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        <title type="volume" n="vol-36">Offene Briefe 1935–1942</title>
        <title type="formal">16</title>
        <title type="content">An den Schweizerischen Evangelischen Pressedienst</title>
        <title type="citation_line_1">An den Schweizerischen Evangelischen Pressedienst, 1938</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/36018 (Stand: 2. Oktober 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Offene Briefe 1935–1942 (Gesamtausgabe, Abt. V), Zürich 2001, S. 104–106.</title>
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        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
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        <sponsor>Schweizerischer Nationalfonds (SNF)</sponsor>
        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
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        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
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        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
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          <title type="volume">Offene Briefe 1935–1942</title>
          <title type="text">16: An den Schweizerischen Evangelischen Pressedienst</title>
          <author ref="kbga-actors-2151">Barth, Karl</author>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
          <date type="publication">2001</date>
          <biblScope unit="page">Pp. 104-106</biblScope>
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        <!-- The first digital edition (data from xml and database) -->
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          <title type="edition">Princeton Barth Project edition</title>
          <title type="text">electronic edition of Karl Barth, Gesamtausgabe V.36, Offene Briefe 1935-1942, 1938 letter 16</title>
          <author ref="kbga-actors-2151">Barth, Karl</author>
          <editor>James R. Adair, Jr.</editor>
          <editor>Timothy J. Finney</editor>
          <editor>Christian Kelm</editor>
          <pubPlace>Princeton</pubPlace>
          <publisher>Alexander Street Press</publisher>
          <date type="publication">2001</date>
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        <!-- Data from KBA (https://kba.karl-barth.ch) -->
        <bibl xml:id="A" type="source">A (Vorlage der Edition): Karl Barth: Die ‹protestantische Opposition› im Dritten Reich, in: Mitteilungen des Schweizerischen evangelischen Pressedienstes über die Lage der Deutschen Evangelischen Kirche Nr. 38 (6.9.1938), Blatt 2 </bibl>
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        <hi rend="smallCaps">An den Schweizerischen Evangelischen Pressedienst</hi>
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      <head type="sub"><date when="1938">1938</date></head>
      <div type="abstract">
        <p>Die <orgName ref="kbga-actors-2669">National-Zeitung</orgName>, <placeName ref="kbga-places-5">Basel</placeName>, brachte am <date when="1938-08-29">29.8.1938</date> in ihrem Abendblatt (Nr. 399) auf ihrer ersten Seite einen eigenen Bericht «Die katholische Kirche in Deutschland nimmt den Kampf mit dem Nationalsozialismus auf», in dem ein am Vortage verlesener Hirtenbrief der katholischen Bischöfe<note xml:id="n01">Hirtenwort des deutschen Episkopats vom <date when="1938-08-19">19.8.1938</date>, in: <bibl corresp="kbga-bibls-7565"><hi rend="italic">Akten deutscher Bischöfe über die Lage der Kirche 1933-1945. Bd. IV 1936-1939</hi> (Veröffentlichungen der Kommission für Zeitgeschichte, Reihe A, Bd. 30), bearb. v. L. Volk, Mainz 1981, S. 555–564</bibl>.</note> als «schärfste und eindeutigste Verurteilung der nationalsozialistischen Ideologie», die seit <date when="1933">1933</date> «von kirchlicher Seite formuliert wurde», bezeichnet wurde. Der Bericht schloß mit dem Absatz:</p>
        <p rend="text-recte">Es ist charakteristisch, daß der Konflikt zwischen dem Nationalsozialismus und der deutschen katholischen Kirche gerade in dem Augenblick in sein schärfstes Stadium eintritt, in dem <hi rend="italic">die protestantische Opposition sang- und klanglos die Waffen streckt</hi> und die protestantischen Geistlichen den <hi rend="italic">Eid auf die neue Verfassung</hi> geschworen haben. Diese protestantische Opposition, deren Umfang und Rückgrat von Anfang an enorm überschätzt wurde, hätte alles, sogar die Ehre verloren, wenn nicht <hi rend="italic">ein einziger Mann</hi> ihr Wappenschild blank gehalten und lieber ins Konzentrationslager gegangen wäre, als seine Überzeugung zu verleugnen, und zwar Pfarrer <hi rend="italic"><persName ref="kbga-actors-300">Niemöller</persName></hi>. Die Tatsache, daß er <hi rend="italic">allein</hi> steht auf weiter Flur, ist für die protestantische deutsche Kirche beschämend, aber in die Geschichte wird seine Tat eingehen als <hi rend="italic">ein glänzendes Beispiel aufrechten Bürgerstolzes</hi> und der fanatischen Glaubenstreue.</p>
        <p><persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> verfaßte daraufhin eine Zuschrift, die in den «Mitteilungen des Schweizerischen evangelischen Pressedienstes» unter der Überschrift «Die ‹protestantische Opposition› im Dritten Reich» nach einem einleitenden Hinweis auf die «Behauptung» der <orgName ref="kbga-actors-2669">National-Zeitung</orgName>, die protestantischen Geistlichen hätten <date when="1938">1938</date> «den Eid auf die neue Verfassung geschworen», ohne Angabe des Verfassers abgedruckt wurde (<bibl corresp="kbga-bibls-7566">Nr. 38 vom 6.9.1938, Blatt 2</bibl>)<note xml:id="n02">Im <orgName ref="kbga-actors-8253">Karl Barth-Archiv</orgName> befindet sich sowohl der <ref type="kba-objects-id" target="605">Durchschlag</ref> dieses Textes als auch eine mit den Initialen K. B. gezeichnete (sonst unbezeichnete) besondere <ref type="kba-objects-id" target="606">Vervielfältigung</ref> der Mitteilung des <orgName ref="kbga-actors-7416">Schweizerischen E.P.D</orgName>.</note>.</p>
        <p rend="text-recte"><pb xml:id="p105" ed="pga" rend="noPipe"/>Diese Behauptung bezieht sich auf den Beschluß der preußischen <orgName ref="kbga-actors-11008">Bekenntnissynode</orgName> vom 31. Juli dieses Jahres, durch den die Pfarrer angewiesen werden, den von der staatskirchlichen Behörde verlangten Eid – nicht auf «die neue Verfassung», die es gar nicht gibt, sondern auf den Führer! – zu leisten.<note xml:id="n03">Siehe vorigen Offenen Brief, <ref type="pub" target="36017">Nr. 15</ref>.</note> Dieser Beschluß bedeutet einen schweren und tief bedauerlichen Irrtum der «protestantischen Opposition», d.h. der <orgName ref="kbga-actors-7774">bekennenden Kirche</orgName>. Sie hat sich damit einer Zweideutigkeit schuldig gemacht, die nicht vom Guten sein kann. Von einer «Waffenstreckung» kann aber aus folgenden Gründen keine Rede sein:</p>
        <p rend="text-recte">1. Der Eid wird von vielen Hunderten von jüngeren Pfarrern, Hilfspredigern und Vikaren schon darum nicht geleistet werden, weil sie in den letzten Jahren von der <orgName ref="kbga-actors-7774">bekennenden Kirche</orgName> examiniert und angestellt, von der staatskirchlichen Behörde dagegen nicht anerkannt worden sind und also auch nicht zur Eidesleistung aufgefordert sind.</p>
        <p rend="text-recte">2. Es ist schon jetzt sicher, daß eine Minderheit auch der von der Staatskirche zum Eid aufgeforderten und in jenem Synodalbeschluß angeredeten älteren Pfarrer der <orgName ref="kbga-actors-7774">bekennenden Kirche</orgName> der Weisung zum Schwören keine Folge geben, daß also <persName ref="kbga-actors-300">Martin Niemöller</persName> auf keinen Fall «auf weiter Flur allein» stehen wird.<note xml:id="n04">Daß im <placeName ref="kbga-places-914">Rheinland</placeName> 184 Pfarrer noch nicht geschworen hatten, hatten <persName ref="kbga-actors-7889">Helmut</persName> und <persName ref="kbga-actors-7888">Friedrich Hesse</persName> am <ref type="kba-objects-id" target="32288">30.8.1938</ref> <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> mitgeteilt (s. vorigen <ref type="pub" target="36017#fn_n07">Offenen Brief, Anm. 7</ref>).</note>
                  </p>
        <p rend="text-recte">3. Der Eid auf den Führer wird nach jenem Synodalbeschluß auch von denen, die er angeht und die dazu bereit sind, nicht vorbehaltlos, sondern unter ausdrücklichem Verweis auf seine Begrenzung durch das Ordinationsgelübde geleistet. Die Meinung ist dabei die, daß auch in Zukunft Gott mehr gehorcht werden soll als den Menschen<note xml:id="n05">Vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Act.5.29">Act. 5,29</ref>.</note> und daß der Kirchenkampf weitergehen wird.</p>
        <p rend="text-recte">4. Es wird sich zeigen müssen, ob diese Meinung und Absicht durch die Vereidigung der Mehrzahl der älteren Pfarrer nicht gefährdet ist. Es darf aber darauf hingewiesen werden, daß eben die römisch-ka<pb xml:id="p106" ed="pga" break="no"/>tholischen Bischöfe, die jenen Hirtenbrief erlassen haben – und in der Person der Bischöfe nach römisch-katholischen Begriffen der gesamte Klerus –, (man wird sagen müssen: in derselben Zweideutigkeit wie heute jene Protestanten) den Eid auf den Führer schon vor Jahren geleistet haben. Sie sehen sich dadurch in der Fortsetzung des Kampfes offenbar nicht behindert.</p>
        <lb/>
        <p>Mit der Meldung der <orgName ref="kbga-actors-2669">National-Zeitung</orgName> setzte sich <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> nochmals in seinem Vortrag über die Behandlung des Eides in der <orgName ref="kbga-actors-7774">Bekennenden Kirche</orgName> am <date when="1938-09-05">5.9.1938</date> in <placeName ref="kbga-places-66">Zürich</placeName> auseinander und stellte die Behauptung von der sang- und klanglosen Waffenstreckung in ausführlicher Darlegung richtig.<note xml:id="n06">Siehe Offenen Brief Nr. 14, <ref type="pub" target="../volume/36/p088#fn_n13">S. 87 Anm. 13</ref>.</note> Am Schluß faßte er zusammen: «Eine ‹Waffenstreckung›, verehrte schweizerische Zuschauer dieser Vorgänge!, müßte nun doch wohl noch etwas andere Dimensionen haben als das, was bisher geschehen ist.»<note xml:id="n07">
                        <bibl corresp="kbga-bibls-7561"><persName ref="kbga-actors-2151">K. Barth</persName>, a.a.O., S. 25</bibl>.
                    </note> Kurz vor dem Druck des Vortrages kam <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> einige Wochen später, als die <orgName ref="kbga-actors-8307">Tschechoslowakei</orgName> durch die nachgiebige Haltung der Westmächte dem Herrschaftsstreben <persName ref="kbga-actors-185">Hitlers</persName> geopfert worden war (siehe die folgenden Offenen Briefe), noch einmal auf den zitierten Begriff zurück und warb nun in «Noch ein Nachwort» um (noch) mehr Verständnis für die deutschen Protestanten.<note xml:id="n08">«Man wird es unterlassen, der <orgName ref="kbga-actors-7774">Bekennenden Kirche</orgName> in <placeName ref="kbga-places-151">Deutschland</placeName> aus ihrem Versagen in der Eidesfrage einen allzu schweren, einen selbstgerechten Vorwurf zu machen, wenn man sich vor Augen hält, wie – in Auseinandersetzung mit demselben Gesprächspartner! – die Regierungen der europäischen Westmächte, vermeintlich die Vertreter einer auf Recht und Freiheit gegründeten Lebens- und Gesellschaftsordnung, in einer Treulosigkeit, die sie selbst nur stammelnd zu entschuldigen wagen, in kaum verhüllter Preisgabe alles dessen, was sie selbst zuvor als politische Moral geltend gemacht haben, vor nichts anderem als vor der nackten Gewaltdrohung nun wirklich ‹sang- und klanglos die Waffen gestreckt› und sich damit der bewußten Unmoral ihres Widerparts mitschuldig gemacht haben.» (<bibl corresp="kbga-bibls-7561"><persName ref="kbga-actors-2151">K. Barth</persName>, a.a.O., S. 30f.</bibl>)</note>
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