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        <title type="volume" n="vol-44">Predigten 1921</title>
        <title type="content">Offenbarung 7,9­–17 (Karfreitag)</title>
        <title type="citation_line_1">Barth, Karl: Offenbarung 7,9­–17 (Karfreitag), 25. März 1921</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/44014 (Stand: 2. Oktober 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Predigten 1921 (Gesamtausgabe, Abt. I), Zürich 2007, S. 89.</title>
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        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
        <sponsor>Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW)</sponsor>
        <sponsor>Schweizerischer Nationalfonds (SNF)</sponsor>
        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
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        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
        <date when="2026">2026</date>
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          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons BY-SA 4.0</licence>
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        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
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          <title type="volume">Predigten 1921</title>
          <title type="text">Offenbarung 7,9­–17 (Karfreitag)</title>
          <author ref="kbga-actors-2151">Barth, Karl</author>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
          <date type="publication">2007</date>
          <biblScope unit="page">89</biblScope>
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        <bibl xml:id="A" type="source">A (Vorlage der Edition): , Predigt: Offb 7,9-17 (Karfreitag), 25. März 1921. <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/1996">KBA 1542.1</ref>. </bibl>
        <bibl xml:id="B" type="source">B (Weitere Vorlage): , Predigt: Offb 7,9-17 (Karfreitag), 25. März 1921. <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/2225">KBA 1542.2</ref>. </bibl>
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          <head>
            <idno>559</idno>
          </head>

          <dateline>
            <hi rend="italic"><placeName ref="kbga-places-54">Safenwil</placeName></hi>, den <date when="1921-03-25">25. März 1921</date>
          </dateline>
          <head type="event"><hi rend="italic">
                <term type="Begriffe" key="1820">Karfreitag</term></hi></head>
          <epigraph>
            <cit>
              <ref type="can" subtype="bible" target="Apk.7.9 Apk.7.17">Offenbarung 7,9­–17</ref>

              <quote>
                <hi rend="italic" resp="kb">[Darnach sah ich, und siehe, eine große Schar, welche
                  niemand zählen konnte, aus allen Heiden und Völkern und Sprachen, vor dem Stuhl
                  stehend und vor dem Lamm, angetan mit weißen Kleidern und Palmen in ihren Händen,
                  schrieen mit großer Stimme und sprachen: Heil sei dem, der auf dem Stuhl sitzt,
                  unserm Gott, und dem Lamm! Und alle Engel standen um den Stuhl und um die Ältesten
                  und um die vier Tiere und fielen vor dem Stuhl auf ihr Angesicht und beteten Gott
                  an und sprachen: Amen, Lob und Ehre und Weisheit und Dank und Preis und Kraft und
                  Stärke sei unserm Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. Und es antwortete der
                  Ältesten einer und sprach zu mir: Wer sind diese, mit den weißen Kleidern angetan,
                  und woher sind sie gekommen? Und ich sprach zu ihm: Herr, du weißt es. Und er
                  sprach zu mir: Diese sind’s, die gekommen sind aus großer Trübsal und haben ihre
                  Kleider gewaschen und haben ihre Kleider hell gemacht im Blut des Lammes. Darum
                  sind sie vor dem Stuhl Gottes und dienen ihm Tag und Nacht in seinem Tempel; und
                  der auf dem Stuhl sitzt, wird über ihnen wohnen. Sie wird nicht mehr hungern noch
                  dürsten; es wird auch nicht auf sie fallen die Sonne oder irgend eine Hitze; denn
                  das Lamm mitten im Stuhl wird sie weiden und leiten zu den lebendigen
                  Wasserbrunnen, und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen.]</hi>
              </quote>
            </cit>
          </epigraph>

        </div>
      <div type="main">
      <!-- leerzeile -->
      <div>
        <head>1.</head>
        <p> Unser Text fängt an mit den Worten: <hi rend="italic">«Darnach sah ich!»</hi>, und wenn
          wir ihn verstehen wollten, dann müßte jetzt ein einziges, einmütiges, großes <term type="Begriffe" key="2850">Seufzen</term> und Flehen in unseren Herzen sein: Herr, öffne
          uns die Augen, daß wir auch sehen! Der diese Worte geschrieben: Darnach sah ich!, war wie
          einer, der auf einer hohen Bergspitze, höher als alle Berge ringsum, über Nacht gewesen
          ist. Finster war es, nun aber bricht der Tag an. Geschlafen und geträumt hatte er, wie
          wenn er zu Hause in seiner engen Kammer wäre, nun aber ist er erwacht und schlägt die
          Augen auf und sieht. Ja, was sieht er? Die Berge und Täler, die Flüsse und Seen, die
          Wolken und die Wohnungen der Menschen, und das alles ganz anders als sonst: <hi rend="italic">von oben</hi> aus der Ferne, wo das Kleine wirklich klein wird oder ganz
          verschwindet und nun das Große wirklich groß erscheint<note xml:id="n01">Vgl. Strophe 4
            des Liedes "Brich herein, süßer Schein" von <persName ref="kbga-actors-5854">Marie
              Schmalenbach</persName> (Reichs-Lieder 556): <cit>
              <quote>
                <lg>
                  <l>Ewigkeit, in die Zeit</l>
                  <l>Leuchte hell herein,</l>
                  <l>Daß uns werde klein das Kleine</l>
                  <l>Und das Große groß erscheine,</l>
                  <l>Selge Ewigkeit.</l>
                </lg>
              </quote>
            </cit>
          </note>, aber auch das Große nicht ganz groß, nicht als etwas Einziges, sondern neben
          vielen anderen <pb ed="pga" xml:id="p079"/> großen Dingen. <hi rend="italic">Vieles</hi>
          sieht er miteinander, wo er sonst immer nur etwas sah, das, was ihm gerade vor Augen war.
          Und dieses Viele doch wieder in einem großen <hi rend="italic">Zusammenhang</hi>, als ein
          untrennbares Ganzes. Und dann über diesem Ganzen erst noch die unendliche Weite des <hi rend="italic">Himmels</hi>, von dem man zum Fenster hinaus immer nur ein Stücklein sehen
          kann, und am Himmel die goldene <hi rend="italic">Sonne</hi>, die hier auf dem Berge
          keinen Schatten werfen kann, weil hier nichts höher ist als die Sonne, es wäre denn, der
          Mensch würde seinen eigenen Schatten anstarren. |</p>
        <p> Wir feiern heute <term type="Begriffe" key="1820">Karfreitag</term>, das Gedächtnis des
          Todes Jesu <term type="Begriffe" key="1720,1400">Christi</term>. Was ist dieser Tod
          anderes als der hohe Berg, auf dem wir Menschen tatsächlich stehen? Was bedeutet dieser
          Tod anderes als den Ort, wo der Mensch und seine Welt unter Schmerz und Weh, unter Furcht
          und <term type="Begriffe" key="1050,330">Zittern</term> und doch völlig frei und freudig
          aufhört, um Gott <term type="Begriffe" key="120,10">anfangen</term> zu lassen? Was sagt
          uns dieser Tod anderes, als daß dieser Ort tatsächlich das Wesen und die Wahrheit des
          Menschen ist, das Leben in seinem Leben? Von hier aus bist du, was du <term type="Begriffe" key="2845">bist</term>. Von hier aus bist du gedemütigt und erhöht,
          gerichtet und begnadigt. Von hier aus sieht dich Gott und kennt dich und liebt dich, und
          von hier aus kannst du ihn wieder sehen, kennen und lieben. Ja, von hier aus kannst du
          sehen, Alles sehen: Gott, die Welt und dich selbst, sehen im Lichte des hellen Tages und
          im Lichte deiner eigenen Augen. Das ganze <term type="Begriffe" key="490">Christentum</term> besteht im Sehen von hier aus. Daß wir nicht weiterschlafen, daß wir
          nicht länger unsere Augen verschließen, daß wir nicht unseren Schatten anstarren, das
          Einzige, was uns hier noch hindern könnte zu sehen, das ist das <term type="Begriffe" key="490">Christentum</term>. «Darnach sah ich.» Darum, weil ich auf diesem hohen Berge
          bin und stehe in der Kraft des Todes Christi, darum kann und will und muß ich und werde
          ich sehen. Herr, öffne uns die Augen!</p>
      </div>
      <!-- leerzeile -->
      <div>
        <pb ed="pga" xml:id="p080"/>
        <head>2.</head>
        <p> Von <hi rend="italic">einer großen Schar</hi> lesen wir, die vor dem Stuhl <term type="Begriffe" key="3033">Gottes</term> steht und vor dem Lamm, Jesus Christus, der die
          Sünden der Welt getragen und hinweggetragen hat [<ref type="can" subtype="bible" target="Joh.1.29">Joh. 1,29</ref>]. Wir sind nun nicht gerade gewohnt, <hi rend="italic">eine große Schar</hi> vor Gott versammelt zu sehen. Sehen wir irgendwo eine große Schar
          versammelt, so müssen wir fast immer vermuten, daß da ein <term type="Begriffe" key="1370">Götze</term> im Mittelpunkt steht, irgend ein saftiger Irrtum, ein wohlgemeinter
          kleiner Betrug, jedenfalls etwas Menschliches, nicht Gott. Auch die große Schar in der
            <term type="Begriffe" key="1850,1530">Kirche</term> an den hohen Festtagen macht davon
          keine Ausnahme. Menschlich betrachtet ist die <term type="Begriffe" key="3410">Wahrheit</term> immer bei den Wenigen, nicht bei den Vielen. Hier nun, vom hohen Berg
          aus gesehen, kehrt sich etwas um. Diese Wenigen werden <term type="Begriffe" key="3080">getröstet</term>: ihr seid nicht so einsam vor Gott, wie ihr wohl denkt, eure Schar ist
          größer, viel größer, als ihr jetzt begreifen könnt!, aber auch <term type="Begriffe" key="540">gedemütigt</term>: ihr sollt nicht meinen, daß ihr allein Gott kennt und ehrt,
          seht da eine große, große Schar neben euch vor seinem <term type="Begriffe" key="3033">Thron</term>. Und auch die Anderen, die Vielen werden <term type="Begriffe" key="3080">getröstet</term>: Ihr seid nicht ausgeschlossen, nicht weniger lieb, weil ihr jetzt als
          der große Haufe dasteht in eurer Torheit, ihr steht auch vor <term type="Begriffe" key="2927">Gott</term>, ihr, die große Schar. Und auch sie werden <term type="Begriffe" key="540">gedemütigt</term>: Ihr irrt euch jetzt, ihr versteht euch selbst nicht, ihr
          müßt den unbekannten <term type="Begriffe" key="1390,1040">Gott</term>, dem ihr jetzt
          unwissend dient, erst kennen lernen [vgl. Act. 17,23]. Was ist das für eine große Schar?
          Eine Schar, <hi rend="italic">die niemand zählen kann</hi>, heißt es, aus allen Heiden und
          Völkern und Sprachen: Also ein unendliches Volk, das sich aus den verschiedensten
          Bestandteilen zusammensetzt. Es ist, wie wenn ein großes Haus ganz voller Menschen wäre.
          Aber die Fenster und Türen stehen nach allen Seiten offen, und auch zu den Fenstern sehen
          sie hinein, und auf den Schwellen der Türen stehen sie und rings um das Haus herum, so daß
          man schließlich gar keinen Unterschied machen kann: wer ist nun drinnen und wer draußen.
          Menschlich gesehen kann man diesen Unterschied machen, vom hohen Berg aus gesehen nicht.
          Und doch faßt es nicht etwa einfach alle Menschen. Sondern es ist etwas Besonderes, eine
          Auswahl und Auslese, zu dieser großen Schar aus allen Völkern, Kirchen, Parteien und
          Menschensorten zu gehören. Es kann also niemand denken: ich gehöre sowieso dazu!, gerade
          wie auch niemand denken muß, er gehöre sowieso nicht zu denen, die vor Gott <term type="Begriffe" key="2927">stehen</term>. Es ist eine große, allgemeine Möglichkeit und
          Frage, die da unter den Menschen gestellt ist, dieses Vor-­<pb ed="pga" xml:id="p081" break="no"/><term type="Begriffe" key="2927">Gott-­Stehen</term> einer großen Schar,
          eine Möglichkeit und Frage, die immer noch höher und größer ist als das, was wir Menschen
          von uns selbst oder von Anderen zu wissen meinen. |</p>
        <p>Und nun heißt es von dieser großen Schar, sie seien <hi rend="italic">angetan mit weißen
            Kleidern und Palmen in den Händen.</hi> Das bedeutet offenbar, daß diese vor Gott <term type="Begriffe" key="2927">stehenden</term> Menschen <term type="Begriffe" key="2130,1933">rein</term> sind, so daß sie würdig sind, vor <term type="Begriffe" key="2927">Gott</term> zu stehen, und bereit wie zu einem Feste, wie geschmückte Kinder.
          Auch das streitet offenbar mit dem, was wir gewöhnlich sehen. Oder wo sind denn die
          Menschen, die wirklich <term type="Begriffe" key="2130,1933">rein</term> und würdig vor
            <term type="Begriffe" key="2927">Gott</term> stehen könnten, die wirklich festlich
          bereit wären, ihn zu loben und zu lieben? Wo ist der Mensch, bei dem da nicht ein großes
          Aber! zu machen wäre? Das wissen wir doch wohl alle, wie bittere Enttäuschungen man da
          erlebt, wenn man etwa einmal meint, einen solchen Menschen gefunden zu haben, und die
          bitterste dann, wenn man etwa gar meint, selber ein solcher Mensch im weißen Kleid und mit
          einer Palme in der Hand zu sein. Vom hohen Berg aus aber, heißt es hier, da werden solche
          Menschen gesehen. Es heißt nicht: an welchem Ort und zu welcher Zeit; es heißt nicht,
          welches ihre Namen sind, es heißt nicht: ­<hi rend="sup">2-</hi>das ist so einer und das
            nicht<note xml:id="n02">-­<hi rend="sup">2</hi>Diese zwischen den Zeilen hinzugefügten
            sieben Worte sind nicht sicher zu entziffern.</note>; es heißt nicht, mit was sie das
          verdient haben, es heißt nicht einmal, daß sie etwa besser seien als andere. Es heißt nur:
          sie sind da, ohne daß sie damit einen Vorzug bekommen, ohne daß sie überhaupt mit Anderen
          verglichen werden. Es ist an den Menschen dieser großen Schar etwas, das ist für Gott
            <term type="Begriffe" key="2130,1932">offen</term> und geöffnet, das gefällt ihm, das
          ist ihm recht, das paßt zu ihm, damit können sie vor Gott <term type="Begriffe" key="2927">stehen</term>. Ohne daß sie sich dessen etwa rühmen könnten, denn sie stehen ja nur
          dazu vor <term type="Begriffe" key="2927">Gott</term>, um ihn zu rühmen. |</p>
        <p>Das sagt uns das Nächste: <hi rend="italic">«Sie schrieen mit großer Stimme: Das Heil sei
            dem, der auf dem Thron sitzt, unserem Gott und dem Lamm!»</hi> Sie schrieen nicht ihren
          Schmerz, ihre Verzweiflung oder Not in die Welt hinaus, wie es unter uns etwa vorkommt.
          Sie schrieen aber auch nicht: O wie glücklich, wie selig sind wir doch!, wie es bei uns
          ebenfalls vorkommt, wenn die Schaukel etwa einmal auf die andere Seite schlägt. Sie
          schrieen: Das Heil, die Errettung, die Seligkeit ist in Gott. <pb ed="pga" xml:id="p082"/>
          Ganz einerlei, ob wir gerichtet sind oder <term type="Begriffe" key="1360,670">begnadigt</term>, zur Hölle verstoßen oder zum <term type="Begriffe" key="1580,1230">Himmel</term> erhoben sind: Das Heil sei dem, der auf dem Thron sitzt! Er ist über
          Leben und <term type="Begriffe" key="1390,845">Tod</term>. Er muß triumphieren, ob wir
          heulen oder jubeln. Er muß auf alle Fälle Recht behalten. Er allein ist wichtig und groß!
          Ihm allein die Ehre! Was für Menschen, nicht wahr, die das schreien, hinausschreien mit
          großen Stimmen als das Wahrste, Tiefste, Beste [?], was sie wissen: daß in Gott ihr Heil
          und das Heil aller Menschen und das Heil der ganzen Welt ist, daß es von ihm allein kommen
          kann und bei ihm selbst immer wieder gesucht werden muß. Was sollen wir dazu sagen, wenn
          wir vom hohen Berg aus <hi rend="italic">das sehen und hören?</hi> |</p>
        <p>Und nun noch etwas. Es heißt: <hi rend="italic">«Alle Engel standen um den Thron und um
            die Ältesten und um die vier Tiere und fielen [vor dem Thron auf ihr Angesicht und
            beteten Gott an].»</hi> Da wird uns gesagt, daß die große Schar der Anbetenden sich in
          einer großen Übereinstimmung befindet mit einem ganzen Chor von zum Teil gleichartigen,
          zum Teil höheren Wesen, von denen die Menschen umgeben sind. Den innersten Kreis dieses
          Chores zunächst dem <term type="Begriffe" key="3033">Thron</term> Gottes bilden die 24
          Ältesten [vgl. Apk. 4,4.10]; ich möchte in ihnen die wahren Führer, <term type="Begriffe" key="1525">Helden</term> und Weisen der <term type="Begriffe" key="2140">Menschheit</term> sehen, nicht die, die man dafür hält, aber die, die es in
          Wirklichkeit sind, diejenigen, deren Wort und Werk zu den verschiedensten Zeiten an den
          verschiedensten Orten und in der verschiedensten Weise <term type="Begriffe" key="2020">Lichter</term> geworden sind, die den Übrigen leuchteten wie Leuchttürme. Diese
          Ältesten sieht Johannes auf ihr Angesicht fallen und <term type="Begriffe" key="113">anbeten</term>. Sie können auch nicht anders. Das ist der wahre Sinn ihres <term type="Begriffe" key="2860">Lebens</term>. Den zweiten Kreis bilden die vier Tiere. Das
          sind offenbar die teils wilden, teils edlen Naturkräfte in der Menschheit, Triebe,
          Leidenschaften, Begabungen und Ideen. Wir sehen diese Kräfte fast immer nur in ihrer <term type="Begriffe" key="2130,1915">Gottlosigkeit</term>; wie sie auseinanderstreben und
          gegeneinanderprallen, wie sie Verwirrung und Zerstörung anrichten und wie sie alle ihre
          Grenzen haben, über die sie nicht hinauskönnen. Hier sind sie gesammelt und geordnet. Auch
          sie wenden sich zu Gott hin, von dem sie herkommen. Auch sie können nur anbeten. Den
          äußersten Kreis bilden die Engel. Die <term type="Begriffe" key="670">Engel</term> sind
          die unsichtbaren geistigen Kräfte und Mächte im Menschheitsleben, die guten und die bösen.
          Es gibt ihrer viel mehr, als der gewöhnliche Mensch denkt und merkt. Aber freilich, wenn
          wir Menschen anfan <pb ed="pga" xml:id="p083"/> gen, etwas davon zu merken, dann besteht
          die große Gefahr, daß wir das Hohe, Geistige, das in uns und um uns lebt, mit Gott selbst
          verwechseln und nicht weiter kommen als nun nur wieder zu einem hohen <term type="Begriffe" key="1370">Götzendienst</term>, denn auch die <term type="Begriffe" key="670">Engel</term> gehören zu unserem Menschheitsleben. Sie sind in gewissem Sinn
          nicht mehr als unser eigen <term type="Begriffe" key="670,138">Spiegelbild</term>. Hier
          nun ist Alles klar: Gott allein ist in der Mitte, und zu ihm hin sehen alle Wesen [aus]
          allen Zonen und Kreisen, aus den höchsten und aus den tiefsten. Und auch die höchsten
            <term type="Begriffe" key="670">Engel</term> können vor ihm nur niederfallen und
          anbeten. So ist die Schar der anbetenden Menschen umgeben von einer weiten, hohen und
          tiefen Einmütigkeit und Gemeinschaft, die schließlich das ganze Leben umschließt.</p>
      </div>
      <!-- leerzeile -->
      <div>
        <head>3.</head>
        <p> Nicht wahr, das ist nun alles sehr hoch und wunderbar und schwer zu verstehen. Und zwar
          darum, weil wir ja diese große Schar, von der das alles gelten soll, nirgends sehen
          können. Wir möchten auch fragen, wie es da heißt: <hi rend="italic">«Wer sind diese, mit
            den weißen Kleidern angetan, und woher sind sie gekommen?»</hi> Wir können offenbar
          nicht sagen, daß wir hier in der <term type="Begriffe" key="1850">Kirche</term> diese
          Schar oder ein Teil von ihr seien. Und wir könnten über die ganze Erde gehen und durch
          alle Zeiten der <term type="Begriffe" key="3480">Geschichte</term> und würden nirgends
          eine Versammlung antreffen, von der wir sagen könnten: Da sind sie nun, die <term type="Begriffe" key="113">Anbeter</term> Gottes im Geist und in der Wahrheit [vgl. Joh.
          4,24]. Wir können aber eben auch keine Auslese machen und da und dort etwa auf einen
          Menschen zeigen: der oder die. Diese Auslese würde gar verschieden ausfallen, wenn sie
          unsere Sache wäre, und erst noch [?] müßten wir dabei sofort und in jedem Fall einsehen,
          daß eigentlich Keiner, gar Keiner, auf den wir etwa zeigen möchten, wirklich ganz zu
          dieser großen Schar paßt. Auch wir können offenbar auf diese Frage nur antworten: <hi rend="italic">«Herr, du weißt es!»</hi> Seid stille und erkennet, daß ich Gott bin [Ps.
          46,11]!, heißt es hier. Die wirkliche Antwort muß sich Johannes geben lassen von einem der
          Ältesten, der weiter [?] ist als er selbst. Er kann sie auch nicht nur so vom Baum
          pflücken. Man kann das, was da zu sagen ist, eben wirklich nicht nur so sagen. Es muß da
          ein großer Schritt getan werden: der Schritt einer <term type="Begriffe" key="740">Erkenntnis</term>, die uns immer wieder gegeben werden muß, ein Schritt in den Frieden
          Gottes hinein, der höher ist als alle Vernunft [Phil. 4,7], ein Schritt über uns selbst
          hinaus, so daß wir, indem wir ihn tun, etwas Anderes und Neues werden. Das Wissen <pb ed="pga" xml:id="p084"/> fängt hier an mit einem <term type="Begriffe" key="3575">Nicht-­Wissen</term>, der Glaube mit einem Nicht-­ Glauben-­Können, das Sehen mit einer
          Blindheit. Es ist ja der Berg des Todes <term type="Begriffe" key="1720,1400">Christi</term>, von dem aus hier gesehen werden muß, und wir haben schon gehört: dieser
          Tod ist ein Anfang im <hi rend="italic">Ende</hi>, ein Neuwerden im <hi rend="italic">Vergehen</hi>, ein Leben im <hi rend="italic">Sterben.</hi> Selig sind, die immer
          wieder nicht wissen, denn ihre Augen werden aufgetan werden.</p>
        </div>
        <!-- leerzeile -->
        <div>
          <head>4.</head>
          <p> Denn nun hören wir weiter: Die große Schar derer, die anbetend vor Gott stehen, das
            sind <hi rend="italic">die, «die gekommen sind aus der großen Trübsal und haben ihre
              Kleider gewaschen und haben ihre Kleider hell gemacht im Blut des Lammes».</hi> Wir
            können es ja jetzt aussprechen: Ja, diese große Schar in weißen Kleidern und mit Palmen
            in den Händen, das sind die Menschen, die Menschen ohne Unterschied und ohne Grenzen,
            auch wir inbegriffen, und wer nicht? So sehen wir aus, so stehen wir da, von Gott aus
              <term type="Begriffe" key="1390,1015">gesehen</term>. Das ist das Wesen und die
            Wahrheit des Menschheitslebens in Gott, nicht das, was wir aneinander und an uns selbst
            und in der Welt sehen, weder das Gute noch das Böse, weder das Herrliche noch das
            Niederträchtige an uns. Darum ist die Schar der <term type="Begriffe" key="113">Anbeter</term> so groß, weil Gott so groß ist, immer noch größer als alle
            Gottesverehrung und Gottesleugnung der Menschen, die wir sehen. Darum ist niemand
            ausgeschlossen und niemand eingeschlossen, weil Gott die Möglichkeit und die Frage
            [ist], die als Möglichkeit und als Frage für alle Welt<note xml:id="n03">Barth schreibt
              nur eine Initiale, die wahrscheinlich als «W.» zu lesen und dann als «Welt» aufzulösen
              ist (so wie in diesem Abschnitt häufig «M.» für «Mensch» oder «Menschen»
              steht).</note> und für alle Menschen immer aufs neue lebendig ist. Darum die
            Würdigkeit und Bereitschaft dieser Schar, weil Gott uns Menschen kennt, bevor wir ihn
            kennen, und besser, als wir ihn je kennen [werden], und weil bei Gott kein Ding
            unmöglich ist [vgl. Lk. 1,37], auch das nicht, daß er an uns kleinen, sterblichen,
            sündigen <term type="Begriffe" key="2140,1960">Menschen</term> sein Wohlgefallen hat
            [vgl. Lk. 2,14]. Darum jener unbegreifliche Ruf und Schrei: Das Heil sei dem, der auf
            dem Stuhl sitzt!, weil wirklich der Grund und die Kraft und der Ursprung und das Ziel
            der Menschen in Gott ist und nicht in ihnen selbst und weil wir das, wenn ein Wunder an
            uns geschieht, wissen können. Darum die große Einstimmigkeit des höchsten und tiefsten
              Menschheitsle<pb ed="pga" xml:id="p085" break="no"/>bens mit jener <term type="Begriffe" key="113">Anbetung</term> der großen Schar, weil er lebt und regiert
            über allem Chaos dieses Lebens, weil alles Drängen, alles Ringen ewige Ruhe ist in Gott
            dem Herrn<note xml:id="n04">Vgl. <persName ref="kbga-actors-136">J. W. von
                Goethe</persName>, "Zahme Xenien VI", V.178f.: <cit>
                <quote>
                  <lg>
                    <l>Und alles Drängen, alles Ringen</l>
                    <l>Ist ewge Ruh in Gott dem Herrn.</l>
                  </lg>
                </quote>
              </cit></note>. Also die Menschen von Gott aus gesehen, von Gott aus verstanden, das
            ist die große Schar. Also noch einmal, auch wir, auch du und ich. |</p>
          <p>
            <term type="Begriffe" key="25">Aber!</term> Ja, was aber? Aber, muß ich sagen, die
            Menschen sehen sie unter dem Aber! stehen. Die Menschen sehen, sie wissen, daß sie von
            Gott aus gesehen und verstanden: gewendet, zerbrochen, aufgehoben sind. Die Menschen
            sehen, sie wissen, daß der Mensch, den Gott ansieht und versteht, ein neuer <term type="Begriffe" key="2130,1931">Mensch</term> ist. Also die Menschen sehen, sie
            wissen, daß sie in einen Tod gegeben <term type="Begriffe" key="3040,2289">sind</term>.
              <hi rend="italic">«Die gekommen sind aus der großen Trübsal», heißt es.</hi> Diese
              <term type="Begriffe" key="285,63">Trübsal</term> kann ihnen widerfahren sein als
            Angst, als Entbehrung, als Schmerz, als Krankheit, als Demütigung, als Verlassenheit,
            als Sterben. Aber das alles tut’s nicht. Aus der großen <term type="Begriffe" key="285,63">Trübsal</term>, heißt es. Man kann das alles erfahren haben und doch
            immer noch nichts wissen vom <term type="Begriffe" key="25">Aber!</term>, nichts vom
            neuen <term type="Begriffe" key="2130,1931">Menschen</term>, nichts vom Zerbrechen,
            nichts vom in den Tod Gegeben-­Sein. Wir Menschen sind im Stande, das Schwerste, das
            Allerschwerste durchzumachen und doch immer noch weiterleben zu wollen. |</p>
          <p>Und darum wird hinzugefügt: <hi rend="italic">«die ihre Kleider gewaschen und hell
              gemacht haben im Blut des Lammes».</hi> Das ist die große <term type="Begriffe" key="285,63">Trübsal</term>, die Trübsal in der Trübsal, durch die der Mensch hindurch
            muß. Das Blut <term type="Begriffe" key="1720,1270">Christi</term> ist das Ende des
            Menschen. Als dieses Blut floß auf der Erde, da wurde es klar, daß Gott allein helfen,
            retten und regieren kann und will. Das Blut <term type="Begriffe" key="1720,1270">Christi</term> muß dem Menschen alles das nehmen, an das er sich noch klammern will,
            um weiterzuleben, alles das, was ihn als Menschen noch stark und zuversichtlich macht:
            alle Zufriedenheit, alle Ruhe, alle Sicherheit, alles Vertrauen, auch alles
            Gottvertrauen. Das Blut <term type="Begriffe" key="1720,1270">Christi</term> muß machen,
            daß der Mensch <term type="Begriffe" key="3040,2289">sterbe</term>, damit Gott, Gott
            allein, Gott selbst für ihn lebe. Das kann in Not und Traurigkeit geschehen, aber
            vielleicht auch bei voller Kraft und Freude des Menschen. Die große <term type="Begriffe" key="285,63">Trübsal</term> ist nicht dasselbe wie die kleinen <term type="Begriffe" key="285,63">Trübsale</term>, und wenn sie noch so groß wären. Die
            große <term type="Begriffe" key="285,63">Trübsal</term> besteht darin, <pb ed="pga" xml:id="p086"/> daß der Mensch Gott als Gott erkennen muß, daß er nicht mehr vor Gott
            fliehen kann, daß er, wenn es heißt: Gott oder <term type="Begriffe" key="3350">Verzweiflung</term>! nicht mehr ausweichen und noch ein Drittes, einen Mittelweg
            suchen kann, daß ihm wirklich außer Gott nichts mehr übrig bleibt. Seht, daß diese
            Notwendigkeit über uns komme, das heißt seine Kleider waschen im Blut des Lammes. Diese
            Notwendigkeit ist die enge Pforte [vgl. Mt. 7,13 par.], der hohe Berg des <term type="Begriffe" key="1820">Karfreitags</term>. Von hier aus <term type="Begriffe" key="1390,1015">sieht</term> und versteht Gott uns Menschen. Von hier aus ist die
              <term type="Begriffe" key="2140">Menschheit</term>, sind wir alle, du und ich, als
            versöhnte Menschheit, als die große Schar, die vor Gott <term type="Begriffe" key="2927">steht</term>, zu sehen. Es ist Alles, Alles klar, taghell, sonnenhell, wenn dieser
              <term type="Begriffe" key="385">Blitz</term> leuchtet über Alles und uns zeigt, wer
            Gott ist. Ist sie nicht schon da, diese Notwendigkeit, stehen wir nicht eigentlich alle
            unter der engen Pforte, auf dem hohen Berg des <term type="Begriffe" key="1820">Karfreitags</term>? Habe ich da irgend ein seltsames, hohes Erlebnis seltener
            Menschen beschrieben in dem, was ich sagte vom Sterben des <term type="Begriffe" key="3040,2289">Menschen</term>, auf daß Gott lebe? Sind wir denn nicht alle von Gott
            bedrängt und haben eigentlich keinen Ausweg als den, uns ihm in die Arme zu werfen?
            Stand denn Christus nicht an unserer Stelle, als er am <term type="Begriffe" key="1820">Karfreitag</term>
            <term type="Begriffe" key="1720,1400">starb</term>, um Gott zu leben? Sollte der <term type="Begriffe" key="385">Blitz</term> der Erkenntnis nicht leuchten in unseren Augen
            und damit über unserem Leben, und sollten wir dann nicht freudig weiterfahren, wir alle,
            die Guten und die <term type="Begriffe" key="2130,1905">Bösen</term>, die Frohen und die
            Traurigen, die Ernsten und die weniger Ernsten, wir alle, weil es für uns alle wahr ist:
              <hi rend="italic">«Darum sind sie vor dem Stuhl Gottes …»</hi></p>
        </div>
        </div>
        <div type="songs">
          <head>Lieder:</head>
          <listBibl type="songs">
            <bibl type="song" corresp="kbga-songs-75">Nr. 117 «O Lamm Gottes, unschuldig», Strophen 1­-3, von N. Decius (Str. 1) und
              «nach Dresden 1736» (Str. 2.3) (RG [1998] 437 mit Textabweichungen in Str. 2.3; EG
              190.1 Str. 1.-.-)</bibl>
            <bibl type="song" corresp="kbga-songs-58">Nr. 6 «Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren» von J. Neander, Strophen
              1.2.5 (RG [1998] 242,1.2.5; EG 316,1.2.5)</bibl>
          </listBibl>
        </div>
        <div>
          <pb ed="pga" xml:id="p087"/>
          <head>[Beilage<note xml:id="n05">Die Beilage findet sich auf einem eigenen beidseitig
              beschriebenen Viertelblatt. Vermutlich hat Barth nicht nach diesen Stichworten seine
              Predigt ausgearbeitet, sondern mit ihnen ihren Gedankengang nach der Niederschrift
              skizziert, um die Predigt dann auf der Kanzel weitgehend frei zu
            halten.</note>]</head>
          <p><hi rend="italic">Darnach sah ich.</hi> Seufzen. Wie Einer auf Bergspitze: finster,
            geschlafen, sieht: von oben Vieles, Zus. hang, Himmel, goldene Sonne. <hi rend="italic">Karfreitag.</hi> Tod ist d. hohe Berg, Ort, wo M[ensch] aufhört. Ort [ist] Wesen u.
            Wahrheit, Leben in s. Leben. <hi rend="italic">Von hier aus</hi> sieht, kennt, liebt
            dich G[ott,] gedemütigt, gerichtet, bist! G. sehen, kennen, lieben. Sehen, Alles!
            Chr[isten]t[um]: Sehen. <hi rend="italic">Darnach:</hi> darum weil in Kraft d. Todes Xi
            [Christi] hier stehen, kennen, wollen … sehen: Herr öffne …</p>
          <!-- leerzeile -->
          <p><hi rend="italic">Eine große Schar</hi> vor d. Thron u. d. Lamm. (Nicht gewohnt: vor
            Gott. Schar: Götzen, Kirche[,] Wahrheit b. d. Wenigen!) Umkehrung: d. Wenigen getröstet,
            gedemütigt in d. großen Schar, auch sie gedemütigt. Was für eine Schar?<lb/>
            <hi rend="italic">die niemand zählen kann</hi>, unendl. Volk aus versch. Bestandteilen.
            Haus voll M., offen, kein Unterschied: drinnen u. draußen. Nicht: alle M., etwas
            Besonderes dazu gehören. Niemand: sowieso. Große Möglichkeit u. Frage, größer als das
            wir wissen.<lb/>
            <hi rend="italic">angetan mit weißen Kleidern</hi>, rein – würdig, bereit (o [= nicht]
            gewöhnlich: wo sehen wir d. M.? nicht Aber? Enttäuschung: gefunden, selber!) von hier
            aus solche M. gesehen: o Ort, Zeit, Namen, das, verdient, besser, verglichen. Sie sind
            da. Etwas für Gott offen, gefällt ihm, paßt, vor ihm. Ohne sich rühmen – sie rühmen Gott<lb/>
            <hi rend="italic">schrieen mit großer Stimme: Das Heil …</hi> o Schmerz, Wut … o: wie
            selig … Das Heil in Gott[.] Einerlei ob wir gerichtet od. begnadigt: d. Heil sei dem …!
            Er über Leben u. Tod, triumphieren, Recht behalten, wichtig u. groß, Ehre! Was für M.:
            schrieen mit großer Stimme: in Gott d. Heil[,] von ihm kommen, bei ihm zu sehen<lb/>
            <hi rend="italic">alle Engel um Thron, Älteste, Tiere:</hi> Schar d. Anbetenden in
            Übereinstimmung mit unendl. Chor v. Wesen, die die M. umgeben. – <hi rend="italic">Innerster Kreis</hi> die 24 Ältesten, die Führer. Anbeten, unter Gott, weisen auf G.
            hin. Können o anders. Sinn ihr Geist [?]. <hi rend="italic">Zweiter Kreis:</hi> Tiere[.]
            Wilde u. edle Naturkräfte: Triebe, Begabungen (Gottlosigkeit, auseinander <pb ed="pga" xml:id="p088"/> gegeneinander, Verwirrung, Grenze) Gesammelt geordnet, geleitet.
            Wend[en] sich zu Gott. Anbeten. <hi rend="italic">Dritter Kreis:</hi> Engel: die
            geistigen Gewalten, gute u. böse. Mehr als wir denken. (Gefahr d. Verwechslung des Hohen
            mit d. Höchsten, d. Geistigen mit Gott. Hoher Götzendienst: Gehören z. M’heitsleben,
            unser Spiegelbild) Hier klar: Gott in d. Mitte, zu ihm hin finden die Gewalten aus allen
            Zonen. Können nur niederfallen. – Schar d. M. umgeben von Gemeinschaft</p>
          <!-- leerzeile -->
          <p rend="margin-top">Sehr hoch. Wir sehen d. Schar nirgends. <hi rend="italic">Wer sind
              diese …</hi> Was für ein Teil? Nirgend eine Versammlung: Anbeten! Auch keine Auslese:
            verschieden, keiner ganz paßt! <hi rend="italic">Herr du weißt[.]</hi> Seid stille …
            Joh. muß sich Antwort geben lassen. Nicht v. Baum pflücken, nicht nur so sagen. Schritt:
            Erkenntnis gegeben, Friede G., über uns hinaus, ein Neuwerden. Vorwärts: Wissen,
            Glauben, Sehen. Vom Tode Xi aus. Anfang im Ende, Werden im Vergehen, Leben im
            Sterben</p>
          <!-- leerzeile -->
          <p rend="margin-top"><hi rend="italic">Das sind die M.</hi>, ohne Unterschied, auch wir
            inbegriffen. So sehen wir aus. Das ist d. Wesen u. d. Wahrheit, nicht … Weil Gott so
            groß ist, darum Schar d. Anbeter. Weil G. die <hi rend="italic">Möglichkeit u. d.
              Frage</hi>, darum niemand aus-[,] eingeschlossen. Weil Gott <hi rend="italic">uns
              kennt</hi> u. bei ihm k. Ding unmöglich, darum Reinheit u. Würdigkeit. Weil <hi rend="italic">Grund</hi>, Kraft … d. M. in Gott, darum d. unbegreifl. Ruf. Weil G. <hi rend="italic">lebt</hi> u. regiert, u. alles Drängen … darum Einstimmigkeit. Also die
            M. von Gott aus. Also auch wir<lb/>
            <hi rend="italic">Aber!</hi> Die M. sehen sie unter d. Aber! stehen! wissen: gewendet,
            zerbrochen, aufgehoben! wissen: in den Tod gegeben! wissen: neuer Mensch!<lb/>
            <hi rend="italic">die gekommen sind aus der großen Bedrängnis.</hi> Widerfahren als
            Angst, Schmerz, Demütigung, Sterben[.] Das Alles tuts nicht. <hi rend="italic">Große</hi> Bedrängnis. Alles erfahren, nichts wissen: Wende, Tod, neuer M. Das
            Schwerste durchmachen und – weiterleben<lb/>
            <hi rend="italic">die ihre Kleider gewaschen haben.</hi> Die große Trübsal, aus der d.
            Mensch kommt, der G. sucht. <hi rend="italic">Das Blut Xi</hi> d. Ende des M. Gott
            allein kann u. will helfen. Blut Xi muß d. M. Alles nehmen, an das er sich klammert.
            Blut Xi muß machen daß d. M. stirbt. Viell. in Freude. Nicht dasselbe wie die kl.
            Trübsale. Große Trübsal: G. als G. erkennen, nicht mehr fliehen, ausweichen, nichts
            übrig. <hi rend="italic">Diese Notwendig<pb ed="pga" xml:id="p089" break="no"/>keit:</hi> s. Kleider waschen. Wer davon herkommt [?] der steht vor Gott. Die enge
            Pforte d. Karfreitags. Von hier aus sieht G. den M., versöhnte M’heit, große Schar.
            Alles klar, wenn dieser Blitz leuchtet u. uns zeigt wer G. ist. <hi rend="italic">Notwendigkeit da?</hi> Stehen unter enger Pforte? Seltsames Erlebnis? Sind wir nicht
            von G. bedrängt? Stand nicht X [=Christus] an unsrer Stelle: starb, damit G. lebe?
            Sollte Blitz o leuchten, freudig weiterfahren, wir Alle, weil sie uns Alle rufen: Darum
            sind sie … </p>
        </div>

      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
