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        <title type="volume" n="vol-45">Karl Barth – Charlotte von Kirschbaum. Briefwechsel Bd. I 1925–1935</title>
        <title type="formal">Brief Nr. 79</title>
        <title type="content">Karl Barth an Charlotte von Kirschbaum in Bonn</title>
        <title type="citation_line_1">Karl Barth an Charlotte von Kirschbaum in Bonn, 26. März 1931</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/45081 (Stand: 2. Oktober 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Karl Barth – Charlotte von Kirschbaum. Briefwechsel Bd. I 1925–1935, hrsg. v. Erler, Rolf-Joachim (Gesamtausgabe, Abt. V), Zürich 2008, S. .</title>
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        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
        <sponsor>Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW)</sponsor>
        <sponsor>Schweizerischer Nationalfonds (SNF)</sponsor>
        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
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      <publicationStmt>
        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
        <date when="2026">2026</date>
        <availability>
          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons BY-SA 4.0</licence>
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        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
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          <title type="volume">Karl Barth – Charlotte von Kirschbaum. Briefwechsel Bd. I 1925–1935</title>
          <title type="text">Brief Nr. 79: Karl Barth an Charlotte von Kirschbaum in Bonn</title>
          <author ref="kbga-actors-2151">Barth, Karl</author>
          <editor>Erler, Rolf-Joachim</editor>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
          <date type="publication">2008</date>
          <!--position within a volume-->
          <biblScope unit="part">45081</biblScope>
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        <bibl xml:id="A" type="source">A (Vorlage der Edition): Karl Barth an Charlotte von Kirschbaum, 26. März 1931. <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/18822">KBA 9272.78</ref>. </bibl>
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          <persName ref="kbga-actors-223">Kirschbaum, Charlotte von</persName>
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                        Barth an v.K. in Bonn
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                        <placeName ref="kbga-places-9">Bern</placeName>, <date when="1931-03-26">26.3.1931</date>
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                    <salute>Du liebe <persName ref="kbga-actors-223">Lollo</persName>!</salute>
                  </opener>
                
                <p>Ich komme eben vom Telephon, aus dem mir deine Stimme so beunruhigend traurig
                    entgegenklang. Wie <hi rend="italic">leid</hi> ist es mir, daß du dir nun solche Sorge um
                    mich gemacht hast. Aber ich
                    kann wirklich nichts dafür. Die Karte meiner <persName ref="kbga-actors-18">Mutter</persName> hatte ich ja nicht
                    gelesen. Erst heute morgen erfuhr ich dann aus dem Brief <persName ref="kbga-actors-26">Nellys</persName>, welchen Eindruck sie dir
                    gemacht hat. Ich meldete dann in einem vor ein paar Stunden abgegangenen Brief
                    an <persName ref="kbga-actors-24">Markus</persName>, daß es mir gut
                    gehe, und wollte <hi rend="italic">dir</hi> abmachungsgemäß auf den <hi rend="italic">Sonntag</hi>
                    schreiben. Und nun hast du die ganze Zeit «gewartet und gewartet»! Aber gelt, du
                    bist nun wieder ruhig? Du darfst es wirklich sein. Was meine Mutter
                    vermutlich gemeldet hat, war die Nachwirkung der Reise, aus der ich selbst kein
                    großes Aufheben machen wollte: die erste Nacht war nicht eben gut, und den
                    ersten Tag über war ich etwas müde. Dr. <persName ref="kbga-actors-9197">Lindt</persName><note xml:id="n01">
                            <persName ref="kbga-actors-9197">Wilhelm
                            Lindt</persName> (1892–1985),
                        Bruder von <persName ref="kbga-actors-669">Karl Lindt</persName>, Hausarzt der <persName ref="kbga-actors-18">Mutter</persName> <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> in
                        Bern.</note> hat mich dann untersucht und Alles in bester Ordnung
                        befunden.<note xml:id="n02">Seit etwa Januar litt <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> an einer
                            Ohrendiphterie, die
                        ihn für einige Wochen arbeitsunfähig machte und von der er sich bei seiner
                        <persName ref="kbga-actors-18">Mutter</persName> in Bern erholte (<bibl corresp="kbga-bibls-134">Busch, S. 221f.</bibl>).</note> Wenn ich meiner Mutter gehorchen wollte,
                    müßte ich dich jetzt sogar ein bißchen schelten. Sie sagt, ich soll dir sagen,
                    du sollest «nicht so aufgeregt» sein. «Das isch nüt!»<note xml:id="n03">= Das ist nichts!</note> Aber eben, das versteht sie nun nicht
                    richtig, und überdies hat sie ja damals auch sofort telegraphiert, als ich krank
                        wurde: das muß und
                    werde ich ihr noch vorhalten. Nun sei du jetzt wieder getrost und freudig: es
                    sieht vorderhand Alles danach aus, als sollte ich dir erhalten bleiben.</p>
                <p> Große Sprünge kann ich freilich noch nicht tun, weder auf den «Gänglein», zu denen mich <persName ref="kbga-actors-18">Mama</persName>
                    regelmäßig abholt, noch bei der Arbeit. Aber ich <hi rend="italic">bin</hi> an der Arbeit.
                    Denk, die schon getippten sechs Blätter<note xml:id="n04">Vorläufige
                        Typoskriptblätter zu <bibl corresp="kbga-bibls-2">KD I/1</bibl>.</note>
                    müssen dahinfallen, weil ich nochmals von vorne anfangen <pb xml:id="p168" ed="pga"/>
                    mußte. Der Anfang gefiel mir bei näherer Betrachtung nicht mehr. Auch das Tippen
                    an jenem Abend geschah ja nicht unter der allergünstigsten Bestrahlung.
                    Vielleicht schicke ich dir dann den § 1 gleich zu zur Vertippung und damit du
                    siehst, wie es nun wird. Ich habe Frau Pfr. <persName ref="kbga-actors-1105">Kutter</persName> einen Brief direkt
                        geschrieben<note xml:id="n05">Kondolenzbrief <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> an <persName ref="kbga-actors-1105">Lydia
                            Kutter-Rohner</persName>, die Witwe <persName ref="kbga-actors-240">Hermann Kutters</persName> (1863–1931), der am 22.3.1931 in
                            St. Gallen verstorben war (<ref type="kba-objects-id" target="18821">KBA 9231.121</ref>). <persName ref="kbga-actors-403">E. Thurneysen</persName> hatte <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> in dessen
                            Safenwiler Pfarrzeit
                        persönlich mit <persName ref="kbga-actors-240">Kutter</persName>
                        bekannt gemacht, worauf es zu Besuchen und Gegenbesuchen sowie «zu vielen,
                        ausgiebigen, ja tagelangen Gesprächen» kam (<bibl corresp="kbga-bibls-134">Busch, S. 88</bibl>).</note> und die zwei
                        Entwürfe<note xml:id="n06">Konzepte für Briefe <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> an
                            Missionsdirektor <persName ref="kbga-actors-2437">S. Knak</persName> 
                            (<ref type="kba-objects-id" target="18828">KBA 9231.123</ref>) und <persName ref="kbga-actors-364">Fr. W. Schmidt</persName> (<ref type="kba-objects-id" target="18830">KBA 9231.125</ref>), dem <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> für die Zusendung der
                            in <ref type="pub" target="../volume/45/p168#fn_n08">Anm. 8</ref> genannten Aufsätze dankte.</note>, die <persName ref="kbga-actors-24">Markus</persName> dir überreichen wird zum Durchlauf
                    durch das Maschinlein, weil ich die Durchschläge haben möchte und meine
                    [hand]geschriebenen Briefe den Empfängern (außer dir!) doch zuviel Qual
                        bereiten<note xml:id="n07">Häufig fungierte <persName ref="kbga-actors-223">von Kirschbaum</persName>
                        bezüglich der schwer leserlichen Briefe <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> geradezu als «Übersetzerin».
                        Selbst Barths Kinder hatten
                        oft Mühe beim Lesen von handgeschriebenen Briefen ihres Vaters.</note>. Die
                    Vorträge von <persName ref="kbga-actors-364">F. W. Schmidt</persName><note xml:id="n08">Siehe <bibl corresp="kbga-bibls-2586">
                                <persName ref="kbga-actors-364">Fr. W. Schmidt</persName>,
                            <hi rend="italic">Das Dogma und die Kirche des Glaubens</hi>, Gütersloh 1931</bibl>;
                        ders., <bibl corresp="kbga-bibls-2587">
                                <hi rend="italic">Der Primat des Wortes in der Evangelischen Kirche</hi>,
                        Gütersloh 1931</bibl>; ders., <bibl corresp="kbga-bibls-1418">
                                <hi rend="italic">Die theologische Begründung der Ethik</hi>,
                        Gütersloh 1931</bibl>.</note> sind schwache Erzeugnisse.</p>
                <p> Gestern nachmittag war ich bei Lindts. <persName ref="kbga-actors-669">Kari</persName> war selbst krank und darf noch nicht
                    ausgehen. Sonst habe ich noch niemand gesehen, bleibe auch gern im Häuschen. Es
                    ist wohl frischer hier als in <placeName ref="kbga-places-10">Bonn</placeName>. Als
                    ich kam, war Föhn (vermutlich hat mir
                    auch dieser berühmte Wind am Anfang so zugesetzt), jetzt Bise, aber ich fühle mich munter und wohl und werde
                    treulichst gepflegt.
                    Das Halma nimmt auch hier eine
                    bedeutsame Rolle im Tageslauf ein.</p>
                <p>Über deine guten Nachrichten war ich so froh. Hab Dank für das Brieflein und auch
                    für die verschiedenen Zusendungen, nicht zuletzt für das Mistol<note xml:id="n09">Medikament gegen Schnupfen.</note>, dessen Geruch
                    mich nun an so manchen freundlichen Abendaugenblick erinnern wird. Auch von
                        <persName ref="kbga-actors-26">Nelly</persName> kam
                    heute ein guter, ruhiger Brief, der mir zu bestätigen scheint, daß ihr bis jetzt
                    von den Engeln des Friedens und der Geduld begleitet wart. Weißt du eigentlich,
                    daß du mich am Telephon fast nur geschimpft hast, statt mir etwas Tröstliches
                    und Mildes zuzurufen, wie ich es so gerne von <pb xml:id="p169" ed="pga"/> dir höre?
                    Aber in deinem Brief hast du ja wirklich so geredet, wie ich es gerne höre und
                    wie ein Kind des Friedens [<ref type="can" subtype="bible" target="Lk.10.6">Lk 10,6</ref>] reden muß. Und das bist du ja eigentlich
                    und im Grunde: «von Natur ein sanftes Mädchen»<note xml:id="n10">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-2588">
                                <persName ref="kbga-actors-764">Fr.
                        von Schiller</persName>, <hi rend="italic">Don Carlos. Infant von Spanien. Ein dramatisches
                            Gedicht</hi>, IV. Akt, 15. Auftritt</bibl>: 
                        <q rend="block">
                                <lg>
                                    <l>Carlos:</l>
                            <l>Ich bin gekommen,</l>
                            <l>Weil du ein sanftes Mädchen bist, weil ich</l>
                            <l>Auf deine gute, schöne Seele baue.</l>
                        </lg>
                            </q>
                    </note>, wie du mir selber versichert hast, nur manchmal… Aber eben:
                    ich habe ja auch manchmal einen «Lotz»!<note xml:id="n11">D. h.: einen richtigen Zorn,
                        benannt nach <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> Urgroßvater <persName ref="kbga-actors-7199">Peter Friedrich Lotz</persName> (1787–1841), Seidenfärber und
                        Träger verschiedener öffentlicher Ämter. Dazu erklärt Barth: «Es gab […]
                        eine besondere Art des Zornes, bei dessen Ausbruch der Mensch stechend grüne
                        Augen bekommt und dann gewiß nicht immer in den Grenzen dessen bleibt, was
                        vor Gott recht ist und was ihn bei den Mitmenschen beliebt zu machen
                        geeignet ist. Er wurde unter dem Namen ‹Lotzenzorn› fast sprichwörtlich bekannt. […]
                        Und ich selbst habe ihm sicher nicht nur, als ich das berüchtigte ‹<ref type="pub" target="52023">Nein!</ref>› gegen <persName ref="kbga-actors-63">Emil Brunner</persName> in die Welt schleuderte, sondern auch bei anderen
                        Anlässen (leider bis in mein hohes Alter hinein) gelegentlich Raum gegeben. […] Beschönigend darf ich hinzufügen, daß der ‹Lotzenzorn›, nachdem er wieder
                        einmal ausgebrochen ist, ziemlich rasch wieder zu verfliegen und humaneren
                        Regungen und Verhaltensweisen Raum zu geben pflegt.» (Manuskript zu einer
                        Autobiographie [1966. Fragment – <ref type="kba-objects-id" target="892">KBA 11303</ref>], S. 6f.)</note>
                    </p>
                <p> So, nun wird es noch einen Streit geben über die Frage, ob ich den Brief im
                    Omnibus auf den Bahnhof bringen darf. <persName ref="kbga-actors-18">Mama</persName> will es durchaus
                    übernehmen. Aber weil sie so von unnötiger Aufregung spricht und weil es für sie
                    überhaupt mühsamer ist als für mich, werde ich das Äußerste tun, selber gehen zu
                    dürfen. Ach, wie ist es mir beschieden, so zwischen besorgten Frauen meinen schmalen
                    Weg zu gehen.</p>
                <p>Die Beilagen hatte ich eben für dich herausgeschnitten, als das Telephon kam. Du
                    siehst, wie harmlos ich dran war.</p>
                <p> Grüße <persName ref="kbga-actors-26">Nelly</persName> und
                    sag ihr meinen Dank für ihren Brief. Ich hätte ihr am liebsten auch noch gleich
                    geschrieben, aber es ist jetzt keine Zeit mehr. Es geschieht dann morgen.</p>
                <p>
                        <hi rend="italic">Wirst</hi> du nun wieder getrost sein und nicht mehr verzweifelt?
                    Bedenke, daß sonst bei mir auch alles aus den Fugen geht!</p>
                <p>Das Selbstverständliche sei diesmal nur in Punkten angedeutet: …</p>

                <closer>
                    <salute>Dein</salute> <signed>
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