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        <title type="volume" n="vol-45">Karl Barth – Charlotte von Kirschbaum. Briefwechsel Bd. I 1925–1935</title>
        <title type="formal">Brief Nr. 48</title>
        <title type="content">Karl Barth an Charlotte von Kirschbaum in München</title>
        <title type="citation_line_1">Karl Barth an Charlotte von Kirschbaum in München, 22. März 1929</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/45050 (Stand: 2. Oktober 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Karl Barth – Charlotte von Kirschbaum. Briefwechsel Bd. I 1925–1935, hrsg. v. Erler, Rolf-Joachim (Gesamtausgabe, Abt. V), Zürich 2008, S. 82–84.</title>
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        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
        <sponsor>Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW)</sponsor>
        <sponsor>Schweizerischer Nationalfonds (SNF)</sponsor>
        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
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        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
        <date when="2026">2026</date>
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        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
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          <title type="volume">Karl Barth – Charlotte von Kirschbaum. Briefwechsel Bd. I 1925–1935</title>
          <title type="text">Brief Nr. 48: Karl Barth an Charlotte von Kirschbaum in München</title>
          <author ref="kbga-actors-2151">Barth, Karl</author>
          <editor>Erler, Rolf-Joachim</editor>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
          <date type="publication">2008</date>
          <biblScope unit="page">82-84</biblScope>
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        <bibl xml:id="A" type="source">A (Vorlage der Edition): Karl Barth an Charlotte von Kirschbaum, 22. März 1929. <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/16425">KBA 9272.47</ref>. </bibl>
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          <persName ref="kbga-actors-223">Kirschbaum, Charlotte von</persName>
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                        Barth an v.K. in <placeName ref="kbga-places-43">München</placeName>
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                    <salute>Meine <persName ref="kbga-actors-223">Lollo</persName>!</salute>
                  </opener>
                
                <p>Ich hatte ja bestimmt mit dem Einser gerechnet, aber angesichts
                        <hi rend="italic">dieses</hi> Einsers bin ich einfach <hi rend="italic">sprachlos</hi>.<note xml:id="n01">
                            Das vom Vorsitzenden
                        der Prüfungskommission, Dr. Geiger, gezeichnete Zeugnis der «<orgName ref="kbga-actors-9479">Sozialen
                        Frauenschule München</orgName>» für <persName ref="kbga-actors-223">von Kirschbaum</persName> (<ref type="archival">s. Schulbetrieb 1921/55, Schulamt,
                        Stadtarchiv München, Archiv-Nr. 3521</ref>) enthält die «Gesamtnote 1».</note> Du
                    bist … ja was bist du? Eine, wie ich ja längst wußte, aber wie nun öffentlich
                    und amtlich beglaubigt ist, zehnfach «hervorragende» <persName ref="kbga-actors-223">Lollo</persName>. Nein, nein, das <hi rend="italic">ist</hi> eben
                    wahr, der Graphologe<note xml:id="n02">Nach Erklärung von <persName ref="kbga-actors-5802">Fr. Zellweger-Barth</persName> hatte <persName ref="kbga-actors-316">R. Pestalozzi</persName> 1923
                        u. a. durch den Graphologen <persName ref="kbga-actors-1180">Max Pulver</persName> die Handschriften seiner Freunde Barth, <persName ref="kbga-actors-275">Merz</persName> und <persName ref="kbga-actors-403">Thurneysen</persName> analysieren lassen (vgl.
                        <bibl corresp="kbga-bibls-932">Bw.Th. II, <ref type="pub-" target="../volume/04/p215#fn_n06">S. 215, Anm. 6</ref></bibl>). Möglicherweise ließ er später auch die
                        Handschrift <persName ref="kbga-actors-223">von Kirschbaums</persName> analysieren.</note> hat es ja auch gesagt, und
                    es <hi rend="italic">ist</hi> einfach so, und du darfst nun wirklich nie mehr «sterben»
                        wollen. Wirklich zu
                        <pb xml:id="p083" ed="pga"/> allem Anderen habe ich jetzt auch noch so etwas wie
                    scheuen Respekt vor dir, denn wann hätte ich ein solches Zeugnis mir erworben?
                    Gelt, es ist das beste von der Klasse? und deine «besinnliche Art» ist nun
                    glänzend gerechtfertigt vor der der törichten Schulmädchen! Nein, was
                        <hi rend="italic">bin</hi> ich stolz und froh. Aber wie ein Stein will es mir nun aufs
                    Herz fallen, ob ich eine zur Wohlfahrtspflegerin <hi rend="italic">so</hi> geeignete
                    Persönlichkeit wirklich für meine Arbeit in Anspruch nehmen darf. Ist’s nicht
                    ein Unrecht an <hi rend="italic">dir</hi> und vielleicht doch auch an dieser
                        <hi rend="italic">Sache</hi>, in der du offenbar Größtes leisten würdest? Wir müssen
                    es nun von dieser Seite noch einmal <hi rend="italic">allen Ernstes</hi> überlegen, weil
                    ich mich einfach allen Ernstes <hi rend="italic">gefragt</hi> fühle, ob ich mit meinem
                    Ansinnen nicht im Begriff stehe, in ganz unmöglicher Weise in dein Leben
                    einzugreifen. Gelt, ich kann das Zeugnis noch etwas behalten, um es heute abend
                    feierlich den Kindern vorzulesen
                    und auch um mich selbst weiter an dieser Säule von «hervorragend» zu erbauen.
                    Wenn du es nicht vorher brauchst, bringe ich es aufs <placeName ref="kbga-places-100">Bergli</placeName> mit, denn das müssen <persName ref="kbga-actors-316">Rudi</persName> und <persName ref="kbga-actors-315">Gerty</persName>
                    <hi rend="italic">auch</hi> sehen und <persName ref="kbga-actors-403">Eduard</persName> und alle, alle!! Und du würdest es doch nicht mitbringen, so
                    wie ich dich kenne. Du liebe kluge, fleißige, nein, nein: irgendwie geniale
                        <persName ref="kbga-actors-223">Lollo</persName>, wäre ich doch
                    dort oder du hier, damit wir dieses Ereignis zusammen feiern könnten. Gelt, du
                    wirst nun so bald nicht wieder griesgrämig sein … sonst muß ich wahrlich
                    annehmen, daß <hi rend="italic">ich</hi> die Ursache bin und mich aus deinem Leben
                    entfernen sollte, damit du wieder froh werden könntest. Liebste <persName ref="kbga-actors-223">Lollo</persName>,
                        <hi rend="italic">so</hi> ein glänzendes Zeugnis! Und unter so schwierigen Bedingungen
                    erworben: <hi rend="italic">diese</hi> zwei Jahre<note xml:id="n03">Der
                        Eintritt <persName ref="kbga-actors-223">von Kirschbaums</persName> in die «<orgName ref="kbga-actors-9479">Soziale Frauenschule München</orgName>» erfolgte am
                        <date when="1927-04-28">28.4.1927</date>, der Austritt am <date when="1929-03-21">21.3.1929</date> (<ref type="archival">s. Jahresberichte 1927/28, S. 21,
                        und 1928/29, S. 9, in: Schulamt, Stadtarchiv München,
                        Archiv-Nr. 3515</ref>).</note> und <hi rend="italic">diese</hi> letzten vier Wochen. Nein,
                    ich bin einfach ganz benommen!! Kannst du mich wirklich noch lieb haben von
                    einer solchen Höhe herunter? Weißt du, daß ich mir auf einmal ganz blöd und faul
                    vorkomme neben dir?</p>
                <p>Rasch noch einen seltsamen 
                            <hi rend="italic">Traum</hi>, den ich jüngst träumte: Wir, du und ich,
                    seien auf einmal zwei <hi rend="italic">Hasen</hi> gewesen und ich hätte einen Wettlauf
                    zwischen uns vorgeschlagen. Wir seien davongerannt über weite Felder und Hügel,
                    wie es eben Hasen tun. Ich sei bald im Vorsprung gewesen und sei in unbändiger
                    Lust gerannt und gerannt (ich <pb xml:id="p084" ed="pga"/> hörte deutlich das
                    regelmäßige Aufschlagen meiner vier Füße!!), endlich habe ich auf einer Höhe
                    halt gemacht und sei mit einem Gefühl von 1. Sehnsucht, 2. Sorge, 3. irgendwie
                    Reue gewahr geworden, daß du mir nicht gefolgt und auch auf den sichtbar hinter
                    mir liegenden Wegen noch nirgends sichtbar gewesen seist. – Was mag
                        <hi rend="italic">das</hi> bedeuten? Da du auch in Psychologie «hervorragend» bist, <hi rend="italic">mußt</hi>
                    du es doch wissen. Du liebe Häsin! (Du warst auch im Traum deutlich eine
                        Hä<hi rend="italic">sin</hi>!)</p>
                <p>Genug für heute. Ich habe <hi rend="italic">so</hi> Freude! Und ich habe dich
                        <hi rend="italic">so</hi>
                    lieb!</p>
                <closer>
                    <salute>Dein</salute> <signed>
                        <persName ref="kbga-actors-2151">K.</persName>
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