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        <title type="volume" n="vol-34">Karl Barth – Eduard Thurneysen. Briefwechsel Bd. III 1930–1935</title>
        <title type="content">Eduard Thurneysen an Karl Barth</title>
        <title type="citation_line_1">Eduard Thurneysen an Karl Barth, 12. September 1933</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/34145 (Stand: 2. Oktober 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Karl Barth – Eduard Thurneysen. Briefwechsel Bd. III 1930–1935, hrsg. v. Algner, Caren (Gesamtausgabe, Abt. V), Zürich 2000, S. 491–497.</title>
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        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
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        <sponsor>Schweizerischer Nationalfonds (SNF)</sponsor>
        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
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        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
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        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
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          <title type="volume">Karl Barth – Eduard Thurneysen. Briefwechsel Bd. III 1930–1935</title>
          <title type="text">Eduard Thurneysen an Karl Barth</title>
          <author ref="kbga-actors-403">Thurneysen, Eduard</author>
          <editor>Algner, Caren</editor>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
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          <title type="edition">Princeton Barth Project edition</title>
          <title type="text">electronic edition of Karl Barth, Gesamtausgabe V.34, Karl Barth - Eduard Thurneysen Briefwechsel Band III 1930-1935, letter 136</title>
          <author ref="kbga-actors-403">Thurneysen, Eduard</author>
          <editor>James R. Adair, Jr.</editor>
          <editor>Timothy J. Finney</editor>
          <editor>Christian Kelm</editor>
          <pubPlace>Princeton</pubPlace>
          <publisher>Alexander Street Press</publisher>
          <date type="publication">2001</date>
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        <bibl xml:id="A" type="source">A (Vorlage der Edition): Thurneysen, Eduard, Eduard Thurneysen an Karl Barth, 12. September 1933. <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/22172">KBA 9370.706</ref>. </bibl>
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          <salute>Lieber <persName ref="kbga-actors-2151">Karl</persName>,</salute>
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        <p>Hier das angekündigte Heft aus <placeName ref="kbga-places-174">Bethel</placeName>.<note xml:id="n01">Entwurf des Betheler Bekenntnisses vom <date when="1933-08-26">26.8.1933</date> (bis 1959 unveröffentlicht); vgl. dazu <bibl corresp="kbga-bibls-4704">D. Bonhoeffer, a.a.O., S. 77–119</bibl> (Abdruck des Bekenntnistextes dort S. 91–119) und S. 126–137 (Briefwechsel zwischen <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> und <persName ref="kbga-actors-50">Bonhoeffer</persName> über das Betheler Bekenntnis); <bibl corresp="kbga-bibls-173">Scholder I, S. 579–582</bibl>. — Über die Vorbereitungen hatte <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> bereits aus einem Brief <persName ref="kbga-actors-275">G. Merz</persName>’ erfahren, den dieser am <ref type="kba-objects-id" target="21999">7.8.1933</ref>, zwei Tage nach dem ersten konstituierenden Treffen zwischen <persName ref="kbga-actors-275">Merz</persName>, <persName ref="kbga-actors-7588">Bodelschwingh</persName> und Bonhoeffer, geschrieben hatte: «Bodelschwingh hat offenbar Deine Broschüre gründlich gelesen. Wir haben mit ihm unterdessen einige gute theologische Sitzungen gehabt. Auch Bonhoefler war von dem Gespräch mit ihm sehr angetan und kommt nächste Woche einige Tage hierher, um voraussichtlich mit <persName ref="kbga-actors-352">Sasse</persName> gemeinsam — als sein Gast bestimmte theologische Vorarbeiten zu erledigen [Texterarbeitung mit Bonhoeffer, <persName ref="kbga-actors-275">Merz</persName>, Sasse und <persName ref="kbga-actors-7458">Stratenwerth</persName> <date when="1933-08-15">15.8.</date>-<date to="1933-08-25" from="1933-08-23">23./25.8.1933</date>]. Er wird Dir dann wohl das Bearbeitete vorlegen, um wenigstens zu erfahren, ob es theologisch richtig ist, wenn er auch fürchtet, daß Du die Bedenken der reformierten Theologen gegen das lutherische Bekenntnis geltend machen mußt.» Tatsächlich schaltete Bodelschwingh <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> vorläufig noch nicht ein (vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-4701">Chr.-R. Müller, a.a.O., S. 18–20</bibl>). Am <ref type="kba-objects-id" target="22180">15.9.1933</ref> antwortete Bodelschwingh auf einen Brief Barths an ihn (vom <ref type="kba-objects-id" target="22173">13.9.1933</ref>): «Haben Sie herzlichen Dank, daß Sie so gütig sein wollen, uns Ihre Gedanken zu der hier entstandenen Arbeit auszusprechen. Die Brüder, die dabei mithalfen, sind inzwischen selbst zu der Überzeugung gekommen, daß ein so schneller Abschluß, wie sie ursprünglich gehofft hatten, nicht möglich sei. Man wird darum erst Anfang nächsten Monats eine zweite Beratung vornehmen können.» Barths Beitrag werde dann erst nötig sein (Abdruck dieses Briefwechsels zwischen Bodelschwingh und <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> in: <bibl corresp="kbga-bibls-4701">Chr.-R. Müller, a.a.O., S. 199f.</bibl>; Liste der Gutachter dort S. 194). Vgl. unten <ref type="pub" target="../volume/34/p514#fn_n07">S. 514, Anm. 7</ref>; Abdruck der Endfassung des Bekenntnisses unter dem Titel «Das Bekenntnis der Väter und die bekennende Gemeinde» in: <bibl corresp="kbga-bibls-74">Schmidt 1933, S. 105–131</bibl> (der auf <persName ref="kbga-actors-823">Vischer</persName> zurückgehende Abschnitt über «Die Kirche und die Juden» [dort S. 127f.] wurde hier nochmals gekürzt und verändert). Vgl. auch <bibl corresp="kbga-bibls-3222">E. Bethge, <hi rend="italic">Dietrich Bonhoeffer</hi>, a.a.O. (<ref type="pub" target="../volume/34/p197#fn_n07">S. 197, Anm. 7</ref>), S. 353–356</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-3209">E. Busch, <hi rend="italic">Unter dem Bogen des einen Bundes. Karl Barth und die Juden 1933-1945</hi>, Neukirchen-Vluyn
                            1996, S. 50–61</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-2949">Lichtenfeld, S. 327–409</bibl>, der in seiner Darstellung bisher unberücksichtigte Dokumente heranzieht.</note> Findest Du nicht auch, daß die darin versuchte Arbeit der Besinnung und Abklärung in wirklich <pb xml:id="p492" ed="pga"/> guter Weise verläuft? Du wirst vielleicht sagen: Es sei zu spät für alle diese Dinge. Aber kann man das wirklich wissen? Auf alle Fälle mußt Du die Stimme dieser Schwankenden und Schwachen doch auch wieder nicht unterschätzen. Sie erhebt sich immerhin noch und sagt einiges von dem, was man ja wirklich längst gerne von ihnen gehört hätte. Mag es mit ihren verpaßten Gelegenheiten stehen, wie es nun einmal steht, sie werden, wenn sie in dieser Richtung weiter arbeiten, doch sicher auch mit zu den hoffnungsvollen Punkten in der so verwüsteten deutschen Kirchenlandschaft gehören.</p>
        <p><persName ref="kbga-actors-2151">Karl</persName>, ich habe mir in diesen letzten Tagen alles, alles immer von neuem durch den Kopf gehen lassen, wirklich fast Tag und Nacht. Das Eine ist mir ganz klar geblieben: Daß ich für mich von keiner anderen Linie etwas wissen möchte als von der, die Du jetzt in <placeName ref="kbga-places-151">Deutschland</placeName> mit allem Einsatz halten mußt. Aber ich möchte noch etwas dazu sagen. Ist es nicht wirklich von existentieller Bedeutung, daß Du als Nichtdeutscher mit einer Rückzugslinie im Rücken, wie sie die Anderen nicht haben, mit einem bei den Anderen natürlich so nicht vorkommenden Nichtverwurzeltsein im Schicksalsboden des deutschen Volkes, daß Du also mit einem Wort wirklich als Schweizer unter die Deutschen gestellt bist? Du wirst mir nicht zutrauen, daß ich daraus eine metaphysische Lehre mache, welche das Nicht-auf-Dich-Hörenwollen der deutschen Theologen begreiflich machen oder gar irgendwie rechtfertigen könnte. Das sicher nicht! Ich meine es vielmehr ganz positiv so: Ich bin sehr tief davon überzeugt als von einer wirklichen «Führung»<note xml:id="n02">Zentraler Begriff aus dem Wortschatz der <orgName ref="kbga-actors-10644">Oxforder Gruppenbewegung</orgName>; vgl. oben <ref type="pub" target="../volume/34/p271#fn_n08">S. 271, Anm. 8</ref>.</note>, daß du gerade als Schweizer mitten im deutschen Kirchenland drin diese Deine Linie halten mußt allen Anderen gegenüber. Denn, das haben mir die Gespräche in diesen Wochen sehr klar gemacht, es ist den deutschen Theologen offenbar im Augenblick schlechthin unmöglich, diese Linie ihrerseits heute zu halten. Sie können es nicht. Es ist ihnen wie verwehrt. Sie könnten aber — und daran hängt der Sinn deiner Arbeit und Sendung — sie könnten auf Dich hören, und sie müßten Dich aushalten als den ihnen nun in dieser Sache gesetzten «Lehrer». Aber <persName ref="kbga-actors-2151">Karl</persName>, und das möchte ich nun weiter sagen: Solltest Du sie nicht auch Deinerseits nun trotz allem einfach aushalten, diese deutschen Theologen, als Deine wirklich widerstrebenden «Schüler»? Du hast in der Ethik dieses Wi<pb xml:id="p493" ed="pga" break="no"/>derstreben, dieses Sich-nicht-Dreinredenlassen als den eigentlichen Sinn des «Lehrer-Schülerseins» erläutert.<note xml:id="n03">Siehe <bibl corresp="kbga-bibls-118">Ethik II, <ref type="pub-" target="../volume/10/p190#p190">S. 190–212</ref>.</bibl>
               </note> Also laß es nun doch konkret gelten. Es ist mir ganz sicher geworden, daß Du in Deutschland ausharren mußt bis zu der Grenze, wo die mögliche «Disziplinwidrigkeit» der «Schüler» Dich realiter zum Schweigen und vielleicht zum Abzug nötigt.</p>
        <p><persName ref="kbga-actors-2151">Karl</persName>, ich möchte Dir von da aus noch ein Wort sagen zu Deiner, wie soll ich’s nennen, «Personalpolitik». Ich muß es tun, weil da auch in mir ein Bedenken sich regt, das ein gewisses Gewicht hat. Ich glaube, ich weiß ein wenig, wie es bei Dir ist, wie jedesmal dann, wenn Du einem solchen durchaus widerstrebenden «Ketzer» begegnest, ganz elementar in Dir drin eine Türe zugeht und Du kaum mehr anders kannst als davonlaufen und das Gespräch dahinfallen zu lassen. Aber bedenke doch das Dransein dieser Anderen! Sie können wirklich — ich sehe es ganz von nahem und deutlich an <persName ref="kbga-actors-157">Hartenstein</persName> — sie können nicht einfach hören. Ist das nun jedesmal der schon eingetretene Fall endgültiger Verstockung, die nur noch mit dem Abbruch des Gesprächs beantwortet werden darf? Mir ist auf der anderen Seite ebenfalls ganz deutlich sichtbar — ich weiß, daß ich es darin sehr viel leichter habe als Du —, daß die Ketzer auf ihrer Seite und in ihrer Weise nicht weniger darunter leiden, mit Dir nicht in eins zu kommen, Deine von Dir mit einem letzten Geltungsanspruch notwendigerweise gehaltene Linie ihrerseits nicht wirklich als die eigene sehen zu können. Laß sie also nicht einfach fallen! Rede nichts Anderes zu ihnen, aber (sollte es nicht doch möglich sein?) rede es, wenn Du kannst, ein klein wenig geduldiger zu ihnen. So daß sie <hi rend="italic">merken</hi>, daß Du ihr inneres und äußeres Dransein wahrhaftig auch ein wenig <hi rend="italic">siehst</hi>. Das glauben sie Dir nämlich <hi rend="italic">einfach nicht</hi>. Du mußt nicht über «Johannes» spotten, <persName ref="kbga-actors-2151">Karl</persName>, es hängt daran meiner Einsicht nach ungeheuer viel, vielleicht eigentlich Entscheidendes. Du sollst nicht <persName ref="kbga-actors-2208">Jona</persName> unter dem Ricinus [<ref type="can" subtype="bible" target="Jona.4">Jona 4</ref>] sein, sogar nicht den heillosen <orgName ref="kbga-actors-8309">Deutschen Christen</orgName> gegenüber. Du denkst nun, ich komme eben von einem solchen her und sei vielleicht so ein wenig von ihm gewickelt worden. Ja, es ist wahr, ich habe mit <persName ref="kbga-actors-137">Gogarten</persName> ein Gespräch gehabt, aber weiß Gott, was ich da schreibe, das ist schon vorher in mir drin gewesen. Übrigens war ich mit <persName ref="kbga-actors-137">Gogarten</persName> nur ganz kurz zusammen. Das <pb xml:id="p494" ed="pga"/> Gespräch ging sofort los und war sachlich sehr schwierig, schwierig auch darum, weil auch <persName ref="kbga-actors-137">Gogarten</persName> seine «<persName ref="kbga-actors-7007">Gertrud</persName>»<note xml:id="n04">Anspielung auf <persName ref="kbga-actors-23">H. Barths</persName> Frau, vgl. <ref type="pub" target="#fn_n09">Anm. 9</ref>. — <persName ref="kbga-actors-7007">Margarete Gogarten</persName>, geb. Kirchhoff (1895–1965), seit 1918 mit <persName ref="kbga-actors-137">Fr. Gogarten</persName> verheiratet.</note> (sie heißt zwar anders) bei sich hatte. Und du sollst ja nicht glauben, daß ich nicht mit dem mir wahrhaftig gebotenen tiefsten Mißtrauen an ihn herangegangen bin und wahrhaftig auch nachher mich keineswegs etwa mit ihm «verständigt» wußte. Aber eines ist mir sehr eindrücklich geworden, viel eindrücklicher als bei <persName ref="kbga-actors-157">Hartenstein</persName>, das nämlich, daß <persName ref="kbga-actors-137">Gogarten</persName> sich in seiner Lage<note xml:id="n05"><persName ref="kbga-actors-137">Gogarten</persName> war in der zweiten Augustwoche zusammen mit einigen jüngeren Pfarrern und Kirchenjuristen in Schlesien der <orgName ref="kbga-actors-8309">Glaubensbewegung Deutsche Christen</orgName> beigetreten (Abdruck des Rundbriefes dieses Kreises um <persName ref="kbga-actors-137">Gogarten</persName> an ausgewählte Amtsbrüder mit der Aufforderung zum Beitritt in: <bibl corresp="kbga-bibls-1227">E. Hornig, <hi rend="italic">Die Bekennende Kirche in Schlesien 1933-1945. Geschichte und Dokumente</hi> [AGK Erg. 10], Göttingen 
                        1977, S. 78f.</bibl>). Er erhielt jedoch keine Mitgliedskarte, möglicherweise deshalb, weil über das von ihm geforderte Mitspracherecht in der DC-Leitung keine Einigung erzielt werden konnte. Eine vorgedruckte Postkarte mit Briefkopf von <persName ref="kbga-actors-6438">J. Hossenfelder</persName> (ohne Datum, Poststempel <date when="1933-08-13">13.8.1933</date>) enthält die Mitteilung über den Beginn seiner Mitgliedschaft am <date when="1933-08-01">1.8.1933</date> (Datum der einzige handschriftliche Vermerk). Auf dieser Karte notierte <persName ref="kbga-actors-137">Gogarten</persName> «Am <date when="1933-11-26">26.11.1933</date> abgemeldet» (Original im <ref type="archival">Nachlaß Gogarten</ref>). Bereits am <date when="1933-11-17">17.11.1933</date> distanzierte er sich, veranlaßt durch die Entschließung auf der Sportpalastkundgebung vom 13.11. (s. unten <choice><sic>S. 439, Anm. 3</sic><corr type="misprint" resp="sm"><ref type="pub" target="../volume/34/p539#fn_n03">S. 539, Anm. 3</ref></corr></choice>), mit der «Erklärung Breslauer Geistlicher. Zur Klärung der kirchlichen Lage» zusammen mit anderen offiziell von der Glaubensbewegung (Abdruck der Erklärung in: <bibl corresp="kbga-bibls-1227">Hornig, a.a.O., S. 85f.</bibl> [dort Datierung auf den 18.11.]; <bibl corresp="kbga-bibls-74">Schmidt 1933, S. 79f.</bibl>). Vgl. auch <bibl corresp="kbga-bibls-6830">K.-W. Thyssen, <hi rend="italic">Begegnung und Verantwortung. Der Weg der Theologie Friedrich Gogartens von den Anfängen bis zum Zweiten Weltkrieg</hi> (Hermeneutische Untersuchungen zur Theologie 12), Tübingen 1970, S. 220–226</bibl>, nach dessen Darstellung es jedoch wegen der von <persName ref="kbga-actors-137">Gogarten</persName> gestellten «Bedingung …, dass ihm eine Zusatzerklärung zur Begründung seines Schrittes gestattet würde», zu «seiner Aufnahme in diese Bewegung … allerdings nie gekommen» sein soll (a.a.O., S. 220f.; ähnlich auch <bibl corresp="kbga-bibls-1227">E. Hornig, a.a.O., S. 79, Anm. 2</bibl>). Die Angaben für die oben gegebene Darstellung verdanke ich Dozent und Pfr. i.R. H. G. Göckeritz. Vgl. auch oben <ref type="pub" target="../volume/34/p483#fn_n02">S. 483, Anm. 2</ref>.</note> nichts weniger als siegreich und um Auswege wissend und den Aufbruch der Nation begrüßend und bejahend dargestellt hat, sondern ganz und gar bedrängt und bedrückt, elend und vor allem <hi rend="italic">einsam</hi> sich dran weiß, nicht weniger, als Du es auf Deiner Seite oft genug sein mußt. Meinst Du nicht, das habe, ich möchte fast zu sagen wagen, wirklich auch seine «theologische» Bedeutung? Du hast ihn persönlich ja nie «angenommen», wie man so sagt, aber das ist auf seiner Seite wirklich anders. Es war ganz klar im Gespräch über diese Seite der Sa<pb xml:id="p495" ed="pga" break="no"/>che, daß er richtig Verlangen darnach hätte, gerade mit Dir (Du mußt nicht lachen) den Kontakt nicht ganz abreißen zu lassen, sich trotz aller Differenzen irgendwie mit Dir in einer Nähe zu wissen. Auch für ihn gilt, daß er den eigentlichen Dissensus zwischen Dir und sich einfach nicht richtig sieht. Darüber wird das Gespräch, wirklich das Gespräch noch weiter gehen müsse. Ja, es muß wirklich weiter gehen! Es wäre ein Unglück, wirklich ein Unglück weittragender Art, wenn es irgendwie abrisse. Wenn die Türen zwischen Dir und den Anderen endgültig zugehen müssen, dann wird das sich doch noch klarer zeigen, als es heute der Fall ist. Ich persönlich könnte die Verantwortung dafür heute noch nicht übernehmen.</p>
        <p>Ich bin heilfroh, daß wir uns noch einmal sehen. Sollte es nicht sogar irgendwie möglich gemacht werden, daß wir uns an dem schönen uns bevorstehenden Männerabend in <placeName ref="kbga-places-721">Bubendorf</placeName><note xml:id="n06">Die Tage vom 13. bis <date when="1933-09-15">15.9.1933</date> verbrachte <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> bei seinem Schüler <persName ref="kbga-actors-2644">R. Eberhard</persName> in <placeName ref="kbga-places-721">Bubendorf</placeName>. Geplant war neben einem ausgiebigen Ausritt am 14.9. ein Abend mit <persName ref="kbga-actors-403">Thurneysen</persName>, <persName ref="kbga-actors-521">L. Christ</persName> und <persName ref="kbga-actors-7033">W. Hächler</persName> (den Besuch betreffende Briefe Eberhards [vom <ref type="kba-objects-id" target="22048">17.</ref> und <ref type="kba-objects-id" target="22116">30.8.1933</ref>] und Barths [vom <ref type="kba-objects-id" target="22056">20.8.</ref> und <ref type="kba-objects-id" target="22140">6.9.1933</ref>] im Karl Barth-Archiv).</note> noch einen Augenblick ohne <persName ref="kbga-actors-521">Lukas</persName> und <persName ref="kbga-actors-2644">Eberhard</persName> und <persName ref="kbga-actors-7033">Hächler</persName><note xml:id="n07"><persName ref="kbga-actors-7033">Walter Hächler</persName> (geb. 1898, am 3.9.1963 verschollen erklärt auf den 8.8.1954), Student bei <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> in Göttingen, nach Pfarrämtern in Siebenbürgen und Venezuela 1932–1943 Pfarrer in Kilchberg, 1943–1951 in Oberwil (beide Kanton Basel-Landschaft), 1952 krankheitshalber zurückgetreten (<bibl corresp="kbga-bibls-6831">H. Schäfer / Fr. LaRoche, <hi rend="italic">Basilea reformata</hi>. Teil II: <hi rend="italic">Die Gemeinden und Spezialpfarrämter der Evangelisch-reformierten Kirchen Basel-Stadt und Basel-Landschaft und ihre Pfarrer in den Jahren 1929-1978</hi>, Liestal
                            1979, S. 41</bibl>).</note> und Konsorten sehen könnten? Wenn ich sicher wüßte, daß Ihr am Donnerstag abend schon vor dem Nachtessen in <placeName ref="kbga-places-721">Bubendorf</placeName> eintrefft, so würde ich sehen, ein wenig vor den anderen Gästen dort einzutreffen. Auch die schöne Reise nach <placeName ref="kbga-places-43">München</placeName>, die uns also bevorstehen soll, freut mich natürlich.<note xml:id="n08">Am <date when="1933-09-30">30.9.1933</date> fand — in Abwesenheit von <persName ref="kbga-actors-137">Gogarten</persName> — dort eine Sitzung der ständigen Mitarbeiter von <orgName ref="kbga-actors-6169">ZZ</orgName> statt, auf der <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> und <persName ref="kbga-actors-403">Thurneysen</persName> ihren Rücktritt erklärten. (Anwesend waren laut Protokoll [s. unten <ref type="pub" target="../volume/34/p507#fn_n05">S. 507, Anm. 5</ref>]: <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName>, <persName ref="kbga-actors-662">Lempp</persName>, <persName ref="kbga-actors-275">Merz</persName> und <persName ref="kbga-actors-403">Thurneysen</persName>. Nach einer brieflichen Auskunft von Pfr. D. H. Traub vom 15.2.1993 nahm auch <persName ref="kbga-actors-223">Ch. von Kirschbaum</persName> an der Sitzung teil.) Auf die Sitzung folgten Auseinandersetzungen zwischen <persName ref="kbga-actors-275">Merz</persName> und den beiden Schweizern, die schließlich zum Ende der Zeitschrift führten. Am 30.9. wurde jedoch noch die Weiterführung von ZZ durch G. Merz beschlossen. Ch. von Kirschbaum hatte schon vor der Ankunft der Teilnehmer mit Lempp über Barths Sicht und Vorstellungen gesprochen; mit Bezug darauf schrieb <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> am <ref type="kba-objects-id" target="22210">20.9.1933</ref> an Lempp: «Aber es wird trotzdem nicht überflüssig sein, wenn ich nach <placeName ref="kbga-places-43">München</placeName> komme, und wenn es auch nur zu dem Zweck wäre, vor Ihnen und den Freunden Alles noch einmal zu wiederholen. Mir liegt nichts am Aufhören von ZdZ und nichts an der Eröffnung einer neuen Zeitschrift, aber Alles an einer <hi rend="italic">Klärung</hi>. Und nur das trennt mich von Georg Merz und zwingt mich jetzt zum Rückzug von ZdZ, daß er zu einer Klärung nie zu haben war und auch und gerade in dem jetzigen tödlich ernsten Augenblick nicht zu haben ist. Wenn es nun doch gelänge, ihn wenigstens dazu zu bringen, vor aller Ohren zu sagen, warum er <hi rend="italic">nicht</hi> will. Warum sollte er nicht eben so gut wie ich ernst[e] Gründe dazu haben? Und dann könnte man wenigstens offenen Blickes auseinander gehen. Ach, daß es doch gelänge!» Zuversichtlicher klang <persName ref="kbga-actors-275">Merz</persName>’ Ausblick auf das Treffen: «Die Aussicht, noch im September mit Dir und <persName ref="kbga-actors-2151">Karl</persName>, ja, wenn ich recht unterrichtet bin, sogar mit unseren Freunden vom <placeName ref="kbga-places-100">Bergli</placeName> beisammen sein zu dürfen, hat in allem Bedrängenden der Gegenwart etwas Erhebendes und Befreiendes. Vielleicht kommen wir dann doch auch zu einem guten Entschluß. Ich war, als ich nach München kam, in diesen Dingen ganz klar, aber nun haben mich <persName ref="kbga-actors-352">Sasse</persName>, der ebenso wie <persName ref="kbga-actors-50">Bonhoeffer</persName> das Aufhören von Z.Z. etwas überheblich als eine Katastrophe bezeichnet, und der Schrecken unseres verehrten Freundes Lempp, der in dem frivolen Knicken dieser ‹Blüte› Wahnsinn sieht, mindestens etwas beeindruckt. Ich habe <persName ref="kbga-actors-137">Gogarten</persName> geschrieben und will auch sein Gutachten haben. Du selbst wirst ja aus Deinem Gespräch mit ihm und aus Deinen sonstigen nach den verschiedensten Seiten hingehenden Informationen etwas Erhebliches beizutragen haben» (Brief aus München vom <date when="1933-09-19">19.9.1933</date> an <persName ref="kbga-actors-403">Thurneysen</persName>, <bibl corresp="kbga-bibls-6800">Nachlaß Thurneysen</bibl>). Vgl. auch unten <ref type="pub" target="../volume/34/p512#fn_n02">S. 512, Anm. 2</ref>; zu den Protokollen der Sitzung unten <ref type="pub" target="../volume/34/p507#fn_n05">S. 507, Anm. 5</ref>. Zum Ende von Zwischen den Zeiten vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-2949">Lichtenfeld, S. 193–212.</bibl>
               </note> Ich hoffe wirklich, es möglich zu machen mitzukommen.</p>
      
        <p>  <pb xml:id="p496" ed="pga" rend="noPipe"/> Mit <persName ref="kbga-actors-23">Heiner</persName> war das Zusammensein nach dem Berglisonntag<note xml:id="n09">Über den Besuch <persName ref="kbga-actors-23">H. Barths</persName> am <date when="1933-09-03">3.9.1933</date> auf dem <placeName ref="kbga-places-100">Bergli</placeName> schrieb K. Barth am <ref type="kba-objects-id" target="22139">6.9.1933</ref> an seine <persName ref="kbga-actors-18">Mutter</persName>: «Am Sonntag ist, wie du vielleicht schon gehört hast, <persName ref="kbga-actors-23">Heiner</persName> hier gewesen, und ich habe — ich weiß nicht mit welchen Eindrücken er geschieden ist — den Tag als freundlich und friedlich empfunden. Obwohl wir über sein Verhältnis zu <persName ref="kbga-actors-403">Thurneysen</persName> eine ausführliche Aussprache hatten und obwohl ich mich dabei nicht überzeugen lassen konnte, daß <persName ref="kbga-actors-23">Heiner</persName> weise und gut daran tut, in solchen Fällen so vorzugehen, und ob es nicht angebracht wäre, wenn die kleine <persName ref="kbga-actors-1037">Gertrud</persName> in solchen Fällen ein wenig bremsen würde, statt so ganz und gar ‹mit em Hainer iverstande› [= mit <persName ref="kbga-actors-23">Heiner</persName> einverstanden] zu sein. Doch genug: er behandelt mich ein wenig schonungsvoller als meinen Freund und als manche Male auch mich selber, und so ist alles glücklich abgelaufen.»</note> darum zunächst gar nicht gut, weil er mit der runden Erklärung hervortrat, er habe sich mit Dir restlos verständigt. Mit Dir sei das eine leichte Sache gewesen, und es könne nur an mir und nicht an der Sache selber liegen, wenn es zwischen mir und ihm nicht so leicht gehe. Das habe ich mir so nicht sagen lassen. Aber die Vereinigung soll also weiter laufen, und <pb xml:id="p497" ed="pga"/> <persName ref="kbga-actors-23">Heiner</persName> hat als nächstes im Sinn, nun einmal unseren Freund <persName ref="kbga-actors-63">Emil</persName> aus <placeName ref="kbga-places-66">Zürich</placeName> über die Humanität und die Offenbarung reden zu lassen. Ich habe zugestimmt, obgleich ich befürchten muß, daß es auch da nicht ein Friedens-, sondern eher wieder ein Streitgespräch absetzen wird. Schluß!</p>
        <closer>
          <salute>Sei mit <persName ref="kbga-actors-223">Lollo</persName>, mit <persName ref="kbga-actors-316">Ruedis</persName> herzlich gegrüßt</salute>
          <salute>Dein</salute>
          <signed><persName ref="kbga-actors-403">Eduard</persName></signed>
        </closer>
      <postscript>
        <p>in Eile!</p>
        <p>Den Brief an <persName ref="kbga-actors-275">Georg</persName>, dessen Abschrift beiliegt<note xml:id="n10">Nicht erhalten; vgl. oben <ref type="pub" target="../volume/34/p487#fn_n05">S. 487, Anm. 5.</ref></note>, habe ich der Kürze halber nun ohne Euer ausdrückliches Plazet bereits abgehen lassen.</p>
      </postscript>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
