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        <title type="volume" n="vol-44">Predigten 1921</title>
        <title type="content">Apostelgeschichte 1,9 (Himmelfahrt)</title>
        <title type="citation_line_1">Barth, Karl: Apostelgeschichte 1,9 (Himmelfahrt), 5. Mai 1921</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/44022 (Stand: 2. Oktober 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Predigten 1921 (Gesamtausgabe, Abt. I), Zürich 2007, S. 132.</title>
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        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
        <sponsor>Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW)</sponsor>
        <sponsor>Schweizerischer Nationalfonds (SNF)</sponsor>
        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
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      <publicationStmt>
        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
        <date when="2026">2026</date>
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          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons BY-SA 4.0</licence>
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        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
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          <title type="volume">Predigten 1921</title>
          <title type="text">Apostelgeschichte 1,9 (Himmelfahrt)</title>
          <author ref="kbga-actors-2151">Barth, Karl</author>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
          <date type="publication">2007</date>
          <biblScope unit="page">132</biblScope>
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        <!-- Data from KBA (https://kba.karl-barth.ch) -->
        <bibl xml:id="A" type="source">A (Vorlage der Edition): , Predigt: Apg 1,9 (Himmelfahrt), 5. Mai 1921. <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/2004">KBA 1550</ref>. </bibl>
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          <head><idno>567</idno></head>

          <dateline>
            <hi rend="italic"><placeName ref="kbga-places-54">Safenwil</placeName></hi>, den <date when="1921-05-05">5. Mai 1921</date><note xml:id="n01">Am 4. Mai schrieb <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> an
                <persName ref="kbga-actors-403">Thurneysen</persName>: "Ich sitze, vorläufig nur
              dumpf brütend, vor der Aufgabe, eine Himmelfahrtspredigt zu verfassen, und vermute
              dich in ähnlicher Lage». «Morgen möchte ich über das ‹aufgehoben zusehends› Apg. 1,9
              predigen. Was wird das werden?" (<bibl corresp="kbga-bibls-931">Bw.Th. I, S. 482.484</bibl>).</note>
          </dateline>
          <head type="event"><hi rend="italic">Himmelfahrt</hi></head>

          <epigraph>
            <cit>
              <ref type="can" subtype="bible" target="Apg.1.9">Apostelgeschichte 1,9</ref>
              <quote>
                <hi rend="italic" resp="kb">Da er solches gesagt, ward er aufgehoben zusehends, und
                  eine Wolke nahm ihn auf vor ihren Augen weg.</hi></quote>
            </cit>
          </epigraph>
        </div>
        <div type="main">
        <div>
          <head>1.</head>
          <p> Nicht wahr, einfach, ganz <term type="Begriffe" key="617">einfach</term> ist unser
            Menschenleben! Wir meinen doch ungefähr zu wissen, wie wir dran sind, was wir zu
            erwarten haben und was wir wollen. Da ist kein Geheimnis. Da geschieht kein Wunder. Da
            unterbricht keine <term type="Begriffe" key="1590">Himmelfahrt</term> senkrecht nach
            oben unseren geordneten waagrechten Gang von der Wiege zum Sarge, von der Ruhe zur
            Arbeit und wieder zur Ruhe, vom Bösen zum Guten und zurück zum Bösen, vom Fortschritt
            zum Stillstand zu neuem Fortschritt. Haben wir nicht alle unsere Pflichten, unsere
            Freuden, unser Gewissen, unsere Überzeugungen, unseren Weg? Es ist immer das Eine,
            Gleiche, Sichere, unser Leben, das Eine, Gleiche, Sichere, dem nichts Anderes
            gegenübersteht. Hier stehe ich, ich kann nicht anders!, können wir alle sagen, auch wenn
            wir nicht <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> sind.<note xml:id="n02">"Ich
              kan nicht anderst, hie stehe ich, Got helff mir, Amen": der Überlieferung nach
              Schlußwort Luthers auf dem Reichstag zu <term type="Begriffe" key="3585">Worms</term>
              am 18.4.1521; vgl. WA 7,838,9; Büchmann, S. 424; <persName ref="kbga-actors-4089">Fr.
                Lau</persName>, <hi rend="italic">Luther</hi>, Berlin 1959, S. 74f.</note> Hier
            sitzen wir und sind, was wir sind, wer wir sind und wie wir sind. Es gibt nichts Neues
            unter der Sonne [Pred. 1,9]. Wie mit Wurzeln sind wir festgewachsen in dieser <term type="Begriffe" key="617">Einfachheit</term> unseres Lebens. Vieles fehlt uns Menschen
            vielleicht, jedem von uns fehlt irgend etwas; was aber Keinem fehlt, das sind diese
            Wurzeln. Hoch bis zum Himmel hinauf mögen wir steigen mit unseren Gedanken und Gefühlen;
            es ist doch gesorgt dafür, daß sie immer wieder zur Erde zurückkehren, zu jenem <term type="Begriffe" key="617">Einfachen</term>, wie ein Fesselballon schließlich wieder
            zurückgezogen wird und nicht etwa davonfliegen darf. Vieles mag uns geheimnisvoll sein;
            wir staunen vielleicht darüber, und dann gewöhnen wir <pb ed="pga" xml:id="p128"/> uns
            daran, daß es unter den gewöhnlichen auch geheimnisvolle Dinge gibt, und das Leben hat
            keinen Augenblick aufgehört, <term type="Begriffe" key="617">einfach</term> zu sein.
            Meint ihr, daß etwas anders würde, wenn jetzt hier in unserer Mitte ein Wunder geschähe,
            wenn heute nachmittag mitten in unserem Dorf ein Mensch zum Himmel führe? Ich sage euch:
            Wir würden schreien und jubeln und uns entsetzen, wir würden eine Woche oder ein Jahr
            oder viele Jahre davon reden, und über dem allem würde unser Leben immer das Eine,
            Gleiche, Sichere bleiben, kein Anderer würden wir werden über dem allem in unseren
            Wurzeln, unsere Wurzeln im Boden hätten über dem allem auch nicht den leisesten Wank
              getan<note xml:id="n03">= hätten nicht im geringsten gewankt, sich nicht im geringsten
              bewegt.</note>. Seht, so tief geht die Einfachheit unseres <term type="Begriffe" key="617">Menschenlebens</term>, daß auch das Schwerste, das Dunkelste, das Höchste,
            das uns geschieht oder geschehen könnte, es nicht zweifach machen kann. Auf der höchsten
            Höhe und in der tiefsten Tiefe und in der sicheren Mitte erst recht ist’s immer der
            Mensch, nur der Mensch!</p>
          <p> Unser Text aus der <term type="Begriffe" key="1590,1235">Himmelfahrtsgeschichte</term>
            fängt an mit den Worten «Da er solches gesagt». Bis zu diesem «Da er solches gesagt»
            steht auch Jesus Christus mitten in der Einfachheit des <term type="Begriffe" key="617">Menschenlebens</term>. Ein edler, ein frommer, ein höchst außerordentlicher Mensch
            vor 2000 Jahren im fernen Land <term type="Begriffe" key="1720,1403">Palästina.</term>
            Viel Schönes hat er gewollt, dem man nur Beifall geben kann. Viele Wunder hat er getan,
            über die man staunen muß. Viel Solches hat er gesagt, das immer wieder zu denken gibt.
            Aber – ganz leise sei’s hinzugefügt: auch er natürlich ein Mensch, nur ein Mensch. Auch
            da das Eine, Gleiche, Sichere. Einfach, ganz einfach das Menschenleben auch <term type="Begriffe" key="617">da</term>. Auch da kein Wank in den Wurzeln. Auch da nichts
              <term type="Begriffe" key="117">Anderes</term>, nichts ganz Anderes<note xml:id="n04">Vgl. oben S. 52, Anm. 4.</note>.</p>
        </div>
        <!-- leerzeile -->
        <div>
          <head>2.</head>
          <p> Oder doch? Oder ist unser Menschenleben doch nicht so ganz <term type="Begriffe" key="617">einfach?</term> – Versuchen wir nur einmal, uns dieses unser ganzes
            Menschenleben vorzustellen als einen großen, meinetwegen fast unendlich großen Kreis, so
            groß, daß nicht nur alles Mögliche und Gewöhnliche, sondern auch alle allfälligen
            Geheimnisse, Wunder und Himmelfahrten davon eingeschlossen sind, so groß, daß auch das,
            was wir «Gott» nennen, davon eingeschlossen ist. Aber was ist dann außerhalb dieses <pb ed="pga" xml:id="p129"/> Kreises? Wir können es nicht sagen! nicht [auch] nur
            «vielleicht» antworten [?]. Aber damit haben wir doch schon etwas gesagt. Wir haben
            damit gesagt, daß da draußen jedenfalls noch eine <term type="Begriffe" key="940">Frage</term> ist. Im ganzen Umkreis, von allen Seiten ist unser einfaches
            Menschenleben von einer großen Frage umgeben. Denkt euch einmal, was damit gesagt ist.
            Dann ist das Menschenleben jedenfalls sicher nicht ganz einfach, dann würde es zweifach,
            dann taucht da ein <term type="Begriffe" key="117">Anderes</term> auf, das wir nicht
            kennen, das aber uns zu kennen scheint; denn wie kämen wir sonst dazu, zu merken, daß da
            eine Frage ist? Und nun?, lautet diese Frage, und nun, du Mensch in der Mitte dieses
            großen Kreises, du Mensch mitsamt allem Gewöhnlichen und Ungewöhnlichen deines Lebens,
            du mit deinem «Gott», und nun, was soll das Ganze dieses deines Lebens? Wer bist denn
              <term type="Begriffe" key="2130,1878">du</term>, der sich erlaubt, so fest gewurzelt
            in diesem Ganzen drinzustehen, als ob es wirklich so <term type="Begriffe" key="617">einfach</term> wäre? Was warst du, da du noch nicht warst? Und was wirst du sein,
            wenn du nicht mehr sein wirst? Und wer bist du, wenn es so mit dir steht, daß du einst
            noch nicht warst und einst nicht mehr sein wirst? Du weißt etwas – aber was weißt du
            denn? Du willst etwas, aber was willst du denn? Du lebst – aber wann lebst du denn, wo
            du doch keine Sekunde Zeit hast zu leben, wo doch jede Sekunde entweder als vergangen
            nicht mehr oder als zukünftig noch nicht dir gehört? Was ist denn wahr in dem, was du
            wahr nennst? Was ist denn gut in dem, was du gut nennst? Was ist denn sicher in dem, was
            du sicher nennst? Ist denn das Gott, was du Gott <term type="Begriffe" key="2130,1878">nennst?</term> |</p>
          <p>Seht, so entfaltet sich diese Frage, so stürmt sie auf uns ein von allen Seiten, umgibt
            unseren einfachen Lebenskreis wie eine belagerte Festung, so bricht sie gegen uns los
            wie ein Feind, gegen den wir fechten müssen. O ich weiß wohl, man kann diese Frage auch
            vergessen, verschlafen, verträumen [?] – leben wir nicht alle tagelang, jahrelang,
            jahrzehntelang, ohne an sie zu denken? Aber ich weiß auch das Andere: sie ist einfach
            da, sie wohnt in unserer Seele, sie offenbart sich in unseren alltäglichsten Worten, sie
            redet aus dem, was wir heute, gestern und morgen erfahren, tun und leiden. Sie stellt
            sich uns selber, wenn wir sie uns etwa nicht stellen wollen. Kein noch so einfacher
            Mensch, der ihr etwa tatsächlich entrinnen kann. Sieh da, wie das Leben zweifach wird,
            ob wir’s wollen oder nicht: zuerst das <term type="Begriffe" key="617">Einfache</term>
            und dann ihm gegenüber die Frage, die große, drängende <term type="Begriffe" key="940,175">Lebensfrage</term>: Und nun? Und <term type="Begriffe" key="3105">dann</term>? Und du? Sieh da das <term type="Begriffe" key="117">Andere</term>, das
            ganz Andere.</p>

          <p>
            <pb ed="pga" xml:id="p130" rend="noPipe"/> Wir lesen in unserem Himmelfahrtstext weiter
            die Worte: «Er ward aufgehoben». Du kannst dir vielleicht wenig denken bei diesen
            Worten. So denk du zunächst einmal wenig dabei. Denk an die große <term type="Begriffe" key="940">Frage</term>, von der wir eben geredet. Denk dir einmal, Jesus Christus sei
            nichts Anderes als diese große Frage, die an uns gerichtet ist. Nicht wahr, du siehst
            auch das ein: Diese Frage ist wirklich «aufgehoben» über die Erde. Sie gehört nicht zu
            dem Einen, Gleichen, Sicheren unseres Lebens. Sie schwebt darüber. Sie war darin
            verborgen, aber indem sie auftaucht, zeigt es sich, daß sie immer etwas ganz anderes
            war. Sie steigt empor, höher und höher, je länger wir sie anschauen. Und wenn unsere
            kühnsten Gedanken und Gefühle schließlich wie der Fesselballon wieder zur Erde
            zurückkehren, die Frage, die große <term type="Begriffe" key="940">Frage</term> kehrt
            nicht mehr zurück, wird nicht mehr eins mit dem <term type="Begriffe" key="617">Einfachen</term>. Und wenn alles, was wir sehen und hören und denken, immer der
            Mensch, nur der Mensch ist, die Frage, die große Frage ist nicht nur der Mensch, denn
            der Mensch mit Allem, was er sieht, hört und denkt, ist ja gerade der, der gefragt ist:
            Adam, wo bist du? [Gen. 3,9] und nicht antworten kann. Und wenn nichts uns an die
            Wurzeln ginge, die <term type="Begriffe" key="940">Frage</term>, die große Frage geht
            uns an die Wurzeln, sie ist schon daran. «Er ward aufgehoben». Wer? Jesus Christus. Denn
            Jesus Christus ist die große <term type="Begriffe" key="940">Frage</term>, die von Gott
            – nicht von dem, den wir Gott nennen, sondern von dem ewigen, lebendigen <term type="Begriffe" key="1390,910">Gott</term> an uns gerichtet ist. Nein, das
            Menschenleben ist eben doch nicht so ganz <term type="Begriffe" key="617">einfach</term>.</p>
        </div>
        <!-- leerzeile -->
        <div>
          <head>3.</head>
          <p> Aber Jesus Christus ist mehr als die Frage. Er ist die <term type="Begriffe" key="940,160">Antwort</term>. Er ist die Antwort, indem er die Frage ist. Er ist auch
            ein Ganzes gegenüber dem Ganzen unseres <term type="Begriffe" key="2130,1878">Menschenlebens</term>. Er ist auch einfach, aber einfach in Gott gegenüber unserer
            Einfachheit. Er ist das neue Ganze. Er ist die neue Einfachheit. Er ist der neue <term type="Begriffe" key="2130,1931">Mensch</term>. Er ist das neue Leben. Er ist die neue
            Welt. Wir können uns diese Wörtlein nur nicht genug unterstreichen und einprägen, wenn
            wir an ihn denken. «Er ward aufgehoben». Seht, das muß stehen bleiben in der <term type="Begriffe" key="1590,1235">Himmelfahrtsgeschichte</term>, gerade wie das leere
              <term type="Begriffe" key="1425,1115">Grab</term> stehen bleiben muß in der <term type="Begriffe" key="2360,2040">Ostergeschichte</term>, und <term type="Begriffe" key="1720,1320">die </term>Geburt von <persName ref="kbga-actors-2224">Maria</persName> der Jungfrau in der <term type="Begriffe" key="3440,2483">Weihnachtsgeschichte</term> und die <term type="Begriffe" key="247">Ausgießung</term>
            des heiligen Geistes vom Himmel in der <term type="Begriffe" key="2420,2053">Pfingstgeschichte</term>. Obwohl es uns unmöglich ist, das alles zu glauben. Nein
            gerade, weil es uns unmöglich ist. Er ist eben das, <pb ed="pga" xml:id="p131"/> was uns
            unmöglich ist zu glauben. Er ist eben das, was von außen, als etwas Neues an den
            geschlossenen Kreis unseres einfachen <term type="Begriffe" key="617">Lebens</term>
            herankommt und es zweifach macht. In jeder von diesen Geschichten ist gerade das
            Wunderbare das Wichtige: wenn wir es nämlich richtig auffassen als das <term type="Begriffe" key="3610">Wunder</term> aller Wunder, als das Neue, von dessen
            Geschehen da jedesmal erzählt wird. Er ist das Neue Gottes. Er ist die Antwort. Weil
            Gott uns kennt, darum brennt uns die Frage: wer bist denn <term type="Begriffe" key="940,170">du</term>? Weil wir sein waren und sein werden, darum können wir nicht
            sagen, was wir jetzt sind. Weil er die Wahrheit ist, ist all unser Wissen Stückwerk
            [1.Kor. 13,9]. Weil er das Gute ist, muß all unser Wollen immer wieder zerbrechen. Weil
            er der Ewige ist, können wir in der Zeit keine <term type="Begriffe" key="3140">Ruhe</term>, kein Jetzt finden. Weil er Gott <term type="Begriffe" key="1390,790">ist</term>, können wir uns mit dem, was wir Gott zu nennen vermögen, nie zufrieden
            geben. Und nun?, lautet unsere große Frage. Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe,
            diese drei, aber die Liebe ist die größte unter ihnen! [1.Kor. 13,13], lautet unsere
            große <term type="Begriffe" key="940,160">Antwort</term>. Darum bestürmt und bedrängt
            uns die große Frage so stark, weil die große Antwort Gottes darin enthalten ist, weil
            Gott uns durchaus diese Antwort geben will und doch nicht anders geben kann, als indem
            er die Frage in unser einfaches <term type="Begriffe" key="617">Leben</term> hineinwirft
            wie ein verzehrendes Feuer [vgl. Dtn. 4,24; Hebr. 12,29].</p>
          <p>Seht, wo das verstanden wurde, hieß es dann auch immer, wie es in unserem
            Himmelfahrtstext heißt: zusehends wurde er aufgehoben. Das Aufheben, das Auftreten, das
            Hereinbrechen des Neuen wurde dann gesehen. Dieses Zusehen geht durch die ganze <term type="Begriffe" key="370">Bibel</term>. <term type="Namen" key="Abraham">Abraham</term> durfte zusehen, als er mit der bittersten Frage im Herzen sein
            Vaterland verlassen und dann seinen geliebten <term type="Namen" key="Isaak">Sohn</term>
            opfern mußte [Gen. 12,1; 22,2]. <persName ref="kbga-actors-208">Jeremia</persName> durfte
            zusehen, als er voller Fragen: warum machst du mich zu dem, was ich bin? Gottes Prophet
            werden mußte. <persName ref="kbga-actors-2193">Hiob</persName> durfte zusehen, als [er] unter
            Fragen, die fast gotteslästerlich klangen, leiden und immer wieder leiden mußte unter
            der harten Hand Gottes. Sie alle durften sehen, wie die Frage, die schwere, große Frage
            aufgehoben wurde von der Erde, wie in der Frage selbst ihnen etwas ganz <term type="Begriffe" key="117">Anderes</term>, nämlich die <term type="Begriffe" key="940,160">Antwort</term> begegnete, die Liebe <term type="Begriffe" key="1390,930">Gottes</term>, die nur darauf wartet, daß der Mensch sie erkenne. Und so durften die
            Jünger <term type="Begriffe" key="1770">Jesu</term> zusehen, als der Herr, der
            Gekreuzigte, der als solcher nichts als eine einzige große Frage für sie war, aufgehoben
            wurde von <pb ed="pga" xml:id="p132"/> der Erde, sich ihnen offenbarte als der ewig
              <term type="Begriffe" key="1390,910">Lebendige</term>. Es gibt ein solches Zusehen, wo
            der Mensch sehen kann, wie das Himmlische sich löst vom Irdischen, das Göttliche vom
              <term type="Begriffe" key="1380,680">Menschlichen</term>, das Ewige vom <term type="Begriffe" key="3630,2660">Zeitlichen</term> und wie ihm dann erst, in diesem
            Gelösten, Erhöhten, Aufgehobenen das wahrhaft Einfache erscheint, das vorher und sonst
            doch nur eine Täuschung ist. Das Neue ist das Einfache. Gott ist einfach. Wir müssen es
            erst werden.</p>
        </div>
        <!-- leerzeile -->
        <div>
          <head>4.</head>
          <p> Zum Schluß noch ein Wort von der Wolke, die ihn aufnahm vor ihren Augen weg.<note xml:id="n05">Von hier an folgt nur noch eine Skizze des Gedankengangs.</note> Zum
            Anfang zurück. Menschenleben, wie es ist. Einfach? Zwischen Vergessen und Erinnern,
            Erinnern und Vergessen. Wir leben am Leben vorbei: an der Frage voller <term type="Begriffe" key="940,160">Antwort</term>. Darum die vielen Fragen, auf die wir
            keine Antwort wissen. Darum <term type="Begriffe" key="1390,1095">«Gott»</term> ein
            Rätselwort. Unter der Wolke. Sei es denn. Es ist doch gesagt und hängt nicht ab von
            unserem Erfahren: Siehe, ich bin bei euch alle Tage [Mt. 28,20]!</p>
        </div>
        </div>
        <div type="songs">
          <head>Lieder:</head>
          <listBibl type="songs">
            <bibl type="song" corresp="kbga-songs-112">Nr. 23 «O Höchster, deine Gütigkeit», Strophe 1 nach J. Stapfer, Strophe 3 nach J.
              J. Spreng (RG [1998] 27,1.3)</bibl>
            <bibl type="song" corresp="kbga-songs-26">Nr. 132 «Jesus lebt, mit ihm auch ich» von Chr. F. Gellert, Strophen 1­-3 (RG
              [1998] 482,1.2.-; EG 115,1­-3)</bibl>
          </listBibl>

        </div>


      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
