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        <title type="volume" n="vol-34">Karl Barth – Eduard Thurneysen. Briefwechsel Bd. III 1930–1935</title>
        <title type="content">Eduard Thurneysen an Karl Barth</title>
        <title type="citation_line_1">Eduard Thurneysen an Karl Barth, 23. März 1934</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/34178 (Stand: 2. Oktober 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Karl Barth – Eduard Thurneysen. Briefwechsel Bd. III 1930–1935, hrsg. v. Algner, Caren (Gesamtausgabe, Abt. V), Zürich 2000, S. 608–614.</title>
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        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
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        <sponsor>Schweizerischer Nationalfonds (SNF)</sponsor>
        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
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        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
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        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
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          <title type="volume">Karl Barth – Eduard Thurneysen. Briefwechsel Bd. III 1930–1935</title>
          <title type="text">Eduard Thurneysen an Karl Barth</title>
          <author ref="kbga-actors-403">Thurneysen, Eduard</author>
          <editor>Algner, Caren</editor>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
          <date type="publication">2000</date>
          <biblScope unit="page">Pp. 608-614</biblScope>
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        <!-- The first digital edition (data from xml and database) -->
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          <title type="edition">Princeton Barth Project edition</title>
          <title type="text">electronic edition of Karl Barth, Gesamtausgabe V.34, Karl Barth - Eduard Thurneysen Briefwechsel Band III 1930-1935, letter 169</title>
          <author ref="kbga-actors-403">Thurneysen, Eduard</author>
          <editor>James R. Adair, Jr.</editor>
          <editor>Timothy J. Finney</editor>
          <editor>Christian Kelm</editor>
          <pubPlace>Princeton</pubPlace>
          <publisher>Alexander Street Press</publisher>
          <date type="publication">2001</date>
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        <!-- Data from KBA (https://kba.karl-barth.ch) -->
        <bibl xml:id="A" type="source">A (Vorlage der Edition): Thurneysen, Eduard, Eduard Thurneysen an Karl Barth, 23. März 1934. <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/23559">KBA 9370.721</ref>. </bibl>
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          <salute>Lieber <persName ref="kbga-actors-2151">Karl</persName>,</salute>
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        <p>Eigentlich sollte ich die immer noch unvermeidlichen 43 Konfirmationssprüche schreiben. Aber es ist mir sehr viel mehr um einen Zuruf an dich<note xml:id="n01">= es ist mir sehr viel mehr nach einem Zuruf an dich zumute.</note>, sicher mit in der Hoffnung, auch eines von dir wieder teilhaftig zu werden. Der letzte Sonntag war ein richtiger Tag des Aufatmens für mich<note xml:id="n02">Am <date when="1934-03-18">18.3.1934</date> hatte <persName ref="kbga-actors-403">Thurneysen</persName> <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> bei <persName ref="kbga-actors-316">Pestalozzis</persName> in <placeName ref="kbga-places-66">Zürich</placeName> (an der Trittligasse) besucht. <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> war Anfang März über Basel (2./3.3.) zu seiner <persName ref="kbga-actors-18">Mutter</persName> in <placeName ref="kbga-places-603">Wabern</placeName> bei Bern und von dort weiter nach Zürich gereist, wo er bis zu seiner Reise nach <placeName ref="kbga-places-52">Paris</placeName> (s. oben <ref type="pub" target="../volume/34/p573#fn_n15">S. 573, Anm. 15</ref>) bei Pestalozzis zu Gast war.</note>: wie gut fing er an mit der in ihrer Weise gradgewachsenen und urchigen<note xml:id="n03">= urwüchsig, markig.</note> Predigt unseres zwar etwas verwitterten, aber immer noch ungebeugten Freundes <persName ref="kbga-actors-457">Bader</persName>, und wie ausgezeichnet ging er dann an der Trittligasse weiter und zu Ende. Natürlich hatte auch ich das Gefühl, nun sollte das Zusammensein erst richtig anfangen, als der Zug abrollte, aber so ist es ja irgendwie immer. Und wir sind doch ganz freudig und «herausgeholt» und «an die Luft gebracht» wieder baselwärts gefahren. Wie selten vorher stand ich allerdings, und zwar wohl von den Gesprächen über <persName ref="kbga-actors-275">Georg</persName> und die ganze deutsche Lage her, unter dem Eindruck, wie zusammengeschmolzen wir eigentlich dran sind. Ist’s nicht wieder wie beim einstigen Auszug im <placeName ref="kbga-places-152">Aargau</placeName>: <persName ref="kbga-actors-316">Ruedis</persName>, du (allerdings nicht ohne <persName ref="kbga-actors-223">Lollo</persName>!, unser aller Schwester!) und wir. Wo ist der ganze weitere Zuzug, der zu Zeiten so stattlich angeschwollen war, hingekommen? Wo sind auch «die Väter»<note xml:id="n04">Anspielung auf eine Formulierung <persName ref="kbga-actors-607">O. Herpels</persName> in seiner Einladung zur <orgName ref="kbga-actors-9864">Tambacher Tagung</orgName> am <date from="1919-09-22" to="1919-09-25">22.-25.9.1919</date>, gerichtet an «die Schweizer Väter des Religiös-Sozialismus»? Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-931">Bw.Th. I, <ref type="pub" target="../volume/03/p334#fn_n01">S. 334, Anm. 1</ref>, und <ref type="pub" target="3282">S. 335</ref>.<ref type="pub" target="../volume/03/p344#p344">344</ref></bibl>.
               </note> hingeraten, die damals noch mehr oder weniger stattlich hinter uns standen? Den einen, unseren <pb xml:id="p609" ed="pga"/> Freund <persName ref="kbga-actors-735">Ritsch Preiswerk</persName>, habe ich merkwürdigerweise gestern wieder einmal besucht. Ich war gerade in <placeName ref="kbga-places-448">Riehen</placeName> und hörte, es gehe seiner Frau<note xml:id="n05"><persName ref="kbga-actors-7320">Margaretha Julie (genannt: Marguerite) Preiswerk</persName>, geb. Zellweger (geb. 1857), starb erst 1936.</note> nicht gut. Ich traf sie dann auch richtig im Sterben liegend und ihn selber ganz zusammengeschrumpft und ebenfalls auf Abbruch wartend («es macht mer nit, us däre Wält z’go»<note xml:id="n06">= Es macht mir nichts aus, aus dieser Welt zu gehen.</note>), aber doch auch in diesem Stande ein kleines Hoffnungsfähnlein schwingend («i läbti no gärn», und: «der <persName ref="kbga-actors-47">Bluemhard</persName> het immer gsait: es kunnt no emol e ganz, ganz neii Zit — jetz isch sie am Ko!»<note xml:id="n07">= «Ich würde noch gern leben», und: «der <persName ref="kbga-actors-47">Blumhardt</persName> hat immer gesagt, es kommt einmal eine ganz, ganz neue Zeit — jetzt ist sie am Kommen.»</note>). Aber wir sind also wirklich einstweilen noch da, noch am Leben, noch, wenn auch mit stumpferer Hornesspitze, zu diesem und jenem Stoße bereit, freilich älter, älter (<persName ref="kbga-actors-223">Lollo</persName>, daran ist nicht zu rütteln!), und vor allem: wir sind wirklich mehr als je noch beieinander! Das ist ja auch nicht so ganz selbstverständlich. Das verdient wirklich als das ganz besondere Glück auch einmal ausdrücklich bedacht und gesagt zu werden. Man kann es nicht bedenken, ohne mit jenem besonderen Danke <persName ref="kbga-actors-316">Ruedis</persName> und <persName ref="kbga-actors-315">Gertys</persName> zu gedenken mitsamt Trittligasse und <placeName ref="kbga-places-100">Bergli</placeName>, ohne die dieses Zusammensein wahrscheinlich gar nicht möglich geworden wäre durch alle die Jahre hindurch. In deinem dereinst zu erstellenden Lebensfilm wird das «farmhouse»<note xml:id="n08">Anspielung auf <persName ref="kbga-actors-6773">D. G. Barnhouses</persName> Schilderung seiner Begegnung mit <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> auf dem <placeName ref="kbga-places-100">Bergli</placeName>: «<foreign xml:lang="eng">After a while, coming round a turn, we saw a farmhouse through the trees, beyond a garage which stood by the road. A man walked across the field to greet me; it was Karl Barth</foreign>» (<bibl corresp="kbga-bibls-6947"><persName ref="kbga-actors-6773">D. G. Barnhouse</persName>, <hi rend="italic">An Interview with Karl Barth</hi>, in: Revelation, Januar 1934, S. 5. 30-33</bibl>; Zitat dort S. 5).</note> wirklich den immer neu sichtbar werdenden Hintergrund zu unzähligen Bildern abgeben …</p>
        <p>Zur deutschen Lage: Ihr werdet den reichlich düsteren, aber auch wieder nur zu wahren Leitartikel<note xml:id="n09">
                        <bibl corresp="kbga-bibls-5963"><persName ref="kbga-actors-712">[A.] O[eri]</persName>, <hi rend="italic">Agonie des deutschen Protestantismus</hi> (Tagesbericht), in: BN, Jg. 90 (1934), Nr. 80 vom 22.3.1934</bibl>; vgl. unten <ref type="pub" target="../volume/34/p617#fn_n22">S. 617f. mit Anm. 22</ref>, <ref type="pub" target="../volume/34/p617#fn_n24">24</ref> und <ref type="pub" target="../volume/34/p617#fn_n25">25</ref>.</note> gelesen haben, den Vater <persName ref="kbga-actors-712">Oeri</persName> wohl unter dem Eindruck des eben stattfindenden Besuches seines Schwiegersohnes in spe, des Theologen <persName ref="kbga-actors-6945">Veltkes</persName> (oder wie er heißt — er hat mir eben eine längere Visite gemacht), und der sicher mangelnden Aussichten auf Heirat für die beiden jungen Leute<note xml:id="n10">Der Deutsche <persName ref="kbga-actors-6945">Fritz Feldges</persName> (1906–1981 ) hatte seine spätere Frau <persName ref="kbga-actors-7278">Kunigund Oeri</persName> im SS 1931/32 an der Kirchlichen Hochschule in Bethel kennengelernt. Nach seinem letzten Examen im Sommer 1934 flüchtete er aus politischen Gründen (mit einer «Beurlaubung» von <persName ref="kbga-actors-300">M. Niemöller</persName> in der Tasche) in die Schweiz, wo er die Suche nach einer Pfarrstelle im Kanton Bern aufnahm, und war nach einem Vikariat 1935–1972 Pfarrer in Oberbipp (Kanton Bern), von 1952 an zugleich Lektor an der Lehramtsschule für Religionslehrer der Universität Bern. — <persName ref="kbga-actors-7278">K. Oeri</persName> (1911–1997) legte kurz vor ihrer Hochzeit 1936 das Staatsexamen an der theologischen Fakultät Basel ab und engagierte sich später bis Ende der achtziger Jahre in kirchlichen und politischen Frauenorganisationen zunächst auf lokaler, dann auch auf nationaler und europäischer Ebene (briefliche Auskünfte von Frau K. Feldges aus dem Februar 1994).</note> geschrieben hat. Auf der anderen Seite <pb xml:id="p610" ed="pga"/> höre ich durch <persName ref="kbga-actors-157">Hartenstein</persName>, der eben gerade aus <placeName ref="kbga-places-60">Stuttgart</placeName> zurückkam, daß wirklich der Widerstand im Süden nun auch wieder da ist. <persName ref="kbga-actors-434">Wurm</persName> — dies als Geheimnachricht — hat sich nach langem innerem Hin und Her ganz klar zu seinem Fehler bekannt, <persName ref="kbga-actors-289">Müller</persName> nachgegeben zu haben, und hat mit <persName ref="kbga-actors-271">Meiser</persName> zusammen einen Bericht ausgearbeitet und ist nach <placeName ref="kbga-places-8">Berlin</placeName> zum <persName ref="kbga-actors-185">Führer</persName> gefahren und hat eine Audienz errungen und soll sein ganzes Herz, ohne Müller benachrichtigt zu haben, ausgeschüttet und um erneutes Eingreifen gebeten haben. Hitler soll nach anfänglich sehr ungnädigem Zuhören sich bereit erklärt haben, das Seine zu tun, um es nicht zum äußersten kommen zu lassen in der Kirche.<note xml:id="n11">Nach einer Besprechung mit dem Chef der Reichskanzlei, Dr. iur. <persName ref="kbga-actors-7154">Hans Lammers</persName>, hatten <persName ref="kbga-actors-434">Wurm</persName> und <persName ref="kbga-actors-271">Meiser</persName> am <date when="1934-03-08">8.3.1934</date> einen Brief an <persName ref="kbga-actors-185">Hitler</persName> verfaßt, in dem sie den Widerspruch zwischen der in Besprechungen mit <persName ref="kbga-actors-289">L. Müller</persName> nach dem Kanzlerempfang am <date when="1934-01-25">25.1.1934</date> beschlossenen und der tatsächlichen Kirchenpolitik des Reichsbischofs aufzeigten. Deshalb könnten sie ihre am <date when="1934-01-27">27.1.</date> öffentlich zugesagte Mitverantwortung für die Leitung der Reichskirche nicht weiter tragen. Die daraufhin gewährte Audienz bei Hitler am <date when="1934-03-13">13.3.1934</date> verlief in heftiger Konfrontation und endete mit der Übertragung der Verhandlungsführung an den ehemaligen Hauptmann <persName ref="kbga-actors-7303">Franz von Pfeffer und Salomon</persName>. Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-176">Scholder II, S. 95–97</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-6832"><persName ref="kbga-actors-434">Th. Wurm</persName>, <hi rend="italic">Erinnerungen aus meinem Leben</hi>, Stuttgart
                            1953, S. 93f.</bibl>, zitiert in: <bibl corresp="kbga-bibls-5966"><persName ref="kbga-actors-7370">G. K. Schäfer</persName>, <hi rend="italic">Die evangelische Landeskirche in Württemberg und der Nationalsozialismus. Eine Dokumentation zum Kirchenkampf</hi>, Bd. III: <hi rend="italic">Der Einbruch des Reichsbischofs in die württembergische Landeskirche 1934</hi>, Stuttgart
                            1974, S. 89f.100f.</bibl> (Abdruck des Briefes vom 8.3.1934 dort S. 90–94); <bibl corresp="kbga-bibls-292">Kretschmar/Nicolaisen, S. 78–82</bibl> (Abdruck des Briefes dort S. 79); vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-169">Gauger I, S. 156f.</bibl>
               </note> Aber einstweilen geht das Vabanquespiel <persName ref="kbga-actors-7274">Oberheids</persName> munter weiter. <persName ref="kbga-actors-228">Koechlin</persName> kam gestern abend aus <placeName ref="kbga-places-40">London</placeName> zurück.<note xml:id="n12"><persName ref="kbga-actors-228">Koechlin</persName> hatte in <placeName ref="kbga-places-40">London</placeName> mit Bischof <persName ref="kbga-actors-1465">George K. A. Bell</persName> und <persName ref="kbga-actors-3705">John Mott</persName> gesprochen und war über Genf nach Basel zurückgekehrt; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-6913">Bell/Koechlin, S. 118.</bibl>
               </note> Er hat sich mit verschiedenen englischen Bischöfen unterhalten und wirklich jene bitterböse Weltstimmung <pb xml:id="p611" ed="pga"/> gegen Deutschlands Kirchenpolitik festgestellt, von der <persName ref="kbga-actors-712">Oeri</persName> sprach. Und irgendwie ist alles bereit, so gut es geht, einzugreifen. Chichester hat in den «<orgName ref="kbga-actors-7488">Times</orgName>» <persName ref="kbga-actors-1031">Heckel</persName> preisgegeben und erneut angegriffen.<note xml:id="n13">In seinem Brief an den Herausgeber der Londoner «<orgName ref="kbga-actors-7488">Times</orgName>» vom <date when="1934-03-19">19.3.1934</date> stellte <persName ref="kbga-actors-1465">Bell</persName> (1883–1958), der sich als Bischof von Chichester (seit 1929) und Vorsitzender des Ökumenischen Rates für Praktisches Christentum (seit 1932) für die Bekennende Kirche einsetzte, klar, daß eine zuvor veröffentlichte kurze Notiz über seine Zusammenkunft mit <persName ref="kbga-actors-1031">Heckel</persName> und anderen deutschen Kirchenvertretern am <date when="1934-02-10">10.2.1934</date> in London nicht in der Weise «mißdeutet» werden dürfe, «daß das Verhältnis zwischen der Deutschen Evangelischen Kirche und anderen Kirchen, repräsentiert durch den Ökumenischen Rat für Praktisches Christentum, völlig ungetrübt sei», und legte seine in jenen Gesprächen geäußerte umfassende Kritik an der deutschen Reichskirche dar. Abdruck des am <date when="1934-03-20">20.3.1934</date> veröffentlichten Briefes (deutsche Übersetzung) in: <bibl corresp="kbga-bibls-6948">A. Boyens, <hi rend="italic">Kirchenkampf und Ökumene 1933-1939. Darstellung und Dokumentation</hi>, München
                            1969, S. 321f.</bibl> (Zitat dort S. 321); vgl. auch dort S. 107f.317-319; <bibl corresp="kbga-bibls-176">Scholder II, S. 104.</bibl>
               </note> Aber wenn das alles nur wirklich nützen wollte! Koechlin ist etwas besorgt um dein Schicksal wegen der Pariser Reise. Er meinte, deine Feinde in <placeName ref="kbga-places-8">Berlin</placeName> würden nur so darauf warten, dir nachweisen zu können, daß du im Ausland irgendwie gegen Deutschland Stimmung machest — ob mit oder ohne Recht, sei ganz gleichgültig —, um dich zu stürzen. Und es wäre doch schade, wenn du statt auf dem deutschen Kampffelde selber in irgendeinem ganz offenen Kampfe, wo es sich lohnt, dein Leben teuer verkaufend, an einer Intrigue aus Anlaß irgendeiner Denunziation fallen würdest. Er läßt dir sagen, daß wahrscheinlich gleichzeitig mit dir auch Heckel in <placeName ref="kbga-places-52">Paris</placeName> weilen werde, um an einer Konferenz internationaler Art teilzunehmen.<note xml:id="n14">Studienkonferenz des <orgName ref="kbga-actors-10978">Ökumenischen Rates für praktisches Christentum</orgName> am <date from="1934-04-08" to="1934-04-13">8.-13.4.1934</date> über das Thema «Die Kirche und das Staatsproblem». — Tatsächlich kam es zu einem Zusammentreffen der Teilnehmer beider Veranstaltungen: «Ein Empfang vereinte an einem Abend die Teilnehmer der Konferenz mit einem grösseren Kreise von führenden Männern des französischen Protestantismus. Der Abend stellte gleichzeitig eine Ehrung für Professor <persName ref="kbga-actors-2151">Karl Barth</persName> dar, der in derselben Woche einer Einladung der theologischen Fakultät [sic] der <orgName ref="kbga-actors-10783">Sorbonne</orgName> zu Gastvorlesungen gefolgt war.» Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-6949"><persName ref="kbga-actors-3381">W. Menn</persName>, <hi rend="italic">Die Kirche und das Staatsproblem. Oekumenische Studienkonferenz, April 1934</hi>, in: Die Kirchen am Werk. Mitteilungen Oekumenischer Rat für praktisches Christentum Weltbund für internationale Freundschaftsarbeit, Nr. 5 vom Mai 1934, S. 1–3</bibl> (Zitat «kommentierend» aufgegriffen in der Notiz von <bibl corresp="kbga-bibls-6950"><persName ref="kbga-actors-5356">W. Stapel</persName>, <hi rend="italic">Barth wurde in Paris geehrt</hi>, in: Kirche und Volkstum in Niedersachsen, Jg. 1 [1934], S. 175f.</bibl>); Meldung des Schweizerischen Pressedienstes auch in: <bibl corresp="kbga-bibls-5536">KBRS, Jg. 90 (1934), S. 143.</bibl>
               </note> Der werde dir irgendwie seine Spitzel nachsenden. Schon daß gleichzeitig mit deiner Abreise in die <placeName ref="kbga-places-58">Schweiz</placeName> das Manifest <pb xml:id="p612" ed="pga"/> von <persName ref="kbga-actors-27">Peter</persName> nun zu laufen beginne<note xml:id="n15">Siehe oben <ref type="pub" target="../volume/34/p605#fn_n02">S. 605f., Anm. 2</ref>. Der Aufruf wurde <persName ref="kbga-actors-300">M. Niemöller</persName> am 27.3.1934 übergeben (s. unten <ref type="pub" target="../volume/34/p616#fn_n18">S. 616, Anm. 18</ref>).</note>, hält er nicht für günstig. Doch sind das wohl auch wieder zu fein gesponnene Erwägungen.</p>
        <p>Unterdessen haben wir aber auch in der Schweiz Anlaß zu ernsten Sorgen. Denn was da in <placeName ref="kbga-places-9">Bern</placeName> gespielt worden ist<note xml:id="n16">Am <date when="1934-03-22">22.3.1934</date> wurde der Freisinnige Dr. <persName ref="kbga-actors-6796">Johannes Baumann</persName> aus Herisau als Nachfolger von <persName ref="kbga-actors-7032">Heinrich Häberlin</persName> zum Bundesrat gewählt. Nachdem ein sozialdemokratischer Mitbewerber schon im 1. Wahlgang unterlegen war, kandidierte im 2. und 3. Wahlgang — als gemeinsamer Kandidat der liberal-demokratischen und der katholisch-konservativen Partei — nur noch der Basler Regierungsrat Dr. <persName ref="kbga-actors-1742">Carl Ludwig</persName> gegen Baumann. Er erhielt 73, Baumann 141 Stimmen. Vorausgegangen war eine zehntägige heftige Auseinandersetzung. Der Freisinn war mit 4 von 7 Bundesräten in der Regierung proportional übervertreten gewesen. Auch innerhalb der Partei hatten maßgebliche Kreise dazu geraten, bei dieser Ersatzwahl auf die Nominierung eines eigenen Kandidaten zu verzichten. Noch am Wahltag kommentierten die <orgName ref="kbga-actors-5804">Basler Nachrichten</orgName>: «… ein peinliches Spiel der Schachzüge und Gegenzüge, der Schiebungen zwischen den Parteien nach abgenützten Regeln und überlebten Traditionen» (<bibl corresp="kbga-bibls-6951">-chi, <hi rend="italic">Der Freisinn behauptet seine Mehrheitsstellung</hi>, in: BN, Jg. 90 [1934], Nr. 80 vom 22.3.1934, 1. Beilage</bibl>).</note>, das ist sicher fatal genug. Es wird nur dazu helfen, daß weitere Kreise vom faulen Freisinn weg zu den Fronten<note xml:id="n17">Rechtsradikale, dem Nationalsozialismus oder Faschismus nahestehende antidemokratische Bewegungen oder Parteien, z. B. der im «Frontenfrühling» 1933 durch Zusammenschluß zweier «Fronten» entstandene Kampfbund Neue und Nationale Front; vgl. oben <ref type="pub" target="../volume/34/p415#fn_n20">S. 415, Anm. 20</ref>.</note> gehen. Und die Sozialisten bereiten sich einfach ein zweites österreichisches Schicksal<note xml:id="n18">In Abwesenheit des österreichischen Bundeskanzlers <persName ref="kbga-actors-6902">Dollfuß</persName>, aber von diesem nachträglich gutgeheißen, hatte die rechtsorientierte Tiroler Heimwehr durch einen großangelegten Aufmarsch die Auflösung aller Parteien in Tirol erreicht und ähnliche Bestrebungen in anderen Landesteilen ausgelöst. In der aufgeladenen Atmosphäre löste ein Zwischenfall in Linz am <date when="1934-02-12">12.2.1934</date> blutige Kämpfe zwischen dem Republikanischen Schutzbund der sozialdemokratischen Partei einerseits und Heimwehrverbänden und Armee andererseits aus, die nach wenigen Tagen mit der Niederlage des Schutzbundes endeten. Die sozialdemokratische Partei Österreichs wurde noch am 12.2. verboten. Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-6952">W. Wiltschegg, <hi rend="italic">Die Heimwehr. Eine unwiderstehliche Volksbewegung?</hi> (Studien und Quellen zur österreichischen Zeitgeschichte 7), München 
                        1985, S. 81–84</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-6953">Th. Veiter, <hi rend="italic">«Das 34er Jahr». Bürgerkrieg in Österreich</hi>, Wien/München
                            1984, S. 146–155.</bibl>
               </note> in irgendeiner schweizerischen Abart. Was man in ihren Zeitungen liest, das ist fabelhaft blind und uneinsichtig.</p>
        <p>Letzte Woche hatten wir eine Kirchgemeindeversammlung, an der mein Kollege <persName ref="kbga-actors-6735">Wolfer</persName> wieder aufs neue in einer unglaublichen Weise <pb xml:id="p613" ed="pga"/> freisinnigen Kohl darbot.<note xml:id="n19">Kirchgemeindeversammlung vom <date>14.3.34</date> im großen <placeName ref="kbga-places-905">Münstersaal</placeName> mit einem Referat des Präsidenten des Kirchenvorstandes, Pfarrer <persName ref="kbga-actors-1785">O. Moppert</persName>, über das Thema «Unser kirchlicher Unterricht und die Mitwirkung des Elternhauses» und nachfolgender Diskussion. «Pfarrer <hi rend="italic"><persName ref="kbga-actors-6735">Wolfer</persName></hi> äußerte seine Bedenken gegen ein zu frühzeitiges Erzählen der biblischen Geschichten, wodurch leicht Vorstellungen erweckt werden, die den späteren Erkenntnissen nicht standhalten» (<bibl corresp="kbga-bibls-6954">E. H., <hi rend="italic">Kirchgemeindeversammlung der Münstergemeinde</hi>, in: BN, Jg. 90 [1934], Nr. 77 vom 19.3.1934, 1. Beilage</bibl>).</note> Da gibt es auch nur Abmarsch und Weitergehen auf eigenen Wegen ohne jede Aussicht auf Zusammengehen.</p>
        <p>Hast du wohl neuere Nachrichten über den inneren Gang der Dinge in den Rheinlanden? <persName ref="kbga-actors-246">Fritz</persName> ist hier aufgetaucht für ein paar Tage und sagte mir etwas von einer Vorsynode, an der er teilgenommen habe und an der leider dein alter Freund <persName ref="kbga-actors-1054">Horn</persName> Allerübelstes von sich gegeben habe, richtig eine Art Verräterei an der gemeinsamen Sache übend.<note xml:id="n20">Am <date when="1934-03-16">16.3.1934</date> hatte in <placeName ref="kbga-places-94">Köln</placeName> die außerordentliche 43. Rheinische Provinzialsynode getagt, deren Einberufung das «Kirchengesetz über die Leitung der evangelischen Kirche der altpreußischen Union» vom <date when="1934-03-02">2.3.1934</date> (§ 3) vorgeschrieben hatte. Das Gesetz sollte der Gleichschaltung und Umgestaltung der preußischen Landeskirche in eine Führerkirche dienen und verlangte eine Neuwahl der Provinzialsynoden innerhalb von zwei Wochen, wobei eine Aussprache nicht gestattet war; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-176">Scholder II, S. 88</bibl>; Gesetzestext bei <bibl corresp="kbga-bibls-5663">J. Beckmann, <hi rend="italic">Rheinische Bekenntnissynoden im Kirchenkampf</hi>, a.a.O. (<ref type="pub" target="../volume/34/p572#fn_n05">S. 572, Anm. 5</ref>), S. 90–92, § 3 dort S. 91</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-169">Gauger I, S. 150</bibl>. — Im Protokoll der Synode ist vermerkt: «34 Mitglieder der Provinzialsynode haben eine Erklärung eingereicht, die zu den Akten genommen wird (Anhang III). / Der Synodale <persName ref="kbga-actors-1054">Horn</persName> erbittet das Wort zur Geschäftsordnung und schlägt im Hinblick auf die abgegebene Erklärung und die Tatsache, daß 49 Mitglieder [von 173] fehlen, vor, Synode wolle gemäß den Möglichkeiten des Kirchengesetzes vom <date when="1934-03-02">2. März 1934</date> von einer Wahl absehen und dem Bischof (Landespfarrer) [<persName ref="kbga-actors-7274">H. Oberheid</persName>] die Ernennung überlassen. Der Präses macht darauf aufmerksam, daß die Synode beschlußfähig ist und die Wahl zu vollziehen hat» (Protokoll in: J. Beckmann, a.a.O., S. 93–102; Zitat dort S. 98).</note> Wo, wo bleibt da nun eigentlich seine Bibel und sein darauf gegründetes Zeugnis? Wo der vielgerühmte Heidelberger?<note xml:id="n21">Vgl. oben <ref type="pub" target="../volume/34/p174#fn_n05">S. 174, Anm. 5</ref>.</note> Wie erklärst du dir diesen Umfall? Er soll nämlich gerade die synodale Ordnung der Kirche ganz geringschätzig bei Seite geschoben haben.</p>
        <p>Sei mit <persName ref="kbga-actors-223">Lollo</persName> und <persName ref="kbga-actors-316">Ruedis</persName> herzlich, herzlich gegrüßt! Genieße die kleine Ruhepause, die dir jetzt gegeben ist! Dein erster Pariservortrag<note xml:id="n22">
                        <bibl corresp="kbga-bibls-1212"><persName ref="kbga-actors-2151">K. Barth</persName>, <hi rend="italic"><ref type="pub-" target="52011#p175">Offenbarung</ref></hi>, in: ders., <hi rend="italic">Offenbarung, Kirche, Theologie</hi> (ThExh 9), München 
                        1934, S. 15–23</bibl> (und in: <bibl corresp="kbga-bibls-9">Th.Fr.u.A., S. 158–166</bibl>).</note>, den ich schnell lesen konnte, ist ausgezeichnet geraten und verspricht <pb xml:id="p614" ed="pga"/> ausgezeichnete Fortsetzungen, an deren Erstellung du nun wohl schon weiter gekommen bist. Laß einmal etwas von dir hören, wenn es angeht. <persName ref="kbga-actors-1285">Marguerite</persName> grüßt vielmal mit!</p>
        <closer>
          <salute>Dein</salute>
          <signed><persName ref="kbga-actors-403">Eduard</persName></signed>
        </closer>
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