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        <title type="volume" n="vol-45">Karl Barth – Charlotte von Kirschbaum. Briefwechsel Bd. I 1925–1935</title>
        <title type="formal">Brief Nr. 74</title>
        <title type="content">Karl Barth an Charlotte von Kirschbaum in München</title>
        <title type="citation_line_1">Karl Barth an Charlotte von Kirschbaum in München, 9. September 1930</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/45076 (Stand: 2. Oktober 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Karl Barth – Charlotte von Kirschbaum. Briefwechsel Bd. I 1925–1935, hrsg. v. Erler, Rolf-Joachim (Gesamtausgabe, Abt. V), Zürich 2008, S. 151–153.</title>
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        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
        <sponsor>Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW)</sponsor>
        <sponsor>Schweizerischer Nationalfonds (SNF)</sponsor>
        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
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        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
        <date when="2026">2026</date>
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        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
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          <title type="volume">Karl Barth – Charlotte von Kirschbaum. Briefwechsel Bd. I 1925–1935</title>
          <title type="text">Brief Nr. 74: Karl Barth an Charlotte von Kirschbaum in München</title>
          <author ref="kbga-actors-2151">Barth, Karl</author>
          <editor>Erler, Rolf-Joachim</editor>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
          <date type="publication">2008</date>
          <biblScope unit="page">151-153</biblScope>
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        <bibl xml:id="A" type="source">A (Vorlage der Edition): Barth, Karl, Karl Barth an Charlotte von Kirschbaum, 9. September 1930. <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/18083">KBA 9272.73</ref>. </bibl>
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          <persName ref="kbga-actors-223">Kirschbaum, Charlotte von</persName>
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                        Barth an v.K. in München
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                    <salute>Liebe <persName ref="kbga-actors-223">Lollo</persName>!</salute>
                  </opener>
                
                <p> Ach du, viel Ruhe wird in diesen Zeitläuften von mir her nicht zu dir kommen,
                    und gelt, du begreifst das auch und glaubst mir, daß ich es ja gerne anders
                    haben möchte. Aber dein zweiter Brief soll doch gleich ein Echo haben. Es war so
                    lieb von dir, mir sofort wieder zu schreiben. Weißt du, ich denke ja an alles
                    Andere wahrhaftig auch und vergesse nicht, wie schön Alles war und wie wir im
                    Grunde Anlaß haben, uns zu freuen und dankbar zu sein. Im Grunde ist ja auch das
                    ein Symptom von etwas sehr Schönem, daß du sicher der einzige Mensch bist, der
                    in der Lage ist, mir ernstliche Depressionen zu bereiten, nur daß ich eben auch dann wirklich keine
                    deprimierten Tönlein von mir geben sollte. Also die fünf Minuten sind nun erledigt,
                    und ich will es so bald nicht wieder tun.</p>
                <p> Denk, gestern abend wurde ich samt <persName ref="kbga-actors-27">Peter</persName>, der einen Tag hier ist, durch ein dreifaches Telephon
                    dringendst in das <orgName ref="kbga-actors-9546">Diakonissenhaus</orgName> zu den Ökumenischen<note xml:id="n01">Der «Ausspracheabend»
                        fand im Evangelischen <orgName ref="kbga-actors-9546">Diakonissenhaus "Salem"</orgName> statt.</note> berufen, wo …
                        <persName ref="kbga-actors-1461">Bauhofer</persName> ein sehr
                    schwaches Vorträglein über das Problem des Naturrechtes hielt<note xml:id="n02">Zu
                        <persName ref="kbga-actors-1461">Oskar Bauhofers</persName>
                        einleitendem Vortrag «Das theologische Problem des Naturrechts» sowie zu
                        <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> <ref type="pub" target="49005">kritischer Erwiderung</ref> s. <bibl corresp="kbga-bibls-3196">ThBl, Jg. 10 (1931), Sp. 23f.</bibl> <persName ref="kbga-actors-1461">Bauhofer</persName> (1897–1976) war
                        nach dem Theologie- und Philosophiestudium in Zürich und Berlin seit 1925
                        Mitarbeiter <persName ref="kbga-actors-636">Adolf Kellers</persName>
                        an der Genfer «<orgName ref="kbga-actors-8643">Zentralstelle für kirchliche Hilfsaktionen</orgName>». Seine Konversion
                        zum Katholizismus (1932) kündigte sich in seiner Schrift <bibl corresp="kbga-bibls-3197">
                                <hi rend="italic">Das
                            Metareligiöse. Eine kritische Religionsphilosophie</hi>, Leipzig 1930</bibl>,
                        wie auch in seinem Vortrag zum Naturrecht an.</note>. Wir haben dann <pb xml:id="p152" ed="pga"/>
                    neben Russen, Franzosen und anderem Volk bei der Diskussion mitgewirkt, mein Eindruck von der
                    ganzen Sache war aber nochmals der eines ganz unglaubwürdigen und unnötigen
                    Unternehmens, das von <persName ref="kbga-actors-367">K. L. Schmidt</persName> und seinesgleichen in allen Ländern zu einer Bedeutung
                    aufgeblasen wird, die<note xml:id="n03">
                            <ref corresp="A">Tskr.</ref>: «das»; Korrektur vom
                        Hrsg.</note> ihm wirklich nicht zukommt. Wenn sie nun nur für die noch übrigen Tage die
                    Telephonstrippe in Ruhe lassen, soweit sie hier herauf führt, oder mir<note xml:id="n04">= mich.</note> nur so rufen, daß ich die
                    Möglichkeit habe, Nein zu sagen. Die Lage des Protestantismus macht mir die ganzen Tage viel
                    zu schaffen. Es wird einmal öffentlich in größerem Zusammenhang ausgesprochen
                    werden müssen, daß wir mit verbundenen Augen auf einen Abgrund zu laufen. Im
                    Gedanken an das alles und auch an die auf dem <placeName ref="kbga-places-100">Bergli</placeName> besprochenen Dinge habe ich, wie
                    du siehst, den Hamburger
                    Vortrag<note xml:id="n05">Siehe <bibl corresp="kbga-bibls-1151"><persName ref="kbga-actors-2151">K. Barth</persName>,
                            <hi rend="italic"><ref type="pub" target="49008">Die Not der evangelischen Kirche</ref></hi>, in: ZZ, Jg. 9 (1931),
                        S. 89-122</bibl>; wieder abgedruckt in: <bibl corresp="kbga-bibls-1152">
                                <hi rend="italic"><persName ref="kbga-actors-2151">Karl Barth</persName>. "Der Götze wackelt".
                            Zeitkritische Aufsätze, Reden und Briefe von 1930-1960</hi>, hrsg. von
                        K. Kupisch, Berlin 1961, S. 33-62</bibl>. <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> hielt diesen Vortrag am <date when="1931-01-31">31.1.1931</date>
                        in <placeName ref="kbga-places-8">Berlin</placeName>, am <date when="1931-02-13">13.2.</date> in <placeName ref="kbga-places-177">Bremen</placeName> und am <date when="1931-02-14">14.2.</date> in <placeName ref="kbga-places-90">Hamburg</placeName>.</note> angenommen. Ich
                    lege dir einige erledigte Korrespondenzen bei, schon damit du siehst, daß
                    unterdessen wenigstens einiges geht auf diesem Gebiet. Heute nachmittag waren <persName ref="kbga-actors-669">Kari</persName> und <persName ref="kbga-actors-668">Trudi</persName> hier
                    zu einem Dauerkaffee und -tee. <persName ref="kbga-actors-27">Peter</persName> kommt nächste Woche wieder. Über «uns» habe ich noch nicht mit
                    ihm geredet; es ist ja vielleicht auch nicht nötig.</p>
                <p> Den Unwillen, mit dem ich deinen Bericht über euer Wahlgespräch<note xml:id="n06">Siehe unten <ref type="pub" target="../volume/45/p157#fn_n01">S. 157,
                        Anm. 1</ref>.</note> gelesen habe, brauche ich dir nicht zu schildern, und es ist
                    ja klar, daß es da doch nichts nützt, unwillig zu werden. Aber daß du dich auf
                    die Stunden beim Zahnarzt nun geradezu freust, zeigt mir mit schmerzlicher
                    Deutlichkeit, wie wenig freundliche Tage dir dort bereitet werden. Wärest du
                    doch hier bei uns, wo nun wirklich alle lieb mit einander umgehen und wo du so
                    ohne Weiteres gut hineinpassen würdest. Ganz abgesehen davon, wie ganz anders
                    erquickend dann Alles für mich noch wäre. Es ist doch ein ganz unnatürlicher
                    Zustand, daß wir <pb xml:id="p153" ed="pga"/> nun so in zwei verschiedenen Ländern
                    uns befinden. Ich will für heute schließen, es sollte auch nur ein kleiner Gruß
                    sein. Grüße <persName ref="kbga-actors-275">Georgs</persName> und <persName ref="kbga-actors-662">Lempps</persName>, wenn du dahin gehst, und
                    vor Allem auch <persName ref="kbga-actors-7188">Hertha</persName>. – – – – – <persName ref="kbga-actors-223">Lollo</persName>, was jetzt in Gedanken von mir zu
                        <hi rend="italic">dir</hi> läuft, weißt du schon. Und so genügt das Wörtlein</p>

                <closer>
                    <salute>
                        <hi rend="italic">Dein</hi>
                    </salute> <signed>
                        <persName ref="kbga-actors-2151">Karl</persName>
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