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        <title type="volume" n="vol-34">Karl Barth – Eduard Thurneysen. Briefwechsel Bd. III 1930–1935</title>
        <title type="content">Eduard Thurneysen an Karl Barth</title>
        <title type="citation_line_1">Eduard Thurneysen an Karl Barth, 15. August 1934</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/34198 (Stand: 2. Oktober 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Karl Barth – Eduard Thurneysen. Briefwechsel Bd. III 1930–1935, hrsg. v. Algner, Caren (Gesamtausgabe, Abt. V), Zürich 2000, S. 679–685.</title>
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        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
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        <sponsor>Schweizerischer Nationalfonds (SNF)</sponsor>
        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
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        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
        <date when="2026">2026</date>
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        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
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          <title type="volume">Karl Barth – Eduard Thurneysen. Briefwechsel Bd. III 1930–1935</title>
          <title type="text">Eduard Thurneysen an Karl Barth</title>
          <author ref="kbga-actors-403">Thurneysen, Eduard</author>
          <editor>Algner, Caren</editor>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
          <date type="publication">2000</date>
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          <title type="edition">Princeton Barth Project edition</title>
          <title type="text">electronic edition of Karl Barth, Gesamtausgabe V.34, Karl Barth - Eduard Thurneysen Briefwechsel Band III 1930-1935, letter 189</title>
          <author ref="kbga-actors-403">Thurneysen, Eduard</author>
          <editor>James R. Adair, Jr.</editor>
          <editor>Timothy J. Finney</editor>
          <editor>Christian Kelm</editor>
          <pubPlace>Princeton</pubPlace>
          <publisher>Alexander Street Press</publisher>
          <date type="publication">2001</date>
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        <bibl xml:id="A" type="source">A (Vorlage der Edition): Thurneysen, Eduard, Eduard Thurneysen an Karl Barth, 15. August 1934. <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/24392">KBA 9370.729</ref>. </bibl>
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               <salute>Lieber <persName ref="kbga-actors-2151">Karl</persName>,</salute></opener>
        <p>Nun bin ich auch bereits seit mehr als einer Woche in das dir wohlbekannte Klossnerhaus eingerückt und sitze bei gutem Wetter auf jener Laube, auf der dein <bibl corresp="kbga-bibls-46">Anselmbuch</bibl> unter ernsten und schwierigen Studien entstanden ist. Ich habe ein unverhältnismäßig kleineres Opus fertiggestellt, indem ich meine Unterrichtssätze druckfertig gemacht habe.<note xml:id="n01">Das «Opus» wurde nicht veröffentlicht (Manuskript nicht erhalten). Anscheinend veranlaßte <persName ref="kbga-actors-403">Thurneysen</persName> (auch?) <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> bei einem Gespräch auf dem <placeName ref="kbga-places-100">Bergli</placeName> geäußerte Kritik (s. unten <ref type="pub" target="../volume/34/p691#p691">S. 691</ref>) dazu, von der Veröffentlichung Abstand zu nehmen.</note> Ich sollte schon aus praktischen Gründen diese Sätze endlich in die Presse gehen lassen. Aber vielleicht tragen sie auch abgesehen davon das ihre dazu bei, daß da und dort ein etwas besinnlicherer Unterricht erteilt werden kann. Ich möchte dich aber dringend bitten, dir die Mühe zu nehmen und sie einmal rasch durchzusehen und mir zu sagen, ob sie dir ein wenig einleuchtend vorkommen, oder ob ich sie nur ganz im <pb xml:id="p680" ed="pga"/> Verborgenen für meinen eigenen Gebrauch drucken lassen kann und soll. Auch falls du im Einzelnen Ungeschütztes oder theologisch nicht zu Verantwortendes entdeckst und Abänderungen oder Ergänzungen für nötig hältst, so weißt du, wie dankbar ich wäre, wenn du sie mir mitteilen wolltest. Ich habe mit <persName ref="kbga-actors-662">Lempp</persName> noch nicht verhandelt, sondern will es erst tun, wenn ich deine Antwort habe. Ich mache dir nun Mühe mit diesem Anliegen, aber du wirst sie mir wohl willig widmen. An wen sonst sollte ich mich auch wenden zur Kontrolle? Nimm im voraus allen Dank!</p>
        <p>Unterdessen bin ich in deine Dogmatik eingedrungen und habe die <persName ref="kbga-actors-63">Brunner</persName>sache vor allem genau durchgegangen.<note xml:id="n02">Manuskript von <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> Dogmatikvorlesung aus dem beendeten SS 1934; s. oben <ref type="pub" target="../volume/34/p668#fn_n05">S. 668f., Anm. 5</ref>.</note> Ich finde deine Auseinandersetzung mit ihm Wort für Wort schlagend, ausgezeichnet und dringend notwendig. Laß doch das hier Gesagte mit wenig Erweiterungen als deine Antwort an <persName ref="kbga-actors-63">Emil</persName> ausgehen. Das muß in der Tat sein. Es ist auch im Habitus der Anrede, des schmerzlichen Erstaunens und dringlich-freundlichen Zuredens an Emilen das rechte Wort. Ach Emil! Es ist mir aufs neue klar geworden, daß es irgendwie das Marburger Gespräch ist, das hier aufs neue aufbricht.<note xml:id="n03">Im Marburger Religionsgespräch am <date from="1529-10-01" to="1529-10-04">1.-4.10.1529</date> scheiterte der Versuch einer theologischen Einigung der deutschen lutherischen Theologen (<persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName>, <persName ref="kbga-actors-272">Melanchthon</persName> u. a. ) mit den Schweizern <persName ref="kbga-actors-443">Zwingli</persName> und <persName ref="kbga-actors-711">Oekolampad</persName> an der Abendmahlsfrage. Möglicherweise spielt die Briefstelle zugleich auf das Gespräch am <date when="1934-01-24">24.1.1934</date> in <placeName ref="kbga-places-8">Berlin</placeName> (s. oben <ref type="pub" target="../volume/34/p590#fn_n04">S. 590 bei und mit Anm. 4</ref>) an, in dem <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> <persName ref="kbga-actors-978">Fezer</persName> — wie in <placeName ref="kbga-places-41">Marburg</placeName> <date when="1529">1529</date> Luther <persName ref="kbga-actors-66">Bucer</persName> — zurief: «Ihr habt einen anderen Geist».</note> Emil ist einfach der ostschweizerische Humanist, der das eigentliche Geheimnis nicht sehen kann. Ob er durch deine unbeirrbar aus der Sache heraus auf ihn treffende Gegenrede nicht doch noch ein wenig zur Besinnung und zum Hören kommen wird? Er scheint allerdings zunächst wenigstens von außen gesehen seiner Sache so sicher wie die Russen bei <placeName ref="kbga-places-972">Tannenberg</placeName> zu sein, bis …<note xml:id="n04">Die ihren Gegnern zahlenmäßig weit überlegene russische 2. Armee wurde in der Schlacht bei <placeName ref="kbga-places-972">Tannenberg</placeName> (vgl. oben <ref type="pub" target="../volume/34/p540#fn_n02">S. 540, Anm. 2</ref>) von deutschen Truppen besiegt, die sich nach einer abgebrochenen Schlacht gegen die russische 1. Armee auf dem Rückzug befanden. Die Niederlage, bei der 92 000 Russen in deutsche Kriegsgefangenschaft gerieten, verursachte auf russischer Seite einen tiefen Schock.</note> Doch will ich dich damit wirklich nicht mit dem unglückseligen <persName ref="kbga-actors-1047">Hindenburg</persName> gleichsetzen! Beileibe nicht!</p>
       
        <p> <pb xml:id="p681" ed="pga" rend="noPipe"/> Die deutsche Lage! Ich habe allerlei Nachrichten durch <persName ref="kbga-actors-157">Hartenstein</persName>, der bis heute hier ist. Eigentlich Wichtiges weiß er freilich auch nicht. Die Bekenntnisfront des Südens war gestern in <placeName ref="kbga-places-645">Augsburg</placeName> zusammen, um die Lage zu beraten auch mit denen aus <placeName ref="kbga-places-289">Preußen</placeName>.<note xml:id="n05">Durch die von der <orgName ref="kbga-actors-8629">Nationalsynode</orgName> am <date when="1934-08-09">9.8.1934</date> in <placeName ref="kbga-places-8">Berlin</placeName> beschlossenen Kirchengesetze «über die Leitung der <orgName ref="kbga-actors-8262">Deutschen Evangelischen Kirche</orgName> und der Landeskirchen» und «über die Rechtmäßigkeit von gesetzlichen und Verwaltungsmaßnahmen», die der Reichskirchenleitung die uneingeschränkte legislative und judikative Vollmacht auf landeskirchlicher Ebene verschafften, waren die der Bekennenden Kirche nahestehenden Kirchenleitungen von der Gleichschaltung bedroht. Vertreter der württembergischen und bayerischen Kirchen bekräftigten bei einem Treffen am <date when="1934-08-13">13(!).8.1934</date> in <placeName ref="kbga-places-645">Augsburg</placeName> dennoch mehrheitlich ihre oppositionelle Haltung. (Über eine Beteiligung preußischer bekenntniskirchlicher Vertreter an dieser Begegnung oder über ein separates Treffen an dem von <persName ref="kbga-actors-403">Thurneysen</persName> genannten 14.8. ließ sich nichts ermitteln.) In einer Eingabe an <persName ref="kbga-actors-185">Hitler</persName> vom <date when="1934-08-14">14.8.</date> stellten die Bischöfe <persName ref="kbga-actors-271">Meiser</persName> und <persName ref="kbga-actors-434">Wurm</persName> ihre Beurteilung der reichskirchlichen Politik, wie sie sich auf der Nationalsynode wieder gezeigt habe, dar und baten ihn um staatliche Unterstützung zur Beendigung der untragbaren Verhältnisse. Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-5966">G. K. Schäfer, <hi rend="italic">Die evangelische Landeskirche …</hi>, Bd. III, a.a.O. (<ref type="pub" target="../volume/34/p610#fn_n11">S. 610, Anm. 11</ref>), S. 499–502</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-176">Scholder II, S. 285f.</bibl>; Gesetzestexte in: <bibl corresp="kbga-bibls-1266">KJ, Jg. 60-71 (1933–1944), S. 70f.</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-7150"><persName ref="kbga-actors-1095">W. Kolfhaus</persName>, <hi rend="italic">Die neuen Gesetze der Reichskirchenregierung</hi>, in: RKZ, Jg. 84 (1934), S. 271f.</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-169">Gauger II, S. 276.278f. (dort Bericht über die Synode S. 273–280)</bibl>; Leitungsgesetz auch in: <bibl corresp="kbga-bibls-6746">Michaelis/Schraepler, S. 613f.</bibl>
               </note> Es scheint eine große Erbitterung in ihren Reihen zu herrschen, und sie wollen jedenfalls sich nichts bieten lassen. Aber wie soll und wird alles weitergehen? Hoffentlich mußt du nicht deine Ferien abbrechen und plötzlich wieder hinausreisen. Tu’s ja nicht! Über die politische Lage lege ich dir den merkwürdigen Artikel bei, den <persName ref="kbga-actors-712">Oeri</persName> seinerzeit nach <persName ref="kbga-actors-1047">Hindenburgs</persName> Tod geschrieben und dann wohl aus Angst vor seiner eigenen Courage wieder zurückgezogen hat<note xml:id="n06"><persName ref="kbga-actors-1047">Hindenburg</persName> war am <date when="1934-08-02">2.8.1934</date> auf Burg Neudeck gestorben. Zu diesem Anlaß erschien ein Extrablatt der <orgName ref="kbga-actors-5804">Basler Nachrichten</orgName> mit einem Artikel <bibl corresp="kbga-bibls-7151"><persName ref="kbga-actors-712">A. Oeris</persName> auf der Titelseite: <hi rend="italic">Um die Nachfolgefrage</hi> (Ausgabe vormittags 10 1/2 Uhr vom <date when="1934-08-02">2.8.1934</date>)</bibl>. Entgegen den üblichen Gepflogenheiten wurde Oeris Artikel in der regulären Ausgabe nicht erneut abgedruckt, sondern durch einen anderen Artikel ersetzt (<bibl corresp="kbga-bibls-7152">H., <hi rend="italic">Schicksalsstunde</hi> [Tagesbericht], in: BN, Jg. 90 [1934], Nr. 208 vom 2.8.1934</bibl>). Auf die darauf erfolgte Reaktion der <orgName ref="kbga-actors-2669">Nationalzeitung</orgName> (s. <ref type="pub" target="#fn_n07">Anm. 7</ref>) erklärte Oeri, der erste Artikel sei durch die Bekanntgabe der Entscheidung <persName ref="kbga-actors-185">Hitlers</persName>, neben seinem Amt als Reichskanzler künftig auch das des Reichspräsidenten (als «Führer») zu übernehmen, bereits vor dem Druck der regulären Ausgabe überholt gewesen und hätte deshalb durch einen anderen Artikel ersetzt werden müssen; vgl. in der Rubrik «Briefkasten der Redaktion» <bibl corresp="kbga-bibls-7153">[A.] O[eri], <hi rend="italic">An einen Leser der ‹National-Zeitung›</hi>, in: BN, Jg. 90 (1934), Nr. 215 vom 9.8.1934.</bibl> — In seinem Leitartikel zum Extrablatt der <orgName ref="kbga-actors-5804">Basler Nachrichten</orgName> stellte Oeri die Hintergründe und Zusammenhänge des «<persName ref="kbga-actors-3482">Röhm</persName>-Putsches» (s. unten <ref type="pub" target="../volume/34/p807#fn_n41">S. 807f., Anm. 41</ref>) mit <persName ref="kbga-actors-1047">Hindenburgs</persName> Plänen für seine Nachfolge dar, wie sie aus seit dem <date when="1934-06-30">30.6.1934</date> in <placeName ref="kbga-places-8">Berlin</placeName> umlaufenden Gerüchten hervorgehen würden. Demnach habe der vorzeitig bekanntgewordene Wunsch <persName ref="kbga-actors-1047">Hindenburgs</persName>, mit Hilfe der Reichswehr <persName ref="kbga-actors-3432">von Papen</persName> als seinen Nachfolger durchzusetzen, <persName ref="kbga-actors-185">Hitler</persName> zur Planung einer «Säuberung der <orgName ref="kbga-actors-8360">S.A.</orgName>» veranlaßt, um die Reichswehr auf seine Seite zu ziehen und von Papen damit auszuschalten. <persName ref="kbga-actors-3482">Röhm</persName> habe die Bedrohung erkannt und am <date when="1934-06-30">30.6.</date> übereilt «sein dilettantisches Komplott» ausgeführt. Dessen Niederschlagung hätte zwar für <persName ref="kbga-actors-185">Hitler</persName> einen Erfolg bedeutet; eine wirkliche Versöhnung von Reichswehr und Kanzler sei jedoch durch die von <persName ref="kbga-actors-5705">Göring</persName> eigenmächtig veranlaßten Morde prominenter konservativer Politiker verhindert worden. Die Ermordung von Papens habe die Reichswehr verhindert.</note>, so daß ihn die <orgName ref="kbga-actors-2669">Nationalzeitung</orgName> nachträglich <pb xml:id="p682" ed="pga"/> aufgriff<note xml:id="n07">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-7154">Ko., <hi rend="italic">Gerüchte um Hindenburgs politisches Testament</hi>, in: NZ, Jg. 92 (1934), Nr. 360 vom 8.8.1934, S. 1f.</bibl> Nach Einschätzung des Verfassers hatte <persName ref="kbga-actors-1047">Hindenburgs</persName> Mangel an politischem Weitblick u. a.  zu seiner «<hi rend="italic">Kapitulation vor <persName ref="kbga-actors-185">Hitler</persName></hi>» am <date when="1933-01-30">30.1.1933</date> geführt. Die deutsche Regierung habe daher «allen Anlaß, eine Besinnung auf die letzten verantwortlichen Entscheidungen des Gefeierten und ihre Folgen nicht im Detail aufkommen zu lassen». Im Sinne eines «unbefangenen Urteils über Einsicht und Erlebnisweise des alten Herrn» seien deshalb nähere Kenntnisse über seine Vorstellungen in bezug auf seine eigene Nachfolge interessant. In dieser Hinsicht sei der Artikel aus dem Extrablatt der <orgName ref="kbga-actors-5804">Basler Nachrichten</orgName> vom <date when="1934-08-02">2.8.</date> (s. <ref type="pub" target="#fn_n06">Anm. 6</ref>) aufschlußreich. Sollte dieser tatsächlich die wahren Hintergründe der nachträglich zur legitimen «Staatsnotwehr» erklärten Ereignisse aufdecken, dann wäre in einem solchen Staat «schlechterdings alles möglich. … Jedenfalls gibt der aufschlußreiche Artikel, den einer unvollständigen und zufälligen Publizität zu entreißen wir uns verpflichtet fühlten, beachtliche Urteilsgrundlagen über die Hintergründe und Machtspannungen hinter der vom Propagandaministerium aufrecht erhaltenen Fassade des <orgName ref="kbga-actors-8323">Dritten Reichs</orgName>, über dessen Verewigung das deutsche Volk am <date when="1934-08-19">19. August</date> entscheiden soll.»</note>. Haben diese Kombinationen nicht sehr viel für sich? Aber gerade wenn etwas daran sein sollte, wie trostlos ist nachträglich wieder alles, alles verbaut durch <persName ref="kbga-actors-185">Hitlers</persName> Verrücktheit! Du wirst dir auch deine Gedanken gemacht haben in diesen Tagen über die deutsche und eure eigene Zukunft. Den Eid auf <persName ref="kbga-actors-185">Hitler</persName> — wer mag und kann den leisten in der Kirche!<note xml:id="n08">Das am <date when="1934-08-09">9.8.1934</date> von der <orgName ref="kbga-actors-8629">Nationalsynode</orgName> beschlossene «Kirchengesetz über den Diensteid der Geistlichen und Beamten» sah für alle Geistlichen verpflichtend den Eid auf die Person <persName ref="kbga-actors-185">Hitlers</persName> vor und verknüpfte den Treueeid auf den Staat mit einem auf die Kirchenleitung. <persName ref="kbga-actors-184">E. Hirsch</persName>, der «entscheidende theologische Berater <persName ref="kbga-actors-289">Müllers</persName> und <persName ref="kbga-actors-6439">Jägers</persName> für die Synode», hat die Formulierung des Eides sicherlich beeinflußt, vielleicht sogar mitverfaßt (<bibl corresp="kbga-bibls-6189">H. Assel, «<hi rend="italic">Barth ist entlassen …</hi>» …, a.a.O. [<ref type="pub" target="../volume/34/p628#fn_n01">S. 628, Anm. 1</ref>], S. 452–455; Zitat dort S. 452</bibl>). Abdruck des Gesetzes bei <bibl corresp="kbga-bibls-493">Schmidt 1934, S. 128</bibl>, und <bibl corresp="kbga-bibls-169">Gauger II, S. 278</bibl>; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-176">Scholder II, S. 286f.</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-239">Meier I, S. 216f.</bibl>
               </note>
            </p>
       
        <p> <pb xml:id="p683" ed="pga" rend="noPipe"/> Hast du das Pamphlet <persName ref="kbga-actors-5356">Stapels</persName> gegen dich gesehen «Volkskirche oder Sekte»<note xml:id="n09">
                        <bibl corresp="kbga-bibls-7155"><persName ref="kbga-actors-5356">W. Stapel</persName>, <hi rend="italic">Die Verdammenden und die Verdammten</hi>, in: ders., <hi rend="italic">Volkskirche oder Sekte?</hi>, Hamburg
                            1934, S. 7–18</bibl> (zuvor separat erschienen in: <bibl corresp="kbga-bibls-7156"><hi rend="italic">Kirche und Volkstum in Niedersachsen</hi>, Jg. 2 [1934], S. 149–151</bibl>). «Ich wurde von verschiedenen Seiten ein ‹Irrlehrer› genannt. Obwohl das unter Christen ein schwerer Vorwurf ist, fühlte ich mich dadurch im Gewissen nicht bedrückt. Wie kam das? Um mir darüber Rechenschaft zu geben, schrieb ich die Auseinandersetzung mit <persName ref="kbga-actors-300">Niemöller</persName> und <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName>, die das erste Kapitel dieser Schrift bildet» (<bibl corresp="kbga-bibls-7157">Vorwort in: <hi rend="italic">Die Verdammenden …</hi>, a.a.O., S. 5</bibl>). Vgl. oben <ref type="pub" target="../volume/34/p628#fn_n01">S. 628, Anm. 1</ref>.</note>? Ein grauenhafter Kerl, dieser Freund <persName ref="kbga-actors-137">Friedrichs</persName><note xml:id="n10"><persName ref="kbga-actors-137">Gogarten</persName> war kein persönlicher Freund <persName ref="kbga-actors-5356">Stapels</persName> (telephonische Auskunft von Dozent und Pfr. i. R. H. G. Göckenitz vom 27.10.1999); für die dreißiger Jahre lassen sich jedoch Kontakte und eine Übereinstimmung literarisch nachweisen: In seinem Aufsatz <bibl corresp="kbga-bibls-7158"><hi rend="italic">Luthers Lehre von der Oberkeit</hi> (in: Deutsches Volkstum. Halbmonatsschrift für das deutsche Geistesleben, Jg. 12 [1930], S. 679–691; dort S. 678</bibl>) dankte Stapel Gogarten für seinen Hinweis auf eine Psalmenauslegung <persName ref="kbga-actors-261">Luthers</persName>. Daß Gogarten Stapels Nomos-Lehre zur Kenntnis nahm, zeigt seine Zustimmung zu dessen These, daß «das Gesetz … uns in unserem Volkstum gegeben» sei (vgl. oben <ref type="pub" target="../volume/34/p522#fn_n34">S. 522, Anm. 34</ref>), in seiner Schrift <bibl corresp="kbga-bibls-4850"><hi rend="italic">Einheit von Evangelium und Volkstum?</hi> (Hamburg 
                        1933, S. 18)</bibl>, worauf Stapel wiederum in seiner positiv-würdigenden Rezension der Schrift hinwies (erschienen unter demselben Titel in: <bibl corresp="kbga-bibls-7159">Deutsches Volkstum, Jg. 15 [1933], S. 831f.</bibl>; weiterer Abdruck an einem anderen Publikationsort [S. 355f.] auf einem herausgetrennten Einzelblatt in <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> Exemplar der Broschüre). Diese Schrift erschien ebenso wie seine Broschüre <bibl corresp="kbga-bibls-7160"><hi rend="italic">Ist Volksgesetz Gottesgesetz? Eine Auseinandersetzung mit meinen Kritikern</hi> (1934)</bibl> in der Hanseatischen Verlagsanstalt Hamburg, wo Stapel Lektor war; im Juni 1933 veröffentlichte Gogarten einen Aufsatz in der maßgeblich von Stapel herausgegebenen Zeitschrift Deutsches Volkstum (<bibl corresp="kbga-bibls-4848"><hi rend="italic">Die Selbständigkeit der Kirche</hi>, a.a.O., S. 445–451</bibl>). — Material zu der teilweisen Verwandtschaft und den Unterschieden des Denkens von Stapel und Gogarten in: <bibl corresp="kbga-bibls-6687">Fr. Brandi-Hinnrichs, <hi rend="italic">Von der personalen zur politischen Theologie …</hi>, a.a.O. [<ref type="pub" target="../volume/34/p340#fn_n04">S. 340, Anm. 4</ref>], S. 358.368-373.377-383.386f.390-397.399f.402.405-407.411-415.</bibl>
               </note>! Lies auch den beiliegenden Brief <persName ref="kbga-actors-423">Gottlobens</persName><note xml:id="n11">Nicht erhalten.</note> der, wie auch die letzte Nummer des Kirchenblattes in der von Gottlob stammenden Rezension<note xml:id="n12">In seiner Rezension der Bücher: <bibl corresp="kbga-bibls-7351"><persName ref="kbga-actors-6928">Th. Ellwein</persName>, <hi rend="italic">Gesetz und Evangelium</hi>, München
                            1933</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-7352"><persName ref="kbga-actors-5684">W. Brandt</persName>, <hi rend="italic">Das Gesetz Israels und die Gesetze der Heiden</hi>, München
                            1934</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-7353"><persName ref="kbga-actors-137">Fr. Gogarten</persName>, <hi rend="italic">Ist das Volksgesetz Gottesgesetz?</hi>, Hamburg
                            1934 (in: KBRS, Jg. 90 [1934], S. 253f.</bibl>) behandelt <persName ref="kbga-actors-423">G. Wieser</persName> das Buch seines Freundes Gogarten am ausführlichsten und mit der größten Zustimmung. — Gottlob Wieser (1888–1973), langjähriger Freund <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> und <persName ref="kbga-actors-403">Thurneysens</persName>, 1920–1937 Pfarrer in Wattwil (Kanton St. Gallen), 1937–1954 in Riehen bei Basel, 1937–1970 Hauptredakteur, dann «Mitredaktor» des <orgName ref="kbga-actors-4787">KBRS</orgName>; vgl. auch <bibl corresp="kbga-bibls-931">Bw.Th. I</bibl> und <bibl corresp="kbga-bibls-932">II</bibl> (Namenregister) und <bibl corresp="kbga-bibls-2607">Wiesers Broschüre
                            <hi rend="italic">Friedrich Gogarten</hi>, Jena
                            1930.</bibl>
               </note> zeigt, immer noch nicht ganz von seinem Meister lassen kann. Lies aber auch <pb xml:id="p684" ed="pga"/> den echt Lukasischen Brief aus <placeName ref="kbga-places-412">Pratteln</placeName><note xml:id="n13">Nicht erhalten.</note>! <persName ref="kbga-actors-521">Lukas</persName> ist wirklich unverwüstlich. Aber in seiner Weise gut. Obwohl ich ihm in diesem Falle nicht zugeben möchte, daß seine Geradlinigkeit wirklich das letzte Wort in dieser Sache sei. Oder?</p>
        <p><persName ref="kbga-actors-26">Nelly</persName> habe ich erst einmal gesehen und nur im Kreise aller eurigen und unsrigen Kinder. Ich hoffe, Ende dieser Woche einmal zu ihr hinüberzugelangen. Augenblicklich ist sie für ein paar Tage in Aeschi unten bei deiner <persName ref="kbga-actors-18">Mutter</persName>. Das Ferienhaus der Deinen ist wundervoll gelegen, aber ein wenig sehr weit weg von dem unsrigen. Augenblicklich ist die beschwingte <persName ref="kbga-actors-7426">Lili</persName> für zwei Tage dort hinübergesiedelt, um <persName ref="kbga-actors-5802">Fränzeli</persName> in Ruhe zu sehen. Sie hat uns viel und Schönes vom Genfersee erzählt.<note xml:id="n14"><persName ref="kbga-actors-7426">L. Simon</persName>, die vom 10. bis 25. August mit <persName ref="kbga-actors-403">Thurneysens</persName> in <placeName ref="kbga-places-101">Adelboden</placeName> ihre Ferien verbrachte, hatte an der Internationalen Studentenkonferenz in La Châtaigneraie, einem Knabeninternat bei <placeName ref="kbga-places-853">Coppet</placeName> am Genfersee, teilgenommen, an der <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> am <date when="1934-08-07">7. August</date> über «Der Christ als Zeuge» sprach (nach einer Stenogramm-Nachschrift abgedruckt in: <bibl corresp="kbga-bibls-5583"><persName ref="kbga-actors-2151">K. Barth</persName>, <hi rend="italic"><ref type="pub-" target="52020">Der Christ als Zeuge</ref></hi> [ThExh 12], München 
                        1934, S. 5–17</bibl>, und in: <bibl corresp="kbga-bibls-9">Th.Fr.u.A., S. 185–196</bibl>). Zur Konferenz vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-134">Busch, S. 264f.</bibl> (Photographie dort S. 252, Abb. 50). Eine ausführliche Schilderung der Konferenz aus <persName ref="kbga-actors-223">Ch. von Kirschbaums</persName> Sicht findet sich in ihrem Brief vom <ref type="kba-objects-id" target="24377">13.8.1934</ref> an <persName ref="kbga-actors-408">H. Traub</persName> (10 S.; Kopie im Karl Barth-Archiv).</note> Deine Meisterschaft und Geduld im Gespräch besonders bewundernd. Wie gut, daß diese Westler dich einmal in Ruhe fragen konnten.<note xml:id="n15">Wegen der internationalen Zusammensetzung der Konferenzteilnehmer wurde, wie <persName ref="kbga-actors-223">Ch. von Kirschbaum</persName> <persName ref="kbga-actors-408">H. Traub</persName> in dem genannten Brief beschrieb, während der Diskussionen jeweils «die versammelte Mannschaft … in drei Gruppen geteilt: rechts die Deutschsprachigen, in der Mitte die Engländer und links die Franzosen. Jedes Votum und jede Antwort wurde je nach Bedürfnis in die beiden anderen Sprachen übertragen.» Unter den sechs im Protokoll (s. <ref type="pub" target="#fn_n16">Anm. 16</ref>) einzeln aufgeführten, jeweils nach ihrer Nation bezeichneten Fragestellern sind nur zwei «Westler» (eine Amerikanerin und ein Engländer) genannt (<bibl corresp="kbga-bibls-3259">a.a.O., S. 18</bibl>). Möglicherweise berichtete <persName ref="kbga-actors-7426">L. Simon</persName> <persName ref="kbga-actors-403">Thurneysen</persName> von weiteren, in einem zweiten Teil der Diskussion gestellten Fragen, über die das Protokoll nur summarisch Auskunft gibt (a.a.O., S. 25).</note> Ich freue mich auf das Protokoll.<note xml:id="n16">Stenogramm-Abschrift des Vortrags und der nachfolgenden Diskussion in: <bibl corresp="kbga-bibls-3259"><hi rend="italic"><ref type="pub" target="52020">Der Christ als Zeuge</ref></hi> (ThExh 12), a.a.O., S. 5–31.</bibl>
               </note>
            </p>
        <p>Endgültig möchte ich mich durch Euch auf dem <placeName ref="kbga-places-100">Bergli</placeName> anmelden auf Samstag in 8 Tagen bis etwa Dienstag oder Mittwoch<note xml:id="n17"><date to="1934-08-29" from="1934-08-25">25.-28. oder 29.8.1934</date>.</note>. Gelt, das geht doch? Für mich ist es beinahe die einzige ruhige und gute Mög<pb xml:id="p685" ed="pga" break="no"/>lichkeit, weil gleich nachher der Unterricht einsetzt und ich nach der langen Ferienpause nichts mehr ausfallen lassen könnte. Ich hoffe sehr darauf, daß du über diesen letzten Augustsonntag also auf dem Bergli zu haben bist, und freue mich riesig darauf, mit dir und <persName ref="kbga-actors-223">Lollo</persName> und <persName ref="kbga-actors-316">Ruedis</persName> zusammen ein paar Täglein zu haben. Ob unter Umständen <persName ref="kbga-actors-1285">Marguerite</persName> auch wenigstens für ein bis zwei Nächte mitkommen könnte? Es ist noch gar nicht sicher, ob sie es einrichten kann. Andernfalls suchte sie etwas später dich einmal auf dem <placeName ref="kbga-places-100">Bergli</placeName> zu sehen.</p>
        <closer>
          <salute>Grüße <persName ref="kbga-actors-223">Lollo</persName> von uns, grüße <persName ref="kbga-actors-316">Ruedis</persName> und sei selber gegrüßt von deinem</salute>
          <signed><persName ref="kbga-actors-403">Eduard</persName></signed>
        </closer>
      <postscript>
        <p><persName ref="kbga-actors-1203">Karl Sartorius</persName> habe ich noch nicht geantwortet. Willst du ihm die verlangte Weisung geben? Und soll ich via <persName ref="kbga-actors-228">Koechlin</persName> an <persName ref="kbga-actors-7528">Weizsäcker</persName><note xml:id="n18"><persName ref="kbga-actors-7528">Ernst von Weizsäcker</persName> (1882–1951), 1933–1936 deutscher Gesandter (Botschafter) in Bern, trotz seiner inneren Distanz zum nationalsozialistischen Staat bis 1945 hochrangiger Diplomat des Deutschen Reiches (zuletzt als Botschafter beim Vatikan), 1948 vom Internationalen Militärtribunal zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt, die nach einer Revisionsverhandlung verkürzt wurde.</note> in <placeName ref="kbga-places-9">Bern</placeName> gelangen? Oder willst du es auch direkt tun?<note xml:id="n19">Am <ref type="kba-objects-id" target="24323">2.8.1934</ref> hatte sich <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> bereits selber brieflich an <persName ref="kbga-actors-7528">E. von Weizsäcker</persName> gewandt mit der Bitte, auf eine Aufhebung der Beschlagnahme (s. oben <ref type="pub" target="../volume/34/p679#fn_n02">S. 679, Anm. 2</ref>) hinzuwirken. Er wies auf den Prestigeverlust hin, den ein Bekanntwerden dieser Aktion im Ausland nach sich zöge, und betonte, daß er seine Werke weder in einem ausländischen Verlag publizieren noch sich einer Vorzensur unterwerfen wolle. In seiner Antwort vom <ref type="kba-objects-id" target="24339">6.8.1934</ref> bestätigte Weizsäcker die außenpolitische Bedeutung des Falles. «Dagegen fühle ich mich außerstande, in der unmittelbar vorliegenden Frage, die von den inneren Behörden behandelt wird, Ihnen einen Rat zu erteilen, zumal mir die dazu nötige Kenntnis des etwaigen Instanzenzuges sowie der zurzeit gültigen Verordnungen und Bestimmungen fehlt. Ich kann daher nur der Hoffnung Ausdruck geben, daß Sie, sehr verehrter Herr Professor, alle innerdeutschen Wege und Möglichkeiten erschöpfen, um den in der Sache liegenden gesamten deutschen und religiösen Interessen gerecht zu werden.»</note>
            </p>
          </postscript>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
