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        <title type="volume" n="vol-34">Karl Barth – Eduard Thurneysen. Briefwechsel Bd. III 1930–1935</title>
        <title type="content">Karl Barth an Eduard Thurneysen</title>
        <title type="citation_line_1">Karl Barth an Eduard Thurneysen, 20. Juli 1934</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/34194 (Stand: 2. Oktober 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Karl Barth – Eduard Thurneysen. Briefwechsel Bd. III 1930–1935, hrsg. v. Algner, Caren (Gesamtausgabe, Abt. V), Zürich 2000, S. 667–672.</title>
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        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
        <sponsor>Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW)</sponsor>
        <sponsor>Schweizerischer Nationalfonds (SNF)</sponsor>
        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
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        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
        <date when="2026">2026</date>
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        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
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          <title type="volume">Karl Barth – Eduard Thurneysen. Briefwechsel Bd. III 1930–1935</title>
          <title type="text">Karl Barth an Eduard Thurneysen</title>
          <author ref="kbga-actors-2151">Barth, Karl</author>
          <editor>Algner, Caren</editor>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
          <date type="publication">2000</date>
          <biblScope unit="page">Pp. 667-672</biblScope>
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        <!-- The first digital edition (data from xml and database) -->
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          <title type="edition">Princeton Barth Project edition</title>
          <title type="text">electronic edition of Karl Barth, Gesamtausgabe V.34, Karl Barth - Eduard Thurneysen Briefwechsel Band III 1930-1935, letter 185</title>
          <author ref="kbga-actors-2151">Barth, Karl</author>
          <editor>James R. Adair, Jr.</editor>
          <editor>Timothy J. Finney</editor>
          <editor>Christian Kelm</editor>
          <pubPlace>Princeton</pubPlace>
          <publisher>Alexander Street Press</publisher>
          <date type="publication">2001</date>
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        <bibl xml:id="A" type="source">A (Vorlage der Edition): Barth, Karl, Karl Barth an Eduard Thurneysen, 20. Juli 1934. <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/24246">KBA 9234.236</ref>. </bibl>
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          <persName ref="kbga-actors-403">Thurneysen, Eduard</persName>
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        <opener><persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName>
          <dateline> <date when="1934-07-20">20. Juli 1934</date>
               </dateline>
          <salute>Lieber <persName ref="kbga-actors-403">Eduard</persName>!</salute>
        </opener>
        <p>Ich denke, daß du inzwischen aufs Festland und in die gute Stadt <placeName ref="kbga-places-5">Basel</placeName> zurückgekehrt bist, gewiß bis zum Rande gefüllt mit merkwürdigen Eindrücken, und ich hoffe nur, daß ein eingehender Reisebericht aus deiner oder aus deiner Tochter <persName ref="kbga-actors-518">Dorothee</persName> Feder uns Zuhausegebliebene bald über Alles, was ihr getan und erlebt habt, unterrichten wird.<note xml:id="n01">Am <date when="1934-07-09">9.7.1934</date> war <persName ref="kbga-actors-403">Thurneysen</persName> — zusammen mit anderen — im Rahmen einer größeren Zeremonie in Marischal College, <placeName ref="kbga-places-810">Aberdeen</placeName>, die Ehrendoktorwürde verliehen worden (2 Eintrittskarten zur Feier, gedruckte Liste der Promovenden und Einladung zum «Luncheon» nach der Feier im <bibl corresp="kbga-bibls-6800">Nachlaß Thurneysen</bibl>). Begleitet wurde er nicht von seiner Tochter, sondern von seiner Frau. Ein Reisebericht ist nicht erhalten.</note>
            </p>
        <p>Diesmal muß ich dir in folgender Sache schreiben: Eben war der junge <persName ref="kbga-actors-7452">Stickelberger</persName> bei mir, um mir einen Brief seines <persName ref="kbga-actors-7451">Vaters</persName><note xml:id="n02"><persName ref="kbga-actors-7451">Emanuel Stickelberger</persName> (1884–1962), gelernter Kaufmann, Schriftsteller (Romane über Renaissance und Reformationszeit, darunter am bekanntesten: <bibl corresp="kbga-bibls-7141"><hi rend="italic">Calvin. Die verborgene Hand Gottes</hi> [Gesammelte Werke, Bd. III], Frauenfeld 
                        1951).</bibl>
               </note> vorzutragen, in welchem ihm dieser in einem ziemlich mudrigen<note xml:id="n03">= mißmutigen.</note> Ton in Aussicht stellt, er müsse im Winter in <placeName ref="kbga-places-82">Amsterdam</placeName> studieren bei den Kuyperschen, um 1. eine reformierte Kirche und Theologie des fremdsprachigen Auslands und 2. eine ganz andere Theologie als die meinige kennen zu lernen und 3. sich einen tüchtigen «Schulsack» anzuschaffen. Der Sohn, der lieber im Winter wieder hieher käme, ist darüber betrübt und bittet mich um meine Intervention, und zwar auf dem Weg über dich: du möchtest doch zu seinem Vater gehen und ihm begreiflich machen, daß das nicht gehe und daß jene Motive auf unrichtigen Voraussetzungen beruhen. Man könnte ihm nun in der Tat sagen: 
               <list type="ordered">
                        <item n="1"><pb xml:id="p668" ed="pga" rend="noPipe"/>  Daß er sich ziemlich sicher von dem Lehrreichtum der holländischen (auch von der französischen ist übrigens die Rede) Theologie falsche, nämlich wahrscheinlich an Hand seiner Vorstellungen vom 16. und 17. Jahrhundert romantische Bilder gemacht hat, unter denen der Junge jetzt nicht sollte leiden müssen. Denn nach meiner Kunde geht es in <placeName ref="kbga-places-514">Holland</placeName> sowohl wie in <placeName ref="kbga-places-21">Frankreich</placeName> im akademischen Betrieb ziemlich pennälerhaft zu, und speziell die Kuyperei dürfte kaum etwas sein, was sich gerade jetzt organisch in den Bildungsgang des jungen <persName ref="kbga-actors-7452">St.</persName> einfügt.</item>
                        <item n="2"> Die gewünschte Unabhängigkeit von mir verschafft er ihm sicher nicht damit, daß er ihn jetzt plötzlich, wo er nun einmal im Begriff steht, diesen Becher zu leeren, unterbricht und wegnimmt. Man müßte ihm warnend sagen, daß studentische Entwicklungen nun einmal ihren Lauf nehmen müssen. Ich bin seinerzeit durch ein mir aufgezwungenes Semester in <placeName ref="kbga-places-61">Tübingen</placeName> für längste Jahre gegen alle «positive» Theologie taub geworden.<note xml:id="n04">Zu <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> Eindrücken von dem WS 1907/08, das er auf Geheiß seines <persName ref="kbga-actors-21">Vaters</persName> in <placeName ref="kbga-places-61">Tübingen</placeName> zubrachte, vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-218">V.u.kl.A. 1905-1909, <ref type="pub-" target="../volume/21/p244#p244">S. 244f.</ref></bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-134">Busch, S. 54f.</bibl>
                     </note> Will er ihn gegen die Kuyperei verstocken, dann soll er ihn jetzt nur unter diesen Umständen dorthin schicken. Und andererseits wäre zu sagen, daß fatale Abhängigkeiten von akademischen Lehrern sich später im Amt umso sicherer zu korrigieren pflegen, wenn man die Leute ihre nun einmal gewählten Becher ruhig austrinken läßt. — Wahrscheinlich macht sich übrigens der alte <persName ref="kbga-actors-7451">St.</persName> auch ganz falsche Vorstellungen davon, wie es zwischen mir und meinen Studenten zugeht, auch von meiner «Einseitigkeit», wie es in dem Briefe hieß usw.</item>
                        <item n="3"> Er täuscht sich auch sicher, wenn er meint, daß hier nicht gearbeitet werde, so daß der «Schulsack» durchaus in <placeName ref="kbga-places-514">Holland</placeName> gefüllt werden müsse. Darüber wirst du ihn ja leicht belehren können, daß er uns da wirklich Unrecht tut.</item>
                    </list>
            </p>
        <p>Kannst und willst du etwas tun, um diese Sache in Ordnung zu bringen, so wäre das gut. Ich möchte das Gesuch des jungen <persName ref="kbga-actors-7452">St.</persName> jedenfalls hiemit empfehlend weitergegeben haben.</p>
        <p>In den letzten Tagen bin ich mit eingehendem Aufenthalt an der Schrift von <persName ref="kbga-actors-63">Emil Brunner</persName> vorbeigekommen in meiner Vorlesung.<note xml:id="n05">Die von <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> in seiner Dogmatikvorlesung vorgetragenen Ausführungen über <persName ref="kbga-actors-63">Brunners</persName> Streitschrift sind nicht erhalten. Sehr wahrscheinlich verwendete er sie — entsprechend <persName ref="kbga-actors-403">Thurneysens</persName> Vorschlag (s. unten <ref type="pub" target="../volume/34/p680#fn_n02">S. 680 bei Anm. 2</ref>) — bei der Erstellung seiner Broschüre <bibl corresp="kbga-bibls-3279"><hi rend="italic"><ref type="pub-" target="52023">Nein! Antwort an Emil Brunner</ref></hi> (s. <ref type="pub" target="#fn_n08">Anm. 8</ref>)</bibl>; doch ist dort zumindest der Abschnitt über <persName ref="kbga-actors-77">Calvin</persName> gegenüber der mündlich vorgetragenen Version verändert (gekürzt) (vgl. unten <ref type="pub" target="../volume/34/p755#fn_n07">S. 755, Anm. 7</ref>). Weiter ist anzunehmen, daß <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> den ausführlichen Exkurs zu <bibl corresp="kbga-bibls-141">«Natur und Gnade»</bibl> vor der Drucklegung des Vorlesungsmanuskriptes strich, weil er seine Stellung zu Brunner inzwischen in der zuvor erschienenen Schrift «Nein!» dargelegt hatte. Spuren der ursprünglichen Version finden sich möglicherweise noch in <bibl corresp="kbga-bibls-2">KD I/2, S. 287–289</bibl>, wo bestimmte Termini aus der Kontroverse zwischen Barth und Brunner (natürliche Theologie, Anknüpfungspunkt, Natur und Gnade) erscheinen, ohne daß jedoch der Gegner namentlich genannt ist.</note> Ich <pb xml:id="p669" ed="pga"/> hatte sie bis jetzt nur oberflächlich gelesen, nun aber von Seite zu Seite «geprüft», wie <persName ref="kbga-actors-27">Peter</persName> zu sagen pflegt, und bin zu dem eigentlich erschütternden Ergebnis gekommen, daß nichts, aber auch gar nichts ist an diesem Büchlein. Es ist im Ganzen und im Einzelnen erstaunlich salopp aufgezogen. Es bedeutet nicht einen Fortschritt, sondern einen Rückschritt nur schon an Klarheit gegenüber Emils früheren Äußerungen zu dieser Sache. Der systematische Teil — besonders die Geschichte mit der formalen und materialen imago<note xml:id="n06">«Meine Gegenthesen und ihre Begründung», in: <bibl corresp="kbga-bibls-141"><persName ref="kbga-actors-63">E. Brunner</persName>, <hi rend="italic">Natur und Gnade …</hi>, a.a.O. (<ref type="pub" target="34184#fn_n04">S. 629, Anm. 4</ref>), S. 22–36</bibl>; darin von der formalen und materialen imago: S. 10f. (<bibl corresp="kbga-bibls-6135">O.W. I, S. 339–352; darin S. 340f.</bibl>). <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> Exemplar enthält auf der letzten Umschlagseite, mit Datum vom <date when="1934-07-02">2.7.1934</date>, in seiner Handschrift 11 thesenartige Sätze, ein Zitat aus dem Deutschen Pfarrerblatt (aus einer zustimmenden Rezension) und eine Gliederung zu der Schrift.</note> — erinnert aufs schlimmste an die Geschichte von dem Swinegel und sine Fru<note xml:id="n07">Fabel, heute besser bekannt unter dem Namen «Der Hase und der Igel» (plattdeutsche Überlieferung bei den Brüdern <persName ref="kbga-actors-2031">Grimm</persName>). In <persName ref="kbga-actors-121">Th. Fontanes</persName> Lebenserinnerungen wird sie unter dem von <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> genannten Titel erzählt (<bibl corresp="kbga-bibls-7142"><hi rend="italic">Von Zwanzig bis Dreißig. Autobiographisches</hi>, Berlin
                            1898<hi rend="sup">2</hi>, S. 554f.</bibl>: «Geschichte vom ‹Swinegel un süne Fru›»).</note> und offenbart nur dies, daß Emil nun schnurstracks auf dem Weg zu einer <foreign xml:lang="lat">theologia naturalis <hi rend="italic">vulgaris</hi></foreign> ist, nachdem alle früheren Hemmungen auch noch weggefallen scheinen. Und endlich ist der Calvinabschnitt<note xml:id="n08"><bibl corresp="kbga-bibls-141">«Die reformatorische Lehre und ihr Gegensatz», a.a.O. (<ref type="pub" target="#fn_n06">Anm. 6</ref>), S. 22–36</bibl>; darin zu Calvin S. 22–31 (<bibl corresp="kbga-bibls-6135">O.W. I, S. 352–367</bibl>; darin zu Calvin S. 352–362). Vgl. dazu <bibl corresp="kbga-bibls-3279"><persName ref="kbga-actors-2151">K. Barth</persName>,<ref type="pub-" target="52023"> <hi rend="italic">Nein! Antwort an Emil Brunner</hi></ref> (ThExh 14), München 
                        1934, S. 32–45</bibl> (wieder abgedruckt in: <bibl corresp="kbga-bibls-1185">«Dialektische Theologie», S. 208–258</bibl>).</note> eine einzige Katastrophe, wie ich nicht nur aus eigenen Stichproben weiß, sondern 1. <persName ref="kbga-actors-27">Peter</persName><note xml:id="n09"><persName ref="kbga-actors-27">P. Barths</persName> negatives Prüfungsergebnis von <persName ref="kbga-actors-63">E. Brunners</persName> Calvin-Zitation steht auf einer Postkarte an <persName ref="kbga-actors-2151">K. Barth</persName> vom <ref type="kba-objects-id" target="24224">14.7.1934</ref>.</note> 
               <pb xml:id="p670" ed="pga"/> in <placeName ref="kbga-places-418">Madiswil</placeName>, 2. <persName ref="kbga-actors-932">Peter Brunner</persName><note xml:id="n10"><persName ref="kbga-actors-932">Peter Brunner</persName> (1900–1981), nach einem zweijährigen Studienaufenthalt in Boston und Cambridge (USA) 1927 bis zum Entzug der venia legendi Privatdozent in Gießen, daneben 1932–1936 Pfarrer im hessischen Ranstadt, 1936–1940 und 1945–1947 Dozent an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal, 1940–1947 Pastor der lutherischen Bekenntnisgemeinde Elberfeld, 1947–1968 Professor für Systematische Theologie in Heidelberg. — P. Brunner war seit seiner Dissertation als Calvin-Kenner ausgewiesen: <bibl corresp="kbga-bibls-1911"><hi rend="italic">Vom Glauben bei Calvin. Dargestellt auf Grund der Institutio, des Catechismus Genevensis und unter Heranziehung exegetischer und homiletischer Schriften</hi>, Tübingen
                            1925.</bibl>
               </note> in <placeName ref="kbga-places-24">Gießen</placeName>, 3. der jüngere <persName ref="kbga-actors-1549">Diem</persName><note xml:id="n11"><persName ref="kbga-actors-6608">Harald Diem</persName> (1913–1941), jüngerer Bruder von <persName ref="kbga-actors-1549">Hermann Diem</persName>, 1933 für zwei Semester Studium bei <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> und <persName ref="kbga-actors-431">E. Wolf</persName> in Bonn, nach seinem Examen 1935 bis 1938 Vikar in verschiedenen württembergischen Orten, dann bis zu seiner Einberufung 1939 Pfarrer in Talheim (Kreis Tübingen).</note> in <placeName ref="kbga-places-61">Tübingen</placeName> haben unabhängig voneinander die Sämtlichen von <persName ref="kbga-actors-63">Emil</persName> angeführten 126 Stellen kollationiert und gefunden, daß <persName ref="kbga-actors-77">Calvin</persName> einfach auf der ganzen Linie etwas ganz Anderes sagt, als was er nach Emils Text sagen müßte. Peter wird nun ein besonderes Heft über Calvin<note xml:id="n12">
                        <bibl corresp="kbga-bibls-7143"><persName ref="kbga-actors-27">P. Barth</persName>, <hi rend="italic">Das Problem der natürlichen Theologie bei Calvin</hi> (ThExh 18), München 
                        1935.</bibl> <persName ref="kbga-actors-2151">K. Barth</persName> hatte die Aufnahme dieser Arbeit in die Schriftenreihe angeregt, nachdem ihm sein Bruder Peter am <date when="1934-06-08"><ref type="kba-objects-id" target="24049">8.6.1934</ref></date> (Postkarte) geschrieben hatte, er wolle sich mit ihm «verständigen wegen der Abwehr von <bibl corresp="kbga-bibls-141"><persName ref="kbga-actors-63">Brunners</persName> ‹Natur und Gnade›</bibl>. Sie ist ja in der Hauptsache deine Sache. … Immerhin möchte ich dich bitten, <hi rend="italic">wenn</hi> du antworten wirst, in bezug auf <persName ref="kbga-actors-77">Calvin</persName> nicht zu viel zuzugeben, d. h. diese Seite der Sache <foreign xml:lang="lat">in suspenso</foreign> zu lassen. … Er [Brunner] bringt mit seiner Calvinauffassung auch Confusion in die ökumenische Auseinandersetzung und verwischt mir da alle Linien, die ich da vereint mit <persName ref="kbga-actors-431">Wolf</persName> und <persName ref="kbga-actors-352">Sasse</persName> bis dahin gezogen habe.» Er selbst könne zwar erst nach Oktober 1934 mit der Widerlegung von Brunners Calvininterpretation beginnen, «aber ich glaube, daß sie notwendig sein wird». Offenbar schlug <persName ref="kbga-actors-2151">K. Barth</persName> seinem Bruder daraufhin vor, die geplante Arbeit als <orgName ref="kbga-actors-10265">Existenz-Heft</orgName> zu veröffentlichen (Postkarte nicht erhalten), denn schon kurz darauf schrieb ihm P. Barth: «Es liegt mir sehr daran, diese Sache zurechtzustellen, und ich bin dir dankbar, daß du mir dafür ein <orgName ref="kbga-actors-10265">Heft der Theol. Existenz</orgName> zur Verfügung stellst» (Postkarte vom <date when="1934-06-14"><ref type="kba-objects-id" target="24083">14.6.1934</ref></date>). Vgl. dazu auch <bibl corresp="kbga-bibls-3279"><persName ref="kbga-actors-2151">K. Barth</persName>, <ref type="pub-" target="52023">Nein! …</ref>, a.a.O., S. 36f.41</bibl> (bzw. in:<bibl corresp="kbga-bibls-1185"> «Dialektische Theologie», SS. 235.239</bibl>).
               </note> als Parallele zu dem von <persName ref="kbga-actors-431">Wolf</persName> über <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName><note xml:id="n13">
                        <bibl corresp="kbga-bibls-1209"><persName ref="kbga-actors-431">E. Wolf</persName>, <hi rend="italic">Martin Luther, das Evangelium und die Religion</hi> (ThExh 6), München 
                        1934.</bibl>
                    </note> schreiben, in dem das alles an den Tag kommen wird. Aber auch Pet. Brunner wird seine Ergebnisse veröffentlichen<note xml:id="n14">
                        <bibl corresp="kbga-bibls-7145"><persName ref="kbga-actors-932">P. Brunner</persName>, <hi rend="italic">Allgemeine und besondere Offenbarung in Calvins Institutio</hi>, in: EvTh, Jg. 1 (1934/35), S. 189–215</bibl>; danach (a.a.O., S. 215f.) eine inhaltlich anschließende Anmerkung <persName ref="kbga-actors-431">E. Wolfs</persName> über <bibl corresp="kbga-bibls-141"><persName ref="kbga-actors-63">Brunners</persName> «Natur und Gnade»</bibl>.</note>, und dann komme erst noch ich mit meiner, wie es <pb xml:id="p671" ed="pga"/> scheint, von vielen Seiten immer dringlicher erwarteten Antwort, die auch nicht anders als blutig wird rasieren können. Kurz, der gute <persName ref="kbga-actors-63">Emil</persName> ahnt gar nicht, <hi rend="italic">wie</hi> viel besser er gerade diesmal getan hätte zu schweigen und was für ein Gewitter sich nun eben über seinem Haupte zusammenzieht. Die ganzen und halben <orgName ref="kbga-actors-8309">D. C.</orgName> hier in <placeName ref="kbga-places-151">Deutschland</placeName> (<placeName ref="kbga-places-61">Tübingen</placeName>, <placeName ref="kbga-places-19">Erlangen</placeName>!!) jubeln überall geradezu, wie gut er es mir gegeben habe<note xml:id="n15">In der «zornigen Einleitung» zu seiner Schrift «<bibl corresp="kbga-bibls-3279"><ref type="pub-" target="52023">Nein!</ref></bibl>» spricht <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> vom lauten Beifall von <persName ref="kbga-actors-978">K. Fezer</persName>, <persName ref="kbga-actors-4">P. Althaus</persName> «und all den anderen halben oder dreiviertels ‹<orgName ref="kbga-actors-8309">Deutschen Christen</orgName>›» zu <persName ref="kbga-actors-63">Brunners</persName> Schrift (<bibl corresp="kbga-bibls-3279">a.a.O., S. 8f.</bibl>, bzw. in: <bibl corresp="kbga-bibls-1185">«Dialektische Theologie», S. 212</bibl>). Althaus beendete seine kurze Rezension von «<bibl corresp="kbga-bibls-141">Natur und Gnade</bibl>», die in der <bibl corresp="kbga-bibls-7146">Rubrik «Zeitschriften- und Bücherbericht» in: Luthertum, Jg. 1 (= Neue Folge der Neuen Kirchlichen Zeitschrift, Jg. 45) (1934), S. 223</bibl>, erschien, mit dem Satz: «In einer Stunde, da ein Teil des deutschen Luthertums den Thesen Karl Barths erliegt, begrüßen wir das Wort des reformierten Brunner gegen <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> mit besonderer Freude.» (Eine Rezension von Fezer konnte nicht nachgewiesen werden. Auch den Namen <persName ref="kbga-actors-1953">O. Webers</persName> erwähnte <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> in diesem Zusammenhang, weil er ihm irrtümlich eine mit W. gezeichnete Rezension zuschrieb; Richtigstellung im <ref type="pub" target="52029">Vorwort</ref> zu <bibl corresp="kbga-bibls-5605"><persName ref="kbga-actors-2151">K. Barth</persName>, <hi rend="italic">Drei Predigten</hi> [ThExh 17], München 
                        1934, S. 3.</bibl>)</note>, das Berliner <orgName ref="kbga-actors-10298">Protestantenblatt</orgName> gleichfalls<note xml:id="n16">
                        <bibl corresp="kbga-bibls-7148"><persName ref="kbga-actors-7409">W. Schubring</persName>, <hi rend="italic">Gegen die Grundlagen der Barthschen Theologie</hi>, in: PrBl, Jg. 67 (1934), Nr. 22 vom 27.5.1934, Sp. 339–341.</bibl> Schubring schließt seinen Artikel, unter Verwendung eines Zitates von <persName ref="kbga-actors-63">E. Brunner</persName>: «‹Die Kirche darf nicht von einem Extrem ins andere geworfen werden. Die Kirche verträgt auf die Dauer die Ablehnung der <foreign xml:lang="lat">theologia naturalis</foreign> ebenso wenig als ihren falschen Gebrauch.› Das heißt: die Kirche verträgt ebenso wenig <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> wie die <orgName ref="kbga-actors-8309">Deutschen Christen</orgName>. Das ist auch unsere Meinung, und das ist darum unsere Aufgabe: die Wahrheit zu suchen und zu verkünden, die oberhalb dieser Gegensätze liegt.»</note>, alle natürlich ohne zu wissen, was da nur schon hinsichtlich <persName ref="kbga-actors-77">Calvins</persName> für ein wissenschaftliches Loch vorhanden ist. Emil hätte sich das einfach nicht leisten dürfen. Die «Führung»<note xml:id="n17">Vgl. das Kapitel «Führung durch den Geist» von <bibl corresp="kbga-bibls-226"><persName ref="kbga-actors-63">E. Brunners</persName> Schrift
                            <hi rend="italic">Die Kirchen, die Gruppenbewegung und die Kirche Jesu Christi</hi>, Berlin
                            1936, S. 39f.</bibl> <persName ref="kbga-actors-403">Thurneysen</persName> selbst hatte im April 1933 einen Vortrag über diese Lehre der <orgName ref="kbga-actors-10644">Oxford-Gruppenbewegung</orgName> gehalten; s. oben <ref type="pub" target="../volume/34/p490#fn_n12">S. 490, Anm. 12</ref>.</note>, deren er doch teilhaftig zu sein meint, scheint glatt versagt zu haben.</p>
        <p>Über alles Andere nun bald mündlich. <persName ref="kbga-actors-26">Nelly</persName> fährt mit den zwei Jüngsten am kommenden Freitag.<note xml:id="n18"><persName ref="kbga-actors-26">Nelly Barth</persName> reiste am 27./28.7.1934 über <placeName ref="kbga-places-5">Basel</placeName> nach <placeName ref="kbga-places-101">Adelboden</placeName>, wo auch <persName ref="kbga-actors-403">Thurneysens</persName> ihren Sommerurlaub verbrachten.</note> <persName ref="kbga-actors-223">Lollo</persName> und ich folgen dann am Mittwoch den 1. August. — Wolf und Lollo sind nun in ihrem Reitkurs eben so weit, daß sie sich morgen dem schweizerischen Reiterzug an<pb xml:id="p672" ed="pga" break="no"/>schließen können, der alle Samstage, oft unter Absingung vaterländischer Gesänge, durch die umliegenden Wälder reitet. Die starke Gruppe von Schweizern, die jetzt hier ist, erinnert mich durch die Unentwegtheit ihres Auftretens sehr an unser eigenes damals in <placeName ref="kbga-places-41">Marburg</placeName>.<note xml:id="n19">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-134">Busch, S. 61f.</bibl></note> Aber sie scheinen mir auch alle fleißig und in gutem Zug zu sein. Ganz <hi rend="italic">unheimlich</hi> kommt aber mit der kleine heidnische Japaner, der jeden Morgen unmittelbar vor mir sitzt, Alles in sich hineingehen läßt und am offenen Abend<note xml:id="n20">Thema unbekannt.</note> durch gescheite Fragen verrät, wie sehr seine asiatische Seele kapiert, was los ist (z. B. auch, daß es mit dem Anknüpfungspunkt nichts ist! — er ist das lebendige Gegenbeispiel).</p>
        <p>Ich schicke dir hier ein Bild<note xml:id="n21">Nicht erhalten.</note> aus der Vorlesung, das der junge <persName ref="kbga-actors-7452">Stickelberger</persName> aufzunehmen sich erlaubt hat.</p>
        <closer>
          <salute>1000 Grüße! Es ist herrlich, daß die Ferien nahen, obwohl sie allerlei
Vortragssorgen<note xml:id="n22">Siehe unten <ref type="pub" target="../volume/34/p684#fn_n14">S. 684, Anm. 14</ref>, und <ref type="pub" target="../volume/34/p691#fn_n04">S. 691, Anm. 4</ref>.</note>
                         bringen werden.</salute>
          <salute>Dein</salute>
          <signed><persName ref="kbga-actors-2151">Karl</persName></signed>
        </closer>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
