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        <title type="volume" n="vol-34">Karl Barth – Eduard Thurneysen. Briefwechsel Bd. III 1930–1935</title>
        <title type="content">Eduard Thurneysen an Karl Barth</title>
        <title type="citation_line_1">Eduard Thurneysen an Karl Barth, 29. Juni 1933</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/34127 (Stand: 2. Oktober 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Karl Barth – Eduard Thurneysen. Briefwechsel Bd. III 1930–1935, hrsg. v. Algner, Caren (Gesamtausgabe, Abt. V), Zürich 2000, S. 435–441.</title>
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        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
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        <sponsor>Schweizerischer Nationalfonds (SNF)</sponsor>
        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
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        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
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        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
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          <title type="volume">Karl Barth – Eduard Thurneysen. Briefwechsel Bd. III 1930–1935</title>
          <title type="text">Eduard Thurneysen an Karl Barth</title>
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          <editor>Algner, Caren</editor>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
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          <title type="edition">Princeton Barth Project edition</title>
          <title type="text">electronic edition of Karl Barth, Gesamtausgabe V.34, Karl Barth - Eduard Thurneysen Briefwechsel Band III 1930-1935, letter 119</title>
          <author ref="kbga-actors-403">Thurneysen, Eduard</author>
          <editor>James R. Adair, Jr.</editor>
          <editor>Timothy J. Finney</editor>
          <editor>Christian Kelm</editor>
          <pubPlace>Princeton</pubPlace>
          <publisher>Alexander Street Press</publisher>
          <date type="publication">2001</date>
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        <bibl xml:id="A" type="source">A (Vorlage der Edition): Thurneysen, Eduard, Eduard Thurneysen an Karl Barth, 29. Juni 1933. <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/21742">KBA 9370.697</ref>. </bibl>
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                    <salute>Lieber <persName ref="kbga-actors-2151">Karl</persName>,</salute></opener>
        <p>Da bin ich nun endlich auch mit einem direkten Wort an dich, nachdem sozusagen Tag und Nacht in dieser Woche über dich und von dir bei uns die Rede war. Ich kann dir nur restlos dankbar sein und in besonderer Weise verbunden deiner und deiner Arbeit und deines Kampfes gedenken. Broschüre und Brief haben nun zu mir geredet. Ich habe, was du sagst, sogleich und in langen durstigen Zügen in mich hineingetrunken und dann den Kelch abgesetzt und aufgeatmet wie ei<pb xml:id="p436" ed="pga" break="no"/>ner, der aus einem Kellerloch heraus endlich wieder an die frische Luft heraustreten darf. Und so wird es jetzt Unzähligen ergehen — das ist gewiß. Viel darüber schreiben kann ich dir jetzt nicht. Aber sei getrost (wenn du dieses Zurufes bedürfen solltest), du hast ein Loch geschlagen, einen Pfahl eingerammt, ein Fundament gelegt, einen Turm errichtet oder, ganz einfach gesagt: du hast der Kirche, wirklich der Kirche zum Wort geholfen. Und wie sollte das umsonst getan sein! Es ist wohl in den Sturm hineingerufen, aber ich habe keine Angst, das wird nicht untergehen, sondern gehört werden und Frucht tragen. Du kannst nun ohne Sorge wieder zu deiner eigentlichen Arbeit zurückkehren oder auch — und auch das wird sein dürfen — dein «gut torgauisch Bier» trinken<note xml:id="n01">Siehe oben <ref type="pub" target="../volume/34/p283#fn_n07">S. 283, Anm. 7</ref>.</note> — was immer kommen mag, das Wort läuft [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="2.Thess.3.1">2.Thess. 3,1</ref>], und bricht vielleicht jenem ganz anderen Worte, um das es heute in der Kirche erst recht wieder gehen muß, Bahn und Weg. Ich bin mit ganzer Anteilnahme dabei! Wie noch selten ist man wach und fragt sich von Tag zu Tag, was nun das nächste sein werde. Mir ist persönlich erst durch deine Schrift ganz klar und deutlich vor Augen getreten, um was es <hi rend="italic">dir</hi> in all diesen Wochen mit ihren Kämpfen gegangen ist. Natürlich konnte ich die Linien nicht in der Klarheit und Kraft sehen, in der sie nun aus deiner Darlegung wie aus einem Nebel heraustreten und für mich — schlechthin überzeugend. Der eigentlich kritische Punkt ist ja sicher (wenn ich an unsere Nächsten denke) die Stellungnahme zu den «<orgName ref="kbga-actors-6005">Jungreformatoren</orgName>»<note xml:id="n02"><bibl corresp="kbga-bibls-1186">Th.Ex.h. 1933, S. 67–83</bibl> (Originalpaginierung: S. 29–38). — Den Anstoß zur Gründung der <orgName ref="kbga-actors-6005">Jungreformatorischen Bewegung</orgName> am <date when="1933-05-09">9.5.1933</date> gaben die «Zehn Kirchengrundsätze», in denen der radikale Flügel der <orgName ref="kbga-actors-8309">Deutschen Christen</orgName> unter <persName ref="kbga-actors-6438">Hossenfelder</persName> als sein Ziel eine «evangelische Reichskirche, die die Hoheit des nationalsozialistischen Staates aus Glauben anerkennt und das Evangelium im <orgName ref="kbga-actors-8323">Dritten Reich</orgName> verkündigt», nannte. Die von <persName ref="kbga-actors-6029">W. Künneth</persName>, <persName ref="kbga-actors-300">M. Niemöller</persName> und <persName ref="kbga-actors-249">H. Lilje</persName> geleitete, am 11.5. erstmals an die Öffentlichkeit tretende Bewegung vereinigte in sich meist jüngere Theologen verschiedener politischer und theologischer Richtungen. Sie bejahte den nationalsozialistischen Staat, trat aber für die Freiheit der Kirche gegenüber politischer Beeinflussung ein. Zu ihren Mitgliedern zählten u. a.  <persName ref="kbga-actors-202">G. Jacobi</persName>, <persName ref="kbga-actors-7330">E.-Fr. von Rabenau</persName>, <persName ref="kbga-actors-1031">Th. Heckel</persName>, <persName ref="kbga-actors-392">W. Stählin</persName>, <persName ref="kbga-actors-405">M. von Tiling</persName> und <persName ref="kbga-actors-137">Fr. Gogarten</persName>. Nach den Kirchenwahlen am <date when="1933-07-23">23.7.1933</date> zog sich die Bewegung aus der Kirchenpolitik zurück. Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-3216">P. Neumann, <hi rend="italic">Die Jungreformatorische Bewegung</hi> (AGK 25), Göttingen 
                        1971, Zitat dort S. 20</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-173">Scholder I, S. 406–409</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-239">Meier I, S. 92f.</bibl>
               </note> (an sich ein ganz fataler Name, aber <pb xml:id="p437" ed="pga"/> in <placeName ref="kbga-places-160">Baden</placeName><note xml:id="n03">D. h. auf der Gernsbacher Konferenz; s. oben <ref type="pub" target="../volume/34/p413#fn_n14">S. 413, Anm. 14</ref>.</note> wurde allgemein so von ihnen geredet). Ich verstehe dich aber auch an diesem Punkte völlig. Du mußtest da hart bleiben und sagst auch warum. Man kann jetzt mit keinem Gänsliwein<note xml:id="n04">= Wasser.</note> mehr aufwarten. Entweder — Oder! Aber es ist nun wirklich der rechte Augenblick, daß dein Wort auf dem Plan erscheint.</p>
        <p>Wie ich etwa dachte, magst du aus dem Brief ersehen, den ich also an <persName ref="kbga-actors-275">Georg</persName> schrieb<note xml:id="n05">Nicht erhalten.</note> und den er aus mir unverständlicher Zurückhaltung <persName ref="kbga-actors-223">Lollo</persName> bei ihrem Besuche nicht zu lesen gab. Natürlich ist da alles zu harmlos gesehen und wirken die Informationen sehr nach, die ich über D. <persName ref="kbga-actors-1044">Hesses</persName> Haltung vor allem an den badischen Konferenzen erhalten habe. Übrigens hat auch <persName ref="kbga-actors-737">De Quervain</persName> das im Briefe an Georg enthaltene Urteil über Hesse einigermaßen in einem kürzlichen Gespräch mit mir bestätigt, wenigstens nicht einfach widerlegt. Etwas wird ja daran sein. Und daß diese, wie du selber schreibst, nicht ganz starke Haltung des Reformierten Kernmannes die Leute um <persName ref="kbga-actors-7588">Bodelschwingh</persName> geärgert haben muß, ist ja klar. Sie sah offenbar von außen allzu sehr nur taktisch, zu wenig wirklich prinzipiell aus.<note xml:id="n06">Die Bekanntgabe der Kandidatur <persName ref="kbga-actors-7588">Bodelschwinghs</persName> für das zukünftige Reichsbischofsamt durch das <orgName ref="kbga-actors-8422">Dreimännerkollegium</orgName> am <date when="1933-05-24">24.5.1933</date> war in Abwesenheit des reformierten Vertreters <persName ref="kbga-actors-1044">H. A. Hesse</persName> beschlossen und durchgeführt worden. Hesse stimmte ihr nachträglich und unter Vorbehalt zu (vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-321">Schneider, S. 121</bibl>). Der Beschluß wurde am 26.5. nach komplizierten Verhandlungen auch von den Vertretern der Landeskirchen bestätigt, die auch Hesses Erklärung über «Das rechtliche Verhältnis der Reformierten zum Reichsbischof» akzeptierten («Sie ist als eine authentische Interpretation der in der Kundgebung [= Loccumer Manifest] enthaltenen Bestimmung über den Reichsbischof entgegengenommen worden und hat damit in ihrem gesamten Wortlaut die gleiche rechtliche Gültigkeit, wie die Kundgebung selber»; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-6771">[H. A.] Hesse, <hi rend="italic">Loccumer Pakt</hi>, in: RKZ, Jg. 83 [1933], S. 165–168</bibl>; darin abgedruckt: Erklärung Hesses S. 166f. [Zitat dort S. 166], «<hi rend="italic">Kundgebung zur Gründung der Deutschen Evangelischen Kirche</hi>» S. 165f., «Erklärung der bevollmächtigten Vertreter der reformierten Kirche der Provinz Hannover und der Lippischen Landeskirche in der Sitzung der Bevollmächtigten des Deutschen Evangelischen Kirchenbundes in Berlin am 16. Mai 1933» S. 167, und «<hi rend="italic">Erklärung des Reformierten Bundes für Deutschland zum Loccumer Pakt</hi>» S. 167f.; kurze Notiz bei <bibl corresp="kbga-bibls-169">Gauger I, S. 80</bibl>). Am 30.5. bemühte sich <persName ref="kbga-actors-5289">Kapler</persName> vergeblich darum, das Erscheinen einer weiteren Erklärung Hesses vom selben Tag noch zu verhindern, in der es heißt: «Die von der Presse verbreitete Nachricht, die Bestimmung von Pastor D. von Bodelschwingh zum Reichsbischof am 27. Mai sei <hi rend="italic">mit meiner Zustimmung</hi> erfolgt, <hi rend="italic">ist unwahr</hi> und irreführend. Es ist ebenfalls unrichtig, daß sie die Zustimmung sämtlicher Landeskirchen oder auch nur sämtlicher lutherischen Landeskirchen gefunden hat. Jede Stellungnahme zu der Person des Reichsbischofs ist zurzeit unangebracht. Angebracht und nötig dagegen ist die Stellungnahme zu der Frage, ob ein Reichsbischof lutherischen Bekenntnisses zur Wahrung und Pflege des eigenen Bekenntnisstandes von den Gemeinden und Synoden gewollt wird. Dabei ist festzustellen: Durch die authentische Interpretation des Loccumer Pakts liegt fest, daß ein Reichsbischof lutherischen Bekenntnisses für die Lutheraner als geistlicher Führer und Träger des kirchlichen Lehramts, dagegen aber für die, die bekenntnismäßige Bedenken anzumelden haben, nur als Vertreter der Gesamtkirche und Führer der Geschäfte des Geistlichen Ministeriums gemeint ist» (<bibl corresp="kbga-bibls-4915">Kölnische Zeitung, Nr. 292 vom 30.5.1933</bibl>, zitiert nach <bibl corresp="kbga-bibls-4917">Zeitungsspiegel, hrsg. vom Evangelischen Preßverband für Rheinland, Essen, Nr. 47 vom 31.5.1933, S. 4</bibl>). Hesse wurde zu einer Unterredung mit <persName ref="kbga-actors-7588">Bodelschwingh</persName>, <persName ref="kbga-actors-5289">Kapler</persName> und <persName ref="kbga-actors-265">Marahrens</persName> wieder nach Berlin gerufen und brachte seinerseits den Präsidenten des Landeskirchenrates der Evangelisch-reformierten Landeskirche der Provinz Hannover in Aurich, <persName ref="kbga-actors-7138">Otto Koopmann</persName>, mit. Über die Unterredung berichtete <persName ref="kbga-actors-7455">Stoltenhoff</persName>: «Es war fast nicht möglich, D. Hesse zu der Erkenntnis zu führen, daß er einen kapitalen Fehler gemacht habe und daß er seine Erklärung in der Presse angesichts des unzweifelhaften Tatbestandes einfach preisgeben müsse» (<bibl corresp="kbga-bibls-2716">E. Stoltenhoff, <hi rend="italic">Die gute Hand Gottes …</hi>, a.a.O. [<ref type="pub" target="../volume/34/p047#fn_n04">S. 47, Anm. 4</ref>], S. 257</bibl>). Man einigte sich schließlich auf eine Presseerklärung, in der am 1.6. das <orgName ref="kbga-actors-8422">Dreimännerkollegium</orgName>, «um alle Mißverständnisse auszuschließen, gemeinschaftlich» feststellte: «1. Am Mittwoch, den 24. Mai abends, haben wir lediglich zur Abwehr andersartiger, verwirrender Meldungen nachstehende Pressenotiz gebilligt: ‹Zu unserer gestrigen Meldung, wonach die deutschen evangelischen Kirchen über die Person des Reichsbischofs einig sind, erfahren wir, daß kirchlicherseits als Reichsbischof der neuen ‹<orgName ref="kbga-actors-8262">Deutschen Evangelischen Kirche</orgName>› Pastor D. von Bodelschwingh in Bethel ausersehen ist.› 2. Am Freitag und Sonnabend, den 26. und 27. Mai, wurde den bevollmächtigten Vertretern aller Landeskirchen dieser Sachverhalt vorgetragen und der Antrag unterbreitet, diesen unseren Schritt gutzuheißen, was einstimmig geschah. 3. Bei den Verhandlungen waren die vorliegenden Personalvorschläge zur Erörterung zu stellen. An der Aussprache haben wir uns natürlich beteiligt, an den Abstimmungen hatten wir nicht teilzunehmen. In keinem Augenblick der Aussprache ist es zweifelhaft gewesen, daß wit mit vollem Vertrauen und hoher Verehrung zu der Persönlichkeit des Herrn D. von <persName ref="kbga-actors-7588">Bodelschwingh</persName> standen und stehen. Deshalb haben wir unter Zustimmung der Landeskirchen Herrn D. von <persName ref="kbga-actors-7588">Bodelschwingh</persName> das Amt eines ersten deutschen evangelischen Reichsbischofs einmütig angetragen. Kapler — Marahrens — Hesse» (zitiert nach <bibl corresp="kbga-bibls-4917">Zeitungsspiegel, hrsg. vom Evangelischen Preßverband für Rheinland, Essen, Nr. 48 vom 1.6.1933)</bibl>; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-244">S. Lekebusch, <hi rend="italic">Die Reformierten im Kirchenkampf. Das Ringen des Reformierten Bundes, des Coetus reformierter Prediger und der reformierten Landeskirche Hannover um den reformierten Weg in der Reichskirche</hi> (SVRKG 113), Köln 1994, S. 42–44</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-2716">E. Stoltenhoff, a.a.O., S. 256–258.</bibl></note> Allerdings — wie hätte Georg <pb xml:id="p438" ed="pga"/> in <placeName ref="kbga-places-174">Bethel</placeName> etwa <hi rend="italic">nicht</hi> für <persName ref="kbga-actors-7588">Bodelschwingh</persName> sein können! Das war ja sicher für ihn zu viel verlangt. Ich weiß ebenfalls von <persName ref="kbga-actors-823">Helmi</persName>, wie stark offen<pb xml:id="p439" ed="pga" break="no"/>bar die persönliche Bindung sein muß, die <persName ref="kbga-actors-7588">Bodelschwingh</persName> von sich ausströmen läßt. Aber hätte es nicht doch eine Möglichkeit für ihn geben können, dich wenigstens zu <hi rend="italic">verstehen</hi>, umso mehr, als ihr ja durch persönliche Intervention von <persName ref="kbga-actors-223">Lollo</persName> euch ihm gegenüber wahrhaftig erklärt habt! Nun, auch da wird dein Wort nun Klärung schaffen. Daß du sicher nicht allein stehen bleiben wirst, das konnte ich schon aus einigen Gesprächen mit den paar deutschen Pfarrern als sicher voraussehen, die ich auch jetzt am Missionsfest (das übrigens gerade in diesem Augenblick vor meinem Fenster die Festgäste aus dem Einsegnungsgottesdienst im <placeName ref="kbga-places-859">Münster</placeName><note xml:id="n07">Am letzten Tag des vom 26. bis 29.6.1933 dauernden Missionsfestes fand im <placeName ref="kbga-places-859">Münster</placeName> unter Mitwirkung von <persName ref="kbga-actors-491">G. Benz</persName>, Missionar <persName ref="kbga-actors-7031">W. Haeberle</persName> und <persName ref="kbga-actors-157">K. Hartenstein</persName> ein Einsegnungsgottesdienst für acht junge Missionare statt; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-6804">-an-, <hi rend="italic">Einsegnungsfeier im Münster</hi>, in: BN, Jg. 89 (1933), Nr. 176 vom 30.6.1933, 1. Beilage</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-6805">«<hi rend="italic">Hier ist Geduld der Heiligen». Einsegnung der jungen Missionare, Donnerstag, den 29. Juni 1933 nachmittags 3 Uhr im Münster</hi>, in: <hi rend="italic">Auf Dein Wort. Vom 118. Jahresfest der Basler Mission 26. bis 29. Juni 1933</hi>, Stuttgart/Basel 1933, S. 71–82.</bibl></note> auf den Platz heraus ergießt) wieder hatte. Es gibt mehr, als man vielleicht denkt, die auch <persName ref="kbga-actors-7588">Bodelschwingh</persName> und den <orgName ref="kbga-actors-6005">Jungreformatoren</orgName> gegenüber ihre starken Reserven haben aus nicht so sehr anderen, wenn auch vielleicht nur dunkel empfundenen Gründen, wie du sie mit Kraft und Einfalt auf den Plan stellst. Dabei bleibe ich eigentlich doch, daß im Stillen noch mehr Leute in der Kirche sind, die für ein Wort wie das deine sehr offene Ohren haben und denen du wahrhaftig Stärkung und Wegzehrung darreichen wirst und die dadurch in den Stand gesetzt werden weiterzuwandern durch die vielleicht kommenden sehr dunkeln Täler [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Ps.23.4">Ps. 23,4</ref>]. Ach, <persName ref="kbga-actors-2151">Karl</persName>, wie gut, daß dies Fenster an deinem Haus nun hat aufgehen dürfen und deine Stimme so kräftig in den Raum der Kirche erschallt! Das wird dich nie reuen. Das ist gewirkt, «solange es Tag ist». Mag nun die Nacht kommen, da es mit dem Wirken zu Ende ist [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Joh.9.4">Joh. 9,4</ref>].</p>
        <p><persName ref="kbga-actors-1285">Marguerite</persName> läßt dich besonders herzlich mitgrüßen. Sie hat dein Wort ebenfalls sofort mitgelesen. Und gestern erschienen wahrhaftig <persName ref="kbga-actors-316">Ruedi</persName> und <persName ref="kbga-actors-315">Gerty</persName> am Abend und übernachteten und bekamen die Speise deines Wortes natürlich auch sofort vorgesetzt. Ich lasse es nun in <placeName ref="kbga-places-5">Basel</placeName> schnell kopieren und gebe dann ein Exemplar davon an Ruedi weiter. Oder wird die Schrift selber wohl schon gleich da sein? Im übrigen bringt natürlich das Missionsfest ebenfalls allerlei Leute zu Gesicht. <pb xml:id="p440" ed="pga"/> <persName ref="kbga-actors-157">Hartenstein</persName> — ach Hartenstein ist wohl voll guten Willens, abet die Stimme seines Blutes ist immer auch sehr stark da, und dazu kommt ein wirklich politisches Unbegabtsein und Gläubigsein im falschen Sinne, so daß mit ihm das Gespräch nicht immer ganz einfach zu führen ist. Heute abend trifft übrigens zu allem auch noch «Onkel <persName ref="kbga-actors-783">Willy</persName> mit Tante <persName ref="kbga-actors-7434">Elisabeth</persName>» aus <placeName ref="kbga-places-66">Zürich</placeName> ein: in Spoendlins Kirchgemeinde ist eine Pfarrwahl im Gang<note xml:id="n08"><persName ref="kbga-actors-783">W. Spoendlin</persName> war als Kirchenpflegepräsident der Gemeinde Zürich-Oberstraß von Amts wegen Mitglied der Pfarrwahlkommission, die für die zum Herbst 1933 neugeschaffene 3. Pfarrstelle der Gemeinde «durch Berufung» einen geeigneten Kandidaten finden sollte, den dann die «geschlossene Gemeindeversammlung» wählen sollte (<ref type="archival">Beschlüsse Nr. 2 und Nr. 3 der außerordentlichen Kirchgemeindeversammlung am 12.2.1933 laut Protokoll, in: «Protokolle der Kirchgemeindeversammlungen 1933–1947» IV B Id, Archiv Kirchengemeinde Zürich-Oberstraß</ref>). Gewählt wurde <persName ref="kbga-actors-7375">Albert Schellenberger</persName>. In den die Pfarrwahl betreffenden Akten der Gemeinde wird <persName ref="kbga-actors-403">Thurneysen</persName> nicht erwähnt (briefliche Auskünfte von Dr. A. Bucher, Kirchenpflegepräsidentin dieser Gemeinde, vom 11.12.1997 und 4.5.1998).</note>, und da will er glaub mit mir Rücksprache nehmen. Daß auch ich von einer Wahl für meinen Nachbarn<note xml:id="n09">Vorbereitung zu der Wahl eines Nachfolgers von <persName ref="kbga-actors-1281">J. J. Täschler</persName>, der Ende Oktober zurücktrat. Als Nachfolger wurde am 23./24.9.1933 <persName ref="kbga-actors-6735">Albert Wolfer</persName> gewählt. Von <persName ref="kbga-actors-1785">O. Moppert</persName> als Präsident und <persName ref="kbga-actors-403">E. Thurneysen</persName> als Schreiber des Kirchenvorstands der Münstergemeinde gezeichneter Wahlaufruf: <bibl corresp="kbga-bibls-6806"><hi rend="italic">Pfarrwahl in der Münstergemeinde. An die Wähler und Wählerinnen der Münstergemeinde</hi>, in: BN, Jg. 89 (1933), Nr. 256 vom 21.9.1933, 1. Beilage.</bibl>
               </note> einigermaßen bewegt bin, ist ja nicht sehr wesentlich, du ersiehst es aus dem Brief an <persName ref="kbga-actors-275">Georgius</persName>.</p>
        <p>Deine Mahnungen an uns Schweizer sind sicher zehnmal am Platze. Ich will sie weitergeben. Aber ich fürchte, es wird eben scheitern am Mangel jenes besseren positiven Programmes, das die heute noch Führenden bereithaben sollten. Und nun sei mit <persName ref="kbga-actors-223">Lollo</persName> und <persName ref="kbga-actors-26">Nelly</persName> herzlich gegrüßt. In wenigen Wochen werdet ihr hochaufatmend die <placeName ref="kbga-places-100">Bergli</placeName>heimat erreichen. Dann sehen wir uns ja auf alle Fälle wieder. Meine Ferien fallen allerdings dies Jahr ganz in den Juli, so daß ich gerade dann wieder anfangen muß, wenn Ihr eintrefft. Vom 7. August weg sitze ich wieder am <placeName ref="kbga-places-859">Minschterplatz</placeName>. Von nächsten Donnerstag weg also in <placeName ref="kbga-places-101">Adelboden</placeName>: in euerm ehemaligen Häuslein (Chalet Klossner, im Boden), und zwar zusammen mit <persName ref="kbga-actors-157">Hartenstein</persName>, der im Häuslein vorne, wo <persName ref="kbga-actors-728">Karl Pfisterer</persName><note xml:id="n10"><persName ref="kbga-actors-728">Karl Pfisterer</persName> (1878–1948), 1908–1924 Pfarrer in Windisch (Kanton Aargau), 1924–1944 Pfarrer am Bürgerspital Basel, war <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> und <persName ref="kbga-actors-403">Thurneysen</persName> aus ihrer Zeit im Aargau bekannt.</note> sei<pb xml:id="p441" ed="pga" break="no"/>nerzeit wohnte, Ferien machen will. Hoffentlich bekommen wir nicht Krach miteinander!</p>
        <closer>
          <salute>Dein</salute>
          <signed><persName ref="kbga-actors-403">Eduard</persName></signed>
        </closer>
      </div>
    </body>
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</TEI>
