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        <title type="volume" n="vol-41">Gespräche 1963</title>
        <title type="content">Interview von Manfred Vierkorn</title>
        <title type="citation_line_1">Interview von Manfred Vierkorn, in: Gespräche 1963, 24. Oktober 1963</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/41022 (Stand: 2. Oktober 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Gespräche 1963, hrsg. v. Busch, Eberhard (Gesamtausgabe, Abt. IV), Zürich 2005, S. .</title>
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        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
        <sponsor>Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW)</sponsor>
        <sponsor>Schweizerischer Nationalfonds (SNF)</sponsor>
        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
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        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
        <date when="2026">2026</date>
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        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
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          <title type="volume">Gespräche 1963</title>
          <title type="text">Interview von Manfred Vierkorn</title>
          <editor>Busch, Eberhard</editor>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
          <date type="publication">2005</date>
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        <date type="creation" when="1963-10-24">24. Oktober 1963</date>
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          <term>conversation</term>
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            <head type="sub">20</head> 
            
                <head>INTERVIEW VON MANFRED VIERKORN<lb/> UND HEINZ KNORR</head> 

                <div type="abstract">
                <p><hi rend="italic">Am 24.10.1963 zeichnete das Fernsehen des <orgName ref="kbga-actors-10688">WDR</orgName> ein Gespräch <persName ref="kbga-actors-10687">Manfred Vierkorns</persName> und <persName ref="kbga-actors-6017">Heinz Knorrs</persName> mit Barth in dessen Haus auf. Laut Barths Taschenkalender handelte das Gespräch «über Römerbrief, Kirchenkampf etc». Die Interviewfragen sind nicht erhalten. Der Zeitpunkt der ersten Ausstrahlung ist nicht bekannt. Am 10.12.1968 wurde dieses Gespräch im Zusammenschnitt mit einem Interview vom 2.5.1966, wiedergegeben in «Gespräche 1964-1968», S. 248-259, noch einmal ausgestrahlt. Diese Sendung ist als Videoband 1986 im Calwer Verlag Stuttgart / Matthias - Film <term type="Begriffe" key="675">Stuttgart</term> erschienen unter dem Titel: Ja und Nein. Ein Nachruf von Heinz <term type="Namen" key="**Knorr, Heinz">Knorr</term>, Interview: <persName ref="kbga-actors-6105">Rudolf Rohlinger</persName>. Eine Produktion des <orgName ref="kbga-actors-10688">WDR</orgName>, <term type="Begriffe" key="642">Köln</term> 1968.</hi></p> 
            </div> 
            <div>
                <head>Interview von Manfred Vierkorn<lb/> und Heinz Knorr</head>
                <head type="sub"> 1. Zur Entstehungsgeschichte von <lb/>Karl Barths Römerbriefkommentar</head>

                <sp>
                <speaker>Barth:</speaker> 
                <p>In dieser Verlegenheit<note xml:id="n01">Nämlich angesichts der Kriegsbegeisterung deutscher <term type="Begriffe" key="79">Christen</term> und Theologen bei Ausbruch des ersten <term type="Begriffe" key="527,1">Weltkriegs</term>. «Eine ganze Welt von theologischer <term type="Begriffe" key="120">Exegese</term>, <term type="Begriffe" key="114">Ethik</term>, <term type="Begriffe" key="90">Dogmatik</term> und <term type="Begriffe" key="378">Predigt</term>, die ich bis dahin für grundsätzlich glaubwürdig gehalten hatte, kam damit und mit dem, was man damals von den deutschen Theologen sonst zu lesen bekam, bis auf die Grundlagen ins Schwanken» - so K. Barth, <hi rend="italic">Nachwort</hi>, in: <hi rend="italic">Schleiermacher-Auswahl</hi>, hrsg. von H. Bolli (Siebenstern TB 113/114), München und Hamburg 1968, S. 290-312, dort S. 293. Vgl. hierzu Barths Ausführungen in: Gespräche 1964-1968, S. 146-150.</note> bin ich wieder auf die <term type="Begriffe" key="620">Bibel</term> ganz anders zurückgekommen, als ich mich früher bei ihr gefunden hatte, und in der Bibel, speziell im Neuen <term type="Begriffe" key="424,22">Testament</term>, war es dann wieder der Römerbrief, der meine Aufmerksamkeit fesselte. Und da habe ich mich eines Tages, sozusagen zu meiner privaten Klärung und Selbstverständigung, hingesetzt und habe begonnen, Notizen über mein Verständnis dieses neutestamentlichen Briefes zu machen. Was ich <pb ed="pga" xml:id="p232"/> damit erreichen wollte? Ursprünglich nicht ein Buch, das ich herausgeben wollte, sondern eine Sammlung von Manuskripten, die ich dann meinen Freunden vorgelesen habe. Und Schritt für Schritt kam es dann dazu: es sollte nun doch ein Buch werden, und dann ist es also ein Buch geworden. Aber wenn ich gefragt bin, was ich damit erreichen wollte, so könnte ich eigentlich nur sagen, ich habe mich nach Genossen, nach Mitmenschen, nach <term type="Begriffe" key="69">Mitchristen</term> umgesehen, die möglicherweise aus derselben Verlegenheit, in der ich mich befand, jedenfalls im Begriff waren, wieder ganz anders nach der <term type="Begriffe" key="620">Bibel</term> und nach dem Neuen <term type="Begriffe" key="424,22">Testament</term> und dem Römerbrief zu greifen, mit denen zusammen, sozusagen in unsichtbarer Gemeinschaft, [ich neu anfangen konnte,] diesen alten Text zu lesen.</p>
                </sp> 
            </div> 
            <div>
                <head type="sub"> 2. Zur Wirkungsgeschichte der Barmer Erklärung</head>
                <sp>
                <speaker>Barth:</speaker> 
                <p>Eine schwere und auch etwas trübe Frage!<note xml:id="n02">Offenbar die Frage nach der Bedeutung der <term type="Begriffe" key="471,1">Bekenntnissynode</term> der Deutschen Evangelischen <term type="Begriffe" key="35">Kirche</term> vom 29. bis 31.  Mai 1934 in Barmen und der damit vollzogenen Gründung der Bekennenden <term type="Begriffe" key="244,7">Kirche</term> für eine Eindämmung des Einflusses des <term type="Begriffe" key="326">Nationalsozialismus</term> auf die evangelischen <term type="Begriffe" key="244,23">Kirchen</term> und für deren Erneuerung.</note> Es war ja so, daß die <term type="Begriffe" key="471">Synode</term> nicht nur aus <term type="Begriffe1" key="291">Lutheranern</term> und <term type="Begriffe2" key="398">Reformierten</term> und <term type="Begriffe" key="499">Unierten</term> zusammengesetzt war, sondern auch aus Leuten, die eine sehr verschiedene Stellung zum <term type="Begriffe" key="326">Nationalsozialismus</term> einnahmen. Es waren auch in <term type="Begriffe" key="35">Barmen</term> Leute da, [die] den <term type="Begriffe" key="326">Nationalsozialismus</term> als solchen bejahten, und andere, zu denen wohl ich gehörte, die ihn mehr oder weniger bestimmt ablehnten. Und nun standen diese sechs Sätze der Erklärung da.<note xml:id="n03">Sechs Thesen der <hi rend="italic">Theologischen Erklärung zur gegenwärtigen Lage der Deutschen Evangelischen Kirche</hi>, wieder abgedruckt in: <hi rend="italic">Die Barmer Theologische <term type="Begriffe" key="35">Erklärung</term></hi>. <hi rend="italic">Einführung und Dokumentation</hi>, hrsg. von A. Burgsmüller / R. Weth, Neukirchen 1984, S. 30-40.</note> Aber kaum waren sie draußen, so geschah es, wie es in der <term type="Begriffe" key="605">Kirche</term> immer nach solchen Erklärungen gegangen ist: die Auslegungen waren dann reichlich verschieden. </p>
                <p> Weiter war die Zusammensetzung der <term type="Begriffe" key="471">Synode</term> zu bunt, und es war nicht zu erwarten, daß, was nun herauskam, ein volltönendes Wort an <pb ed="pga" xml:id="p233"/> das deutsche Volk oder mindestens an die <term type="Begriffe" key="68">Christen</term> in <term type="Begriffe" key="80">Deutschland</term> werden möchte. Die Leute sind auseinandergegangen, und es ist dann weithin lange still geworden um diese Barmer <term type="Begriffe" key="35">Erklärung</term>. Sie ist dann wieder aufgetaucht als eine schöne historische Erinnerung: «Es war doch eine große Stunde, wie man damals beieinander war … !» So ein wenig, wie man an die großen Taten der Vorfahren in der Vergangenheit denkt, blickten die <term type="Begriffe" key="605">Kirche</term> und die <term type="Begriffe1" key="68">Christen</term> nachher auf dieses Barmen zurück. Es sind schon verschiedene Barmenjubiläen abgehalten worden<note xml:id="n04">Vgl. Barths Beitrag zum Barmenjubiläum 1954: <hi rend="italic">«Barmen» - damals und heute</hi>, in: K. Barth, <hi rend="italic">Texte zur Barmer Theologischen Erklärung</hi>, hrsg. von M. Rohkrämer, Zürich 2004, S. 173-177.</note>, es wird wohl im Sommer [19]64 wieder ein solches Jubiläum fällig werden, aber die Absicht der Barmer Erklärung war nicht, ein Ereignis zu realisieren, das nun, sozusagen photogen, ein wunderbares Bild aus einer großen Vergangenheit sein sollte, sondern es sollte ein <hi rend="italic">Ruf</hi> sein - hinein in die Zukunft der evangelischen <term type="Begriffe" key="244,23">Kirche.</term></p>
                <p>Die Blütenträume von damals sind nur teilweise gereift<note xml:id="n05">Vgl. <persName ref="kbga-actors-136">J. W. von Goethe</persName>, «Prometheus»: «Wähntest du etwa,/ Ich sollte das Leben hassen,/ In Wüsten fliehen,/ Weil nicht alle Blütenträume reiften?»</note>, und man könnte sich wohl fragen, ob das nicht sehr merkwürdig ist, wenn heute, 1963, im gleichen <orgName ref="kbga-actors-631">Verlag</orgName>, in welchem damals mein «Römerbrief» erschien, das Buch des englischen <term type="Begriffe" key="55">Bischofs</term> <persName ref="kbga-actors-343">Robinson von Woolwich</persName> «Honest to God» herauskommt. Man sehe sich dieses Bild an<note xml:id="n06"><persName ref="kbga-actors-343">J. A. Th. Robinson</persName>, <hi rend="italic">Honest to God</hi>, London 1963. Die deutsche Übersetzung erschien im Christian Kaiser Verlag, München: ders., <hi rend="italic"><term type="Begriffe" key="181,3">Gott</term></hi> <hi rend="italic">ist anders</hi>, München 1964. Auf dem Buchdeckel befindet sich eine Abbildung der Plastik von <persName ref="kbga-actors-10689">W. Lehmbruck</persName>: Sitzender Jüngling (1918).</note>, dieser Mann, der auf die Erde herunterblickt - vielleicht auch, wie gewisse <term type="Begriffe" key="707">Mönche</term> auf dem Berg Athos<note xml:id="n07">Auf der griechischen Chalkidiki-Halbinsel Athos, einer Hauptstätte des orthodoxen Mönchtums, haben um 1300 <persName ref="kbga-actors-10690">Nikephoros Athonites</persName> und <persName ref="kbga-actors-10691">Gregorios Sinaites</persName> eine mystisch-asketische Bewegung angeführt, in der die psychosomatische Gebetstechnik der Nabelschau verbreitet war.</note>, seinen Nabel betrachtet. Das war nun nicht der Sinn der Barmer Erklärung gewesen, daß die deutsche <term type="Begriffe" key="244,25">Kirche</term> und <term type="Begriffe1" key="69">Christenheit</term> wieder in diese Haltung versinken sollte. Hoffen wir, daß der Ton, der dort angeschlagen worden ist, nun doch nicht ganz verhallt sein möge und daß er vielleicht wieder mal stark werden möchte. Daß es dann wieder gehört werden möchte, wie <pb ed="pga" xml:id="p234"/> wir damals auf der Linie der <term type="Begriffe" key="397">Reformation</term> geredet oder zu reden versucht haben. Es gab ja vor Barmen schon <term type="Begriffe" key="44,7">Bekenntnisversuche,</term> vor allem denke ich da an eine theologische Erklärung zur Gestalt der <term type="Begriffe" key="244">Kirche</term> schon aus dem Jahr [19]33.<note xml:id="n08">Die 14 Düsseldorfer <term type="Begriffe" key="708,1">Thesen</term> vom 4.6.1933, vgl. <persName ref="kbga-actors-1226">K. D. Schmidt</persName>, <hi rend="italic">Die <term type="Begriffe" key="44">Bekenntnisse</term></hi> <hi rend="italic">und grundsätzlichen Äußerungen zur Kirchenfrage des Jahres 1933</hi>, Göttingen 1934, S. 149f.</note> Die haben wir damals kühn begonnen mit einem Wort von <persName ref="kbga-actors-443">Zwingli</persName>, das lautet: «Die heilige christliche <term type="Begriffe" key="244">Kirche,</term> deren einziges Haupt <term type="Begriffe1" key="227,5">Christus</term> ist, ist aus dem Wort <term type="Begriffe" key="537">Gottes</term> geboren, in demselben bleibt sie und hört nicht die Stimme eines Fremden.»<note xml:id="n09">Die 1. These ist identisch mit der 1. These der Berner <term type="Begriffe" key="617,1">Disputation</term> von 1528, vgl. <hi rend="italic">Die Bekenntnisschriften der reformierten <term type="Begriffe" key="44,7">Kirche</term></hi>, hrsg. von E. Fr. K. Müller, Leipzig 1903, S. 30. Die 1. Berner These war von dem Berner Reformator <persName ref="kbga-actors-10692">Berchthold Haller</persName> formuliert und stellt eine Erweiterung der 1. These der <term type="Begriffe" key="397,1">Reformation</term> 1526 im bündnerischen <term type="Begriffe" key="709">Ilanz</term> dar: «Ecclesia Christi genita est ex verbo Dei, et in eodem debet manere, nec audire vocem cujusquam alieni», nach: <persName ref="kbga-actors-10693">P. Rosius de Porta</persName>, <hi rend="italic">Historia Reformationis ecclesiarum Raeticarum</hi>, Tom. I., Chur 1771, S. 202. Diese Ilanzer These war von <persName ref="kbga-actors-6254">Johannes Comander</persName> formuliert nach Vorgaben seines Freundes Huldrych <persName ref="kbga-actors-443">Zwingli</persName>. Vgl. von <persName ref="kbga-actors-443">Zwingli</persName> die Artikel 2-8 zur ersten Zürcher Disputation 1523 und deren Erklärung in Zwinglis <hi rend="italic">Auslegen und Gründe der Schlußreden</hi> (Huldreich Zwinglis sämtliche Werke, Bd. 2 [CR 89], Leipzig 1908, S. 27-64), bes. die Erklärung zum 4. Artikel (S. 31f.).</note> Das haben wir dann 1934 in dem ersten Satz der Barmer <term type="Begriffe" key="35">Erklärung</term> aufgenommen: «Jesus <term type="Begriffe" key="227,31">Christus</term>, wie er uns in der Heiligen <term type="Begriffe" key="424">Schrift</term> bezeugt wird, ist das eine Wort <term type="Begriffe1" key="537,5">Gottes,</term> das wir zu hören, dem wir im <term type="Begriffe" key="275,2">Leben</term> und <term type="Begriffe" key="486">Sterben</term> zu vertrauen und zu gehorchen haben.»<note xml:id="n10"><persName ref="kbga-actors-6601">A. Burgsmüller</persName> / <persName ref="kbga-actors-6727">R. Weth</persName>, <hi rend="italic">Die Barmer Theologische <term type="Begriffe" key="35">Erklärung</term></hi>, a.a.O., S. 34.</note> Das war der Ton von <term type="Begriffe" key="35">Barmen,</term> der nachher in Gefahr stand zu verklingen, der aber hoffentlich in der evangelischen <term type="Begriffe" key="244,23">Kirche</term> in <term type="Begriffe" key="80">Deutschland</term> nicht ganz verklingen wird.</p> 
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