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      <titleStmt>
        <title type="volume" n="vol-44">Predigten 1921</title>
        <title type="content">1. Korinther 13,1­–3</title>
        <title type="citation_line_1">Barth, Karl: 1. Korinther 13,1­–3, 1. Mai 1921</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/44021 (Stand: 2. Oktober 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Predigten 1921 (Gesamtausgabe, Abt. I), Zürich 2007, S. 126.</title>
      </titleStmt>
      <editionStmt>
        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
        <sponsor>Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW)</sponsor>
        <sponsor>Schweizerischer Nationalfonds (SNF)</sponsor>
        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
      </editionStmt>
      <publicationStmt>
        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
        <date when="2026">2026</date>
        <availability>
          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons BY-SA 4.0</licence>
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        <idno type="url">https://kbga.karl-barth.ch/texts/44021</idno>
      </publicationStmt>
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        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
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          <title type="volume">Predigten 1921</title>
          <title type="text">1. Korinther 13,1­–3</title>
          <author ref="kbga-actors-2151">Barth, Karl</author>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
          <date type="publication">2007</date>
          <biblScope unit="page">126</biblScope>
        </bibl>
        <!-- Data from KBA (https://kba.karl-barth.ch) -->
        <bibl xml:id="A" type="source">A (Vorlage der Edition): , Predigt: 1 Kor 13,1-3, 1. Mai 1921. <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/2003">KBA 1549</ref>. </bibl>
        <!-- we should provide more types: <bibl type="not-found-in-kba"></bibl> <bibl type="not-in-kba"></bibl>  -->
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        <date type="creation" when="1921-05-01">1. Mai 1921</date>
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        <language ident="ger">German</language>
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          <term>sermon</term>
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      <div type="sermon">
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        <div type="opener">
          <head><idno>566</idno></head>

          <dateline>
            <hi rend="italic"><placeName ref="kbga-places-54">Safenwil</placeName></hi>, Sonntag,
            den <date when="1921-05-01">1. Mai 1921</date>
          </dateline>
          <epigraph>
            <cit>
              <ref type="can" subtype="bible" target="1.Kor.13.1 1.Kor.13.3">1. Korinther
                13,1­–3</ref>

              <quote>
                <hi rend="italic" resp="kb">[Wenn ich mit Menschen-­ und mit Engelzungen redete, und
                  hätte der Liebe nicht, so wäre ich ein tönend Erz oder eine klingende Schelle. Und
                  wenn ich weissagen könnte und wüßte alle Geheimnisse und alle Erkenntnis und hätte
                  allen Glauben, also daß ich Berge versetzte, und hätte der Liebe nicht, so wäre
                  ich nichts. Und wenn ich alle meine Habe den Armen gäbe und ließe meinen Leib
                  brennen, und hätte der Liebe nicht, so wäre mir’s nichts nütze.]</hi>
              </quote>
            </cit>
          </epigraph>
        </div>
        <!-- leerzeile -->
        <div type="main">
        <div>
          <head>1.</head>
          <p> Tausend Nullen aneinandergereiht ergeben miteinander noch keine Zahl, sondern das
            kleinste, schwächste, unscheinbarste Eins ist mehr als sie. Tausend Holzklötze
            aufeinandergehäuft sind darum noch kein Feuer, sondern das kleinste, nur einen
            Augenblick glühende und dann wieder verlöschende Fünklein ist mehr als sie. Tausend
            auserlesene chemische Bestandteile, kunstreich gemischt und vereinigt, sind aller Kunst
            zum Trotz nicht ein lebendiges Wesen, sondern das einfachste Gräslein, das unser Fuß
            zertritt, das kurzlebigste Mücklein in der Luft ist mehr als sie. Tausend Jahre <term type="Begriffe" key="3480">Weltgeschichte</term> hintereinander mit all dem Großen,
            Umwälzenden, Wichtigen, Herrlichen, das in tausend Jahren geschehen kann, sind noch
            keine Sekunde <term type="Begriffe" key="3630,2660">Ewigkeit</term>, und tausend
            Menschlichkeiten, und wenn es die edelsten, bedeutendsten und reinsten wären, tausend
              <term type="Begriffe" key="1525">Heldentaten</term>, Erfindungen oder Kunstwerke,
            tausend schöne und lobenswerte <term type="Begriffe" key="615,134">Eigenschaften</term>
            des Charakters und der Gesinnung sind darum noch <term type="Begriffe" key="2295">nicht</term>
            <term type="Begriffe" key="1380,680">göttlich</term>, sondern ein einziger Strahl vom
            Lichte Gottes selbst ist mehr als sie. Das ist’s, was <persName ref="kbga-actors-313">Paulus</persName> meint mit seinem wahrhaft erschütternden «Und hätte der Liebe
            nicht», das er dem Reden von Menschen-­ und Engelzungen, dem Weissagen und Wissen und
            Glauben, der Selbstlosigkeit des Menschenfreundes, so alle seine Habe den Armen gibt,
            und dem Heldenmut des Märtyrers, der seinen Leib verbrennen läßt, gegenüberstellt.</p>
        </div>
        <!-- leerzeile -->
        <div>
          <head>2.</head>
          <p>
            <persName ref="kbga-actors-313">Paulus</persName> will wahrhaftig nicht sagen, daß das
            alles nichts wert sei. <hi rend="italic">Es kann etwas</hi> wert sein. Es kann sogar
            viel, unermeßlich viel wert sein. Aber es ist nicht selbstverständlich, daß es etwas
            wert ist. Nichts ist selbstverständlich etwas wert. Es fragt <term type="Begriffe" key="945">sich</term>. Alles, auch das Größte, <pb ed="pga" xml:id="p124"/> das
            Schönste, das Heiligste, setzt <persName ref="kbga-actors-313">Paulus</persName> auf die
            Messerschneide, auf die Waage, auf die Messerschneide dieses: Es fragt <term type="Begriffe" key="945">sich</term>! Da kommt Alles ins Wanken, in Bewegung, in
            Veränderung; da muß Alles sich gefallen lassen, zweifelnd, kritisch betrachtet zu
            werden. Bei allem Menschlichen heißt es: es fragt <term type="Begriffe" key="945">sich</term>. «Und hätte der Liebe nicht», das ist die Frage. Man kann diese Frage,
            die durch die ganze <term type="Begriffe" key="370">Bibel</term> hindurchgeht, als
              eine<hi rend="italic">
              <term type="Begriffe" key="3140">Beunruhigung</term></hi>, als eine Störung, als eine
            Gefahr auffassen. Sie ist es auch in gewissem Sinn; denn sie ist die Ankündigung, daß
            alle menschlichen Dinge ein Ende <term type="Begriffe" key="3235">haben</term>, wo sie
            sich umkehren müssen, um ihre andere Seite zu zeigen. Behüt’ uns Gott!, sagen wir dann,
            da rutscht einem ja der Boden unter den Füßen weg, da versteht man ja gar nichts mehr
            vom Leben, da weiß man ja gar nicht mehr, was man tun soll. Man kann sich aber auch <hi rend="italic">freuen</hi>, wenn diese Frage kommt, weil man merkt, daß da der Friede
            kommt, die Klarheit, der Weg, die Wahrheit und das Leben [vgl. Joh. 14,6]. Eigentlich
            warten ja doch alle menschlichen Dinge darauf, umgekehrt zu werden. Eigentlich <term type="Begriffe" key="2790">sehnen</term> sich doch alle die 1000 Nullen unseres Lebens
            nach der erlösenden Frage, nach dem Eins, das ihnen voranstehen muß. Eigentlich wissen
            wir es ja doch gut genug, wie alles Menschliche im Einzelnen wankt und rutscht und sich
            bewegt, und können nur froh sein darüber, zu hören, daß wirklich Alles in Bewegung ist
            und warum und wohin die Reise geht. Gott sei Dank!, können wir auch sagen, da wird’s
            endlich ausgesprochen, was wir ja längst wußten, was uns ja immer fehlte, da kommt nun
            endlich die Hauptsache, da kündigt sich nun endlich die Sonne an nach der langen Nacht,
            in der wir uns mit künstlichen Lichtern kümmerlich genug behelfen mußten.</p>
        </div>
        <!-- leerzeile -->
        <div>
          <head>3.</head>
          <p> Es war zu vermuten, und man konnte es gestern in der Zeitung lesen<note xml:id="n01">In den in den Bibliotheken aufbewahrten Zeitungen nicht zu ermitteln. Vermutlich
              stand die Notiz in einem nicht archivierten Lokalanzeiger.</note>, daß heute wohl in
            den allermeisten Kirchen <term type="Begriffe" key="2470">Predigten</term> über die
            Arbeiterfrage und <term type="Begriffe" key="2900">Arbeiterbewegung</term> gehalten
            werden. Soweit ich die heutige Lage in der Kirche <term type="Begriffe" key="1850">kenne</term>, ist anzunehmen, daß dabei das «Behüt’ uns Gott!» und das «Gott sei
            Dank!» wunderlich durcheinander gehen und daß an den meisten Orten das «Behüt’ uns <pb ed="pga" xml:id="p125"/> Gott!» das Übergewicht haben wird. Ihr kennt meine Stellung
            in dieser Sache und werdet es nicht mißverstehen, wenn ich keine solche <term type="Begriffe" key="2470">Predigt</term> halte, wie ich auch am 1. August keine <term type="Begriffe" key="3180">Vaterlandspredigten</term> zu halten pflege. Ich halte
            diese Art Predigten für ein bedenkliches Zeichen dafür, daß die <term type="Begriffe" key="1850">Kirche</term> ein schlechtes Gewissen hat und daß sie nicht weiß, was sie
            will. Wüßte sie, was sie will, hätte sie ein eigenes Thema, eine bestimmte eigene Sache,
            einen klaren eigenen Weg, dann brauchte sie nicht solche Anleihen zu machen. Wäre es
            selbstverständlich, daß in jeder <term type="Begriffe" key="1850">Kirche</term> an jedem
            Sonntag von <hi rend="italic">der</hi> Frage die Rede ist, der alles Menschliche
            ausgesetzt ist, und von <hi rend="italic">der</hi> Bewegung, in der sich alle
            menschlichen Dinge befinden, dann wäre auch in jeder <term type="Begriffe" key="1850">Kirche</term> und an jedem Sonntag von der Arbeiterfrage und <term type="Begriffe" key="2900">Arbeiterbewegung</term> die Rede, ohne daß es nötig wäre, diese Worte auch
            nur zu nennen.<note xml:id="n02">Der ausformulierte Text endet hier. Auf einem
              beigelegten Viertelblatt steht das Stichwort-Konzept der ganzen Predigt, das im
              folgenden buchstabengetreu wiedergegeben wird.</note></p>
        </div>
        </div>
        <div>
          <head>[Beilage]</head>
          <p><hi rend="italic">1000 Nullen</hi> keine Zahl. 1000 Holzklötze kein Feuer. 1000
            Elemente k. Leben. 1000 J[ahre] keine Ewigkeit. 1000 Menschlichkeiten o [= nicht]
            göttlich. <hi rend="italic">«Und hätte …»</hi> M'liche Dinge o fest, sinken u. steigen
            wie Quecksilber. M'liche Dinge o selbstverständlich gut, stehen unter einer Frage. <hi rend="italic">Ein Geheimnis</hi>, dort entscheidet es sich, ob lebendig, ob etwas, ob
            wert. Neues u. Anderes. Ort wo Perpendikel aufliegt. <persName ref="kbga-actors-313">P[au]l[us]</persName> «die Liebe».</p>
          <!-- leerzeile -->
          <p rend="margin-top"><hi rend="italic">Wenn wir das hören:</hi> uns fragen, ob wahr, ob
            kennen? <hi rend="italic">Vielleicht nein.</hi> Nicht jedermanns Sache a) Geheimnis
            zuzugeben b) alles M'liche auf d. Messers Schneide, kritisches Auge, es fragt <term type="Begriffe" key="945">sich</term> c) nicht bei uns selbst die Entscheidung.
            göttlich. <hi rend="italic">«Und hätte …»</hi> M’liche Dinge o fest, sinken u. steigen
            wie Quecksilber. M’liche Dinge o selbstverständlich gut, stehen unter einer Frage. <hi rend="italic">Ein Geheimnis</hi>, dort entscheidet es sich, ob lebendig, ob etwas, ob
            wert. Neues u. Anderes. Ort wo Perpendikel aufliegt. <persName ref="kbga-actors-313">P[au]l[us]</persName> «die Liebe».</p>
          <!-- leerzeile -->
          <p rend="margin-top"><hi rend="italic">Wenn wir das hören:</hi> uns fragen, ob wahr, ob
            kennen? <hi rend="italic">Vielleicht nein.</hi> Nicht jedermanns Sache a) Geheimnis
            zuzugeben b) alles M’liche auf d. Messers Schneide, kritisches Auge, es fragt <term type="Begriffe" key="945">sich</term> c) nicht bei uns selbst die Entscheidung.
            Beunruhigende Gedanken. Lehrt uns Gott. <hi rend="italic">Vielleicht kennst du sie
              doch.</hi> a) Tüchtiger M. der dir nichts sagt b) Gutes Bulletin [?], das dich nicht
            befriedigt c) vollkommene Arbeit, die dir nicht genügt d) rechte Sache, die dir
            unlebendig ist e) dein Lebenslauf, in dem eine Leere ist. – <hi rend="italic">Kennst
              Stelle</hi> [?] Wird dort anders, wo alles anders.</p>
          <!-- leerzeile -->
          <p rend="margin-top">
            <pb ed="pga" xml:id="p126" rend="noPipe"/>
            <hi rend="italic">Und habe die Liebe nicht.</hi>
            <persName ref="kbga-actors-313">Pl.</persName> nennt d. Geheimnis <term type="Begriffe" key="2030">«Liebe</term>». Er kennt <term type="Begriffe" key="2510">Propheten</term>
            u. <term type="Begriffe" key="1525">Helden</term> ohne Liebe, er kennt sich selbst u.
            urteilt: nichts! <hi rend="italic">Liebe muß etwas Großes sein.</hi> Wir sind keine
            Propheten, bringen [?] sogar solche M. davon ab, um wieviel mehr wir. Also nicht durch
            Kleines die große Lücke [?] verstopfen. <hi rend="italic">Achtung vor Wort Liebe.</hi>
            Liebsein u. Liebestun? Darin zeigt sie sich. Aber danach haben Viele gegriffen, ohne
            Erfolg, gaben es wieder auf. Die <term type="Begriffe" key="2055">Lücke</term> blieb.
            Gutes [?] wissen gegen besseres [?] tun [?]. Weitere Null, weiteres Holz. («Und wenn ich
            alle …)</p>
          <!-- leerzeile -->
          <p rend="margin-top"><hi rend="italic">Was ist <term type="Begriffe" key="2030">Liebe?</term></hi> Keine Antwort od. unbegreifliche Antwort (köstlicher Weg [<ref type="can" subtype="bible" target="1.Kor.12.31">1.Kor.
            12,31</ref>]) Das was uns Allen fehlt – was wir Alle haben als Wunder Gottes. Was k. M. sich
            nehmen od. machen kann – was in jedem M. lebt als s. Erstes. Wovon man nicht reden kann
            – was selber redet. Eine Möglichkeit, ein Licht, ein Ja – das ist Liebe.</p>
          <!-- leerzeile -->
          <p rend="margin-top"><hi rend="italic">Warum Liebe?</hi> Weil wir <hi rend="italic">Entbehrende</hi>, Suchende, Leidende sind ausgestreckt nach diesem Einen. Weil wir
            durch dieses Leiden <hi rend="italic">frei sind</hi> von uns selbst, auf [?] die Anderen
            die [?] die uns verstehen. Weil wir von dorther <hi rend="italic">geliebt</hi> sind.
            Gott ist die <term type="Begriffe" key="1390,930">Liebe</term> [1.Joh. 4,8.16].<note xml:id="n03">Zu dieser Predigt gibt es keine Liedangaben.</note></p>
        </div>

      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
