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        <title type="volume" n="vol-45">Karl Barth – Charlotte von Kirschbaum. Briefwechsel Bd. I 1925–1935</title>
        <title type="formal">Brief Nr. 41</title>
        <title type="content">Karl Barth an Charlotte von Kirschbaum in Krefeld</title>
        <title type="citation_line_1">Karl Barth an Charlotte von Kirschbaum in Krefeld, 8. August 1926</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/45043 (Stand: 2. Oktober 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Karl Barth – Charlotte von Kirschbaum. Briefwechsel Bd. I 1925–1935, hrsg. v. Erler, Rolf-Joachim (Gesamtausgabe, Abt. V), Zürich 2008, S. 72–74.</title>
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        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
        <sponsor>Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW)</sponsor>
        <sponsor>Schweizerischer Nationalfonds (SNF)</sponsor>
        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
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        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
        <date when="2026">2026</date>
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        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
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          <title type="volume">Karl Barth – Charlotte von Kirschbaum. Briefwechsel Bd. I 1925–1935</title>
          <title type="text">Brief Nr. 41: Karl Barth an Charlotte von Kirschbaum in Krefeld</title>
          <author ref="kbga-actors-2151">Barth, Karl</author>
          <editor>Erler, Rolf-Joachim</editor>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
          <date type="publication">2008</date>
          <biblScope unit="page">72-74</biblScope>
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          <persName ref="kbga-actors-223">Kirschbaum, Charlotte von</persName>
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                        Barth an v.K. in <placeName ref="kbga-places-757">Krefeld</placeName>
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                    <salute>Meine Liebe <persName ref="kbga-actors-223">Lollo</persName>!</salute>
                  </opener>
                
                <p> Ich sitze an einem seltsamen Ort, wo wir vielleicht binnen kurzem auch zusammen
                    sitzen werden: in einer richtigen alten Postkutsche ohne Räder, die <persName ref="kbga-actors-316">Rudi</persName> als
                    eine Art Gartenhäuschen in einer entfernten Ecke seines Besitztums (wo früher das Sonnenbad war) hat aufrichten
                    lassen. Ja, nun trittst du morgen deine letzte Arbeitswoche an, und ich kann dir
                    nicht sagen, wie froh ich bin für <hi rend="italic">dich</hi>, daß es so weit ist.
                    Freilich auch für <hi rend="italic">mich</hi>, weil dann die wunderbaren Wochen kommen, wo
                    ich dich alle Tage sehen darf. Das Thema ist hier nun wirklich ausgiebig und
                    vielleicht endgültig besprochen worden, was dir insofern recht sein kann, als
                    bei deiner Ankunft – wenn nicht neue Störungen eintreten – eine verhältnismäßig
                        <hi rend="italic">klare</hi> Lage vorhanden sein wird. Für mich ist das bisherige
                    Ergebnis all der geführten Gespräche merkwürdigerweise das: der Schatten von
                    Schuld und Leid und Verzicht, unter dem du und ich stehen, ist da und wird da sein, aber er ist
                    nicht das Einzige, was da ist, sondern es gibt ein freilich schwer zu
                    umschreibendes gewisses <hi rend="italic">Recht</hi>, das wir aufeinander haben, und
                    dieses Rechtes dürfen und werden wir uns 
                            <hi rend="italic">freuen</hi>. Du sollst
                    also nicht nur mit «Angst» hieher kommen, sondern auch mit Freude.|</p>
                <p>Liebste Lollo, es kann ja nicht einfach Teufelswerk sein, es <hi rend="italic">muß</hi> ja
                    doch irgend einen Sinn und ein Lebensrecht haben, daß wir
                    uns – nein, ich will nur von mir reden: daß ich dich so lieb habe, so gar
                    keine Möglichkeit sehe, das zu lassen. <persName ref="kbga-actors-275">Georg</persName> und <persName ref="kbga-actors-403">Eduard</persName> werden nicht mehr hier sein, wenn du kommst, und – <persName ref="kbga-actors-26">Nelly</persName>
                    wahrscheinlich auch nicht. Ich habe sehr schwere Tage und Stunden mit <persName ref="kbga-actors-26">Nelly</persName> hinter mir,
                    von denen ich dir dann erzählen werde. Wir haben uns aber ehrlich auseinandergesetzt und
                    sind zu einem gewissen Abschluß gekommen: wir setzen unsere Ehe mit allem Ernst
                        fort unter
                    ebenso ernster Anerkennung der Tatsache, daß Lollo <hi rend="italic">auch</hi> da ist und
                    daß ich sie nun einmal lieb habe und haben 
                            <hi rend="italic">werde</hi>. Gelt, du
                    nimmst es <persName ref="kbga-actors-26">Nelly</persName>
                    nicht übel, daß es ihr so furchtbar schwer fällt, sich darein zu finden. Sie hat ja
                    wirklich alles Recht auf ihrer Seite und du nur das
                        «Elementarereig<pb xml:id="p073" ed="pga" break="no"/>nis», das wir nicht leugnen und nicht
                    rückgängig machen können. Ein gewisses <hi rend="italic">Doppel</hi>leben kann ich nun
                    einfach nicht vermeiden. Alles kommt darauf an, daß es nach beiden Seiten gut
                    ist, daß ich dir und <persName ref="kbga-actors-26">Nelly</persName> soviel Leid als möglich erspare, soviel Liebe als möglich
                        gebe. Das möchte ich. Darum suche ich nun ein Zusammensein zu
                        <hi rend="italic">dritt</hi> zu vermeiden und hoffe, es gelinge, Alles so
                    vorzubereiten, daß ich dich ruhigen Gewissens erwarten kann und
                    <hi rend="italic">du</hi> – wirklich, Lollo, es könnte vielleicht sein, daß du diesen
                    Wochen als einem kleinen <hi rend="italic">Fest</hi> entgegensehen darfst. Einsam bist du
                    genug gewesen in deinem Leben, ich möchte dir so gerne nun etwas Anderes zeigen
                    und schenken. Die Kürze der Zeit wird uns den Ernst des Lebens, der uns doch
                    schließlich zusammengeführt hat und zusammenhält, nicht vergessen lassen. Es ist
                    eigentlich <hi rend="italic">
                            <persName ref="kbga-actors-315">Gerty</persName></hi>, die mir die Sache in dieses neue Licht
                    gerückt hat. Jedes Licht kann ein Irrlicht sein. Es liegt an uns, uns nicht
                        <hi rend="italic">letztlich</hi> irre führen zu lassen, wenn wir uns des bißchen
                    Lichtes freuen. Das ist’s, was ich dir heute schreiben wollte.</p>
                <p>Denk, <persName ref="kbga-actors-275">
                            <hi rend="italic">Georgs</hi></persName>
                    eigentliche Gedanken sind mir etwas schleierhaft. Er ist mir gegenüber nicht
                    ganz offen in dem, was er meint und will. Vielleicht darum, weil er doch
                    mehr betrübt ist darüber, dich zu «verlieren», als er zeigen will. Das würde ich
                    ja verstehen, aber irgend etwas an seiner Haltung (auch in Bezug auf die zwei
                        <persName ref="kbga-actors-9474">
                            <persName ref="kbga-actors-9430">Gross</persName></persName><note xml:id="n01">Siehe oben
                            <ref type="pub" target="../volume/45/p068#fn_n01">S. 68, Anm. 1</ref>.</note>?) gefällt mir nicht.
                    Daß mich das Mitwissen deiner Freundin nicht weiter anficht,
                    schrieb ich dir schon. Zu verzeihen habe ich dir nichts. Die Art, wie <persName ref="kbga-actors-275">Georg</persName> mich an jenem Abend alarmierte, kam
                    mir schon am nächsten Morgen ungut vor.</p>
                <p> Sonst ist’s wunderschön auf dem <placeName ref="kbga-places-100">Bergli</placeName>
                    wie nur je. <persName ref="kbga-actors-403">Eduard</persName> ist
                    auch da. Gestern und heute wurde stramm geritten. Am Donnerstag fahren <persName ref="kbga-actors-403">Eduard</persName> und ich mit <persName ref="kbga-actors-316">Rudi</persName> nach <placeName ref="kbga-places-548">Lugano</placeName><note xml:id="n02">In
                            <placeName ref="kbga-places-548">Lugano</placeName> (Kt. Tessin) befand
                        sich eine Filiale der Eisenwarenhandlung <persName ref="kbga-actors-316">R. Pestalozzis</persName> (s.
                        <bibl corresp="kbga-bibls-932">Bw.Th. II, <ref type="pub-" target="4193">S. 453</ref></bibl>).</note>. Aber trotz Allem kommen mir die zehn Tage bis
                    zum 17. noch unendlich lang vor. Liebe Lollo,
                    schreibe mir, wann du in <hi rend="italic">
                            <placeName ref="kbga-places-5">Basel</placeName></hi> ankommst und weiterfährst, wann in <hi rend="italic">
                            <placeName ref="kbga-places-66">Zürich</placeName></hi>, wann du
                        <hi rend="italic">hier</hi> eintriffst. <hi rend="italic">Wer</hi> weiß, <hi rend="italic">wie</hi> weit
                    ich dir entgegenkomme!! (<placeName ref="kbga-places-5">Basel</placeName> ist unwahrscheinlich, <placeName ref="kbga-places-66">Zürich</placeName> wahrscheinlich, wenn
                    ich es <hi rend="italic">irgendwie</hi> einrichten kann.) In den ersten Tagen wird dann
                    <persName ref="kbga-actors-1716">Erica <pb xml:id="p074" ed="pga"/>
                    Küppers</persName> noch hier sein, die
                    von nichts weiß. Nachher sind wir zwei wenigstens für eine Weile die einzigen
                    Gäste. Diese Aussicht ist fast <hi rend="italic">zu</hi> schön, als daß ich bestimmt daran
                    zu glauben wage. Aber manchmal wird’s ja im Leben auch <hi rend="italic">noch</hi>
                    schöner, als man es sich gedacht. Schreibe mir p. adr. <persName ref="kbga-actors-316">Rudolf Pestalozzi</persName>, Münsterhof, <placeName ref="kbga-places-66">Zürich</placeName>. Es ist besser [so]<note xml:id="n03">Wort durch Lochung ausgefallen.</note>, je näher die Sache kommt.
                    Einen herzlichen Gruß sendet und viel, viel Gutes wünscht dir</p>
                
                <closer>
                    <salute>Dein</salute> <signed>
                        <persName ref="kbga-actors-2151">K.</persName>
                    </signed>
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