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        <title type="volume" n="vol-45">Karl Barth – Charlotte von Kirschbaum. Briefwechsel Bd. I 1925–1935</title>
        <title type="formal">Brief Nr. 148</title>
        <title type="content">Karl Barth an Charlotte von Kirschbaum auf dem Bergli</title>
        <title type="citation_line_1">Karl Barth an Charlotte von Kirschbaum auf dem Bergli, 20. September 1934</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/45150 (Stand: 2. Oktober 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Karl Barth – Charlotte von Kirschbaum. Briefwechsel Bd. I 1925–1935, hrsg. v. Erler, Rolf-Joachim (Gesamtausgabe, Abt. V), Zürich 2008, S. .</title>
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        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
        <sponsor>Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW)</sponsor>
        <sponsor>Schweizerischer Nationalfonds (SNF)</sponsor>
        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
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        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
        <date when="2026">2026</date>
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        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
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          <title type="volume">Karl Barth – Charlotte von Kirschbaum. Briefwechsel Bd. I 1925–1935</title>
          <title type="text">Brief Nr. 148: Karl Barth an Charlotte von Kirschbaum auf dem Bergli</title>
          <author ref="kbga-actors-2151">Barth, Karl</author>
          <editor>Erler, Rolf-Joachim</editor>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
          <date type="publication">2008</date>
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        <bibl xml:id="A" type="source">A (Vorlage der Edition): Karl Barth an Charlotte von Kirschbaum, 20. September 1934. <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/24563">KBA 9272.126</ref>. </bibl>
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          <persName ref="kbga-actors-223">Kirschbaum, Charlotte von</persName>
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                        Barth an v.K. auf dem Bergli
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                        <placeName ref="kbga-places-53">Rom</placeName>, Hotel Hassler, Via Sistina, <date when="1934-09-20">20.9.1934</date>
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                    <salute>Liebste <persName ref="kbga-actors-223">Lollo</persName>!</salute>
                  </opener>
                
                <p> Ja nun ist es so: ich sitze an einem offenen Fenster und sehe über die ganze
                    Stadt <placeName ref="kbga-places-53">Rom</placeName>
                        
                     nach <placeName ref="kbga-places-1091">St. Peter</placeName>
                    hinüber auf den <placeName ref="kbga-places-1314">Gianicolo</placeName><note xml:id="n01">Der <placeName ref="kbga-places-1314">Monte Gianicolo</placeName> ist
                        ein südöstlich an den <placeName ref="kbga-places-1021">Vatikan</placeName> angrenzender Höhenzug, der den Ausblick über
                        die Stadt von dem an der Spanischen Treppe gelegenen Hotel aus
                        abschließt.</note> und was es da sonst zu sehen gibt. Du weißt ja, wie es
                    hier ist<note xml:id="n02">Vom <date to="1929-06-26" from="1929-06-08">8.-26.6.1929</date> waren <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> und <persName ref="kbga-actors-223">von
                        Kirschbaum</persName> gemeinsam mit dem <rs type="person" ref="kbga-actors-316 kbga-actors-315">Ehepaar Pestalozzi</rs> zu einer
                        touristischen Exkursion in <placeName ref="kbga-places-35">Italien</placeName> gewesen, bei der sie auch einige Tage <placeName ref="kbga-places-53">Rom</placeName>
                        besucht hatten.</note>, und Ersteindrücke, <pb xml:id="p362" ed="pga"/> wie sie
                        <persName ref="kbga-actors-27">Peter</persName> jeden Tag für seine
                    <persName ref="kbga-actors-1215">Dora Scheuner</persName> zu Papier
                    bringt, könnten dir schwerlich imponieren. Aber gelt, eine Begrüßung nimmst du
                    doch gerne entgegen?! Wir haben eine schöne und fröhliche Reise gehabt, seit wir euch
                    damals winkend – dennoch eine ganz abnormale Szene!! – auf der Straße stehen
                    sahen. Wir gingen dann alle wohlzufrieden in den Speisewagen. Im Coupé traf ich
                    übrigens einen meiner ehemaligen Kirchenpfleger von <placeName ref="kbga-places-54">Safenwil</placeName>, der jetzt altkatholisch ist und mit dem ich
                    einst viel Widrigkeit gehabt hatte! Dann ging’s nach <placeName ref="kbga-places-35">Italien</placeName> hinein, und bald nahm
                    die Hitze gewaltig zu, so daß schon unterwegs ein gelbes Jäcklein in Funktion treten mußte. In
                        <placeName ref="kbga-places-23">Genua</placeName> konnten wir gerade noch einen
                    Nachtspaziergang machen und ein unerhört großes Seeschiff besichtigen. Am
                    anderen Morgen fuhren wir, wie gemeldet, schon morgens 5<hi rend="sup">20</hi>
                    weiter los und ohne Frühstück, nur rauchend, durch etwa achtzig Tunnels bei schönem Sonnenaufgang und
                    erfreulichem Anblick des Meeres nach <placeName ref="kbga-places-1069">Pisa</placeName>. Ach, es waren schon dort der
                    Erinnerungen viele!! Dann also <placeName ref="kbga-places-1069">Pisa</placeName> mit
                    dem Torre Pendente und den ersten italienischen Pflasterwanderungen, die
                    wirklich etwas Anderes sind – im Guten und im Bösen – als unsere Autofahrten.
                    Mir scheint, ich komme in diesem Land aus dem Schwitzen gar nicht mehr heraus!
                    Abends kamen wir dann zufrieden und nach schöner Fahrt hier an, haben uns noch ein Kino besehen und gingen dann schlafen. Der gestrige Tag
                    war ganz <placeName ref="kbga-places-1091">St. Peter</placeName>, dem
                    <placeName ref="kbga-places-1021">Vatikan</placeName> und überhaupt der Gegend dort drüben gewidmet. Endlich habe ich nun
                    Alles genau besehen – obwohl durch einen Führer immer noch etwas gedrängt! – und
                    weiß nun also, wie es is. <placeName ref="kbga-places-1091">St. Peter</placeName> ist
                    doch eine kalte Angelegenheit! Aber auf dem <placeName ref="kbga-places-1314">Gianicolo</placeName> war es sehr schön, und die
                    <placeName ref="kbga-places-1334">Sixtinische Kapelle</placeName> hat mich eher noch mehr angesprochen als damals. Heute
                    geht’s nun aufs Forum usw.
                    </p>
                <p> Weißt du, was über Allem gute Fortschritte gemacht hat? <persName ref="kbga-actors-63">Brunner</persName>, dem ich jeden der frühen Morgen und den ganzen Abend widmete!<note xml:id="n03">
                            <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> verfaßte hier
                        «jeweils ‹im Morgenglanz› zwischen 5 und 6 Uhr» (<bibl corresp="kbga-bibls-134">Busch, S. 261</bibl>) einen Teil seiner
                            Streitschrift <bibl corresp="kbga-bibls-3279"><hi rend="italic"><ref type="pub" target="52023">Nein! Antwort an Emil Brunner</ref></hi> (ThExh 14), München 1934</bibl>. Damit antwortete er auf
                        die kurz zuvor von <persName ref="kbga-actors-63">E. Brunner</persName> publizierte Schrift <bibl corresp="kbga-bibls-141"><hi rend="italic">Natur und Gnade. Zum
                            Gespräch mit Karl Barth</hi>, Tübingen 1934</bibl>. Brunner seinerseits
                        antwortete schon kurze Zeit später auf Barths Replik mit einer zweiten,
                        stark erweiterten Auflage von <bibl corresp="kbga-bibls-141"><hi rend="italic">Natur und Gnade</hi>, Tübingen 1935</bibl>
                        (die erste Auflage ist wieder abgedruckt in: <bibl corresp="kbga-bibls-225">E. Brunner, <hi rend="italic">Ein offenes
                            Wort. Vorträge und Aufsätze 1917-1962</hi>, eingeführt und ausgewählt
                        von R. Wehrli, Bd. 1, Zürich 1981, S. 333-375</bibl>).</note>
                    <pb xml:id="p363" ed="pga"/> Man kann auch in <placeName ref="kbga-places-53">Rom</placeName> sehr gut arbeiten, besonders wohl da droben, wo die Luft so gut
                    ist. Ich wußte die Situation auch gleich organisch in die Darstellung zu verflechten<note xml:id="n04">«Der Ort, an dem ich
                        diesen Abschnitt schreibe, ist nicht wenig geeignet, die Phantasie
                        hinsichtlich der Perspektiven, die sich, wenn <persName ref="kbga-actors-63">Brunner</persName> recht hätte, eröffnen würden, mächtig
                        anzuregen. Ich sitze nämlich an einem offenen Fenster auf dem <placeName ref="kbga-places-581">Monte Pincio</placeName>
                        zu <placeName ref="kbga-places-53">Rom</placeName>. Dort drüben winkt unverkennbar <placeName ref="kbga-places-1091">St. Peter</placeName>.» (<bibl corresp="kbga-bibls-3279">ThExh 14, S. 32</bibl>) Dieser «Ausblick» auf Sankt Peter gab <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> den
                        «kritischen Einfall», «daß bei <persName ref="kbga-actors-63">Brunner</persName> die ‹römische Gefahr› der ‹<foreign xml:lang="lat">analogia entis</foreign>› drohe» (<bibl corresp="kbga-bibls-134">Busch, S. 261</bibl>).</note>,
                    wie du dann hören wirst!!</p>
                <p>Die Reisegesellschaft ist <hi rend="italic">gut</hi> zusammengesetzt. <persName ref="kbga-actors-27">Peter</persName> ist munter und witzig, in Gedanken beständig
                    bei seiner <persName ref="kbga-actors-1215">Dora</persName>! Er schlug
                    vor, ob wir uns hier nicht Bärte wachsen lassen wollten, um unsere fernen Lieben
                    nachher zu erfreuen! Dagegen ist <persName ref="kbga-actors-24">Markus</persName> wirklich ein Objekt, das noch einiger Erziehung durch den
                    Vater oder durch das Leben nicht unbedürftig ist. Er hat am ersten Abend
                        gemudert<note xml:id="n05">= hat murrend sein Mißvergnügen
                        geäußert, hat gegrollt.</note> wie ein Kind, weil ich ihm nicht ebenfalls
                    ein Zimmer mit Aussicht verschaffen konnte, was nun dort diesmal sicher die
                    Sache der drei älteren Herren sein mußte, und wo er doch weder Briefe noch
                    Streitschriften zu verfassen hat. Er ist sich «irgendwie» seines Ortes und
                    seiner Grenzen noch nicht nach Gebühr bewußt.</p>
                <p> Was magst du, Liebling,
                    unterdessen getan und erlebt haben? Hoffentlich <hi rend="italic">gute</hi> Tage. Ob du
                    mir auch einmal schreibst? Ich muß ja schon erwähnen, daß <persName ref="kbga-actors-27">Peter</persName> schon gestern einen langen Brief bekommen
                    hat. Wir sind natürlich reifer, immerhin!</p>
                <p> Gestern bin ich dort drüben doch richtig müde geworden von dem vielen
                    Herumlaufen und Herumstehen. Aber ich habe es geschafft. Nur daß ich abends dann
                    gerne hier blieb, während die Anderen ein weiteres Kino besuchten!! Ich werde es weiter so halten und schlage
                    so zwei Fliegen mit einer Klappe: Ruhe
                    <hi rend="italic">und</hi> Förderung der Arbeit.</p>
                <p>Weißt du, ich würde gerne mit dir hier wohnen und leben. Wir würden Alles
                        <hi rend="italic">noch</hi> viel schöner gestalten. Doch glaube ich, daß du
                    hinsichtlich der <hi rend="italic">gesunden</hi> Gestaltung meines jetzigen Aufenthalts
                    keinerlei Sorge zu tragen brauchst!</p>
                <p> Gelt, du denkst nur ganz selten an mich? Wäre ich <persName ref="kbga-actors-136">Goethe</persName>, so würde ich dich wohl
                    fragen, ob du gelegentlich mit jemandem «äu<pb xml:id="p364" ed="pga" break="no"/>gelst»<note xml:id="n06">«äugeln» = liebevolle Blicke werfen bzw.
                        austauschen. Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-3277"><persName ref="kbga-actors-136">J. W. von Goethe</persName>, «Geheimes», in: West-östlicher Divan,
                        Buch der Liebe</bibl> («meines Liebchens Äugeln […] heißt: ich liebe diesen»). Im
                        gleichen Sinn braucht <persName ref="kbga-actors-136">Goethe</persName> das Substantiv
                        «Äugelchen»: «Ich hoffe, daß du […] die Äugelchen für den Schatz aufheben
                        wirst» (Brief an <persName ref="kbga-actors-7512">Christiane Vulpius</persName> vom 20.6.1798).</note>. Ach, du bist ja
                        <hi rend="italic">so</hi> lieb, und ich <hi rend="italic">habe</hi> dich auch so lieb, und auch
                    in Zukunft soll es gelten: «in Treue fest»<note xml:id="n07">
                            Das Motto geht zurück auf die gotische
                        Umschrift des Hubertusordens (Bayern 1444): «In traw vast», d. h. in Treue
                        fest; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-3278">Art. «Hubertusorden», in: Meyers Neues Konversationslexikon,
                        Leipzig / Wien 1896-1901<hi rend="sup">5</hi>, Bd. 9, S. 4</bibl>.</note>, und
                    wenn du fromm bist, so bist du angenehm [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Gen.4.7">Gen. 4,7</ref>] und alle Prüfungen führen nur zu immer neuen
                    Bewährungen und Bestätigungen, und dabei soll es auch bleiben.</p>
                <p> Ob dich der Brief noch auf dem <placeName ref="kbga-places-100">Bergli</placeName>
                    erreicht? Dann grüße <persName ref="kbga-actors-316">Rudi</persName> und <persName ref="kbga-actors-315">Gerty</persName>
                    nochmals und sag ihnen, daß ich ihnen gut sei. Ich blicke mit großem und
                    vorbildlichem Frieden in die Welt! Sei du Liebstes tausendmal gegrüßt und
                    geküßt</p>
                <closer>
                    <salute>von Deinem lb.</salute> <signed><persName ref="kbga-actors-2151">Karl</persName></signed>
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