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        <title type="volume" n="vol-41">Gespräche 1963</title>
        <title type="content">Interview von Reinhardt Stumm</title>
        <title type="citation_line_1">Interview von Reinhardt Stumm, in: Gespräche 1963, 10. September 1963</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/41015 (Stand: 2. Oktober 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Gespräche 1963, hrsg. v. Busch, Eberhard (Gesamtausgabe, Abt. IV), Zürich 2005, S. .</title>
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        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
        <sponsor>Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW)</sponsor>
        <sponsor>Schweizerischer Nationalfonds (SNF)</sponsor>
        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
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        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
        <date when="2026">2026</date>
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        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
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          <title type="volume">Gespräche 1963</title>
          <title type="text">Interview von Reinhardt Stumm</title>
          <editor>Busch, Eberhard</editor>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
          <date type="publication">2005</date>
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        <date type="creation" when="1963-09-10">10. September 1963</date>
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          <term>conversation</term>
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                <head>INTERVIEW VON REINHARDT STUMM</head> 
                <div type="abstract">
                <p><hi rend="italic"><persName ref="kbga-actors-5994">Rolf  Hochhuths</persName> Stück «Der Stellvertreter. Ein christliches Trauerspiel» wurde am 20.2.1963 in <placeName ref="kbga-places-8">Berlin</placeName> uraufgeführt, inszeniert von <persName ref="kbga-actors-10562">E. Piscator</persName>. Es war das Erstlingswerk des Autors, «mit dem dieser einen der nachhaltigsten literarischen Skandale der restaurativen <persName ref="kbga-actors-1423">Adenauer</persName>-Ära entfesselte, indem er dem <orgName ref="kbga-actors-8736">Vatikan</orgName> politisch und <term type="Begriffe" key="533">wirtschaftlich</term> kalkulierte Untätigkeit gegenüber der Massenvernichtung von <term type="Begriffe" key="233">Juden</term> während der <term type="Begriffe1" key="326">nationalsozialistischen</term> Herrschaft vorwarf.»<note xml:id="n01"><bibl corresp="kbga-bibls-5879">Kindlers Neues Literatur Lexikon, Bd. 7, München 1988, S. 912.</bibl></note> Anläßlich der - von Tumulten begleiteten - Aufführung von <persName ref="kbga-actors-5994">Hochhuths</persName> Stück im Stadttheater <placeName ref="kbga-places-5">Basel</placeName> brachten die «<orgName ref="kbga-actors-5804">Basler Nachrichten</orgName>» - in der Rubrik «blickpunkt der jungen» - eine Sammlung verschiedener Stellungnahmen (u. a. von <persName ref="kbga-actors-1748">Golo Mann</persName>) zu dem Stück und seiner Problematik. Darin stand auch der Bericht von <persName ref="kbga-actors-10561">Reinhardt Stumm</persName> über ein von ihm am 10.9.1963 geführtes Interview mit <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName>. Es erschien unter dem Titel: <bibl corresp="kbga-bibls-5877">«Ein Gespräch mit Karl Barth», in: Basler Nachrichten, Jg.119, Nr. 391, 17.9.1963, S. 3</bibl>. Der Text, der im Original die Gestalt eben eines Berichtes über das Gespräch hat, ist bei der folgenden Wiedergabe um die kommentierenden, glossierenden Passagen des Autors reduziert und in der Form eines <term type="Begriffe" key="84">Dialogs</term> eingerichtet.</hi> </p>
                </div>
                <div>
                <head>Interview von <persName ref="kbga-actors-10561">Reinhardt Stumm</persName></head>
                <sp>
                <speaker><persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName>:</speaker> 
                <p>Ich habe das Buch<note xml:id="n02"><bibl corresp="kbga-bibls-5513"><persName ref="kbga-actors-5994">R. Hochhuth</persName>, <hi rend="italic">Der Stellvertreter. Schauspiel. Mit einem Vorwort von <persName ref="kbga-actors-10562">E. Piscator</persName></hi>, Reinbek bei Hamburg 1963.</bibl></note> gelesen, und zwar von A bis Z. Viel literarischen Wert finde ich nicht daran. Aber nun hat der <persName ref="kbga-actors-5994">Hochhuth</persName> die <term type="Begriffe" key="241">katholische</term> Kirche einmal aufgespießt.</p>
                </sp>

                <p><hi rend="italic"><persName ref="kbga-actors-10561">Stumm</persName></hi> wollte wissen, ob <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> der Meinung ist, daß das Buch antikatholisch sei.</p>
                
                <sp><speaker><persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName></speaker> 
                <p>Nein, das kann man auf keinen Fall sagen. Trotzdem stört mich der Umstand, daß es ein Protestant geschrieben hat. Kann ein <term type="Begriffe" key="385">Protestant</term> die <term type="Begriffe" key="241">katholische</term> Kirche dieser Sache wegen überhaupt an<pb ed="pga" xml:id="p111"/>greifen? Sehen Sie, wenn einer ginge und das <orgName ref="kbga-actors-8718">Rote Kreuz</orgName> aufs Korn nehmen würde - diese Herren haben ja auch nichts getan<note xml:id="n03">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-5880">H. Lichtenstein, <hi rend="italic">Angepaßt und treu ergeben. Das Rote Kreuz im «Dritten Reich»</hi>, mit Vorwort von R. M. W. Kempner, Köln 1988</bibl>.</note> - oder die <term type="Begriffe" key="244,23">evangelische</term> Kirche, das wäre etwas anderes gewesen! Wir haben ja alle Dreck am Stecken. Der <term type="Begriffe" key="359,1">Papst,</term> die <term type="Begriffe1" key="241">[römische</term>] Kirche - das ist schließlich eine politische Institution, fast ein <term type="Begriffe" key="374">Politikum</term>. Wer redet von der Haltung der Basler Kirche, die zwar nicht so glanzvoll ist, aber schließlich sich auch nicht gerührt hat? Wer redet von den politischen <term type="Begriffe" key="361">Parteien</term> der <term type="Begriffe1" key="428">Schweiz</term> - ich gehe immer am liebsten von hier, von der <term type="Begriffe" key="428">Schweiz</term> aus -, wer redet von unseren <orgName ref="kbga-actors-7798">Bundesräten</orgName> während der <term type="Begriffe" key="527,2">Kriegsjahre</term>?<note xml:id="n04">Zum Verhältnis der <term type="Begriffe" key="428">Schweiz</term> und besonders auch der <term type="Begriffe" key="428">schweizerischen</term> <term type="Begriffe" key="374">Politik</term> jener Jahre zum Hitlerstaat vgl. etwa <bibl corresp="kbga-bibls-5881">A. A. Häsler, <hi rend="italic">Das Boot ist voll. Die Schweiz und die Flüchtlinge 1933-1945</hi>, Zürich 1967</bibl>, und <bibl corresp="kbga-bibls-2003">E. Bonjour, <hi rend="italic">Geschichte der schweizerischen Neutralität. Vier Jahrhunderte eidgenössischer Aussenpolitik</hi>, Bd. 4, Basel/Stuttgart 1970</bibl>. Ferner: <bibl corresp="kbga-bibls-5882">J. Picard, <hi rend="italic">Die Schweiz und die <term type="Begriffe" key="233">Juden</term></hi> <hi rend="italic">1933-1945. Schweizer <term type="Begriffe" key="17">Antisemitismus</term></hi>, <hi rend="italic">jüdische Abwehr und internationale Migrations- und Flüchtlingspolitik</hi>, Zürich 1994</bibl>.</note> Da haben wir auch gesagt: «Am besten sind wir ganz fein still; sonst frißt uns der Kerl da drüben auch noch auf.» Und wenn man diese Haltung einmal eingenommen hatte, sollte man eigentlich nun auch still sein. Nicht einmal still sein, sondern in erster Linie vor der eigenen Tür wischen<note xml:id="n05">= (mit dem Besen) kehren, fegen.</note>! Da redet man immer von «Bewältigung der Vergangenheit» - so wird sie nicht bewältigt. Wenn das Stück jetzt in <placeName ref="kbga-places-5">Basel</placeName> aufgeführt wird, werden die <term type="Begriffe" key="655">Pharisäer</term> wieder wach werden. Und Ressentiments gegen die <term type="Begriffe" key="241">katholische</term> Kirche sind nach wie vor da, wenn auch nicht mehr so stark wie vor hundert Jahren.<note xml:id="n06">Etwa in der Mitte des 19. Jahrhunderts kam es in der <term type="Begriffe" key="428">Schweiz</term> zu einem scharfen Gegensatz zwischen (protestantischem) <term type="Begriffe" key="282">Liberalismus</term> und <term type="Begriffe" key="241">Katholizismus</term>. So wurden 1841 die Klöster im Aargau aufgehoben, 1847 die in einem «Sonderbund» zusammengeschlossenen katholischen Kantone militärisch besiegt, 1848 in der <term type="Begriffe" key="428">Schweizer</term> <term type="Begriffe" key="428,2">Bundesverfassung</term> bestimmte katholische Aktionen (Errichtung neuer Klöster, Niederlassung der <term type="Begriffe" key="226">Jesuiten</term> usf.) gesetzlich verboten. Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-5883"><persName ref="kbga-actors-9283">K. Müller</persName>, <hi rend="italic">Die katholische Kirche in der Schweiz seit dem Ausgang des 18. Jahrhunderts. Eine historische Rundschau</hi>, Einsiedeln 1928</bibl>.</note> Aber sie lassen sich nur zu gern wecken.</p> 
                <p><pb ed="pga" xml:id="p112" rend="noPipe"/> Ich habe vor einiger Zeit einige Filme gesehen mit Dokumentaraufnahmen aus der <term type="Begriffe" key="326">Nazizeit</term>.<note xml:id="n07"><persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> hatte z. B. den Hitlerfilm von <persName ref="kbga-actors-10566">Erwin Leiser</persName> gesehen, der in einem <term type="Begriffe" key="39">Basler</term> Kino lief: <bibl corresp="kbga-bibls-5884">«Adolf Hitler - Mein Kampf» (1960)</bibl>, Montage von Dokumenten über das Dritte <term type="Begriffe" key="326">Reich</term>, vermutlich auch den Film <bibl corresp="kbga-bibls-5885">«Eichmann und das Dritte Reich» (1961)</bibl>.</note> Diese Filme mit den Hitlerreden, und was es da sonst noch gibt, die müßte man immer wieder zeigen. Da sieht man nicht nur die Herren auf den Rednertribünen. Man müßte den Bürgern von heute die Bürger von damals zeigen, die zu Tausenden die Hände hochstreckten. Wenn man sich die Zustände in der <term type="Begriffe" key="80,1">Bundesrepublik</term> genauer ansieht, dann ist es ja wirklich schlimm, was da alles an unbewältigter Vergangenheit herumsitzt.</p>
                </sp>
                <sp>
                <speaker>Stumm:</speaker>
                <p>Es wurde häufig die Meinung geäußert, <persName ref="kbga-actors-5994">Hochhuth</persName> schiebe die Schuld an den <term type="Begriffe" key="233">Judenmorden</term> nun dem <term type="Begriffe" key="359">Papst</term> in die Schuhe, und tatsächlich scheint es ja schon Leute zu geben, die Hochhuth in diesem Sinne für sich in Anspruch nehmen. Ich fragte <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName>, ob man <persName ref="kbga-actors-5994">Hochhuth</persName> aus dieser von anderen gezogenen Konsequenz seines Stückes einen Vorwurf machen könnte.</p>
                </sp>
                <sp>
                  <speaker><persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName>:</speaker> 
                  <p>Diesen Vorwurf kann man ihm auf keinen Fall machen. Ich bin ein <term type="Begriffe" key="38,29">Erzreformierter</term> - aber daß ich ein solches Argument unterstützte, würde mir nicht im Traume einfallen. Wenn allerdings die <term type="Begriffe" key="240">Katholiken</term> nach der Aufführung des Stückes hingehen und sagen würden, daß der Angriff <persName ref="kbga-actors-5994">Hochhuths</persName> nicht ernst zu nehmen sei, weil er unsachlich oder gar unehrlich genannt werden müsse, dann würde ich genau so gut sagen: «Bitte, versucht einmal mit eurer Vergangenheit fertig zu werden, indem ihr derartige Vorwürfe ernst nehmt!» Die <term type="Begriffe" key="305">Menschen</term> sind unbußfertig, man muß ihnen immer wieder ins <term type="Begriffe" key="172">Gewissen</term> reden. Nur allzu gern vergißt man seine <term type="Begriffe" key="468,21">Jugendsünden</term>. Aber man sollte sich nicht darum herumdrücken, wenn man zur Klärung der Vergangenheit aufgerufen wird.</p>
                  </sp>
                <p><hi rend="italic"><persName ref="kbga-actors-10561">Stumm</persName></hi> erwähnte <persName ref="kbga-actors-10563">Carl Amery</persName>, der feststellte, daß der wesentliche Beitrag zur Diskussion der <term type="Begriffe" key="241">katholischen</term> Situation nicht von dem ­katholischen Dramatiker <persName ref="kbga-actors-10564">Raffalt</persName> und seinem Konklavestück «Der <pb ed="pga" xml:id="p113"/> Nachfolger»<note xml:id="n08"><bibl corresp="kbga-bibls-5886"><persName ref="kbga-actors-10564">R. Raffalt</persName>, <hi rend="italic">Der Nachfolger. Ein Schauspiel</hi>, München 1962</bibl>.</note> geleistet worden sei, sondern von dem Stück des protestantischen Autors.<note xml:id="n09"><bibl corresp="kbga-bibls-5888"><persName ref="kbga-actors-10563">C. Amery</persName>, <hi rend="italic">Der bedrängte Papst</hi>, in: <hi rend="italic">Summa iniuria oder Durfte der Papst schweigen? Hochhuths «Stellvertreter» in der öffentlichen Kritik</hi> (rororo aktuell-TB 591), hrsg. von Fr. J. Raddatz, Reinbek bei Hamburg 1963, S. 84-91.</bibl></note></p>
                <sp>
                <speaker><persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName>:</speaker> 
                <p>Ja, ja, der <persName ref="kbga-actors-10563">Amery</persName> - sagt er das? Das ist ein gescheiter Kerl, und sein Buch<note xml:id="n10"><bibl corresp="kbga-bibls-5889"><persName ref="kbga-actors-10563">C. Amery</persName>, <hi rend="italic">Die Kapitulation oder Deutscher Katholizismus heute</hi> (rororo aktuell-TB 589), Reinbek bei Hamburg 1963.</bibl></note> hat Hand und Fuß.</p>
                </sp>
                <p><hi rend="italic"><persName ref="kbga-actors-10561">Stumm</persName></hi> berichtet: Wir kamen von da aus zu der Frage nach der Verpflichtung der <term type="Begriffe" key="244,6">Kirche,</term> unter dem Zwang der Umstände auch den Weg ins <term type="Begriffe" key="298">Martyrium</term> anzutreten. Hat <term type="Begriffe1" key="403">Religion</term> wirklich noch etwas mit «religio», mit «heiliger Verpflichtung» gemeinsam?</p>

                <p><hi rend="italic"><persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName></hi> ist der Meinung, daß wir nicht fordern dürfen, was wir selber nicht leisten konnten - wenn auch die Forderung an sich besteht und bestehen muß. Insofern also ist der Vorwurf <persName ref="kbga-actors-5994">Hochhuths</persName> berechtigt - die  Tatsache, daß er ihn ausspricht, daß er als <term type="Begriffe" key="385">Protestant</term> ihn gegen die <term type="Begriffe" key="241">katholische</term> Kirche ausspricht, problematisch. Auch die Tatsache, daß das Stück im stark protestantischen <term type="Begriffe" key="39">Basel</term> aufgeführt wird, ist nach Barths Meinung unpassend. Ja, wenn man das Stück in <term type="Begriffe" key="679">Luzern</term> oder in <term type="Begriffe" key="680">Freiburg</term><note xml:id="n11"><placeName ref="kbga-places-435">Luzern</placeName> und <placeName ref="kbga-places-1539">Fribourg</placeName> sind überwiegend <term type="Begriffe" key="241">katholische</term> Städte.</note> auf die Bühne gestellt hätte, das wäre etwas anderes gewesen! Wenn schon in <term type="Begriffe" key="39">Basel</term> ein Stück zur Bewältigung der Vergangenheit gespielt werden soll, dann müßte der Held ein <term type="Begriffe" key="428">Schweizer</term> Bundesrat sein, der mit den Argumenten aus seiner Stellung heraus sich zu verteidigen hätte.<note xml:id="n12"><persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> denkt hier wohl an erster Stelle an den für die fatale <term type="Begriffe" key="374">Flüchtlingspolitik</term> der <term type="Begriffe" key="428">Schweizer</term> Regierung während des zweiten <term type="Begriffe" key="527,2">Weltkriegs</term> zuständigen Vorsteher des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartements <persName ref="kbga-actors-3554">Eduard von Steiger</persName> (1881–1962), Bundesrat von 1940-1951. Vgl. dazu <bibl corresp="kbga-bibls-5890">H. Kocher, <hi rend="italic">Rationierte Menschlichkeit. Schweizerischer Protestantismus im Spannungsfeld von Flüchtlingsnot und öffentlicher Flüchtlingspolitik der <term type="Begriffe" key="428">Schweiz</term></hi> <hi rend="italic">1933-1948</hi>, Zürich 1996, bes. S. 186-189.194f.214–231</bibl>. Zum Konflikt speziell zwischen von <persName ref="kbga-actors-3554">Steiger</persName> und <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> in dieser Zeit vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-5891">E. Busch, <hi rend="italic">Der Theologe Karl Barth und die Politik des Schweizer Bundesrats. Eine Darstellung anhand von unveröffentlichten Akten der Schweizer Behörden</hi>, in: EvTh, Jg.59 (1999), S. 172-186</bibl>.</note> Diese Argumente würden allerdings auf das gleiche hinauslaufen - darauf, daß die Juden aus <term type="Begriffe" key="233">der</term> <pb ed="pga" xml:id="p114"/> <term type="Begriffe1" key="428">Schweiz</term> fort müssen.<note xml:id="n13">Vgl. dazu <bibl corresp="kbga-bibls-5892">M. Schmid, <hi rend="italic">Schalom! Wir werden euch töten. Texte und Dokumente zum <term type="Begriffe" key="17">Antisemitismus</term></hi> <hi rend="italic">in der Schweiz 1930-1980</hi>, Zürich 1979, S. 156-248.</bibl></note> Auf die jetzige Situation kann man wieder einmal das <term type="Begriffe" key="620">Bibelwort</term> vom Splitter im anderen und vom Balken im eigenen Auge [<ref type="can" subtype="bible" target="Mt.7.3 Mt.7.5">Mt. 7,3-5</ref>] anwenden.</p>
                
                <p><hi rend="italic"> <persName ref="kbga-actors-10561">Stumm</persName></hi> berichtet: Das Gespräch ging langsam auf andere Dinge über. Ich bedankte mich für das Interview.</p>

                <sp>
                <speaker><persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName>:</speaker> 
                <p>Na, Interviews bin ich wirklich gewöhnt. Einmal waren sogar die Leute vom «<orgName ref="kbga-actors-5625">Spiegel</orgName>» hier. Einen Photographen haben sie auch gleich mitgebracht, und vier Stunden lang haben sie mich ausgequetscht.<note xml:id="n14">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-3174">Gespräche 1959-1962, <ref type="pub" target="../volume/25/p042#p042">S. 42f</ref>.</bibl></note> Aber mit den Spiegelleuten verstehe ich mich gut. Was sie geschrieben haben, hatte die richtige Lage. Wissen Sie, ich lese den «<orgName ref="kbga-actors-5625">Spiegel</orgName>» lieber als die «<orgName ref="kbga-actors-5804">Basler Nachrichten</orgName>»<note xml:id="n15"><persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> hatte seit Ende 1951 die «<orgName ref="kbga-actors-5804">Basler Nachrichten</orgName>» abonniert, die klar und informiert über die deutschen Verhältnisse und den <term type="Begriffe" key="43,1">Kirchenkampf</term> während des Dritten Reiches, speziell auch über Barths Engagement und seine Absetzung 1934/35 berichtet hatten. Ihr Herausgeber war damals sein Vetter <persName ref="kbga-actors-1203">Karl Sartorius</persName>. Während des <term type="Begriffe" key="527,2">Krieges</term> hatte er Respekt vor der Haltung ihres Chefredaktors <persName ref="kbga-actors-712">Albert Oeri</persName> (1875–1950). Unzufrieden mit dem <term type="Begriffe" key="258,2">antikommunistischen</term> Kurs der Zeitung nach dem Krieg, gab ein unqualifizierter Angriff von ihr auf <persName ref="kbga-actors-3266">Gustav Heinemann</persName> (ein «politischer Hans Dampf») <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> den Anlaß, sie am 18.12.1957 abzubestellen. Dieselbe Zeitung wandte sich 1961/62 entschieden gegen die Berufung von <persName ref="kbga-actors-1620">Helmut Gollwitzer</persName> zum Nachfolger <term type="Begriffe" key="36,12">Barths</term>. Die Korrespondenz darüber im Karl Barth-Archiv, <term type="Begriffe" key="39">Basel</term>. Vgl. dazu: <bibl corresp="kbga-bibls-3174">Gespräche 1959-1962, <ref type="pub" target="../volume/25/p349#fn_n21">S. 349, Anm. 21</ref></bibl>.</note>.</p>
                </sp>

                <p><hi rend="italic"> <persName ref="kbga-actors-10561">Stumm</persName></hi> fragte, ob er das auch schreiben dürfe.</p>

                <sp>
                <speaker><persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName>:</speaker> 
                <p>Natürlich. Man hat mir einmal gesagt, daß ich nicht nur kein Konformist, sondern sogar ein prinzipieller Nonkonformist sei<note xml:id="n16"><bibl corresp="kbga-bibls-5878">Dtt. [<persName ref="kbga-actors-3167">Peter Dürrenmatt</persName>], <hi rend="italic">Karl Barth und die Politik</hi>, in: Basler Nachrichten vom 12./13.Mai 1956 (1. Beilage zu Nr. 198)</bibl>.</note> - und wenn ich es mir recht überlege, ist auch etwas daran.</p>
                </sp>  
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