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        <title type="volume" n="vol-34">Karl Barth – Eduard Thurneysen. Briefwechsel Bd. III 1930–1935</title>
        <title type="content">Eduard Thurneysen an Karl Barth</title>
        <title type="citation_line_1">Eduard Thurneysen an Karl Barth, 4. Dezember 1934</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/34230 (Stand: 2. Oktober 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Karl Barth – Eduard Thurneysen. Briefwechsel Bd. III 1930–1935, hrsg. v. Algner, Caren (Gesamtausgabe, Abt. V), Zürich 2000, S. 783–786.</title>
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        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
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        <sponsor>Schweizerischer Nationalfonds (SNF)</sponsor>
        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
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        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
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        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
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          <title type="volume">Karl Barth – Eduard Thurneysen. Briefwechsel Bd. III 1930–1935</title>
          <title type="text">Eduard Thurneysen an Karl Barth</title>
          <author ref="kbga-actors-403">Thurneysen, Eduard</author>
          <editor>Algner, Caren</editor>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
          <date type="publication">2000</date>
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        <!-- The first digital edition (data from xml and database) -->
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          <title type="edition">Princeton Barth Project edition</title>
          <title type="text">electronic edition of Karl Barth, Gesamtausgabe V.34, Karl Barth - Eduard Thurneysen Briefwechsel Band III 1930-1935, letter 222</title>
          <author ref="kbga-actors-403">Thurneysen, Eduard</author>
          <editor>James R. Adair, Jr.</editor>
          <editor>Timothy J. Finney</editor>
          <editor>Christian Kelm</editor>
          <pubPlace>Princeton</pubPlace>
          <publisher>Alexander Street Press</publisher>
          <date type="publication">2001</date>
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        <!-- Data from KBA (https://kba.karl-barth.ch) -->
        <bibl xml:id="A" type="source">A (Vorlage der Edition): Thurneysen, Eduard, Eduard Thurneysen an Karl Barth, 4. Dezember 1934. <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/25138">KBA 9370.737</ref>. </bibl>
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                    <salute>Lieber <persName ref="kbga-actors-2151">Karl</persName>,</salute></opener>
        <p>ich muß dir vom Stand der Dinge hier kurz Nachricht geben. Ich hatte heute ein langes Telefongefecht mit <persName ref="kbga-actors-367">Karl Ludwig</persName>. Durch <persName ref="kbga-actors-7033">Hächler</persName> hatte er von meiner Beschwerde gegen ihn erfahren und läutete mir an. Er verteidigte seine unmögliche Auffassung deines Falles: alle anderen haben das Verlangte geleistet, du allein nicht, ergo liegen bei dir Sondergründe in der bekannten Richtung vor. Man werde doch nicht alle anderen unter den Verdacht stellen wollen, als ob sie … Übrigens habe er auch tiefere theologische Erwägungen, die dafür sprechen, daß man so wie du jetzt nicht argumentieren könne. Und so habe er denn die auf seinen Mitteilungen beruhende Notiz des evangel. Pressebureaus auch — in die eben erscheinende Nummer der <orgName ref="kbga-actors-7468">Theolog. Blätter</orgName> übernommen! Ich war starr und habe nun mit allen Mitteln ihn bestürmt, er dürfe und dürfe das nicht laufen lassen, deine von dir selber bezeichnete Linie müsse so gehalten werden, wie du es angegeben habest. Er ließ sich erweichen und wird nun nur den Text aus den «<orgName ref="kbga-actors-5804">Basler Nachrichten</orgName>»<note xml:id="n01">
                        <bibl corresp="kbga-bibls-7231"><hi rend="italic">Vom Amte suspendiert</hi>, in: ThBl, Jg. 13 (1934), Sp. 360</bibl> (als Beilage von <persName ref="kbga-actors-367">K. L. Schmidts</persName> Brief vom <ref type="kba-objects-id" target="25132">4.12.1934</ref> vorher an <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> gelangt; vgl. oben <ref type="pub" target="../volume/34/p765#fn_n04">S. 765, Anm. 4</ref>).
                    </note> bringen. Obwohl alles schon gesetzt sei und es für ihn ein un<pb xml:id="p784" ed="pga" break="no"/>angenehmes Opfer bedeute. Ich weiß nicht, was ich von ihm halten soll. Er ist sicher ein guter Kerl und will nichts Dummes anrichten, aber er ist ganz bestimmt von seinen persönlichen Erwägungen und seiner Taktik. Und irgendwo hat er deine Stunde schon lange schlagen gehört und läßt es sich jetzt nicht nehmen, seinen Kommentar dazu durchzusetzen.</p>
        <p>Auch eine Aussprache mit <persName ref="kbga-actors-7152">Lackmann</persName> hat heute stattgefunden. Er ist persönlich wirklich ein netter, fast kindlicher Mensch, aber irgendwo «schwärmt» er aus, bricht los, fiebert mit, haßt und liebt, verachtet und preist er. <placeName ref="kbga-places-10">Bonn</placeName> ist ihm die heilige Stätte, <placeName ref="kbga-places-5">Basel</placeName> enttäuscht ihn. Und auf alle Fälle kann er es nicht lassen, zu schreiben, so wie ein anderer seine Räusche hat. Nun gut, ich habe ihm gesagt, er solle doch um Gottes willen seine Stunde abwarten, sie werde kommen, und zwar desto eher und gefüllter mit wirklichem Auftrage, je weniger er sich vorher seine eigenen prophetischen Aufträge selber erteilt habe. Sonst wird er sich einfach verbrauchen und ausgegeben haben, bevor er nur fertig studiert hat. Daß er auch seiner so heiß geliebten «Sache» durch sein Berufskämpfertum schadet, das kann man ihm kaum erklären, dafür hat er kein Sensorium. Ich habe jetzt durch ihn selber vernommen, daß er 1. an Prof. <persName ref="kbga-actors-431">Wolf</persName> eine theologische Arbeit geschickt hat<note xml:id="n02">
                        <bibl corresp="kbga-bibls-7232"><persName ref="kbga-actors-7152">M. Lackmann</persName>, <hi rend="italic">Conditio vitae est cognitio Dei. Wesen und Sinn der menschlichen Erkenntnis nach Calvins Institutio von 1559, lib. I,1</hi>, in: EvTh, Jg. 2 (1935), S. 198–230.</bibl>
                    </note>, 2. an dich ein weiteres Kampfheft zur Lage. Ich möchte dir nicht dreinreden. Aber ich denke bei mir selber so: Die Arbeit für Wolf wird wohl theologisch gut gearbeitet sein, die wäre also gut und zur Veröffentlichung reif. Aber was das <orgName ref="kbga-actors-10265">neue Heft</orgName> betrifft, so habe ich ihm selber gesagt, vielleicht werde das nun doch nicht ohne weiteres gedruckt werden können. Das schade ja nichts, er habe es sich eben von der Seele schreiben müssen, und damit sei auch etwas geschehen. Ob du nicht auch so denkst? Ich wäre ganz abgesehen vom Inhalt für ihn selber sehr dankbar, wenn es <hi rend="italic">nicht</hi> gedruckt würde. Ich kenne den Inhalt ja nicht, aber ich kann mir ihn denken und den Stil dazu. Nach seinen Aussagen soll ihn Wolf ermuntert haben, den Streit mit <persName ref="kbga-actors-63">Brunner</persName> auch hier in <placeName ref="kbga-places-5">Basel</placeName> aus Anlaß des gestrigen Vortrages aufzunehmen. Ich kann mir das nicht recht vorstellen, daß Wolf diesen Rat wirklich gegeben habe, gut ist er sicher <pb xml:id="p785" ed="pga"/> nicht, sondern treibt <persName ref="kbga-actors-7152">Lackmann</persName> eben auf der zu vermeidenden schwärmerischen Bahn vorwärts.</p>
        <p><persName ref="kbga-actors-63">Brunner</persName> hat gestern einen Vortrag<note xml:id="n03">Siehe oben <ref type="pub" target="../volume/34/p770#fn_n20">S. 770, Anm. 20</ref>.</note> gehalten, der — ich muß dir wieder einmal restlos recht geben — einfach deine Prognose auf S. 63 des «<bibl corresp="kbga-bibls-3279">Nein</bibl>» bestätigt hat: — «langweilig»<note xml:id="n04">«Ich würde die in <hi rend="italic">dieser</hi> Richtung [d. h. einer am Wort und Gebot Gottes orientierten Ethik, Seelsorge, Homiletik, Pädagogik und Dogmatik] zu suchenden ‹Erfolge› theologisch-kirchlicher Tätigkeit, falls sie zu erreichen wären, zugleich ‹<hi rend="italic">geistlich</hi>› und ‹<hi rend="italic">interessant</hi>›, die in der entgegengesetzten Richtung allerdings auch zu erreichenden ‹<hi rend="italic">ungeistlich</hi>› und ‹<hi rend="italic">langweilig</hi>› zu nennen mir erlauben» (<bibl corresp="kbga-bibls-3279"><persName ref="kbga-actors-2151">K. Barth</persName>, <hi rend="italic"><ref type="pub-" target="52023">Nein! …</ref></hi>, a.a.O. [<ref type="pub" target="../volume/34/p669#fn_n08">S. 669, Anm. 8</ref>], S. 63</bibl>, bzw. in: <bibl corresp="kbga-bibls-867">«<hi rend="italic">Dialektische Theologie</hi>», S. 258</bibl>; vgl. zur Sache dort S. 57–63 bzw. S. 253–258).</note>. Über das «Nein» hatte ich keine Gelegenheit mit ihm zu reden. Ich habe ihm meine Auffassung vorher schriftlich zugehen lassen.<note xml:id="n05">In seinem per Expreßpost geschickten Brief vom <date when="1934-12-02">2.12.1934</date> hatte <persName ref="kbga-actors-403">Thurneysen</persName> <persName ref="kbga-actors-63">Brunner</persName> geschrieben, er habe <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> zwar «in aller <hi rend="italic">Deutlichkeit</hi> und <hi rend="italic">Schärfe</hi> geschrieben …: ich sei in der Art, wie er sein ‹Nein› gegen dich ausgesprochen habe, ganz und gar nicht an seiner Seite» und habe ihn darum gebeten, «zu verhindern, daß sein Bruder <persName ref="kbga-actors-27">Peter</persName> mit seinem kleineren Kaliber nun auch noch hintendreinschieße», doch «in der <hi rend="italic">Sache</hi>» sei er mit <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> einig. «Man <hi rend="italic">kann</hi> eben ‹<bibl corresp="kbga-bibls-141">Natur und Gnade</bibl>› in der Richtung lesen, leider, in der es <persName ref="kbga-actors-2151">Karl</persName> gelesen hat, auch wenn er seinerseits überschärfte Konsequenzen zieht, die du ablehnst. Und mir ist auf alle Fälle Karls Leidenschaft für die eine Offenbarungsquelle als den Punkt, der unter keinen Umständen verdunkelt werden darf, innerlich ganz nahe. … Daß du deinerseits auch etwas Positives noch sagen willst und mußt, ist ebenfalls unter deiner ‹Anknüpfung› an <persName ref="kbga-actors-2151">Karl</persName> zu kurz gekommen. Ich bin, das weißt du, immer sehr offen und von Herzen dankbar für dich gewesen … Aber es dürfte allerdings nicht dazu kommen, daß nach der Seite hin, die <persName ref="kbga-actors-2151">Karl</persName> in seiner Polemik meint treffen zu müssen, etwas verschüttet wird» (<ref type="archival">Nachlaß E. Brunner, Staatsarchiv Zürich</ref>).</note> Er hat eine kleine Diskussion bestanden, in der ihm <persName ref="kbga-actors-23">Heiner</persName> zur Seite trat, aber Wesentliches kam nicht zur Sprache. Der ganze Abend verlief einfach ein wenig matt.</p>
        <p><persName ref="kbga-actors-5802">Fränzelis</persName> Karte von heute morgen teilte uns einiges von eurer Seite her mit.<note xml:id="n06">Nicht erhalten.</note> Wie wird alles weiter- und schließlich ausgehen? Wie schade ist es um den kostbaren Winter, der uns den Fortgang der <bibl corresp="kbga-bibls-2">Dogmatik</bibl> gebracht hätte — und nun diese brutale Störung! Um die Kirchensache steht es offenbar, soviel man von hier aus sehen kann, nicht gut. Geht nicht alles wieder zurück? Landeskirchen mit Bischöfen, darüber eine allerdings nicht mehr wirklich virulente Reichskirchenregierung mit <pb xml:id="p786" ed="pga"/> mehr oder weniger alter Besetzung, auf alle Fälle eine «Ruhe», die keine ist? Ob die Substanz dessen, um das die Bek. Kirche gekämpft hat, in diese neue Periode hinübergerettet werden kann? Oder ob eure Kämpfe nur eine Art tragisches Zwischenspiel waren, während einfach ein neuer Winter anbricht? Auch dann wird, was du ausgestreut hast, nicht einfach verderben, sondern wie ein Saatgut unter der Decke liegen und zu seiner Zeit aufbrechen. Aber vielleicht sehe ich die Dinge resignierter, als sie in Wahrheit zu sehen sind.</p>
        <closer>
          <salute>Herzlich!</salute>
          <salute>Dein</salute>
          <signed><persName ref="kbga-actors-403">Eduard</persName></signed>
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