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        <title type="volume" n="vol-44">Predigten 1921</title>
        <title type="content">Markus 14,38</title>
        <title type="citation_line_1">Barth, Karl: Markus 14,38, 31. Juli 1921</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/44027 (Stand: 2. Oktober 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Predigten 1921 (Gesamtausgabe, Abt. I), Zürich 2007, S. 164.</title>
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      <editionStmt>
        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
        <sponsor>Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW)</sponsor>
        <sponsor>Schweizerischer Nationalfonds (SNF)</sponsor>
        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
      </editionStmt>
      <publicationStmt>
        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
        <date when="2026">2026</date>
        <availability>
          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons BY-SA 4.0</licence>
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        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
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          <title type="volume">Predigten 1921</title>
          <title type="text">Markus 14,38</title>
          <author ref="kbga-actors-2151">Barth, Karl</author>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
          <date type="publication">2007</date>
          <biblScope unit="page">164</biblScope>
        </bibl>
        <!-- Data from KBA (https://kba.karl-barth.ch) -->
        <bibl xml:id="A" type="source">A (Vorlage der Edition): , Predigt: Mk 14,38, 31. Juli 1921. <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/2009">KBA 1556</ref>. </bibl>
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        <date type="creation" when="1921-07-31">31. Juli 1921</date>
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        <language ident="ger">German</language>
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          <term>sermon</term>
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          <head><idno>572</idno></head>
          <dateline>
            <hi rend="italic"><placeName ref="kbga-places-54">Safenwil</placeName></hi>, Sonntag,
            den <date when="1921-07-31">31. Juli 1921</date>
          </dateline>
          <epigraph>
            <cit>
              <ref type="can" subtype="bible" target="Mk.14.38">Markus 14,38</ref>
              <quote>
                <hi rend="italic" resp="kb">[Wachet und betet, daß ihr nicht in Versuchung fallet!
                  Der Geist ist willig; aber das Fleisch ist schwach.]</hi></quote>
            </cit>
          </epigraph>
        </div>
        <!-- leerzeile -->
        <div type="main">
        <div>
          <head>1.</head>
          <p> In <term type="Begriffe" key="3320">Versuchung</term> fallen können wir nur, weil wir
            bei Gott <term type="Begriffe" key="2927">stehen</term>. Die <term type="Begriffe" key="3320">Versuchung</term> ist der Schatten des großen <term type="Begriffe" key="2020,1780">Lichtes</term>, das über dem Menschen und seinem Leben leuchtet. Daß
            ein Mensch in <term type="Begriffe" key="3320">Versuchung</term> kommt, ist ein
            Anzeichen, allerdings ein schmerzliches, schreckliches Anzeichen davon, daß er ein von
            Gott <term type="Begriffe" key="320">berufener</term> und erwählter Mensch ist, ein Erbe
            und Anteilhaber des ewigen Lebens. <term type="Namen" key="Abraham">Abraham</term> wird
            versucht [<ref type="can" subtype="bible" target="Gen.22.1">Gen. 22,1</ref>]. <persName ref="kbga-actors-3722">Saul</persName> und <persName ref="kbga-actors-2172">David</persName> werden versucht [<ref type="can" subtype="bible" target="1.Sam.15.9">1.Sam. 15,9</ref>; <ref type="can" subtype="bible" target="2.Sam.11.2">2. Sam. 11,2</ref>]. <persName ref="kbga-actors-2193">Hiob</persName> wird versucht [<ref type="can" subtype="bible" target="Hiob.1.12">Hiob 1,12</ref>;<ref type="can" subtype="bible" target="Hiob.2.6 Hiob.2.13">2,6ff.</ref>]. Das ganze Volk
              <term type="Begriffe" key="1700">Israel</term> ist in seiner langen, dunklen
            Geschichte immer wieder in Versuchung. An Christus tritt der <term type="Begriffe" key="3315">Versucher</term> heran, dreimal zuerst [<ref type="can" subtype="bible" target="Mt.4.1 Mt.4.11">Mt. 4,1­-11</ref> par.] und dann
            unablässig immer wieder [<ref type="can" subtype="bible" target="Mk.8.11">Mk. 8,11</ref> u. ö.]. Wären wir nicht Gottes geliebte <term type="Begriffe" key="1840,1480">Kinder</term>, wir könnten und würden nicht <term type="Begriffe" key="3320">versucht</term> werden. Wir wollen uns das heute vor Allem
            gesagt sein lassen. Wir sind alle in <term type="Begriffe" key="3320">Versuchung</term>.
            Du bist in Versuchung und ich bin es. Wir sind es jetzt, heute, morgen, wir werden es
            sein, bis wir den letzten Seufzer getan haben. Wenn man jung ist, meint man, die <term type="Begriffe" key="3320">Versuchung</term> sei etwas Gelegentliches, sie werde nach
            und nach schwächer werden und aufhören. Wenn man einmal einige Krümmungen des
            Lebensweges hinter sich hat und merkt, was es mit diesem Weg ist, woher er kommt, wohin
            er geht und wie steil und schwierig er ist, dann sieht man, daß die <term type="Begriffe" key="3320">Versuchung</term> nicht schwächer wird, nicht aufhört. Sie
            wechselt ihre Form, sie tritt in anderer Gestalt auf, aber sie wird immer größer, immer
            stärker, immer unheimlicher. Es ist beschämend, wehtuend [?], beängstigend, daß es so
            ist. Aber es ist so. Wir müssen damit rechnen. Wir dürfen und wollen aber auch damit
            rechnen, daß die <term type="Begriffe" key="3320">Versuchung</term> mit der Liebe <term type="Begriffe" key="1390,930">Gottes</term> zusammenhängt wie der Donner mit dem
            Blitz. Je näher, je stärker die <term type="Begriffe" key="3320">Versuchung</term>, um
            so näher und stärker die Liebe <term type="Begriffe" key="1390,930">Gottes</term>. Je
            deutlicher wir sehen müssen, daß wir in <term type="Begriffe" key="3320">Versuchung</term> sind, desto deutlicher können wir sehen, daß wir von Gott geliebt
            sind. Das ist nicht ein Trost, nicht eine Beruhi<pb ed="pga" xml:id="p160" break="no"/>gung, nicht eine Erleichterung für uns – der <term type="Begriffe" key="1790">Kampf</term> muß in seiner ganzen Bitterkeit gekämpft sein -, wohl aber die Klarheit
            von oben, die wir in diesem <term type="Begriffe" key="1790">Kampf</term> brauchen und
            haben können, die Hoffnung, die nicht zu Schanden werden läßt [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Röm.5.5">Röm. 5,5</ref>].</p>
        </div>
        <!-- leerzeile -->
        <div>
          <head>2.</head>
          <p> Daß wir in <term type="Begriffe" key="3320">Versuchung</term> fallen, ist darum
            möglich, weil es wahr ist und immer aufs neue wahr werden soll, daß wir Gottes <term type="Begriffe" key="1840,1480">Kinder</term> sind. Wie kann das wahr sein und wahr
            werden, wo wir alle uns doch so gar nicht als Gottes <term type="Begriffe" key="1840,1480">Kinder</term>
            <hi rend="italic">fühlen können</hi> bei unserer ganzen Art, bei unserer so tief
            eingewurzelten Torheit und Bosheit, bei dem ganzen Knäuel von Schwachheit, Not und
            Schmerz, in den wir verwickelt sind und der unser Leben frißt, es wäre denn, wir würden
            uns etwas einbilden, was uns aber selten, wenigen [?] gelingt – wo man uns allen doch
            auch von außen so gar nichts <hi rend="italic">ansieht</hi> von <term type="Begriffe" key="1840,1480">Gotteskindern</term>, sondern an uns allen ein so ganz menschliches
            Gesicht, einen menschlichen Charakter, eine sehr menschliche Handlungs-­ und Lebeweise,
            es wäre denn, die Anderen würden sich einfach täuschen über uns, was sie aber in den
            meisten Fällen nicht tun – wo wir doch an Gott gar nicht denken können, ohne sofort an
            den <hi rend="italic">unendlichen Unterschied</hi> zwischen ihm und uns<note xml:id="n01">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-1052">S. Kierkegaard,
                <hi rend="italic">Einübung im Christentum</hi>, übers. von H. Gottsched, Gesammelte
              Werke, Bd. 9, Jena 1912, S. 126</bibl>: "Nimm aber die Möglichkeit des Ärgernisses weg, […]
              dann ist das ganze Christentum abgeschafft, es ist ein leichtes, oberflächliches Etwas
              geworden, das weder tief genug verwundet noch heilt, die unwahre Erfindung des bloß
              menschlichen Mitleids, die den unendlich qualitativen Unterschied zwischen Gott und
              Mensch vergißt." Vgl. Barths Erklärung im Vorwort zu Römerbrief 2, S. XII (bzw. S.
              XIII): "Wenn ich ein ‹System› habe, so besteht es darin, daß ich das, was <persName ref="kbga-actors-221">Kierkegaard</persName> den ‹unendlichen
              qualitativen Unterschied› von Zeit und Ewigkeit genannt hat, in seiner negativen und
              positiven Bedeutung möglichst beharrlich im Auge behalte." Vgl. auch Römerbrief 2, S.
              75.184.317.343 (bzw. S. 73.182.315.341).</note> denken zu müssen und daß wir, diese
            Menschen, die wir sind, mit unserem ganzen Sack und Pack von Kleinlichkeit, Eitelkeit
            und Beschränktheit vor ihm doch nichts anderes als Staub und <term type="Begriffe" key="2923">Asche</term> sein können [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Hiob.42.6">Hiob 42,6</ref>]. Es ist offenbar: daß wir Gottes
              <term type="Begriffe" key="1840,1480">Kinder</term> sind, das kann nicht von uns,
            sondern nur von Gott aus wahr sein und werden. Nur von Gott aus, das will sagen: Es ist
            ein ganz unbegreifliches Erbarmen, es ist ganz und gar nur <term type="Begriffe" key="1360">Gnade</term>, wenn das wahr ist und wahr wird. Es muß jeden Tag und
            fortwährend ein <pb ed="pga" xml:id="p161"/>
            <term type="Begriffe" key="3610">Wunder</term> geschehen, damit das wahr ist und wahr
            wird. Es muß wie am Anfang, als Gott die Welt <term type="Begriffe" key="1390,1000">schuf</term> aus Nichts, eine <term type="Begriffe" key="2680,2210">Schöpfung</term>
            geschehen, damit das wahr ist und wahr wird. Anders geht’s nicht, anders als von Gott
            aus ist’s und wird’s nicht wahr, daß wir seine <term type="Begriffe" key="1840,1480">Kinder</term> sind. Seht, darum ist’s möglich, daß wir in <term type="Begriffe" key="3320">Versuchung</term> fallen. Die Möglichkeit der <term type="Begriffe" key="3320">Versuchung</term> ist der aufgehobene Finger, der uns sagt: Nicht du –
            Gott! Magst du Gott so nahe sein, als du kannst und willst, magst du dich fühlen als
            sein Kind und angesehen werden dafür, wenn das möglich ist, magst du es sein, ja
            wirklich sein – nicht du bist, Gott ist, nicht du bist Gott nahe, sondern er <term type="Begriffe" key="1390,955">dir</term>, nicht du machst dich, sondern Gott macht
            dich zu seinem Kind. Glaubst du’s nicht, daß es lauter Erbarmen, Gnade, Wunder und
            Schöpfung ist, wenn du bist, was du bist, oder glaubst du’s nur mit deinem Munde, denkst
            du im Grunde: Darum ist’s wahr und wird’s wahr, daß ich Gottes Kind bin, weil ich mich
              <term type="Begriffe" key="310">bekehrt</term>, weil ich etwas erlebt habe, weil ich
            etwas weiß von Gott, etwas fühle von ihm, etwas tue für ihn, dann sieh deine Versuchung
            an. Wer bist du, was hast du, was kannst du, wenn die Versuchung kommt? Lohnt es sich
            etwa, in der <term type="Begriffe" key="3320">Versuchung</term> auch nur zu denken an
            das, was der Mensch ist, hat und kann? Oder vielmehr: Kommt es nicht in der <term type="Begriffe" key="3320">Versuchung</term> an den Tag, was der Mensch ist, daß der
            Mensch als Mensch, auch der fromme, der ernste, der starke Mensch nur – fallen kann? Die
              <term type="Begriffe" key="3320">Versuchung</term> erinnert uns daran, daß es nur von
            Gott aus wahr ist und wahr werden kann, daß wir Gottes <term type="Begriffe" key="1840,1480">Kinder</term> sind. Und weil das wahr ist und wahr wird, darum ist die
              <term type="Begriffe" key="3320">Versuchung</term> möglich und der bittere Kampf
            dagegen, den wir kämpfen müssen. Ringet danach, daß ihr selig werdet mit Furcht und
              <term type="Begriffe" key="1050,330">Zittern</term> ­- denn Gott ist’s, der in euch
            wirkt das Wollen und das Vollbringen [<ref type="can" subtype="bible" target="Phil.2.12 Phil.2.13">Phil. 2,12f.</ref>].</p>
        </div>
        <!-- leerzeile -->
        <div>
          <head>3.</head>
          <p> Wir sind Kinder <term type="Begriffe" key="1840,1480">Gottes</term>, nicht so, wie wir
            etwa krank oder gesund oder reich oder arm oder gebildet oder glücklich sind. Denn bei
            dem allem könnten wir ja auch immer etwas Anderes sein: gerade das Gegenteil vielleicht.
            Kinder <term type="Begriffe" key="1840,1480">Gottes</term> sind wir, weil uns nichts
            Anderes übrig bleibt. Das <term type="Begriffe" key="1140,400">Geheimnis</term> des
            Menschenlebens ist viel zu groß, als daß wir etwas Anderes sein könnten. Das ist uns
            vielleicht nicht sofort verständlich, und uns allen ist es nicht immer deutlich, daß es
            so ist. Aber vielleicht sehen wir’s; in gewissen einzelnen Augenblicken un<pb ed="pga" xml:id="p162" break="no"/>seres Lebens sehen wir’s jedenfalls, daß uns alle anderen
            Auswege abgeschnitten sind. Was soll ich denken von mir in dem <term type="Begriffe" key="242">Augenblick</term>, wo ich mich selbst sehe, wie ich <term type="Begriffe" key="2845">bin</term>, wo ich mir ganz klar bin darüber, wie bedenklich, wie fraglich
            meine Gedanken, mein Tun, die ganze Art, wie ich meine Zeit ausfülle, ist, wie wenig das
            eigentlich geht, wie wenig das irgendwie zu rechtfertigen ist und zu retten? Was bleibt
            mir übrig, wenn mir nichts mehr übrig bleibt, als daß ich Gottes Kind bin, das sein
            Vater in seiner ganzen Art und Unart erträgt und liebhat, wie eben ein Vater sein Kind
            erträgt und liebhat, weil es sein Kind ist? Was sollen wir denken in gewissen
            Augenblicken, wo wir es an einem Anderen sehen, was der Mensch eigentlich <term type="Begriffe" key="2845">ist</term>, was für ein Lügner, was für ein Schwächling,
            was für ein wildes Tier, wo wir sehen, wie nichts übrig bleibt, was bleibt dann übrig,
            als daß auch er wie ich ein Kind Gottes ist, er, nur er sein Führer und Hüter? Was
            bleibt übrig, wenn wir an die Tausende denken, die in Spitälern, Irrenhäusern,
            Gefängnissen ein ganz hoffnungsloses Dasein leben, an die Millionen von Mitmenschen,
            Zeitgenossen und Menschen aller Zeiten, über deren Leben und <term type="Begriffe" key="2670">Schicksal</term> wir wirklich <hi rend="italic">nur</hi> erschrecken
            können, indem wir davon erfahren – gibt es eine Antwort als die, daß der Mensch das Kind
            Gottes ist? Wir könnten auch Alles kurz zusammenfassen in der Frage, was übrig bleibt,
            wenn wir und alle Menschen <term type="Begriffe" key="3040">sterben</term> müssen; denn
            da sehen wir am deutlichsten, daß uns nichts übrig bleibt. Was dann, wenn uns nichts
            übrig bleibt, wenn Alles aufhört? Dann sind wir Kinder <term type="Begriffe" key="1840,1480">Gottes</term>. Sind wir's? Nein, Gott <hi rend="italic">selbst</hi>
            sagt es uns, daß wir's sind, und nur durch <hi rend="italic">ihn</hi> sind wir's. So
            groß ist das Erbarmen, die <term type="Begriffe" key="1360">Gnade</term>, das Wunder,
            die Schöpfung, durch die wir Kinder <term type="Begriffe" key="1840,1480">Gottes</term>
            sind und werden, aber auch so verborgen, so unbegreiflich, so gegen alles unser Meinen
            und Vermuten. Wenn mein Sinnen, mein Vermögen …<note xml:id="n02">Anspielung auf <bibl type="song" corresp="kbga-songs-20">Strophe
              5 des Liedes Nr. 3 (RG [1998] 724; EG 325) «Sollt' ich meinem Gott nicht singen?» von
              <persName ref="kbga-actors-131">P. Gerhardt</persName></bibl>: <quote>
                <lg>
                  <l>… Wenn mein Können, mein Vermögen</l>
                  <l>Nichts vermag, nichts helfen kann,</l>
                  <l>Kommt mein Gott und hebt mir an</l>
                  <l>Sein Vermögen beizulegen.</l>
                </lg>
              </quote></note>. So sind wir Gottes <term type="Begriffe" key="1840,1480">Kinder</term>.</p>
        </div>
        <!-- leerzeile -->
        <div>
          <head>4.</head>
          <p rend="align(left)"> Und nun ist das die <term type="Begriffe" key="3320">Versuchung</term>, daß wir diesen Halt verlieren. Ihr seht ohne weiteres, wie leicht
            das geschehen kann. Wer kann denn etwa sagen: ich habe diesen Halt und bewahre ihn? Du
            diesen Halt? <pb ed="pga" xml:id="p163"/> Hältst du es denn aus dort, wo nur Gott uns
            halten kann, in dieser dünnen, kalten Luft, wo nur noch Gott uns übrig bleibt? Möchten
            wir nicht alle schreien dagegen: «Halt, es muß noch etwas Anderes übrig bleiben!»? Noch
            jemand Anderes muß mir’s sagen, daß ich Gottes Kind bin! Noch jemand Anderes oder etwas
            Anderes muß mich dazu machen! Nicht nur Gott! Das ist die Stimme des <term type="Begriffe" key="3315">Versuchers</term>. So sagt er zu <term type="Namen" key="Abraham">Abraham</term>: Nicht nur Gott, da ist dein lieber Sohn <term type="Namen" key="Isaak">Isaak</term>, behalte ihn, laß dir ihn nicht nehmen, trotze
            dem Gott, der dieses <term type="Begriffe" key="2330">Opfer</term> von dir fordert!
            [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Gen.22.1 Gen.22.24">Gen. 22,1ff.</ref>]. So sagt er zu <term type="Namen" key="Hiob">Hiob</term>: Nicht nur
            Gott!, sieh da dein zerstörtes, vernichtetes Leben, wirf dich der <term type="Begriffe" key="3350">Verzweiflung</term> in die Arme, so bleibt dir doch das übrig, denn <term type="Begriffe" key="3350">Verzweiflung</term> ist auch etwas. So sagt er zu Christus:
            Nicht nur Gott! Schaffe Brot für dich und das Volk! Spring von der Zinne des Tempels!
            Bete mich an und nimm alle Königreiche der Erde! Das alles ist doch etwas und nicht
            nichts! [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Mt.4.1 Mt.4.11">Mt. 4,1-11</ref>]. So sagt der <term type="Begriffe" key="3315">Versucher</term>
            zu Einem: Nicht nur Gott, beruhige dich damit, daß du ein guter Mensch <term type="Begriffe" key="2825">bist</term> und deine Sache recht machst, das bleibt dir
            übrig, das laß dir nicht nehmen. Und zum Anderen: Nicht nur Gott! Du hast deine
            Leidenschaft, deine Lust, gib ihr nur Raum, wälze dich nur im Schmutz bei den Säuen [?],
            auch das ist etwas und nicht nichts! Und zum Dritten: Nicht nur Gott! Daneben dein
            Schmerz, die grübelnden Gedanken, mit denen du dich mit dir selbst beschäftigst, nur
            fortgefahren [?], so bleibt dir doch das übrig! Und zum Vierten: Nicht nur Gott! Daneben
            deine <term type="Begriffe" key="1240,490">Gerechtigkeit</term>, deine Absichten, deine
            Pläne, deine Art, an der du die anderen missest und von der aus du sie verwirfst: Das
            bleibt dir, das behalte! Ist’s nicht in tausend Formen immer dasselbe? Und was liegt
            näher, als dieser lockenden Stimme zu folgen? Folgen wir ihr nicht alle? Und dann
            verlieren wir den Halt, wie eben ein Kind, das sich von der Hand seines Vaters losreißt
            und seine Wege läuft. Und dann müssen wir es haben, wie wir es haben wollen. Wir dürfen
            uns dann nicht wundern, wenn Alles so ganz anders ist und geht, als es bei Kindern <term type="Begriffe" key="1840,1480">Gottes</term> sein und gehen dürfte.</p>
        </div>
        <!-- leerzeile -->
        <div>
          <head>5.<note xml:id="n03">Die Abschnitte 5 und 6 sind nicht mehr
            ausformuliert.</note></head>
          <p>Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach!, hat Jesus gesagt. Das ist eine
            Warnung. Die Warnung, es mit der <term type="Begriffe" key="3320">Versuchung</term>
            nicht <pb ed="pga" xml:id="p164"/> leicht zu nehmen. Wer wollte nicht sein, was wir ja
            sind, Kinder <term type="Begriffe" key="1840,1480">Gottes</term>? Das ist der willige
            Geist. Aber wir sind Menschen. Das ist das schwache Fleisch.</p>
        </div>
        <!-- leerzeile -->
        <div>
          <head>6.</head>
          <p> Wachet und betet! Wachen: die Augen offen haben, merken, um was es geht. <term type="Begriffe" key="1080">Beten</term>: zu Gott rufen, daß er rede und handle. Das
            Geheimnis <term type="Begriffe" key="1140,367">Christi</term>.</p>
        </div>
        </div>
        <div type="songs">
          <head>Lieder:</head>
          <listBibl type="songs">
            <bibl type="song" corresp="kbga-songs-111">Nr. 41 «Wach auf, mein Herz, und singe» von <persName ref="kbga-actors-131">P. Gerhardt</persName>, Strophen 1­-4.8 (RG
              [1998] 568,1­-4.8; EG 446,1­-4.8; jeweils mit Textabweichungen)</bibl>
            <bibl type="song" corresp="kbga-songs-46">Nr. 298 «Mache dich, mein Geist, bereit» von <persName ref="kbga-actors-2396">J. B. Freystein</persName>, Strophen 1.3.7 (GERS
              [1952] 302,1.3.6; EG 387,1.-.4; jeweils mit Textabweichungen)</bibl>
          </listBibl>
        </div>

      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
