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        <title type="volume" n="vol-44">Predigten 1921</title>
        <title type="content">Kasualrede</title>
        <title type="citation_line_1">Barth, Karl: Kasualrede, 8. Mai 1921</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/44034 (Stand: 2. Oktober 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Predigten 1921 (Gesamtausgabe, Abt. I), Zürich 2007, S. 198.</title>
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        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
        <sponsor>Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW)</sponsor>
        <sponsor>Schweizerischer Nationalfonds (SNF)</sponsor>
        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
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        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
        <date when="2026">2026</date>
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        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
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          <title type="volume">Predigten 1921</title>
          <title type="text">Kasualrede</title>
          <author ref="kbga-actors-2151">Barth, Karl</author>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
          <date type="publication">2007</date>
          <biblScope unit="page">198</biblScope>
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        <date type="creation" when="1921-05-08">8. Mai 1921</date>
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        <language ident="ger">German</language>
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          <head type="header">KASUALREDE <lb/><hi rend="italic">Taufe von <persName ref="kbga-actors-25">Matthias
              Barth</persName> und <persName ref="kbga-actors-10232">Bethli Schuler</persName><note xml:id="n01">Der Taufgottesdienst wurde gefeiert in der Safenwiler Kirche "inmitten
              einer Schar von herbeigeeilten Verwandten", die sich zunächst gedulden mußten, bis
              Barths Vikar <persName ref="kbga-actors-246">Fritz Lieb</persName> die Kinderlehre
              beendet hatte (<bibl corresp="kbga-bibls-134">Busch, S. 131</bibl>). <persName ref="kbga-actors-25">Robert Matthias Barth</persName>, viertes Kind von <persName ref="kbga-actors-2151">Karl</persName> und <persName ref="kbga-actors-26">Nelly
                Barth</persName>, war am <date when="1921-04-17">17. April 1921</date> geboren
              worden. <persName ref="kbga-actors-10232">Bethli (= Elisabeth) Schuler</persName> ist
              das zweite Kind von <persName ref="kbga-actors-770">Hans Werner Schuler</persName> und
              seiner Ehefrau, <persName ref="kbga-actors-26">Nellys</persName> Schwester <persName ref="kbga-actors-769">Anny</persName>, geb. Hoffmann. <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> hatte die beiden am <date when="1915-06-26">26.6.1915</date> getraut (Skizze der Traupredigt in: <bibl corresp="kbga-bibls-2031">Predigten 1915, S. 541f.</bibl>) und ihr erstes Kind
                <persName ref="kbga-actors-6545">Marianne</persName> am <date when="1917-09-09">9.9.1917</date> getauft (Skizze der Taufansprache in: <bibl corresp="kbga-bibls-3512">Predigten 1917, S. 465f.</bibl>).</note></hi></head>
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            <date when="1921-05-08">8. Mai 1921</date>
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          <p rend="margin-top">Wir sind hier versammelt, um gemeinsam dessen zu gedenken, daß unsere
              <term type="Begriffe" key="660">Kinder</term>
            <hi rend="italic">nicht uns</hi> gehören, daß <hi rend="italic">nicht wir</hi> es sind,
            die sie durch ihr Leben führen werden, und daß es sich <hi rend="italic">nicht von
              selbst</hi> versteht, daß ihr Weg der sein wird, den wir ihnen wohl wünschen möchten.
            Wir gedenken dessen, daß es Gedanken gibt, die <hi rend="italic">höher</hi> sind als
            unsere Gedanken, und Wege, die <hi rend="italic">höher</hi> sind als unsere Wege [vgl.
              <ref type="can" subtype="bible" target="Jes.55.1 Jes.55.2">Jes. 55,8f.</ref>]. Geburt
            und Tod, Anfang und Ende des Menschenlebens erinnern uns daran, daß wir vom<hi rend="italic">
              <term type="Begriffe" key="1140">Geheimnis</term></hi> umgeben sind von allen Seiten.
            Wir sind <hi rend="italic">nicht</hi>, was wir <term type="Begriffe" key="2667">scheinen</term>, und wir werden <hi rend="italic">nicht</hi> bleiben, was wir jetzt
            und hier sind. Daß dieses <term type="Begriffe" key="1140">Geheimnis</term> unseres
            Menschenlebens nicht eine <hi rend="italic">Finsternis</hi> ist, sondern daß es sich
            selig und herrlich <hi rend="italic">offenbart</hi>, daß der Mensch <hi rend="italic">nicht aus dem Nichts</hi> kommt und in das Nichts geht, sondern <hi rend="italic">aus
              der Ewigkeit</hi> in die Ewigkeit, das ist die große<hi rend="italic">
              <term type="Begriffe" key="940">Frage</term></hi>, vor der wir jeden Tag und jede
            Stunde neu stehen. Wer von uns könnte sagen, daß er mit dieser Frage <hi rend="italic">fertig</hi> ist oder auch nur damit <hi rend="italic">angefangen</hi> hat, wie es
            sich gehört? Wahrhaftig, <hi rend="italic">wir so wenig</hi> wie die Kindlein, die wir
            hier zur Taufe bringen. Aber eben darum <hi rend="italic">bringen</hi> wir sie zur
            Taufe. Wir tun das auf das Gebot des Heilands: Lasset die Kindlein zu mir kommen und
            wehret ihnen nicht, denn ihrer ist das Himmelreich [<ref type="can" subtype="bible" target="Mt.19.14 Mt.19.15">Mt. 19,14f. par.</ref>]! Wir tun es im Gedanken, daß wir
            alle, die Großen und die Kleinen, nur mit <hi rend="italic">leeren</hi>
            <term type="Begriffe" key="2130,1873">Händen</term> vor Gott treten können, daß wir aber
            gerade dann, wenn wir leere Hände haben, vor Gott treten <hi rend="italic">dürfen.</hi>
            Wir tun es im Gedanken, daß es bei Gott eine <hi rend="italic">Möglichkeit</hi> gibt für
            uns Menschen, die wir alle <hi rend="italic">nie</hi> fassen, <hi rend="italic">nie</hi>
            begreifen können und <pb ed="pga" xml:id="p198"/> nach der zu greifen wir doch im Grunde
            nicht <hi rend="italic">lassen</hi> können. Wir tun es im Gedanken, daß Gott <hi rend="italic">größer</hi> ist als unser Herz [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="1.Joh.3.20">1.Joh. 3,20</ref>], <hi rend="italic">größer</hi> als unser
            Glaube, <hi rend="italic">größer</hi> als unser Verstehen, <hi rend="italic">größer</hi>
            als unser guter Wille und daß er darum wahrhaftig auch schon dieser <hi rend="italic">Kinder</hi> Gott ist von Ewigkeit zu Ewigkeit, so gewiß er <hi rend="italic">unser</hi> Gott ist <hi rend="italic">nicht</hi> wegen dessen, was <hi rend="italic">wir</hi> sind, sondern wegen dessen, was <hi rend="italic">er</hi> ist. Denn wenn wir
            im Blick auf uns selbst und auf alle Menschen uns sehr <hi rend="italic">unsicher</hi>
            fühlen, wie wir jene Frage beantworten sollen, wenn es uns im Blick auf die Welt, die
            uns umgibt, sehr viel <hi rend="italic">näher läge</hi>, zu denken, daß der Weg des
            Menschen im Dunkel beginne, im Dunkel endige, und darum mit einer gewissen
            schmerzlichen, verzichtenden [?] Wehmut diese jungen Menschenkinder ihren Gang ins
            [Leben] antreten zu sehen, so wollen wir <hi rend="italic">nicht vergessen</hi>, daß es
            ein Licht gibt, das gerade am <hi rend="italic">finstersten</hi> Orte leuchtet, eine
            Wahrheit, die gerade <hi rend="italic">dort triumphiert</hi>, wo es mit dem Menschen,
            wie wir ihn kennen, zu Ende ist, eine Weisheit, die gerade <hi rend="italic">dort
              redet</hi>, wo unser Mund verstummen muß, eine <term type="Begriffe" key="2030">Liebe</term>, die <hi rend="italic">nimmer aufhört</hi> [<ref type="can" subtype="bible" target="1.Kor.13.8">1.Kor. 13,8</ref>]. <hi rend="italic">Jesus
              Christus</hi> hat dem Tode die Macht genommen [und das Leben und ein unvergänglich
            Wesen ans Licht gebracht durch das Evangelium (<ref type="can" subtype="bible" target="2.Tim.1.10">2.Tim. 1,10</ref>).] Diese Liebe <hi rend="italic">meinen</hi>
            wir, <hi rend="italic">suchen</hi> wir und <hi rend="italic">beten</hi> wir <term type="Begriffe" key="113">an</term>, indem wir unsere Kinder zur <term type="Begriffe" key="3010">Taufe</term> bringen.</p>
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