9370.687</ref>. </bibl>
        <!-- we should provide more types: <bibl type="not-found-in-kba"></bibl> <bibl type="not-in-kba"></bibl>  -->
      </sourceDesc>
    </fileDesc>
    <profileDesc>
      <creation>
        <date type="creation" from="1932-12-22" to="1932-12-23">22. Dezember 1932 – 23. Dezember 1932</date>
      </creation>
      <langUsage>
        <language ident="ger">German</language>
      </langUsage>
      <textClass>
        <keywords>
          <term>letter</term>
        </keywords>
      </textClass>
      <correspDesc>
        <correspAction type="sent">
          <persName ref="kbga-actors-403">Thurneysen, Eduard</persName>
          <placeName ref="kbga-places-5">Basel</placeName>
          <date period="1932-12-22/1932-12-23">22. Dezember 1932 – 23. Dezember 1932</date>
        </correspAction>
        <correspAction type="received">
          <persName ref="kbga-actors-2151">Barth, Karl</persName>
          <placeName ref="kbga-places-10">Bonn</placeName>
        </correspAction>
        <correspContext>
          <ref type="previous" target="kbga-texts-34094"/>
          <ref type="next" target="kbga-texts-34096"/>
          <ref type="previous-in-corresp" target="kbga-texts-34092"/>
          <ref type="next-in-corresp" target="kbga-texts-34097"/>
        </correspContext>
      </correspDesc>
    </profileDesc>
    <revisionDesc>
      <change when="2026-10-02T07:56:02+02:00">teiHeader was automatically produced from the database 2026-10-02T07:56:02+02:00</change>
    </revisionDesc>
  </teiHeader>
  <text>
    
    <body>
      <div type="letter">
        <pb xml:id="p309" ed="pga"/>
        <opener>
          <persName ref="kbga-actors-403">Thurneysen</persName>
          <dateline>
            
            <date to="1932-12-23" from="1932-12-22">22.[- 23.] Dezember 1932</date>
          </dateline>
          <salute>Lieber <persName ref="kbga-actors-2151">Karl</persName>,</salute>
        </opener>
        <p>Ich bin wahrhaftig nicht ohne Nachricht von euch. <persName ref="kbga-actors-223">Lollo</persName> hat mir so treu und hilfreich geschrieben! Und ich bin alle rechte Antwort schuldig geblieben, weil ich auf den guten Augenblick warten wollte, wo ich wieder einmal ausfuhrlich schreiben könne. Der ist immer nicht recht gekommen. Er ist auch heute abend nicht eigentlich da. Aber ein paar Worte sollen zu euch hinübergehen. Zuerst und zuvorderst steht dein Wunsch nach einem Wunsch von mir. Aber vielleicht komme ich bereits zu spät, und ist irgend ein treffliches Buch an mich schon unterwegs. Hab auf alle Fälle vielen Dank zum voraus dafür! Wenn ich noch etwas nennen soll, so wäre es das neue Buch von <persName ref="kbga-actors-285">Michel Müller</persName><note xml:id="n01"><bibl corresp="kbga-bibls-6653"><persName ref="kbga-actors-285">H. M. Müller</persName>, <hi rend="italic">Macht und Glaube</hi>, München 1933.</bibl></note>, das <persName ref="kbga-actors-662">Lempp</persName> unaufhörlich ankündigt und empfiehlt.<note xml:id="n02">Der Abdruck des letzten Kapitels «Furchtlosigkeit» aus Müllers Buch (<bibl corresp="kbga-bibls-6653">a.a.O., S. 469–475</bibl>) in «Der Einblick», Werbeprospekt des <orgName ref="kbga-actors-631">Chr. Kaiser Verlags</orgName> (Nr. 2, 1932), nahm dort die Hälfte des Raumes für die ausführlichen Bücherbesprechungen ein; außerdem erschien dort eine Kurzcharakteristik des Buches in der Liste der Neuerscheinungen. Die überschwengliche Verlagsanzeige hatte <persName ref="kbga-actors-367">K. L. Schmidt</persName> zu einem Brief an <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> veranlaßt (vom <ref type="kba-objects-id" target="20830">13./14.11.1932</ref>): «… Wir erfahren: ein ‹unerhörtes› Buch ist geschrieben worden! Ob sich die Firma Kaiser-München wohl überlegt, daß ihre Reklame ‹unerhört› ist?!» Diesen Brief benutzte <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> in seiner Ablehnung eines Schutzumschlag-Entwurfs für <bibl corresp="kbga-bibls-2">KD I/1</bibl> als Argument <persName ref="kbga-actors-662">Lempp</persName> gegenüber (Brief vom <ref type="kba-objects-id" target="20831">14.11.1932</ref>). <persName ref="kbga-actors-662">Lempp</persName> nahm in seiner Antwort vom <ref type="kba-objects-id" target="20884">1.12.1932</ref>, mit der er auch Schmidts Brief zurücksandte, dazu Stellung.</note> Oder ist es nicht «der Wert»<note xml:id="n03">= der Mühe wert.</note>? Ich kann es nicht beurteilen, aber irgendetwas hat mich an den Auszügen und Prospekten angeschaut und gelockt, es zu haben. Du wirst es besser beurteilen können. Oder dann: etwas Theologisches — mir fehlt einfach immer noch eine Ausgabe der Augustana oder auch der Schmalkaldischen Artikel. Hoffentlich sage ich damit nicht etwas unverschämt Teures. Laß dich also auf alle Fälle dadurch nicht belasten! Im übrigen: ich habe ja deine <bibl corresp="kbga-bibls-2">Dogmatik</bibl> bekommen! Was für ein schöneres und reicheres Geschenk könnte es geben! <persName ref="kbga-actors-2151">Karl</persName>, es ist einfach ein seltenes, ein mit erhobenen Händen zu lobendes und zu preisendes Buch geworden. Ich kann nicht sagen, wie dankbar ich es aufgenommen habe. Ich kann nur wiederholen: seit dem <bibl corresp="kbga-bibls-96"><ref type="pub" target="../texts?facet-volume=47">Römerbrief</ref></bibl> hat mich kein Buch so stark und lebendig berührt und bewegt wie dieses. Es ist <pb xml:id="p310" ed="pga"/> auch in der Formulierung von einer Kraft und Lebendigkeit, die es erstaunlich lesbar machen. Dein Schüler <persName ref="kbga-actors-6963">Paul Frey</persName> sagte mir letzthin ganz spontan, auch auf ihn wirke es einfach wie einst der Römerbrief, befreiend und festigend, daß man einfach froh werde beim Lesen über solch eine Grundlegung, die da erfolgt ist aus all deiner umfassenden Arbeit heraus. Du wirst sicher selber es empfinden, nun alles für einmal wieder fertig vorliegt, daß dir hier etwas reif geworden ist, dessen du selber froh werden darfst. Mitten im Sturm und der Verwirrung dieser Zeit ist hier ein Fundament gelegt worden, auf dem weiter gebaut werden wird, mag im übrigen geschehen, was da will. Und ich selber bin stolz und beschämt zugleich über meine Namensnennung bei dieser Grundsteinlegung im Vorwort<note xml:id="n04">
                        <bibl corresp="kbga-bibls-2">KD I/1, S. X.</bibl></note>.</p>
        <p>Es ist für mich ganz besonderer Grund, für dein Buch dankbar zu sein. Ich sehe so viel an Verwirrung im Denken der Kirche rings um mich her, daß ich gar nicht recht durchkäme, wüßte ich nicht um dieses steinerne und eherne Fundament, zu dem jeder Aufrichtige, wenn er nur will, nun hinfliehen kann. Ob er es tun wird, der Mensch dieser Zeit ist ja weiter und weiter so wetterwendisch gerade als Theologe und Kirchenmann? Aber das muß unsere Sorge nicht sein. Ich dachte es im Stillen, als ich dieser Tage wieder einmal auch meinerseits ein Zusammentreffen mit unserem Freund <persName ref="kbga-actors-63">Emil</persName> in <placeName ref="kbga-places-66">Zürich</placeName> hatte. Emil hat nämlich für mich gepredigt.<note xml:id="n05"><persName ref="kbga-actors-63">Brunner</persName> hielt am <date when="1932-12-11">11.12.1932</date> um 9.00 Uhr den Gottesdienst im <placeName ref="kbga-places-859">Münster</placeName> («Kirchenzettel» [Gottesdienstvorschau] in den <orgName ref="kbga-actors-5804">Basler Nachrichten</orgName> vom 9.12.1932). — Das Typoskript von <persName ref="kbga-actors-63">Brunners</persName> unveröffentlichter Predigt (11 S., z. T. numeriert, mit handschriftlichen Ergänzungen und Unterstreichungen), überschrieben «Adventspredigt 1932. Basel u Zürich, 11 u 18 Dez / <ref type="can" subtype="bible" target="Joh.1.11 Joh.1.13">Joh 1,11–13</ref> Er kam in sein Eigentum ….», befindet sich im <ref type="archival">Staatsarchiv des Kantons Zürich (Nachlaß Emil Brunner)</ref>.</note> Es war eine lang abgemachte Sache. Und so kam er denn und blieb über einen Sonntag hier. Seine Predigt war wirklich einfach selten gut und bis aufs letzte durchdacht und verantwortlich gesagt — abgesehen, ja abgesehen von einem fatalen Oxfordschluß, den er ihr angehängt hat, richtig angehängt<note xml:id="n06">Im letzten Drittel seiner Predigt hatte <persName ref="kbga-actors-63">Brunner</persName> in Auslegung von <ref type="can" subtype="bible" target="Joh.1.12 Joh.1.13">Joh. 1,12f.</ref> über das durch den Sieg Christi über den rebellischen Menschen ermöglichte «Werden der Gotteskindschaft» gesprochen, die einhergehe mit der verborgen erfolgenden, vorbehaltlosen Übergabe des eigenen Lebens. «Diese Uebergabe muss einmal geschehen. Es muss einmal ein Anfang damit gemacht werden. Aber diese Uebergabe muss auch immer wieder geschehen. Jeden Tag neu. Es heisst ja nicht: denen gab er Macht Kinder Gottes zu sein, sondern <hi rend="italic">Kinder Gottes zu werden</hi>. Der Anfang muss einmal gemacht werden, aber mit diesem Anfang ist es nicht getan. Ja der Anfang wäre gar kein richtiger Anfang, wenn er nicht immer wieder geschehen würde. Und er besteht denn auch das ganze Leben hindurch in derselben einen Tat: darin, dass du dich selbst ihm, als deinem Retter[,] übergibst» (<ref type="archival">Typoskript [s. oben <ref type="pub" target="#fn_n05">Anm. 5</ref>], S. 10</ref>).</note>, so daß [es] allen meinen <pb xml:id="p311" ed="pga"/> sonstigen Zuhörern auffiel und ich nachher eine ganze Reihe von Interpellationen zu bestehen hatte. Was mich eigentlich freute, weil es zeigt, daß meine Leute nun doch im Punkte «Rechtfertigung» feinhörig geworden sind. Es kam eben dabei doch zu einer gewissen Verwechslung der großen Wendung in Christus mit der kleinen Wendung meiner eigenen Bekehrung. Immerhin — es ließ sich dieser Schluß der Predigt leicht und von innen her ablösen von allem übrigen gut und erstaunlich dem Texte entlang Gesagten. Und gerade in der großen Schlichtheit und der genauen Anlehnung an den Text war mir die Predigt eigentlich ganz neu an Emil. Er fing ganz uneristisch an und ging gleich in den Text hinein und blieb dabei. Und auch der Oxfordschluß war irgendwie am Texte erwachsen, nur eben in gefährlicher Interpretation. Und schließlich war es nur ein sozusagen kleiner Schnörkel, den er da noch anhängen mußte. Wir saßen am Abend mit <persName ref="kbga-actors-23">Heiner</persName> und seiner <persName ref="kbga-actors-1502">Frau</persName> noch lange zusammen — sie hatten die Predigt auch gehört — und besprachen den — wie sagte doch <persName ref="kbga-actors-223">Lollo</persName> von dem Eingang der Ethik? — «Unglücksfall» dieses Predigtschlusses, ohne natürlich <persName ref="kbga-actors-63">Emil</persName> von dessen Gefährlichkeit wirklich überzeugen zu können. Aber es war auf alle Fälle eine lebendige Sache um Predigt und Gespräch darüber. Und allerdings ist uns ja Emil dann wieder — das macht die Sache natürlich auch wieder so aktuell gefährlich — sehr nahe, so ganz anders nahe, als es alle die sonstigen Prediger und Theolöglein hier herum sind. Nun kommt freilich dazu, was auch wieder <persName ref="kbga-actors-223">Lollo</persName> von euch her meldet nach einem dir von Emil geschriebenen Briefe<note xml:id="n07"><persName ref="kbga-actors-63">Brunner</persName> hatte <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> auf die Zusendung eines Exemplares von <bibl corresp="kbga-bibls-2">KD I/1</bibl> hin geschrieben (Brief vom <ref type="kba-objects-id" target="20936">13.12.1932</ref>) und darin drei Punkte genannt, an denen er einen anderen, stärker am Menschen der Gegenwart und seinen Fragen orientierten Weg gehen müsse als <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName>, wobei er ihre unterschiedliche Auffassung von der <foreign xml:lang="lat">imago dei</foreign> als die eigentliche dahinterstehende Differenz betrachte; s. <bibl corresp="kbga-bibls-76">Bw.Br., <ref type="pub-" target="33089">S. 210–212</ref>.</bibl> — <persName ref="kbga-actors-223">Ch. von Kirschbaums</persName> Brief ist nicht erhalten.</note>, daß Emil — wahrscheinlich aus einer letzten inneren Unsicherheit heraus — merkwürdig persönlich eingestellt, und das heißt hier: verletzbar und empfindlich ist. Ich frage mich <pb xml:id="p312" ed="pga"/> manchmal, was denn eigentlich los sei mit ihm. Er kann sich so beinahe haltlos an mich wenden und halten und klammern. Und dann wieder so merkwürdig ausbrechen wegen der Differenzen, die zwischen uns und ihm wirklich vorliegen. Fatalerweise hat ihm <persName ref="kbga-actors-23">Heiner</persName>, als er zurückkam, gesagt, daß bei euch über seine Ethik sozusagen Gericht gehalten werde, nicht zwar von dir (das glaubt er wirklich), aber von «Grünschnäbeln» von Studenten, die sein ernstes Schaffen glaubten abtun zu können. <persName ref="kbga-actors-23">Heiner</persName> stand irgendwie unter dem Eindruck einer gewissen Gescheitelei, die da getrieben werde. Wobei er selber ja Emils Einstellung gerade in den Eingangskapiteln gar nicht schätzt. Und nun ist Emil beunruhigt. Mir sagte letzthin ein erfahrener Dokter [sic], Leute, die an Steinen leiden wie Emil, die seien einfach auch in den Zeiten, wo sie vielleicht nicht direkt unter Anfällen stehen, gereizt und labil im Nervensystem, vertrügen wenig, weil ständig doch eine gewisse Reizung von den inneren Organen ausgehe. Ich glaube nachgerade, bei Emil liege so etwas vor. Er sagte mir selber, aus der Röntgenaufnahme gehe hervor, daß er mindestens noch 12 Steine im Leibe habe, und er wisse eigentlich nie, wann es wieder losgehe. Er ist sicher ein armer Kerl. Ich schreibe dir das alles nur, um dich ein wenig ins Bild zu setzen über ihn. Es müssen eben dazu auch in <placeName ref="kbga-places-10">Bonn</placeName> selber Zürcher Studenten sein oder solche, die ihn kennen, und die schreiben ihm offenbar hin und wieder etwas tolle Briefe über euer Gespräch oder stellen ihm direkte Fragen, die seine Rechtgläubigkeit betreffen, so z. B. er, Emil, möge ihm doch sagen, und zwar authentisch, ob er den Glauben als habitus oder als Akt Gottes verstehe. Und das entlädt sich dann eben in einem Jammerbrief an mich.<note xml:id="n08">In seinem Brief vom <date when="1932-12-20">20.12.1932</date> bat <persName ref="kbga-actors-63">Brunner</persName> <persName ref="kbga-actors-403">Thurneysen</persName>, «ein Wort nach <placeName ref="kbga-places-10">Bonn</placeName> zu schreiben. Wie ich vernehme, wird dort von Studenten in <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> Kreis über meine Ethik ganz Unsinniges gesagt, einfach von der Voraussetzung aus, ich sei durch die <orgName ref="kbga-actors-10644">Oxfordbewegung</orgName> eben als Pietist zum Vorschein gekommen. Du weißt, daß ich es nicht bin; aber dort weiß man weder, was die <orgName ref="kbga-actors-10644">Oxfordbewegung</orgName> ist, noch, wie wir uns dazu stellen. Ich bin erschrocken über die Verantwortungslosigkeit, mit denen [sic] diese jungen Grünhörner die redliche Arbeit eines Mannes, der doch wirklich etwas mehr gedacht hat [als] sie, meinen erledigen zu können einfach darum, weil sie Schüler eines — wirklich oder vermeintlich — besseren Lehrers sind. Gegen dieses leichtfertige Abschlachten müssen wir uns einfach einmal zur Wehr setzen. Ich weiß, <persName ref="kbga-actors-2151">Karl</persName> selbst tut das nicht. Ich sehe mit größter Freude und Hochachtung, wie sorgfältig er liest und hört und sich auseinandersetzt. Aber diesen jungen Schnaufern muß man dann und wann einmal übers Maul fahren und ihnen Respekt vor der Arbeit anderer einflößen. Da schreibt mir einer, der das auch merkt, ich möge ihm doch authentisch sagen, ob ich den Glauben als Habitus oder als Akt Gottes verstehe. Wie ist eine [solche] Frage nur möglich angesichts dessen, was ich S. 145 und 151f, wie ich meine, unmißverständlich gesagt habe. Aber: man liest eben nicht, man konstruiert sich einen Autor aus dem, was man vom Hörensagen über die <orgName ref="kbga-actors-10644">Oxfordbewegung</orgName> und meine Stellung zu ihr ‹weiß›. / Schreib doch einige Worte von der Art, wie du sie am Sonntag gefunden hast. Wenn du diesen Leuten etwas sagst, so wiegt das tausendmal mehr, als was ich sage, einfach darum weil du der unzweifelhaft echte Gesinnungsgenosse Karl Barths bist. / Es genügt eine einzige Briefseite von dir, um sehr viel Unheil abzuwenden. Bitte tu’s, es geht ja nicht um mich.» Am <date when="1933-02-22">22.2.1933</date> schrieb <persName ref="kbga-actors-63">Brunner</persName> <persName ref="kbga-actors-403">Thurneysen</persName>, stärker auf sein Verhältnis zu <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> bezogen: «Ich habe fortlaufend Protokolle der offenen Abende erhalten, aus denen ich — übereinstimmend — den Eindruck gewann, daß Karl Barth es einzig darauf abgesehen hat, den Studenten zu sagen, daß und warum meine Ethik nicht gut sei. Die Mittel, die er dazu gebraucht, sind mir unverständlich. Ich gebe mir Mühe, das Recht seiner Kritik zu sehen — irgendwo wird er ja sicher recht haben —, aber diese schonungslose, mit keiner Würdigung und keinem Versuch, den anderen von seinen Voraussetzungen aus zu verstehen, gepaarte Kritik macht es mir allerdings schwer zu lernen. Es ist aus wörtlich berichteten längeren Ausführungen <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> nahe daran, daß er meine Arbeit lächerlich macht. … Daß mich nun B in dieser Weise abschüttelt, daß auch von ihm begeisterte Schüler darüber den Kopf schütteln, das tut mir natürlich nicht wohl» (<bibl corresp="kbga-bibls-6800">Nachlaß Thurneysen</bibl>).</note> Was soll ich ihm da antworten? Ich möchte ihm <pb xml:id="p313" ed="pga"/> wirklich einfach sagen: Emil, lies und lies doch einfach Karls <bibl corresp="kbga-bibls-2">Dogmatik</bibl>. Dann ersiehst du am besten, was wir in der Tat an Frage[n] dir gegenüber auf dem Herzen haben. Darüber muß doch einfach verhandelt werden. Und das ist doch noch keine Preisgabe deiner Arbeit! Aber eben … </p>
        <p>Am Nachmittag jenes Sonntages, an dem <persName ref="kbga-actors-63">Emil</persName> hier predigte, habe ich ein paar Kollegen mit ihren Frauen in die Hofstube des <placeName ref="kbga-places-1554">Bischofshofes</placeName><note xml:id="n09">Der neben dem <placeName ref="kbga-places-859">Münster</placeName> gelegene, Mitte des 15. Jahrhunderts erbaute <placeName ref="kbga-places-1554">Bischofshof</placeName>, bis zur Reformation in Basel 1529 (zeitweise) Residenz des Basler Bischofs, ist seit 1922 Sitz der evangelisch-reformierten Kirchenverwaltung. Seine Räumlichkeiten werden außerdem für gemeindliche und andere Veranstaltungen genutzt.</note> eingeladen und Emil gebeten, er möge uns nun einmal — eben auch authentisch — sagen, was er von der <orgName ref="kbga-actors-10644">Oxfordbewegung</orgName> für die <hi rend="italic">Kirche</hi> denn Bedeutsames erwarten möchte. Diese Aussprache verlief gut. Ich hatte mir ausbedungen, daß uns nicht eine Darstellung oder gar Empfehlung der Oxfordmethodik gegeben werde. Dafür sicherte ich Emil zu, daß auch wir uns der Äußerung und Darlegung unserer Bedenken <pb xml:id="p314" ed="pga"/> dagegen enthalten würden. (Das bedingte z. B., daß unser Freund <persName ref="kbga-actors-521">Lukas</persName> seine sonst mit Bravour gerittene Attacke gegen dies «geistliche Strandbad»<note xml:id="n10"><persName ref="kbga-actors-521">L. Christ</persName> hatte diesen Vergleich für die Beichtpraxis in der <orgName ref="kbga-actors-10644">Oxford-Gruppenbewegung</orgName> auch in einem Brief an <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> gebraucht, nachdem er offenbar von <persName ref="kbga-actors-63">Brunners</persName> Brief an <persName ref="kbga-actors-403">Thurneysen</persName> über die Ermaringer Tagung (vgl. oben <ref type="pub" target="34082#fn_n01">S. 253–255, Anm. 1, 2, 4 und 5</ref>) Kenntnis genommen hatte: «<persName ref="kbga-actors-63">Brunners</persName> Bericht hat mein vorläufiges Urteil nicht berichtigt, sondern bestätigt. Eine bezeichnende Zeiterscheinung, andern Zeiterscheinungen auf andern Lebensgebieten durchaus entsprechend, z. B. den Strandbädern und den durch halb- und ganz ausgezogene Weiber belebten Revuen. Es liegt nun einmal im Zug der Zeit, sich vor andern und vor einander auszuziehen.»</note> diesmal nicht reiten durfte, was ihn sicherlich schmerzte!) Emil sprach dafür ausschließlich von dem, was ihm in der Berührung mit <persName ref="kbga-actors-2637">Buchman</persName> für die Praxis des Pfarrers aufgegangen sei. Man bekam allerlei an Kirchenkritik zu hören, wie es uns wirklich so oder anders auch schon gesagt worden ist: lahme Gemeinden, Mangel an Seelsorge an den Pfarrern selbst, mangelhafte Seelsorge dieser an den Gemeindegliedern, <foreign xml:lang="lat">praxis pietatis</foreign> als das große Gegenmittel — sicher für manche unter den anwesenden, namentlich die jüngeren Pfarrer (etwa wie unser Schüler <persName ref="kbga-actors-2644">Eberhard</persName><note xml:id="n11"><persName ref="kbga-actors-2644">Rolf Eberhard</persName> (1908–1966), ehemaliger Student <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName>, Frühjahr bis Herbst 1931 Vikar bei <persName ref="kbga-actors-403">Thurneysen</persName>, dann 10 Jahre lang Pfarrer in Bubendorf-Ramlinsburg (Kanton Basel-Landschaft), im 2. Weltkrieg im Militärdienst, dann Journalist.</note>) ganz gut. <persName ref="kbga-actors-23">Heiner</persName> erzählte mir zwar eben, wie unser Freund <persName ref="kbga-actors-246">Fritz</persName> bei euch über diese Seite der Sache unter dem Titel «Emils Bekehrung» lächle, vielleicht, vielleicht wäre auch ihm besser, gerade darüber nicht zu lächeln. Es war jedenfalls nach meinem Eindruck dagegen nicht so viel zu sagen. Ich sagte nachher Emil nur aufs neue das eine: <persName ref="kbga-actors-2637">Buchman</persName> hat sicher keineswegs irgendeine Botschaft auszurichten (wie etwa <persName ref="kbga-actors-47">Blumhardt</persName> oder <persName ref="kbga-actors-240">Kutter</persName> sie hatten), er ist und bleibt jener Hausknecht, der die «<bibl corresp="kbga-bibls-3245">Menschen im Hotel</bibl>»<note xml:id="n12">Amerikanischer Spielfilm von <date when="1932">1932</date> mit Greta Garbo, John Barrymore Und Joan Crawford, Regie: <persName ref="kbga-actors-6998">Edmund Goulding</persName>.</note>, die wir alle irgendwie sind, durch An-die-Türe-Poltern aufzuwecken scheint und dem das bei manchen auch gelingen mag. Nur das bleibe mir allerdings Bedingung <foreign xml:lang="lat">sine qua non</foreign>, daß ich, falls auch ich dies Aufwecken irgendwie erfahren sollte, dann durchaus in meine <hi rend="italic">eigenen</hi> Kleider schlüpfen möchte und werde, mir also sicher keine Buchmanuniform anziehen wolle. Das heißt konkret gesagt z. B. ein wenig munterer und beharrlicher an deine <pb xml:id="p315" ed="pga"/> <bibl corresp="kbga-bibls-2">Dogmatik</bibl> sitze<note xml:id="n13">= mich an deine <bibl corresp="kbga-bibls-2">Dogmatik</bibl> setze.</note> oder in meinem amtlichen Tun ein wenig nachdrücklicher <hi rend="italic">meine</hi> mir aufgetragene Botschaft an die Leute heranzubringen mich bemühen werde. In diesem Sinne war auch in der Diskussion sicher das Beste ein Votum des Baslers <persName ref="kbga-actors-1744">Lüthi</persName>, der kräftig darlegte, wie ihm unter der Begegnung mit <persName ref="kbga-actors-2637">Buchman</persName> das Vergebungswort eigentlich erst recht aufgegangen sei. <persName ref="kbga-actors-521">Lukas</persName> sagte sicher mit Recht nachher, das hätte dieser Mann wirklich auch anderswo und besser sogar anderswo hören können («wir wissen das schon seit zwanzig Jahren»). Gewiß, aber es gibt nun offenbar solche, die hören es dort. Und warum soll das nicht möglich sein? Aufs Ganze gesehen schien mir, daß sicher der Generaleinwand zu Recht bestehe, daß auch die Kirche nicht so hundertprozentig vom Geist verlassen ist, wie es nach diesen Eiferern aussieht, daß aber ebensowenig dieser Geist so hundertprozentig bei ihnen vorhanden ist, wie es ihre alsgemach<note xml:id="n14">= allmählich.</note> langweilig wirkenden immer gleichen Bekehrungsgeschichten angeben. Und irgendwie wird auch dieser seltsame, die Welt durchziehende Hausknecht zu den seltsamen Zeichen unserer seltsamen Zeit gehören. Und es wird dafür gesorgt sein, daß seine Bäumlein nicht in den Himmel wachsen. Hier in <placeName ref="kbga-places-5">Basel</placeName> jedenfalls geschieht das nicht.</p>
        <p>
                    <hi rend="italic">Freitag abend</hi>. Der Brief wurde gestern nicht mehr fertig. Nun muß er aber abgehen. Eben traf von <persName ref="kbga-actors-223">Lollo</persName> gesandt deine ausgezeichnete Predigt<note xml:id="n15"><persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> predigte am <date when="1932-12-18">18.12.1932</date> im Universitätsgottesdienst in der Bonner Schloßkirche über <ref type="can" subtype="bible" target="Phil.4.4 Phil.4.5">Phil. 4,4f.</ref>; die Predigt ist unter dem Titel <bibl corresp="kbga-bibls-245"><hi rend="italic">Von Freude und Lindigkeit</hi> wieder abgedruckt in: Pr. 1921-1935, <ref type="pub-" target="../volume/31/p275#p275">S. 275–287</ref>.</bibl>
               </note> und der Artikel für die Zeitung<note xml:id="n16"><persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> für die Weihnachtsnummer der <orgName ref="kbga-actors-7253">Münchner Neuesten Nachrichten</orgName> verfaßter Artikel <bibl corresp="kbga-bibls-245"><hi rend="italic">Von der Sorge und von Gott</hi> ist wieder abgedruckt in: Pr. 1921- 1935, <ref type="pub-" target="../volume/31/p635#p635">S. 635–639</ref>.</bibl>
               </note> ein. Ich habe beides richtig heruntergetrunken. Vor allem die Predigt mit ihrer barmherzigen und gerade dadurch wachrüttelnden Verkündigung von <hi rend="italic">der</hi> Heiligung, der wir nachzujagen haben. Gut, <foreign xml:lang="lat">bene, optime! optime!</foreign> Mit <persName ref="kbga-actors-23">Heiner</persName> habe ich wieder ein sehr freundliches Verhältnis bekommen. Wir haben nun beschlossen, an der <orgName ref="kbga-actors-10837">philosophisch-theologischen Vereinigung</orgName> die Ethische Frage, und zwar an Hand — nicht zwar von <persName ref="kbga-actors-63">Brunner</persName>, sondern von <persName ref="kbga-actors-137">Gogarten</persName> durchzunehmen! Ich werde das erste Referat haben. <persName ref="kbga-actors-23">Heiner</persName> hat entschieden zu <persName ref="kbga-actors-137">Gogarten</persName> geraten. Mir selber liegt die Besprechung von <pb xml:id="p316" ed="pga"/> Emils Ethik für <orgName ref="kbga-actors-6169">Zw.d.Z.</orgName> noch ob, ich mag und mag nicht daran herangehen. <persName ref="kbga-actors-23">Heiner</persName> sprach mir zu und meint, man müsse sie eben auf ihrer Ebene würdigen. Aber eben diese Ebene ist mir irgendwie fremd genug. Ich bin sehr froh um <persName ref="kbga-actors-223">Lollos</persName> weitere Mitteilungen eurer Ergebnisse zu diesem Buche. Mir kommt sie einfach vor als ein gutes Kompendium, an das die eigentliche theologische Frage gar nicht so recht gerichtet werden kann.</p>
        <p>Schluß! Ich danke <persName ref="kbga-actors-24">Markus</persName> vielmal und herzlich für seinen so guten Brief.<note xml:id="n17">Brief <persName ref="kbga-actors-24">M. Barths</persName> an <persName ref="kbga-actors-403">Thurneysen</persName> vom <date when="1932-12-18">18.12.1932</date> (<bibl corresp="kbga-bibls-6800">Nachlaß Thurneysen</bibl>).</note> In den Weihnachtstagen wird er eine Antwort erhalten. Hattet Ihr wohl gute Zeit mit <persName ref="kbga-actors-275">Georg</persName>?<note xml:id="n18">Vgl. unten <ref type="pub" target="../volume/34/p330#p330">S. 330f.</ref></note> <persName ref="kbga-actors-6115">Schleicher</persName> regiert<note xml:id="n19">Das Präsidialkabinett des Reichskanzlers <persName ref="kbga-actors-6115">Kurt von Schleicher</persName> regierte seit dem <date when="1932-12-03">3.12.1932</date>.</note> — wie sieht das wohl von innen her gesehen aus? Wir dagegen hatten die scheußliche Schießerei auf Demonstranten in <placeName ref="kbga-places-67">Genf</placeName><note xml:id="n20">Vgl. oben <ref type="pub" target="../volume/34/p300#fn_n27">S. 300, Anm. 27 und 28</ref>, und unten <ref type="pub" target="../volume/34/p415#fn_n07">S. 451f., Anm. 7-9</ref>.</note>. <persName ref="kbga-actors-580">Greyerz</persName> rief unsere <orgName ref="kbga-actors-10867">soziale Studienkommission</orgName><note xml:id="n21">Die <orgName ref="kbga-actors-10867">Soziale Studienkommission</orgName> des Schweizerischen Reformierten Pfarrvereins wurde <date when="1925">1925</date> auf Antrag von <persName ref="kbga-actors-580">K. von Greyerz</persName>, der sie auch präsidierte, gegründet. Ihre Ziele waren «Information der Mitglieder und der Amtsbrüder überhaupt über wichtige soziale Fragen, Besinnung über damit gegebene Aufgaben der christlichen Gemeinde, Einwirkung auf Behörden oder Öffentlichkeit in der erkannten Richtung [und] Stärkung Verantwortlicher durch unsere Mitverantwortung». Seit Januar <date when="1927">1927</date> gab die Kommission vierteljährlich «Mitteilungen» heraus. Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-6654">H. Eppler, Artikel «Soziale Studien-Kommission des Schweizerischen Reformierten Pfarrvereins», in: <hi rend="italic">Handbuch der reformierten Schweiz</hi>, hrsg. vom Schweizerischen Protestantischen Volksbund, Zürich 
                        1962, S. 424f. (Zitat dort S. 424).</bibl>
               </note> eilig zusammen zu einer Sonderbesprechung der «dadurch geschaffenen Lage». Und so saß ich denn letzthin mit den alten Sturmböcken <persName ref="kbga-actors-564">Kefir</persName><note xml:id="n22"><persName ref="kbga-actors-564">Max Gerber</persName>.</note>, <persName ref="kbga-actors-665">Liechtenhan</persName><note xml:id="n23"><persName ref="kbga-actors-665">Rudolf Liechtenhan</persName> (1875–1947), 1910–1936 Pfarrer an St. Matthäus in Basel, zugleich 1921–1935 Privatdozent, 1936–1947 a.o. Professor für Neues Testament in Basel; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-931">Bw.Th. I</bibl> und <bibl corresp="kbga-bibls-932">II</bibl> (Namenregister).</note>, <persName ref="kbga-actors-528">Sämi Dieterle</persName>, <persName ref="kbga-actors-661">Lejeune</persName><note xml:id="n24"><persName ref="kbga-actors-661">Robert Lejeune</persName> (1891–1970), seit seinem Studium bei <persName ref="kbga-actors-330">L. Ragaz</persName> religös-sozial geprägt, nach Pfarrämtern in Graubünden und im Thurgau (wo er mit der Herausgabe der Predigten <persName ref="kbga-actors-47">Christoph Blumhardts</persName> begann) 1926–1958 als Nachfolger <persName ref="kbga-actors-240">Kutters</persName> Pfarrer in der Gemeinde Neumünster in Zürich; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-931">Bw.Th. I</bibl> und <bibl corresp="kbga-bibls-932">II</bibl> (Namenregister).</note> (die Kommission ist fast ganz religiös-sozial zusammengesetzt) einen Nachmittag lang in <placeName ref="kbga-places-66">Zürich</placeName> in einem Café zusammen und mußte ein langes <pb xml:id="p317" ed="pga"/> und weithin sich erstreckendes politisches Kannegießern<note xml:id="n25">D. h. dilettantisch politisierendes Schwatzen. Der Ausdruck geht zurück auf <bibl corresp="kbga-bibls-7331"><persName ref="kbga-actors-7073">Ludvig Holbergs</persName> Lustspiel «Der politische Kannegießer» (1722, nach der Übersetzung G. A. Dethardings 1742)</bibl>, dessen Hauptfigur, ein Zinngießer, in dieser Weise politisiert.</note> mitmachen, das ich immerhin zum Schluß insofern gewann, als ich Kefirs unmögliche Resolution zu Fall brachte. Nein, so geht es nicht in diesen Dingen! Ich wurde zur Strafe dafür, daß ich dabei sein mußte, selber beauftragt, in Frageform ein paar Erwägungen zu formulieren, die nun in unserem Blättlein an die Pfarrer gerichtet werden sollen.<note xml:id="n26">Vgl. unten <ref type="pub" target="../volume/34/p343#p343">S. 343</ref>, <ref type="pub" target="../volume/34/p358#p358">S. 358–363</ref> und <ref type="pub" target="../volume/34/p367#p367">S. 367</ref>.</note>
            </p>
        <p>Sei herzlich, herzlich gegrüßt! <hi rend="italic">Unser</hi> Weg wird weiter beschritten werden müssen. Du aber hast ihn nicht nur zu beschreiten, sondern zu bahnen. Laß mir alle und jede Kunde, die du mir aus dieser Arbeit heraus kannst zukommen lassen, zukommen. Ich lese sozusagen nichts anderes! So ganz lätz<note xml:id="n27">= verkehrt.</note> sind wir sicher nicht dran. Das erfahre doch auch ich in meinem kleineren Kampfabschnitt.</p>
        <closer>
          <salute>Dein</salute>
          <signed>getreuer <persName ref="kbga-actors-403">Eduard</persName></signed>
        </closer>
      <postscript>
        <p>Viele, herzliche Grüße auch von <persName ref="kbga-actors-1285">Marguerite</persName> und an <persName ref="kbga-actors-26">Nelly</persName> und <persName ref="kbga-actors-223">Lollo</persName>. Nächste Woche werden wir einmal einen Tag und Abend nach <placeName ref="kbga-places-66">Zürich</placeName> fahren und mit <persName ref="kbga-actors-316">Ruedi</persName> und <persName ref="kbga-actors-315">Gerty</persName> zusammensitzen. Es wird nicht fehlen, daß wir dann Euer gedenken!</p>
        <p>Die Stalinbiographie<note xml:id="n28">Allein 1931 und 1932 erschienen sechs Biographien über <persName ref="kbga-actors-5630">Stalin</persName>: <bibl corresp="kbga-bibls-7325"><persName ref="kbga-actors-6770">B. Bajanow</persName>, <hi rend="italic">Stalin, der rote Diktator</hi>, von seinem ehemaligen Staatssekretär, Berlin 
                        1931</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-7326"><persName ref="kbga-actors-6807">Gr. Z. Besedovskij</persName>, <hi rend="italic">Stalin. Der Lebensweg des roten Zaren</hi>, München/Hofstatt 1932</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-7327"><persName ref="kbga-actors-6938">Essad-Bey</persName>, <hi rend="italic">Stalin</hi>, Berlin 1931</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-7328"><persName ref="kbga-actors-7169">J. D. Levine</persName>, <hi rend="italic">Stalin. Der Mann von Stahl</hi>, Hellerau 1931</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-7329"><persName ref="kbga-actors-7342">E. B. Richard</persName>, <hi rend="italic">Mein lieber Bruder Stalin</hi>, Zürich 1932</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-7330"><persName ref="kbga-actors-7529">Chr. Wendecke</persName>, <hi rend="italic">Der rote Zar. Genosse Stalins Weg</hi>, Leipzig 1932.</bibl></note> lese ich eben nebenher. Vielleicht kann sie auch dich interessieren!</p>
                        </postscript>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
