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        <title type="volume" n="vol-34">Karl Barth – Eduard Thurneysen. Briefwechsel Bd. III 1930–1935</title>
        <title type="content">Karl Barth an Eduard Thurneysen</title>
        <title type="citation_line_1">Karl Barth an Eduard Thurneysen, 20. Juni 1935</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/34264 (Stand: 2. Oktober 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Karl Barth – Eduard Thurneysen. Briefwechsel Bd. III 1930–1935, hrsg. v. Algner, Caren (Gesamtausgabe, Abt. V), Zürich 2000, S. 908–913.</title>
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        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
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        <sponsor>Schweizerischer Nationalfonds (SNF)</sponsor>
        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
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        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
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        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
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          <title type="volume">Karl Barth – Eduard Thurneysen. Briefwechsel Bd. III 1930–1935</title>
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          <author ref="kbga-actors-2151">Barth, Karl</author>
          <editor>Algner, Caren</editor>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
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          <title type="edition">Princeton Barth Project edition</title>
          <title type="text">electronic edition of Karl Barth, Gesamtausgabe V.34, Karl Barth - Eduard Thurneysen Briefwechsel Band III 1930-1935, letter 256</title>
          <author ref="kbga-actors-2151">Barth, Karl</author>
          <editor>James R. Adair, Jr.</editor>
          <editor>Timothy J. Finney</editor>
          <editor>Christian Kelm</editor>
          <pubPlace>Princeton</pubPlace>
          <publisher>Alexander Street Press</publisher>
          <date type="publication">2001</date>
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        <bibl xml:id="A" type="source">A (Vorlage der Edition): Barth, Karl, Karl Barth an Eduard Thurneysen, 20. Juni 1935. <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/26574">KBA 9235.150</ref>. </bibl>
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                       <placeName ref="kbga-places-100">Bergli</placeName>, <date when="1935-06-20">20. Juni 1935</date><note xml:id="n01">Originalbrief nicht erhalten; der Abdruck erfolgt nach einem Durchschlag.</note>
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          <salute>Lieber <persName ref="kbga-actors-403">Eduard</persName>!</salute>
        </opener>
        <p>Ich sende dir hier zur Unterrichtung Einiges aus meiner Kuriermappe. Wie mag dich Alles anschauen: Mein in der Tat lotzenzorniger Brief an <persName ref="kbga-actors-708">Niesel</persName><note xml:id="n02"><persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> Brief an Niesel vom <ref type="kba-objects-id" target="26523">15.6.1935</ref> ist abgedruckt bei <bibl corresp="kbga-bibls-106">Prolingheuer, S. 333f. (Zitat S. 882, Anm. 8</bibl>); zum «Lotzenzorn» s. oben<ref type="pub" target="../volume/34/p145#fn_n20"> S. 146, Anm. 20</ref>.
               </note>, die auf einmal wieder feierlich gesprächig gewordenen Deutschen<note xml:id="n03">Gemeint sein könnten folgende Briefe und Dokumente: Brief <persName ref="kbga-actors-708">W. Niesels</persName>, geschrieben i.A. des <orgName ref="kbga-actors-10264">Rates der Kirche der altpreußischen Union</orgName> vom <ref type="kba-objects-id" target="26509">13.6.1935</ref>, in dem er <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> über eine Sitzung des Rheinischen und Westfälischen Bruderrates am <date when="1935-06-05">15.6.</date> informiert, dessen Beschluß und Stellungnahme <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> hoffentlich abwarten könne, bevor er seine Entscheidung treffe. «Denn wenn die andere Berufung auch sofort an Sie ergehen sollte, so wird man Ihnen für Ihre Entscheidung doch einigen Spielraum lassen» (weiteres Zitat in <ref type="pub" target="#fn_n05">Anm. 5</ref>). — Telegramm der Vertrauensleute der Bruderschaft rheinischer Hilfsprediger und Vikare vom <ref type="kba-objects-id" target="26514">14.6.1935</ref>: «Die … Bruderschaft … grüßt in herzlicher Verbundenheit und erwartet, daß Sie sich einem an Sie ergehenden Lehrauftrag der Bekenntniskirche unbedingt offen halten. <persName ref="kbga-actors-7054">Hellbardt</persName>» (Zitat nach Original; Abdruck einer — fehlerhaften — Abschrift bei <bibl corresp="kbga-bibls-106">Prolingheuer, S. 195</bibl>). — Brief <persName ref="kbga-actors-5488">P. Humburgs</persName> vom <ref type="kba-objects-id" target="26529">15.6.1935</ref>, in dem er <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> zu erklären suchte, warum er als Vorsitzender des rheinischen Bruderrates nicht <hi rend="italic">vor</hi> dem 14.6. eine Berufung ausgesprochen hatte, obwohl ihm das «von den Wuppertaler Brüdern nahegelegt» worden war: «Nach meiner Meinung konnte Ihnen nur an einer ganz offiziellen Berufung des Rheinischen Bruderrates (mit dem preußischen Rat) liegen. Diese Berufung, soweit sie denn bisher in Umfang und Form vorstellbar ist, liegt nach meiner Meinung völlig klar vor in dem <hi rend="italic">einstimmigen</hi> Beschluß der <orgName ref="kbga-actors-10961">Rheinischen Synode</orgName> vom <date when="1935-04-30">30. April</date>. Was im Blick auf die Durchführung dieses Entschlusses <persName ref="kbga-actors-5975">Friedr. Graeber</persName> u. a.  eingeleitet haben, ist mir nicht bekannt. Graeber wollte dies alles wohl allein machen ohne offizielle Kenntnisgabe an die Rheinische Synode (vorläufig). Als ich am Dienstag [= 11.6.] von der Reise nach <placeName ref="kbga-places-645">Augsburg</placeName> (und Stuttgart) zurückkehrte und nun erfuhr, daß noch <hi rend="italic">vor</hi> dem 14. eine ‹Berufung› geschehen sollte oder erwünscht wäre, war es technisch unmöglich, eine Beschlußfassung von Rheinland und Westfalen herbeizuführen vor dem Sonntag [= 16.6.]. Dafür war alles von Fr. Graeber vorbereitet. Nach dem gestrigen Urteil haben wir nun beschlossen, erst Ihre Besprechung mit dem Minister oder Ihre Entscheidung abzuwarten, da erst <hi rend="italic">dann</hi> eine Gestalt der zu erfolgenden Berufung gefunden werden kann; sonst stoßen wir in die Luft. Nun habe ich wohl empfunden, daß Sie die Berufung <hi rend="italic">vor</hi> dem gestrigen Tag gern gesehen hätten, damit daraus klar würde, daß wir ganz unabhängig von dem Gerichtsspruch an Ihrer Weiterarbeit unter uns festhalten. <hi rend="italic">Mir</hi> ist nun einfach <hi rend="italic">nicht</hi> in den Verstand zu bringen, daß das noch irgendjemand irgendwie zweifelhaft sein kann. Wir haben Sie <hi rend="italic">ohne eine Sekunde Diskussion</hi> als unseren Abgeordneten zur Reichssynode gewählt und jenen anderen Beschluß ohne Diskussion einstimmig gefaßt darüber. Die <hi rend="italic">Ausführung</hi> ist Sache der Bruderräte und ist allerdings dann im Blick auf die in Betracht kommenden Möglichkeiten zu gestalten.» (Vgl. auch Humburgs Bericht über die rheinischwestfälischen Besprechungen zur Frage von <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> Berufung in einem weiteren Brief an diesen vom <ref type="kba-objects-id" target="26624">25.6.1935</ref> bei <bibl corresp="kbga-bibls-670">Aschermann/Schneider, S. 301f.</bibl>; Abdruck von <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> Antwort vom  <ref type="kba-objects-id" target="26747">5.7.</ref> und Humburgs ausführliche Rückantwort vom <ref type="kba-objects-id" target="26820">11.7.1935</ref> bei <bibl corresp="kbga-bibls-106">Prolingheuer, S. 352f.354-357</bibl>). — Brief von Lic. <persName ref="kbga-actors-8340">M. Graeber</persName> vom <ref type="kba-objects-id" target="26550">17.6.1935</ref>, geschrieben i.A. der «Pfarrerbruderschaft des Gaues Wuppertal», worin er <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> deren Freude über den Ausgang der Revisionsverhandlung aussprach, ihn bat, die Arbeit in der rheinischen Kirche wieder aufzunehmen, und die rheinische Bekenntnissynode aufforderte, <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> dazu alle mögliche Unterstützung zu geben. — Antwort von <orgName ref="kbga-actors-8343">Moderamen</orgName> und Synodalausschuß des Reformierten Bundes auf Briefe <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> an <persName ref="kbga-actors-708">Niesel</persName> (s. <ref type="pub" target="#fn_n02">Anm. 2</ref>) und <persName ref="kbga-actors-1044">H. A. Hesse</persName> vom <ref type="kba-objects-id" target="26520">15.6.1935</ref>, beschlossen auf einer gemeinsamen Sitzung beider Gremien am <date when="1935-06-18">18.6.</date>, <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> mitgeteilt in einem <ref type="kba-objects-id" target="26559">Brief</ref> <persName ref="kbga-actors-1044">Hesses</persName> vom selben Tag. Darin brachten sie ihr «schmerzliche[s]» Empfinden darüber zum Ausdruck, daß <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> nicht rechtzeitig von der Bekenntniskirche gerufen worden sei, und gestanden ein, die Reformierten hätten diese Angelegenheit «ganz anders … betreiben sollen». Dieses Versäumnis sei u. a.  auf «bestimmte Umstände» zurückzuführen, «die einerseits einer Berufung im Wege standen und unter denen andererseits doch versucht worden ist, eine solche Berufung zu betreiben und zu erreichen». Ohne einer erhofften mündlichen Aussprache mit <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> vorgreifen zu wollen, wollten sie aber <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> fragen, ob er von der Bekenntniskirche nicht zuviel erwartet habe oder gar etwas, «was eine Kirche auf Erden als eine Kirche der Sünder uns niemals bieten wird. Sie kennen unseren Kreis dafür, daß wir diese Frage nicht aus der Haltung eines Kompromisses heraus stellen oder uns gar eine fatalistische Bejahung des nun einmal sündigen Zustandes der Menschen bestimmt. Wir fragen vielmehr in kirchlicher Verantwortung: Wer ist die Bekenntniskirche? Ist nicht gerade sie ein armer Haufe, der wirklich — aber nun auch wirklich — nicht aus der eigenen Kraft, sondern von der Barmherzigkeit Gottes lebt? Und wird es jemals für die Bekenntniskirche so sein, daß sie in sich selbst etwas anderes als nur Moorboden darstellt und daß wir gerade mit und in ihr gerufen sind, auch durch die Enttäuschung, die sie uns bereitet, uns allein auf den ewigen Fels zu gründen, welcher ist Christus und sein Wort?» In diesem Sinne sprachen die Gremien ihre Hoffnung auf <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> Bereitschaft zur weiteren Mitarbeit in der Bekennenden Kirche aus.</note>, <persName ref="kbga-actors-63">Emil</persName> und <persName ref="kbga-actors-521">Lukas</persName> und was ich ihnen geantwortet ha<pb xml:id="p910" ed="pga" break="no"/>be<note xml:id="n04"><persName ref="kbga-actors-63">Brunner</persName> gratulierte <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> zu dem Urteil und bat ihn um ein Verständigungsgespräch, das unnötige Mißverständnisse vermeiden helfen solle. Er könne sich sogar eine theologische Disputation vor seinem theologischen Seminar, vielleicht im Beisein von <persName ref="kbga-actors-403">Thurneysen</persName> und <persName ref="kbga-actors-1257">G. Spörri</persName>, vorstellen (undatierter Brief mit Notiz «(<date when="1935-06-15">15. Juni 1935</date>)» von <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> Hand). In seiner Antwort erklärte sich <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> gerne zu einem Gespräch, auch vor dem Seminar, bereit, sofern es eine offene Möglichkeit der Klärung und nicht eine Verharmlosung der Gegensätze bedeute (Brief an <persName ref="kbga-actors-63">Brunner</persName> vom <date when="1935-06-20">20.6.1935</date>). Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-76">Bw.Br., <ref type="pub-" target="33114">S. 276–283</ref></bibl>. — <persName ref="kbga-actors-521">L. Christs</persName> Brief an <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> vom <ref type="kba-objects-id" target="26525">15.6.1935</ref> war die Antwort auf einen Brief <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> vom <ref type="kba-objects-id" target="26506">13.6.</ref> über seinen Eindruck von Christs Verhalten bei einer Diskussion in <placeName ref="kbga-places-9">Bern</placeName> über sein Unterrichtsbuch (vgl. oben <ref type="pub" target="../volume/34/p877#fn_n11">S. 877, Anm. 11</ref>): Er sei wohl «etwas bedrückt auf dem Schauplatz zurückgeblieben», doch für die an ihn gerichteten Fragen müsse Christ Verständnis haben (Brief <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> an <persName ref="kbga-actors-521">Christ</persName> vom <date when="1935-06-13">13.6.1935</date>). Christ bestätigte, er sei tatsächlich «etwas belämmert», aber auch verärgert über manche Fragen gewesen. Die Teilnehmer hätten «nun vor dem Meister ihre Rechtgläubigkeit und theologische Pfiffigkeit dadurch beweisen wollen, daß sie mir alles mögliche und unmögliche vorhielten». Über den Prozeßausgang sei er zugleich erfreut und betrübt, weil <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> nun doch in <placeName ref="kbga-places-151">Deutschland</placeName> bleiben werde (Brief vom <ref type="kba-objects-id" target="26525">15.6.1935</ref>). <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> antwortete, sein Schicksal sei noch offen. Vor allem stellte er seinen Eindruck von der Berner Diskussion Christs Beurteilung gegenüber. — Nach <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> Erinnerung seien die Einwände sachlich und formell einwandfrei gewesen; Christ möge sie lieber auf ihre Rechtmäßigkeit hin überprüfen, anstatt sich zurückzuziehen und die anderen zu heißen, es besser zu machen (Brief an <persName ref="kbga-actors-521">Christ</persName> vom <ref type="kba-objects-id" target="26573">20.6.1935</ref>).</note>. Der zweite Brief von Niesel<note xml:id="n05"><persName ref="kbga-actors-708">Niesel</persName> hielt <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> negative Einschätzung der bekenntniskirchlichen Bemühungen, ihn in <placeName ref="kbga-places-151">Deutschland</placeName> zu halten (in <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> Brief an Niesel vom <date when="1935-06-15">15.6.1935</date>; s. <ref type="pub" target="#fn_n03">Anm. 3</ref>), für einen «augenblicklichen Grimm … wir wollen hoffen …, daß Sie einer etwas anderen Auffassung von der Sache nicht ganz unzugänglich sind. Der Grimm darf ja wohl nicht dazu führen, daß man ungerecht wird.» Das Urteil, man habe «vonseiten der Bekenntniskirche in Ihrer Angelegenheit zum mindesten ein wenig gebummelt», lasse sich nach seinen neuesten Informationen so nicht aufrechterhalten. <persName ref="kbga-actors-5975">Graeber</persName> habe sich ja «sehr eifrig und persönlich aufopfernd» um seine Sache gekümmert und habe <persName ref="kbga-actors-5488">Humburg</persName> schließlich «zu seiner Freude mitgeteilt, daß Ihre Berufung gesichert sei. Dann kam die <orgName ref="kbga-actors-8441">Augsburger Synode</orgName> und die Reise von <persName ref="kbga-actors-1044">Hesse</persName> und <persName ref="kbga-actors-5489">Immer</persName> zu Ihnen [ein auf H. A. Hesses und Immers Wunsch hin kurzfristig arrangiertes Treffen mit <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> in <placeName ref="kbga-places-765">Friedrichshafen</placeName> am <date when="1935-06-06">6.6.</date>]. Es ist sicherlich begreiflich, daß Sie erwas Schriftliches von uns in Händen haben wollten; aber da das, was ich Ihnen soeben kurz schilderte, bis kurz vor Pfingsten [= 9./10.6.] dauerte, konnte es doch für Sie nicht von allzu erheblicher Bedeutung sein, ob Ihre schriftliche Berufung an diesem oder jenem Tage in der Woche nach Pfingsten erfolgte», zumal die übergroße Arbeitslast der führenden Bekenntnisleute in Rechnung gestellt werden müsse. Auch sei nicht nur <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> seit <date when="1934-11">November 1934</date> von einer gewissen Vereinsamung betroffen; doch hätten die Vereinsamten «die ganzen Monate hindurch bis jetzt sehr gute Kameradschaft gehalten … Daß wir Sie immer dabei haben wollten, ist Ihnen oft genug bezeugt worden.» Die dringende Bitte um Mitarbeit bei den Vorbereitungen zur altpreußischen Synode habe <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> aber «<hi rend="italic">mehrmals abgelehnt</hi>. Was hätte werden sollen, wenn wir das alle getan und nur über unsere Vereinsamung geklagt hätten! … Wenn es ganz trostlos aussieht, pflegt <persName ref="kbga-actors-300">Niemöller</persName> immer ‹in die Reichswehr einzutreten›, und Sie ziehen sich nach <placeName ref="kbga-places-5">Basel</placeName> oder auf das Gebiet der Dogmatik zurück. Das sind alles sehr gute und sehr wichtige Möglichkeiten, es fragt sich nur, ob wir es tun dürfen und die Kirche inzwischen Kirche sein lassen können. Ein augenblicklicher Grimm gibt uns dazu jedenfalls kein Recht …» (Brief vom <ref type="kba-objects-id" target="26562">18.6.1935</ref>).</note> ist ja eine zünftige Schulmeisterei, <pb xml:id="p911" ed="pga"/> die mich als solche ärgert. Oder bin ich nun doch bereits wieder <persName ref="kbga-actors-2208">Jona</persName> unter dem Kürbisbaum [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Jona.4">Jona 4</ref>]<note xml:id="n06">Aus <ref type="can" subtype="bible" target="Jona.4">Jona 4</ref> hatte <persName ref="kbga-actors-708">Niesel</persName> am Schluß seines Briefes vom <date when="1935-06-18">18.6.</date> (s. <ref type="pub" target="#fn_n05">Anm. 5</ref>) zitiert.</note>, der sich mit Recht so anprosten<note xml:id="n07">Siehe oben <ref type="pub" target="../volume/34/p052#fn_n18">S. 52, Anm. 18</ref>.</note> lassen muß? Schreibe mir bald deine Meinung darüber. Zunächst hülle ich mich nun auch ein bißchen in Schweigen.</p>
        <p>Wir waren also im Süden mit <persName ref="kbga-actors-7107">Karwehls</persName>, haben in <placeName ref="kbga-places-103">Mailand</placeName> das mondäne Nachtleben in einem hängenden Garten auf gleicher Höhe neben dem Dach des <placeName ref="kbga-places-1281">Domes</placeName> in Augenschein genommen, haben dann den Dom wieder einmal gründlich von unten und oben besichtigt, haben ein ausgezeichnetes Mittagessen eingenommen, haben einen schönen Abend mit <persName ref="kbga-actors-823">Helmi Vischer</persName> samt <persName ref="kbga-actors-7503">Maria</persName> am Ufer gegenüber von <placeName ref="kbga-places-548">Lu<pb xml:id="p912" ed="pga" break="no"/>gano</placeName> gehabt und sind endlich durch alle 76 Windungen der Gotthardstraße wohlbehalten wieder hieher zurückgekehrt.</p>
        <p>Der Minister <persName ref="kbga-actors-347">Rust</persName> hat sich noch nicht geregt.<note xml:id="n08">Zum <date when="1935-06-14">14.6.1935</date> notierte <persName ref="kbga-actors-223">Ch. von Kirschbaum</persName> in ihren <ref type="kba-objects-id" target="91491">Taschenkalender</ref>: «<hi rend="italic">Endlich</hi> — abends 1/2 8<hi rend="sup">h</hi> — kommt ein Telefon: <persName ref="kbga-actors-45">Bleibtreu</persName>: <hi rend="italic">Das Urteil wurde aufgehoben</hi>, d. Dienstentlassung abgewandelt in eine Geldbuße. <persName ref="kbga-actors-2151">Karl</persName> ist ganz blaß u. beschwert, alle sind erregt, Telefone an <persName ref="kbga-actors-26">Nelly</persName>, nach <placeName ref="kbga-places-5">Basel</placeName> laufen, am Abend, ich kann nachts kaum schlafen. Wir beschließen, telegr. noch eine <hi rend="italic">Audienz bei Min</hi>. <hi rend="italic"><persName ref="kbga-actors-347">Rust</persName></hi> zu erbitten, um klar zu sehen.» (Der Wortlaut des Telegramms ist nicht erhalten.) Unter dem <date when="1935-06-15">15.6.</date> notierte sie u. a. : «Weitere Telefone kommen: auch wir verhandeln noch einmal mit <persName ref="kbga-actors-45">Bleibtreu</persName>. Er sieht die Lage eher pessimistisch, meint aber auch, daß ein Besuch bei Rust d. Klärung dient.»</note> Und die deutschen Zeitungen bringen die Nachricht über das Gerichtsurteil <hi rend="italic">nicht</hi>. Ich weiß nicht, was soll das bedeuten<note xml:id="n09">Anfang des <date when="1824">1824</date> erstmals gedruckten Lore-Lei-Gedichtes von <persName ref="kbga-actors-1035">Heinrich Heine</persName> (<bibl corresp="kbga-bibls-7307">Heinrich Heine Werke, Bd. I, Frankfurt a.M. <date when="1968">1968</date>, S. 49</bibl>).</note>, und richte mich nun auf eine weitere Wartezeit hier ein.</p>
        <p>Heute morgen ist <persName ref="kbga-actors-223">Lollo</persName> für eine Woche nach <placeName ref="kbga-places-10">Bonn</placeName> gefahren, teils aus persönlich-familiären, teils aus technischen Gründen, teils um an Ort und Stelle (z. B. auch in <placeName ref="kbga-places-88">Wuppertal</placeName>) die nötigen Erkundigungen einzuziehen und Erklärungen abzugeben.<note xml:id="n10">Da <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> Entscheidung, <placeName ref="kbga-places-151">Deutschland</placeName> zu verlassen, erst fiel, nachdem <persName ref="kbga-actors-347">Rust</persName> ihn am <date when="1935-06-22">22.6.1935</date> in den Ruhestand versetze hatte (s. unten <ref type="pub" target="../volume/34/p913#fn_n02">S. 913f., Anm. 2</ref>), stand <persName ref="kbga-actors-223">Ch. von Kirschbaums</persName> Reise ursprünglich nicht im Zusammenhang mit Umzugsvorbereitungen. Zu ihrem Zweck notierte sie am <date when="1935-06-19">19.6.1935</date> in ihrem <ref type="kba-objects-id" target="91491">Taschenkalender</ref>: «[wir] beschließen, daß ich morgen nach <placeName ref="kbga-places-10">Bonn</placeName> fahre[,] um K. die nötigen Bücher zu packen u. nachzusehen, wie es steht …» Am 20.6. fuhr sie über Basel nach Bonn, wo sie <persName ref="kbga-actors-26">N. Barth</persName> unterstützte und viele, meist private, Gespräche führte. Gespräche mit Wuppertaler Pfarrern vermerkte Ch. von Kirschbaum nicht in ihrem Taschenkalender. Ihre Rückreise verzögerte sich unerwartet bis zum <date when="1935-07-14">14.7.</date>, weil sie nach der Operation eines Furunkels zehn Tage im Krankenhaus liegen mußte.</note>
            </p>
        <p>Soeben erhalte ich die Nachschrift meines Anwalts über die mündliche Urteilsbegründung.<note xml:id="n11"><persName ref="kbga-actors-45">O. Bleibtreus</persName> «<hi rend="italic">Notizen</hi> betr. Termin vom <date when="1935-06-14">14.6.1935</date>» (Typoskript mit handschriftlichen Korrekturen; 4 S.). Die offizielle Urteilsbegründung ging <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> erst Ende <date when="1935-07">Juli 1935</date> zu (Dokumente im <orgName ref="kbga-actors-8253">Karl Barth-Archiv</orgName>; Abdruck der Urteilsbegründung bei <bibl corresp="kbga-bibls-106">Prolingheuer, S. 362–368, vgl. auch dort S. 195f.216f)</bibl>.</note> Holla, da sieht nun doch Alles viel mieser aus, als es nach dem bloßen Resultat erscheinen konnte. Ich lege sie dir ebenfalls bei, dazu noch einige weitere Stimmen von draußen, damit du ein Bild hast, wie ich nun wieder umdröhnt bin. Dazu aber doch auch eine recht ordentliche Stimme von drinnen, nämlich die des Dr. <pb xml:id="p913" ed="pga"/> <persName ref="kbga-actors-1585">Frey</persName><note xml:id="n12">Wahrscheinlich <persName ref="kbga-actors-1585">Freys</persName> Brief vom <ref type="kba-objects-id" target="26527">15.6.1935</ref>, in dem er <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> seine Freude über dessen Wiedereinsetzung aussprach. Nach seiner Überzeugung sei <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> in <placeName ref="kbga-places-151">Deutschland</placeName> am besseren Ort. Außerdem enthält der Brief Überlegungen zur Einrichtung eines Informationsdienstes über die kirchliche Lage in Deutschland für die führenden schweizerischen Blätter.</note>, an dem ich eigentlich — kennst du ihn? — Wohlgefallen gefunden habe. Gelt, du schickst mir Alles bald wieder.</p>
        <closer>
          <salute>Mit herzlichem Gruß an dich und <persName ref="kbga-actors-1285">Marguerite</persName></salute>
          <salute>Dein</salute>
        </closer>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
