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        <title type="volume" n="vol-45">Karl Barth – Charlotte von Kirschbaum. Briefwechsel Bd. I 1925–1935</title>
        <title type="formal">Brief Nr. 135</title>
        <title type="content">Karl Barth an Charlotte von Kirschbaum in München</title>
        <title type="citation_line_1">Karl Barth an Charlotte von Kirschbaum in München, 20. September 1933</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/45137 (Stand: 2. Oktober 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Karl Barth – Charlotte von Kirschbaum. Briefwechsel Bd. I 1925–1935, hrsg. v. Erler, Rolf-Joachim (Gesamtausgabe, Abt. V), Zürich 2008, S. .</title>
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        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
        <sponsor>Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW)</sponsor>
        <sponsor>Schweizerischer Nationalfonds (SNF)</sponsor>
        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
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        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
        <date when="2026">2026</date>
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        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
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          <title type="volume">Karl Barth – Charlotte von Kirschbaum. Briefwechsel Bd. I 1925–1935</title>
          <title type="text">Brief Nr. 135: Karl Barth an Charlotte von Kirschbaum in München</title>
          <author ref="kbga-actors-2151">Barth, Karl</author>
          <editor>Erler, Rolf-Joachim</editor>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
          <date type="publication">2008</date>
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          <persName ref="kbga-actors-2151">Barth, Karl</persName>
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          <persName ref="kbga-actors-223">Kirschbaum, Charlotte von</persName>
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                        Barth an v.K. in München
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                        Bern-<placeName ref="kbga-places-603">Wabern</placeName>, <date when="1933-09-20">20.9.1933</date>
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                    <salute>Du liebe <persName ref="kbga-actors-223">Lollo</persName>!</salute>
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                <p>Ich habe deinen Brief erhalten, und du, du wartest sicher schon lange darauf,
                    auch wieder ein Zeichen von mir zu bekommen.</p>
                <p>Dein Brief ist mir ja trotz all des Bedrängenden, das er enthält, eine so
                    tröstliche Sache. Ich denke manchmal auch, ich sei mit dir ganz allein in der
                    Welt. Aber dieser Gedanke ist schon wieder fast allzu schön, als daß man ihn
                    gelten lassen dürfte. Es ist ja auch wirklich eine ganze gute Schar um uns her,
                    die ein großes Vertrauen gerade zu uns haben, nur daß eben diese Schar
                    augenblicklich in der Welt nicht das Geringste zu bedeuten scheint. Aber darum
                    ist sie doch da und müssen wir wiederum auch für sie allen Ernstes da sein, und
                    irgendwie ist es wohl immer so gewesen und wird auch so sein müssen.</p>
                <p> Ich denke so mit unbedingtem Vertrauen daran, wie du mich dort vertrittst und
                    meine wenig einleuchtende Partie spielst. Du Liebe, Gute!
                    Daß es so etwas gibt! Wie viel wirst du mir in <placeName ref="kbga-places-1163">Lindau</placeName> zu erzählen und zu raten haben!</p>
                <p> Ich habe soeben <persName ref="kbga-actors-662">Lempp</persName> einen in
                    einem vorangegangenen Brief vergessenen Schrieb aus <placeName ref="kbga-places-62">Amerika</placeName><note xml:id="n01">Brief von <persName ref="kbga-actors-7343">George
                            W. Richards</persName>, dem
                        Präsidenten des Theological Seminary of the Reformed Church in the United
                        States. Richards hatte in seinem Brief vom <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/21785">4.7.1933</ref> <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> mitgeteilt, daß
                        er einen Verlag für die Übersetzung von <bibl corresp="kbga-bibls-935"><hi rend="italic">Komm Schöpfer Geist!</hi>,
                             (München [1924<hi rend="sup">1</hi>]
                            1932<hi rend="sup">4</hi>)</bibl> gefunden habe und er ihm den Vertrag zur
                        Einsicht vorlegen wolle (vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-143">Briefe 1933, S. 389f</bibl>).</note> nachgeschickt
                    und also mein Kommen
                    nochmals angekündigt, ohne Erwähnung der Herbergsfrage, die ich nun also in dem
                    von dir genannten Sinn erledigt ansehe. Ich schrieb ihm, daß ich es schon für
                    etwas Großes ansehen würde, wenn es wenigstens gelingen würde, <persName ref="kbga-actors-275">Georg</persName> zu einem offenen Wort darüber
                    zu veranlassen, warum er die von mir verlangte Klärung immer ablehnen mußte und
                    auch jetzt ein ungeklärtes <orgName ref="kbga-actors-6169">ZdZ</orgName> haben wolle. Damit man dann wenigstens offenen Auges auseinander
                    gehen könne.<note xml:id="n02">In seinem Brief an <persName ref="kbga-actors-662">Lempp</persName> vom <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/22210">20.9.1933</ref> erklärte <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName>: «Mir
                        liegt nichts am Aufhören von <orgName ref="kbga-actors-6169">ZZ</orgName> und nichts an der Eröffnung einer neuen
                        Zeitschrift, aber <hi rend="italic">Alles</hi> an einer <hi rend="italic">Klärung</hi>. Und nur
                        das trennt mich von <persName ref="kbga-actors-275">Georg Merz</persName> und zwingt mich jetzt zum Rückzug von <orgName ref="kbga-actors-6169">ZZ</orgName>, daß er zu einer
                        Klärung nie zu haben war und auch und gerade in dem jetzigen tötlich ernsten
                        Augenblick nicht zu haben ist.» (<bibl corresp="kbga-bibls-143">Briefe 1933, 404</bibl>) Bereits am <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/21103">20.1.1933</ref>
                        beklagte <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> in einem Schreiben an Merz diesen ungeklärten Zustand und
                        verglich die Situation, für die er nicht mehr mitverantwortlich sein wollte,
                        mit einer «Arche Noah»: «Eine Arche Noah hat ja, in allem Ernst gesagt, auch
                        ihr Gutes. Und ich frage mich, ob es nicht eben exakt die Arche Noah ist,
                        was die große Mehrzahl der Leser von ZZ haben wollen: das angenehme
                        Nebeneinander aller möglichen ‹Anliegen›, ohne sich für oder gegen
                        entscheiden zu müssen.» Zugleich schlug <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> in diesem Schreiben als eine
                        Möglichkeit vor, «auf Ende des jetzt beginnenden Jahrgangs überhaupt Schluß
                        [zu] machen» (<bibl corresp="kbga-bibls-143">Briefe 1933, S. 43</bibl>).</note> Ich ver<pb xml:id="p319" ed="pga" break="no"/>mute, daß du mir sagen wirst, daß auch das nicht möglich sei. Was ist doch
                    dieser <persName ref="kbga-actors-275">Georg</persName> für ein Rätsel! Mit
                    der Gründung einer neuen Zeitschrift werde
                    ich nun freilich die Eile nicht haben, die dem tatendurstigen <persName ref="kbga-actors-662">Lempp</persName> wünschenswert scheinen
                    wird. Ob es wohl gar nicht in Frage kommt, daß <orgName ref="kbga-actors-6169">ZdZ</orgName> ohne mich, auf der Linie, die nun eben <persName ref="kbga-actors-275">Georg</persName> gewählt und mir gegenüber
                    behauptet hat<note xml:id="n03">Am <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/22165">11.9.1933</ref> schrieb <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName>
                        verärgert an <persName ref="kbga-actors-50">Bonhoeffer</persName>: «Die mittlere Linie, die <persName ref="kbga-actors-275">Georg Merz</persName> in der letzten Nummer von <orgName ref="kbga-actors-6169">Zwischen den
                        Zeiten</orgName> innehalten wollte, war unerträglich.» (<bibl corresp="kbga-bibls-143">Briefe 1933, S. 379</bibl>;
                        <bibl corresp="kbga-bibls-2699"><persName ref="kbga-actors-50">D. Bonhoeffer</persName>, <hi rend="italic">Berlin 1932-1933</hi>, hrsg. von C. Nicolaisen und
                        E.-A. Scharffenorth, Dietrich Bonhoeffer Werke, Bd. 12, Gütersloh
                        1997, S. 128</bibl>).</note>, weitergeführt wird? Hielt er sie gegen mich für
                    richtig, so müßte er sie nun eigentlich auch ohne mich weiterführen können und
                    wollen. Oder was wollte er eigentlich, wenn es nun ohne mich plötzlich doch
                    nicht gehen soll?</p>
                <p> Aber du sagst mir ja, daß mein Kommen vielleicht mehr wegen <persName ref="kbga-actors-1913">Steck</persName> etc. als wegen des ganzen <persName ref="kbga-actors-662">Lempp</persName>
                        -<persName ref="kbga-actors-275">Georg</persName>-Komplexes sinnvoll<note xml:id="n04"><ref corresp="A">Tskr.</ref>: «willen sinnvoll»; Korrektur vom Hrsg.</note> sei, und
                    darauf will ich mich dann gerne einstellen, wenn dich die Dinge über acht Tage
                    auch noch so anschauen. Grüße <persName ref="kbga-actors-1913">Steck</persName> und <persName ref="kbga-actors-408">Traub</persName> vorläufig herzlich von mir. Irgend einmal wollen wir dann
                    gerade mit dieser Seite unserer dortigen Freundschaft auch fröhlich beieinander
                    sein. Immer vorausgesetzt, daß sich die Dinge bis dahin nicht so entwickeln, daß
                    einem das Lachen gänzlich vergeht.</p>
                <p> Der Aspekt von <persName ref="kbga-actors-185">Hitler</persName>
                        -Deutschland ist auch
                    von <placeName ref="kbga-places-9">Bern</placeName> aus gesehen einfach ein
                    unheimlicher. Was ist jetzt das wieder mit dem «Eintopfgericht»<note xml:id="n05">Mit der Proklamation
                        des «Winterhilfswerks» am 13.9.1933 (unter Leitung der NS-Volkswohlfahrt)
                        war auch der «Eintopfsonntag» eingeführt worden (s. <bibl corresp="kbga-bibls-3232">G. L. Mosse, <hi rend="italic">Der
                            nationalsozialistische Alltag. So lebte man unter Hitler</hi>,
                        Königstein/Ts. 1978<hi rend="sup">2</hi>, S. 380</bibl>). Über das Programm des
                        «‹Kampfes gegen Hunger und Kälte›, das jetzt im Winter verwirklicht werden
                        soll», hatten auch die <bibl corresp="kbga-bibls-3233">Basler Nachrichten, Jg. 89, Nr. 252 vom 14.9.1933</bibl>,
                        ausführlich auf ihrer Titelseite berichtet. Mit diesem Programm habe die
                        Reichsregierung den Plan gefaßt, «in einem noch nie dagewesenen Riesenkampf
                        schützend an die Seite der Arbeitslosen zu treten». An jedem ersten Sonntag
                        im Monat solle «mittags lediglich ein Eintopfgericht im Preis von höchstens
                        50 Pfg. pro Kopf zu verzehren» sein.</note>, das wir inkünftig alle Monate
                    einmal unter dem Titel <pb xml:id="p320" ed="pga"/> «Großkampftag» zu uns nehmen
                    sollen, um der Arbeitslosigkeit zu steuern? Sollte er wohl gerade auf den Sonntag
                    treffen, wo … <persName ref="kbga-actors-316">Rudi</persName> in <placeName ref="kbga-places-43">München</placeName> ist? Das
                    würde ihm wohl ebensowenig einleuchten wie jener Oxfordabend<note xml:id="n06">Am
                        <date when="1933-09-11">11.9.1933</date> hatte <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> gemeinsam mit <persName ref="kbga-actors-316">Pestalozzi</persName> auf <persName ref="kbga-actors-63">Brunners</persName> Einladung hin dessen
                        <orgName ref="kbga-actors-10644">Oxfordgruppenkreis</orgName> besucht (vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-6">Bw.Th. III, <ref type="pub" target="../volume/34/p523#fn_n35">S. 523, Anm. 35</ref></bibl>). Zur
                        Diskussion um die Oxfordbewegung bzw. zu «jenem Abend» vom 11.9.1933 s.
                        <bibl corresp="kbga-bibls-76">Bw.Br., <ref type="pub-" target="33098">S. 234–240</ref></bibl>.</note>!</p>
                <p> Ich hatte einen sehr bekümmerten Brief von <persName ref="kbga-actors-24">Markus</persName><note xml:id="n07">Nicht
                            erhalten. Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-143">Briefe 1933, S. 391f.</bibl></note> mit der Nachricht, daß bei
                    seinem Freund <persName ref="kbga-actors-9563">Hieronymi</persName>
                    Haussuchung stattgefunden
                        habe<note xml:id="n08"><persName ref="kbga-actors-9563">Martin Hieronymi</persName> (geb. 1915), Primus in der
                        Abiturklasse von <persName ref="kbga-actors-24">M. Barth</persName>; vor dem Abitur (1934) zweimalige Teilnahme an
                        Demonstrationen gegen <persName ref="kbga-actors-185">Hitler</persName>: 1. Demonstration ohne Polizeieingriffe unmittelbar nach
                        dem Reichstagsbrand (27.2.1933) mit Rufen wie «Hitler verrecke!»; bei der
                        2. Demonstration kam die <orgName ref="kbga-actors-8361">SS</orgName> aus dem Hinterhalt. Daraufhin besorgte sich
                        Hieronymi illegal eine <orgName ref="kbga-actors-8360">SA</orgName>-Uniform, worauf die Hausdurchsuchung erfolgte. Der
                        sich um einen «Ausgleich» bemühende katholische Rektor der Schule, ein Herr
                        Dr. Dreesen, stellte die Abiturienten, die an der Demonstration teilgenommen
                        hatten, vor die Alternative: Entweder bei Zulassung zum Abitur Eintritt in
                        die <orgName ref="kbga-actors-8361">SS</orgName> bzw. <orgName ref="kbga-actors-8360">SA</orgName> oder kein Abitur! Hieronymi entschied sich zum Beitritt in
                        die SA. <persName ref="kbga-actors-24">M. Barth</persName> konnte nach den Demonstrationen jeweils unbemerkt entkommen
                        (mündlicher Bericht von M. Barth gegenüber dem Hrsg. am 15.7.1992).</note>
                    und daß bei diesem Anlaß bekannt geworden sei, daß die ganze Gruppe schon seit
                    einem Jahr in höchst detaillierter Weise bespitzelt worden sei. Er fürchtet nun
                    geradezu, daß man ihn wegen seines Zusammenhangs mit jenem Kreis nicht zum Abitur zulassen werde, und erkundigt
                    sich bereits nach schweizerischen Möglichkeiten. Er meldet mir das mit einem
                    ganzen Ausbruch heftigster Abneigung gegen das heutige Deutschland überhaupt. Die Art,
                    wie die Jungen jetzt militärisch gedrillt werden, paßt ihm auch ganz und gar
                    nicht wegen des üblen Tones, in dem es da zugehe.</p>
                <p><pb xml:id="p321" ed="pga" rend="noPipe"/> Magst du auch etwas von mir selber hören? Ich habe dir so Bewegendes wie du mir
                    nicht zu melden. Am Sonntag hörte ich eine Predigt von <persName ref="kbga-actors-757">Schädelin</persName>, die besser war als alle, die ich
                    in den letzten Jahren von ihm hörte, und ging nachher zum Abendmahl. Im Anschluß daran waren wir in Schädelins Hause beieinander. Mit <persName ref="kbga-actors-23">Heiner</persName> hatte ich
                    gute Tage. <persName ref="kbga-actors-18">Mama</persName> erzählte mir heute, daß sie auch ihn sehr befriedigt hätten,
                    wobei er wieder den Gegensatz zu <persName ref="kbga-actors-403">Eduard</persName> geltend gemacht habe, der sich eben im Unterschied zu mir auf
                    sein Philosophieren gar nicht
                    einlasse. Es passiert da irgend etwas mir nicht Durchsichtiges psychologischer
                    Natur. <persName ref="kbga-actors-27">Peter</persName> hat am Sonntag
                    gepredigt, hatte infolge dessen einen Rückfall und ist darum noch nicht eingetroffen.<note xml:id="n09"><persName ref="kbga-actors-27">Peter Barth</persName>
                        hatte – vermutlich im August 1933 ­- einen Nervenzusammenbruch erlitten, von
                        dem er sich erst im Oktober wieder ganz erholte (vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-6">Bw.Th. III, <ref type="pub" target="../volume/34/p498#fn_n08">S. 498,
                        Anm. 8</ref></bibl>).</note> Mit <persName ref="kbga-actors-669">Kari Lindt</persName> ist es nett, aber ein wenig gedämpft; es muß vielleicht hier
                    doch noch zu einer Aussprache
                    kommen. Wir hatten einen guten Nachmittag mit <persName ref="kbga-actors-569">Gilg</persName> und <persName ref="kbga-actors-3216">Gaugler</persName>, den Altkatholiken. Heute abend
                    werden <persName ref="kbga-actors-757">Schädelin</persName> und <persName ref="kbga-actors-7083">Hubacher</persName> hieherkommen. Ich muß
                    dann jedesmal viel erzählen, bei dem den Schweizern nur so die Augen übergehen
                    vor Erstaunen, was doch alles möglich ist. Im Übrigen habe ich sehr viel Korrespondenz besorgt,
                    Vieles mittelst Postkarten, aber doch auch eine Reihe von Briefen, die ich dir
                    dann alle mitbringe. Aber Vieles, Vieles ist und bleibt «unbeantwortet», z. B.
                    die Württemberger<note xml:id="n10">Siehe zur «Ecke <persName ref="kbga-actors-6696">Schempp</persName> -
                            
                        <persName ref="kbga-actors-1549">Diem</persName> - 
                            <persName ref="kbga-actors-7447">Steinbach</persName>» bzw. zu deren
                        Anliegen oben <ref type="pub" target="../volume/45/p309#fn_n11">S. 309, Anm. 11</ref>, sowie
                        <ref type="pub" target="../volume/45/p310#fn_n12">S. 310, Anm. 12</ref>. <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> Antwortbrief vom
                        <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/22325">9.10.1933</ref> an die «Württemberger» bzw. an <persName ref="kbga-actors-6696">P. Schempp</persName> ist abgedruckt in: <bibl corresp="kbga-bibls-143">Briefe 1933,
                        S. 439-443</bibl>.</note> haben noch immer keinen Bescheid, und auch <persName ref="kbga-actors-7588">Bodelschwinghs</persName>
                        
                     (der mir geantwortet hat<note xml:id="n11"><persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> hatte am
                        <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/22173">13.9.1933</ref> an <persName ref="kbga-actors-7588">Fr. von Bodelschwingh</persName> geschrieben, daß er sich zu dem ihm zur
                        Begutachtung zugesandten Entwurf des «Betheler Bekenntnisses» nicht bis zum
                        festgesetzten Termin am 15.9. äußern könne (<bibl corresp="kbga-bibls-143">Briefe 1933, S. 384</bibl>). <persName ref="kbga-actors-7588">Von Bodelschwingh</persName>
                        antwortete am <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/22180">15.9.</ref>: «Die Brüder, die dabei mithalfen, sind inzwischen
                        selbst zur Überzeugung gekommen, daß ein so schneller Abschluß, wie sie
                        ursprünglich gehofft hatten, nicht möglich sei. Man wird darum erst Anfang
                        nächsten Monats eine zweite Beratung vornehmen können. Wir würden daher auf
                        Ihren Beitrag gern noch vierzehn Tage warten.» (<bibl corresp="kbga-bibls-2949">Lichtenfeld, S. 379</bibl>). <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName>
                        konnte seine <ref type="pub" target="49022">Anmerkungen</ref> allerdings erst am <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/22342">12.10.1933</ref> nach Bethel senden
                        (vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-143">Briefe 1933, S. 446 und S. 600-606</bibl>).</note>) Bekenntnisbuch<note xml:id="n12">Siehe zum Text des sogenannten Betheler
                            Bekenntnisses <bibl corresp="kbga-bibls-2699"><persName ref="kbga-actors-50">Bonhoeffer</persName>, a.a.O. (s. oben<ref type="pub" target="#fn_n03"> Anm. 3</ref>), S. 362-407</bibl>; für die
                        später publizierte Fassung vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-3234"><hi rend="italic">Das Bekenntnis der Väter und die
                            bekennende Gemeinde. (Das sogenannte Betheler Bekenntnis)</hi>, in:
                            <hi rend="italic">Die Bekenntnisse und grundsätzlichen Äußerungen zur Kirchenfrage
                            des Jahres 1933</hi>, hrsg. von K. D. Schmidt, Göttingen 1934,
                        S. 105-131</bibl>; zur Entstehung des Textes: <bibl corresp="kbga-bibls-2949">Lichtenfeld, S. 327-409</bibl>; vgl.
                            <bibl corresp="kbga-bibls-3209"><persName ref="kbga-actors-1513">E. Busch</persName>, <hi rend="italic">Unter dem
                            Bogen des einen Bundes. Karl Barth und die Juden 1933-1945</hi>,
                        Neukirchen-Vluyn 1996, S. 50-61</bibl>.</note> ist noch <pb xml:id="p322" ed="pga"/>
                    ohne meine Anmerkungen. 
                    <persName ref="kbga-actors-1935">Trillhaas</persName> habe ich
                    schließlich doch abgeschrieben.<note xml:id="n13">
                            <persName ref="kbga-actors-1935">W. Trillhaas</persName> hatte <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> eingeladen, anläßlich seiner Reise nach
                        <placeName ref="kbga-places-43">München</placeName> auch <placeName ref="kbga-places-19">Erlangen</placeName> zu besuchen (<ref type="kba-objects-id" target="22332">KBA 9333.749</ref> [o. D.]).</note> Man kann
                    jetzt wirklich nur das Nötigste leisten. Dazu würde, wie ich wohl weiß, auch
                        <persName ref="kbga-actors-1716">Ericas</persName> Arbeit
                        gehören.<note xml:id="n14">Licentiatsarbeit über <persName ref="kbga-actors-360">Schleiermachers</persName> Predigten; vgl. oben
                            <ref type="pub" target="../volume/45/p198#fn_n07">S. 198, Anm. 7</ref>.</note> Aber auch sie liegt
                    noch immer wohlverpackt, wo sie liegt. Auch mein Meiringer Vortrag
                        <note xml:id="n15">
                            Gehalten
                        unter dem Titel «<ref type="pub" target="49021">Sorge und Hoffnung der Kirche heutzutage</ref>» am 24.9.1933 auf dem Kirchlichen Bezirksfest der
                        Ämter Interlaken und Oberhasli, bei dem die Meiringer Unterweisungskapelle
                        (Kt. Bern) eingeweiht wurde. Der bislang ungedruckte Vortrag (<ref type="kba-objects-id" target="498">KBA 11046</ref>)
                        erscheint in der Karl Barth-Gesamtausgabe in der Abteilung III: Vorträge und
                        kleinere Arbeiten.</note> ist bis zur Stunde noch ungeboren. Gelt, das sind
                    keine erquickenden Nachrichten. Aber ich weiß auch hier nicht, wie die Zeit
                    umgeht, obwohl ich doch weder Romane lese noch viel spazieren gehe noch reite noch sonstige Allotria treibe.</p>
                <p> Gelt, du wirst mich dann im englischen Garten und sonstwo an der herrlichen Luft
                    und unter den noch herrlicheren Bäumen Münchens auf die Weide führen? Ach, was wirst du alles mit mir machen!</p>
                <p>Es fehlt natürlich nicht, daß es jetzt gelegentlich wieder ein Unglück gibt mit
                    verkehrt eingesetzten Kopierblättern, und dann ist keine Lollo da, um den
                    Schaden wieder gut zu machen. Auch das konnte nicht anders sein, daß heute dem
                    Ärgernis meiner Barhäuptigkeit ein Ende gemacht und ein neuer Hut (des bekannten
                    Formates) eingekauft werden mußte.  Gleichzeitig
                    wurde aber auch eine große (zwei Meter lange und breite) gediegene Schweizerfahne bestellt,
                    die uns nun in Zukunft schützen soll, wie das Blut der Lämmer an den Türen der
                    Kinder Israel in Ägypten [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Ex.12.1 Ex.12.31">Ex. 12,1–31</ref>].<note xml:id="n16">Am <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/22230">22.9.1933</ref> schrieb <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> an <persName ref="kbga-actors-367">K. L. Schmidt</persName>: «Ich habe mir hier für
                        alle Fälle eine gediegene Schweizer Fahne von 2 Meter im Quadrat
                        angeschafft, die ich mitbringen und bei festlichen oder kritischen Anlässen
                        an der Siebengebirgstraße hissen werde. Im Sinne von <ref type="can" subtype="bible" target="Ex.12.13">Exodus 12,13</ref>
                        natürlich.» (<bibl corresp="kbga-bibls-143">Briefe 1933, S. 409, vgl. S. 412</bibl>).</note> Im Notfall <pb xml:id="p323" ed="pga"/> werde ich dich in dieses Tuch einwickeln! Gelt, du
                    nimmst dich doch ja zusammen, wenn du wieder einem <persName ref="kbga-actors-9559">Ministerpräsidenten</persName> gegenüber sitzen
                        solltest.<note xml:id="n17">Siehe oben
                            <ref type="pub" target="../volume/45/p315#p315">S. 315</ref>.
                            </note> Ich habe diese Stelle in
                    deinem Brief zwar mit Verständnis, aber doch nicht ohne ernste Sorge gelesen.
                    Das wäre jetzt noch schöner, wenn ich alle Augenblicke hören müßte: «Bitte,
                    Karl, sei vorsichtig!», während du dich durch bedenkliche Gesten in die Nähe von
                        <placeName ref="kbga-places-830">Dachau</placeName><note xml:id="n18">
                            D. h. in das
                        nationalsozialistische Konzentrationslager. Als Reaktion auf den
                        Reichtstagsbrand wurde schon einen Tag später, am 28.2.1933, die
                        Verordnung «zum Schutz von Volk und Staat» in Kraft gesetzt, welche die
                        «Ausschaltung» der politischen Opposition zur Folge hatte. So wurden bereits
                        im März 1933 etwa 50 (provisorische) Konzentrationslager errichtet (vgl.
                            E. Kogon, <hi rend="italic">Der
                            SS-Staat. Das System der deutschen Konzentrationslager</hi>,
                        Frankfurt/Main 1959<hi rend="sup">5</hi>, S. 38f.).</note> bringen
                    darfst.</p>
                <p>Ach du, es hat ja gewiß auch seinen guten Sinn, daß wir alle jetzt da durch
                    müssen und daß wir mit einander da durch dürfen, das ist doch schließlich so
                    schön, daß man schon deshalb gar nicht klagen und seufzen darf.</p>
                <p>Ich werde zum Nachtessen gerufen und muß Folge leisten.</p>
                <p>Viel Selbstverständliches und <hi rend="italic">gar nicht</hi> Selbstverständliches muß
                    unausgesprochen bleiben.</p>
                <closer>
                    <salute>Dein</salute> <signed><persName ref="kbga-actors-2151">Karl</persName></signed>
                </closer>
        </div>
        </body>
    </text>
</TEI>
