<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0" xml:id="kbga-texts-45156">
  <teiHeader>
    <fileDesc>
      <titleStmt>
        <title type="volume" n="vol-45">Karl Barth – Charlotte von Kirschbaum. Briefwechsel Bd. I 1925–1935</title>
        <title type="formal">Brief Nr. 154</title>
        <title type="content">Charlotte von Kirschbaum an Karl Barth in Bern</title>
        <title type="citation_line_1">Charlotte von Kirschbaum an Karl Barth in Bern, 26. September 1934</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/45156 (Stand: 2. Oktober 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Karl Barth – Charlotte von Kirschbaum. Briefwechsel Bd. I 1925–1935, hrsg. v. Erler, Rolf-Joachim (Gesamtausgabe, Abt. V), Zürich 2008, S. .</title>
      </titleStmt>
      <editionStmt>
        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
        <sponsor>Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW)</sponsor>
        <sponsor>Schweizerischer Nationalfonds (SNF)</sponsor>
        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
      </editionStmt>
      <publicationStmt>
        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
        <date when="2026">2026</date>
        <availability>
          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons BY-SA 4.0</licence>
        </availability>
        <idno type="url">https://kbga.karl-barth.ch/texts/45156</idno>
      </publicationStmt>
      <sourceDesc>
        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
        <bibl type="pga" xml:id="pga">
          <title type="volume">Karl Barth – Charlotte von Kirschbaum. Briefwechsel Bd. I 1925–1935</title>
          <title type="text">Brief Nr. 154: Charlotte von Kirschbaum an Karl Barth in Bern</title>
          <author ref="kbga-actors-223">Kirschbaum, Charlotte von</author>
          <editor>Erler, Rolf-Joachim</editor>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
          <date type="publication">2008</date>
          <!--position within a volume-->
          <biblScope unit="part">45156</biblScope>
        </bibl>
        <!-- Data from KBA (https://kba.karl-barth.ch) -->
        <bibl xml:id="A" type="source">A (Vorlage der Edition): Charlotte von Kirschbaum an Karl Barth, 26. September 1934. <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/24585">KBA 9372.26</ref>. </bibl>
        <!-- we should provide more types: <bibl type="not-found-in-kba"></bibl> <bibl type="not-in-kba"></bibl>  -->
      </sourceDesc>
    </fileDesc>
    <profileDesc>
      <creation>
        <date type="creation" when="1934-09-26">26. September 1934</date>
      </creation>
      <langUsage>
        <language ident="ger">German</language>
      </langUsage>
      <textClass>
        <keywords>
          <term>letter</term>
        </keywords>
      </textClass>
      <correspDesc>
        <correspAction type="sent">
          <persName ref="kbga-actors-223">Kirschbaum, Charlotte von</persName>
          <placeName ref="kbga-places-43">München</placeName>
          <date when="1934-09-26">26. September 1934</date>
        </correspAction>
        <correspAction type="received">
          <persName ref="kbga-actors-2151">Barth, Karl</persName>
          <placeName ref="kbga-places-9">Bern</placeName>
        </correspAction>
        <correspContext>
          <ref type="previous" target="kbga-texts-45155"/>
          <ref type="next" target="kbga-texts-45157"/>
          <ref type="previous-in-corresp" target="kbga-texts-45155"/>
          <ref type="next-in-corresp" target="kbga-texts-45157"/>
        </correspContext>
      </correspDesc>
    </profileDesc>
    <revisionDesc>
      <change when="2026-10-02T07:56:13+02:00">teiHeader was automatically produced from the database 2026-10-02T07:56:13+02:00</change>
    </revisionDesc>
  </teiHeader>
  <text>
        <body>
            <div type="letter">
              <pb xml:id="p373" ed="pga"/>
            <head>
                    154
                </head>
               
                <dateline rend="sender">
                        von Kirschbaum an B. in
                Bern
                    </dateline>
                     <opener>
                    <dateline>
                        <placeName ref="kbga-places-43">München</placeName>, <date when="1934-09-26">26.9.1934</date>
                    </dateline>
                    <salute>Liebster <persName ref="kbga-actors-2151">Karl</persName>!</salute>
                  </opener>
                
                <p>Ich war so froh, gestern abend deinen Brief und deine Karte<note xml:id="n01">Nicht erhalten.</note> aus <placeName ref="kbga-places-53">Rom</placeName> vorzufinden. Und zu hören, daß es
                    dir so <hi rend="italic">gut</hi> geht und du so schöne Eindrücke dort hast. Daß du
                    mich daran teilhaben lässest, dafür bin ich dir dankbar und habe mir die Bilder
                    (sie sind wirklich <hi rend="italic">schön!</hi>) genau besehen. Du mußt mir dann noch
                    viel erzählen. Ach ja, gelt, wir beschauen uns das dann noch einmal zusammen!
                    Aber jetzt freut es mich für die drei, die das mit dir erleben dürfen, und
                    besonders für <persName ref="kbga-actors-431">Wölflein</persName>
                    wird das eine enorme Sache sein. Heute fahrt ihr heim. Morgen kommt er
                    vielleicht hier durch. Ich will doch versuchen, ihn zu treffen. –</p>
                <p> Der Wandertag mit <persName ref="kbga-actors-7165">Emmy</persName> war gut und ruhig, während
                    der Sonntag in <placeName ref="kbga-places-1221">Weiler</placeName> sehr triste
                    Aspekte bot. Davon mündlich. Hier läßt sich Alles freundlich an. Aber ich freue
                    mich nun auf den <date when="1934-10-08">8. Oktober</date>. Die Zeit wird <hi rend="italic">lang</hi>. Findest du nicht
                    auch?? – Die Eingliederung der reformierten Kirche stand hier groß in der
                        Zeitung<note xml:id="n02">
                            Die
                        <bibl corresp="kbga-bibls-3267">Münchner Neuesten Nachrichten, Jg. 87, Nr. 262 vom 25.9.1934, berichteten
                        auf S. 2 unter der Überschrift «Weiterer Schritt zur Befriedung in der
                        Deutschen Evangelischen Kirche»</bibl>, daß der Rechtswalter <persName ref="kbga-actors-6439">Jäger</persName> «im Benehmen mit dem reformierten
                        Mitglied des geistlichen Ministeriums die erste Ausführungsverordnung zum
                        Kirchengesetz zur Sicherung des reformierten Bekenntnisstandes vom
                        9.8.1934 erlassen» habe. «Die Ausführungsbestimmungen regeln die
                        Gesetzgebung in der Evangelisch-Reformierten Landeskirche der Provinz
                        Hannover. Dem Landeskirchentag wird ein weitgehendes Mitbestimmungsrecht
                        eingeräumt, denn nach reformierter Auffassung stellt der Landeskirchentag
                        selbst die Leitung der Kirche dar» (vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-244">S. Lekebusch, <hi rend="italic">Die Reformierten im
                            Kirchenkampf. Das Ringen des Reformierten Bundes, des Coetus
                            reformierter Prediger und der reformierten Landeskirche Hannover um den
                            reformierten Weg in der Reichskirche</hi> [SVRKG 113], Köln 1994,
                        S. 210f.</bibl>).</note>, wie überhaupt die <pb xml:id="p374" ed="pga"/> Einigung der
                    deutschen evangelischen Kirche<note xml:id="n03">Die <orgName ref="kbga-actors-7253">Münchner Neuesten Nachrichten</orgName> hoben ebd. hervor, mit «der am
                        Sonntag erfolgten Einführung des Reichsbischofs» habe eine
                        «jahrhundertelange, auf dieses Ziel zulaufende Entwicklung ihren Abschluß
                        gefunden». Am 11.7.1933 hatten «sich die deutschen evangelischen Kirchen
                        in Fortführung und Vollendung der durch den Deutschen evangelischen
                        Kirchenbund eingeleiteten Einigung zu einer einigen <hi rend="italic">Deutschen
                            evangelischen Kirche</hi>» (DEK) verbunden (s. die Präambel der
                        DEK-Verfassung vom 11.7.1933: <bibl corresp="kbga-bibls-328">JK, Jg. 2 [1934], S. 76f.</bibl>). Diese Einigung
                        versuchte besonders der am 12.4.1934 in das Geistliche Ministerium der DEK
                        eingetretene Rechtswalter <persName ref="kbga-actors-6439">A. Jäger</persName> durch eine skrupellos fortgeführte Politik der
                        «Eingliederung» von Landeskirchen in die eine «Reichskirche» mit
                        «Verordnungen» durchzusetzen. Der Verfassungsausschuß der DEK ließ amtlich
                        als «Kundgebung des Reichsbischofs» am 23.7.1934 mitteilen, daß die «im
                        wesentlichen vollzogenen und im übrigen bevorstehenden Eingliederungen der
                        Landeskirchen in die Deutsche Evangelische Kirche» nichts anderes seien «als
                        eine Durchführung und Ausführung der geltenden Reichskirchenverfassung» (s.
                        <bibl corresp="kbga-bibls-328">JK, Jg. 2 [1934], S. 631-633</bibl>).</note>, ein «Geschenk für die ganze
                        Christenheit»<note xml:id="n04">Vermutlich bezieht sich <persName ref="kbga-actors-223">von
                        Kirschbaum</persName> auf den Bericht der <bibl corresp="kbga-bibls-3269">Münchner Neuesten Nachrichten, Jg. 87,
                        Nr. 259 vom 23.9.1934, S. 2</bibl>, über die zweite Reichstagung der Deutschen
                        Christen in <placeName ref="kbga-places-8">Berlin</placeName>. Am 22.9. hatte dort Landesbischof <persName ref="kbga-actors-9582">Beermann</persName> aus <placeName ref="kbga-places-78">Danzig</placeName> Grüße überbracht und
                        gesagt, «eine einzige Evangelische Reichskirche erscheine den
                        Auslandsdeutschen als ein von Gott geschenktes Wunder».</note>. – Was mag
                    werden? Manchmal meine ich, es laufe Alles <hi rend="italic">weiter</hi> zunächst, auch
                    <placeName ref="kbga-places-10">Bonn</placeName>. 
                    Bayern steht in Erwartung
                    des Kommissars, bzw. in geschlossener Ablehnung.<note xml:id="n05">
                            Entsprechend
                        einer Verordnung des Rechtswalters <persName ref="kbga-actors-6439">Jäger</persName> vom 3.9.1934 sollte Bayern in die Reichskirche
                      eingegliedert werden (<bibl corresp="kbga-bibls-328">JK, Jg. 2 [1934], S. 728f.</bibl>). Nachdem Bischof <persName ref="kbga-actors-271">Meiser</persName> schon am 1.7.
                        aufgefordert worden war, in Eingliederungsverhandlungen einzutreten, hatte
                        die bayerische Landessynode am 23.8. auf einer außerordentlichen Tagung
                        einstimmig erklärt, daß eine Eingliederung «zur Zeit» nicht in Frage komme
                        (<bibl corresp="kbga-bibls-328">a.a.O., S. 723f.</bibl>). Zur Verordnung vom 3.9. erklärte der bayerische
                        Landeskirchenrat, sie sei «nicht als rechtsgültig anzuerkennen» (<bibl corresp="kbga-bibls-328">a.a.O.,
                        S. 766</bibl>; vgl. die «Kundgebung» des Landesbischofs und des Landeskirchenrats
                      vom 15.9.1934, <bibl corresp="kbga-bibls-328">a.a.O., S. 806-809</bibl>). Nach dieser Zurückweisung mußte die
                        Einsetzung eines «geistlichen Kommissars» gemäß Artikel 6 der Verfassung der
                        DEK vom 11.7.1933 erwartet werden.</note> Die Rede von <persName ref="kbga-actors-271">Meiser</persName><note xml:id="n06">In der in <placeName ref="kbga-places-48">Nürnberg</placeName> erscheinenden vom fränkischen NS-Gauleiter
                            <persName ref="kbga-actors-3562">J. Streicher</persName>
                        herausgegebenen «Fränkischen Tageszeitung» war in einer Sonderausgabe vom
                        15./16.9.1934 ein Schmähartikel gegen den bayerischen Landesbischof
                        erschienen. Der Artikel beschuldigte ihn der «planmäßigen Volksverhetzung
                        und Volksverwirrung» und forderte «die sofortige Entfernung des
                        wortbrüchigen und treulosen Landesbischofs <persName ref="kbga-actors-271">D. Meiser»</persName>. Daraufhin zogen am Sonntag, dem
                        16.9.1934, im Anschluß an einen Gottesdienst mit Meiser in der Münchner
                        Matthäuskirche «Tausende von Kirchenbesuchern», die ihm schon vor der Kirche
                        «die Treue und das Vertrauen der Gemeinde» kundgegeben hatten, in die
                        Arcisstraße zum Gebäude des Landeskirchenamtes, von dessen Balkon aus Meiser
                        nach einer stürmischen Begrüßung eine kurze Ansprache hielt. Seine Ansprache
                        klang nach dem Bericht in «einem warmen Bekenntnis zum deutschen Volk und
                        seinem Führer» aus. Die Versammelten antworteten darauf mit dem Deutschland-
                        und dem Horst-Wessel-Lied und zogen «mit dem deutschen Gruß» «an dem
                        Herrn Landesbischof vorüber» (s. den Bericht <bibl corresp="kbga-bibls-3271"><hi rend="italic">Die Vorgänge in München,
                            Nürnberg und Augsburg am 16. und 17. September</hi>, in: JK, Jg. 2
                        [1934], S. 809-813, dort S. 811</bibl>).</note> vom Balkon war in Wahrheit
                        <hi rend="italic">anders</hi>, <persName ref="kbga-actors-7165">Emmy</persName>
                    hat sie gehört. <pb xml:id="p375" ed="pga"/> Aber von dem allen mündlich. Die Haltung
                    hier scheint ordentlich. Ich hoffe <persName ref="kbga-actors-1913">Steck</persName> bald zu treffen, ebenso <persName ref="kbga-actors-662">Lempp</persName>. –</p>
                <p>Ach, wie mag es dich erquickt haben, den Kopf so ins Freie zu stecken. Ich bin so
                        <hi rend="italic">froh</hi> für dich. Das wird auch die Dogmatik zu spüren
                    bekommen. –</p>
                <p>Leb wohl, guter, lieber <persName ref="kbga-actors-2151">Karl</persName>. Du weißt ja, daß ich hier nicht lange Briefe
                    schreiben kann. Aber du weißt auch, daß ich <hi rend="italic">möchte</hi> und daß ich dich
                    so lieb habe wie nur je. –</p>
                <closer>
                    <salute>Deine</salute> <signed><persName ref="kbga-actors-223">L</persName>.</signed>
                </closer>
                <postscript>
                    <p>Grüße <persName ref="kbga-actors-668">Trudi</persName>.</p>
                </postscript>
        </div>
        </body>
    </text>
</TEI>
