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        <title type="volume" n="vol-45">Karl Barth – Charlotte von Kirschbaum. Briefwechsel Bd. I 1925–1935</title>
        <title type="formal">Brief Nr. 85</title>
        <title type="content">Karl Barth an Charlotte von Kirschbaum auf dem Bergli</title>
        <title type="citation_line_1">Karl Barth an Charlotte von Kirschbaum auf dem Bergli, 11. September 1931</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/45087 (Stand: 2. Oktober 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Karl Barth – Charlotte von Kirschbaum. Briefwechsel Bd. I 1925–1935, hrsg. v. Erler, Rolf-Joachim (Gesamtausgabe, Abt. V), Zürich 2008, S. .</title>
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        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
        <sponsor>Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW)</sponsor>
        <sponsor>Schweizerischer Nationalfonds (SNF)</sponsor>
        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
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        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
        <date when="2026">2026</date>
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        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
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          <title type="volume">Karl Barth – Charlotte von Kirschbaum. Briefwechsel Bd. I 1925–1935</title>
          <title type="text">Brief Nr. 85: Karl Barth an Charlotte von Kirschbaum auf dem Bergli</title>
          <author ref="kbga-actors-2151">Barth, Karl</author>
          <editor>Erler, Rolf-Joachim</editor>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
          <date type="publication">2008</date>
          <!--position within a volume-->
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        <bibl xml:id="A" type="source">A (Vorlage der Edition): Karl Barth an Charlotte von Kirschbaum, 11. September 1931. <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/19305">KBA 9272.84</ref>. </bibl>
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                        Barth an v.K. auf dem Bergli
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                        <placeName ref="kbga-places-9">Bern</placeName>, <date when="1931-09-11">11.9.1931</date>
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                    <salute>Du liebe <persName ref="kbga-actors-223">Lollo</persName>!</salute>
                  </opener>
                
                <p>Es geht natürlich unmöglich an, daß du etwa auf den Sonntag ohne Nachrichten von
                    mir bist, und darum will ich mich in später Abendstunde – angemessener Weise das
                    rote Band benützend – noch einmal ans Maschinlein, das bekannte, treue setzen,
                    nachdem ich es heute, wie du aus den Beilagen siehst, schon rüstig benützt habe.
                    Ja gelt, nun ist es eben wieder so …, so daß einem unablässig gerade das
                    Entscheidende fehlt. Das will nun offenbar ausgehalten sein. Wie mag es dir
                    gehen dabei? Es ist so merkwürdig, dich in der unbekannten Ferne zu wissen und
                    sich nur deines Überhauptdaseins trösten zu können ohne alle Konkretion. Geht es
                    dir auch so? Wie freue ich mich auf das erste Lebenszeichen von dir!</p>
                <p>Meine Reise<note xml:id="n01">Am <date when="1931-09-10">10.9.1931</date> verließ <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> das
                        <placeName ref="kbga-places-100">Bergli</placeName>, nachdem er sich dort seit dem <date when="1931-08-01">1.8.</date> mit <persName ref="kbga-actors-223">von Kirschbaum</persName> aufgehalten
                    hatte.</note> ging gut von statten. Am Bahnhof in <placeName ref="kbga-places-9">Bern</placeName> erwarteten mich <persName ref="kbga-actors-18">Mama</persName> und <persName ref="kbga-actors-23">Heiner</persName>. Wir brachten
                    mein Gepäck in einem Auto rasch an seinen Ort, und dann ging es gleich an die
                    Schwarztorstraße, wo <persName ref="kbga-actors-668">Trudi</persName> selber erst quasi
                    zum Besuch eingetroffen war. Sie ist nämlich, was mir bis jetzt nicht klar war,
                    den ganzen Sommer auf dem <placeName ref="kbga-places-449">Beatenberg</placeName><note xml:id="n02">Im als Feriendomizil
                        genutzten Chalet «<placeName ref="kbga-places-1322">Schmockli</placeName>» des Ehepaares <persName ref="kbga-actors-669">Karl</persName> und <persName ref="kbga-actors-668">Gertrud Lindt</persName> auf dem
                        <placeName ref="kbga-places-449">Beatenberg</placeName> am Thunersee (Kt. Bern).</note> mit allen (von der Schule
                    beurlaubten) Kindern und kam nun nur für ein paar Tage herunter, um mich zu
                    sehen. Am Abend trafen dann noch <persName ref="kbga-actors-757">Schädelin</persName> und Pfr. <persName ref="kbga-actors-715">Oettli</persName><note xml:id="n03">
                            <persName ref="kbga-actors-715">Samuel Oettli</persName> (1877–1964), 1913-1946 Pfarrer am
                        Münster in Bern.</note> mit ihren Frauen ein, und so umfing mich sehr bald
                    und gründlich die ganz andere Berner Welt. Heute habe ich nun nichts Anderes
                    getan, als die beiliegenden Briefe geschrieben, denen du noch allerlei
                    entnehmen kannst, was ich jetzt nicht wiederholen will, z. B. die Aufklärung des
                    Rätsels von <persName ref="kbga-actors-135">Goeters</persName><note xml:id="n04">Es handelt sich dabei um die
                        von <persName ref="kbga-actors-135">Goeters</persName> zu
                        spät an <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> gesandten neun Prüfungsarbeiten, die nach den entsprechenden
                        «Laufzeddeln» bereits am <date when="1931-08-15">15.</date> bzw. am <date when="1931-08-12">12.8.1931</date> in Barths Händen hätten
                        sein sollen (s. Barths Brief an Konsistorialrat <persName ref="kbga-actors-9205">Greeven</persName> vom <date when="1931-09-11">11.9.1931</date> 
                        [<ref type="kba-objects-id" target="19302">KBA 9231.253</ref>]).</note>. <pb xml:id="p184" ed="pga"/> Ich mag mich wegen seiner
                    Schlamperei nun wirklich nicht hetzen lassen, sondern werde mich an die Arbeiten
                    machen, wenn es mir paßt. Gelt,
                    einige von diesen Briefen wären unter deiner Leitung entweder gar nicht
                    geschrieben worden, oder sie hätten mir ein ernstes: «Du Schwetzerle!»
                    eingetragen. Aber es durfte nun sicher auch einmal sein, inklusive des Briefes
                    an <persName ref="kbga-actors-367">Schmidt</persName><note xml:id="n05">Brief an <persName ref="kbga-actors-367">K. L. Schmidt</persName> vom <date when="1931-09-11">11.9.1931</date>
                       (<ref type="kba-objects-id" target="19304">KBA 9231.251</ref>) mit einer Klage über «diese verwünschte ‹Fakultätsarbeit› mit
                        ihrem Ratsch, Klatsch und Tratsch. Aber ich meine Ihre Belehrung schon zu
                        hören».</note>, von dem also in den ersten 24 Stunden schon zwei Briefe hier
                    eingetroffen sind<note xml:id="n06">Briefe von <persName ref="kbga-actors-367">K. L. Schmidt</persName> vom <date when="1931-09-09">9.</date>
                        und <date when="1931-09-10">10.9.1931</date> (<ref type="kba-objects-id" target="19294">KBA 9331.476</ref>
                        und <ref type="kba-objects-id" target="19298">KBA 9331.478</ref>).</note>, denen gewiß weitere folgen
                    werden.</p>
                <p> Meine Mutter war den ganzen Sommer sehr in Anspruch genommen, und daraus
                    ist ihre Haltung wenigstens zum Teil zu erklären. Gerade in der letzten Zeit
                    haben sich offenbar die Gäste fast in berglimäßiger Weise bei ihr abgelöst. Ob sie noch irgend etwas
                    Besonderes gegen «uns» hat, wird sich zeigen. Sie betrachtete die Photographien von der Reise<note xml:id="n07">Vom <date from="1931-08-20" to="1931-08-23">20.-23.8.</date> waren <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> und <persName ref="kbga-actors-223">von Kirschbaum</persName>
                        gemeinsam mit dem Ehepaar <persName ref="kbga-actors-316">Pestalozzi</persName> in <placeName ref="kbga-places-1150">Aosta</placeName>
                        und <placeName ref="kbga-places-103">Mailand</placeName> (Album mit 51 Photographien: <ref type="kba-objects-id" target="88947">KBA 17600</ref>).</note> mit einer
                    gewissen Bedenklichkeit, die nicht als ausgeschlossen erscheinen läßt, daß nach
                        <persName ref="kbga-actors-23">Heiners</persName>
                    Abreise (morgen Samstag) die eine oder andere Anfrage erfolgen wird. Aber zum
                    Töten wird es auf keinen Fall gehen. Und ganz lieb ist wie immer <persName ref="kbga-actors-668">Trudi</persName>. Sie
                    fragte gleich, ob du nicht auch kommest, und wollte dich nun auf den <placeName ref="kbga-places-449">Beatenberg</placeName> zu sich einladen. Ich
                    nehme an, daß es in deinem Sinn war, wenn ich, natürlich sehr freundlich,
                    abgewinkt habe. Aber sie denkt sehr im Guten an uns und hat sich deine Bilder lange und lieb
                    angesehen … so wie man deine Bilder ansehen <hi rend="italic">muß:</hi> ich weiß ganz
                    bestimmt, was ich da zu verlangen habe, wenn man es mir in dieser Hinsicht recht
                    machen will, und das trat hier ein. Ja und nun ist unterdessen das Berglileben seinen Gang weitergegangen
                    ohne mich. Das Auto hat dich zurückgebracht<note xml:id="n08">
                            <persName ref="kbga-actors-223">Von
                        Kirschbaum</persName> hielt sich noch bis zum <date when="1931-09-21">21.9.</date> mit einer Unterbrechung durch eine
                        Reise nach <placeName ref="kbga-places-5">Basel</placeName> (s. unten <ref type="pub" target="../volume/45/p186#fn_n04">S. 186, Anm. 4</ref>) auf dem
                        <placeName ref="kbga-places-100">Bergli</placeName> auf.</note>. Du hast im <placeName ref="kbga-places-1265">Törli</placeName> die letzten Trümmer unserer Existenz,
                    wie <persName ref="kbga-actors-374">Heinrich Scholz</persName> sagen
                    würde, aufgeräumt, und ich versuche es, mir dich als Bewohnerin der Seewinde<note xml:id="n09">«Winde» ist ein schweizerdeutsches Wort für «Dachboden». Die «Seewinde» und
                        die «Waldwinde» waren zwei kleine Schlafzimmer mit Dachschräge und kleinem
                        Fenster, die «Seewinde» mit Blick zum Zürichsee.</note>
                    <pb xml:id="p185" ed="pga"/> einigermaßen vorzustellen. Ich weiß wirklich schon nicht
                    mehr genau, wie du aussiehst, und das soll nun vier Wochen so weitergehen?! Ach
                    du, es ist doch so schön gewesen, und es soll in anderer Weise im Oktober und im
                    Winter überhaupt auch wieder schön werden, und dein Satürnlein soll immer mehr
                    arbeitslos werden. Freust du dich nicht doch auch ein wenig, weiter zu leben und
                    allerlei Tagen und Jahren, was sie auch bringen mögen, entgegen zu gehen?</p>
                <p> Ich will Schluß machen. Meine <persName ref="kbga-actors-18">Mutter</persName> hört drüben mein
                    Tippen, und weil sie morgen früh in die Stadt geht und den Brief mitnimmt, wird
                    sie wissen, was hier los war. Das geht nun eben nicht anders, gelt. Wenn der
                    Brief bei dir eintrifft – hoffentlich doch noch vor Sonntag –, dann werden wohl
                        <persName ref="kbga-actors-275">Georg</persName> und die liebe <persName ref="kbga-actors-688">Line</persName>
                    schon eingetroffen sein. Ich möchte von Weitem lauschen und gucken können. Aber
                    du wirst mir ja Alles erzählen. Gelt, du wirst mir weder selten noch kärglich
                    schreiben. Grüße Alle, Alle, ganz besonders doch die gute <persName ref="kbga-actors-1261">Gertrud</persName>, deren
                        Lebensschicksal<note xml:id="n10">Bezieht sich auf die im Jahre
                        1927 erfolgte Scheidung <persName ref="kbga-actors-1261">Gertrud Staewens</persName> und ihre
                        langjährige Freundschaft mit <persName ref="kbga-actors-87">Günther Dehn</persName>.</note> mir in diesen Wochen doch sehr
                    nahe getreten ist. Möchte euch allen schönes Wetter beschert sein zu guten Taten
                    und Fahrten und dazu eine Atmosphäre ohne Komplexe und Mikoxe<note xml:id="n11">=
                            <hi rend="italic">Mi</hi>nderwertigkeits<hi rend="italic">ko</hi>mple<hi rend="italic">xe</hi>.</note>, ohne Senti- und Ressentiments, ohne Kühe in der Luft, sondern so
                    richtig gelöst und getrost, wie wenn Pfarrer <persName ref="kbga-actors-9206">Baumgartner</persName><note xml:id="n12">
                            Vermutlich wird auf <persName ref="kbga-actors-9206">Albert Baumgartner</persName> (1847–1937)
                        angespielt, Pfarrer der Minoritätsgemeinde an der Heiliggeistkirche in Bern,
                        Religions- und Geschichtslehrer am Freien Gymnasium in Bern, an dem auch
                        <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> Vater <persName ref="kbga-actors-21">Fritz Barth</persName> unterrichtete.
                        Barth tauschte mit <persName ref="kbga-actors-1261">Gertrud Staewen</persName> Anekdoten über ihn
                        aus (vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-1378">Briefe 1961-1968, <ref type="pub-" target="6091#p141">S. 141</ref></bibl>) und unterzeichnete Briefe an sie
                        gelegentlich mit «Onkel Baumgartner». Anscheinend hatte er sich während des
                        vorangehenden Bergliaufenthalts auch in der Rolle «Pfarrer Baumgartner»
                        präsentiert.</note>, der nun wieder in seine Heimat zurückgekehrt ist, noch
                    immer mitten unter euch weilte und euch jederzeit beraten und trösten könnte.
                    (Diese Stelle kannst du <persName ref="kbga-actors-1261">Gertrud</persName> vielleicht vorlesen.)
                    Du sollst ihr aber nicht vorlesen, was ich dir jetzt nur ins Ohr sage: …
                    Gelt? Eben gerade so! Eben gerade das! Schlußpunkt, in jeder Hinsicht und im
                    verwegensten Sinne des Wortes Schlußpunkt.</p>

                <closer>
                    <salute>Dein</salute> <signed>
                        <persName ref="kbga-actors-2151">K.</persName>
                    </signed>
                    
                  </closer>
                
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