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        <title type="volume" n="vol-45">Karl Barth – Charlotte von Kirschbaum. Briefwechsel Bd. I 1925–1935</title>
        <title type="formal">Brief Nr. 183</title>
        <title type="content">Karl Barth an Charlotte von Kirschbaum in Bonn</title>
        <title type="citation_line_1">Karl Barth an Charlotte von Kirschbaum in Bonn, 17. Januar 1935</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/45185 (Stand: 2. Oktober 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Karl Barth – Charlotte von Kirschbaum. Briefwechsel Bd. I 1925–1935, hrsg. v. Erler, Rolf-Joachim (Gesamtausgabe, Abt. V), Zürich 2008, S. .</title>
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        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
        <sponsor>Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW)</sponsor>
        <sponsor>Schweizerischer Nationalfonds (SNF)</sponsor>
        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
      </editionStmt>
      <publicationStmt>
        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
        <date when="2026">2026</date>
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          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons BY-SA 4.0</licence>
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        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
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          <title type="volume">Karl Barth – Charlotte von Kirschbaum. Briefwechsel Bd. I 1925–1935</title>
          <title type="text">Brief Nr. 183: Karl Barth an Charlotte von Kirschbaum in Bonn</title>
          <author ref="kbga-actors-2151">Barth, Karl</author>
          <editor>Erler, Rolf-Joachim</editor>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
          <date type="publication">2008</date>
          <!--position within a volume-->
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        <bibl xml:id="A" type="source">A (Vorlage der Edition): Karl Barth an Charlotte von Kirschbaum, 17. Januar 1935. <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/25554">KBA 9272.144</ref>. </bibl>
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          <persName ref="kbga-actors-2151">Barth, Karl</persName>
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          <persName ref="kbga-actors-223">Kirschbaum, Charlotte von</persName>
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                        Barth an  v.K. in Bonn
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                        <placeName ref="kbga-places-216">Grindelwald</placeName>, <date when="1935-01-17">17.1.1935</date>
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                    <salute>Liebe <persName ref="kbga-actors-223">Lollo</persName>!</salute>
                  </opener>
            
                <p>
                    Mucki<note xml:id="n01">Ein wechselseitiger Kosename zwischen <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> und
                        <persName ref="kbga-actors-223">von Kirschbaum</persName>.</note> ist hier in einem wahren Märchenland: unwahrscheinlich hohe und
                    steile Berge, Farbenmöglichkeiten bei
                    Sonnen- und Mondschein, wie ich noch nie sie sah, Schnee, Schnee, Schnee, in
                    welchem man prächtig stampfen und sich verluften<note xml:id="n02">= verschnaufen, sich erholen.</note> kann, indem man aber sofort bis ans
                    Knie oder darüber einsinkt, wenn man vom gebahnten Pfad abweicht, eine große
                    Stille und Ruhe, trotz
                    allerhand sportelnden Engländern und anderen Fremdlingen. Mitten darin das gemütliche, wenn auch
                    etwas schwer heizbare Pfarrhaus meines Freundes<note xml:id="n03">Nach einem kurzen
                        Zwischenaufenthalt in <placeName ref="kbga-places-5">Basel</placeName> bei <persName ref="kbga-actors-403">E. Thurneysen</persName> hielt sich <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> für
                        einige Tage in <placeName ref="kbga-places-216">Grindelwald</placeName> bei <persName ref="kbga-actors-6456">Martin Nil</persName> auf (<bibl corresp="kbga-bibls-134">Busch, S. 271</bibl>).</note>, der da, umgeben
                    von einer netten Frau und vier munteren Kinderlein, ein innerlich und äußerlich
                    sehr bewegtes Leben führt. Ich hörte gestern abend eine Abendpredigt von ihm in
                    einem eine Stunde entfernten Schulhaus und war eigentlich restlos befriedigt. Er verbindet mit der
                    richtigen Theologie und Predigtweise eine sehr gemütvolle Beziehung zu den
                    Bergen und Menschen, zur Kunst (er malt und musiziert mit Hingabe!) und zu allen
                    möglichen Menschen. Was wird gesche<pb xml:id="p436" ed="pga" break="no"/>hen? Ich werde am
                    kommenden Sonntag über <ref type="can" subtype="bible" target="Joh.2.1 Joh.2.11">Johannes 2,1–11</ref> (Hochzeit zu Kana) predigen<note xml:id="n04">
                            
                            <hi rend="italic">Predigt über
                            <ref type="can" subtype="bible" target="Joh.2.1 Joh.2.11">Joh. 2,1–11</ref></hi>. Gehalten in <placeName ref="kbga-places-216">Grindelwald</placeName> (Kanton Bern) am
                        <date when="1935-01-20">20.1.1935</date>, in: <bibl corresp="kbga-bibls-1260"><persName ref="kbga-actors-2151">K. Barth</persName>, <hi rend="italic">Vier Predigten</hi> (ThExh 22), München 1935, S. 3-10</bibl>; wieder
                        abgedruckt in <bibl corresp="kbga-bibls-245">Pr. 1921-1935, <ref type="pub-" target="../volume/31/p368#p368">S. 383-391</ref></bibl>. – Das <bibl corresp="kbga-bibls-3327">«Echo von Grindelwald»,
                        Jg. 41, Nr. 7</bibl>, berichtete am <date when="1935-01-25">25.1.1935</date>: «Es war ein Ereignis für die
                        Gemeinde, daß am letzten Sonntag Karl Barth in unserer Kirche predigte. Eine
                        recht anschauliche Gemeinde hatte sich denn auch zum Gottesdienst
                        eingefunden. […] Jedenfalls sprechen wir Karl Barth den herzlichen Dank aus,
                        daß er, während einer so kurzen Erholungszeit, bei uns gepredigt hat; es war
                        nicht nur ein Freundesdienst, es war ein Dienst an der Gemeinde.»</note>, um
                    ihn etwas zu entlasten, um seine Gemeinde meinerseits zu begrüßen und um selber
                    nicht in eine fleischliche Feriengemächlichkeit zu verfallen. Also: ich bin hier, wenn nicht alle
                    Zeichen trügen, <hi rend="italic">gut</hi> aufgehoben, und du magst bis auf Weiteres
                    beruhigt an mich denken. – Noch etwas Anderes ist geschehen: Ich habe es
                    übernommen, in den Monaten Februar und März jeweils am Freitag von 3-5 in 
                            <hi rend="italic"><placeName ref="kbga-places-1192">Utrecht</placeName></hi>
                    achtmal zwei Vorlesungen über «Hauptprobleme der Dogmatik» (im Anschluß an das
                    Symbolum Apostolicum)<note xml:id="n05">
                        Siehe <bibl corresp="kbga-bibls-187"><persName ref="kbga-actors-2151">K. Barth</persName>, <hi rend="italic">Credo. Die Hauptprobleme der
                            Dogmatik dargestellt im Anschluß an das Apostolische Glaubensbekenntnis</hi>. 16 Vorlesungen, gehalten an der
                        Universität Utrecht im Februar und März 1935, München 1935</bibl>.</note> zu
                    halten. [<hi rend="sup">*</hi>] Weißt du, ich möchte aus dem Stadium der Untätigkeit und der
                    Gelegenheitsvorträge und der Verhaftung an den Kirchenstreit allmählich wieder heraus
                    und zu meiner Arbeit
                    zurück. Ich muß dann eben achtmal diese kleine Reise nach <placeName ref="kbga-places-514">Holland</placeName> machen.<note xml:id="n06">
                            Ab <date when="1935-02-08">8.2.1935</date> fuhr
                        <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> Woche um Woche freitags nach <placeName ref="kbga-places-1192">Utrecht</placeName> «zum Vortrag von je zwei
                        Abschnitten, um gleich anschließend wieder zurückzufahren» (<bibl corresp="kbga-bibls-134">Busch, S. 272</bibl>).</note>
                    Wegen des Berliner Prozesses<note xml:id="n07">Das Berufungsverfahren wurde schließlich am
                        <date when="1935-06-14">14.6.1935</date> vom Berliner Oberverwaltungsgericht entschieden (<bibl corresp="kbga-bibls-134">Busch, S. 274</bibl>; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-106">Prolingheuer,
                        S. 178.195</bibl>).</note> und wegen <persName ref="kbga-actors-5802">Fränzelis</persName>
                    Hochzeit<note xml:id="n08">Am <date when="1935-03-07">7.3.1935</date> in der Basler St. Jakobskirche.</note> habe ich
                    bereits Verschiebungen des Programms in mögliche Aussicht gestellt. Aber ich
                    konnte und mochte dieses Angebot ordentlicher Arbeit nicht ausschlagen und denke, daß du
                    meinen Entschluß (ich wälzte ihn lange hin und her) gewiß genehmigen wirst.</p>
                <p>Heute morgen kam deine Karte aus <placeName ref="kbga-places-920">O[eynhausen</placeName>] vom 15. Die Post wird hier nur
                    morgens um 9 Uhr und dann um 12 Uhr ausge<pb xml:id="p437" ed="pga" break="no"/>tragen. Eiliges
                    müßte mir schon durch Eilboten mitgeteilt werden. Wie schade, daß du mir nicht
                        <hi rend="italic">mehr</hi> schreiben konntest. Ich bin ganz ungemein gespannt auf
                    weitere Nachrichten, nicht zweifelnd daran, daß du den Leuten dort erhebliche
                    Eindrücke verschaffst. Gelt, du schreibst mir dann sehr bald und sehr
                    ausführlich, wie es gewesen is.</p>
                <p> Ich weiß wohl, was oder wer mir hier fehlt. Wer überwacht hier
                    meine Vitaminversorgung? Niemand. Wer richtet mir hier Kragen und Krawatte?
                    Niemand. Wer rast mir hier gelegentlich etwas vor? Niemand. Wer wirft hier ab
                    und zu ein kostbares Geschirr zur Erde? Niemand. Wer verhindert hier meinen
                    Abfall in die Zonen schweizerischer Bürgerlichkeit? Niemand. Wer erklärt mir
                    hier, wie es der liebe Gott eigentlich gedacht hat punkto Ordnungen etc.?
                    Niemand. Wer begleitet mich hier liebend, lachend, weinend, lehrend,
                    protestierend …? Niemand. Wer ist hier kraft seines ganzen
                    seelisch-leiblichen Bestandes, kraft seines Stimmleins, kraft der Konturen
                    seiner Gestalt und kraft der wechselnden Farben seiner Kleider, kraft der 921
                    Möglichkeiten seines Gesichts und seiner Haltung, kraft des Reichtums seines
                    Herzens und Verstandes, kraft der Energie seines Willens und kraft der Tiefe
                    seines Gemüts meine Freude?
                    Wer? Niemand, niemand! Ja, so is es.</p>
                <p> Ich habe mir vorgenommen, am Mittwoch <date when="1935-01-23">23.</date> nach <placeName ref="kbga-places-9">Bern</placeName> zurück, am Montag <date when="1935-01-28">28.</date> nach <placeName ref="kbga-places-5">Basel</placeName>, am <date when="1935-02-01">1.
                    Februar</date> nach <placeName ref="kbga-places-10">Bonn</placeName> zu fahren. Ist’s so richtig?</p>
                <p>
                        Vorgestern habe ich einen Brief an <persName ref="kbga-actors-26">Nelly</persName> geschrieben,
                    u. A. wegen der bewußten Gerüchte.<note xml:id="n09">
                            Im Blick auf die
                        mögliche Berufung <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> nach <placeName ref="kbga-places-5">Basel</placeName> waren in der Schweiz bereits Gerüchte
                        über sein «Leben zu dritt» in Umlauf gekommen (s. oben
                        <ref type="pub" target="../volume/45/p420#p420">S. 420f.</ref> und vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-6">Bw.Th. III, <ref type="pub" target="34239#fn_n01">S. 827f.,
                        Anm. 1</ref></bibl>).</note> Über diese Sache mußte ich mit – <persName ref="kbga-actors-636">Adolf Keller</persName><note xml:id="n10"><persName ref="kbga-actors-636">Adolf Keller</persName> (1872–1963), 1904-1909
                        Pfarrer an der Deutschen reformierten Gemeinde in Genf, 1909-1924 in Zürich,
                        seit 1924 erster Generalsekretär der Europäischen Zentrale für kirchliche
                        Hilfsaktionen (vgl. Namenregister von <bibl corresp="kbga-bibls-931">Bw.Th. I</bibl> und <bibl corresp="kbga-bibls-932">II</bibl>). Keller kannte <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName>
                        bereits von dessen Vikariat 1909-1911 in der deutschsprachigen Gemeinde in
                        <placeName ref="kbga-places-67">Genf</placeName> her und hatte ihn und <persName ref="kbga-actors-26">Nelly Barth</persName> am <date when="1913-03-27">27.3.1913</date> in der
                            <placeName ref="kbga-places-279">Nydeggkirche</placeName> in Bern getraut (s. <bibl corresp="kbga-bibls-134">Busch, S. 64.83</bibl>).</note> korrespondieren<note xml:id="n11">Aus der Korrespondenz in dieser Sache sind nur <persName ref="kbga-actors-636">Kellers</persName> Briefe vom
                            <date when="1935-01-16">16.</date>, <date when="1935-01-21">21.</date> und <date when="1935-01-25">25.1.1935</date> erhalten 
                            (<ref type="kba-objects-id" target="25547">KBA 9335.67</ref>, <ref type="kba-objects-id" target="25583">KBA 9335.84</ref> und 
                            <ref type="kba-objects-id" target="25631">KBA 9335.105</ref>).</note>, der
                    mich deswegen angeredet hatte. Sie
                    <pb xml:id="p438" ed="pga"/> habe schon vor einem Jahr gerumort. Verdrießlich! Aber
                    mit einer ebenso festen wie klugen Haltung wird ihm so Gott will zu begegnen
                    sein. Das berühmte «Flechten und Weben»<note xml:id="n12">Aus <persName ref="kbga-actors-764">Fr.
                        von Schillers</persName>
                        Gedicht «<bibl corresp="kbga-bibls-1525">Würde der Frauen»</bibl>: 
                        <q rend="block"><lg>
                            <l>«Ehret die Frauen! sie flechten und weben</l>
                            <l>Himmlische Rosen ins irdische Leben.»</l>
                        </lg></q>
                        </note> ist mir bei dieser Sache wieder einmal sehr anschaulich
                    geworden. Die Haupt-Rednerin in der Angelegenheit heißt auch noch Gygax<note xml:id="n13">Die Ehefrau von
                        <persName ref="kbga-actors-10992">Franz Gygax</persName> (1898–1965),
                        seit 1927 Pfarrer in Langnau.</note> (Frau Pfarrer Gygax in <placeName ref="kbga-places-1352">Langnau</placeName> im Kt. Bern, was haben wir ihr zu
                    Leide getan??!).
                    </p>
                <p>Leb wohl, kleine <persName ref="kbga-actors-223">Lollo</persName>; ich bin sicher, daß du dort Alles sehr gut machst.</p>
                <p>I. h. d. s. l.</p>
                <closer>
                    <salute>Dein</salute> <signed><persName ref="kbga-actors-2151">K.</persName></signed> 
                </closer>
                <postscript>
                    <p> Was wird noch geschehen? Ich werde am Samstag <date when="1935-01-26">26.</date> in <placeName ref="kbga-places-9">Bern</placeName> in der Schule von Dr. <persName ref="kbga-actors-9314">Bäschlin</persName> vor der
                        Lehrerschaft, den oberen Klassen samt denen des Freien Gymnasiums und einem weiteren
                        geladenen Kreise einen kleinen Vortrag halten über «Der Weg der deutschen
                        Bekenntniskirche im Jahre 1934».<note xml:id="n14">Siehe unten
                            <ref type="pub" target="../volume/45/p469#fn_n04">S. 469, Anm. 4</ref>.</note> Was wird aber
                        nicht geschehen? Ich werde <hi rend="italic">nicht</hi> im <placeName ref="kbga-places-993">Berner Münster</placeName> predigen und
                        ich werde vor der Basler Studentenschaft <hi rend="italic">keinen</hi> Vortrag halten.</p>
                        <p><hi rend="sup">*</hi> <hi rend="italic">Beginn am 8. Februar</hi>. Es handelt sich um eine
                        <hi rend="italic">Vertretung</hi>.
                        </p>
                </postscript>
            
        </div>
        </body>
    </text>
</TEI>
