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        <title type="volume" n="vol-45">Karl Barth – Charlotte von Kirschbaum. Briefwechsel Bd. I 1925–1935</title>
        <title type="formal">Brief Nr. 90</title>
        <title type="content">Karl Barth an Charlotte von Kirschbaum in München</title>
        <title type="citation_line_1">Karl Barth an Charlotte von Kirschbaum in München, 24. September 1931</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/45092 (Stand: 2. Oktober 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Karl Barth – Charlotte von Kirschbaum. Briefwechsel Bd. I 1925–1935, hrsg. v. Erler, Rolf-Joachim (Gesamtausgabe, Abt. V), Zürich 2008, S. .</title>
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        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
        <sponsor>Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW)</sponsor>
        <sponsor>Schweizerischer Nationalfonds (SNF)</sponsor>
        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
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      <publicationStmt>
        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
        <date when="2026">2026</date>
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        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
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          <title type="volume">Karl Barth – Charlotte von Kirschbaum. Briefwechsel Bd. I 1925–1935</title>
          <title type="text">Brief Nr. 90: Karl Barth an Charlotte von Kirschbaum in München</title>
          <author ref="kbga-actors-2151">Barth, Karl</author>
          <editor>Erler, Rolf-Joachim</editor>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
          <date type="publication">2008</date>
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          <persName ref="kbga-actors-223">Kirschbaum, Charlotte von</persName>
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                        Barth an v.K. in München
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                        <placeName ref="kbga-places-5">Basel</placeName>, <date when="1931-09-24">24.9.1931</date>
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                  <salute>Liebste <persName ref="kbga-actors-223">Lollo</persName>!</salute>
                  </opener>
                
                <p> Es war mir bei meinem letzten Brief nicht klar, daß es wohl von <placeName ref="kbga-places-9">Bern</placeName> aus nicht
                    mehr zum Schreiben kommen werde. Nun will ich diese Basler Morgenstunde
                    erwischen. Die Pause, in der du ganz ohne Briefe von deinem lieben Karl in <placeName ref="kbga-places-43">München</placeName> leben mußt, wird sonst
                    allzu lang. Ja, nun bin ich also auch wieder an der Schweizergrenze angelangt,
                    die wir vor sieben Wochen so fröhlich miteinander überschritten haben, und
                    morgen will die lange Reise – und diesmal <hi rend="italic">so</hi>
                    einsam! – angetreten und in
                    <placeName ref="kbga-places-10">Bonn</placeName> das Haus ohne dich betreten sein. Nein, diese Trennungen sind nicht gut.
                    Ich ertrage es diesmal irgendwie weniger gut als andere Male, war auch in <placeName ref="kbga-places-9">Bern</placeName> immer ein wenig still betrübt, mochte nicht essen
                    und nie so ganz vergnügt werden. <pb xml:id="p205" ed="pga"/> Zum eigentlichen Leben
                    gehört halt Lollo. Sonst ist Alles gewissermaßen dilettantisch und vorläufig.
                    Wie gut, daß die Hälfte dieser Zeit nun erreicht und wohl schon überschritten
                    ist! Ich war froh, gestern hier dein Brieflein vorzufinden und zu hören, daß
                    wenigstens der Anfang in <placeName ref="kbga-places-43">München</placeName>
                    nicht schlimm gewesen ist. Und wieder ist dieser dein Brief so voll Ruhe, Reife
                    und Rüstigkeit, daß ich mir ganz klein und häßlich vorkomme neben dir. Ach du,
                    wie bin ich froh, daß du so dran bist und Alles ansehen kannst. Wenn ich mir
                    vorstelle, daß du so nach <placeName ref="kbga-places-10">Bonn</placeName> kommen wirst, so kann ich es mir nicht anders
                    denken, als daß dort bei allem Schweren ein kleiner Vorhimmel entstehen muß.
                    Gelt, <hi rend="italic">schon</hi> wieder «beschreie» ich es, aber was soll ich denn tun,
                    als dich beschreien, wenn ich <hi rend="italic">so</hi> Freude an dir habe? Möchte nun
                    dort Alles gut weiter gehen…</p>
                <p>
                    <placeName ref="kbga-places-9">Bern</placeName> liegt nun also wieder für einmal
                    dahinten. Wir hatten noch ruhige letzte Tage und Stunden. <persName ref="kbga-actors-669">Kari</persName> war viel da, und Alles war gut. Ganz
                    zuletzt tat ich einen Spruch – er hat meiner <persName ref="kbga-actors-18">Mutter</persName> mit Recht einigen
                    Eindruck gemacht: «Wo ich ganz Freude haben soll, da muß man <persName ref="kbga-actors-223">Lollo</persName>
                        <hi rend="italic">sehr</hi> lieb haben!» – Und nun bin ich also
                    in der guten Umgebung <persName ref="kbga-actors-403">Eduards</persName> und habe meinen Basler Tag vor mir. Wir hatten gestern abend nachdenkliche
                    Unterhaltungen anläßlich des Todes seines <persName ref="kbga-actors-1284">Vaters</persName><note xml:id="n01">Vater <persName ref="kbga-actors-1284">Eduard Thurneysen</persName> (geb. 1856), 1892-1924 Pfarrer am Bürgerspital Basel,
                        war am 19.9.1931 verstorben.</note>. Ich erzähle dir dann mündlich davon.
                    Eben war jener Student,
                    jetzt Vikar <persName ref="kbga-actors-2644">Eberhard</persName><note xml:id="n02">
                            
                            <persName ref="kbga-actors-2644">Rolf Eberhard</persName> (1908–1966),
                        studierte u. a. bei <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> und war nach einem Lernvikariat 1931 bei <persName ref="kbga-actors-403">Thurneysen</persName> Pfarrer in
                        Bubendorf (Kt. Basel-Landschaft), ab 1939 Militärdienst, 1942
                        Nachrichtenoffizier im Armeestab für das Ressort Deutschland, nach dem Krieg
                        Redaktor der Zeitschrift «Volk und Armee», 1951 Berufung in die Redaktion
                        der <orgName ref="kbga-actors-2669">National-Zeitung</orgName> (Basel) als Redaktor in Bern.</note> da, der nächstens
                    Pfarrer wird und heiratet. Er hat sich offenbar sehr erfreulich entwickelt.
                    Zunächst mache ich nun Besuche bei Pfr. <persName ref="kbga-actors-528">Dieterle</persName><note xml:id="n03">
                            <persName ref="kbga-actors-528">Samuel
                            Dieterle</persName>
                        (1882–1950), 1929-1948 Pfarrer der Petersgemeinde in Basel, Mitglied der
                        Friedensbewegung, führendes Mitglied beim <orgName ref="kbga-actors-8613">Blauen Kreuz</orgName>, Freund von
                        <persName ref="kbga-actors-403">E. Thurneysen</persName> (vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-931">Bw.Th. I, <ref type="pub" target="3330#p388">S. 388</ref></bibl>).</note> und bei Eduards <persName ref="kbga-actors-10836">Mutter</persName><note xml:id="n04">
                            <persName ref="kbga-actors-10836">Emilie Thurneysen-Hindermann</persName>
                        (1860–1934) in Basel.</note>. Dann soll ich bei <persName ref="kbga-actors-23">Heiners</persName> zu Mittag essen. Dann geht’s
                    nach <placeName ref="kbga-places-412">Pratteln</placeName> zu <persName ref="kbga-actors-521">Lukas Christ</persName>
                    und den Abend werden wir wieder für uns haben. <pb xml:id="p206" ed="pga"/> Morgen
                        10<hi rend="sup">45</hi> fahre ich und komme abends ½8 Uhr in <placeName ref="kbga-places-10">Bonn</placeName> an.
                    Vielleicht erreicht dich dieser Brief noch so rechtzeitig, daß du an mich denken
                    kannst. Eben erhalte ich aus <placeName ref="kbga-places-9">Bern</placeName> nachgeschickt einen Brief von <persName ref="kbga-actors-202">Jacobi</persName>, in dem er Alles in
                    Abrede stellt.<note xml:id="n05">Vgl. oben
                        <ref type="pub" target="../volume/45/p197#fn_n02">S. 197, Anm. 2</ref>
                        </note> Dein Besuch hier ist
                    auch bei Eduards in bester
                    Erinnerung. Dein Bild steht auf
                        Eduards Schreibtisch
                    in der erlesenen Zahl derer, die dort stehen dürfen. So habe ich es gerne.</p>
                <p> ­Liebes Löllchen, <persName ref="kbga-actors-403">Eduard</persName> wartet auf mich, und ich muß abbrechen. Wenn der Brief fort
                    sein wird, wird mir ganz viel einfallen, was ich dir noch schreiben wollte. Ich
                    weiß nicht, wie bald es in den nächsten Tagen wieder dazu kommen wird. Gelt, du
                    wirst mir nicht traurig. Irgend einmal kommt dann sicher wieder etwas. Aber ich
                    stelle mir vor, daß mich in <placeName ref="kbga-places-10">Bonn</placeName> ein großes Getümmel erwarten wird, und ich muß
                    dann in großer Eile auch in einige Bücher hineinblicken, weil ich in
                        <placeName ref="kbga-places-529">Koblenz</placeName><note xml:id="n06">Siehe oben
                            <ref type="pub" target="../volume/45/p202#fn_n07">S. 202, Anm. 7</ref>, und
                                <ref type="pub" target="../volume/45/p186#fn_n03">S. 186, Anm. 3.</ref>
                        </note> ganze fünf Fächer:
                    Dogmatik, Symbolik, Ethik, Neues Testament und Philosophie zu prüfen habe.</p>
                <p> Jetzt sollten wir doch gehen!, sagt <persName ref="kbga-actors-403">Eduard</persName>. Also!</p>
                <p>Du! Liebes!</p>
                <closer>
                    <salute>Dein</salute> <signed>
                        <persName ref="kbga-actors-2151">Karl</persName>
                    </signed> 
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