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        <title type="volume" n="vol-44">Predigten 1921</title>
        <title type="content">Matthäus 6,34</title>
        <title type="citation_line_1">Barth, Karl: Matthäus 6,34, 26. Juni 1921</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/44024 (Stand: 2. Oktober 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Predigten 1921 (Gesamtausgabe, Abt. I), Zürich 2007, S. 146.</title>
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      <editionStmt>
        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
        <sponsor>Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW)</sponsor>
        <sponsor>Schweizerischer Nationalfonds (SNF)</sponsor>
        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
      </editionStmt>
      <publicationStmt>
        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
        <date when="2026">2026</date>
        <availability>
          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons BY-SA 4.0</licence>
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        <idno type="url">https://kbga.karl-barth.ch/texts/44024</idno>
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        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
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          <title type="volume">Predigten 1921</title>
          <title type="text">Matthäus 6,34</title>
          <author ref="kbga-actors-2151">Barth, Karl</author>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
          <date type="publication">2007</date>
          <biblScope unit="page">146</biblScope>
        </bibl>
        <!-- Data from KBA (https://kba.karl-barth.ch) -->
        <bibl xml:id="A" type="source">A (Vorlage der Edition): , Predigt: Mt 6,34, 26. Juni 1921. <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/2006">KBA 1553</ref>. </bibl>
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        <date type="creation" when="1921-06-26">26. Juni 1921</date>
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        <language ident="ger">German</language>
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          <term>sermon</term>
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      <div type="sermon">
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          <head><idno>569</idno></head>
          <dateline>
            <hi rend="italic">Safenwil</hi>, Sonntag, den <date when="1921-06-26">26. Juni
              1921</date><note xml:id="n01">In den Wochen nach Pfingsten wohnte <persName ref="kbga-actors-246">Fritz Lieb</persName> – Barth hatte ihm "das Vikariat hier
              angeboten" (<bibl corresp="kbga-bibls-931">Bw.Th. I, S. 484</bibl>) – im Pfarrhaus, nahm für fünf Sonntage den Pfarrdienst
              wahr und ermöglichte Barth eine zügige Weiterarbeit am Römerbrief (<bibl corresp="kbga-bibls-931">Bw.Th. I, S.
              485f.</bibl>).</note>
          </dateline>
          <epigraph>
            <cit>
              <ref type="can" subtype="bible" target="Mt.6.34">Matthäus 6,34</ref>
              <quote><hi rend="italic">Sorget nicht für den andern Morgen; denn der morgende Tag
                  wird für das Seine sorgen. Es ist genug, daß ein jeglicher Tag seine eigene Plage
                  habe.</hi></quote>
            </cit>
          </epigraph>
        </div>
        <!-- leerzeile -->
        <div type="main">
        <div>
          <head>1.</head>
          <p>
            <hi rend="italic">Wir Menschen</hi>
            <term type="Begriffe" key="2130,1935">suchen</term> und haben <hi rend="italic">noch
                <term type="Begriffe" key="2295">nicht</term></hi> gefunden. Wir fragen und haben
            noch keine Antwort. Wir klopfen an, und uns ist noch <term type="Begriffe" key="2295">nicht</term> aufgetan [vgl. Mt. 7,7]. Über unserem ganzen Leben stehen geschrieben
            diese zwei Worte «Noch <term type="Begriffe" key="2295">nicht</term>». Wir denken <hi rend="italic">nicht immer</hi> daran, daß es so ist. Es ist eine große Wohltat, daß
            wir manchmal einige Stunden oder Tage leben können, als ob es nicht so wäre. Aber <hi rend="italic">gar nicht</hi> daran denken wollen, das geht auch nicht. Wenn wir es
            manchmal allzulange vergessen, so fällt es uns nachher um so schwerer auf die Seele. Uns
              <hi rend="italic">Menschen der heutigen Zeit ist</hi> es vor kurzem [?] schwer auf die
            Seele gefallen. Wir gleichen einem Schwarm von <hi rend="italic">Vögeln</hi>, der von
            einem Raubtier oder von einem Jäger von seinen Nist-­ und Brutstätten aufgescheucht
            worden ist. Die <hi rend="italic">Zuversicht</hi> des Menschen zu dem, was er hat, weiß
            und kann, seine Zuversicht zu sich selbst ist in bedenklichster Weise erschüttert. Unser
            aller innerste Gedanken sind <hi rend="italic">wie ein Stab</hi> [?], der irgendwo einen
            Bruch bekommen hat: man sieht es ihm nicht gleich an, man kann sich immer noch darauf
            stützen, aber nicht zu fest, nicht zu sicher, sonst geht er entzwei, und der sich darauf
            stützen will, stürzt. Diesem Eindruck von <term type="Begriffe" key="3145">Unsicherheit</term> kann sich <hi rend="italic">kein Einzelner</hi> ganz entziehen,
            auch wenn nicht jeder Einzelne gleich klar sieht, wie groß sie ist. Wir sollen und
            wollen uns auch diesem Eindruck nicht entziehen. Im Gegenteil, je ehrlicher wir uns ihm
            öffnen, um so besser. Denn es ist <hi rend="italic">nicht etwas Zufälliges</hi> und
            Vorübergehendes, was sich uns da offenbaren will. Sondern wie es mit dem Menschen
            überhaupt, immer und überall steht, was es heißt, ein Mensch zu sein, das ist’s, was
            sich heute an den <pb ed="pga" xml:id="p142"/> Tag drängt. Abgereist ist der Mensch,
            noch <term type="Begriffe" key="2295">nicht</term> angekommen. Er besinnt sich auf etwas
            und hat sich noch <term type="Begriffe" key="2295">nicht</term> erinnert. Er greift nach
            etwas und hat es noch <term type="Begriffe" key="2295">nicht</term> ergriffen. Diese
            Lage müssen wir begreifen und annehmen. <term type="Begriffe" key="3140">Beunruhigung</term>, Frage, Ungewißheit, <term type="Begriffe" key="2880">Sorge</term>, das ist unser <hi rend="italic">menschliches Teil.</hi> Nimm’s und
            trag’s, <hi rend="italic">dein Teil</hi> von diesem allgemein menschlichen Teil. Du hast
            keine andere Wahl. <hi rend="italic">Du mußt.</hi> Vielleicht kannst du einmal
            begreifen, daß das bedeutet: <hi rend="italic">du darfst!</hi></p>
        </div>
        <!-- leerzeile -->
        <div>
          <head>2.</head>
          <p> Denn zu den Menschen, die dieses Teil gewählt, genommen haben und tragen, sagt Jesus
            Christus: Sorget nicht für den andern Morgen! Was bedeutet das? Es bedeutet offenbar
            nicht etwa, daß die <term type="Begriffe" key="3140">Beunruhigung</term> und <term type="Begriffe" key="2880">Sorge</term>, in der der Mensch als Mensch sich befindet
            und befinden muß, etwa weggenommen, ausgewischt wird. Es bedeutet nicht einen Trost oder
            eine Beschwichtigung über die Sorge, die wir zu tragen haben. Es bedeutet nicht: Vergiß!
            Nimm’s leicht! Es ist nicht so schlimm. Im Gegenteil; man kann wohl sagen, wenn Jesus
            Christus uns das sagt und wenn wir das hören: Sorget nicht für den andern Morgen!, dann
            wird unsere Sorge erst recht groß, scharf und grausam. Wir lernen dann erst begreifen,
            um was es sich handelt, daß wir nicht ausweichen können, daß wir tragen müssen. Alles,
            was uns beunruhigt und <term type="Begriffe" key="3140">Sorge</term> macht, wird
            gleichsam gesammelt, vereinfacht, an einen einzigen Punkt zusammengedrängt, und nun
            steht es da in seiner ganzen Größe. Wir wissen nun, daß es Ernst gilt, daß wir zum
            Sorgen allen Grund haben. |</p>
          <p>Sorget nicht für den andern Morgen! Das bedeutet: was euch beunruhigt und Sorge macht,
            was euch fehlt und wonach ihr euch sehnt, was ihr fürchtet und worauf ihr hofft, ihr
            aufgescheuchten, ihr erschrockenen Menschen, es wird nicht, es kommt nicht, es steht
            euch nicht bevor an dem morgigen Tag, und es wird nicht hinter euch liegen, wenn der
            morgige Tag einmal gestern sein wird, sondern es <hi rend="italic">ist.</hi> Es ist! Das
            heißt: es gibt keine Verzögerung, aber auch kein Entrinnen, man kann nicht darauf
            warten, und man kann es nicht hinausschieben. Es ist! Das heißt: es ist nicht da und
            nicht dort, sondern es ist hier, wo du bist!, es ist nicht gestern und nicht morgen,
            sondern heute, jetzt, in diesem <term type="Begriffe" key="242">Augenblick</term>. Der
            Augenblick ist wichtig, der Augenblick ist ernst, im Augenblick verborgen ist Alles, das
            Ziel, die Wahrheit, die Drohung, das Gericht, die Erlösung, die Hilfe, im <term type="Begriffe" key="242">Augenblick</term> ver<pb ed="pga" xml:id="p143" break="no"/>borgen ist das, was du leidvoll oder freudvoll ersorgst, im Augenblick verborgen ist
            die <term type="Begriffe" key="870">Ewigkeit</term>! In welchem Augenblick? In einem
            Augenblick, der heute nachmittag oder morgen oder in zehn Jahren oder wenn du gestorben
            bist, sein wird? Nein, sondern in eben dem <term type="Begriffe" key="242">Augenblick</term>, in dem du dich anschickst zu denken: Dann einmal! Dort drüben! In
            der Zukunft! In der Nähe oder in der Ferne!; in eben dem Augenblick, in dem du dich
            anschickst, lächelnd oder seufzend in die Zukunft hinein zu sorgen. Kehre um und sorge
            in der Gegenwart! Weißt du, warum du in die Zukunft hinein sorgst? für den andern Tag?
            Weil du die <term type="Begriffe" key="2880">Sorge</term> loswerden möchtest! Weil du
            der <term type="Begriffe" key="3630,2660">Ewigkeit</term> entrinnen möchtest. Morgen ist
            Morgen. Morgen ist Zeit. Morgen ist nicht ganz ernst, nicht ganz wichtig. Morgen heißt:
            es kommt, es eilt noch nicht, ich kann noch viel Nebensächliches, Eigenes, Menschliches
            denken und tun, ich kann lachend oder weinend immer noch fortfahren, mich selbst<note xml:id="n02">= ich selbst.</note> zu sein; meine <term type="Begriffe" key="2880">Sorge</term>, meine Angst, meine Hoffnung ist, und wenn sie bergehoch wäre, doch noch
            immer nicht himmelhoch; ich kann sie noch wälzen, ich kann mich noch damit abgeben, ich
            kann noch dies und das dagegen tun, sie ist noch immer meine Sorge, mein Schoßtier, das
            ich verhätscheln, oder mein Prügelknabe, auf den ich Alles abwälzen, dem ich an Allem
            Schuld geben kann. |</p>
          <p> Im Heute aber, im <term type="Begriffe" key="242">Augenblick</term>, in der Gegenwart
            verborgen ist die <term type="Begriffe" key="870">Ewigkeit</term>. Heute heißt: Jetzt!
            Heute heißt: keine Zeit! Heute heißt: Das Ersorgte, das Gehoffte, das Gefürchtete ist
            da, es gilt, es will gelebt sein. Heute heißt: man kann das Leben nicht mit
            Vorbereitungen und Zurüstungen zubringen. Es ist in diesem <term type="Begriffe" key="242">Augenblick</term> ganz und gar das Leben oder es ist Tod. Was mich heute
            nicht freut, wird mich nie freuen. Was mich heute nicht drückt, wird mich nie drücken.
            Was heute nicht ernst ist, wird es nie werden. Was ich heute nicht tue, werde ich nie
            tun. Was ich heute nicht bin, werde ich nie sein. Seltsame Frage so manches jungen
            Menschen: was soll ich werden? Was bist du denn jetzt?, so muß die Frage lauten.
            Seltsamer Kummer so vieler Eltern: was können wir für die Zukunft unserer Kinder tun?
            Was tut ihr denn für ihre Gegenwart? Das allein kann doch wirklich Kummer machen.
            Seltsame Freude Unzähliger auf eine Freude, die heute nach<pb ed="pga" xml:id="p144" break="no"/>mittag oder morgen sein wird. Hast du nicht jetzt und heute Freude, so
            freust du dich vergeblich auf das, worauf du dich freust! Seltsame Angst und seltsame
            Hoffnung der Menschen vor kommenden Ereignissen, Menschheitsereignissen,
            Weltereignissen. Jetzt, jetzt ereignet sich alles, was sich je ereignen wird: Glück und
            Unglück, Heil und Schicksal der Völker, Revolution und Weltuntergang – siehst du nicht,
            daß du deine Angst oder deine Hoffnung, deine ganze <term type="Begriffe" key="2880">Sorge</term> sammeln mußt auf das, was sich jetzt ereignet? Wenn wir umkehren vom
            Morgen ins Heute, von der Zukunft in die Gegenwart, dann erst wird die Sorge wirklich
              <term type="Begriffe" key="2880">Sorge</term>, dann wird sie himmelhoch, dann wird uns
            klar, daß wir mit der Sorge nicht spielen, nichts für sie und nichts gegen sie
            unternehmen, daß wir sie weder hätscheln noch verabscheuen können. Dann sehen wir, daß
            die <term type="Begriffe" key="2880">Sorge</term>, die uns gegenübersteht, das, was uns
            fehlt, und das, wonach wir uns sehnen, das, was uns freut, und das, was uns bedrückt,
            das, dem wir entgegenjubeln, und das, vor dem wir uns unter die Erde verkriechen
            möchten, nicht dies und das ist, keine Sache, kein Ding, kein Übel oder Gut, dem wir
            einen Namen geben könnten, sondern Gott. |</p>
          <p> Also von Gott redet Jesus Christus zu denen, die <term type="Begriffe" key="3140">Beunruhigung</term> und <term type="Begriffe" key="2880">Sorge</term> auf sich
            genommen haben in der Einsicht, daß es nicht anders sein darf. Er macht uns unsere Sorge
            groß, damit uns Gott groß werde. Er verhindert uns, unsere <term type="Begriffe" key="2880">Sorge</term> loszuwerden, damit wir nicht Gott loswerden. Er wirft uns
            zurück aus der Zukunft in die Gegenwart, in den Augenblick, weil immer gerade der <term type="Begriffe" key="242">Augenblick</term> der Ort ist, wo Gott zu finden ist. Also
            so erklärt uns Jesus Christus das «Noch <term type="Begriffe" key="2295">nicht</term>»,
            das über unserem Leben geschrieben steht. Es ist das «Noch <term type="Begriffe" key="2295">nicht</term>», in dem das Nicht gegen das Noch streitet. Wir warten auf
            den, der nicht warten kann. Wir sind unterwegs dorthin, von woher wir kommen. Wir
            fürchten den, der uns schon gerichtet hat. Wir hoffen auf den, der uns schon begnadigt
              <term type="Begriffe" key="1360,670">hat</term>. Und das heißt <term type="Begriffe" key="3140">beunruhigt</term> und <term type="Begriffe" key="2880">besorgt</term> sein:
            auf Gott <term type="Begriffe" key="1337">geworfen</term>, an Gott gebunden sein, von
            Gott nicht mehr loskommen.</p>
        </div>
        <!-- leerzeile -->
        <div>
          <head>3.</head>
          <p> Aber das alles kann eben nur Jesus Christus uns sagen, und nur von ihm können wir es
            hören. Es ist das alles keine Lebensweisheit, und wir können das alles nicht verstehen,
            nicht erleben, nicht erfahren, es muß sich offenbaren. Denn nicht wahr, verborgen ist ja
            die <term type="Begriffe" key="870">Ewigkeit</term>
            <pb ed="pga" xml:id="p145"/> im <term type="Begriffe" key="242">Augenblick</term>, in
            der Gegenwart, im Heute. Wir wissen nur dann von dem Schatz, der in dem Boden vergraben
            ist, auf dem wir gerade jetzt stehen [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Mt.13.44">Mt. 13,44</ref>]. Sieht dieser Boden nicht aus wie
            alles Land ringsumher? Ist denn der gegenwärtige <term type="Begriffe" key="242">Augenblick</term> so etwas Besonderes und nicht vielmehr ein Augenblick wie alle
            anderen Augenbli­­^^kke? |</p>
          <p>O es ist wohl begreiflich, daß wir immer wieder sorgen auf den andern Morgen, immer
            wieder jene seltsamen Zukunftsfragen stellen und bewegen, immer wieder auf dies und das
            uns freuen, vor diesem und jenem uns fürchten und nicht begreifen, daß Gott allein, Gott
            selbst unsere Sorge ist, daß wir uns darum sorgen, weil wir Gottes <term type="Begriffe" key="1840,1480">Kinder</term> sind. Verborgen ist uns die Ewigkeit, verborgen die
            himmelhohe Sorge, verborgen Gott im Augenblick. Gott muß sich uns <term type="Begriffe" key="2320">offenbaren</term> im Augenblick. Der <term type="Begriffe" key="242">Augenblick</term> muß sich spalten gleichsam, damit die <term type="Begriffe" key="870">Ewigkeit</term> hervorbreche, damit es <term type="Begriffe" key="385">blitzhell</term> leuchte durch unser ganzes Wesen! Heute! Heute! Heute! Nicht gestern
            und nicht morgen, sondern Heute! Der morgende Tag wird für das Seine sorgen, wie der
            gestrige für das Seine gesorgt hat, aber was geht mich das an? Heute ist Gott Gott, und
            wenn er es heute nicht ist, so ist er es nie. |</p>
          <p>Dieses Heute! ist Jesus Christus. Heute! im Gegensatz zu allem Gestern und Morgen, im
            Gegensatz zu aller Zeit. Heute! so daß es uns durch Mark und Bein geht: das bedeutet
            niemals und immer, denn es bedeutet ewig. Der uns hineinreißt [?] aus der Zeit in die
              <term type="Begriffe" key="3630,2660">Ewigkeit</term>, der uns die Zeit unmöglich
            macht, indem er uns zeigt, daß es in der Zeit keine Erfüllung gibt, kein Ziel, keine
            Wahrheit, keinen Frieden, keine Antwort, kein Auftun der verschlossenen Tür, und uns
            also nur die Ewigkeit übrig läßt, der zu uns sagt: Es ist genug, daß jeglicher Tag seine
            eigene Plage habe, so daß wir auf keinen Tag mehr warten können als auf den Tag Gottes,
            an dem Gott abwischen wird alle Tränen von ihren Augen [Apk. 7,17; 21,4], stillen allen
            Hunger und Durst, auferwecken alle Toten! Der das zu uns sagt, so sagt, daß wir es
            hören, das ist Jesus Christus. Wo bleibt unsere <term type="Begriffe" key="3140">Unruhe</term>, unsere <term type="Begriffe" key="2880">Sorge</term>, unser Noch <term type="Begriffe" key="2295">nicht</term>!, wenn er die Grenze zieht mit seinem: Es ist
            genug!, wenn er uns über die Grenze führt ins Jetzt!, wenn er uns das Morgen verleidet
            und das Heute lieb macht? wenn er unsere <term type="Begriffe" key="2880">Sorge</term>
            himmelhoch macht und sie damit uns abnimmt?</p>

          <p>
            <pb ed="pga" xml:id="p146" rend="noPipe"/> Wir wollen auseinandergehen mit der großen
            Antwort, die uns gegeben ist: daß <hi rend="italic">er</hi> uns das wirklich sagt. Und
            mit der großen <term type="Begriffe" key="940,160">Frage</term>: ob wir das eben [?]
            gehört haben?</p>
        </div>
        </div>
        <div type="songs">
          <head>Lieder:</head>
          <listBibl type="songs">
            <bibl type="song" corresp="kbga-songs-122">Nr. 171 «Liebster Jesu, wir sind hier, dich und dein Wort anzuhören» von T.
              Clausnitzer, Strophen 1­-3 (RG [1998] 159,1­-3; EG 161; mit Textabweichungen jeweils
              in Str. 2)</bibl>
            <bibl type="song" corresp="kbga-songs-127">Nr. 345 «Ermuntert euch, ihr Frommen» von L. Lorenzen, Strophen 1.4.9 (GERS [1952]
              381,1.-.8; EG 151,1.4.8)</bibl>
          </listBibl>
        </div>

      </div>
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  </text>
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