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        <title type="volume" n="vol-45">Karl Barth – Charlotte von Kirschbaum. Briefwechsel Bd. I 1925–1935</title>
        <title type="formal">Brief Nr. 22</title>
        <title type="content">Karl Barth an Charlotte von Kirschbaum in Krefeld</title>
        <title type="citation_line_1">Karl Barth an Charlotte von Kirschbaum in Krefeld, 2. April 1926</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/45024 (Stand: 2. Oktober 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Karl Barth – Charlotte von Kirschbaum. Briefwechsel Bd. I 1925–1935, hrsg. v. Erler, Rolf-Joachim (Gesamtausgabe, Abt. V), Zürich 2008, S. 34–37.</title>
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        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
        <sponsor>Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW)</sponsor>
        <sponsor>Schweizerischer Nationalfonds (SNF)</sponsor>
        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
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        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
        <date when="2026">2026</date>
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        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
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          <title type="volume">Karl Barth – Charlotte von Kirschbaum. Briefwechsel Bd. I 1925–1935</title>
          <title type="text">Brief Nr. 22: Karl Barth an Charlotte von Kirschbaum in Krefeld</title>
          <author ref="kbga-actors-2151">Barth, Karl</author>
          <editor>Erler, Rolf-Joachim</editor>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
          <date type="publication">2008</date>
          <biblScope unit="page">34-37</biblScope>
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          <persName ref="kbga-actors-2151">Barth, Karl</persName>
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                        <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> an v.K. in Krefeld
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                    <salute>Liebe <persName ref="kbga-actors-223">Lollo</persName>!</salute>
                  </opener>
                
                    <p> Wir kommen eben – <persName ref="kbga-actors-26">Nelly</persName>, <persName ref="kbga-actors-5802">Fränzeli</persName>, <persName ref="kbga-actors-24">Markus</persName> und ich – von einer längeren Radfahrt zurück, die wir zur Feier der
                    Wiedervereinigung der Familie veranstaltet haben. Nun möchte ich dir sofort
                    einen Gruß schicken, um dir zu sagen, wie froh ich bin, daß <persName ref="kbga-actors-26">Nelly</persName> gestern bei
                    dir war und daß offenbar das Zusammensein ein gutes war. Ich erwartete es ja nicht anders und
                    war doch den ganzen Nachmittag etwas unruhig gewesen beim Gedanken an <placeName ref="kbga-places-757">Krefeld</placeName>. Es war ein Aufatmen, als
                        <persName ref="kbga-actors-26">Nelly</persName>
                    erzählte, soweit da etwas zu erzählen war, und heute Nacht zeigte es sich in
                    einem Traum, den ich dir besser
                    einmal mündlich erzähle, <hi rend="italic">wie</hi> friedlich sich die Sache in meinem
                        <hi rend="italic">Unter</hi>bewußtsein schon darstellt. Es wird für uns alle noch oft
                    schwer werden, aber vorderhand wollen wir uns – nicht wahr? – des freundlichen
                    Ausblicks freuen. Du schreibst mir jetzt dann auch wieder einmal
                        <hi rend="italic">mehr</hi> als <pb xml:id="p035" ed="pga"/> sieben Zeilen, gelt? Ich möchte
                        ja so Vieles wissen, bin z. B. auch nach <persName ref="kbga-actors-26">Nellys</persName> Bericht noch immer in Sorge, ob und
                    wie du den angestrengten Betrieb dort eigentlich aushältst. Erzähl mir auch
                    wieder von deinen Kranken – und von deinen Zukunftsplänen – und ob du
                    tatsächlich mein braves altes Calvinkolleg<note xml:id="n01">In seinem zweiten Semester, dem Göttinger
                        Sommersemester 1922, hatte Barth vierstündig über <persName ref="kbga-actors-77">Calvin</persName>
                        gelesen. Von Kirschbaum las vermutlich einen «Durchschlag einer
                        zeitgenössischen Maschinen[ab]schrift» (s. <bibl corresp="kbga-bibls-33"><persName ref="kbga-actors-2151">K. Barth</persName>, <hi rend="italic">Die Theologie
                            Calvins.</hi> 1922, hrsg. von H. Scholl [Gesamtausgabe, Abt. II],
                        Zürich 1993, <ref type="pub-" target="../volume/23/pr010#pr010">S. Xf.</ref></bibl>).</note> liesest, von dem etliche <hi rend="italic">sehr</hi> zu
                    meinem Befremden meinen, es sei mein schönstes Werk – und von Allem, was du
                    denkst und tust. Es wird mich sicher nichts langweilen, und du hast es sicher
                    nötig, ein bißchen abzuladen. Aber am Schlaf darfst du dir dabei nichts
                    abbrechen, das möchte ich auf keinen Fall.|</p>
                <p> Eine dringende Bitte: in <placeName ref="kbga-places-43">München</placeName>
                    hörte ich von <persName ref="kbga-actors-275">Georg</persName>, daß du
                    demnächst Besuch bekommst von deiner Freundin. Gelt, du wirst ihr nichts sagen
                    von mir, auch nicht im tiefsten Vertrauen? Daß <persName ref="kbga-actors-315">Gerty</persName> es nun weiß, war für
                    <persName ref="kbga-actors-26">Nelly</persName> gut;
                    sie hatten ein hilfreiches Gespräch zusammen. Die
                    anderen Freunde (<persName ref="kbga-actors-403">Eduards</persName>,
                        <persName ref="kbga-actors-275">Georgs</persName>) schienen in der
                    Hauptsache ahnungslos, und ich wollte, daß es dabei bliebe. Schon damit wir auf
                    dem <placeName ref="kbga-places-100">Bergli</placeName> ohne Harm zusammen sein
                    können. Aber vor Allem, damit sich unter keinen Umständen eine Lawine von Gerede
                    bildet, die dann allzu wahrscheinlich über den Kreis der Wohlwollenden
                    hinausgehen würde.|</p>
                <p> Mit <persName ref="kbga-actors-275">Georg</persName> hatte ich ein ganz
                    objektives Gespräch wegen deiner Zukunftsmöglichkeiten. Die St. Markus – Zwischen
                    den Zeiten –
                        -Stelle<note xml:id="n02">
                            
                            <persName ref="kbga-actors-275">Merz</persName>, seit 1923 Schriftleiter
                        von «Zwischen den Zeiten», wurde «zum <date when="1926-09-01">1.9.1926</date> in das neugeschaffene Amt des
                        evangelischen Studentenpfarrers berufen, das zugleich verbunden war mit der
                        Stelle des dritten Pfarrers an der Münchener Dekanskirche St. Markus»
                        (<bibl corresp="kbga-bibls-2949">Lichtenfeld, S. 147</bibl>). Vermutlich gab es hier die Überlegung, <persName ref="kbga-actors-223">von Kirschbaum</persName>
                        als Sekretärin von St. Markus und «Zwischen den Zeiten« anzustellen. Ein Hinweis zu
                        dieser «Zukunftsmöglichkeit» für <persName ref="kbga-actors-223">von Kirschbaum</persName> findet sich in dem Schreiben
                            <persName ref="kbga-actors-403">E. Thurneysens</persName>
                        an <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> vom <date when="1925-08-31">31.8.1925</date>: «Eigentlich sollte ihm [scil. <persName ref="kbga-actors-275">G. Merz</persName>] <persName ref="kbga-actors-662">Lempp</persName> Frl. v. Kirschbaum als Sekretärin zur
                        Seite stellen; sie könnte ihm viel Korrespondenzen und Verhandlungen mit
                        Autoren und dergleichen abnehmen und wäre sicher so gut an ihrem Platz wie
                        als Krankenschwester.» (<bibl corresp="kbga-bibls-932">Bw.Th. II, <ref type="pub-" target="4147">S. 366f.</ref></bibl>)</note> schaut mich vorläufig
                    wenig erfreulich an, weil du doch eigentlich <hi rend="italic">zu gut</hi> bist für eine
                    solche subalterne Funktion. Aber das <pb xml:id="p036" ed="pga"/> Bedenken, ob deine
                    Gesundheit die Krankenpflege noch länger aushält, und die Unerfreulichkeit der
                    <orgName ref="kbga-actors-8718">Rotkreuz</orgName>verhältnisse sind natürlich starke Gründe <hi rend="italic">für</hi> diesen Plan.
                    Übrigens möchte ich wohl deine Frau <persName ref="kbga-actors-7118">Mutter</persName><note xml:id="n03">Siehe oben <ref type="pub" target="../volume/45/p010#fn_n03">S. 10,
                        Anm. 3</ref>.</note> einmal kennen lernen. <persName ref="kbga-actors-275">Georg</persName> verkündigte einmal beiläufig: «Wenn <persName ref="kbga-actors-223">Lollo</persName> alt sein wird, wird
                    sie ganz gleich sein wie sie.» <hi rend="italic">Wie</hi>? – ich fragte nicht weiter
                    nach!! Das Zusammensein mit <persName ref="kbga-actors-403">Eduard</persName> in <placeName ref="kbga-places-105">St. Gallen</placeName> war sehr fein, ebenso das mit <persName ref="kbga-actors-275">Georg</persName>, der sich aber lebhaft
                        <hi rend="italic">gegen</hi> die Entfaltung der Dogmatik zu einem Buch aussprach.<note xml:id="n04">Es
                        handelt sich hierbei um die mehrfach von <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> erwogene Frage, ob die
                        Göttinger Dogmatik-Vorlesung veröffentlicht werden solle; vgl. z. B.
                        <bibl corresp="kbga-bibls-932">Bw.Th. II, <ref type="pub-" target="../volume/04/p280#p280">S. 280</ref></bibl>. Die Vorlesung ist im Rahmen der Karl Barth-Gesamtausgabe
                        erschienen: Unterricht I-III.<note resp="ak" type="digital" xml:id="nα" n="α"><persName ref="kbga-actors-2151">Barth, Karl</persName>, <bibl corresp="kbga-bibls-219">«<hi rend="italic">Unterricht in der christlichen Religion</hi>», <ref type="pub-" target="../texts?facet-volume=17">Bd. I</ref>: <hi rend="italic">Prolegomena. 1924</hi></bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-115">ders., «<hi rend="italic">Unterricht in der christlichen Religion</hi>», <ref type="pub-" target="../texts?facet-volume=20">Bd. II</ref>: <hi rend="italic">Die Lehre von Gott / Die Lehre vom Menschen. 1924/1925</hi></bibl> und <bibl corresp="kbga-bibls-401">ders., «<hi rend="italic">Unterricht in der christlichen Religion</hi>», <ref type="pub-" target="../texts?facet-volume=38">Bd. III</ref>: <hi rend="italic">Die Lehre von der Versöhnung / Die Lehre von der Erlösung. 1925/1926</hi></bibl>.</note></note> «<persName ref="kbga-actors-223">Lollo</persName> ist natürlich
                    <hi rend="italic">dafür</hi>», vernahm ich dabei. Hast du mit ihm über diese Frage
                    verhandelt? Ich schwanke ja wirklich selber. Aber <persName ref="kbga-actors-275">Georg</persName> ist mir alleweil noch etwas zu jugendbewegungshaft in seinen
                    Anschauungen.|</p>
                <p> In der <placeName ref="kbga-places-58">Schweiz</placeName> ist viel über die Organisation der diesjährigen Sommerferien geredet worden. Unsere
                    Kinder bekommen hier Ende Juli Ferienbeginn. So können wir zum ersten Mal
                    gemeinsam aufbrechen, da auch ich Ende Juli fertig werde. Sieh zu, daß für dich dasselbe der Fall sei.
                    Eventuell schließest du dich dann in <placeName ref="kbga-places-193">Duisburg</placeName> oder <placeName ref="kbga-places-94">Köln</placeName> an unsere nach Süden
                    ziehende Kolonne an. Das wäre «prunkhaft», wie <persName ref="kbga-actors-662">Lempp</persName> sagt. Aber wenn du schon Ende Juni Schluß
                    machen kannst, so tu es ja, nur daß du dir den August für das <placeName ref="kbga-places-100">Bergli</placeName> reservierst. Ich habe mich
                    diesmal für den ganzen Monat dort angesagt (und <persName ref="kbga-actors-26">Nelly</persName> auch oder wenigstens in der
                    Hauptsache). Sorge ja dafür, daß du nicht ausbleibst. Denk, ich bin Pate geworden bei dem <persName ref="kbga-actors-7190">Büblein</persName> von <persName ref="kbga-actors-7188">Hertha</persName>.<note xml:id="n05">
                            <persName ref="kbga-actors-7190">Tobias List</persName> (geb. am 28.10.1925 auf dem <placeName ref="kbga-places-100">Bergli</placeName>), Sohn von <persName ref="kbga-actors-7188">Hertha List</persName>, (s.
                        oben <ref type="pub" target="../volume/45/p023#fn_n02">S. 23, Anm. 2</ref>).</note> Wir sahen sie in
                        <placeName ref="kbga-places-43">München</placeName> bei <persName ref="kbga-actors-275">Georgs</persName>; sie hat die verständliche Absicht, sich von
                    ihrem allzu unnützen <persName ref="kbga-actors-7189">Mann</persName> wieder
                    scheiden zu lassen. Wie soll ich es auch machen, um mit <persName ref="kbga-actors-688">Line Merz</persName> auf
                    einen grünen Zweig zu kommen? Sie hat irgend einen Groll gegen mich; du mußt
                    aber nicht davon reden.</p>
                <p>So, das war nun ein richtiger Plauderbrief. Morgen fängt die Arbeit endlich
                    wieder ernsthaft an. <hi rend="italic">Vieles</hi> wartet auf mich.  Die Hollandreise
                    <pb xml:id="p037" ed="pga"/> findet in kleinerem Maßstab Ende Mai <hi rend="italic">doch</hi>
                        statt.<note xml:id="n06"><persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> reiste vom <date to="1926-06-03" from="1926-05-28">28.5.-3.6.1926</date> mit
                            seiner Frau <persName ref="kbga-actors-26">Nelly</persName>, 13 Studenten und 3 Studentinnen nach <placeName ref="kbga-places-1147">Groningen</placeName> und <placeName ref="kbga-places-82">Amsterdam</placeName>. Siehe dazu den «Rundbrief» <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> vom <date when="1926-06-04">4.6.1926</date> in:
                        <bibl corresp="kbga-bibls-932">Bw.Th. II, <ref type="pub-" target="4171">S. 413–421</ref></bibl>.</note>
                         Vielleicht
                    werden <persName ref="kbga-actors-316">Rudis</persName> dabei sein.<note xml:id="n07">Das <rs type="person" ref="kbga-actors-316 kbga-actors-315">Ehepaar Pestalozzi</rs> reiste nicht mit.</note> In den nächsten Wochen sollte ich
                    unendlich viel lesen, verstehen und zu Papier bringen. Wenn ich einigermaßen gut dran bin,
                    will ich dir dann an der Semesterarbeit, so gut es geht, Anteil geben. Leb wohl,
                    kleine <persName ref="kbga-actors-223">Lollo</persName>
                    (ich kann nicht anders als <hi rend="italic">sehr</hi> lieb an dich denken), schone dich,
                    sei und bleibe tapfer und hoffend.</p>
             
                <closer>
                    <salute>Dein</salute> <signed>
                        <persName ref="kbga-actors-2151">Karl</persName>
                    </signed>
                  </closer>
                <postscript>
                    <p> Ich lege dir einen Brief bei von einem ehemaligen Göttinger Studenten<note xml:id="n08">Brief von <persName ref="kbga-actors-9372">David Wieser</persName> vom <date when="1926-03-27">27.3.1926</date> (<ref type="kba-objects-id" target="13947">KBA 9326.124</ref>).
                            Vor dem Eintritt in das Pfarramt schildert er in dem vierseitigen Brief,
                            inwiefern er <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> den Mut zu diesem zunächst hinausgeschobenen Schritt
                            verdankt. ­- <persName ref="kbga-actors-9372">D. Wieser</persName> (1901–1992), 1926-1933 Pfarrer in Opfertshofen
                            (Kt. Schaffhausen), 1933-1943 in Uznach (Kt. St. Gallen), danach an den
                            kantonalen Anstalten Liestal (Kt. Basel-Landschaft).</note>, weil er
                        mich mehr freut als manches Ähnliche, das bei mir einläuft. Er wird dir auch
                        Freude und Mut machen.</p>
                </postscript>
            </div>
        </body>
    </text>
</TEI>
