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        <title type="volume" n="vol-34">Karl Barth – Eduard Thurneysen. Briefwechsel Bd. III 1930–1935</title>
        <title type="content">Eduard Thurneysen an Karl Barth</title>
        <title type="citation_line_1">Eduard Thurneysen an Karl Barth, 20. November 1933</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/34160 (Stand: 2. Oktober 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Karl Barth – Eduard Thurneysen. Briefwechsel Bd. III 1930–1935, hrsg. v. Algner, Caren (Gesamtausgabe, Abt. V), Zürich 2000, S. 544–553.</title>
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        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
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        <sponsor>Schweizerischer Nationalfonds (SNF)</sponsor>
        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
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        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
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        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
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          <title type="volume">Karl Barth – Eduard Thurneysen. Briefwechsel Bd. III 1930–1935</title>
          <title type="text">Eduard Thurneysen an Karl Barth</title>
          <author ref="kbga-actors-403">Thurneysen, Eduard</author>
          <editor>Algner, Caren</editor>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
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          <title type="edition">Princeton Barth Project edition</title>
          <title type="text">electronic edition of Karl Barth, Gesamtausgabe V.34, Karl Barth - Eduard Thurneysen Briefwechsel Band III 1930-1935, letter 151</title>
          <author ref="kbga-actors-403">Thurneysen, Eduard</author>
          <editor>James R. Adair, Jr.</editor>
          <editor>Timothy J. Finney</editor>
          <editor>Christian Kelm</editor>
          <pubPlace>Princeton</pubPlace>
          <publisher>Alexander Street Press</publisher>
          <date type="publication">2001</date>
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        <bibl xml:id="A" type="source">A (Vorlage der Edition): Thurneysen, Eduard, Eduard Thurneysen an Karl Barth, 20. November 1933. <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/22648">KBA 9370.710</ref>. </bibl>
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          <salute>Lieber <persName ref="kbga-actors-2151">Karl</persName>,</salute>
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        <p>ich habe eben noch einmal alle Nachrichten durchgelesen, die aus der Fülle der Geschehnisse der letzten zwei Wochen von dir her kamen. Du kannst dir denken, daß wir mit angespannter Aufmerksamkeit und aus innerstem Beteiligtsein heraus alles entgegennehmen, was auf eurer Seite passiert. Hab mit <persName ref="kbga-actors-223">Lollo</persName> warmen Dank dafür, daß Ihr uns immer wieder ins Bild setzt! Mir ist es ganz eindringlich vor Augen, wie sehr sich deine ganze Haltung der letzten Monate einfach bewährt hat. Dein Weg ist gut und noch einmal gut. Wir haben gestern am Mittagstisch ausgemacht, das mit den <orgName ref="kbga-actors-8309">D. Chr.</orgName>, den <orgName ref="kbga-actors-6005">Jungreformatoren</orgName> und «Karl Barth» sei so: Die deutschen Christen seien vergleichsweise einer, der am Bundesbahnhof zwar nach <placeName ref="kbga-places-66">Zürich</placeName> fahren wolle, aber zunächst in den Zug nach <placeName ref="kbga-places-974">Mülhausen</placeName><note xml:id="n01"><placeName ref="kbga-places-974">Mülhausen</placeName> (Mulhouse), Stadt im südlichen Elsaß.</note> einsteige. In <placeName ref="kbga-places-1594">St. Ludwig</placeName><note xml:id="n02"><placeName ref="kbga-places-1594">St. Ludwig</placeName> (St. Louis), an der Schweizer Grenze bei Basel gelegene elsässische Kleinstadt.</note> merke er, daß er abwärts sause statt aufwärts, und rufe Halt! Aber nur ein Kind könne so dumm sein und meinen, nach so viel Konzessionen an den Geist der Zeit könne man nun einfach umkehren. Jener Mann im Sportpalast, der so heillose Sachen über die Bibel von sich gab, habe eben endlich <pb xml:id="p545" ed="pga"/> ausgeplaudert, wie alles gemeint sei.<note xml:id="n03">Dr. phil. <persName ref="kbga-actors-232">Reinhold Krause</persName> (1893–1980), 1933 kommissarischer Leiter, 1934/1945 Studiendirektor am Elisabeth-Christinen-Lyceum in Berlin-Niederschönhausen, Mitglied der Provinzialsynode und des Provinzialkirchenrates der Mark Brandenburg und der Generalsynode der Evangelischen Kirche der Altpreußischen Union, außerdem seit 1932 Obmann der Glaubensbewegung Deutsche Christen im Großgau Berlin, forderte als Hauptredner an der Sportpalastkundgebung am <date when="1933-11-13">13.11.1933</date> «‹Befreiung von allem Undeutschen im Gottesdienst und im Bekenntnismäßigen, Befreiung vom Alten Testament mit seiner jüdischen Lehrmoral, von diesen Viehhändler- und Zuhältergeschichten. Mit Recht hat man dieses Buch als eines der fragwürdigsten Bücher der Weltgeschichte bezeichnet.› Artgemäßes Christentum, wie es in den Richtlinien der <orgName ref="kbga-actors-8309">DC</orgName> stehe, und Haften am Alten Testament schlössen sich aus. ‹Die Juden sind nicht Gottes Volk. Wenn wir <orgName ref="kbga-actors-8272">NS</orgName> uns schämen, eine Krawatte vom Juden zu kaufen, dann müßten wir uns erst recht schämen, irgend etwas, das zu unserer Seele spricht, das innerste Religiöse vom Juden anzunehmen. … Es wird auch notwendig sein, daß unsere LK [Landeskirche] sich damit beschäftigt, daß alle <hi rend="italic">offenbar entstellten und abergläubischen Berichte</hi> des Neuen Testaments entfernt werden und daß ein grundsätzlicher Verzicht auf die ganze Sündenbock- und Minderwertigkeitstheologie des Rabbiners <persName ref="kbga-actors-313">Paulus</persName> ausgesprochen wird, der eine Verfälschung jener Botschaft begangen hat, dieser schlichten Frohbotschaft: ‹Liebe deinen Nächsten als dich selbst›, halte diesen Nächsten als deinen Bruder und Gott als deinen Vater. … Die reine Jesuslehre muß wieder die Grundlage der Kirche bilden. Wenn wir aus den Evangelien das herausnehmen, was zu unseren deutschen Herzen spricht, dann tritt das Wesentliche der Jesuslehre klar und leuchtend zutage, das sich — und darauf dürfen wir stolz sein — restlos deckt mit den Forderungen des Nationalsozialismus …›» (zitiert nach <bibl corresp="kbga-bibls-169">Gauger I, S. 109</bibl>).</note> Die Jungreformatoren aber hätten zwar von Anfang an behauptet zu wissen, was Lands<note xml:id="n04">= was (Landes-)Brauch ist, sich gehört; hier wohl etwa: was zu tun sei.</note>, und seien nur einstweilen (und erst recht unser unglücklicher Freund <persName ref="kbga-actors-137">Friedrich</persName>!) auch in den Zug nach Mülhausen gestiegen, um die dort Sitzenden darüber zu belehren, daß man doch eigentlich zusammen nach Zürich fahren wolle, was noch dümmer sei, als wenn man in ehrlicher Begeisterung nun einmal im falschen Zug drin sitze wie die D. Chr. Onkel Karl aber habe als Einziger den ganzen Leim von Anfang an gerochen und habe nur immer stur gerufen: nicht einsteigen! überhaupt nicht einsteigen! Unter keinen Umständen einsteigen! Lieber gar nicht fahren, als nach Mülhausen fahren! Und nun halte der Zug auf offener Strecke und werde sogar umkehren müssen, um unter die wahre Führung zu kommen — und das weitere wurde dann ebenfalls ausgemalt! Du siehst, bei uns hast du auf alle Fälle unbedingtes Vertrauen!</p>
        <p>Aber ich weiß, wie wenig damit gesagt ist! Du liebe Zeit — was für ei<pb xml:id="p546" ed="pga" break="no"/>ne einsame Wanderschaft ist dir augenblicklich beschieden! Auch deine eben hinter dir liegende Reise nach <placeName ref="kbga-places-8">Berlin</placeName> hat ja offensichtlich ergeben, daß du aus deiner Abseitsstellung noch keineswegs herausgehen kannst. Immer noch und immer neu wird nach «Ägypten hinab» gezogen [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Jes.30.2">Jes. 30,2</ref>], zögernder vielleicht als bisher und bei Manchen unter sichtlichem Zurückblicken auf dich. Die ausgezeichneten Protokolle, für die wir euch besonders dankbar waren, haben doch ein paar solche Gesichter gezeigt, etwa die der beiden <persName ref="kbga-actors-7184">Lindenmeyer</persName><note xml:id="n05"><persName ref="kbga-actors-7183">Eduard Lindenmeyer</persName> (1887–1945), seit 1931 Pfarrer in Berlin-Wilmersdorf, und sein Bruder <persName ref="kbga-actors-7184">Friedrich Lindenmeyer</persName> (1878–1954), seit 1919 Vereinsgeistlicher der Vereinigung zur kirchlichen Fürsorge für die Fluß- und Kanalschiffer e.V. in Berlin-Wilmersdorf, 1945–1950 zusätzlich dort kommissarisch Gemeindepfarrer, waren beide seit Beginn Mitglieder des <orgName ref="kbga-actors-6086">Pfarrernotbundes</orgName>. — Die im Protokoll des Gespräches am Vormittag des <ref type="kba-objects-id" target="90965">31.10.1933</ref> (s. oben <ref type="pub" target="../volume/34/p532#fn_n15">S. 532, Anm. 15</ref>) wiedergegebenen z. T. ausführlichen Äußerungen von <persName ref="kbga-actors-7184"><hi rend="italic">Friedrich</hi> Lindenmeyer</persName> zum Fragebogen der Kirchenleitung über die arische Abstammung und zur Haltung gegenüber den <orgName ref="kbga-actors-8309">Deutschen Christen</orgName> zeigen sein Bemühen um eine klare, allein von der Sache her bestimmte Haltung; s. <bibl corresp="kbga-bibls-3301"><hi rend="italic">Reformationstag 1933 …</hi>, a.a.O., S. 77f. 84f.</bibl> Auf derselben Linie liegt die Äußerung von «Lindenmeyer II» (so bezeichnet in <persName ref="kbga-actors-223">Ch. von Kirschbaums</persName> Protokoll [s. oben <ref type="pub" target="../volume/34/p532#fn_n15">S. 532, Anm. 15</ref>]; nicht eindeutig zu identifizieren), die das Gespräch am Nachmittag eröffnete: die Pfarrerschaft müsse bei einer eventuell auf sie zukommenden Befragung nach ihrer «arischen» oder «nicht-arischen» Abstammung die Beantwortung geschlossen verweigern (<bibl corresp="kbga-bibls-3301"><hi rend="italic">Reformationstag 1933 …</hi>, a.a.O., S. 93</bibl>). «<persName ref="kbga-actors-7184">Lindenmeyer I</persName>» plädierte unter Verweis auf die Geschichte vom barmherzigen Samariter dafür, «dem Herrn Reichskanzler» die von <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> zuvor aufgeworfenen Fragen nach Recht oder Unrecht der politischen Ereignisse des Jahres vorzulegen (a.a.O., S. 107; <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> hatte gefragt: «Was ist geschehen diesen Sommer in Deutschland? Diese Art der Machtergreifung? Diese Beseitigung aller Parteien? Diese Beschlagnahme von Vermögen? Was ist geschehen in den Konzentrationslagern? Was ist geschehen an den Juden? Kann Deutschland, kann die deutsche Kirche, diese Fülle von Selbstmorden verantworten? Ist die Kirche nicht mitschuldig daran, weil sie geschwiegen hat? Ich stelle nur Fragen», a.a.O., S. 106).</note> und doch ein Stück weit auch <persName ref="kbga-actors-202">Jacobis</persName><note xml:id="n06"><persName ref="kbga-actors-202">Jacobi</persName> äußerte sich am <date when="1933-10-31">31.10.1933</date> vor allem im Nachmittagsgespräch zu verschiedenen Themen: Eine Befragung der Pfarrer nach ihrer Abstammung lehnte er ab, konnte jedoch zugleich von der «an sich nicht so zentralen Frage des Arierparagraphen» sprechen (<bibl corresp="kbga-bibls-3301"><hi rend="italic">Reformationstag 1933 …</hi>, a.a.O., S. 94</bibl>), die Verlesung von Erlassen der Reichskirchenregierung hielt er nicht für grundsätzlich ausgeschlossen (vgl. a.a.O., S. 97; weitere Äußerungen Jacobis a.a.O., S. 95.104.112f.). In seinen kurzen Beiträgen zum abendlichen Gespräch am <date when="1933-11-14">14.11.1933</date> (vgl. a.a.O., S. 122.124f.127f.) drängte er als Konsequenz aus dem Sportpalastskandal (s. oben <ref type="pub" target="../volume/34/p539#fn_n03">S. 539f., Anm. 3</ref>) auf konkrete Maßnahmen gegen die Reichskirchenregierung.</note>. Ob es da nicht doch alsgemach<note xml:id="n07">= allmählich.</note> endgültig tagen wird? <pb xml:id="p547" ed="pga"/> Ob nicht doch die Mauer derer um den Reichsbischof langsam ganz mürb wird und eine Bresche sich öffnet, durch die man wirklich vorwärtszugehen hoffen kann? Was tun eigentlich die süddeutschen Leute? Ist immer noch keine Wolke «als eines Mannes Hand» [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="1.Kön.18.44">1.Kön. 18,44</ref>] zu sichten? Man fragt und — natürlich geht es mir nicht anders — traut den neuesten Erklärungen von dorther<note xml:id="n08">Konnten nicht identifiziert werden.</note> keinen Schritt weit, so wenig wie so manchen anderen weniger offiziellen Zeichen. Und wartet doch irgendwie auf das Erscheinen der wirklichen Kirche, die ja sicher da ist im Verborgenen. In diese Lage hinein kommt nun dein <orgName ref="kbga-actors-10265">Heft 3</orgName><note xml:id="n09"><bibl corresp="kbga-bibls-4313"><persName ref="kbga-actors-2151">K. Barth</persName>, <hi rend="italic"><ref type="pub-" target="49026">Reformation als Entscheidung</ref></hi> (ThExh 3), München 1933.</bibl></note> mit außergewöhnlichem Gewicht. Besseres, Stärkeres und doch auch wieder Zurückhaltenderes könntest du nicht sagen! Zusammen mit deinem mir ganz besonders nahen und wichtigen und glanzvollen kleinen Aufsatz über Luther (ich las ihn in der <bibl corresp="kbga-bibls-6876">N. Z. Z.</bibl>)<note xml:id="n10">Mskr.: «(ich las in den der <bibl corresp="kbga-bibls-6876">N.Z.Z.</bibl>)»; Änderung von der Hrsgn. Der oben <ref type="pub" target="../volume/34/p514#p514">S. 514</ref>, genannte Aufsatz ist u. a.  abgedruckt in: <bibl corresp="kbga-bibls-6842">NZZ, Jg. 154 (1933), Nr. 2034 vom 10.11.1933, S. 1f.</bibl></note> ist dies Heft 3 auf alle Fälle eine jener Tafeln aus Erz [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="1.Makk.8.22">1.Makk. 8,22</ref>], auf denen etwas geschrieben steht für alle, die noch Ohren haben. Und solcher gibt es ja sicher! Du aber selber wirst nur weiter Kurs halten können, ohne «dabei» zu sein. Das wird und muß sich lohnen, lohnen, lohnen! Wobei mir gerade die Zurückhaltung einleuchtet, aus der heraus du alles sagst. <persName ref="kbga-actors-23">Heiner</persName> — ich hatte dieser Tage ein wirklich gutes Gespräch mit ihm, jenes von <persName ref="kbga-actors-315">Gerty</persName> als so wünschbar erklärte und nun also wirklich zu Stande gekommene «Abrüstungsgespräch» — findet zwar, gerade die Zurückhaltung sei aufzugeben: du solltest frontaler reden, von der «christlichen», nicht nur der theologischen Existenz aus, nicht nur nach der Kirche hin, sondern zur Welt hin, Reden an …<note xml:id="n11">Vermutlich Anspielung auf klassische Buchtitel wie <bibl corresp="kbga-bibls-212"><persName ref="kbga-actors-360">Fr. Schleiermacher</persName>, <hi rend="italic">Über die Religion. Reden an die Gebildeten unter ihren Verächtern</hi> (1799)</bibl>, <bibl corresp="kbga-bibls-6877"><persName ref="kbga-actors-551">J. G. Fichte</persName>, <hi rend="italic">Reden an die deutsche Nation</hi> (1807/08)</bibl>, oder <bibl corresp="kbga-bibls-3613"><persName ref="kbga-actors-240">H. Kutter</persName>, <hi rend="italic">Reden an die deutsche Nation</hi>, Jena 1916.</bibl></note>! Aber das hängt bei ihm damit zusammen, daß er dieses indirekte kirchliche Reden eben auch in den Räumen der Philosophie nicht recht leiden mag, während es sich mir gerade an deiner Haltung so ungemein zu bewähren scheint. Ich gedenke deiner. Könnten, könnten wir nur mehr für dich tun!</p>
       
        <p> <pb xml:id="p548" ed="pga" rend="noPipe"/> <persName ref="kbga-actors-275">Georg</persName> — ich lege dir bei, was ich von ihm habe. Der Brief von <persName ref="kbga-actors-823">Helmi</persName> enthält aufs neue die merkwürdige Nachricht, daß ihm das Weitergeben des Münchner Protokolls vor allem ärgerlich gewesen sein muß.<note xml:id="n12"><persName ref="kbga-actors-823">W. Vischers</persName> Brief an <persName ref="kbga-actors-403">Thurneysen</persName> vom <ref type="kba-objects-id" target="22594">14.11.1933</ref> befindet sich im Karl Barth-Archiv. Der Brief von <persName ref="kbga-actors-275">G. Merz</persName> ist nicht erhalten. Zu der Auseinandersetzung mit Merz s. oben <ref type="pub" target="../volume/34/p531#fn_n14">S. 531, Anm. 14</ref>.</note> Seltsam! Aber er muß sich da irgendwie preisgegeben gefühlt haben. Ich habe ihm kurz geschrieben, sein Entschluß, nun auch das Haupt- und Mutterschiff im Stich zu lassen, sei mir eigentlich nur zu verständlich und nah, und ich empfände diesen Entschluß beinahe wie eine «Lösung». Wenn sie nur aufgedeckter für ihn selber erfolgen würde! Denn die Begründung kann ich nicht annehmen. Ich hätte einfach aus seinen Kundgebungen herausgelesen, daß ihm selber ein Weiterfahren nicht mehr möglich sei, ganz abgesehen von der ihm bei uns fehlenden «Mandaterklärung»<note xml:id="n13">Am <ref type="kba-objects-id" target="22577">13.11.1933</ref> hatte <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> an <persName ref="kbga-actors-275">Merz</persName> zu dessen Auffassung, Barth habe ihn bei dem Münchner Gespräch zur Fortführung von <orgName ref="kbga-actors-6169">ZZ</orgName> aufgefordert (s. oben <ref type="pub" target="34156#fn_n01">S. 535f., Anm. 1</ref>), geschrieben: «Das war keine ‹Aufforderung›, ZdZ fortzusetzen, das war eine ‹Zulassung›. Auf keinen Fall könnte ich zugeben, daß ich mich in <placeName ref="kbga-places-43">München</placeName> geradezu an der Erteilung eines neuen oder erneuerten ‹Mandates› (wie es in deinem letzthin hier durchgelaufenen Abschiedswort hieß) beteiligt habe. Und daß mir obliege, in meinem Schlußwort noch etwas in diese Richtung Gehendes zu sagen, das hat in meinem Bewußtsein offenbar so wenig weitergelebt als in dem von <persName ref="kbga-actors-403">Eduard</persName>.» In der kurz vor dem Druck zurückgezogenen Erstfassung einer «Mitteilung» über Barths und Thurneysens Ausscheiden aus dem Herausgeberkreis hatte Merz im Rückblick geschrieben: «Ich habe meine Tätigkeit nie anders aufgefasst, als dass ich von Karl Barth, <persName ref="kbga-actors-137">Friedrich Gogarten</persName>, Eduard Thurneysen ein Mandat überkommen habe. So gross das Vertrauen war, das sie mir in den elf Jahren gemeinsamer Arbeit gewährten, und so gross die Selbständigkeit, die daraus für mein Handeln erwuchs, ich wusste mich doch nur als Beauftragten. Es war mir darum nötig zu wissen, dass ich im Einverständnis aller handle, wenn ich nun künftighin als in jeder Hinsicht allein verantwortlicher Herausgeber und leider ohne Barth und <persName ref="kbga-actors-403">Thurneysen</persName> ‹Zwischen den Zeiten› weiterführe» (Abdruck der Druckfahne dieser «Mitteilung» in: <bibl corresp="kbga-bibls-6824">Fr. W. Kantzenbach, <hi rend="italic">Das Ende von «Zwischen den Zeiten</hi>», in: Theologische Zeitschrift, Jg. 31 (1975), S. 161–172; dort S. 167–169; Zitat dort S. 167</bibl>; Faksimile der 1. Seite bei <bibl corresp="kbga-bibls-2949">Lichtenfeld, S. 198</bibl>; vgl. dort auch S. 200.205).</note>. Und das hänge doch sicher mit dem unheimlich raschen Weitergang aller Dinge zusammen. Also gut — dann muß es eben sein.<note xml:id="n14">D. h. das Ende von «<orgName ref="kbga-actors-6169">Zwischen den Zeiten</orgName>»; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-2949">Lichtenfeld, S. 205–211.</bibl></note> Schade bleibt es und schmerzlich, aber … Er selber ist sicher nach wie vor nicht gut dran. Wie merkwürdig verschlossen ver<pb xml:id="p549" ed="pga" break="no"/>kehrt er doch mit Helmi! Nur weil dieser eben auf unserer Seite steht. Auch da wird man nur warten können!</p>
        <p>«Mich selber», wie <persName ref="kbga-actors-275">Georgs</persName> <persName ref="kbga-actors-1132">Monika</persName><note xml:id="n15"><persName ref="kbga-actors-1132">Monika Merz</persName> (geb. 1925), 1950 Diakonisse an der Diakonissenanstalt Bethel, seit 1990 dort im Ruhestand lebend.</note> sich gelegentlich vorgestellt hat, ja, da ist natürlich nicht viel Belangreiches zu sagen. Ich bin, ach <persName ref="kbga-actors-223">Lollo</persName>, ach <persName ref="kbga-actors-2151">Karl</persName>, gerade neuerdings von der Menschheit mit den besonders schwierigen Erwägungen «zwischen den Geschlechtern» in gehäufter Fülle betraut und weiß da ja auch nicht weiter und mehr «als meine Väter» [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="1.Kön.19.4">1.Kön. 19,4</ref>]. <persName ref="kbga-actors-562">Heiner Gelzers</persName> Bruder<note xml:id="n16"><persName ref="kbga-actors-6981">Carl Conrad Sylvester Gelzer</persName> (<date from="1898" to="1974">1898–1974</date>), Anwalt und Notar in Basel, Inhaber zahlreicher Ehrenämter (u. a.  beim Roten Kreuz, Invalidenfürsorge, Armenierhilfe), war ein Freund E. Thurneysens, später auch Barths, dessen Schriften er gründlich studierte (vgl. seinen Lebenslauf in: <bibl corresp="kbga-bibls-6878"><hi rend="italic">Zur Erinnerung an Conrad Gelzer. 31. Dezember 1898- 15. November 1974</hi>, o. O. o. J. [Privatdruck], S. 5–13</bibl>; zur späteren Freundschaft mit Barth dort S. 11). Aus Gelzers erster Ehe mit Louise Passavant (geb. 1903) stammten zwei Söhne, seine zweite Ehe mit Marianne Beecke (1899–1983) blieb kinderlos (<bibl corresp="kbga-bibls-6879">Fr. H. Gölzer, <hi rend="italic">700 Jahre Gelzer — Gölzer. Eine familiengeschichtliche Betrachtung</hi>, Urbach [<hi rend="italic">Selbstverlag des Verfassers</hi>] 1988, S. 170</bibl>).</note> (es ist kein Geheimnis) hat sich — also «im Härze von <placeName ref="kbga-places-5">Basel</placeName>»<note xml:id="n17">D. h. in der «besseren Gesellschaft» von Basel.</note> — von seiner Frau und seinen Kindern getrennt um einer Katholikin aus <placeName ref="kbga-places-43">München</placeName> willen, und seine Frau hat sich gleichzeitig an einen gemeinsamen Hausfreund abtreten lassen mitsamt den Kindern. Darob natürlich ein wirkliches Entsetzen und tiefster Gram bei der alten Frau Pfarrer <persName ref="kbga-actors-6984">Gelzer</persName><note xml:id="n18"><persName ref="kbga-actors-6984">Maria Elisabeth Gelzer</persName>, geb. Vischer (1863–1937); vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-6880"><hi rend="italic">Zur Erinnerung an Frau Pfarrer Elisabeth Gelzer-Vischer 1863-1937</hi>, Basel o. J. (Privatdruck).</bibl></note> und Entrüstung bei dem Bruder <persName ref="kbga-actors-6986">Matthys</persName>, dem Professor in <placeName ref="kbga-places-20">Frankfurt</placeName><note xml:id="n19">Dr phil. et iur. <persName ref="kbga-actors-6986">Matthias Gelzer</persName> (1886–1974), 1919–1955 o. Professor für Alte Geschichte (Römische Geschichte) in Frankfurt am Main.</note> — aber (Respekt! ) ein wirkliches Verstehen und Mittragen und Helfen bei Heiner selbst. Dieser pietistische Mann weiß wirklich, weiß lebensmäßig um die Rechtfertigung und die Vergebung. Ich selber konnte kaum etwas anderes sagen, als er seinem Bruder bereits gesagt hatte. Ich bin dadurch Heiner selber wieder richtig nahe gekommen. Weiter habe ich unter <persName ref="kbga-actors-733">Adölflis</persName><note xml:id="n20"><persName ref="kbga-actors-733">Adolf Preiswerk</persName>.</note> senil-kindlicher Leitung im Vereinshaus beim großen Zusammenzug der positiven Division Basels vom dritten und obersten Känzelein aus und während unten das Volk Israel (zu welchem für diesen <pb xml:id="p550" ed="pga"/> Abend sogar dein Bruder <persName ref="kbga-actors-23">Heiner</persName> mitsamt Frau und deren Sippe gestoßen war) sich bei Teetassen und Zehnerweggli<note xml:id="n21">= «Zehnerbrötchen», d. h. Brötchen für 10 Rappen.</note> gelagert und bereits am Verdauen gelagert hatte, ein Wort über Kirche und Staat gesagt<note xml:id="n22">
                        <bibl corresp="kbga-bibls-6881"><persName ref="kbga-actors-403">E. Thurneysen</persName>, <hi rend="italic">Evangelium, Kirche, Staat</hi> (Korreferat zu einem Vortrag von Herrn Regierungsrat Dr. Carl Ludwig über dasselbe Thema …), in: KBRS, Jg. 90 (1934), S. 183–188.</bibl> Über die Veranstaltung im Christlichen Vereinshaus am <date when="1933-11-15">15.11.1933</date> vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-6882">-an-, <hi rend="italic">Volk, Kirche. Familienabend der Positiven Gemeindevereine Basels</hi>, in: BN, Jg. 89 (1933), Nr. 315 vom 16.11.1933, 1. Beilage</bibl>. — «Christliches Vereinshaus» wurde der ehemalige Patrizierhof «Zum schönen Haus» genannt, den 1864 eine zu diesem Zweck gegründete Gesellschaft als Versammlungs- und Veranstaltungsort für christliche Vereine erworben hatte. Der über 2000 Personen fassende große (Mehrzweck-)Saal, in dem der «Familienabend» laut dem BN-Artikel stattfand, befand sich in einem 1868/69 hinter dem «Schönen Haus» errichteten Saalgebäude und war in einen ebenerdigen größeren und einen erhöhten kleineren Teil jeweils mit einem dazugehörigen Rednerpult gegliedert; an der Mitte der Südwand befand sich, nochmals erhöht, ein drittes Rednerpult, von dem aus der Redner beide Teile überblicken konnte. Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-6883"><hi rend="italic">Das Christliche Vereinshaus am Nadelberg in Basel. Rückblick auf das erste halbe Jahrhundert seines Bestehens</hi>, Basel
                            1917</bibl>; Abbildungen des Saales dort S. 52f.
               </note>, und zwar Seite an Seite mit dem als erster Referent gewonnenen Herrn Reg. rat <persName ref="kbga-actors-1742">Ludwig</persName>, vulgo Tschämpis, augenblicklich Oberster aller Landsgi<note xml:id="n23">= Polizisten (Schülersprache).</note> in Basel. Dieser Wackere erweist sich da als ein wirklich nur zu ordliger<note xml:id="n24">= rechtschaffener, braver.</note>, ganz und gar positiver, ernster und frommer Mann, der glatt und fast ein wenig zu anständig und seriös den liberalen Staatsgedanken entwickelte, und zwar so ein wenig nach der Ordnung des Heidelbergers: 1. Von der Anarchie, wenn es keinen Staat gäbe, 2. Von dem guten Willen des Staates, der wenngleich mit dem gewiß nur mit der uns hier ja geläufigeren Sünde zu rechtfertigenden Säbel dem Einzelnen, das heißt der wahren Persönlichkeit, den ihr gehörigen Spielraum in Familie und Beruf verschaffe, 3. Von des also beschützten «Bürgers» Dankbarkeit gegenüber diesem Staate.<note xml:id="n25">
                        <bibl corresp="kbga-bibls-6884"><persName ref="kbga-actors-1742">C. Ludwig</persName>, <hi rend="italic">Volk, Staat und Kirche</hi> (<hi rend="italic">Flugschriften der Schriftenstelle der evangelisch-reformierten Kirche von Basel</hi>), Basel 
                        1934.</bibl> — Die drei Teile des <bibl corresp="kbga-bibls-440">Heidelberger Katechismus</bibl> handeln: 1. «Von des Menschen Elend» (Frage 3-11), 2. «Von des Menschen Erlösung» (Frage 12-85), 3. «Von der Dankbarkeit» (Frage 86-129).</note> Es war soweit alles gut und recht, aber, <persName ref="kbga-actors-2151">Karl</persName>, wirklich so gesungen geht dies Lied nicht mehr heute. Adieu Liberalismus! «Wo stehn mer aigetlig?»<note xml:id="n26">Ausspruch Adolf Preiswerks; s. <bibl corresp="kbga-bibls-932">Bw.Th. II, <ref type="pub-" target="4053#fn_n30">S. 171, Anm. 30</ref>.</bibl>
               </note> <persName ref="kbga-actors-733">Adolf</persName> gab es kund, als er in <pb xml:id="p551" ed="pga"/> seiner haimeligen<note xml:id="n27">= anheimelnden, gemütvollen.</note> Eröffnungsansprache davon redete, ein Maler «unserer Zeit» habe (er selber habe das in <placeName ref="kbga-places-8">Berlin</placeName> «seinerzeit» gesehen) die Seele unserer Zeit so und so dargestellt, nämlich — der Maler <persName ref="kbga-actors-7109">Kaulbach</persName><note xml:id="n28"><persName ref="kbga-actors-7109">Wilhelm von Kaulbach</persName> (1805–1874) schuf Wandmalereien mit Darstellungen historisch-allegorischer Motive, u. a.  1847–1865 im Treppenhaus des Neuen Museums in Berlin.</note>! Also wirklich 1890! Begreiflich, daß Leute wie mein Freund <persName ref="kbga-actors-528">Sämi Dieterle</persName> das dringende Bedürfnis empfanden, dagegen «ein leidenschaftlich freies Wort»<note xml:id="n29">Siehe oben <ref type="pub" target="../volume/34/p530#fn_n12">S. 530, Anm. 12</ref>.</note> zu reden und dabei das <persName ref="kbga-actors-330">Ragaz</persName>horn zu blasen — aber stammt nicht auch dieses so ungefähr aus derselben Periode? Und Adolf Preiswerk ließ es auch nicht dazu kommen. Er hatte mir von Anfang an gesagt, es gebe keine «Dischkussion», es gebe immer Leute, die ebbis Ungschickts<note xml:id="n30">= etwas Ungeschicktes, hier: Unpassendes.</note> sagen könnten. Und so schloß er, wirklich, <persName ref="kbga-actors-2151">Karl</persName>, er schloß unmittelbar nach meinem vorher bestellten kleinen Korreferat den «schönen Abend», indem er das allgemeine Lied anstimmen ließ, bei Theetassen und mit Orgelbegleitung: «Breit aus die Flügel beide …»<note xml:id="n31"><bibl type="song" corresp="kbga-songs-342">Anfang der 8. Strophe des Liedes «Nun ruhen alle Wälder …» (EKG 477; RG 594) von Paul Gerhardt</bibl>.</note> Auch <persName ref="kbga-actors-23">Heiner</persName> hätte mitsingen müssen, wenn er nicht schon gleich vorher das Lokal verlassen hätte. Er beklagte sich dann auch nachher bei mir über einen unerfreulichen Mangel an «männlichem Ton» …</p>
        <p>Mit Heiner hatte ich also im übrigen jenes Gespräch. Es verlief wirklich freundlich und würdig. Heiner blieb dabei, daß das Anliegen des Thomismus zu Recht bestehe, wenn es auch ganz und gar protestantisch aufgenommen werden müsse. Er sagte, er meine grundsätzlich nichts anderes als etwa die Ausführung des Satzes, daß das Gesetz heilig, gut und gerecht sei [<ref type="can" subtype="bible" target="Röm.7.12">Röm. 7,12</ref>], also den Paulinismus, der aber das Gesetz (d. h. die Humanität) nie fallen gelassen habe. An dieser Stelle habe <persName ref="kbga-actors-63">Emil</persName> recht, auch wenn er ihm in der Durchführung nicht folgen könne. Es dürfe die Humanität allerdings nicht ein erstes sein, dem dann ein zweites folge, das sei von uns gut gesagt, aber wir ließen dafür die Humanität überhaupt auf der Seite und behandelten sie so unsererseits doch wieder als ein «erstes», zu dem wir dann freilich entweder nein oder überhaupt nichts zu sagen liebten. Er sagte das alles aber sehr gut und ausgebreitet und so, daß ich ihn irgendwie verstand, ohne freilich <pb xml:id="p552" ed="pga"/> denken zu können, daß er <hi rend="italic">das</hi> Wort, das <hi rend="italic">wir</hi> doch wirklich zur Humanität hin sagen, sie darin aufnehmend, nämlich das <hi rend="italic">Verkündigungs</hi>wort, richtig sähe<note xml:id="n32">Original: «zu sehen»; Änderung von der Hrsgn.</note>. Ich sagte ihm bloß: ich müßte mich weigern, dieses Verkündigungswort noch auf gleicher Höhe durch ein weiteres, ein sozusagen theologisch-philosophisches Wort flankieren zu lassen. Und darin stellten wir dann unseren Gegensatz fest: daß er an dir doch irgendwie auszusetzen hat, daß du die Aufgabe der Theologie rein innerkirchlich, rein nur auf die Bereinigung der Verkündigung der Kirche beziehst — «diese anderen Fragen liegen <persName ref="kbga-actors-2151">Karl</persName> leider fern». Er ließe wohl alles gelten, wenn «diese andere Aufgabe der Theologie»<note xml:id="n33">Anspielung auf <bibl corresp="kbga-bibls-1099"><persName ref="kbga-actors-63">E. Brunners</persName> Aufsatz: <hi rend="italic">Die andere Aufgabe der Theologie</hi>, in: ZZ, Jg. 7 (1929), S. 255–276</bibl> (und in: <bibl corresp="kbga-bibls-6135">O.W. I, S. 171–193</bibl>).</note> prinzipieller aufgenommen würde. Aber auf alle Fälle gingen wir in guter Weise auseinander.</p>
        <p>Mein Volkshochschulkurs, ach <persName ref="kbga-actors-2151">Karl</persName>, nein, da gibt’s nichts zu veröffentlichen! Das ist eine Kinderlehre, mit Hilfsmitteln durchgeführt, die wirklich weithin nicht von mir stammen, z. B. deiner ausgezeichneten Vorlesung über das Aufklärungszeitalter<note xml:id="n34">Vermutlich die Paragraphen über den Menschen, das Problem der Theologie und die protestantische Theologie im 18. Jahrhundert; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-34">Pr.Th., S. 16–152.</bibl>
               </note> usw.</p>
        <p>Am letzten Freitag war dies <foreign xml:lang="lat">academicus</foreign><note xml:id="n35">Der alljährlich im November gefeierte <foreign xml:lang="lat">Dies academicus</foreign> der <orgName ref="kbga-actors-5398">Universität Basel</orgName> besteht aus einer öffentlichen Feier mit Einzug des gesamten Lehrkörpers im Ornat, einer Rede des Rektors, Ehrenpromotionen usw., und dem anschließenden «Rektoratsessen» mit weiteren Reden nach einer feststehenden Ordnung.</note>. Und da schritt ich unserem Freund <persName ref="kbga-actors-787">Ernst Staehelin</persName> zulieb auch wieder einmal ganz mit, sogar zum Bankett des Gehirnklubs. Neben <persName ref="kbga-actors-665">Ruedi Liechtenhan</persName> und dem alten <persName ref="kbga-actors-6732">Jakob Wirz</persName> als der Privatdozenten einer. Ernst hat seine Sache wirklich gut gemacht, d. h. er hat verzichtet auf die Darbietung seiner zerbrochenen Schöpfung und dafür ein lehrreiches Bild der Zeit von vor rund 80 Jahren gegeben, als der Liberalismus aufbrach und <persName ref="kbga-actors-1621">Jeremias Gotthelf</persName> den Herr <persName ref="kbga-actors-3667">Esau</persName><note xml:id="n36">
                        <bibl corresp="kbga-bibls-6885"><persName ref="kbga-actors-1621">J. Gotthelf</persName> [= A. Bitzius], <hi rend="italic">Der Herr Esau</hi> (2 Teile) (<hi rend="italic">Sämtliche Werke</hi> in 24 Bänden, in <hi rend="italic">Verbindung mit der Familie Bitzius</hi> hrsg. von R. Hunziker und H. Bloesch, <hi rend="italic">Ergänzungsbde. I und II</hi>), bearb. von R. Hunziker und H. Bloesch, Zürich 
                        1922.</bibl>
                    </note> schrieb.<note xml:id="n37"><persName ref="kbga-actors-787">E. Staehelin</persName> sprach als Rektor der Universität Basel am <date when="1933-11-17">17.11.1933</date> über das Thema «Die Stellung des schweizerischen Protestantismus zum Aufbruch des Liberalismus in der Regenerationszeit». Bericht über die Rede in: <bibl corresp="kbga-bibls-6886">sk., <hi rend="italic">Dies academicus. Die Rektoratsrede von Prof. Ernst Staehelin</hi>, in: BN, Jg. 89 (1933), Nr. 317 vom 18./19.11.1933</bibl>; Bericht über das «Bankett» in: <bibl corresp="kbga-bibls-6887">sk., <hi rend="italic">Dies academicus. Das Rektoratsessen</hi>, a.a.O.</bibl>; vollständiger Text der Rede, die Staehelin in gekürzter Form vorgetragen hatte: <bibl corresp="kbga-bibls-6888"><hi rend="italic">Liberalismus und Evangelium. Die Stellung des schweizerischen Protestantismus zum Aufbruch des Liberalismus in der Regenerationszeit</hi> (Rektoratsrede, gehalten am 17. November 1933) (Basler Universitätsreden 5), Basel 
                        1934.</bibl>
               </note>
            </p>
        
        <p> <pb xml:id="p553" ed="pga" rend="noPipe"/> Aber nun muß ich wirklich schließen, weil eben morgen abend der Kurs wieder laufen soll und weil der dazu nötige Filmstreifen noch nicht erstellt ist. <persName ref="kbga-actors-1285">Marguerite</persName> ist unterdessen in den Vortrag des Herrn <persName ref="kbga-actors-7424">Sieburg</persName> gegangen, der ein sicher hörenswertes, allerdings aus ganz positiver Einstellung heraus stammendes Bild des heutigen Deutschland zeichnet — kennst du sein Buch «Es werde Deutschland!»?<note xml:id="n38"><persName ref="kbga-actors-7424">Friedrich Sieburg</persName>, Redakteur der Frankfurter Zeitung und Autor des Buches <bibl corresp="kbga-bibls-6889"><hi rend="italic">Es werde Deutschland</hi> (Frankfurt a. M. 1933)</bibl>, hielt am <date when="1933-11-20">20.11.1933</date> im Saal des Bischofshofs den Vortrag «Geistige Autarkie in Deutschland»; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-6890">h., <hi rend="italic">Geistige Autarkie in Deutschland</hi>, in: BN, Jg. 89 (1933), Nr. 320 vom 21.11.1933, 1. Beilage.</bibl>
               </note>
            </p>
        <p>Es war ein kurzes, aber so freundliches Zusammensein mit <persName ref="kbga-actors-26">Nelly</persName>, als sie heimreiste. Ich habe sie leider selber fast nicht gesehen, weil ich nicht frei war. Wir grüßen sie herzlich, das ganze Haus. Und dich und <persName ref="kbga-actors-223">Lollo</persName> nicht minder. Laßt mir weiter zugehen, was immer möglich ist. Ihr wißt ja, <hi rend="italic">wie</hi> wir drauf angewiesen sind! Wir begleiten euch, von weitem — aber in Treuen!</p>
        <closer>
          <salute>Dein</salute>
          <signed><persName ref="kbga-actors-403">Eduard</persName></signed>
        </closer>
      </div>
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  </text>
</TEI>
