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        <title type="volume" n="vol-45">Karl Barth – Charlotte von Kirschbaum. Briefwechsel Bd. I 1925–1935</title>
        <title type="formal">Brief Nr. 96</title>
        <title type="content">Charlotte von Kirschbaum an Karl Barth in Bern</title>
        <title type="citation_line_1">Charlotte von Kirschbaum an Karl Barth in Bern, 18. März 1932</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/45098 (Stand: 2. Oktober 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Karl Barth – Charlotte von Kirschbaum. Briefwechsel Bd. I 1925–1935, hrsg. v. Erler, Rolf-Joachim (Gesamtausgabe, Abt. V), Zürich 2008, S. .</title>
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        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
        <sponsor>Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW)</sponsor>
        <sponsor>Schweizerischer Nationalfonds (SNF)</sponsor>
        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
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        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
        <date when="2026">2026</date>
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        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
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          <title type="volume">Karl Barth – Charlotte von Kirschbaum. Briefwechsel Bd. I 1925–1935</title>
          <title type="text">Brief Nr. 96: Charlotte von Kirschbaum an Karl Barth in Bern</title>
          <author ref="kbga-actors-223">Kirschbaum, Charlotte von</author>
          <editor>Erler, Rolf-Joachim</editor>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
          <date type="publication">2008</date>
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        <bibl xml:id="A" type="source">A (Vorlage der Edition): Charlotte von Kirschbaum an Karl Barth, 18. März 1932. <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/20054">KBA 9372.4</ref>. </bibl>
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                        von Kirschbaum an B. in Bern
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      [<placeName ref="kbga-places-66">Zürich</placeName>] Freitag nachmittag [<date when="1932-03-18">18.3.1932</date>]
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      <salute><persName ref="kbga-actors-2151">Karlilein</persName>,</salute>
    </opener> 
      <p>heute morgen kam dein Brief mit dem Hochzeitsbrieflein aus dem Jahr 1895.<note xml:id="n01">Vgl. dazu oben <ref type="pub" target="../volume/45/p213#p213">S. 213</ref>
                        </note> Hast du mir
     damit sagen wollen, daß du schon vier Jahre vor meiner Geburt um solche «Höhepunkte» des Lebens
     wußtest?? Ach du, es wäre so viel besser gewesen, wir hätten es beide gleichzeitig gewußt,
      <hi rend="italic">was wann</hi> zu geschehen hat, und es wäre um so Vieles leichter, als es jetzt ist.
     Aber wir sollen es nun einmal nicht leicht haben. – Und du bist «sehr müde und traurig». Das ist schlimm. Beinahe hätte ich
     angerufen, wenn mir nicht der Preis, nämlich die Gunst Deiner <persName ref="kbga-actors-18">Mutter</persName> (!), zu hoch gewesen wäre. Aber daß
     nun schon <pb xml:id="p217" ed="pga"/> wieder ein Brief von «Frl. Lollo» eintrifft, das muß sie nun
     eben begreifen. Du
      <hi rend="italic">sollst</hi> doch nicht «müde und traurig» sein und nun erst noch «sehr». Kann ich dich
     nicht trösten?? Ich möchte so gern. Aber gelt, du bist ja nicht zuletzt meinetwegen müde und
     traurig? Und hast einen Brief zerrissen. Ich kann dir dazu nicht viel sagen. Ich weiß ja, daß
     ich es dir <hi rend="italic">schwer</hi> mache und daß im Gewühl des Bonner
     Kriegsschauplatzes mir immer wieder die
     richtigen Distanzen verloren gehen und ich dann dir und auch den Anderen oft Unrecht tue. Das
     Leben dort ist so schwer, und ich
     hab oft so gar keine Widerstandskraft mehr gegen diese ganze traurige Armseligkeit. Nein, ich
     meine nicht, «du hast es leicht …», oder wenn, dann nur so, weil du nicht so ausgeliefert
     bist wie ich und dich mehr behältst. – Ich bin so froh, Karl, hier zu spüren, daß ich doch
     irgendwo zuinnerst auch <hi rend="italic">nicht</hi> zerrissen bin und unter der Decke all der sauren
     Vergrämtheit, die mich dort oft überkommt, doch etwas am Leben bleiben darf, was der «Mühe wert ist», am Leben zu
     bleiben, und was mir den Mut gibt, es wieder und wieder von <hi rend="italic">neuem</hi> zu versuchen.
     Ich hab so gute ruhige Tage und lebe so <hi rend="italic">mit dir</hi> und <hi rend="italic">bei dir</hi> und hab
     dich lieb, viel lieber als vor 6, vor 5, vor 4, vor 3,2,1 und auch als vor ½ Jahr! Und ein wenig muß ich auch lachen, daß es
     manchmal nur ein wenig – Schlaf, ein wenig Ruhe braucht, um wieder hellere Augen zu bekommen.
     Verlier du jetzt den Mut nicht, bitte nicht, Karlilein, und denk daran, daß wir am Dienstag aufs <placeName ref="kbga-places-100">Bergli</placeName> zügeln, daß <persName ref="kbga-actors-315">Gerty</persName> dort gestern das «<placeName ref="kbga-places-1265">Törli</placeName>»
     geputzt hat und daß Alles, Alles wartet. –</p>
    <p> Ich höre viel Musik, und bei <persName ref="kbga-actors-281">Mozart</persName> muß ich heulen. Ich weiß so gut, was du <hi rend="italic">meinst</hi> bei ihm<note xml:id="n02">Siehe dazu <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> Würdigung von <persName ref="kbga-actors-281">Mozart</persName> in: <bibl corresp="kbga-bibls-34">Pr.Th., bes. S. 50-53</bibl>, und die
      Mozart-Darstellung des älteren <bibl corresp="kbga-bibls-2611">
                                <persName ref="kbga-actors-21">Barth</persName>: <hi rend="italic">Wolfgang Amadeus Mozart. 1756/1956</hi>, Zürich
       2006<hi rend="sup">15</hi></bibl>.</note>, und irgendwie dann auch, was du <hi rend="italic">meinst</hi> bei
     mir – hab Geduld, «irgendeinmal viel später» werde ich es dann wirklich besser verstehen. –</p>
    <p> Mit <persName ref="kbga-actors-315">Gerty</persName> hab ich es
     schön. Gestern abend kehrte sie blühend und frisch vom <placeName ref="kbga-places-100">Bergli</placeName> heim und bügelte dann noch bis Mitternacht, während ich neben ihr saß und mit
     Landkarte und Reisebericht<note xml:id="n03">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-2612">
                                <persName ref="kbga-actors-316">R. Pestalozzis</persName> Reisebericht <hi rend="italic">Kleines
       Tagebuch unserer Jugoslavienfahrt. Mai 1931.</hi></bibl>
                        </note>
     <persName ref="kbga-actors-316">Ruedis</persName> Aufnahmen von
     der Dalmatienreise besah. Das war ein Genuß, und <pb xml:id="p218" ed="pga"/> ich meine nun fast
     selber das Land zu kennen! – Zwischendurch hatten wir Gesprächlein aller Art und haben uns gut
     verstanden. – Heute abend gehe ich mit ihr in einen Vortrag des Leiters der anthroposophischen Schule hier, von dem Gerty einmal sehr erfreut
     war. – Für morgen und Sonntag ist <persName ref="kbga-actors-6994">Margrith Giess</persName><note xml:id="n04">
                            <persName ref="kbga-actors-6994">Marguerite Elma Giess</persName> (1902–1962), Kinderschwester, hatte von 1924 bis
      1929 die Zwillinge <persName ref="kbga-actors-7298">Ursula</persName> und <persName ref="kbga-actors-7290">Franziska
       Pestalozzi</persName> (geb. 1923) betreut und
      arbeitete später als Krankenschwester in Basel.</note> erwartet, ein Menschlein, das nach wie
     vor nicht gerade Jupiter an seinem Himmel stehen hat, aber treu und aufopfernd Kranke pflegt,
     was leicht wertvoller sein kann. – Wenn am Sonntag <persName ref="kbga-actors-63">Brunner</persName> predigt, will ich hingehen. –</p>
    <p> Heute hab ich einen Morgen lang gebügelt und sehr nachdenklich bei dieser fraulichen Arbeit über Manches nachgedacht. – Vorhin hab ich beide
     Illustrierte geholt und schicke sie <persName ref="kbga-actors-24">Markus</persName> zum Sonntag. Du mußt nicht meinen, daß ich deine Kinder nicht lieb habe. Ich habe sie sehr lieb, jedes Einzelne, und
     Alles, was manchmal an Ablehnung in mir aufsteigt, kommt daher, daß es – nicht deine und meine
     sind. Das ist sehr primitiv, aber wie alle primitiven Dinge auch sehr massiv. –</p>
    <p>Und nun hab einen guten Sonntag, einen nicht müden und nicht traurigen, gelt? Schau, im
     Grunde ist ja Alles gut.</p>
    <closer>
                    <salute>Deine</salute> <signed>
                        <persName ref="kbga-actors-223">L</persName>.</signed> 
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     <p> Ich lese täglich die <orgName ref="kbga-actors-5804">Basler Nachrichten</orgName>. Man lebt doch stark in <placeName ref="kbga-places-151">Deutschland</placeName>.</p>
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