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        <title type="volume" n="vol-41">Gespräche 1963</title>
        <title type="content">Interview von Georges Casalis (II)</title>
        <title type="citation_line_1">Interview von Georges Casalis (II), in: Gespräche 1963, 22. Oktober 1963</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/41021 (Stand: 2. Oktober 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Gespräche 1963, hrsg. v. Busch, Eberhard (Gesamtausgabe, Abt. IV), Zürich 2005, S. .</title>
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        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
        <sponsor>Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW)</sponsor>
        <sponsor>Schweizerischer Nationalfonds (SNF)</sponsor>
        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
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        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
        <date when="2026">2026</date>
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        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
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          <title type="volume">Gespräche 1963</title>
          <title type="text">Interview von Georges Casalis (II)</title>
          <editor>Busch, Eberhard</editor>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
          <date type="publication">2005</date>
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        <date type="creation" when="1963-10-22">22. Oktober 1963</date>
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          <term>conversation</term>
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            <head type="sub">19</head> 
            
                <head>INTERVIEW VON GEORGES CASALIS (II)</head> 
                <div type="abstract">
                <p><hi rend="italic">Anläßlich der 400. Sendung der Reihe «Présence Protestante» im französischen Fernsehen wurde Barth am 22.10.1963 zum zweiten Mal in diesem Jahr von <persName ref="kbga-actors-519">Georges Casalis</persName> (vgl. Gespräch Nr. 8; ein weiteres Gespräch folgte am 7.11.1963, vgl. Gespräch Nr. 22) interviewt. <persName ref="kbga-actors-10680">Jean Cabriès</persName> kommentierte den die Sendung einleitenden Film «Pfarrerkonferenz in <term type="Begriffe" key="694">Bièvres</term> mit Karl Barth» (vgl. Gespräch Nr. 18) folgendermaßen:</hi> </p>
                <p> Im letzten Monat haben sich in Bièvres die Pfarrer der Region <term type="Begriffe" key="639">Paris</term> zu ihrer jährlichen Zusammenkunft versammelt. Ein <term type="Begriffe" key="366,1">Pfarrer</term> ist nicht bloß, wie man immer noch gern glaubt, ein Mensch des Sonntags, des <term type="Begriffe" key="183">Gottesdienstes</term> und der <term type="Begriffe" key="378">Predigt</term>. Er ist die ganze Woche und das ganze Jahr hindurch wie ein Arzt unterwegs. Eine Retraite von drei Tagen gibt ihm die Gelegenheit einer Atempause, einer Sammlung, einer unentbehrlichen Besinnung.</p>
                <p> Eine Pfarrerversammlung ist nicht eine Art von Treffen, von dem man üblicherweise in unserer Sendung berichtet. Aber diesmal handelte es sich um eine ganz außerordentliche Zusammenkunft. Karl Barth hatte nämlich seine Teilnahme an dieser Versammlung zugesagt. Die Pfarrer, die nach Bièvres gekommen waren, wollten nicht bloß den berühmten <term type="Begriffe" key="39">Basler</term> Theologen hören, dessen Denken so tief und kraftvoll den gegenwärtigen <term type="Begriffe" key="385,5">Protestantismus</term> inspiriert hat, sondern sie wollten auch - durch den Theologen hindurch, in dem Theologen - einen einfachen <term type="Begriffe" key="305">Menschen</term> hören, der einfach redet, mitsamt der zweifellos reichen Kenntnis und <term type="Begriffe" key="104">Erfahrung,</term> die hinter seiner Rede steht, aber auch mit dem <term type="Begriffe" key="26,23">Humor</term> eines Menschen, der niemals die Grenzen der <term type="Begriffe" key="481">Theologie</term> aus den Augen verliert. Es war auch ein Pfarrer, den all diese Pfarrer zu hören kamen und mit dem sie arbeiten wollten.</p>
                <p> Es ging in der Tat für diese <term type="Begriffe" key="305">Menschen</term> nicht darum, sich einer Art strenger, intellektueller und erbaulicher Ablenkung zu widmen, sondern wohl darum, miteinander auf eine nützliche Weise nachzuforschen, wie das Wort <term type="Begriffe" key="537">Gottes</term> inmitten der täglichen Aufgaben die Woche hindurch angekündigt werden kann, ganz wie im Gottesdienst am Sonntagmorgen. Barth hatte selbst darum gebeten, daß sein Beitrag <pb ed="pga" xml:id="p222"/> für diese Zusammenkunft in der Form eines Arbeitsseminars geschehen möge; und zwar über sein Buch: «Einführung in die evangelische Theologie».<note xml:id="n01">K. Barth, <hi rend="italic">Einführung in die evangelische Theologie</hi>, Zürich 1962. Französisch: <hi rend="italic">Introduction à la théologie évangélique</hi>, Trad. française de <persName ref="kbga-actors-1854">F. Ryser</persName>, Genève 1962.</note> Nach einer Darstellung der Gedanken des Autors formulierten die Pfarrer die Fragen, die für sie der Text aufwarf, und Barth antwortete.</p>
                <p> <persName ref="kbga-actors-3111">Jean Bosc</persName> schreibt in der Zeitschrift «Réforme»<note xml:id="n02"><persName ref="kbga-actors-3111">J. Bosc</persName>, <hi rend="italic">Un Karl Barth Pastoral</hi>, in: Réforme, Jg.19, 26.10.1963, S. 3.</note>: «Bei der Rückkehr von <term type="Begriffe" key="694">Bièvres</term> haben die Teilnehmer dieser Zusammenkunft - unabhängig von dem, was sie gelernt haben - gewiß ein außerordentliches Gefühl von kindlicher Frische mitgenommen; denn sie sind in die Einfalt zurückversetzt worden, ja zur Wurzel ihrer theologischen <term type="Begriffe" key="47">Berufung.</term>»</p>
                 <!-- leerzeile -->
                 </div>
                 <div>
                 <head>Interview von Georg Casalis (II)</head>
                <sp>
                <speaker><persName ref="kbga-actors-519">Casalis</persName>:</speaker> 
                <p>Was sind ihre Eindrücke über den Verlauf dieses theologischen Kolloquiums?</p>
                </sp>
                <sp>
                <speaker>Barth:</speaker> 
                <p>Nun, ich habe mich <term type="Begriffe" key="134">gefreut</term>, in einem bestimmten Sinn die Arbeit wieder aufzugreifen, die ich in <term type="Begriffe" key="39">Basel</term> verrichtet habe, indem ich diesen Unterricht gab, und das diesmal in der Zusammenarbeit mit mindestens vier Pfarrern zu machen, die den Auftrag hatten, Einführungen zu geben. Und indem ich ihnen zuhörte, habe ich mich gefreut zu bemerken, daß mein Buch gut verstanden war. Wenn das Buch im ganzen reformierten <term type="Begriffe" key="130">Frankreich</term> mit solchem Eifer, mit solchem offenen und verständigen Sinn gelesen wurde, dann umso besser für mich und vielleicht umso besser auch für die Reformierte <term type="Begriffe" key="244,23">Kirche</term> in <term type="Begriffe" key="130">Frankreich.</term></p>
                </sp>
                <sp>
                <speaker><persName ref="kbga-actors-519">Casalis</persName>:</speaker> 
                <p>Es muß gesagt werden, daß nicht bloß Pfarrer der Reformierten <term type="Begriffe" key="244,23">Kirche</term> <term type="Begriffe1" key="130">Frankreichs</term> anwesend waren, sondern auch in einer gewissen Zahl Pfarrer der lutherischen <term type="Begriffe" key="244,23">Kirche</term> und anderer Kirchen des Protestantischen <term type="Begriffe" key="244,23">Bundes</term> in <term type="Begriffe1" key="130">Frankreich,</term> so daß die Plattform des Kolloquiums von Bièvres größer als die des 3. Bezirks der Reformierten <term type="Begriffe" key="244,23">Kirche</term> <term type="Begriffe1" key="130">Frankreichs</term> war. Könnten wir versuchen, ein Stück Bilanz zu ziehen und eine bestimmte Dominante in diesen zwei Tagen des Gesprächs hervorzuheben?</p> </sp> 
                <sp> 
                <speaker><pb ed="pga" xml:id="p223" rend="noPipe"/> Barth:</speaker> 
                <p>Ich meine, daß ich feststellen kann, daß am Ende des zweiten Tages der Gespräche gewisse Gesichter sich ein bißchen aufgehellt haben, die am Anfang - in einer gewissen Angst vor der Begegnung mit diesem renommierten Professor - ein bißchen dunkel, um nicht zu sagen: finster waren. Und dann hat man anscheinend bemerkt, daß ich alles in allem eine menschliche Kreatur wie sie bin und in der Lage, mich mit ihnen in einer angenehmen Weise zu unterhalten. Und vielleicht steht das in einer gewissen Beziehung zum Inhalt meines Buches. Denn seit Beginn meiner theologischen <term type="Begriffe" key="36,15">Arbeit</term>, deren Ende dieses Buch ist, war meine Absicht zu zeigen, daß die Beschäftigung mit der <term type="Begriffe" key="481">Theologie,</term> d. h. das Studium des <term type="Begriffe1" key="119">Evangeliums,</term> eine fröhliche und keine traurige Aufgabe ist.</p>
                </sp> 
                <sp><speaker><persName ref="kbga-actors-519">Casalis</persName>:</speaker>
                <p> Ja, so ist es, ich glaube, was in diesen zwei Tagen wichtig war, war tatsächlich dies, daß Sie uns alle ganz zur Freude verholfen haben, indem Sie uns unaufhörlich daran erinnerten, daß wir alle kleine Theologen sind - im Vergleich mit dem Objekt der <term type="Begriffe" key="481">Theologie,</term> das auch ihr <term type="Begriffe" key="464">Subjekt</term> ist: der lebendige Gott, der Gott des <term type="Begriffe1" key="119">Evangeliums.</term> Und andererseits, eben weil sie während dieser zwei Tage wie im ganzen Gang Ihres Werks beharrlich auf das Faktum insistiert haben, daß der <term type="Begriffe" key="181,19">Gott</term> Jesu <term type="Begriffe" key="227,5">Christi</term> der ist, der Ja zum <term type="Begriffe1" key="305">Menschen</term> sagt und dessen Ja immer das letzte Wort ist, haben Sie in unsere Gespräche eine Tonlage gebracht, von der ich nicht zögere zu sagen, daß sie - von Anfang bis Ende - eine solche der <term type="Begriffe" key="134">Freude,</term> des Glücks, des großen inneren Glücks war. Und ich glaube, daß das für die <term type="Begriffe" key="244,23">Kirche</term> und ihre Arbeit und für das Leben der <term type="Begriffe" key="9,3">Pfarrer</term> wichtig ist.</p>
                </sp> 
                <sp><speaker>Barth:</speaker> 
                <p>Ja, ich hoffe, daß das anhalten wird, wenn alle die <term type="Begriffe" key="9,3">Pfarrer</term> in ihre <term type="Begriffe" key="156">Gemeinden</term> zurückfahren, und daß sie in der Lage sein werden, ihnen etwas von der <term type="Begriffe" key="134">Freude</term> zu zeigen, von diesem Vergnügen, das sie anscheinend erfahren haben. Und dann, daß diese Stärkung und <term type="Begriffe" key="134">Freude</term> sich nicht in eine Haltung der Sicherheit wandeln, weil diese <term type="Begriffe" key="134">Freude,</term> die ein Grundelement der <term type="Begriffe1" key="244">kirchlichen</term> <term type="Begriffe2" key="481">Theologie</term> und <term type="Begriffe" key="513">Verkündigung</term> ist, sich nicht ohne Kampf gewinnen läßt und nicht ohne ein Hindurchgehen durch bestimmte Gefahren des <term type="Begriffe" key="553">Zweifels,</term> der <term type="Begriffe" key="11">Anfechtung,</term> wovon ich in einem Abschnitt dieses Buches auch gesprochen habe<note xml:id="n03">K. Barth, <hi rend="italic">Einführung</hi>, a.a.O., S. 133-158.</note> - so daß diese <term type="Begriffe" key="134">Freude</term> eine ernstliche <term type="Begriffe1" key="134">Freude</term> ist.</p> 
                </sp> 
                <sp><speaker> <pb ed="pga" xml:id="p224" rend="noPipe"/> <persName ref="kbga-actors-519">Casalis</persName>:</speaker> 
                <p>So ist es. Und im Lauf dieser zwei Tage war recht erstaunlich, daß Sie uns immer wieder sagten: In dem Maße, wie wir sie besitzen, sie uns selbst erwerben wollen, ist sie uns wieder genommen und haben wir sie nicht. In dem Maße, wie wir entdecken, daß wir sie nicht haben und daß wir letztlich ganz klein und ohnmächtig sind, kommt sie über uns. Können Sie uns noch einmal etwas sagen über diesen so wichtigen Punkt, wie im Grunde Christsein - als Theologe, als <term type="Begriffe" key="9,3">Pfarrer,</term> aber auch einfach als Glied einer christlichen <term type="Begriffe" key="156">Gemeinde</term> - niemals heißt: Besitzen, Reichsein, sondern immer: Warten und Empfangen im Warten.</p></sp> 
                <sp><speaker>Barth:</speaker> 
                <p>Wenn die Substanz der <term type="Begriffe" key="58,1">Botschaft</term> der Kirche, die mit der Substanz des <term type="Begriffe" key="174">Glaubens</term> identisch ist, ein Objekt ist, vielmehr sage ich lieber: ein <term type="Begriffe" key="464">Subjekt,</term> das nicht in uns ist: es ist die Person des lebendigen Jesus <term type="Begriffe" key="227,4">Christus</term>, dann kann unsere Haltung in unserer <term type="Begriffe" key="134">Freude</term> nur Bestand haben und sich realisieren in der Beziehung zu ihm. Und so wird sie ein Weg sein und ein Kampf, der zu führen ist, und es wird da sogar Dunkelheiten geben, die zu durchschreiten sind, weil wir nicht andere Jesus Christusse sind. Wir haben die Erlaubnis, kleine <term type="Begriffe" key="68">Christen</term> und kleine Theologen zu sein, aber indem wir immer auf ihn blicken und uns ihm anvertrauen und nicht uns selbst, nicht unseren <term type="Begriffe" key="150">Gefühlen,</term> nicht unseren Gedanken, unseren Bemühungen und vielleicht unseren geistigen Erfolgen, die wir erzielen können.</p>
                
                </sp> 
                <sp><speaker><persName ref="kbga-actors-519">Casalis</persName>:</speaker> 
                <p>Sie haben das den Pfarrern gesagt, und es war kostbar für jeden von uns, das erneut zu hören. Wie können Ihrer Meinung nach die Glieder der christlichen <term type="Begriffe" key="156">Gemeinde</term> für sich diese <term type="Begriffe1" key="58">Botschaft</term> ernst nehmen? Und wie können sie zusammen mit ihren Pfarrern, in dieser fröhlichen Erwartung und auf diesem Weg mit Jesus <term type="Begriffe" key="227,4">Christus</term> leben?</p>
                </sp> 
                <sp><speaker>Barth:</speaker> 
                <p>Nun, nehmen wir an, daß diese <term type="Begriffe" key="9,3">Pfarrer,</term> die jetzt in ihre <term type="Begriffe" key="156">Gemeinden</term> zurückkehren werden, den guten Willen und auch die Fähigkeit haben, die evangelische <term type="Begriffe" key="58,1">Botschaft</term> zu übersetzen als diese <term type="Begriffe" key="58">Botschaft,</term> die «die große <term type="Begriffe1" key="134">Freude</term>» <term type="Begriffe2" key="513">verkündigt,</term> «die aller Welt widerfahren ist» <term type="Bibelstellen" key="Lk. 2,10">[Lk. 2,10</term>], nehmen wir an, es sei so, dann wird es [darauf ankommen], die <term type="Begriffe" key="156">Gemeindeglieder,</term> die <term type="Begriffe1" key="68">Christen,</term> die in ihrer Weise auch kleine Theologen sind (oft sind sie sogar bessere Theologen als die Pfarrer) … </p>
                </sp> 
                <sp>
                <speaker><persName ref="kbga-actors-519">Casalis</persName>:</speaker> 
                <p>Sehr gut, das zu hören!</p> 
                </sp> 
                <sp>
                <speaker><pb ed="pga" xml:id="p225" rend="noPipe"/> Barth:</speaker> 
                <p>Ja, das gibt es! … Nun, es wird darauf ankommen, sie einzubeziehen in diese Arbeit, die [für die Pfarrer] eine <term type="Begriffe" key="366,1">Arbeit</term> des Akzeptierenkönnens ist, und dann einzubeziehen auch in jene Atmosphäre der Ruhe, des <term type="Begriffe" key="135,2">Friedens</term> und der <term type="Begriffe1" key="134">Freude.</term> Kurz, der Vorgang, der im Theologen, Pfarrer, Professor geschieht, muß sich wiederholen … </p>
                </sp> 
                <sp>
                <speaker><persName ref="kbga-actors-519">Casalis</persName>:</speaker> 
                <p>… ich würde lieber sagen: die Bewegung … </p>
                </sp> 
                <sp>
                <speaker>Barth:</speaker> 
                <p>… gut! Sie muß sich entsprechend wiederholen. Und es kann nicht an Früchten der <term type="Begriffe" key="513">Verkündigung</term> fehlen.</p>
                </sp> 
                <sp>
                <speaker><persName ref="kbga-actors-519">Casalis</persName>:</speaker> 
                <p>Ja. Es ist wichtig, daß Sie eben im Vorbeigehen sagten, daß ja oft die Gemeindeglieder bessere Theologen als ihre Pfarrer sind. Das bedeutet im Grunde, daß wir ein großes Fragezeichen zu setzen haben werden hinter jene Unterscheidung, die man manchmal zwischen einer lehrenden und lernenden <term type="Begriffe" key="244">Kirche</term> gemacht hat. Schließlich sind wir alle miteinander durch das <term type="Begriffe" key="119">Evangelium</term> zu Lernenden und Lehrenden gemacht und eingesetzt, uns gegenseitig zu belehren.</p>
                </sp> 
                <sp>
                <speaker>Barth:</speaker> 
                <p>Denn die Leute, die man <term type="Begriffe" key="244,33">«Laien</term>» nennt - ich verabscheue dieses Wort -, die <term type="Begriffe" key="68">Christen</term> und Glieder der <term type="Begriffe1" key="244">Kirche</term> sind auch nicht bloß passiv, sondern sie sind eingeladen, in ihrer Weise <term type="Begriffe" key="545">Zeugen</term> zu werden. So etwas wie diese Unterscheidung zwischen lehrender und hörender <term type="Begriffe" key="244">Kirche</term><note xml:id="n04">Vgl. KD I/2, S. 891f.</note> darf nicht absolut verstanden werden, weil man immer hören und auch immer reden muß.</p>
                </sp> 
                <sp>
                <speaker><persName ref="kbga-actors-519">Casalis</persName>:</speaker> 
                <p>So ist es. Vielleicht können wir an diesem Punkt des Gesprächs mit Gewinn auch davon reden, inwieweit wir Glieder der protestantischen Gemeinschaften - auch während der zwei Tage des Kolloquiums in Bièvres<note xml:id="n05">Am 20./21.10.1963; siehe oben S. 176-220.</note> und allgemein überhaupt während dieser ganzen Zeit, in der wir leben - sehr aufmerksam auf das blicken, was auf einem anderen, großen Kolloquium<note xml:id="n06">Zweites Vatikanisches <term type="Begriffe" key="265">Konzil</term>, 1962-1965. Die Dokumente dieses Konzils sind u. a.  veröffentlicht in: <hi rend="italic">Das Zweite Vatikanische <term type="Begriffe" key="265">Konzil</term></hi>, 3 Ergänzungsbände zum LThK, Freiburg i. B. 1966. 1967. 1968.</note> passiert: dem der Bischöfe der <term type="Begriffe" key="241">katholischen</term> Kirche in <term type="Begriffe" key="619">Rom</term>, in Gegenwart der Beobachter aus allen anderen <term type="Begriffe" key="244">Kirchen</term> der <term type="Begriffe1" key="525">Welt,</term> mit Ausnahme einiger weniger. Denken Sie, daß genau das, was Sie jetzt sagten, sich in einer gewissen Weise in Rom <term type="Begriffe" key="265">zuträgt</term>? Auf der einen Seite jene Wiederentdeckung der evangelischen <term type="Begriffe" key="134">Freude,</term> auf der anderen Seite vielleicht jene Überzeu<pb ed="pga" xml:id="p226" break="no"/>gung, daß die <term type="Begriffe" key="481">Theologie</term> nicht irgendeine Sache ist, die bloß von oben herab sich vollzieht, sondern etwas, was ein Gemeinschaftswerk der ganzen <term type="Begriffe" key="244">Kirche</term> ist, nicht, weil da ein in sich wichtiges Werk geschehen soll, sondern weil es dabei tatsächlich - wie Sie es eben zuletzt sagten - um das <term type="Begriffe" key="546,2">Zeugnis</term> der christlichen <term type="Begriffe1" key="156">Gemeinde</term> in der <term type="Begriffe2" key="525">Welt</term> geht.</p>
                </sp> 
                <sp>
                <speaker>Barth:</speaker> 
                <p>Ja, wenn wir nun vom Konzil reden - haben Sie schon die Neuigkeit gelesen, daß es jenen Vätern in der Peterskirche, dieser gewaltigen Kathedrale, erlaubt ist, Pfeife zu rauchen? <note xml:id="n07">Siehe oben S. 121f.</note></p>
                </sp> 
                <sp>
                <speaker><persName ref="kbga-actors-519">Casalis</persName>:</speaker> 
                <p>Ich habe es nicht gelesen, aber Sie haben sich beeilt, es uns mitzuteilen.</p>
                </sp> 
                <sp>
                <speaker>Barth:</speaker> 
                <p>Ja, ich habe mich beeilt, weil ich Sie fragen möchte: Darf ich Ihres Erachtens wohl für den Fortgang des Gesprächs mir eine <term type="Begriffe" key="36,24">Pfeife</term> anzünden?</p>
                </sp> 
                <sp>
                <speaker><persName ref="kbga-actors-519">Casalis</persName>:</speaker> 
                <p>Ich denke, das ist unentbehrlich. Das ist so sehr Teil Ihrer theologischen <term type="Begriffe" key="122">Existenz,</term> daß Sie nicht ganz Sie selbst sind ohne Ihre <term type="Begriffe" key="36,24">Pfeife</term> - brennend oder erloschen übrigens. Wir alle, die wir Ihren Unterricht empfangen haben, haben ihn immer empfangen in der Interpunktion durch eine bestimmte Anzahl von Gesten mit der <term type="Begriffe" key="36,24">Pfeife,</term> inmitten bestimmter Dampfwolken, die aber nicht daran hinderten, äußerst klar zu sein.</p>
                <p><hi rend="italic">Barth (nachdem er die Pfeife entzündet hat):</hi> Um wieder ernst zu werden und fortzufahren: Ja, nun gut, es ist ein anderes Kolloquium, etwas berühmter als das unsrige, kleine in <term type="Begriffe" key="694">Bièvres</term>. Aber schließlich zählen nicht Größe oder Kleinheit; doch kann man sie vergleichen hinsichtlich ihres Ernstes. Ich habe seit Beginn mit größtem Interesse verfolgt, was in <term type="Begriffe" key="619">Rom</term> geschehen ist. Denn ich habe schon vorher, seit Jahren und Jahrzehnten, gewisse Dinge, die in der römischen <term type="Begriffe" key="241">Kirche</term> passierten, verfolgt. Man muß vorsichtig sein. Ich weiß nicht, ob man von einer Erneuerungsbewegung reden kann, aber so etwas wie das scheint in dieser <term type="Begriffe" key="241,1">Kirche</term> zu geschehen. Ich denke an die Tätigkeit von Papst <persName ref="kbga-actors-1677">Johannes XXIII.</persName><note xml:id="n08"><persName ref="kbga-actors-1677">Angelo Giuseppe Roncalli</persName> (1881–1963), seit dem 28.10.1958 Papst Johannes XXIII.</note>, aber auch an die Eröffnungsrede von <persName ref="kbga-actors-3435">Paul VI.</persName><note xml:id="n09">Giovanni Battista Montini (1897–1978), seit dem 21.6.1963 Papst <persName ref="kbga-actors-3435">Paul VI.</persName> Zu seiner Eröffnungsrede zur zweiten Sitzungsperiode des Zweiten Vatikanischen <term type="Begriffe" key="265">Konzils</term> am 29.9.1963 vgl. oben S. 138­, Anm. 25.</note> Was er da sagte, nun, das erstaunt mich.</p> 
                </sp> 
                <sp>
                <speaker><pb ed="pga" xml:id="p227" rend="noPipe"/> <persName ref="kbga-actors-519">Casalis</persName>:</speaker> 
                <p>Könnten Sie sagen, was speziell Sie an dieser Rede verblüffte?</p>
                </sp> 
                <sp>
                <speaker>Barth:</speaker> 
                <p>Was mich an dieser Rede von <persName ref="kbga-actors-3435">Paul VI.</persName> verblüffte, ist sein Ruf nach einer christologischen <term type="Begriffe" key="227,9">Konzentration</term> der <term type="Begriffe" key="58">Botschaft</term> und Aktion der <term type="Begriffe" key="244">Kirche.</term> Dergleichen hat man in dieser Weise bis heute noch nicht gehört vom Stuhle <term type="Begriffe" key="395,4">Petri</term> herab. Und da ist ein Punkt, an dem man sich treffen kann. Und dann wird es vielleicht auch etwas geben, das auch von uns von den <term type="Begriffe" key="240">Katholiken</term> zu übernehmen ist. Denn es könnte sein, daß diese Bewegung zum Zentrum, die von diesem christologischen Zentrum herkommt, sich [hier] auf eine kräftigere Weise manifestiert, als sie sich bei uns manifestiert. Warten wir ab!</p>
                </sp> 
                <sp>
                <speaker><persName ref="kbga-actors-519">Casalis</persName>:</speaker> 
                <p>Es ist erstaunlich zu sehen, daß plötzlich beim Empfang der Beobachter der <persName ref="kbga-actors-3435">Papst</persName> in Antwort auf die Rede von Prof. <persName ref="kbga-actors-3538">Skydsgaard</persName><note xml:id="n10"><persName ref="kbga-actors-3538">Kr. E. Skydsgaard</persName> (1902–1990), seit 1940 Professor für Systematische <term type="Begriffe" key="481,26">Theologie</term> in <term type="Begriffe" key="622">Kopenhagen</term> und seit 1962 Leiter des konfessionskundlichen Instituts des Lutherischen Weltbundes sowie offizieller Beobachter des Lutherischen Weltbundes beim Vatikanum II. Die von ihm gehaltene Rede ist abgedruckt in: <hi rend="italic">Ende der <term type="Begriffe" key="151">Gegenreformation</term></hi><hi rend="italic">? Das Konzil, Dokumente und Deutung</hi>, hrsg. von J. Chr. Hampe, Stuttgart/Berlin/Mainz 1964, S. 365-367. Das Augustin-Zitat wird dort auf S. 367 angeführt. Zur Antwort des Papstes siehe Anm. 12.</note> aus <term type="Begriffe" key="609">Dänemark</term>, einem dänischen Lutheraner, eine Reihe Dinge sagte, die uns zu Herzen gingen, besonders als er einen Satz von <persName ref="kbga-actors-14">Augustin</persName> aufgriff, der von dem protestantischen Beobachter zitiert worden war: «Man muß die <term type="Begriffe" key="522">Wahrheit</term> suchen und finden, suchen, um sie zu finden, und finden, um sie aufs neue zu suchen.»<note xml:id="n11"><persName ref="kbga-actors-14">A. Augustinus</persName>, <hi rend="italic">De Trinitate</hi> IX,I 1 (CChr.SL 50, 293,26-29): «Hoc ergo sapiamus ut nouerimus tutiorem esse affectum uera quaerendi quam incognita pro cognitis praesumendi. Sic ergo quaeramus tanquam inuenturi, et sic inueniamus tanquam quaesituri.»</note></p>
                </sp> 
                <sp>
                <speaker>Barth:</speaker> 
                <p>Wir sind da[, bei der Bewegung zum Zentrum,] recht nahe bei dem Buch <persName ref="kbga-actors-14">Augustins</persName>[, in dem dieser Satz steht], … </p>
                </sp> 
                <sp>
                <speaker><persName ref="kbga-actors-519">Casalis</persName>:</speaker> 
                <p>Wir sind in der Tat sehr nahe an diesem Buch. Ja, hier sehe ich eine tiefe Verwandtschaft zwischen den beiden Kolloquien, von denen wir reden, natürlich bei allen Unterschieden. Und ich glaube, daß Sie recht haben, wenn Sie sagen, daß letztlich nicht die Größe des [einen] Kolloquiums zählt, sondern die <term type="Begriffe" key="522">Wahrheit,</term> die im Zentrum stand, und daß dort, wo sich die <term type="Begriffe" key="522">Wahrheit</term> so oder so manifestiert, <pb ed="pga" xml:id="p228"/> etwas Entscheidendes für die <term type="Begriffe" key="525">Welt</term> stattfindet und daß das alles in Bewegung setzt. Und ich werde es in der Tat schätzen, wenn wir ebenso in Bewegung wären, wie es in diesem Augenblick nötig ist. Der <persName ref="kbga-actors-3435">Papst</persName> sagt überdies: «Ein wahrer <term type="Begriffe" key="68">Christ</term> kennt keinen Immobilismus.»<note xml:id="n12">In: <hi rend="italic">Ende der <term type="Begriffe" key="151">Gegenreformation</term></hi><hi rend="italic">?</hi>, a.a.O. (s. Anm. 10), wird auf S. 367-370 die Antwort von <persName ref="kbga-actors-3435">Paul VI.</persName> auf die oben genannte Rede von <persName ref="kbga-actors-3538">Kr. E.  Skydsgaard</persName> abgedruckt. An die Wiederholung des Augustin-Satzes fügt der Papst den zitierten Satz an (S. 369f.).</note> Das bewegt uns sehr tief, nicht weil es der <persName ref="kbga-actors-3435">Papst</persName> sagt, sondern weil es wahr ist.</p>
                </sp> 
                <sp>
                <speaker>Barth:</speaker> 
                <p>Weil es auch einen protestantischen Immobilismus gibt! </p>
                </sp> 
                <sp>
                <speaker><persName ref="kbga-actors-519">Casalis</persName>:</speaker> 
                <p>Ohne Frage.</p>
                </sp> 
                <sp>
                <speaker>Barth:</speaker> 
                <p>Es gibt auch auf unserer Seite <persName ref="kbga-actors-1805">Ottavianis</persName><note xml:id="n13">Kardinal <persName ref="kbga-actors-1805">Alfredo Ottaviani</persName> (1890–1979), Sekretär des Heiligen Offiziums resp. der Glaubenskongregation, 1966-1968 deren Propräfekt, galt als Repräsentant des <term type="Begriffe" key="262">konservativen</term> Flügels auf dem Konzil.</note>, vielleicht sogar noch gefährlichere.</p>
                <p><hi rend="italic"> <persName ref="kbga-actors-519"><persName ref="kbga-actors-519">Casalis</persName></persName>:</hi> Ja, diejenigen, die uns vom <term type="Begriffe" key="265">Konzil</term> im gegenwärtigen Augenblick berichten, sagen uns, daß gerade in der zweiten Session<note xml:id="n14">Die zweite Session begann am 29.9.1963 und endete am 4.12.1963.</note> Kardinal <persName ref="kbga-actors-1805">Ottaviani</persName> jemand ist, der sich in Bewegung gesetzt hat, und daß seine Interventionen am Konzil diesmal einen anderen Charakter haben als beim ersten Mal. Aber in der Tat, dieses Ausschauen, wie das eifrige Suchen nach Positionen, die gemeinsame Positionen sind, die aber vor allem nach der <term type="Begriffe" key="522">Wahrheit</term> fragen, scheint uns eine große <term type="Begriffe" key="512">Verheißung</term> und eine große <term type="Begriffe1" key="134">Freude</term> unserer Epoche zu sein. Was könnte das dann bedeuten in der <term type="Begriffe" key="525">Welt,</term> in der wir leben? Sie glauben, daß das bedeutsam ist, nicht bloß für die christliche <term type="Begriffe" key="156">Gemeinde,</term> sondern gerade für jenes <term type="Begriffe" key="546">Zeugnis,</term> von dem wir sprachen?</p>
                </sp> 
                <sp>
                <speaker>Barth:</speaker> 
                <p>Wenn - in wenigen Worten gesagt - der Anblick dieses Konzils für uns, für uns andere etwas zugleich Tröstendes und Beunruhigendes ist, weil es uns zeigt, daß man in <term type="Begriffe" key="619">Rom</term> im Begriff ist zu lernen, dann stellt uns das die Frage, ob wir auch im Begriff sind zu lernen. Nun, das könnte eine gute Neuigkeit sein. Wenn es so etwas wie eine <term type="Begriffe" key="512">Verheißung</term> jetzt in diesen Ereignissen gibt, dann ist es die, daß die <term type="Begriffe" key="244">Kirche</term> überhaupt jetzt ein bißchen in Bewegung ist. Und dann, wenn es wahr ist, wenn die <term type="Begriffe" key="244">Kirche</term> in der <term type="Begriffe1" key="525">Welt</term> - sei es die <pb ed="pga" xml:id="p229"/> <term type="Begriffe" key="241">katholische,</term> die protestantische oder die orthodoxe -, wenn dieses Stück <term type="Begriffe" key="306">Menschheit,</term> das sich <term type="Begriffe1" key="69">Christenheit</term> nennt, ein Volk ist, das unterwegs ist, auf der Pilgerschaft, fern davon, immobil zu sein, sondern wieder mobil wird, so wird das in sich ein Zeichen der <term type="Begriffe" key="200">Hoffnung</term> für die <term type="Begriffe" key="525">Welt</term> sein, weil doch so viele Dinge blockiert und unbeweglich sind: die Ideen, die <term type="Begriffe" key="244,19">Institutionen</term> usf. Ungeachtet jenes Charakters des <term type="Begriffe" key="129">Fortschritts</term> in allen Bereichen, gibt es in der <term type="Begriffe1" key="306">Menschheit</term> im Grunde einen Rückstand. Und jetzt, wenn die <term type="Begriffe" key="244">Kirche</term> wenigstens teilweise nicht rückständig ist, sondern sich in Marsch setzt, so wie das Volk <term type="Begriffe" key="220,1">Israel</term> sich in Marsch gesetzt und <term type="Begriffe" key="705">Ägypten</term> verlassen hat, um durch die Wüste zu gehen, wohl verstanden [?], auch um das Land der Väter wieder zu gewinnen … -</p>
                </sp> 
                <sp>
                <speaker><persName ref="kbga-actors-519">Casalis</persName>:</speaker> 
                <p>So ist es, aber das ist nicht bequem … </p>
                </sp> 
                <sp>
                <speaker>Barth:</speaker> 
                <p>Ja, das ist nicht bequem …, aber wenn man die <term type="Begriffe" key="512">Verheißung</term> erhalten hat, wenn man der <term type="Begriffe" key="512">Verheißung</term> folgt, dann wird es eine Wiederholung jener Geschichte des Alten <term type="Begriffe" key="424,2">Testamentes</term> geben: Der <term type="Begriffe" key="98">Engel</term> Gottes, der dieser Marschkolonne vorangeht; und des Tags ist es eine Wolke und des Nachts ein Licht [Ex. 13,21f.; 14,19f.] … Wenn das geschieht: nicht nur, daß die Marschkolonne da ist, sondern daß sie dem <term type="Begriffe" key="98">Engel</term> Gottes folgt, dann ist das eine <term type="Begriffe1" key="200">Hoffnung</term> - nicht wahr? - für das, was man <term type="Begriffe" key="525">«Welt</term>» nennt, eine <term type="Begriffe1" key="200">Hoffnung,</term> die uns einlädt, die Geschichte anzusehen, die ganze Geschichte, auch die profane, säkulare, die politische Geschichte. Und zwar sie zu sehen nicht als eine Art <term type="Begriffe" key="202">Hölle.</term> Gewiß gibt es viel <term type="Begriffe1" key="202">Hölle</term> in dieser <term type="Begriffe2" key="525">Welt,</term> aber nicht bloß <term type="Begriffe" key="202">Hölle,</term> sondern etwas vom <term type="Begriffe" key="196">Himmel</term>, das mitten in der <term type="Begriffe1" key="202">Hölle</term> leuchtet.</p>
                </sp> 
                <sp>
                <speaker><persName ref="kbga-actors-519">Casalis</persName>:</speaker> 
                <p>Vielen Dank, aber ich glaube, daß wir haltmachen müssen. Ich möchte zum Schluß dieses zweiten Gesprächs, das wir heute hier hatten, sagen, daß im Grund einmal ein drittes<note xml:id="n15">Am 7.11.1963, vgl. S. 333-340.</note> realisiert werden sollte. Sie haben beim ersten Mal, als Sie bei uns waren<note xml:id="n16">Am 12.5.1963, vgl. S. 29-36.</note>, zu uns über die Rolle der <term type="Begriffe" key="481">Theologie,</term> über ihre <term type="Begriffe1" key="338">Notwendigkeit</term> gesprochen. Und Sie haben heute zu uns gesprochen über die <term type="Begriffe" key="338">Notwendigkeit</term> der <term type="Begriffe" key="481">Theologie</term> für die <term type="Begriffe1" key="244">Kirche</term> und für ihr <term type="Begriffe2" key="546,2">Zeugnis.</term> Und jetzt befinden wir uns an der Schwelle zu einem dritten Gespräch, das ganz einfach handelt von der <term type="Begriffe" key="244,29">«Kirche</term> für die Welt» - was vor einigen Wochen Titel und Parole <pb ed="pga" xml:id="p230"/> unserer Versammlung in Aix<note xml:id="n17">«Xie assemblée plénière du protestantisme français» vom 1.-3.11.1963 über das Thema «Une église pour le monde». <persName ref="kbga-actors-519">Casalis</persName> spricht im Blick auf die spätere Ausstrahlung der Sendung von der noch bevorstehenden Versammlung in der Vergangenheitsform.</note> war. Ich denke, daß wir darüber wieder ein Gespräch führen müssen. Vielen Dank!</p> 
                </sp> 
            </div> 
        </div>
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    </text>
</TEI>
