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        <title type="volume" n="vol-34">Karl Barth – Eduard Thurneysen. Briefwechsel Bd. III 1930–1935</title>
        <title type="content">Eduard Thurneysen an Karl Barth</title>
        <title type="citation_line_1">Eduard Thurneysen an Karl Barth, 18. Mai 1934</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/34185 (Stand: 2. Oktober 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Karl Barth – Eduard Thurneysen. Briefwechsel Bd. III 1930–1935, hrsg. v. Algner, Caren (Gesamtausgabe, Abt. V), Zürich 2000, S. 629–638.</title>
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        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
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        <sponsor>Schweizerischer Nationalfonds (SNF)</sponsor>
        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
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        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
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        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
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          <title type="volume">Karl Barth – Eduard Thurneysen. Briefwechsel Bd. III 1930–1935</title>
          <title type="text">Eduard Thurneysen an Karl Barth</title>
          <author ref="kbga-actors-403">Thurneysen, Eduard</author>
          <editor>Algner, Caren</editor>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
          <date type="publication">2000</date>
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          <title type="edition">Princeton Barth Project edition</title>
          <title type="text">electronic edition of Karl Barth, Gesamtausgabe V.34, Karl Barth - Eduard Thurneysen Briefwechsel Band III 1930-1935, letter 176</title>
          <author ref="kbga-actors-403">Thurneysen, Eduard</author>
          <editor>James R. Adair, Jr.</editor>
          <editor>Timothy J. Finney</editor>
          <editor>Christian Kelm</editor>
          <pubPlace>Princeton</pubPlace>
          <publisher>Alexander Street Press</publisher>
          <date type="publication">2001</date>
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        <bibl xml:id="A" type="source">A (Vorlage der Edition): Thurneysen, Eduard, Eduard Thurneysen an Karl Barth, 18. Mai 1934. <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/23912">KBA 9370.724</ref>. </bibl>
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            <date when="1934-05-18">18. Mai 1934</date>
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          <salute>Lieber <persName ref="kbga-actors-2151">Karl</persName>,</salute>
        </opener>
        <p>es ist wahrhaftig mehr als nur ein Brief fällig an dich. Aber wohl gerade darum wird der Abschuß immer wieder hinausgeschoben. Laß dir vor allem das eine sagen, daß wir keinen Tag vergehen lassen, ohne deiner vielfach und treulich zu gedenken. Wie wollte es auch anders sein, jetzt, da <persName ref="kbga-actors-5802">Fränzeli</persName> an unserem Tische sitzt und Frl. <persName ref="kbga-actors-7426">S.</persName><note xml:id="n01"><persName ref="kbga-actors-7426">L. Simons</persName> Nachname wurde — hier bis auf den ersten Buchstaben und an den weiteren Stellen insgesamt — durch Überschreiben nachträglich unkenntlich gemacht.</note>, von uns allen mit Freuden begrüßt, bei uns aus- und eingeht. Wirklich, eure Tochter Fränzeli ist uns einfach vertraut und nahe, es ist eine ganz ausgezeichnete Sache, daß es bei uns ist. Still und vergnügt geht es unter uns seinen <pb xml:id="p630" ed="pga"/> Weg, nimmt Kenntnis von <placeName ref="kbga-places-5">Basels</placeName> Land und Leuten (gestern passierten wir mit ihm zusammen ein weit ausholendes Mittagessen nach Basler Geschmack bei einem älteren Frl. Preiswerk — nicht jener <persName ref="kbga-actors-7317">Gertrud</persName>! —, die es nicht lassen will, uns von Zeit zu Zeit mit allerlei besonderen Freundlichkeiten zu bedenken<note xml:id="n02">Wahrscheinlich <persName ref="kbga-actors-7319">Margarete Preiswerk</persName> (1872–1949), wohnhaft an der St. Alban-Vorstadt 13, die <persName ref="kbga-actors-403">Thurneysen</persName> auch ein Gartenkabinett über dem Rhein für ungestörtes Arbeiten zur Verfügung stellte (telephonische Auskunft von Pfr. S. Preiswerk am 3.5.1993).</note>), ist ganz ausnehmend fleißig bei der Arbeit, so daß <persName ref="kbga-actors-1285">Marguerite</persName> manchmal meint, es tue des Guten zu viel, läßt perlende Läufe ergehen, die wirklich nur von meinem Vorzimmer aus zu vernehmen sind und mich im übrigen keineswegs stören, läßt aber auch seine Stimme ertönen in merkwürdigen Gesängen, wie sie die höhere Gesangslehre offenbar vorschreibt, und geht mit wiegendem Schritte und unter einem eben erstandenen, breitrandigen, meines Beifalls durchaus teilhaftigen Hute über den alten <placeName ref="kbga-places-859">Minschterplatz</placeName> und läßt beim Tische manch freundliches und auch gutgelauntes, aber wirklich gar, gar nie böses Wörtlein fallen. Und ganz spät in der Nacht, wenn wir sogar bereits im Bett liegen, hört man sie unten vor dem Hause noch einen leisen, aber sicher warmen Abschied von <persName ref="kbga-actors-7426">Lili</persName> nehmen. Hoffentlich ist es mit seiner Basler Existenz im Ganzen und im Einzelnen ebenso einverstanden und zufrieden, wie wir es sind! Seine Lehrer sind ja sicher zum Teil sehr so so la la, aber den einen oder anderen scheinen die beiden Töchter<note xml:id="n03">= jungen Mädchen.</note> doch wirklich zu akzeptieren. Vor allem an der Musikschule ist <persName ref="kbga-actors-5802">Fränzeli</persName> offensichtlich ganz positiv eingestellt. Und hin und wieder gesellt es sich zu den pfeifenrauchenden Töchtern von <persName ref="kbga-actors-1203">Karl Sartorius</persName><note xml:id="n04"><persName ref="kbga-actors-7367">Marianne Sartorius</persName> (1916–1989), Krankenpflegerin und Fürsorgerin, und <persName ref="kbga-actors-7365">Helene Sartorius</persName> (1917–1970), Bibliothekarin.</note>, verbringt einen Abend bei Onkel <persName ref="kbga-actors-23">Heiner</persName> (zum Beispiel gerade heute) und staunt über Heiners Weisheit und Milde und Bosheit, läßt sich im Hause <persName ref="kbga-actors-6837">Brenner</persName><note xml:id="n05">Siehe oben <ref type="pub" target="../volume/34/p559#p559">S. 559f.</ref></note> nieder, und am 1. Mai machte es sogar einen richtigen Familienspazen<note xml:id="n06">= Familienspaziergang.</note> mit uns Münsterhöflern<note xml:id="n07"><persName ref="kbga-actors-403">Thurneysens</persName> wohnten Münsterhof 2.</note>, vermehrt um die gesamte Familie des Rektors <persName ref="kbga-actors-938">Burckhardt</persName><note xml:id="n08">Dr. <persName ref="kbga-actors-938">Paul Burckhardt</persName> (1873–1956), 1904–1938 Lehrer für alte Sprachen, Geschichte und Deutsch, seit 1927 auch Rektor am Basler Mädchengymnasium, 1918–1945 Mitglied der Synode und des Kirchenvorstandes St. Leonhard, zuletzt als Präsident, Verfasser der Schrift <bibl corresp="kbga-bibls-7102"><hi rend="italic">Was sagt uns die Theologie Karl Barths und seiner Freunde</hi>, Basel
                            1927</bibl>, Freund <persName ref="kbga-actors-403">Thurneysens</persName> seit 1928. Er und seine Frau <persName ref="kbga-actors-6855">Anna</persName> hatten 6 Kinder.</note>, ins <placeName ref="kbga-places-199">Elsaß</placeName> mit und konnte <pb xml:id="p631" ed="pga"/> glaub auch dieser bürgerlichen Angelegenheit, wenn auch nicht ohne verzeihendes Lächeln, eine gute Seite abgewinnen, was ja überhaupt <persName ref="kbga-actors-5802">Fränzelis</persName> Charisma zu sein scheint. Und endlich hörte es am vergangenen Sonntag eine richtiggehende Refermlerpredigt<note xml:id="n09">Reformer (im Dialekt: «Refermler»): Bezeichnung für die Vertreter des kirchlichen Liberalismus in der Schweiz; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-7103">R. Pfister, Artikel «Reformer, schweizerische», in: RGG<hi rend="sup">3</hi> V, Sp. 882f.</bibl>
               </note> meines Kollegen <persName ref="kbga-actors-6735">Wolfer</persName> über den — Muttertag (passenderweise zu <ref type="can" subtype="bible" target="Mk.3.31 Mk.3.35">Mc. 3,31ff.</ref>!) mit mir an, wobei allerdings das verzeihende Lächeln wirklich gänzlich erstarrte! Seine Begleiterin <persName ref="kbga-actors-7426">Lili</persName> aber ist uns nicht minder erfreulich. Eben ist sie für einen Augenblick bei mir eingetreten und hat sich über <persName ref="kbga-actors-691">Wolf Meyer</persName> belehren lassen, dessen Antrittsvorlesung<note xml:id="n10">
                        <bibl corresp="kbga-bibls-7104"><persName ref="kbga-actors-691">W. Meyer-Erlachs</persName> Schrift <hi rend="italic">Das neue Deutschland und die christliche Verkündigung</hi> erschien 1934 im Verlag Deutsche Christen Weimar (Thüringen)</bibl>; Zitate in: <bibl corresp="kbga-bibls-169">Gauger II, S. 193</bibl>. <persName ref="kbga-actors-403">Thurneysen</persName> kannte die Vorlesung nur aus einem Zeitungsbericht (s. unten bei <ref type="pub" target="#fn_n27">Anm. 27</ref>). Vgl. unten auch <ref type="pub" target="../volume/34/p647#fn_n25">S. 647f., Anm. 25</ref>.</note> wir mit Schaudern entgegengenommen haben, hat auch bereits einen ersten flüchtigen Kennerblick auf mein Horoskop geworfen! <persName ref="kbga-actors-2151">Karl</persName>, solange solche guten Mädchengestalten immerhin mit auf dem Boden unserer Theologie erwachsen, wird es nicht endgültig lätz<note xml:id="n11">= verkehrt.</note> um uns bestellt sein!</p>
        <p>Habt allen Dank für die mannigfachen Zeichen, die wir von euch, vor allem durch <persName ref="kbga-actors-223">Lollos</persName> treuen Dienst, immer wieder empfangen. Es ist alles bei uns miterwogen und wird mitgetragen. Laßt diese Fäden ja nicht abreißen! Darüber schreiben ist ja nicht so einfach. Auf unserer Seite hat sich auch dies und jenes ereignet. So vor allem eines: <persName ref="kbga-actors-1285">Marguerite</persName> und ich sind zur Ordination deines Schülers <persName ref="kbga-actors-3457">de Pury</persName><note xml:id="n12">Lic. phil. et theol. <persName ref="kbga-actors-3457">Roland de Pury</persName> (1907–1979), Mitgründer der theologischen Zeitschrift «Hic et Nunc» (s. <ref type="pub" target="#fn_n18">Anm. 18</ref>). Die Entdeckung von <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> Schriften zu Beginn seines Theologiestudiums in Paris war entscheidend für seinen Entschluß, Pfarrer zu werden. Er schloß sein Theologiestudium mit einem Studienjahr 1933/34 bei <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> in Bonn ab. Nach seiner Ordination am 22.4.1934 in Neuenburg (Neuchâtel) wurde er Pfarrer im französischen Montcoutant, 1938–1943 (Verhaftung) und 1944–1957 in Lyon, wo er während der deutschen Besatzung jüdische Flüchtlinge in seinem Haus und in seiner Gemeinde versteckte, 1957–1961 (mit Unterbrechungen) im Auftrag der Pariser Société des Missions Evangéliques an der theologischen Schule in Ndoungu, in Kamerun, 1961–1966 auf Madagaskar, 1966–1969 Studentenpfarrer an den Universitäten Aix-en-Provence, Marseiile und Nizza, 1969–1973 Pfarrer in Aix-en-Provence. Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-7105">D. Gallant, <hi rend="italic">Roland de Pury. Le souffle de la liberté</hi>, Paris
                            1994, bes. S. 19– 21.23.</bibl>
               </note> gefahren!</p>
        
        <p><pb xml:id="p632" ed="pga" rend="noPipe"/> Das war eine sehr solenne Sache. Wir wurden am Bahnhof in einem der ausgezeichneten Automobile der Familie de Pury abgeholt. <persName ref="kbga-actors-7214">Maury</persName> war zur Stelle, ein kleines Apéritif, dargereicht von einem Diener in weißen Handschuhen, wurde verabreicht, Mme <persName ref="kbga-actors-7324">de Pury</persName><note xml:id="n13"><persName ref="kbga-actors-7324">Jacqueline de Pury</persName> geb. de Montmollin (1909–1973), seit 1931 <persName ref="kbga-actors-3457">Roland de Purys</persName> Ehefrau.</note> begrüßt und sofort wieder eingestiegen und zu einer Predigt in einem Dorfe von <placeName ref="kbga-places-411">Neuenburg</placeName> draußen gefahren, die <persName ref="kbga-actors-3457">de Pury</persName> zunächst zu halten hatte. Er predigte sehr gut, in einem strengen Stile, wirkliche Auslegung mit sehr andringenden Fragen an den Hörer, sehr ausgebaute Liturgie, das alte Sündenbekenntnis und das Apostolikum fehlten nicht. Nachher Mittagessen, wieder vom Diener serviert, und dann kamen die Gäste aus <placeName ref="kbga-places-67">Genf</placeName>: <persName ref="kbga-actors-7368">De Saussure</persName><note xml:id="n14"><persName ref="kbga-actors-7368">Jean de Saussure</persName> (1899–1977), 1926–1929 Pfarrer an Eaux-Vives, 1929/1945 an Saint-Pierre in Genf.</note>, <persName ref="kbga-actors-3162">Dominicé</persName><note xml:id="n15"><persName ref="kbga-actors-3162">Max Dominicé</persName> (1901–1975), nach Pfarrämtern in Edinburgh und Paris 1932–1936 Pfarrer der Association Chrétienne Evangélique (einer von der Genfer Nationalkirche getrennten Gemeinschaft) in Genf, 1936–1959 Pfarrer an Saint-Gervais in Genf, 1959–1966 Generalsekretär der Genfer Nationalkirche, führende Persönlichkeit der Genfer Kirche (Verfasser ihrer seit 1945 gebräuchlichen Liturgie) mit Engagement auch auf internationaler Ebene, Schweizer Delegierter bei der ersten Vollversammlung des Ökumenischen Rates in Amsterdam 1948.</note>, <persName ref="kbga-actors-1941">Visser ’t Hooft</persName> mit ihren Frauen<note xml:id="n16"><persName ref="kbga-actors-10945">Liliane-Elisabeth de Saussure</persName>, geb. de Crousaz (1901–1960); <persName ref="kbga-actors-6904">Madeleine Dominicé</persName>, geb. Micheli (geb. 1905), gelernte Krankenschwester; <persName ref="kbga-actors-7507">Henriette Philippine Jacoba Visser ’t Hooft</persName>, geb. Boddaert (1899–1968).</note>, dazu der Mann von «<orgName ref="kbga-actors-10944">Je sers</orgName>»<note xml:id="n17">Im Pariser Verlag «<orgName ref="kbga-actors-10944">Je sers</orgName>» war die französische Übersetzung von <bibl corresp="kbga-bibls-1842"><persName ref="kbga-actors-403">Thurneysens</persName> Dostojewski-Buch</bibl> erschienen; s. oben <ref type="pub" target="../volume/34/p623#fn_n13">S. 623, Anm. 13</ref>.</note>, <persName ref="kbga-actors-8018">de Rougemont</persName><note xml:id="n18"><persName ref="kbga-actors-8018">Denis de Rougement</persName> (1906–1986), Essayist und Philosoph, enger Freund <persName ref="kbga-actors-3457">de Purys</persName>, seit 1931 literarischer Herausgeber beim Verlag «Je sers» und Hauptträger der im November 1932 unter dem Eindruck von <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> Schriften von fünf Theologen und Philosophen gegründeten theologischen Zeitschrift «Hic et Nunc», die bis 1936 erschien, 1940 — nach 15tägiger Haft wegen eines kritischen Artikels gegen <persName ref="kbga-actors-185">Hitlers</persName> Einmarsch in Paris — Gründung der Widerstandsgruppe «Gotthardbund», bis 1946 in den USA Mitarbeiter des Office of War Information als Hauptredakteur der Voix de l’Amérique, 1950 Gründung des Centre Européen de la Culture in Genf, 1953 des Institut universitaire d’Etudes Européennes, dessen Direktor (und einer der Professoren) er bis 1985 war, 1978 Gründung der Zeitschrift «Cadmos», die er bis zu seinem Tod leitete; zu seinem Verhältnis zu <persName ref="kbga-actors-3457">de Pury</persName> vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-7105">D. Gallant, a.a.O., S. 20–25.</bibl>
               </note>, und es entspann sich <pb xml:id="p633" ed="pga"/> ein treffliches theologisches Gespräch, das <persName ref="kbga-actors-7214">Maury</persName> und ich Rücken an Rücken zu führen hatten. Diese Genfer sind doch irgendwie immer noch Réveillisten<note xml:id="n19">Aus den freikirchlichen Bewegungen, die aus einer Anfang des 19. Jahrhunderts in Genf entstandenen und in der französischen Schweiz und Frankreich verbreiteten pietistischen Erweckungsbewegung («Réveil») hervorgegangen waren, erwuchs 1849 u. a.  die Gründung der Église independente in Neuchâtel, die sich 1942 mit der Église nationale wiedervereinigte; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-5791">E. G. Rüsch, Art. «Réveil», in: RGG<hi rend="sup">3</hi> V, Sp. 1077.</bibl>
               </note>, die <orgName ref="kbga-actors-10644">Oxfordbewegung</orgName> ist mindestens nicht ganz ferne, aber alles in allem ausgezeichnete Leute, von den Jungen schien mir <persName ref="kbga-actors-3457">de Pury</persName> am meisten Rasse zu haben. Und dann kam der Akt in der Kathedrale: zuerst eine wirklich restlos gute, selten beschwingte Sendungspredigt von Maury, darauf der Aufnahmeakt, an dem die ganze Pfarrerschaft von <placeName ref="kbga-places-411">Neuenburg</placeName> und ich mitten unter ihnen, alle im Ornat, teilnehmen mußten. Den Schluß bildete eine mit Handerhebung sämtlicher Amtsbrüder von Maury vollzogene Segnung. Und dann betrat de Pury die Kanzel und legte eine Art Glaubensbekenntnis ab, das darin gipfelte, daß er zum Schluß sagte, es sei am Platze, noch vierer Männer ausdrücklich zu gedenken, die ihm innerlich Entscheidendes bedeutet hätten: <persName ref="kbga-actors-77">Calvin</persName>, <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName>, <persName ref="kbga-actors-221">Kierkegaard</persName> et <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName>! Dies in bestem Französisch in die volle Kathedrale hinausgerufen! Nachher noch eine Réception im Hause de Pury. Alles in allem: hier ist einfach eine Kampfgruppe in Marsch! Die kommen! Dabei wissen sie das Evangelium wirklich in neuen Zungen zu verkündigen, so wie wir’s nicht könnten: beschwingter, persönlich angreifender, bekennerhafter im Sinne dieser westlichen Réveil-, ich hätte bald gesagt: Clairontheologie, die irgendwie hinter ihnen liegt, weil sie ganz streng an der Rechtfertigung hängen und ihren Hörern an gänzlicher Verweisung an den Ort des Sünders nichts ersparen, und die doch irgendetwas von durchaus erlaubtem Charme und Schwung ihnen noch mitgegeben hat, wie man sie auf deutschen Kanzeln selten oder gar nie hören wird, kurz, eigene Zungen reden hier dasselbe, was auch wir sagen möchten. Und dabei sind es wirklich Edelleute, die ebenso gut ihre Automobile zu steuern wissen und deren Frauen von einem Hauch von gutem Parfum umweht sind. Aber was schreibe ich dir da — was in <persName ref="kbga-actors-223">Lollos</persName> ganz ausgezeichnetem Pariserbericht wahrhaftig zehnmal und hundertmal besser zu lesen steht. <pb xml:id="p634" ed="pga"/> Ihr habt ja diese Welt wahrhaftig noch ganz anders in euch aufnehmen können als wir mit unserem bißchen <placeName ref="kbga-places-411">Neuenburg</placeName>. Aber auch da kann ich nur wieder und erst recht sagen: wenn auf dem Boden immerhin unserer Theologie solche trefflichen westlichen Männer erstehen, dann kann es nicht lätz um uns bestellt sein! Es ist aber auch dringend nötig, daß solch eine westliche theologische Division aufgestellt wird. Denn hör an, mit <persName ref="kbga-actors-275">Georg</persName> zu reden, am letzten Samstag hat die theologische Fakultät von <placeName ref="kbga-places-149">Straßburg</placeName> uns in <placeName ref="kbga-places-5">Basel</placeName> einen Besuch abgestattet mitsamt ihren Damen. Und was ich da an theologischer Verstocktheit und altliberalem Unsinn zu hören bekam, das geht auf keine Kuhhaut. Du lieber Himmel, in was für einer Welt leben die noch! Da ist sogar der alte <persName ref="kbga-actors-329">Rade</persName> noch ein Rechtgläubiger gegenüber diesen <persName ref="kbga-actors-7223">Ménégoz</persName><note xml:id="n20"><persName ref="kbga-actors-7223">Fernand Ménégoz</persName> (1873–1945), 1926–1941 Professor für Dogmatik an der evangelisch-theologischen Fakultät der Universität Straßburg.</note> und wie sie sonst heißen. Aber auch das habt Ihr ja in <placeName ref="kbga-places-52">Paris</placeName> an der Quelle erlebt!</p>
        <p>Weiter ist zu melden, daß <persName ref="kbga-actors-367">Karl Ludw.</persName> nun endlich doch eine wenigstens Verweserstelle erhalten hat, und zwar vor den Toren von <placeName ref="kbga-places-66">Zürich</placeName> in einer der Vorortgemeinden.<note xml:id="n21">Die «Pfarrverweserstelle» in Zürich-Seebach war auf vier Monate befristet und wurde schlecht bezahlt. Für eine definitive Pfarrstelle verlangte die Kirche des Kantons Zürich das Schweizer Bürgerrecht. Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-3237">Mühling, S. 167f.170.</bibl>
               </note> Ich rechne damit, daß er weiterhin irgendwie nicht fallen gelassen werden wird. Er war kürzlich mit seiner Frau, die ihn gerade besucht hatte<note xml:id="n22"><persName ref="kbga-actors-6701">Ursula Schmidt</persName>, geb. von Wegnern (1892–1985), hatte ihren Mann in Seebach erstmals seit einem halben Jahr für drei Wochen besuchen können. Seine Kindern sah <persName ref="kbga-actors-367">Schmidt</persName> erst im Juli 1934 wieder. Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-3237">Mühling, S. 168.</bibl>
               </note>, an der Pratteler Konferenz und hat dort in wirklich einsichtiger und theologisch ausgezeichneter Weise nach einem Referat von mir über «Bekenntnis»<note xml:id="n23">Nicht erhalten. Zur Pratteler Konferenz s. oben <ref type="pub" target="../volume/34/p204#fn_n32">S. 204, Anm. 32</ref>.</note> ins Gefecht eingegriffen. Es wäre doch eine gute Sache, wenn wir ihn in der <placeName ref="kbga-places-58">Schweiz</placeName> auch irgendwo auf einem Lehrpult niedersetzen könnten. — Von <persName ref="kbga-actors-275">Georg</persName> habe ich dieser Tage einen ganz ausführlichen Reisebericht<note xml:id="n24">Vielleicht Bericht über eine Reise nach Lodz und Posen; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-1663"><persName ref="kbga-actors-275">G. Merz</persName>, <hi rend="italic">Wege und Wandlungen …</hi>, a.a.O. (<ref type="pub" target="../volume/34/p024#fn_n24">S. 24, Anm. 24</ref>), S. 260.</bibl>
               </note> gelesen, den ich allerdings nicht von ihm selbst, sondern von <persName ref="kbga-actors-1092">Köberle</persName> zu lesen bekam: in altem Glanz wurde da ein Film erster Klasse entrollt, aber ach, was steht eigentlich dahinter? Wer kann leben von diesen an sich ja gescheiten Geschichtsbildern, Landschaftsbildern und Kuriosa — auch Georg <pb xml:id="p635" ed="pga"/> letztlich nicht, das spürt man mit geheimer Trauer seinem Erzählen an. Auch seine Muhme Rählen<note xml:id="n25">Siehe oben <ref type="pub" target="../volume/34/p204#fn_n29">S. 204, Anm. 29</ref>.</note> hat irgendwie ihre Frohnatur verloren und einen geheimen Knacks erhalten, der da und dort plötzlich hörbar wird. So etwa in der ausführlichen Schilderung seiner Gespräche mit seinem Freunde <persName ref="kbga-actors-1031">Theodor</persName> aus <placeName ref="kbga-places-8">Berlin</placeName><note xml:id="n26"><persName ref="kbga-actors-1031">Theodor Heckel</persName>.</note> oder mit <persName ref="kbga-actors-4">Paul Alth.</persName> aus <placeName ref="kbga-places-19">Erlangen</placeName>. Auch <persName ref="kbga-actors-275">Georg</persName> weiß zu viel, als daß er nicht inmitten aller dieser Gestalten irgendwo gründlich einsam wäre. Nur zugestehen will er es nicht! Der gleiche Ton klang auch aus einem im übrigen sehr guten Briefe von <persName ref="kbga-actors-688">Line</persName>, der an <persName ref="kbga-actors-1285">Marguerite</persName> ging. Und wie wollte es auch gehen, wenn die ehemaligen bayerischen Freunde Georgs, wie der schreckliche <persName ref="kbga-actors-691">Wolf</persName>, solche Wege gehen. Ich habe ihm auf den Bericht aus der Jenaer Zeitung von seiner Vorlesung<note xml:id="n27">Siehe oben <ref type="pub" target="#fn_n10">Anm. 10</ref>.</note> hin in einer plötzlichen Anwandlung heute den beiliegenden Brief<note xml:id="n28">Brief vom 18.5.1934 (Durchschlag im <orgName ref="kbga-actors-8253">Karl Barth-Archiv</orgName>). Zu <persName ref="kbga-actors-691">Meyer-Erlachs</persName> Antwort vgl. unten <ref type="pub" target="../volume/34/p657#fn_n05">S. 657, Anm. 5</ref>.</note> geschrieben — er wird viel helfen! O weh! Unterdessen ist dein <bibl corresp="kbga-bibls-1213">Heft 10</bibl><note xml:id="n29">Siehe oben <ref type="pub" target="../volume/34/p628#fn_n04">S. 628, Anm. 4</ref>.</note> eingetroffen. Alles, alles gut, so gut, daß man sich nur fragen muß: warum hören die es denn nicht! Und doch auch wieder gar nicht so fragen kann, denn es ist ja allzu klar, daß und warum sie es nun einmal nicht hören können.</p>
        <p>Was hast du wohl unserem Freund <persName ref="kbga-actors-63">Emil</persName> geantwortet auf seine Schrift hin? Hier zirkuliert folgende gute Geschichte: <persName ref="kbga-actors-1092">Köberle</persName> sagt zu deinem Schüler <persName ref="kbga-actors-7519">Walter</persName> aus <placeName ref="kbga-places-732">Liestal</placeName><note xml:id="n30">Vgl. oben <ref type="pub" target="../volume/34/p290#fn_n20">S. 290, Anm. 20</ref>.</note>: es sei doch eine gute Sache, daß Emil das aufgegriffen habe. Man müsse nur das Bild von <persName ref="kbga-actors-693">Michelangelo</persName> ansehen: Adams Erschaffung<note xml:id="n31">Fresko in der <placeName ref="kbga-places-1334">Sixtinischen Kapelle</placeName> im Vatikan.</note>, wie da <persName ref="kbga-actors-2144">Adam</persName>, wenn auch nur von ferne und nur ein ganz kleines Stücklein und ohne Gott zu erreichen wie aus einem Traume heraus, seine Hand ausstrecke: das sei die natürliche Theologie und ihre Anknüpfung. Worauf <persName ref="kbga-actors-7519">Walter</persName> prompt sagte: aber Herr Professor — das ist ja Adam <hi rend="italic">vor</hi> dem Fall! Nachher sieht’s auch bei Michelangelo anders aus! — jä so! Das hatte der gute Köberle bezeichnenderweise vergessen, den Sündenfall nämlich! Die Sache mit den Reformatoren und ihrer natürlichen Theologie solltest du vielleicht doch einmal von einem gewiegten Schüler darstellen lassen mit den nötigen Anmerkun<pb xml:id="p636" ed="pga" break="no"/>gen und Abgrenzungen. Denn darüber wird es noch lange nicht stille werden. Ebenso wäre eine gute kleine Untersuchung über die Stelle <ref type="can" subtype="bible" target="Röm.1.19">Röm. 1,19</ref>, vielleicht auch durch die Geschichte der Auslegung hindurch zu verfolgen, eine gute Sache. Etwas muß ich übrigens nachtragen: der kleine <persName ref="kbga-actors-968">Ellwein</persName> aus <placeName ref="kbga-places-43">München</placeName><note xml:id="n32"><persName ref="kbga-actors-968">Eduard Ellwein</persName>.</note> war kürzlich schnell hier — er ist völlig kleinlaut geworden und hat seine Ungehörigkeiten vom Oktober mir gegenüber sehr gründlich zurückgenommen. Er habe damals die Dinge noch nicht gesehen, wie er sie heute auch sehen müsse.</p>
        <p>Am kommenden Dienstag abend findet wieder eine Sitzung des Klubs um <persName ref="kbga-actors-23">Heiner</persName> statt. Und weil wir uns nun dem Katholizismus an Hand von <persName ref="kbga-actors-858">Adam</persName><note xml:id="n33">
                        <bibl corresp="kbga-bibls-7106"><persName ref="kbga-actors-858">K. Adam</persName>, <hi rend="italic">Das Wesen des Katholizismus</hi>, Düsseldorf
                            1924 (1927<hi rend="sup">4</hi>).</bibl>
                    </note> zuwenden wollen, wird dein Schüler Dr. <persName ref="kbga-actors-6944">Fehr</persName>, der immer noch in <placeName ref="kbga-places-448">Riehen</placeName> ist<note xml:id="n34"><persName ref="kbga-actors-6944">Jakob Fehr</persName>, der u. a.  1930 in Tübingen bei <persName ref="kbga-actors-858">Karl Adam</persName> studiert hatte, war von August 1933 bis Juli 1934 Vikar in Riehen bei Basel.</note>, aufgeboten und hat sein Erscheinen zugesagt. <persName ref="kbga-actors-23">Heiner</persName> befürchtet freilich, und vielleicht nicht ganz mit Unrecht, ein Auseinanderbrechen der Front zwischen ihm und mir am Punkte Kirche vor dem Feinde! Sehen wir zu. <persName ref="kbga-actors-5802">Fränzeli</persName> und Frl. <persName ref="kbga-actors-7426">S.</persName> sollen die Partie auch mitmachen dürfen.</p>
        <p><persName ref="kbga-actors-1285">Marguerite</persName> und ich — wir lernen auf Tod und Leben englisch. Die Sache rückt näher und näher mit den 12 Tagen <placeName ref="kbga-places-18">England</placeName><note xml:id="n35">D. h. mit der Reise nach <placeName ref="kbga-places-810">Aberdeen</placeName> (Schottland), s. oben <ref type="pub" target="../volume/34/p602#p602">S. 602</ref> und <ref type="pub" target="34176#fn_n11">S. 605 mit Anm. 11</ref>.</note>. Und am Pfingstmontag gedenken wir — wohl mit <persName ref="kbga-actors-5802">Fränzeli</persName> zusammen — aufs <placeName ref="kbga-places-100">Bergli</placeName> zu fahren. Denn der Chrysler ist unterdessen von seinem großen Bogen wieder heimgekehrt.<note xml:id="n36"><persName ref="kbga-actors-316">R.</persName> und <persName ref="kbga-actors-315">G. Pestalozzi</persName> hatten an den Aufenthalt mit <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> und <persName ref="kbga-actors-223">Ch. von Kirschbaum</persName> in <placeName ref="kbga-places-52">Paris</placeName> eine Reise über <placeName ref="kbga-places-35">Italien</placeName> nach <placeName ref="kbga-places-786">Afrika</placeName> angeschlossen; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-5973">R. Pestalozzi, <hi rend="italic">Fahrt nach Nordafrika …</hi>, a.a.O. (<ref type="pub" target="../volume/34/p624#fn_n01">S. 626, Anm. 1</ref>).</bibl>
               </note> Da werden wir Euer herzlich gedenken! Laß uns doch ja wissen, wie es mit euch weitergeht!! Sei mit <persName ref="kbga-actors-223">Lollo</persName> (nochmals ausdrücklichen Dank für den ganz exquisiten Pariserbericht! eine seltene Lust hast du uns damit bereitet!) und <persName ref="kbga-actors-26">Nelly</persName> (eigentlich müßte ich dir einen besonderen Brief schreiben für die <persName ref="kbga-actors-518">Dorothee</persName> unvergeßlichen Bonnertage! Wie viel Liebes und Gutes hast du ihr erwiesen! Es kam ganz bereichert und bewegt zurück und zehrt weiter und weiter davon!) herzlich gegrüßt! Die Studenten aus der <placeName ref="kbga-places-58">Schweiz</placeName> stellen hoffentlich ihren Mann. Ganz besonders möchte ich dir den jungen <pb xml:id="p637" ed="pga"/> <persName ref="kbga-actors-7452">Stickelberger</persName><note xml:id="n37"><persName ref="kbga-actors-7452">Emanuel Stickelberger</persName> (1912–1975), der später Rudolf genannte Sohn des Schriftstellers <persName ref="kbga-actors-7451">E. Stickelberger</persName>, studierte im SS 1934 in Bonn. Nach zwölfjähriger Tätigkeit als Pfarrer und Religionslehrer wechselte er zum Journalismus über und arbeitete in seinen letzten zehn Lebensjahren als Redakteur am Bundeshaus in Bern.</note> ans Herz legen. Ich halte ihn für eine gute Gestalt. Nicht nur darum, weil er mich am Zofingerkonzärli<note xml:id="n38">Siehe oben <ref type="pub" target="../volume/34/p366#fn_n14">S. 366f., Anm. 14</ref>.</note> — wie ich hörte — getreuestens nachgemacht habe (eine gewisse Bosheit liegt ihm offenbar im Blute), sondern weil er mir auch sonst anliegt. Es wäre nämlich ausgezeichnet, wenn ins Haus Stickelberger eine kleine Geheimmine gelegt werden könnte, die den jungreformierten Frontismus<note xml:id="n39">Die positive Stellung der schweizerischen «Jungreformierten» zur nationalsozialistischen Bewegung spiegelt sich in ihrem wöchentlich erscheinenden Organ wider; s. oben <ref type="pub" target="../volume/34/p040#fn_n08">S. 40, Anm. 8</ref>.</note> in die Luft sprengte, indem dieser Jüngling für die wahre Lehre gewonnen würde. Er sagte mir beim Abschied selber, was er von <placeName ref="kbga-places-10">Bonn</placeName> erwarte, das sei, daß es ihn endlich wirklich in die Theologie hineinnähme. Er ist ein immer noch etwas zuschauerhaft da und dort Herumriechender offenbar, hat das aber irgendwie selber satt. Wenn er etwa so gut gesattelt zurückkäme wie seinerzeit der junge <persName ref="kbga-actors-7519">Walter</persName> aus <placeName ref="kbga-places-732">Liestal</placeName>, so wäre das ein Segen für uns. Was macht wohl der wackere <persName ref="kbga-actors-6856">Walti Burckhardt</persName><note xml:id="n40"><persName ref="kbga-actors-6856">Walter Burckhardt</persName> (geb. 1912), Sohn von <persName ref="kbga-actors-938">Paul</persName> und <persName ref="kbga-actors-6855">Anna Burckhardt</persName>, seit 1931 Theologiestudent. Nach Studiensemestern in Basel (u. a.  bei <persName ref="kbga-actors-403">Thurneysen</persName>) und Bethel ging er im SS 1934 nach Bonn, um bei <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> zu hören. Ende 1934 kehrte er nach Basel zurück, wo er dann erneut bei <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> studierte; später 1940/1958 Pfarrer in Krinau (Kanton St. Gallen), 1958–1969 in Mitlödi (Kanton Glarus) und 1969–1977 in Weesen und Amden (Kanton St. Gallen).</note>? Seine Eltern segnen Bonn schon darum, weil es ihm offenbar gelungen ist, ordnungsgemäß in dein Seminar<note xml:id="n41">Im SS 1934 hielt <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> sein Seminar über «Die Theologie der Konkordienformel».</note> hineinzukommen, was den etwas an seinem Sohne zweifelnden und um ihn sorgenden Vater sichtlich gestärkt und erfreut hat.</p>
        <closer>
          <salute>Dein</salute>
          <signed><persName ref="kbga-actors-403">Eduard</persName></signed>
        </closer>
      <postscript>
        <p>Die Sache mit den Predigten — ich lege den Brief aus <placeName ref="kbga-places-62">Amerika</placeName> bei.<note xml:id="n42">Brief <persName ref="kbga-actors-7076">Homrighausens</persName> vom <date when="1934-02-05">5.2.1934</date> (Durchschlag im <orgName ref="kbga-actors-8253">Karl Barth-Archiv</orgName>); vgl. oben <ref type="pub" target="../volume/34/p603#fn_n01">S. 603, Anm. 1</ref>.</note> Ich habe <persName ref="kbga-actors-7076">H.</persName> geschrieben.<note xml:id="n43">Nicht erhalten.</note> Von dir kämen nur schon gedruckte Predig<pb xml:id="p638" ed="pga" break="no"/>ten in Betracht, von mir auch einige. Es sei unmöglich, nur frische Weggli<note xml:id="n44">= Brötchen.</note> essen zu wollen. So schlimm werde das mit der Verteuerung des Buches deswegen nicht werden. Könnte <persName ref="kbga-actors-223">Lollo</persName> herauskriegen, wie es mit den Verlegerrechten der Predigten aus den Biblischen Zeugnissen<note xml:id="n45">Folgende in die Sammlung <bibl corresp="kbga-bibls-7126"><hi rend="italic">God’s Search for Men</hi></bibl> übernommene Predigten <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> waren zuerst in «<orgName ref="kbga-actors-10835">Biblische Zeugnisse. Monatsblatt der Freunde des Heidelberger Katechismus</orgName>» erschienen: <bibl corresp="kbga-bibls-3867"><hi rend="italic"><ref type="pub-" target="31027">Der Anfang von oben</ref></hi> (Hebr. 4,14–16): Jg. 26 (1928), S. 161–168</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-3894"><hi rend="italic"><ref type="pub-" target="31028">Vom rechten Beten</ref></hi> (Ps. 80,20): Jg. 27 (1929), S. 1–8</bibl> (und in: <bibl corresp="kbga-bibls-7107">ZZ, Jg. 7 [1929], S. 109–116</bibl>); <bibl corresp="kbga-bibls-3874"><hi rend="italic"><ref type="pub-" target="31032">Es werden Zeichen geschehen</ref></hi> (Lk. 21,25–36): Jg. 28 (1930), S. 353–363</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-3868"><hi rend="italic"><ref type="pub-" target="31033">Der arme Lazarus</ref></hi> (Lk. 16,19–31): Jg. 29 (1931), S. 129–138</bibl> (und in: <bibl corresp="kbga-bibls-7108">ZZ, Jg. 9 [1931], S. 273–282</bibl>); <bibl corresp="kbga-bibls-3872"><hi rend="italic"><ref type="pub-" target="31034">Die Arbeiter im Weinberge</ref></hi> (Mt. 19,27-20,16): Jg. 30 (1932), S. 1–11</bibl> (und in: <bibl corresp="kbga-bibls-7109">ZZ, Jg. 10 [1932], S. 89–98</bibl>); <bibl corresp="kbga-bibls-7110"><hi rend="italic"><ref type="pub-" target="31036">Von Freude und Lindigkeit</ref></hi> (Phil. 4,4–5): Jg. 31 (1933), S. 1–10</bibl> (und in:<bibl corresp="kbga-bibls-3895"> ZZ, Jg. 11 [1933], S. 1–10</bibl>).</note> 
        steht? Und dann je ein Exemplar dieser Predigten besorgen. Dann würde ich die meinigen dazulegen. Und man könnte alles nach <placeName ref="kbga-places-43">München</placeName><note xml:id="n46">Dort wurde im <orgName ref="kbga-actors-631">Chr. Kaiser Verlag</orgName> <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> und <persName ref="kbga-actors-403">Thurneysens</persName> gemeinsame Predigtsammlung <bibl corresp="kbga-bibls-2217"><hi rend="italic">Die große Barmherzigkeit Gottes</hi>, München
                            <choice><sic ed="pga">1934</sic><corr type="misprint" resp="sm">1935</corr></choice></bibl>, vorbereitet.
               </note> und nach <placeName ref="kbga-places-62">Amerika</placeName> schicken. Ich nehme an, in Amerika würden sie dann gleichzeitig die übersetzen, die sie aus dieser Sendung haben wollen, und ein eigenes Buch daraus machen. Was bei <persName ref="kbga-actors-662">Lempp</persName> damit würde, müßten wir noch beraten.</p>
        <p>Die Mitteilungen von <persName ref="kbga-actors-223">Lollo</persName> betr. <persName ref="kbga-actors-5802">Fränzeli</persName><note xml:id="n47">Nicht erhalten.</note> sind eingetroffen; es wird alles so geregelt, wie es von Euch vorgeschlagen ist.</p>
              </postscript>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
