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        <title type="volume" n="vol-45">Karl Barth – Charlotte von Kirschbaum. Briefwechsel Bd. I 1925–1935</title>
        <title type="formal">Brief Nr. 126</title>
        <title type="content">Charlotte von Kirschbaum an Karl Barth in Bern</title>
        <title type="citation_line_1">Charlotte von Kirschbaum an Karl Barth in Bern, 16. April 1933</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/45128 (Stand: 2. Oktober 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Karl Barth – Charlotte von Kirschbaum. Briefwechsel Bd. I 1925–1935, hrsg. v. Erler, Rolf-Joachim (Gesamtausgabe, Abt. V), Zürich 2008, S. .</title>
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        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
        <sponsor>Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW)</sponsor>
        <sponsor>Schweizerischer Nationalfonds (SNF)</sponsor>
        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
      </editionStmt>
      <publicationStmt>
        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
        <date when="2026">2026</date>
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        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
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          <title type="volume">Karl Barth – Charlotte von Kirschbaum. Briefwechsel Bd. I 1925–1935</title>
          <title type="text">Brief Nr. 126: Charlotte von Kirschbaum an Karl Barth in Bern</title>
          <author ref="kbga-actors-223">Kirschbaum, Charlotte von</author>
          <editor>Erler, Rolf-Joachim</editor>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
          <date type="publication">2008</date>
          <!--position within a volume-->
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          <persName ref="kbga-actors-223">Kirschbaum, Charlotte von</persName>
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                        von Kirschbaum an B. in
                Bern
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                        [<placeName ref="kbga-places-100">Bergli</placeName>, <date when="1933-04-16">16.4.1933</date>]
                        Ostern 1933</dateline>
                    <salute>Liebster <persName ref="kbga-actors-2151">Karl</persName>,</salute>
                    </opener>
                
                <p> ein strahlender Ostermorgen ist angebrochen, die gelben Sträucher vor dem
                    Häuslein leuchten in der Sonne, die Kinder haben jubelnd die bunten Ostereier
                    aus ihren Verstecken zusammengetragen, und das Frühstück ist mit viel Lachen und
                    Scherzen vor sich gegangen, und nur <persName ref="kbga-actors-315">Gerty</persName> und ich saßen etwas
                    still dabei und haben uns von der Freude der drei Kleinen ein wenig zudecken
                    lassen. <persName ref="kbga-actors-518">Dorothee Thurneysen</persName><note xml:id="n01"><persName ref="kbga-actors-518">Dorothee Thurneysen</persName> (geb.
                        1917), ältestes Kind von <persName ref="kbga-actors-403">E.</persName> und <persName ref="kbga-actors-1285">M. Thurneysen</persName>.</note>
                    ist ja nun auch da, scheint zufrieden, obwohl sie vielleicht zu sehr sich selbst
                    überlassen bleibt ohne die großen Kinder. Aber ich habe im Augenblick keinen
                    Elan, dies kleine Basler Mädchen zu betreuen, und glaube auch, daß es ihr gar
                    nicht erwünscht wäre. Und Gerty kann das ja ohnehin
                    nicht. Ich bin sehr traurig. Der «laute» Brief von <persName ref="kbga-actors-5359">D. St.</persName> gestern hat mir das ganze
                    Elend mit <persName ref="kbga-actors-26">N</persName>. so
                    vor Augen geführt. Ich möchte laut in die Welt hinausrufen können: «Es ist ja
                    alles nicht <hi rend="italic">wahr</hi>. Es ist ja alles ganz anders.» Aber ich weiß, daß
                    man das nicht kann. Und daß wir unseren Weg ja eben <hi rend="italic">nicht</hi>
                    rechtfertigen können und daß alle <hi rend="italic">die</hi> recht haben, die diese
                    naheliegendsten Dinge so ausschreien wie dieser Brief. Liebster <persName ref="kbga-actors-2151">Karl</persName>, aber gelt,
                    zu dir darf ich <hi rend="italic">ganz</hi> offen sein und darf sicher sein, daß du es
                    auch nur bei dir sein läßt? Schau, ich kann es fast nicht ertragen, daß N. jetzt ihren
                    zähen Willen, nicht zu weichen, nun auch noch damit begründen will, daß es für dein
                    Seelenheil nötig sei, sie in deiner Nähe zu ertragen. Sie muß in <pb xml:id="p289" ed="pga"/> dieser Richtung Dinge zu <persName ref="kbga-actors-315">Gerty</persName> gesagt haben, die auch
                    dieser weh taten. Aber dann weiß ich wieder, daß abgesehen von <persName ref="kbga-actors-26">N.</persName> und dem, was sie
                    sagt, ja <hi rend="italic">hinter</hi> Allem wirklich eine Frage stehen könnte, die jetzt
                    an uns gestellt ist. Und dieser Frage will ich nicht ausweichen. Ich bin diese
                    einsamen, irgendwie sehr schweren Tage hier fast unentwegt daran, darum zu
                    bitten, daß Gott uns Augen und Ohren auftun möchte, daß wir den rechten Weg finden dürfen. Es ist viel schwerer, jetzt etwa zurückzukehren
                    in die «Notgemeinschaft», als
                    es vorher war, und mir ist, es sei die ganze innere Arbeit dieses letzten
                    Jahres, die für mich doch einfach darin bestand, das Persönliche zurückzudrängen
                    und den mir nun einmal angewiesenen Ort als solchen zu gestalten und ernst zu
                    nehmen und zu <hi rend="italic">arbeiten</hi>, zunichte gemacht und als sei ich
                    unerbittlich wieder auf den Anfang zurückgeworfen, wo ich wieder und wieder
                    weinend sagen mußte: «Gibt es keinen Ausweg aus diesem Gefängnis, muß ich nun
                    zeitlebens darin aushalten?» Schau, es hatte für mich fast aufgehört, Gefängnis zu
                    sein, weil ich dahin kommen durfte, diesen Zustand zu <hi rend="italic">bejahen</hi>. Und
                    weil mir auch klar geworden ist, daß über diesem Weinen auch noch
                        <hi rend="italic">das</hi> in die Brüche gehen könnte, was allem seinen Sinn gab,
                        <hi rend="italic">unser</hi> Zusammensein. – Aber wenn das nun alles auch so ist und
                    wenn die Wiederaufnahme der «Notgemeinschaft» vielleicht <hi rend="italic">schwerer</hi> ist als der erste
                    Anfang vor bald vier Jahren<note xml:id="n02">Der Einzug <persName ref="kbga-actors-223">von
                        Kirschbaums</persName> in das Haus der Familie <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> in <placeName ref="kbga-places-44">Münster</placeName> am
                    <date when="1929-10-15">15.10.1929</date>.</note>, ich <hi rend="italic">will</hi> auch dafür bereit sein. Du darfst
                    mir vertrauen, daß ich das ernst meine. Und du sollst dich in allen deinen
                    Erwägungen nach meiner Seite hin gar nicht gebunden fühlen. Du weißt ja, wie ich
                    dran bin, aber du sollst auch wissen, daß ich dieses mein Dransein nicht geltend
                    gemacht wissen möchte, daß mein ganzes Mühen in diesen zwei Tagen dahin ging,
                    mich zu befreien von einem Wünschen, das ganz jäh aufgebrochen ist in dem
                    Augenblick, als du mir sagen konntest in <placeName ref="kbga-places-5">Basel</placeName>, daß du jetzt diesen Weg, den zu wählen du dir sieben Jahre
                    hättest versagen müssen, nun ernstlich in Betracht zögest.<note xml:id="n03">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-6">Bw.Th. III, <ref type="pub-" target="../volume/34/p389#p389">S. 389</ref></bibl>.</note> Ich bin noch nicht frei davon,
                    wenigstens nicht so, daß es nicht immer wieder aufzuckt: «Ach, wenn es möglich
                    wäre – – »Aber ich
                    weiß jetzt wieder ganz klar, daß ich diesen Weg nicht erkaufen <pb xml:id="p290" ed="pga"/> könnte und wollte mit einer Willkür, daß ich nicht
                    Warnungszeichen überrennen möchte, daß ich am aller-allerschwersten daran tragen
                    würde, wenn du jetzt (und weil du immer auch ich bist), wenn wir jetzt nicht
                    wirklich <hi rend="italic">hören</hi> dürften, welcher Weg der gebotene ist. –</p>
                <p> Soweit war ich, da kam <persName ref="kbga-actors-315">Gerty</persName>, die mit ihren Kindern
                    die Ostergeschichte gelesen hatte. Wir
                    sprachen noch einmal von uns, ich habe sogar – -
                    geweint (!) (Gerty sieht immer deutlicher den Weg der Sch. als den einzig möglichen an), und
                    dann haben wir am Grasweg eine Predigt von dir gelesen «Getroste Verzweiflung»<note xml:id="n04">Predigt über <ref type="can" subtype="bible" target="2.Kor.5.1 2.Kor.5.8">2.Kor. 5,1–8</ref>, von <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> am <date when="1920-06-20">20.6.1920</date> in <placeName ref="kbga-places-54">Safenwil</placeName> gehalten
                        (<bibl corresp="kbga-bibls-935"><persName ref="kbga-actors-2151">K. Barth</persName> / <persName ref="kbga-actors-403">E. Thurneysen</persName>, <hi rend="italic">Komm Schöpfer Geist! Predigten,</hi> München 1924, S. 246-256</bibl>; wieder
                          abgedruckt in: <bibl corresp="kbga-bibls-3212">Pr. 1920, <ref type="pub-" target="../volume/42/p224#p224">S. 224–235</ref></bibl>).</note>, die uns beide getröstet hat. –
                    Liebster <persName ref="kbga-actors-2151">Karl</persName>, es ist ja wirklich so, daß wir uns auf <hi rend="italic">dem</hi> Boden
                    gefunden haben (wie du neulich meintest), und ihn wollen wir auf gar keinen Fall
                    verraten. – Ich durfte jetzt zwei Nächte mit <persName ref="kbga-actors-315">Gerty</persName> in der Seestube
                    schlafen in <persName ref="kbga-actors-316">Ruedis</persName> Bett, den Kopf am Fenster mit dem Blick auf den weiten
                    Sternenhimmel. Da habe ich viele Stunden an dich gedacht, an uns, und Alles läßt
                    sich beschließen in dem einen Wort: I. h. d. l.
                    </p>
                <closer>
                    <salute>Deine</salute> <signed><persName ref="kbga-actors-223">L.</persName></signed>
                </closer>
                <postscript>
                    <p> Morgen abend und Dienstag bin ich also in <placeName ref="kbga-places-66">Zürich</placeName>. – Von <persName ref="kbga-actors-347">Rust</persName><note xml:id="n05">
                            Am <ref type="kba-objects-id" target="21347">4.4.1933</ref> hatte <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> den kommissarischen preußischen Minister für
                            Wissenschaft, Kunst und Volksbildung <persName ref="kbga-actors-347">B. Rust</persName> angesichts «bestimmter, bis
                            jetzt nicht dementierter Nachrichten aus Deutschland» (Verhaftung von
                            Rektoren) in einem Brief angefragt, «ob es der Absicht der Regierung
                            entsprechen möchte, wenn ich meine Arbeit in <placeName ref="kbga-places-10">Bonn</placeName> zu Beginn des
                            Sommersemesters wie gewohnt aufnehme und fortsetze, oder ob bei der
                            Regierung bzw. in den maßgebenden Kreisen der <orgName ref="kbga-actors-8272">N.S.D.A.P.</orgName> umgekehrt die
                            Absicht besteht, meiner Bonner Wirksamkeit in irgend einer Form ein Ende
                            zu setzen. Ich gehöre aus praktisch-politischen Gründen der
                            Sozialdemokratischen Partei an.» Des weiteren bekundete <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> in diesem
                            Brief: «Ich könnte aber auch eine Aufforderung zum Austritt aus der
                            <orgName ref="kbga-actors-6133">S.P.D.</orgName> als Bedingung der Fortsetzung meiner Lehrtätigkeit nicht
                            annehmen, weil ich von der Verleugnung meiner politischen Gesinnung bzw.
                            von der Unterlassung ihrer offenen Kenntlichmachung, die dieser Schritt
                            bedeuten würde, weder für meine Zuhörer, noch für die Kirche, noch auch
                            für das deutsche Volk etwas Gutes erwarten könnte.» (<bibl corresp="kbga-bibls-143">Briefe 1933,
                            S. 112-114, dort S. 113</bibl>; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-106">Prolingheuer, S. 233f.</bibl>). Am
                            <ref type="kba-objects-id" target="21442">24.4.1933</ref> ließ ihm der Minister durch Ministerialrat <persName ref="kbga-actors-6742">J. D. Achelis</persName>
                            versichern, daß er <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> «offenes Bekenntnis» achte und eine
                            Beschränkung seiner Lehrtätigkeit nicht beabsichtige (vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-143">Briefe 1933,
                            S. 114</bibl>).</note> ist noch nichts da. Warum <persName ref="kbga-actors-367">K. L. S.</persName> Brief<note xml:id="n06">Im Brief <persName ref="kbga-actors-367">K. L. Schmidts</persName> vom 13.4.1933
                            heißt es: «Gut wäre es jedenfalls, wenn Sie in nicht zu ferner Zeit nach
                            <placeName ref="kbga-places-10">Bonn</placeName> zurückkämen, damit wir den <foreign xml:lang="lat">modus procedendi</foreign> besprechen können,
                              soweit Sie auf ein gemeinsames Vorgehen Wert legen.» 
                              (<ref type="kba-objects-id" target="21393">KBA 9333.204</ref>).</note>
                            
                         mich <hi rend="italic">nicht</hi> freut, weißt du. – <hi rend="italic">Grüße</hi>
                        deine <persName ref="kbga-actors-18">Mutter</persName> morgen. –</p>
                </postscript>
                
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