<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0" xml:id="kbga-texts-45041">
  <teiHeader>
    <fileDesc>
      <titleStmt>
        <title type="volume" n="vol-45">Karl Barth – Charlotte von Kirschbaum. Briefwechsel Bd. I 1925–1935</title>
        <title type="formal">Brief Nr. 39</title>
        <title type="content">Karl Barth an Charlotte von Kirschbaum in Krefeld</title>
        <title type="citation_line_1">Karl Barth an Charlotte von Kirschbaum in Krefeld, 4. August 1926</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/45041 (Stand: 2. Oktober 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Karl Barth – Charlotte von Kirschbaum. Briefwechsel Bd. I 1925–1935, hrsg. v. Erler, Rolf-Joachim (Gesamtausgabe, Abt. V), Zürich 2008, S. 68–70.</title>
      </titleStmt>
      <editionStmt>
        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
        <sponsor>Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW)</sponsor>
        <sponsor>Schweizerischer Nationalfonds (SNF)</sponsor>
        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
      </editionStmt>
      <publicationStmt>
        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
        <date when="2026">2026</date>
        <availability>
          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons BY-SA 4.0</licence>
        </availability>
        <idno type="url">https://kbga.karl-barth.ch/texts/45041</idno>
      </publicationStmt>
      <sourceDesc>
        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
        <bibl type="pga" xml:id="pga">
          <title type="volume">Karl Barth – Charlotte von Kirschbaum. Briefwechsel Bd. I 1925–1935</title>
          <title type="text">Brief Nr. 39: Karl Barth an Charlotte von Kirschbaum in Krefeld</title>
          <author ref="kbga-actors-2151">Barth, Karl</author>
          <editor>Erler, Rolf-Joachim</editor>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
          <date type="publication">2008</date>
          <biblScope unit="page">68-70</biblScope>
          <!--position within a volume-->
          <biblScope unit="part">45041</biblScope>
        </bibl>
        <!-- Data from KBA (https://kba.karl-barth.ch) -->
        <bibl xml:id="A" type="source">A (Vorlage der Edition): Karl Barth an Charlotte von Kirschbaum, 4. August 1926. <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/14208">KBA 9272.38</ref>. </bibl>
        <!-- we should provide more types: <bibl type="not-found-in-kba"></bibl> <bibl type="not-in-kba"></bibl>  -->
      </sourceDesc>
    </fileDesc>
    <profileDesc>
      <creation>
        <date type="creation" when="1926-08-04">4. August 1926</date>
      </creation>
      <langUsage>
        <language ident="ger">German</language>
      </langUsage>
      <textClass>
        <keywords>
          <term>letter</term>
        </keywords>
      </textClass>
      <correspDesc>
        <correspAction type="sent">
          <persName ref="kbga-actors-2151">Barth, Karl</persName>
          <placeName ref="kbga-places-100">Bergli</placeName>
          <date when="1926-08-04">4. August 1926</date>
        </correspAction>
        <correspAction type="received">
          <persName ref="kbga-actors-223">Kirschbaum, Charlotte von</persName>
          <placeName ref="kbga-places-757">Krefeld</placeName>
        </correspAction>
        <correspContext>
          <ref type="previous" target="kbga-texts-45040"/>
          <ref type="next" target="kbga-texts-45042"/>
          <ref type="previous-in-corresp" target="kbga-texts-45040"/>
          <ref type="next-in-corresp" target="kbga-texts-45042"/>
        </correspContext>
      </correspDesc>
    </profileDesc>
    <revisionDesc>
      <change when="2026-10-02T07:56:10+02:00">teiHeader was automatically produced from the database 2026-10-02T07:56:10+02:00</change>
    </revisionDesc>
  </teiHeader>
  <text>
        <body>
            <div type="letter">
              <pb xml:id="p068" ed="pga"/>
            <head>
                    39
                </head>
               
                    <dateline rend="sender">
                        Barth an v.K. in <placeName ref="kbga-places-757">Krefeld</placeName>
                    </dateline>
                     <opener>
                    <dateline>
                        <placeName ref="kbga-places-100">Bergli</placeName>, <date when="1926-08-04">4.8.1926</date>
                    </dateline>
                    <salute>Liebe <persName ref="kbga-actors-223">Lollo</persName>!</salute>
                  </opener>
                
                <p> Ich hab’s nun insofern gut, als ich die Ferien, die ich <hi rend="italic">dir</hi> so gerne gönnte, schon habe. Es ist
                    ganz das Bild vom vorigen Jahr: der
                    See, die Berge, der Garten, der Grasweg, der Wald, der Tisch mit Blumen und
                    Früchten, <persName ref="kbga-actors-315">Gerty</persName> und die Kinder. Nur du fehlst noch. Ich stand an den bewußten
                    Stellen: oben an der Straße, unten beim Birnbaum und dachte darüber nach, wie
                    Alles gekommen ist, und wie es sein wird, wenn du da bist. Ich habe mit <persName ref="kbga-actors-275">Georg</persName> lange, lange Gespräche gehabt, auch mit
                        
                            <persName ref="kbga-actors-316">Rudi</persName>. Das ist nun so und war kaum zu vermeiden, daß die Freunde sich alle
                    ihre Gedanken über uns machen, und ich war sogar froh darüber, einmal mit jemand
                    anders als mit <persName ref="kbga-actors-26">Nelly</persName> und dir offen reden zu können. Helfen kann uns freilich niemand. Mit <persName ref="kbga-actors-403">Eduard</persName>, auf den mir hier
                    Alles ankommt, habe ich mich noch nicht ausgesprochen. Manchmal wünsche ich
                    freilich auch, <hi rend="italic">niemand</hi> wüßte davon. Durch die Mitteilung an <persName ref="kbga-actors-275">Georg</persName> ist eben der Stein unheimlich
                    ins Rollen gekommen. <persName ref="kbga-actors-403">Eduard</persName> war gerade in <placeName ref="kbga-places-43">München</placeName>, als mein Brief dort eintraf. Aber schließlich sind das
                    alles liebe und zum Mittragen bereite Freunde. Etwas erschrocken bin ich, als
                        <persName ref="kbga-actors-275">Georg</persName> mir sagte, der Dr.
                        <persName ref="kbga-actors-9474">Gross</persName><note xml:id="n01">
                            
                            <persName ref="kbga-actors-9474">Hermann Gross</persName>, Dr. med., praktischer Arzt,
                        verheiratet mit <persName ref="kbga-actors-9430">Jeannette Gross</persName>, geb. Becker.</note> in <placeName ref="kbga-places-43">München</placeName> wisse durch seine Frau von der Sache
                    (ohne mich übrigens zu kennen). <hi rend="italic">Mußte</hi> das sein? Und wird die Frau,
                    deine Freundin, wohl noch weiteren Gebrauch davon machen?|</p>
                <p>Liebe <persName ref="kbga-actors-223">Lollo</persName>, rege dich nicht auf wegen dieser Fragen. Ich weiß ja, wie müde und
                    erschöpft du jetzt sicher bist, und erwarte also <hi rend="italic">sicher</hi> keine
                    ausführlichen Erklärungen, und auch nach <placeName ref="kbga-places-43">München</placeName> mußt du nichts schreiben, was dort noch Öl ins Feuer gießen
                    könnte. Aber gelt, du verstehst, daß ich von Weitem und in Unkenntnis dieser
                    Leute etwas besorgt bin. [Deine Freundin darf ihrem Mann unter keinen Umständen
                    Vorwürfe machen wegen dieses Weitersagens; es geschah im seelsorgerlichen
                    Gespräch mit <persName ref="kbga-actors-275">Georg</persName>, und dieser
                    hat es mir nur <pb xml:id="p069" ed="pga"/> zögernd und sehr verlegen
                        mitgeteilt.]<note xml:id="n02">Eckige Klammern im
                        Original.</note> Es steht so viel auf dem Spiel, daß <hi rend="italic">keine</hi>
                    Wolke von Geschwätz um uns her entsteht. Doch ich schreibe dir wirklich nicht
                    wegen dieser Sache, von der ich erst vor einer halben Stunde hörte, sondern
                    einfach um dich zu grüßen und dir für diese 14 Tage noch alles Gute zu wünschen.
                    Heute in 14 Tagen sollst du schon hier sein. Gelt, du <hi rend="italic">lässest</hi> das
                    mit der Fahrt nach <placeName ref="kbga-places-43">München</placeName>
                    vorher. Du leidest selber genug, um dich jetzt nicht auch noch in diese Not
                    anderer (die Situation muß ja sehr kompliziert sein!) zu stürzen, sondern mußt
                    nun Ruhe haben. Hoffentlich
                    (die Tinte geht mir aus<note xml:id="n03">Von diesem Satz an ist der
                        Brief mit Bleistift geschrieben.</note>) bekommst du hier wirklich Ruhe
                    trotz der vielen Unruhe, die wir alle
                    dann in uns tragen und bewältigen müssen. Wir stecken wirklich in einer
                        <hi rend="italic">großen</hi> Not, das wurde mir bei den Gesprächen hier klarer als
                        je. Und
                    die Not ist so groß, weil es sich um etwas so unerhört Schönes und Großes
                    handelt, das uns nun ein so finsteres Gesicht zukehrt, ohne daß wir (ich kann es
                    nicht) einen Augenblick vergessen können, wie schön und groß es ist. Aber
                    rechtfertigen können wir uns gar nicht, das merke ich, wenn
                    ich mit <persName ref="kbga-actors-316">Rudi</persName>
                    rede,
                    der mir in einer Weise recht gibt, die ich ehrlicherweise unmöglich annehmen
                    kann. Es wird Alles darauf ankommen, daß <persName ref="kbga-actors-26">Nelly</persName> und du in irgend ein klares
                    Verhältnis kommt zueinander. Und gelt, gelt: jetzt und wenn du hier bist keine
                    abrupten intuitiven Entschlüsse! Laß uns <hi rend="italic">miteinander</hi> sorgen und
                    tragen, es ist auch so noch schwer genug.</p>
                <p> Die Reise am Samstag ging nicht über <placeName ref="kbga-places-129">Düsseldorf</placeName>, sondern über <placeName ref="kbga-places-883">Siegen</placeName> – <placeName ref="kbga-places-24">Gießen</placeName>. In <placeName ref="kbga-places-5">Basel</placeName> blieben wir zwei Tage bei meiner <persName ref="kbga-actors-18">Mutter</persName>.
                        <persName ref="kbga-actors-26">Nelly</persName> ist
                    augenblicklich noch in <placeName ref="kbga-places-104">Stäfa</placeName> bei ihrer
                        <persName ref="kbga-actors-5823">Mutter</persName><note xml:id="n04">
                            <persName ref="kbga-actors-5823">Anna Elisabeth HoffmannLocher</persName>, geb.
                            Hugentobler, verw.  (1854–1934), wohnte in <placeName ref="kbga-places-104">Stäfa</placeName> am
                        Zürichsee.</note>. Morgen oder übermorgen kommt sie herüber. Gestern
                    besuchten wir sie auf den Rädern.
                    Die zwei <persName ref="kbga-actors-25">
                            <persName ref="kbga-actors-22">Kleinsten</persName></persName>
                        
                     werden die Zeit dort zubringen, <persName ref="kbga-actors-5802">Fränzeli</persName> ist in <placeName ref="kbga-places-107">Pany</placeName> (Graubünden), die zwei großen <persName ref="kbga-actors-24">
                            <persName ref="kbga-actors-19">Buben</persName></persName>
                        
                     auf dem <placeName ref="kbga-places-449">Beatenberg</placeName>.</p>
                <p>Wenn doch die Zeit schneller umginge bis zum 17., um dann – stillzustehen. Aber
                    eben, das wird sie <hi rend="italic">nicht</hi> tun, auch diesmal nicht. Alle hier sind so
                    lieb mit mir und werden es auch mit dir sein.</p>
                
                <p> <pb xml:id="p070" ed="pga" rend="noPipe"/>Leb wohl, kleine <persName ref="kbga-actors-223">Lollo</persName>, Gott behüte dich und mich und uns alle und lenke Alles
                    zum Besten [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Röm.8.28">Römer 8,28</ref>].</p>
              
                <closer>
                    <salute>Dein</salute> <signed>
                        <persName ref="kbga-actors-2151">Karl</persName>
                    </signed>
                  </closer>
            </div>
        </body>
    </text>
</TEI>
