<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0" xml:id="kbga-texts-45020">
  <teiHeader>
    <fileDesc>
      <titleStmt>
        <title type="volume" n="vol-45">Karl Barth – Charlotte von Kirschbaum. Briefwechsel Bd. I 1925–1935</title>
        <title type="formal">Brief Nr. 18</title>
        <title type="content">Karl Barth an Charlotte von Kirschbaum in Krefeld</title>
        <title type="citation_line_1">Karl Barth an Charlotte von Kirschbaum in Krefeld, 28. Februar 1926</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/45020 (Stand: 2. Oktober 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Karl Barth – Charlotte von Kirschbaum. Briefwechsel Bd. I 1925–1935, hrsg. v. Erler, Rolf-Joachim (Gesamtausgabe, Abt. V), Zürich 2008, S. 23–30.</title>
      </titleStmt>
      <editionStmt>
        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
        <sponsor>Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW)</sponsor>
        <sponsor>Schweizerischer Nationalfonds (SNF)</sponsor>
        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
      </editionStmt>
      <publicationStmt>
        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
        <date when="2026">2026</date>
        <availability>
          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons BY-SA 4.0</licence>
        </availability>
        <idno type="url">https://kbga.karl-barth.ch/texts/45020</idno>
      </publicationStmt>
      <sourceDesc>
        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
        <bibl type="pga" xml:id="pga">
          <title type="volume">Karl Barth – Charlotte von Kirschbaum. Briefwechsel Bd. I 1925–1935</title>
          <title type="text">Brief Nr. 18: Karl Barth an Charlotte von Kirschbaum in Krefeld</title>
          <author ref="kbga-actors-2151">Barth, Karl</author>
          <editor>Erler, Rolf-Joachim</editor>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
          <date type="publication">2008</date>
          <biblScope unit="page">23-30</biblScope>
          <!--position within a volume-->
          <biblScope unit="part">45020</biblScope>
        </bibl>
        <!-- Data from KBA (https://kba.karl-barth.ch) -->
        <bibl xml:id="A" type="source">A (Vorlage der Edition): Karl Barth an Charlotte von Kirschbaum, 28. Februar 1926. <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/13892">KBA 9272.17</ref>. </bibl>
        <!-- we should provide more types: <bibl type="not-found-in-kba"></bibl> <bibl type="not-in-kba"></bibl>  -->
      </sourceDesc>
    </fileDesc>
    <profileDesc>
      <creation>
        <date type="creation" when="1926-02-28">28. Februar 1926</date>
      </creation>
      <langUsage>
        <language ident="ger">German</language>
      </langUsage>
      <textClass>
        <keywords>
          <term>letter</term>
        </keywords>
      </textClass>
      <correspDesc>
        <correspAction type="sent">
          <persName ref="kbga-actors-2151">Barth, Karl</persName>
          <placeName ref="kbga-places-44">Münster</placeName>
          <date when="1926-02-28">28. Februar 1926</date>
        </correspAction>
        <correspAction type="received">
          <persName ref="kbga-actors-223">Kirschbaum, Charlotte von</persName>
          <placeName ref="kbga-places-757">Krefeld</placeName>
        </correspAction>
        <correspContext>
          <ref type="previous" target="kbga-texts-45019"/>
          <ref type="next" target="kbga-texts-45021"/>
          <ref type="previous-in-corresp" target="kbga-texts-45019"/>
          <ref type="next-in-corresp" target="kbga-texts-45021"/>
        </correspContext>
      </correspDesc>
    </profileDesc>
    <revisionDesc>
      <change when="2026-10-02T07:56:09+02:00">teiHeader was automatically produced from the database 2026-10-02T07:56:09+02:00</change>
    </revisionDesc>
  </teiHeader>
  <text>
        <body>
            <div type="letter">
                <pb xml:id="p023" ed="pga"/>
            <head>
                    18
                </head>
                <dateline rend="sender">
                        Barth an v.K. in <placeName ref="kbga-places-757">Krefeld</placeName>
                </dateline>
                <opener>
                   
                    
                    <dateline>
                        <placeName ref="kbga-places-44">Münster</placeName>, <date when="1926-02-28">28.2.1926</date>
                    </dateline>
                    <salute>Liebe <persName ref="kbga-actors-223">Lollo</persName>!</salute>
                </opener>
                
                <p>Was du mir schreibst, ist insofern <hi rend="italic">doch</hi> ein <hi rend="italic">gutes</hi> Wort,
                    als es weitere Klarheit und Einfachheit in die Lage bringt. Ich bin sogar, trotz
                    allem Ernsten und Bitteren, das nun kommt, froh darüber. Nicht nur aus dem
                    naheliegendsten Grund: weil … ja nun, heraus damit, es hilft ja doch nichts,
                    es ist einfach so: weil ich dich eben auch liebhabe, «lieber, als ich es zu
                    denken vermag». Sondern auch darum, weil ich mich nun in meiner Not nicht
                    allein weiß und ganz offen zu dir reden kann über die Art, wie wir uns nun gegenseitig
                        <hi rend="italic">helfen</hi> oder vielmehr beide <hi rend="italic">helfen lassen</hi>
                    müssen.</p>
                <p> Nur zur Vervollständigung des Bildes will ich dir zunächst sagen, daß ich schon
                    am letzten Abend, da du auf dem <placeName ref="kbga-places-100">Bergli</placeName>
                    warst<note xml:id="n01">
                            <persName ref="kbga-actors-223">Von
                        Kirschbaum</persName> kam am <date when="1925-07-22">22.7.1925</date> mit <persName ref="kbga-actors-275">Georg Merz</persName> auf das <placeName ref="kbga-places-100">Bergli</placeName>, <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> am <date when="1925-08-12">12.8.</date>; <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> reiste am <date when="1925-08-28">28.8.</date>, <persName ref="kbga-actors-223">von Kirschbaum</persName>
                        am <date when="1925-08-30">30.8.</date> vom <placeName ref="kbga-places-100">Bergli</placeName> ab (vgl.
                        <bibl corresp="kbga-bibls-932">Bw.Th. II, <ref type="pub-" target="4147">S. 366</ref></bibl>).</note>, die Gefahr gesehen habe. Du erinnerst dich vielleicht noch, wie ihr mich,
                    <persName ref="kbga-actors-7188">Hertha List</persName><note xml:id="n02">
                            
                            <persName ref="kbga-actors-7188">Hertha Schwanhilde
                        List</persName>, geb. von Gumppenberg
                        (1897–1954), Grafikerin und Scherenschnittkünstlerin, Freundin <persName ref="kbga-actors-223">von
                        Kirschbaums</persName> aus <placeName ref="kbga-places-43">München</placeName>, seit 1923 enge Freundin des <rs type="person" ref="kbga-actors-316 kbga-actors-315">Ehepaares Pestalozzi</rs>, welches sie öfters auf dem <placeName ref="kbga-places-100">Bergli</placeName> besuchte (s. <bibl corresp="kbga-bibls-2708">Ein Leben, S. 242 u. ö.</bibl>).
                        Verheiratet mit Kapellmeister <persName ref="kbga-actors-7189">Karl List</persName>, München, seit 1929 geschieden (s. unten <ref type="pub" target="../volume/45/p091#fn_n11">S. 91, Anm. 11</ref>).
                        1938 emigrierte sie wegen ihrer teilweise jüdischen Herkunft mit ihrem Sohn
                            <persName ref="kbga-actors-7190">Tobias</persName> nach <placeName ref="kbga-places-47">New
                        York</placeName>.</note> links und du rechts, ischiaskrank den Berg
                    hinunterführtet und wie wir nachher, wiederum zu dritt, in umgekehrter Anordnung
                    unter dem Birnbaum saßen und wie <persName ref="kbga-actors-7188">Hertha</persName> dann
                    arglos konstatierte, wie sie meinen heftigen Herzschlag gespürt habe, und wie
                    das dann mitleidig auf die Ischias geschoben wurde. Es war <hi rend="italic">nicht</hi>
                    die Ischias.
                    Bis zum letzten Mittwoch meinte ich (obwohl längst mehr sehend als du, über
                    jedes zutrauliche Wort, das du mir sagtest oder schriebest, erschreckend, indem
                    ich mich freute), Alles im Rahmen einer schönen Freundschaft sich abwickeln
                    lassen zu können. Als es sich dann in unserem Gespräch wieder <hi rend="italic">so</hi>
                    deutlich zeigte, wie unheimlich gut und <pb xml:id="p024" ed="pga"/>
                    selbstverständlich wir uns ineinander fügen, da kam mir die Situation auf einmal
                    so unaufrichtig vor, daß ich andeuten <hi rend="italic">mußte</hi>, was ich sah. Und nun
                    siehst du es eben auch. Es war mir in den letzten Tagen und Nächten, in denen
                    ich an unserem Rätsel herumbuchstabierte, neben der <hi rend="italic">großen</hi>
                    Unruhe eine kleine
                    <hi rend="italic">Neben</hi>unruhe, wie es nur komme, daß du nicht <hi rend="italic">auch</hi>
                    gesehen habest. Nun ist wenigstens das in Ordnung.
                    </p>
                <p> Aber nun müssen wir an die Gegenwart und an die Zukunft denken. Wären wir beide
                    ledige Leute, so wäre die Entdeckung, die nun unwiderruflich gemacht ist, einer
                    von jenen Augenblicken von Frühling, Freude und Leben, mit denen Gott uns
                    törichte, verkehrte Menschenkinder mitten in unserer Finsternis manchmal segnet.
                    So wie die Dinge stehen, ist dieselbe Entdeckung ein Augenblick des Leides und der Entsagung,
                    über deren Notwendigkeit wir uns, wiederum im Glauben an Gottes Gerechtigkeit, so wenig
                    wundern dürfen, wie wir das Andere als selbstverständlich hinnehmen dürften.
                        <hi rend="italic">Daß</hi> wir sie wirklich von da aus und <hi rend="italic">wie</hi> wir sie
                    von da aus betrachten müssen, darüber müssen wir zusammen nachdenken. Ich fragte
                    mich einen Augenblick, ob ich mich nicht in die Bahn setzen und zu dir kommen
                    solle, um Alles mündlich zu besprechen. Aber die Qual wäre größer und der Gewinn
                    wahrscheinlich <hi rend="italic">nicht</hi> größer gewesen, als wenn wir es nun so
                    machen.</p>
                <p> Vor Allem Eines: du wirst dir mit mir klar sein darüber, daß die entdeckte
                    Wirklichkeit in erster Linie hart und schwer ist für meine liebe, treue, tapfere
                    <persName ref="kbga-actors-26">Nelly</persName>
                        . Du hast unser Familienleben gesehen. Die Geschichte unserer Ehe war bis jetzt
                    bei allen Schwierigkeiten eine glückliche Geschichte. Wir wußten, daß es keine
                    «fugenlosen» Ehen gibt. Aber wir waren auf einen solchen Zwischenfall nicht
                    gefaßt. Wie er möglich wurde (ich meine, von unserer Ehe aus gesehen), das meine
                    ich, wenigstens zu einem kleinen Teil, zu verstehen. Du wirst es begreifen, daß
                    ich zu dir nicht darüber rede. Ich möchte nur, daß du mit mir daran denkst, daß
                    es eine von <hi rend="italic">Dreien</hi>, wenn auch in ganz verschiedener Weise, zu
                    tragende Traurigkeit ist, die nun auf alle Fälle kommt. Denn auf alle Fälle
                    bedeutet das, was nun eben – wie man sich auch damit auseinandersetze –
                    <hi rend="italic">ist</hi>, für <persName ref="kbga-actors-26">Nelly</persName> eine unerhörte Störung und
                        Bedrückung und für
                    mich, aber auch für dich, in erster Linie eine Schuld
                    <hi rend="italic">ihr</hi> gegenüber. Ich kann ja an meine lieben fünf Kinder gar nicht denken, ohne mich
                        anzuklagen, daß ich
                    nicht mit <hi rend="italic">ganzem</hi> Her<pb xml:id="p025" ed="pga" break="no"/>zen bei ihrer <persName ref="kbga-actors-26">Mutter</persName> und
                        <hi rend="italic">nur</hi> bei ihrer Mutter bin. <hi rend="italic">Dieses</hi>
                    Schwere bitte ich dich vor
                    Allem mit mir zu tragen. Aber hier den rechten Weg zu finden und zu gehen, das
                    wird ja vor Allem <hi rend="italic">meine</hi> Sache sein.</p>
                <p> Laß uns bedenken, was nun zwischen dir und mir ist und sein soll. Ich will davon
                    ausgehen, daß du mich, bevor ich dich kannte oder beachtete, durch meine Bücher
                    kennenlerntest. Du weißt, um was es sich in diesen Büchern handelt. Du hast mir
                    quasi ganz unpersönlich Vertrauen geschenkt auf das hin, was ich sagte oder wie
                    ich es sagte. (N. B.: so war es vor 15 Jahren auch bei <persName ref="kbga-actors-26">Nelly</persName>, die zu meiner ersten
                    Konfirmandenklasse gehörte, die meine ersten Predigten hörte. «Um deines
                    Glaubens willen habe ich dich liebgewonnen», schrieb sie mir noch dieser Tage.)
                    Das beschämt mich tief, euch <hi rend="italic">Beiden</hi> gegenüber, weil ich
                        <hi rend="italic">zu</hi> gut weiß um das Mißverhältnis zwischen dem, was ich sage,
                    und dem, was ich bin. Aber trotzdem: es ist mir ernst mit dem, was ich sage, ich
                    sage es trotz allem Bewußtsein meiner Torheit und Unwürdigkeit, nicht in meinem eigenen
                    Namen, sondern gleichsam (oder vielmehr nicht gleichsam, sondern
                        <hi rend="italic">wirklich</hi>:) verpflichtet. Ich bin nicht mein eigener Herr. Wäre
                    es noch nötig gewesen, so bin ich nun durch meinen fatalen «Erfolg» (<bibl corresp="kbga-bibls-48">Vorwort</bibl><hi rend="sup">5</hi>
                        !)<note xml:id="n03">Siehe<bibl corresp="kbga-bibls-2843">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-48"> <persName ref="kbga-actors-2151">K. Barth</persName>, <hi rend="italic">Vorwort zur fünften Auflage</hi> (s. oben <ref type="pub" target="../volume/45/p015#fn_n06">S. 15,
                        Anm. 6</ref>), S. XXV</bibl> bzw. S. 99</bibl>. <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> sieht sich durch den «Erfolg» des Römerbriefes gestraft damit, «ziemlich weitgehend Mode zu
                        werden, gestraft mit der Existenz von regelrechten ‹Barthianern›».</note>
                    darüber belehrt, was ich [zu] tun habe. Das bedeutet nun aber, daß ich jenes
                    Mißverhältnis zwischen Person und Sache jedenfalls nicht bestätigen oder auch
                    nur auf sich beruhen lassen <hi rend="italic">wollen</hi> darf, sondern (es ist gesorgt
                    dafür, daß es immer wieder da sein wird!) dagegen <hi rend="italic">streiten</hi> muß.
                    Nicht um der Moral willen, sondern um
                    der aufgetragenen und übernommenen Sache willen, der ich innerlich und äußerlich
                    nicht schaden <hi rend="italic">wollen</hi>, die ich nicht kompromittieren
                        <hi rend="italic">wollen</hi> darf. Und nun steht es für dich so, daß du, auf
                        <hi rend="italic">diesem</hi> Wege zu mir gekommen, an <hi rend="italic">dieser</hi> Sache
                    beteiligt, es <hi rend="italic">auch</hi> nicht wollen kannst, daß ich willentlich
                    versage. [Ich weiß, daß du das nicht willst, aber es «hilft» dir vielleicht,
                    wenn ich dir Alles so vollständig vor Augen stelle, wie ich es mir selbst
                        tue.]<note xml:id="n04">Eckige Klammern im Original.</note>
                    Jeder Schritt weiter auf dem Weg des nun zwischen uns Eingestandenen wäre aber
                    ein Versagen von mir, eine Untreue viel schwerer als die gegen <persName ref="kbga-actors-26">Nelly</persName>. <pb xml:id="p026" ed="pga"/> Ganz gleichgültig, ob die Welt davon erfährt oder nicht.
                        Moral habe ich zwar nie
                        gepredigt<note xml:id="n05">So hatte <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> z. B. schon 1923
                        gegenüber <persName ref="kbga-actors-553">F. W. Foersters</persName>
                            moralischer «Anwendung des Christentums auf das Leben» (<bibl corresp="kbga-bibls-1839"><hi rend="italic">Meine Stellung zu Karl Barth</hi>, in: Neuwerk. Ein Dienst am Werdenden,
                        Jg. 5 [1923/24], S. 152-159, dort S. 159</bibl>) postuliert, daß
                            <hi rend="italic">Christus</hi> die Voraussetzung für das Leben sein müsse, «weil
                        dem ‹Leben› mit Moral beizukommen noch nie gelungen ist, noch gelingen wird.
                        Das ‹Leben› fügt sich nur dem <hi rend="italic">Herrn</hi> des Lebens.» (<bibl corresp="kbga-bibls-2854"><persName ref="kbga-actors-2151">K. Barth</persName>,
                            <hi rend="italic">Gegenrede zu dem Aufsatz von Friedrich Wilhelm Foerster,</hi> in: Neuwerk, Jg. 5 [1923/24], S. 242-248,
                            dort S. 247</bibl>; wieder abgedruckt in: <bibl corresp="kbga-bibls-451">V.u.kl.A. 1922-1925, <ref type="pub" target="../volume/19/p180#p180">S. 180–201</ref>, dort
                                <ref type="pub" target="../volume/19/p197#p197">S. 197</ref></bibl>).</note>, wohl aber Disziplin als Kehrseite des Glaubens und der Hoffnung<note xml:id="n06">In seiner Göttinger Dogmatik-Vorlesung hatte <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName>
                        erklärt: «Und insofern muß nun die Kirche, ihres Charakters als Wort- und
                        Sakramentskirche unbeschadet, <hi rend="italic">auch</hi> sein Kirche der Disziplin und des Gehorsams.
                        Es kann ja nicht sein, daß da, wo reine Predigt und rechtes Sakrament
                        wirklich stattfindet, die beteiligten Menschen in ihrem Dasein und Sosein
                        unberührt ihres Weges ziehen sollten.» (<bibl corresp="kbga-bibls-401">Unterricht III, <ref type="pub-" target="../volume/38/p370#p370">S. 370</ref></bibl>)</note>. Was
                    ich gesagt habe, hat für Viele nicht mit Unrecht einen sehr harten Klang gehabt; ich habe
                    Vielen Vieles (und zwar Schönes und Liebes und Hohes!) genommen mit meinem
                    Hinweis auf die Frage, auf den Anspruch, die an den Menschen gerichtet sind, auf
                    das Gericht, dem er unterworfen ist und sich unterwerfen <hi rend="italic">muß.</hi> Ich
                    denke wohl, daß ich vielfach zu scharf, zu sicher geredet habe, zu wenig konkret selber dabei opfern
                    mußte [eine merkwürdige Folge unseres «Erlebnisses» wird die sein, daß mein
                        Kolleg im Sommer über die neuere Theologiegeschichte<note xml:id="n07">
                            <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> las im
                        Sommersemester 1926 über «Geschichte der protestantischen Theologie seit <persName ref="kbga-actors-360">Schleiermacher</persName>». Die später zweimal wiederholte, überarbeitete
                        und erweiterte Vorlesung wurde von <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> 1947 publiziert (vgl.
                        <bibl corresp="kbga-bibls-34">Pr.Th.</bibl>).</note> sicher viel milder, barmherziger, zurückhaltender ausfallen
                    wird, als dies sonst der Fall gewesen wäre!]<note xml:id="n08">Eckige Klammern im Original.</note>, ich müßte aber verstummen, ich hätte
                    das schnöde Gefühl, Unzählige, die ich in die «Wüste» geführt, daselbst im Stich
                    zu lassen, wenn ich es mir nun etwa leisten wollte – jetzt, wo ich die Wunde am
                    eigenen Leibe trage, <hi rend="italic">doch</hi> zu einer der Lösungen zu greifen, wie sie
                    wohl in der «Jugendbewegung»
                    in solchen Fällen üblich sind, um von den Möglichkeiten der <persName ref="kbga-actors-9338">Maupassant</persName>-Bücher (die auf
                    dem <placeName ref="kbga-places-100">Bergli</placeName> vielleicht allzu reichlich
                    herumstehen und gelesen werden) <pb xml:id="p027" ed="pga"/> nicht zu reden. Es kommt
                    heute, menschlich geredet, Alles darauf an, daß nicht etwa nur der
                    <orgName ref="kbga-actors-631">Chr. Kaiser Verlag</orgName>
                    floriert und seine Autoren berühmte Leute werden und unser Freund <persName ref="kbga-actors-275">Georg</persName> den jungen <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> der Welt
                        bekanntgeben<note xml:id="n09">Siehe die aus verschiedenen <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName>-Vorträgen
                        hervorgegangene Studie <bibl corresp="kbga-bibls-2855">
                                <persName ref="kbga-actors-275">G. Merz</persName>, <hi rend="italic">Der vorreformatorische Luther</hi>,
                        München 1926 (1926<hi rend="sup">2</hi>, 1934<hi rend="sup">3</hi>)</bibl>;
                        vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-2856">ders., <hi rend="italic">Der junge Luther und der
                            Rechtfertigungsglaube.</hi> Vortrag vor der bayerischen
                        Pastoralkonferenz 1926, in: ZZ, Jg. 4 (1926), S. 404-419</bibl>; vgl. dazu auch:
                        <bibl corresp="kbga-bibls-2855">Merz, S. 181</bibl>.</note> und die Welt damit beleuchten kann, sondern daß ein
                    paar Menschen nun <hi rend="italic">wirklich</hi> wachen und beten [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Mt.26.41">Mt. 26,41</ref> par.] und ihr
                    Erstgeburtsrecht nicht um ein Linsengericht verkaufen [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Gen.25.29 Gen.25.34">Gen. 25,29–34</ref>].
                    Solche Menschen wollen wir sein, meine liebe <persName ref="kbga-actors-223">Lollo</persName>, oder vielmehr eben wachen
                    und beten, daß wir es sein und bleiben
                        <hi rend="italic">dürfen</hi>, denn daß man es sich nicht nehmen kann, das haben wir
                    nun erfahren, und mit bloßem Wollen werden wir die Anfechtung nicht überwinden. Sind wir darin einig?
                    Ja, wir sind es, ich weiß es zum vornherein. Sonst würdest du mich nicht
                    liebhaben und ich dich nicht. Wir würden uns nicht liebhaben, wenn wir nicht einsehen würden,
                    daß eben das Liebhaben zwischen uns (wir können und wollen seine Wirklichkeit
                    nicht leugnen und nicht kleiner machen) eine Sache ist, die wir nur als eine
                    zwar wahre, zwar gegebene, nicht wieder zu beseitigende, aber auch
                        <hi rend="italic">keiner</hi> weiteren Entfaltung fähige Möglichkeit betrachten und
                    behandeln.</p>
                <p> Aber es wird dir recht sein, wenn ich nun gleich noch etwas konkreter werde.
                    Also, es steht fest, daß ich nicht anders bin und daß du auch nicht anders bist,
                    als wir alle sind, daß wir die gemeinsame Erfahrung gemacht haben: daß das 7.
                        Gebot (im
                    lutherischen Katechismus das 6.) uns in einer Weise «an-geht» (= gegen uns
                    herangeht!), wie wir es uns, da wir es lernten, und später nicht träumen ließen,
                    daß wir aber die Absicht haben, es zu respektieren, weil für <hi rend="italic">uns</hi>
                    alles Andere unmöglich ist. Und nun? Eine «geistliche Minne», wie sie <persName ref="kbga-actors-4950">Heinrich
                        Seuse</persName> mit der <persName ref="kbga-actors-9344">Elsbeth
                        Stagel</persName><note xml:id="n10">
                            <persName ref="kbga-actors-9344">Elsbeth Stagel[in]</persName> (ca. 1295/1300-1366) befand
                        sich zu dem Mystiker <persName ref="kbga-actors-4950">Heinrich Seuse</persName> im für das späte Mittelalter «typischen Schema des
                        Verhältnisses von Seelenführer/Beichtvater und geistl[icher] Tochter»
                        (<bibl corresp="kbga-bibls-2857">H. Backes, Art. «Stagel[in], Elsbeth», in: Lexikon des Mittelalters (dtv),
                        Bd. VIII, München 2002, Sp. 38f.</bibl>).</note> oder noch neulich der jüngere
                        
                            <persName ref="kbga-actors-47">Blumhardt</persName>;<note xml:id="n11">
                            <persName ref="kbga-actors-47">Christoph Blumhardt</persName> (1842–1919), Sohn
                        von <persName ref="kbga-actors-48">Johann Christoph Blumhardt</persName> (1805–1880), übernahm nach 1880 die Leitung von Bad
                        Boll.</note> (davon <pb xml:id="p028" ed="pga"/> steht in <persName ref="kbga-actors-403">Eduards</persName> Buch<note xml:id="n12">Siehe <bibl corresp="kbga-bibls-1655">
                                <persName ref="kbga-actors-403">E. Thurneysen</persName>,
                            <hi rend="italic">
                                    <persName ref="kbga-actors-47">Christoph Blumhardt</persName></hi>,
                        München 1926; Neudruck, Zürich 1962</bibl>.</note> nichts!) mit der <persName ref="kbga-actors-1258">Anna von Sprewitz</persName><note xml:id="n13">
                            
                            <persName ref="kbga-actors-1258">Anna von Sprewitz</persName> (1847–1923), Diakonisse und
                            langjährige Mitarbeiterin von <persName ref="kbga-actors-47">Chr. Blumhardt</persName> (vgl. die posthum
                        herausgegebenen autobiographischen Aufzeichnungen: <bibl corresp="kbga-bibls-2858">
                                <hi rend="italic">Lebenslauf der am
                            26.1.1923 in Wieseneck-Jebenhausen entschlafenen ledigen Schwester
                            Anna von Sprewitz</hi>, in: Mitteilungen aus der Brüder-Gemeine zur
                        Förderung christlicher Gemeinschaft, Gnadau, Jg. 1923, Nr. 3, S. 106-135)</bibl>.
                        ­- «Schwester <persName ref="kbga-actors-1258">Anna</persName>»,
                        von <persName ref="kbga-actors-661">Robert Lejeune</persName> «die
                            große Freundin und Mitkämpferin <persName ref="kbga-actors-47">Blumhardts</persName>» genannt
                            (<bibl corresp="kbga-bibls-2859"><hi rend="italic">Christoph Blumhardt. Eine Auswahl aus seinen Predigten, Andachten
                            und Schriften</hi>, hrsg. von R. Lejeune, Zweiter Band,
                            Erlenbach-Zürich / Leipzig 1925, S. 15</bibl>), begegnete <persName ref="kbga-actors-47">Blumhardt</persName> 1890 zum ersten
                        Mal in <placeName ref="kbga-places-158">Bad Boll</placeName> und begleitete ihn 1907 in sein Landhaus Wieseneck bei
                        <placeName ref="kbga-places-1189">Jebenhausen</placeName>, als er sich von Bad Boll zurückzog und von seiner Frau getrennt lebte (vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-2861">Chr.
                        Gremmels, <hi rend="italic">Christoph Blumhardt d. J.</hi>, in: <hi rend="italic">Gestalten der
                            Kirchengeschichte. Die neueste Zeit II</hi>, hrsg. von
                        M. Greschat, Bd. 9.2, Stuttgart u. a. 1985, S. 319-328, v. a.
                        S. 322.325</bibl>). Im Laufe der Jahre wuchs «Schwester <persName ref="kbga-actors-1258">Anna»</persName> in die geistige Welt der beiden
                            
                                <rs type="person" ref="kbga-actors-47 kbga-actors-48">Blumhardts</rs>
                            
                         hinein und ließ eine größere Anzahl von Predigten in Einzelausgaben
                        drucken. Vgl. auch <bibl corresp="kbga-bibls-2862"><persName ref="kbga-actors-1065">E. Jäckh</persName>, <hi rend="italic">Blumhardt. Vater und Sohn und ihre
                            Welt</hi>, Stuttgart 1984<hi rend="sup">2</hi></bibl>
                        (<persName ref="kbga-actors-623">Jäckh</persName> bezieht sich
                        seinerseits auf die «Tragik» bei K. Barth, <bibl corresp="kbga-bibls-2862">a.a.O., S. 192</bibl>).</note>
                    gepflogen hat? «Wie die Engel» [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Mt.22.30">Mt. 22,30</ref>], sagten die begeisterten Anhänger im letzteren Fall. Ich
                    muß bei allem Ernst lachen. Das ist nichts für uns. Wir wollen gesund bleiben
                    und uns eingestehen, daß es sich durchaus um die menschliche irdische Liebe
                    handelt zwischen uns, die
                    uns unter anderen Umständen als Mann und Frau zusammengeführt hätte. Eine andere
                    Möglichkeit wäre die, uns mit finsterem Gesicht Lebewohl zu sagen, nicht mehr zu
                    schreiben und nicht mehr zu begegnen, was ja, da die Welt groß ist, technisch
                    sehr leicht durchzuführen wäre. Aber auch das wäre krampfhaft und unser nicht
                    recht würdig. Zeigt es sich, daß wir nicht stark genug sind, es anders zu
                    machen, so können wir immer noch zu dieser Radikalkur greifen.|</p>
                <p> Ich schlage also vor: Äußerlich keine wesentliche Änderung gegen bisher. Strenge
                    Sorgfalt, daß die Sache zwischen <persName ref="kbga-actors-26">Nelly</persName>, dir und mir unter Verschluß
                    bleibt (nicht nur, weil sie nur uns angeht, sondern weil erfahrungsgemäß das
                        Bereden eine solche Frage nicht leichter macht, so sehr man danach
                    verlangt). Briefe und persönliche Begegnungen vielleicht in <hi rend="italic">etwas</hi>
                    größerem Abstand als bisher.<note place="footnote" n="*" type="original">In Briefen wird <hi rend="italic">nicht</hi> von dem
                        «es» zwischen uns gesprochen.</note> Besondere
                    Behutsamkeit bei allfälligem Zusammensein auf dem <placeName ref="kbga-places-100">Bergli</placeName> (dies <hi rend="italic">nicht</hi>
                    <pb xml:id="p029" ed="pga"/> absichtlich zu vermeiden!). Alles Weitere läßt sich nicht
                    im Voraus regeln. Viel wichtiger ist das <hi rend="italic">Positive:</hi> Wir müssen uns
                    beiderseits mit neuer und ganzer Kraft in unsere <hi rend="italic">Arbeit</hi>
                    stürzen. Ich werde nun
                    z. B. meine vielen Vorträge, die ich, ermüdet und überdrüssig des Treibens, noch gestern
                    abzusagen gedachte, <hi rend="italic">nicht</hi> absagen<note xml:id="n14">Siehe zu <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> «vielen Vorträgen» in dieser Zeit und in den kommenden
                        Jahren <persName ref="kbga-actors-3929">H. Schmidts</persName>
                        Vorwort zu <bibl corresp="kbga-bibls-416">V.u.kl.A. 1925-1930, <ref type="pub-" target="../volume/24/pr008#pr008">S. VIII-XIII</ref></bibl>.</note> und überhaupt einen
                    neuen Anlauf nehmen, meine Sache mit den Studenten und in der Theologie überhaupt in
                    den paar Jahren der Kraft, die ich noch vor mir habe (ich werde 40 dies Jahr!),
                    so gut als möglich zu machen. Daß das Bedürfnis da ist, ist keine Frage. Wie
                    weit es ein Gelingen gibt, ist keine von <hi rend="italic">mir</hi> zu beantwortende
                    Frage. Schlage ich mich dann als ein braver Soldat, so werde ich, auch wenn du
                    es mir nie wieder sagst, von Zeit zu Zeit daran denken, daß die kleine
                    Generalstochter mich gerade so lieb hat, und das muß dann eben genügen. Und du
                    halte dich an deine Kranken. Tu ihnen, ohne
                    Überlegen (was dabei herauskommt?), alles Liebe, Trost- und Hilfreiche, was du
                    kannst, das ist sicher das Beste, was du tun kannst unter der Sonne [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Pred.1.3">Pred. 1,3</ref>]. Wenn ich es sagen
                    darf, so würde ich mich eigentlich mehr freuen, wenn du, bei aller
                    Fragwürdigkeit, in einem solchen öffentlichen Krankenhaus bleiben, als wenn
                    du von einer Privatpflege zur anderen ziehen würdest, und auch die
                    Schwesternarbeit im Zusammenhang mit der Kirche (also die Münchener Möglichkeit<note xml:id="n15">
                            Siehe zu einer Abwandlung dieser
                        «Münchener Möglichkeit» unten <ref type="pub" target="../volume/45/p035#fn_n02">S. 35,
                        Anm. 2</ref>.</note>) scheint mir eigentlich <hi rend="italic">noch</hi> fragwürdiger als
                    die rein zivile, die du jetzt hast. Aber da mußt du selbst entscheiden.
                    Jedenfalls kannst und sollst du dir denken, daß du gerade so, in einem solchen
                    Dienst um der Liebe willen, über alle Trennung weg auch an meiner Seite bist. Und
                        <hi rend="italic">selbstverständlich</hi> sollst du dich durch das, was du mir
                    geschrieben hast, nicht in dem Sinn gebunden fühlen, daß du nicht, unseren
                    Verzicht in <hi rend="italic">dieser</hi> Weise realisierend, wenn es sein soll, einem
                    anderen Mann dein Herz schenkst. Ich werde dann die Wunde wieder stärker fühlen,
                    und für dich würde es ja wohl ähnlich sein, aber es würde nichts zwischen uns
                    ändern.</p>
                <p> So, genug für heute. Du findest es vielleicht trivial, aber der Vers des alten
                    Spötters <persName ref="kbga-actors-1035">Heine</persName> will mir nicht
                    aus dem Kopf: «Mir ist, als ob ich die Hände aufs Haupt dir legen sollt, betend,
                    daß Gott dich er<pb xml:id="p030" ed="pga" break="no"/>halte …»<note xml:id="n16">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-2860">
                                <persName ref="kbga-actors-1035">H. Heine</persName>, <hi rend="italic">Buch
                            der Lieder</hi>, Die Heimkehr 1823-1824, XLVII</bibl>: 
                        <q rend="block">
                                <lg>
                            <l>Du bist wie eine Blume,</l>
                            <l>So hold und schön und rein;</l>
                            <l>Ich schau dich an, und Wehmut</l>
                            <l>Schleicht mir ins Herz hinein.</l>
                            <l><lb/></l>
                            <l>Mir ist, als ob ich die Hände</l>
                            <l>Aufs Haupt dir legen sollt,</l>
                            <l>Betend, daß Gott dich erhalte</l>
                            <l>So rein und schön und hold.</l>
                        </lg>
                            </q>
                        </note> Wie ist doch Alles so wunderlich und traurig und groß in
                    unserem Leben, meine kleine <persName ref="kbga-actors-223">Lollo</persName>,
                    wenn man so überdenkt: wie wir nun miteinander dran sind und was uns nun
                    auferlegt ist und wie wir uns nun in unserer Hilflosigkeit helfen sollten. Ich habe mir mit
                    diesem Brief (ein merkwürdiges Dokument der «Barthschen Theologie», völlig einzig in seiner Art)
                    meine eigene Not ein bißchen vom Herzen geschrieben. Wie gerne wollte ich, es
                    wäre dir auch ein wenig damit geholfen. Wenn du mir noch (als letztes
                    schriftliches Wort <hi rend="italic">diesen</hi> Inhalts) darauf antworten willst, so tue
                    es möglichst rasch, solange ich noch allein hier bin. Vom Donnerstag 4. März ab
                    ist dann die Adresse <placeName ref="kbga-places-1302">Himmelreichallee 43</placeName>. Ich wäre schon froh, noch ein
                    bestätigendes Echo zu haben, daß wir uns verstanden haben und verstehen werden.
                    Mit dem gegenseitigen «Sich-Verstehen» fing ja das Unheil an zwischen uns (oder
                    vielmehr: darin zeigte es sich). Nun soll es sich auch zu unserem Heil darin
                    zeigen, daß wir uns <hi rend="italic">wirklich</hi>
                    verstehen.</p>
               
                <closer>
                    <salute>Dein</salute> <signed>
                        <persName ref="kbga-actors-2151">Karl</persName>
                    </signed>
                </closer>
            </div>
        </body>
    </text>
</TEI>
