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        <title type="volume" n="vol-44">Predigten 1921</title>
        <title type="content">Lukas 6,27­–36 (Bettag)</title>
        <title type="citation_line_1">Barth, Karl: Lukas 6,27­–36 (Bettag), 18. September 1921</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/44030 (Stand: 2. Oktober 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Predigten 1921 (Gesamtausgabe, Abt. I), Zürich 2007, S. 181.</title>
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      <editionStmt>
        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
        <sponsor>Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW)</sponsor>
        <sponsor>Schweizerischer Nationalfonds (SNF)</sponsor>
        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
      </editionStmt>
      <publicationStmt>
        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
        <date when="2026">2026</date>
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          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons BY-SA 4.0</licence>
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        <idno type="url">https://kbga.karl-barth.ch/texts/44030</idno>
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        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
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          <title type="volume">Predigten 1921</title>
          <title type="text">Lukas 6,27­–36 (Bettag)</title>
          <author ref="kbga-actors-2151">Barth, Karl</author>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
          <date type="publication">2007</date>
          <biblScope unit="page">181</biblScope>
        </bibl>
        <!-- Data from KBA (https://kba.karl-barth.ch) -->
        <bibl xml:id="A" type="source">A (Vorlage der Edition): , Predigt: Lk 6,27-36 (Bettag), 18. September 1921. <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/2012">KBA 1559</ref>. </bibl>
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        <date type="creation" when="1921-09-18">18. September 1921</date>
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        <language ident="ger">German</language>
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          <head><idno>[575]</idno></head>
          <head type="event"><hi rend="italic">Bettag</hi></head>
          <dateline>
            <hi rend="italic"><placeName ref="kbga-places-54">Safenwil</placeName></hi>, Sonntag,
            den <date when="1921-09-18">18. September 1921<note xml:id="n01">An den vorangehenden
                Sonntagen <date when="1921-08-28">28. August</date>, <date when="1921-09-04">4.
                  September</date> und <date when="1921-09-11">11. September</date> predigten
                Bewerber um die Nachfolge im Safenwiler Pfarramt. In der Nacht zum <date when="1921-09-18">18. September</date>, um 1 Uhr, beendete <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> einen kurzen Brief an <persName ref="kbga-actors-403">Thurneysen</persName> mit dem Satz: "Ich muß schlafen gehen,
                um morgen frisch zu sein für meine letzte (!) Bettagspredigt, <ref type="can" subtype="bible" target="Lu.6.27 Lu.6.38">Luk. 6,27-38</ref>." (<bibl corresp="kbga-bibls-931">Bw.Th. I, S. 518</bibl>)</note></date>
          </dateline>
          <epigraph>
            <cit>
              <ref type="can" subtype="bible" target="Lk.6.27 Lk.6.36">Lukas 6,27­–36</ref>

              <quote>
                <hi rend="italic" resp="kb">[Aber ich sage euch, die ihr zuhöret: Liebet eure
                  Feinde; tut denen wohl, die euch hassen; segnet die, so euch verfluchen; bittet
                  für die, so euch beleidigen. Und wer dich schlägt auf einen Backen, dem biete den
                  andern auch dar; und wer dir den Mantel nimmt, dem wehre nicht auch den Rock. Wer
                  dich bittet, dem gib; und wer dir das Deine nimmt, da fordere es nicht wieder. Und
                  wie ihr wollt, daß euch die Leute tun sollen, also tut ihnen gleich auch ihr. Und
                  so ihr liebet, die euch lieben, was für Dank habt ihr davon? Denn die Sünder
                  lieben auch ihre Liebhaber. Und wenn ihr euren Wohltätern wohltut, was für Dank
                  habt ihr davon? Denn die Sünder tun das auch. Und wenn ihr leihet, von denen ihr
                  hoffet zu nehmen, was für Dank habt ihr davon? Denn die Sünder leihen den Sündern
                  auch, auf daß sie Gleiches wieder nehmen. Vielmehr liebet eure Feinde; tut wohl
                  und leihet, daß ihr nichts dafür hoffet, so wird euer Lohn groß sein, und ihr
                  werdet Kinder des Allerhöchsten sein; denn er ist gütig über die Undankbaren und
                  Bösen. Darum seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.]</hi>
              </quote>
            </cit>
          </epigraph>
        </div>
      <div type="main">
      <!-- leerzeile -->
      <div>
        <head>1.</head>
        <p> Jesus Christus ist <hi rend="italic">die Einladung <term type="Begriffe" key="640">Gottes</term> an die Menschen.</hi> Gott ruft: Kommt, ihr gehört zu mir, ich warte
          auf euch! Nichts Anderes geschieht hier. Darum kann Jesus Christus sagen: Kommt her zu mir
          [Mt. 11,28]! Es handelt sich darum, zu Gott zu kommen. Es ist etwas ganz Anderes, wenn die
            <hi rend="italic">guten Menschen die <term type="Begriffe" key="2130,1905">bösen</term>
            einladen</hi> oder die frommen die gottlosen oder die klugen die törichten oder die
          fortschrittlichen die rückständigen. Das geschieht ja auch, und es ist nötig und recht,
          daß das geschieht. Aber das ist nicht Jesus Christus. Wir können uns den Unterschied
          klarmachen, wenn wir an die heutigen Lager in unserem <term type="Begriffe" key="2740">Schweizerland</term> denken. Ich bin der Meinung, und ich glaube, alle tiefer Denkenden
          unter euch müssen mir darin beipflichten, daß es <hi rend="italic">sehr viele gute
            Menschen</hi> gibt, Menschen, die aufrich<pb ed="pga" xml:id="p177" break="no"/>tig
          ihrem Gewissen nachleben, die wissen, daß es etwas Höheres gibt als Essen und Trinken,
          denen das Wohl ihrer Mitmenschen ehrlich am Herzen liegt, die auch im öffentlichen Leben
          nichts Anderes wollen, als daß das Recht siege und sich behaupte. Und so auch viele <term type="Begriffe" key="2130,1895">fromme</term> Menschen, viele kluge Menschen, viele
          aufrichtig und tapfer fortschrittliche Menschen. Wenn man einen Menschen, dem es über das
          alles hinaus auch noch ernsthaft um das Heil seiner unsterblichen Seele und um das Reich
          Gottes zu tun ist, einen <term type="Begriffe" key="470,110">Christen</term> nennen darf,
          so wage ich es sogar zu sagen: es gibt viele Christen, mehr als man denkt. Und ich würde
          diese guten Menschen unter den Stillen <term type="Begriffe" key="2946">im</term>
            Lande<note xml:id="n02">Vgl. <term type="Namen" key="Beyreuther, Erich">E.
              Beyreuther</term>, Art. "Stille im <term type="Begriffe" key="2946">Lande</term>", in:
              RGG<hi rend="sup">3</hi> VI, Sp. 380f., dort Sp. 380: "Reformbewegungen, welchen der
            Erfolg versagt blieb, pflegen sich in ihren Resten in eine abseitige Verborgenheit
            zurückzuziehen, nicht ohne sich dabei zu wandeln.» »Die S.n <term type="Begriffe" key="2946">i.L.</term> (der Ausdruck ist Ps. 35,20 entnommen) sind eine typische
            Erscheinung der deutschen K[irchen-]G[eschichte], denn in Holland, England und
            Nordamerika geschah bereits im 17. Jh. der Durchbruch zur Toleranz und ersparte neuen
            religiösen Gruppen diesen Rückzug." Vgl. auch Chr. Peters, Art. «Stille im Lande», in:
              RGG<hi rend="sup">4</hi> 7, Sp. 1738.</note> suchen und unter denen, die viel von sich
          reden machen, unter denen, die sich damit begnügen, im nächsten Kreis ihre Pflicht zu tun,
          wie unter denen, die irgendwie an einer besonderen Arbeit stehen, im Bauernstand und in
          der Handelswelt und in der Arbeiterschaft, in Schulhäusern und Pfarrhäusern und Anstalten,
          in der deutschen und in der welschen Schweiz, unter den <term type="Begriffe" key="1830">Katholiken</term>, aber auch unter den Kommunisten. Ich würde überall suchen, und ich
          wüßte eigentlich keine Lage und kein Lager, in dem sich Menschen befinden können, wo ich
          nicht auch schon gefunden hätte. |</p>
        <p>Aber nun stellt euch vor, daß alle diese guten Menschen laut oder leise <hi rend="italic">ihre Stimme erhöben</hi> (wie sie es ja auch tatsächlich tun), und nun riefen sie uns
          zu: Kommt! ihr gehört zu uns! wir warten auf euch! Wer wollte ihnen das Recht dazu
          bestreiten, wenn sie wirklich gute <term type="Begriffe" key="2130,1905">Menschen</term>
          sind? wer müßte es nicht begreifen, wenn die guten Menschen sich das Recht nehmen, die
          Anderen einzuladen? Und sie haben sich dieses Recht tatsächlich längst genommen: Jeder
          gute Mensch ist in seiner Weise, ob er es will oder nicht, eine Einladung an die Anderen:
          Kommt, ich habe euch etwas zu zeigen! Tretet auf meinen Weg, denn es ist ein guter Weg!
          |</p>

        <p>
          <pb ed="pga" xml:id="p178" rend="noPipe"/> Aber <hi rend="italic">was bedeutet es
          nun</hi>, wenn das geschieht, daß die guten Menschen die Anderen einladen? Es bedeutet
          sicher im Einzelnen viel Nützliches, viel Besserung, viel Segen. Es bedeutet aber ebenso
          sehr im Ganzen die große Verwirrung, die Unklarheit, den unheilvollen Widerstreit, in dem
          wir uns heute befinden. Und je mehr gute Menschen da sind, je stärker sie mit ihren
          gewichtigen Stimmen hervortreten, desto größer und schlimmer wird dieser Widerstreit. Denn
          wo ein guter Mensch, und wenn es der beste wäre, den Anderen gegenübertritt mit der
          ausdrücklichen oder auch schweigenden Einladung: Kommt zu mir!, da geschieht es
          unvermeidlich, <hi rend="italic">daß er Etwas vertritt</hi>, und wenn dieses Etwas das
          Beste und Wahrste wäre, es ist doch sicher nicht Alles, es ist nur sein Etwas, und ob er
          will oder nicht: er trägt, indem er sein Etwas vertritt, dazu bei, uns
          auseinanderzureißen, er führt uns dahin oder dorthin, er nimmt uns mit oder läßt uns
          zurück. Sein Gutes ist nicht für Alle gut. Oder wo wäre der gute Mensch, dessen Gutes für
          Alle gut wäre? Und so kommt es, daß wir so zerspalten sind, nicht durch die vielen
          schlechten Menschen, sondern durch die vielen guten Menschen mit ihren vielen Etwas, die
          uns dahin und dorthin reißen. |</p>
        <p>Wo ein guter Mensch die Anderen einladet: Kommt zu mir!, da ist es ferner unvermeidlich,
            <hi rend="italic">daß er zum Ankläger wird.</hi> Er haßt das Böse, er nennt es mit
          Namen, er tadelt und straft es oder er ist doch, ohne daß er ein Wort dazu sagt, sein
          stummes Gericht. Er kann nichts dafür, es ist einfach so. Alles Gericht aber ist Gift und
          Bitterkeit. Der Mensch wird nie besser durch die <term type="Begriffe" key="2950">Strafen</term>, die von Menschen über ihn verhängt werden, und wenn es die
          gerechtesten, wohlgemeintesten <term type="Begriffe" key="2950">Strafen</term> wären.
          Strafe verstockt schließlich nur. So kommt es, daß wir in einer Luft voll Gift und
          Bitterkeit leben, und wenn man nachforscht, woher kommt das viele Mißtrauen, all die
          Verärgerung und Verbohrtheit, unter der wir leiden, so sieht man, es kommt davon, daß so
          viel Anklage und Gericht in der Luft ist, und wieder würde man sich schwer täuschen, wenn
          man die sogenannten schlechten <term type="Begriffe" key="2130,1905">Menschen</term> dafür
          verantwortlich machen würde, sondern die Guten sind es, die, ob sie es wollen oder nicht,
          schließlich und im Ganzen eben doch als Gericht wirken. |</p>
        <p>Und noch etwas ist unvermeidlich, wenn ein guter Mensch die Anderen einladet: Kommt zu
          mir! Es ist nicht zu umgehen, daß er <hi rend="italic">sich <pb ed="pga" xml:id="p179"/>
            dabei auf den Standpunkt stellt</hi>, recht zu <term type="Begriffe" key="2535">haben</term>. Wie sollte es auch anders sein; er wäre ja kein guter Mensch, wenn er
          nicht recht hätte. Und nun ist gerade das <term type="Begriffe" key="2535">Rechthaben</term> ungefähr das Verhängnisvollste, was einem Menschen geschehen kann.
            <term type="Begriffe" key="2535">Rechthaben</term> ist immer etwas Hartes,
            Sachliches<note xml:id="n03">Könnte auch als «Stachliches» (für «Stachliges») zu
            entziffern sein.</note>, Steifes. Da reißt der Mensch etwas an sich, was ihm nicht
          gehört. Da feiert er einen Triumph, der immer zu früh ist. Da scheint er groß und wird im
          selben Augenblick klein. Das <term type="Begriffe" key="2535">Rechthaben</term> macht das
          Gute in dem guten Menschen unwirksam. Sie müßten gut sein, ohne recht zu haben, jedenfalls
          ohne recht haben zu wollen. Denn in dem Augenblick sieht man nur noch den Menschen, nicht
          mehr den guten Menschen. In dem Augenblick, wo Einer mit dem Guten einen Triumph feiern
          kann, wirkt das Gute mit dem <term type="Begriffe" key="1430,1120">Bösen</term> auf der
          gleichen Linie. Man bewundert und respektiert es wohl noch, aber es ist nicht mehr ein
          Geheimnis, es ist keine Majestät mehr, es hat den Namen und das Gesicht dieses und dieses
          Menschen. Darunter leiden wir. Daher die große Unklarheit, in der wir uns befinden. Wir
          sehen wohl viele in ihrer Art gute Menschen, die in ihrer Art recht <term type="Begriffe" key="2535">haben</term>, aber wo ist das Gute, das Rechte, ohne daß man hinzufügen
          müßte: in seiner Art? Die guten Menschen decken das Gute sozusagen zu; damit ist ihm seine
          Kraft genommen, und alles <term type="Begriffe" key="640">Einladen</term> hilft nicht mehr
          viel.</p>
      </div>
      <!-- leerzeile -->
      <div>
        <head>2.</head>
        <p> Und nun kehren wir zurück zu Jesus Christus. Er ist die <term type="Begriffe" key="640">Einladung</term> Gottes an die Menschen, sagte ich am Anfang. Gewiß, er war auch ein
          Mensch, auch ein guter Mensch. Aber das war das Merkwürdige bei ihm und ist es bis auf den
          heutigen Tag, daß bei ihm alles das nicht eintrat, nicht eintreten konnte, was sonst
          geschieht, wenn gute Menschen die Anderen einladen. Man beschreibt das Einzigartige an
          Jesus Christus vielleicht am besten, wenn man sagt: ihm fehlte alles das, was das
          Auftreten auch der besten Menschen unvermeidlich begleitet. Der gute Mensch trat bei ihm
          eigentlich ganz zurück hinter etwas Anderem, viel Wichtigerem. Ganz klar wurde es bei ihm:
          es handelt sich zuletzt um etwas Größeres. <term type="Namen" key="Paulus">Paulus</term>
          hat diesen Eindruck von Christus einmal beschrieben mit den Worten: «Obwohl er in
          göttlicher Gestalt war, hielt er’s nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein, sondern
          entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an, ward gleich wie ein <pb ed="pga" xml:id="p180"/> anderer Mensch und an Gebärden als ein Mensch erfunden» [Phil.
            2,6f.].<note xml:id="n04">Das Manuskript bricht hier ab. Liedangaben fehlen.</note></p>
      </div>
      </div>
      <div>
        <head>[Stichwortkonzepte für den 2. Teil der Predigt<note xml:id="n05">Auf zwei beiliegenden
            Viertelblättern finden sich zwei Stichwortkonzepte zur Predigt, die erste Version in
            lateinischer, die zweite in deutscher Schrift. Angesichts des ausformulierten Textes
            vernachlässigen wir die Stichworte zum ersten Teil und geben die beiden Entwürfe zum
            zweiten Teil der Predigt buchstabengetreu wieder.</note>]</head>
      </div>
      <!-- leerzeile -->
      <div>
        <head>[1. Version]</head>
        <p>J. X. [= Jesus Christus]. Wort u. Einladung <term type="Begriffe" key="640">G[otte]s</term>: Spüren wir: <hi rend="italic">Neues nötig!</hi> Die Entscheidung: an
          guten M[enschen] glauben oder an Gott. Niemand aufdrängen. Viell. gründl. Enttäuschung.
          Viell. Einsicht: d. Gute will, d. Böse tut [vgl. Röm. 7,19]. Dann reif für J. X. Unsre
          Zeit? Schwer: Erfahrungen, Umdenken, Preisgeben, am Schwersten f. d. Guten.</p>
        <p><hi rend="italic">Auch J. X. ein guter M.</hi> Das Merkwürdige: Das tritt zurück, er will
          nicht das sein, er weicht vor einem unsichtb. Höhern. Einer ist gut [vgl. Mt. 19,17 par.].
          Zuletzt bei d. Zöllnern u. Übeltätern. «Ob er wohl …» [vgl. 2.Kor. 8,9; Phil. 2,6] <hi rend="italic">Darum</hi> hat Gott ihn erhöht [Phil. 2,9]. Warum? All Jenes geschah
          nicht, er war anders, Gott herrschte. Hier wird nichts vertreten, nicht angeklagt, nicht
          recht gehabt. «Er wird nicht schreien …» [Jes. 42,2]. Hier ist Alles nur Hinweis, darum
          redet hier Gott: Ich lebe [Joh. 14,19]! Komm! Jeder, freudig, Zwang.</p>
        <!-- leerzeile -->
        <p rend="margin-top">Einige Worte z. Text. Sie reden selbst. Fast nicht mißzuverstehen.</p>
        <p><hi rend="italic">Erster Eindruck:</hi> d. Unmögliche,<hi rend="italic"> Unerhörte
            gefordert.</hi> Sprengt alle <term type="Begriffe" key="2350,2010">Ordnungen</term>
          (Eigentum, Ehre, Recht). Übersteigt alle Kräfte. Eine Freiheit die k. Mensch hat. Werdet
            <term type="Begriffe" key="1840">Kinder</term>! Das kann man nicht verlangen, nur
          schenken. Nicht Tun, nur Sein. <term type="Begriffe" key="113">Anbeten</term> u. Buße
            <term type="Begriffe" key="440">tun</term>. Wie groß Gott, wie anders wir.</p>
        <p><hi rend="italic">Zweiter Eindruck:</hi> sich wundern, daß <hi rend="italic">das
            gefordert ist.</hi> Was heißt ihr mich Herr … [Lk. 6,46]. Es geht uns an. Es ist die
          Wirklichkeit. <pb ed="pga" xml:id="p181"/> Das wäre die Lösung: Lieben, Vergeben,
          Vorangehen. In uns Allen etwas bereit. Aber ein Bruch ist da notwendig.</p>
        <!-- leerzeile -->

        <p rend="margin-top">Dies die <term type="Begriffe" key="640">Einladung</term>. Auffordern?
          Nein. Das ist d. Glaube. Der Ort, wo d. Gl. entstehen müßte. Ich glaube … [vgl. Mk.
          9,24]</p>
      </div>
      <div>
        <head>[2. Version]</head>
        <!-- leerzeile -->
        <p>J. X. die <term type="Begriffe" key="640">Einladung</term> Gottes. <hi rend="italic">Etwas Neues.</hi> Spüren wir: Neues nötig? Entscheidung: An guten M. glauben oder an
          Gott! Gründlich genug enttäuscht? Aber genug sehen: Will d. Gute, tun das Böse? Dann reif
          für J. X. Zeit reif für J. X. Schwer: Umdenken, Preisgeben, am Schwersten für d.
          Guten.</p>
        <p><hi rend="italic">Auch J. X. ein Mensch</hi>, ein guter M. Das Merkwürdige: Das tritt
          zurück, verschwindet. Er will nicht das sein. Er weicht zurück vor einem unsichtbaren
          Höhern, zuletzt unter Zöllnern, Übeltätern! Ob er wohl in göttl. Gestalt war … <hi rend="italic">Darum</hi> hat G. ihn erhöht … Warum? Weil bei ihm das nicht geschah, was
          bei den g. M. geschieht. Hier wird nicht Etwas vertreten, Er ist kein Ankläger, Er will
          kein Recht haben. Hier ist nur Gott, der z. M. sagt: Komm: Jeder! Freudig! Zwang!</p>
        <!-- leerzeile -->
        <p rend="margin-top">Einige Worte z. Text, nur wenig. Sie reden. Fast nicht möglich
          mißverstehen.</p>
        <p><hi rend="italic">Erster Eindruck:</hi> D. <hi rend="italic">Unmögliche</hi>, Unerhörte
          verlangt. Sprengt alle <term type="Begriffe" key="2350,2010">Ordnungen</term>. Übersteigt
          alle Kräfte. Die Erklärung: Eine Freiheit, die kein M. hat. Da wird verlangt, was man
          nicht verlangen kann: Werdet! Da springt d. Bogen u. soll springen. Anbeten, Buße tun,
          Sich wundern! Wie groß ist Gott.</p>
        <p><hi rend="italic">Zweiter Eindruck: wird gefordert.</hi> Was heißt ihr mich Herr … Das
          ist die Wirklichkeit. Das müßte ich tun. Das wäre die Lösung, die Antwort. In uns Allen
          ist etwas bereit. Aber das fordert wieder einen Bruch: die <term type="Begriffe" key="740,142">Erkenntnis</term> Gottes.</p>
        <!-- leerzeile -->
        <p rend="margin-top">Dies die <term type="Begriffe" key="640">Einladung</term>. Nicht
          auffordern dazu. Denn das ist d. Glaube. Der Ort wo d. Gl. entstehen müßte</p>

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    </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
