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      <titleStmt>
        <title type="volume" n="vol-44">Predigten 1921</title>
        <title type="content">Matthäus 21,12­–17</title>
        <title type="citation_line_1">Barth, Karl: Matthäus 21,12­–17, 23. Januar 1921</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/44005 (Stand: 2. Oktober 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Predigten 1921 (Gesamtausgabe, Abt. I), Zürich 2007, S. 25.</title>
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      <editionStmt>
        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
        <sponsor>Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW)</sponsor>
        <sponsor>Schweizerischer Nationalfonds (SNF)</sponsor>
        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
      </editionStmt>
      <publicationStmt>
        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
        <date when="2026">2026</date>
        <availability>
          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons BY-SA 4.0</licence>
        </availability>
        <idno type="url">https://kbga.karl-barth.ch/texts/44005</idno>
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        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
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          <title type="volume">Predigten 1921</title>
          <title type="text">Matthäus 21,12­–17</title>
          <author ref="kbga-actors-2151">Barth, Karl</author>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
          <date type="publication">2007</date>
          <biblScope unit="page">25</biblScope>
        </bibl>
        <!-- Data from KBA (https://kba.karl-barth.ch) -->
        <bibl xml:id="A" type="source">A (Vorlage der Edition): , Predigt: Mt 21,12-17: "[1. Version der Predigt]", 23. Januar 1921. <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/1989">KBA 1534.1</ref>. </bibl>
        <bibl xml:id="B" type="source">B (Weitere Vorlage): , Predigt: Mt 21,12-17: "[2. Version der Predigt]", 23. Januar 1921. <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/2132">KBA 1534.2</ref>. </bibl>
        <!-- we should provide more types: <bibl type="not-found-in-kba"></bibl> <bibl type="not-in-kba"></bibl>  -->
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        <date type="creation" when="1921-01-23">23. Januar 1921</date>
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        <language ident="ger">German</language>
        <language ident="lat">Latin</language>
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      <div type="sermon">
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        <div type="opener">
          <head><idno>552A</idno><note xml:id="n01">Das Manuskript der Predigt Nr. 551 vom 16.1.1921
              (nach dem «Kirchenzettel» im «Zofinger Tagblatt», Jg. 49, Nr. 12 vom 15.1.1921, über
              <ref type="can" subtype="bible" target="Mt.20.17 Mt.20.19">Mt. 20,17-19</ref>) ist nicht erhalten. Zu <ref type="can" subtype="bible" target="Mt.21.12 Mt.21.17">Mt. 21,12-17</ref> gibt es zwei mit dem gleichen Datum
              versehene Manuskripte, die sich so sehr unterscheiden, daß sie getrennt unter Nr. 552A
              und Nr. 552B wiedergegeben werden. Wahrscheinlich ist Nr. 552B (mit den Liedangaben)
              die zweite Fassung, die auf der Kanzel vorgetragen wurde; vgl. unten S. 30f. und S. 33
              bei Anm. 1.</note></head>

          <dateline><hi rend="italic"><placeName ref="kbga-places-54">Safenwil</placeName></hi>,
            Sonntag, den <date when="1921-01-23">23. Januar 1921</date></dateline>
          <epigraph>
            <cit>
              <ref type="can" subtype="bible" target="Mt.21.12 Mt.21.17">Matthäus 21,12­–17</ref>

              <quote>
                <hi rend="italic" resp="kb">[Und Jesus ging zum Tempel Gottes hinein und trieb
                  heraus alle Verkäufer und Käufer im Tempel und stieß um der Wechsler Tische und
                  die Stühle der Taubenkrämer und sprach zu ihnen: Es steht geschrieben: «Mein Haus
                  soll ein Bethaus heißen»; ihr aber habt eine Mördergrube daraus gemacht. Und es
                  gingen zu ihm Blinde und Lahme im Tempel, und er heilte sie. Da aber die
                  Hohenpriester und Schriftgelehrten sahen die Wunder, die er tat, und die Kinder,
                  die im Tempel schrieen und sagten: Hosianna dem Sohn Davids!, wurden sie entrüstet
                  und sprachen zu ihm: Hörst du auch, was diese sagen? Jesus sprach zu ihnen: Ja!
                  Habt ihr nie gelesen: «Aus dem Munde der Unmündigen und Säuglinge hast du Lob
                  zugerichtet»?]</hi>
              </quote>
            </cit>
          </epigraph>
        </div>
        <!-- leerzeile -->
        <div type="main">
        <div>
          <head>1.</head>
          <p> Jesus ging in den <term type="Begriffe" key="3020">Tempel</term>. In die <term type="Begriffe" key="1850">Kirche</term>, würden wir heute sagen. Ich könnte mir
            denken, daß Einer bei diesem Anlaß etwa so zu Jesus geredet hätte: Ich verstehe nicht,
              <hi rend="italic">warum du dorthin gehst!</hi> Warum gerade du, gerade dorthin? Was
            suchst du noch in diesem Haus? Hast du nicht selbst gesagt, daß, der Gott <term type="Begriffe" key="113">anbete</term>, müsse ihn im Geist und in der Wahrheit
            anbeten [<ref type="can" subtype="bible" target="Joh.4.24">Joh. 4,24</ref>]? Hast du nicht selbst gesagt, daß von den Steinen dieses Hauses
            keiner auf dem anderen bleiben werde [<ref type="can" subtype="bible" target="Mk.13.2">Mk. 13,2</ref> par.]? Was soll dir dies Haus? Was soll
            dir der übermütige Anspruch: hier ist der Tempel des Herrn [<ref type="can" subtype="bible" target="Jer.7.4">Jer. 7,4</ref>]? <hi rend="italic">Was bekennst</hi>
            <hi rend="italic">du dich</hi> zu dem Althergebrachten, <term type="Begriffe" key="1333">Gewohnheitsmäßigen</term>, das doch der Feind des Neuen und Besseren ist<note xml:id="n02">Zu den Quellen und zu den Formen des Sprichwortes «Das Bessere ist der
              Feind des Guten» vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-890"><hi rend="italic">Deutsches Sprichwörter-Lexikon. Ein Hausschatz
                für das deutsche Volk</hi>, hrsg. von K. Fr. W. Wander, 1. Bd., Leipzig 1867, Sp.
              335f</bibl>.</note>, das du selbst <term type="Begriffe" key="1720,1405">verkündigst</term>?
            Wer wird dich verstehen, wenn du ein Neues vertrittst und verkündigst, das doch mit
            diesem <term type="Begriffe" key="3020">Tempel</term>, mit dem <term type="Begriffe" key="2330">Opfer</term>, das da dargebracht, und mit den Gebeten, die da gemurmelt,
            und mit den Zeremonien, die da <pb ed="pga" xml:id="p022"/> gefeiert werden, nichts,
            aber auch gar nichts zu tun hat, und machst doch gleichzeitig all dieses Alte mit und
            gibst ihm vielleicht durch deine Gegenwart und Teilnahme für Manche neuen Reiz<note xml:id="n03">Könnte auch «Rang» heißen.</note> und Glanz? Hast du nicht selbst gesagt,
            man solle neuen Wein nicht in alte Schläuche schütten [<ref type="can" subtype="bible" target="Mk.2.22">Mk. 2,22</ref> par.]? <hi rend="italic">Warum unterstützest du die offenkundige Heuchelei</hi> so Vieler, der Meisten, die
            dorthin gehen? Ist’s nicht klar, daß sie bloß eine besondere Art von Unterhaltung dort
            suchen für ihre Langeweile oder etwas damit scheinen wollen vor den Leuten [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Mt.6.16">Mt.
            6,16</ref>] oder endlich ihr eigenes <term type="Begriffe" key="1330,595">Gewissen</term>
            wieder einmal beruhigen wollen mit einem guten <term type="Begriffe" key="3520">Werk</term> oder Gedanken? Ist’s nicht klar, daß die <term type="Begriffe" key="1850">Kirche</term> zu allen Zeiten eine von den Mächten gewesen ist, die die Wahrheit, den
              <term type="Begriffe" key="930">Fortschritt</term>, die Bewegung der Menschheit
            aufhalten? Hast du nicht selbst gesagt, daß die Zöllner und Huren vor euch, vor euch
              <term type="Begriffe" key="1855">Kirchenleuten</term> ins Himmelreich gehen werden
            [<ref type="can" subtype="bible" target="Mt.21.31">Mt. 21,31</ref>]? Und du, du gehst in die Kirche, mit den <term type="Begriffe" key="1855">Kirchenleuten</term>? Ja, und <hi rend="italic">sogar wenn Alles ehrlich und
              aufrichtig zuginge</hi> bei denen, die dorthin gehen, sogar wenn die <term type="Begriffe" key="1850">Kirche</term> weit offen wäre für alle freiheitlichen,
            erneuernden, lebendigen Gedanken, sogar wenn ihre Führer den besten Willen hätten,
            wirkliche Führer der Menschheit zu sein und nicht immer bloß hinter der Zeit
            dreinzuhinken – siehst du nicht, daß die eigentlichen <term type="Begriffe" key="940,175">Lebensfragen</term> der Menschen ganz anderswo sich entscheiden als in
            diesen Hallen, vor diesen Altären, auf diesen <term type="Begriffe" key="1795">Kanzeln</term> und Kirchenbänken? Hast du uns nicht selbst in deinen Gleichnissen
            gezeigt, daß die Wirklichkeit Gottes im täglichen Leben zu suchen und zu finden ist?
            Unter die Männer der Politik, des Wirtschaftslebens, der Kunst und der Wissenschaft
            müßtest du dich mengen, um daselbst den Samen des Gottesreiches auszuwerfen und dereinst
            hundertfältig zu ernten nach deinem eigenen Wort: der Acker ist die Welt [<ref type="can" subtype="bible" target="Mt.13.38">Mt. 13,38</ref>]!
            Sieh, wie die Not, aber auch die Hoffnung allenthalben so groß ist. Du aber gehst in den
              <term type="Begriffe" key="3020">Tempel</term>. Ich verstehe dich nicht.</p>
        </div>
        <!-- leerzeile -->
        <div>
          <head>2.</head>
          <p> Ja, Jesus ging in den <term type="Begriffe" key="3020">Tempel</term>. Und ich könnte
            mir denken, daß ein Anderer bei diesem Anlaß etwa so zu Jesus geredet hätte: Ich
            verstehe nicht, <hi rend="italic">wozu du hieher kommst!</hi> Warum gerade du, gerade
            hieher? Du <pb ed="pga" xml:id="p023"/> weißt doch, was dich erwartet, wenn du hieher
            kommst. Wir arbeiten hier mit allem Ernst, mit allem Fleiß, mit aller Demut für das
            Reich <term type="Begriffe" key="610,132">Gottes</term>, jawohl für das Reich Gottes,
            von dem du soviel redest. Wir arbeiten hier mit aller Hingabe, Aufmerksamkeit und Liebe
            für die Menschen, jawohl für die Menschen, für die du so eifrig Partei nimmst. Wir
            wissen wohl, daß wir damit wenig Dank und Anerkennung ernten, wir wissen wohl, daß wir
            mächtige Vorurteile, Feinde und Widerstände gegen uns haben, aber wir haben den Glauben
            an die gute Sache und lassen uns nicht irre machen. Du aber, du hast bis jetzt nur
            kritisiert und nichts von dem allem getan, was willst denn du hier? Ja, wir wissen, <hi rend="italic">daß unser Tun auch nur <term type="Begriffe" key="2135">Menschenwerk</term> ist</hi>, wir haben auch unsere <term type="Begriffe" key="2960">Sünde</term>, und wir erschrecken darüber, wie wenig wir ausrichten und wie
            sehr uns allen die Hauptsache fehlt, wir sind nicht blind für alles das, was man uns
            vorwirft, wir <term type="Begriffe" key="2790">sehnen</term> uns auch nach etwas
            Wahrerem, Größerem, Göttlicherem, als das ist, was heute in der <term type="Begriffe" key="1850">Kirche</term> geschieht, aber unterdessen geben wir uns Mühe, zugleich das
            Alte nicht verderben zu lassen, denn es liegt ein Segen darin [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Jes.65.8">Jes. 65,8</ref>], und gute
            neue Wege zu suchen. Auch wir sind Wartende, aber während wir <term type="Begriffe" key="3420">warten</term>, tun wir etwas. Was tust denn du? Willst du uns helfen mit
            den schönen Gaben des Verstandes und des Wortes, die dir Gott gegeben hat? Hast du uns
            brauchbare Vorschläge zu machen, wie wir’s besser machen könnten, dann laß hören! Wo
            nicht, was kommst du hieher und störst uns unsere Kreise<note xml:id="n04">Auf <persName ref="kbga-actors-3751">Archimedes</persName> wird der Ausruf zurückgeführt: "<foreign xml:lang="lat">Noli
              turbare circulos meos</foreign>"; s. <bibl corresp="kbga-bibls-827">Büchmann, S. 382</bibl>.</note>? <hi rend="italic">Sollte aber
              deine Meinung die sein</hi>, daß das, was wir hier versuchen und tun, ganz aufhören
            müßte, um etwas Anderem, Besserem Platz zu machen, wohlan, dann versuche dein Glück, wie
            es ja Andere auch schon getan haben, baue dir ein neues, schöneres Schiff und fahre
            damit in die Welt hinaus, sie steht dir ja offen. Gründe eine neue Religion, eine neue
            Kirche, wenn du’s kannst, und freue dich, wenn sie ohne die Fehler der <term type="Begriffe" key="1850">alten</term> sein wird. Wir wollen uns mit dir freuen, wenn
            es dir gelingt; und wenn deine Sache von Gott ist, wie sollte es dir nicht gelingen
            [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Act.5.38 Act.5.42">Act. 5,38f</ref>.]? Unterdessen aber dürfen wir verlangen, daß du uns bei dem, was sich
            bis jetzt, wenn auch unter Unvollkommenheit bewährt hat, unbehelligt lässest und diese
            Männer [?] nicht durch deine <pb ed="pga" xml:id="p024"/> ewig [?] verwirrende [?]
            Gegenwart unsicher machst zur Freude derer, die überhaupt nichts glauben. Also noch
            einmal: Was suchst du hier? Wir verstehen dich nicht.</p>
        </div>
        <!-- leerzeile -->
        <div>
          <head>3.</head>
          <p><term type="Begriffe" key="3020"> </term>Und Jesus ging in den Tempel. Obwohl er doch
            sicher, von beiden Seiten betrachtet, ernste Gründe hatte, nicht dorthin, sondern um den
            Tempel herum seinen eignen Weg zu gehen. Er ging in den Tempel, als ob das
            selbstverständlich sei, als ob es gar nicht anders sein könne, als ob er gerade dort
            hingehöre und seine Stellung habe. Wir denken daran, wie er sich schon als 12-­jähriger
            Knabe zu Füßen der Schriftgelehrten setzte und seinen erstaunten Eltern antwortete: muß
            ich nicht sein in dem, was meines Vaters ist [<ref type="can" subtype="bible" target="Lk.2.49">Lk. 2,49</ref>]! Wir denken daran, daß er die
            letzten Tage seines Lebens ganz und gar eben im Tempel zubrachte [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Mk.14.49">Mk. 14,49</ref> par.],
            als ob das das Ziel seines Lebens gewesen sei, dorthin zu gehen und dort unter anderen
            Lehrern seine Botschaft zu <term type="Begriffe" key="1720,1405">verkündigen</term>. Was
            will er dort, was tut er dort? Unser Text gibt die Antwort: Er treibt die Käufer und
            Verkäufer hinaus, er heilt die Blinden und Lahmen, und er freut sich an dem Hosianna der
            Kinder, die dort waren. Wir wollen versuchen zu sehen, wieso das alles eine Antwort
              <term type="Begriffe" key="3020">ist</term>.</p>
        </div>
        <!-- leerzeile -->
        <div>
          <head>4.</head>
          <p><term type="Begriffe" key="3020"> </term>«Er trieb heraus alle Verkäufer und Käufer im
            Tempel und stieß um der Wechsler Tische und die Stühle der Taubenkrämer und sprach zu
            ihnen: Mein Haus soll ein Bethaus heißen, ihr aber habt eine Mördergrube daraus
            gemacht.» Der Markt im Tempel war nicht etwa ein Mißbrauch, sondern ein schöner
            Gebrauch. Er diente ja dem <term type="Begriffe" key="2330">Opfer</term>, dem
            Gottesdienst: die Pilger aus der Nähe und Ferne mußten Gelegenheit haben, einzukaufen,
            was sie Gott darbringen wollten. Die Viehstände und die Wechseltische waren sicher für
            jedermann ein erfreulicher und erbaulicher Anblick: man sah ja daraus, wie stark das
            religiöse Leben war, je stärker der Absatz, je lebhafter der Betrieb, um so mehr. Auch
            die, die etwa nicht zu den Frommen, sondern eher zu den Kritikern des Tempels gehörten,
            nahmen daran keinen Anstoß, sondern sahen eher mit einem gewissen Neid zu: das muß man
            ihnen lassen, es läuft etwas bei ihnen. Und die <term type="Begriffe" key="2130,1895">Frommen</term> selbst hatten gerade daran den größten Genuß von ihrer Frömmigkeit,
            daß sie so bis an die Stufen des Altars Juden sein und bleiben durften. Der Markt im
              Tem<pb ed="pga" xml:id="p025" break="no"/>pel war ein schöner Übergang vom
            gewöhnlichen Leben zum Beten. Eben hatte man sich noch unterhalten, mit dem Geld
            geklimpert, die Reichen mit ihrem vielen und die Armen wenigstens mit dem, was sie
            hatten, ganz menschlich, fast wie alle Tage und doch schon im Vorgefühl der Nähe des
            Heiligtums und im Bewußtsein, ein gutes <term type="Begriffe" key="3520">Werk</term> zu
            tun, und dann war man auf einmal ein Beter [?], vor Gott, man wußte selbst nicht wie,
            ganz leicht, auf ganz ebenem Weg war man ans Ziel gelangt. Alle menschlichen
            Bedürfnisse, Wünsche und Freuden waren gleichsam mitgekommen bis an die Schwelle Gottes,
            und diese [?] war nun [?] auf einmal erreicht, und daß man dann betete, das war nur das
            Krönlein, der I-­Punkt auf das sonstige Tun und Treiben der Menschen. Hätten nicht auch
            die Gegner des Tempels sich sagen müssen: Da haben wir’s ja, was wir auch meinen und
            suchen: die Wirklichkeit Gottes mitten im täglichen praktischen Leben? Und könnten sich
            die Freunde des Tempels nicht rühmen: Seht, wie einfach und sicher und
            leichtverständlich da die Menschen zu Gott geführt <term type="Begriffe" key="3020">werden!</term><note xml:id="n05">Das Manuskript bricht hier ab. Liedangaben
              fehlen.</note></p>
        </div>
        </div>

      </div>
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  </text>
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