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        <title type="volume" n="vol-45">Karl Barth – Charlotte von Kirschbaum. Briefwechsel Bd. I 1925–1935</title>
        <title type="formal">Brief Nr. 27</title>
        <title type="content">Karl Barth an Charlotte von Kirschbaum in Krefeld</title>
        <title type="citation_line_1">Karl Barth an Charlotte von Kirschbaum in Krefeld, 25. Mai 1926</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/45029 (Stand: 2. Oktober 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Karl Barth – Charlotte von Kirschbaum. Briefwechsel Bd. I 1925–1935, hrsg. v. Erler, Rolf-Joachim (Gesamtausgabe, Abt. V), Zürich 2008, S. 45–47.</title>
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        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
        <sponsor>Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW)</sponsor>
        <sponsor>Schweizerischer Nationalfonds (SNF)</sponsor>
        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
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        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
        <date when="2026">2026</date>
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          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons BY-SA 4.0</licence>
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        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
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          <title type="volume">Karl Barth – Charlotte von Kirschbaum. Briefwechsel Bd. I 1925–1935</title>
          <title type="text">Brief Nr. 27: Karl Barth an Charlotte von Kirschbaum in Krefeld</title>
          <author ref="kbga-actors-2151">Barth, Karl</author>
          <editor>Erler, Rolf-Joachim</editor>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
          <date type="publication">2008</date>
          <biblScope unit="page">45-47</biblScope>
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          <persName ref="kbga-actors-223">Kirschbaum, Charlotte von</persName>
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                    27
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                        Barth an v.K. in <placeName ref="kbga-places-757">Krefeld</placeName>
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                    <salute>Liebe <persName ref="kbga-actors-223">Lollo</persName>!</salute>
                  </opener>
                
                <p>Dein Hiersein – wie <hi rend="italic">schön</hi> sind diese Maientage gewesen, gelt? – hat
                    auch bei uns viel innere Unruhe und
                    Bewegung hinterlassen und zu langen bekümmerten Gesprächen Anlaß gegeben, zu denen der
                    heutige Brief nur zu gut paßt. Es war <hi rend="italic">ganz</hi> nahe dabei, daß ich mich
                    hinsetzte und dir mit zusammengebissenen Zähnen schrieb: ja, wählen wir
                        «<placeName ref="kbga-places-179">Breslau</placeName>»<note xml:id="n01">
                            Kennwort für eine totale Distanznahme zwischen <persName ref="kbga-actors-223">von Kirschbaum</persName> und <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName>.
                        Ob es Pläne hinsichtlich eines Wegzugs von Kirschbaums konkret nach <placeName ref="kbga-places-179">Breslau</placeName>
                        gab, ist nicht bekannt.</note> als das kleinste von den drohenden Übeln. Aber das schreibe ich dir nun <hi rend="italic">nicht</hi> und bitte
                    auch dich, mit <hi rend="italic">dieser</hi> Entscheidung mindestens noch zu warten. Nicht
                    nur weil ich es im Augenblick einfach nicht übers Herz bringe, sondern auch weil
                    mir immer noch nicht gewiß ist, daß der Wille Gottes und also der Gehorsam für uns
                    notwendig dieser ist. Ich sehe wohl, wieviel dafür sprechen würde, aber das ist
                    mir auch klar, daß dieses Opfer nur, wenn es auf <hi rend="italic">Einsicht</hi> und
                        <hi rend="italic">Freiheit</hi> beruhte, gesegnet sein könnte. Haben wir die? Hast
                        <hi rend="italic">du</hi> die? Aus deinem Briefe sehe ich wohl, wieviel bereiter du
                    bist als ich, du Gute; aber gerade über das entscheidende Warum? und Wozu? weißt
                    du auch nicht mehr als ich. Andererseits habe ich Momente – du nicht auch? –, wo
                    ich Alles wie in einen großen <hi rend="italic">Frieden</hi> eingetaucht sehe: sollte es
                    nicht möglich sein und erlaubt, daß ich <persName ref="kbga-actors-26">Nelly</persName> als meine Frau und dich nun
                    eben, da <hi rend="italic">diese</hi> Stelle nur einmal zu besetzen ist, als meine liebe
                    unentbehrliche Kameradin <persName ref="kbga-actors-223">Lollo</persName> liebhabe, jedes in ganz anderer Beziehung und
                    unter ganz anderen Ordnungen, ohne daß es zu Konflikten kommen muß? Ist der
                        <persName ref="kbga-actors-47">Blumhardtsche</persName> Weg<note xml:id="n02">Vgl. oben
                                <ref type="pub" target="../volume/45/p028#fn_n13">S. 28, Anm. 13</ref>.</note>, alles Einzelne
                    vorbehalten, grundsätzlich <hi rend="italic">kein</hi>
                    Weg? Oder ist das nun
                    der Rat der Schlange mit ihrem: «Sollte Gott gesagt haben …?» [<ref type="can" subtype="bible" target="Gen.3.1">Gen. 3,1</ref>]?
                    Liebe Lollo, gelt, darin sind wir einig: <hi rend="italic">wenn</hi> wir uns klar würden,
                    daß überhaupt nichts mehr zwischen uns sein <hi rend="italic">darf</hi>, dann würden wir
                    beide <pb xml:id="p046" ed="pga"/> auch die Kraft und den Mut und die Härte gegen uns
                    selbst finden, nichts mehr zwischen uns sein zu <hi rend="italic">lassen</hi> und also
                        «<placeName ref="kbga-places-179">Breslau</placeName>» zu wählen. Ich danke dir für deinen Brief, der mir darum
                    eine Hilfe ist, weil ich gleich viel Ernst und Liebe darin finde, und weil er so
                    genau in die gleichen Erwägungen eingreift, in denen ich mich auch befinde. – Es
                    war vielleicht nicht gut, daß <persName ref="kbga-actors-26">Nelly</persName> und du euch noch nie
                        <hi rend="italic">gründlich</hi> ausgesprochen habt. Was <persName ref="kbga-actors-26">Nelly</persName> bedrückt, ist der Gedanke,
                    daß ich überhaupt darauf verfallen konnte, einen <hi rend="italic">Ersatz</hi> für etwas
                    in unserer Ehe Fehlendes bei einem Dritten zu suchen, statt in einer
                    Verbesserung unserer Ehe. Worauf ich ihr sage, daß ich keinen Ersatz
                    <hi rend="italic">gesucht</hi>, sondern, wirklich ohne zu suchen, <hi rend="italic">dich
                        gefunden</hi> habe und daß daran erst ein bei uns Fehlendes mir zum
                    Bewußtsein kam. Sie sieht auch ein, daß mit der Beseitigung dieses «Ersatzes»,
                    also mit «<placeName ref="kbga-places-179">Breslau</placeName>», an sich nichts getan wäre und daß es für mich schwer ist,
                    dieses Gefundenhaben rückgängig zu machen. Mehr will ich darüber nicht sagen.
                    Wir haben es wirklich <hi rend="italic">alle drei</hi> schwer und <hi rend="italic">werden</hi> es
                    schwer haben, <hi rend="italic">wie</hi> wir uns auch die Sache zurechtlegen mögen.</p>
                <p> Laß dir noch sagen, daß ich wirklich nicht nur um deinetwillen vor «<placeName ref="kbga-places-179">Breslau</placeName>» so zurückscheue, sondern weil du (vielleicht noch mehr als
                    ich für dich) zu meinem Leben gehörst, so daß es wirklich ein Augenausreißen
                    [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Mt.5.29">Mt. 5,29</ref>; <ref type="can" subtype="bible" target="Mt.18.9">18,9</ref>]
                    wäre, wenn ich dich bitten wollte, aus meinem Leben zu verschwinden. Ob solches
                    Augenausreißen nötig und gefordert ist, das darf man sich vorher
                        <hi rend="italic">genau</hi> überlegen. <hi rend="italic">Wie</hi> lieb bist du mir in der
                    letzten Woche wieder geworden! Verzeih mir nur Alles, womit ich dir –  –                         <hi rend="italic">nicht</hi> geholfen habe. Aber du weißt nicht, was für ein ganzer
                    Strom in mir dir entgegengeht, <hi rend="italic">wie</hi> mühsam ich die Dämme halten muß.
                    Genug, ich will nicht weiterfahren.</p>
                <p> Hier hast du das Kollegheft<note xml:id="n03">Bei dem «Kollegheft»
                        handelt es sich um die losen Manuskriptblätter der Vorlesung «Geschichte der protestant[ischen] Theologie seit
                    Schleiermacher Münster, SS 1926» (<ref type="kba-objects-id" target="6656">KBA 1680.3</ref>). <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> schickte die Blätter
                        1 bis 43, d. h. das Manuskript der Vorlesungen vom <date to="1926-05-21" from="1926-05-03">3.5.-21.5.1926</date>, die in
                        drei Paragraphen unter den Überschriften «Über die Möglichkeit einer
                        Geschichte der neuern Theologie», «Chronik» und <persName ref="kbga-actors-360">«Schleiermacher»</persName>
                        standen.</note> und einige Korrespondenzen. Willst du das Kollegheft
                    (nachdem du es ruhig gelesen) dem wissensdurstigen <persName ref="kbga-actors-275">Georg</persName> weiterschicken? Wenn du’s lieber nicht tust<note place="footnote" n="*" type="original">Wenn du’s tust, so kannst du drei verdächtige Buchstaben,
                        die die beiden letzten Vorlesungstage auszeichnen, vorher –
                        ausradieren.<note xml:id="n08">Neben den Daten «20. V. 26»
                            und «21. V. 26» stand ursprünglich – wie unter den Radierspuren noch
                            wahrzunehmen ist ­- in Erinnerung an ihre Anwesenheit
                            «L. v. K.».</note></note>,
                    dann an mich zurück, auf alle Fälle gut verpackt und spediert.</p>
               
                <p> <pb xml:id="p047" ed="pga" rend="noPipe"/> Ich bin mitten im Amsterdamer Vortrag.<note xml:id="n04">Siehe oben
                                <ref type="pub" target="../volume/45/p040#fn_n04">S. 40, Anm. 4</ref>.</note> Am Freitag reisen
                    wir und kommen erst am <hi rend="italic">folgenden</hi> Freitag zurück.<note xml:id="n05">
                            <date to="1926-06-03" from="1926-05-28">28.5.-3.6.1926</date> (s. <bibl corresp="kbga-bibls-932">Bw.Th. II, <ref type="pub-" target="../volume/04/p413#p413">S. 413</ref></bibl>).</note> Laß dir’s
                    unterdessen nicht allzu schlecht gehen unter euren fragwürdigen Medizinern etc. und fall nicht
                        <hi rend="italic">allzu</hi> oft auf den Erdboden<note xml:id="n06">Vgl.
                        unten <ref type="pub" target="../volume/45/p055#fn_n04">S. 55, Anm. 4</ref>.</note>.</p>
                <p>Wie hätte ich letzten Freitag deinen davonfahrenden D-Zug aufhalten mögen! Warum
                    gibt es solche unaufhaltsam abfahrende D-Züge? Was soll das?</p>
            
                <closer>
                    <salute>Dein</salute> <signed>
                        <persName ref="kbga-actors-2151">Karl</persName>
                    </signed>
                  </closer>
                <postscript>
                    <p> In Nummer 141 vom 22. Mai der <orgName ref="kbga-actors-7253">Münchner Neuesten Nachrichten</orgName> steht ein Pfingst-Aufsatz von mir<note xml:id="n07">
                            
                            <hi rend="italic">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-2966">Vom heiligen Geist. Eine Pfingstbetrachtung</bibl></hi>; wieder abgedruckt in: <bibl corresp="kbga-bibls-245">Pr.
                            1921-1935, <ref type="pub-" target="../volume/31/p538#p538">S. 538–543</ref></bibl>.</note>, den ich leider nicht mitschicken kann. <lb/>
                    </p>
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