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        <title type="volume" n="vol-45">Karl Barth – Charlotte von Kirschbaum. Briefwechsel Bd. I 1925–1935</title>
        <title type="formal">Brief Nr. 185</title>
        <title type="content">Charlotte von Kirschbaum an Karl Barth in Grindelwald</title>
        <title type="citation_line_1">Charlotte von Kirschbaum an Karl Barth in Grindelwald, 18. Januar 1935</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/45187 (Stand: 2. Oktober 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Karl Barth – Charlotte von Kirschbaum. Briefwechsel Bd. I 1925–1935, hrsg. v. Erler, Rolf-Joachim (Gesamtausgabe, Abt. V), Zürich 2008, S. .</title>
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        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
        <sponsor>Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW)</sponsor>
        <sponsor>Schweizerischer Nationalfonds (SNF)</sponsor>
        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
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        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
        <date when="2026">2026</date>
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        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
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          <title type="volume">Karl Barth – Charlotte von Kirschbaum. Briefwechsel Bd. I 1925–1935</title>
          <title type="text">Brief Nr. 185: Charlotte von Kirschbaum an Karl Barth in Grindelwald</title>
          <author ref="kbga-actors-223">Kirschbaum, Charlotte von</author>
          <editor>Erler, Rolf-Joachim</editor>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
          <date type="publication">2008</date>
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        <bibl xml:id="A" type="source">A (Vorlage der Edition): Charlotte von Kirschbaum an Karl Barth, 18. Januar 1935. <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/25567">KBA 9372.41</ref>. </bibl>
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          <persName ref="kbga-actors-223">Kirschbaum, Charlotte von</persName>
          <placeName ref="kbga-places-10">Bonn</placeName>
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          <persName ref="kbga-actors-2151">Barth, Karl</persName>
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                        von Kirschbaum an  B. in Grindelwald
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                        <placeName ref="kbga-places-10">Bonn</placeName>, den <date when="1935-01-18">18.1.1935</date>
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                    <salute>Lieber <persName ref="kbga-actors-2151">Karl</persName>!</salute>
                </opener>
                
                    <p> Die schöne Gelegenheit, übermorgen <persName ref="kbga-actors-403">Eduard</persName> einen Brief an dich mitzugeben, soll nicht unbenützt
                        bleiben. Ich will versuchen, dir ein wenig gesammelter noch meine Oeynhausener
                        Eindrücke wiederzugeben, als dies neulich abend im Zimmer des Viktoriahotels
                        möglich war. Es war ja so seltsam, an allen diesen Stätten nun leibhaftig
                        umherzuwandeln, an denen ich dich im Geiste so oft begleitet hatte. In
                        demselben Frühstückszimmer herzklopfend den Tageslauf zu beginnen, das
                        Herzklopfen durch einen kräftigen Kaffee unterstützend, in demselben
                        Sitzungszimmer Gespräche über <persName ref="kbga-actors-2151">Karl Barth</persName> zu führen, bei demselben Portier
                        Nachfrage zu halten, wie es denn mit Post für Zimmer 39 bestellt sei, und
                        jedesmal, wirklich jedesmal am Abend einen Gruß zu finden! –</p>
                    <p><pb xml:id="p441" ed="pga" rend="noPipe"/>Als wir ankamen am Montag abend nach einer reichlich trüben Fahrt durch die
                        wenig schöne Gegend, die in einem Gemisch von Regen und Schnee wirklich auch
                        noch ihre wenig anmutigste Seite zeigte und die mich das Opfer sehen ließ,
                        das du mit deinem Hier-bei-uns-Bleiben auch nach <hi rend="italic">dieser</hi>
                        Seite bringen würdest
                            (<placeName ref="kbga-places-197">Wuppertal</placeName> ist <hi rend="italic">nicht</hi> schön), fand ich dank deiner Schilderung und dank einer
                        glänzenden Lichtreklame (!) mühelos den Weg zum Hotel. Kaum aber hatten wir
                        dort ein gemütliches Zimmer bezogen und eben uns ein wenig eingerichtet,
                        klopft es: Die Damen möchten bitte herunter kommen ins Auskunftsbüro der
                            Rüstwoche. Frl. <persName ref="kbga-actors-6478">Seifert</persName> fuhr zusammen: «Jetzt werde ich wieder
                        fortgeschickt!» Die Gute, sie hatte die ganzen Tage zu kranken an einem fast
                        gesteigerten Bewußtsein ihrer Illegitimität!! (<hi rend="italic">Wer</hi> tut das
                        sonst auch manchmal??) Unten trat ein freundlicher, sehr jugendlicher Mann
                        uns entgegen, verbeugte sich: Pastor <persName ref="kbga-actors-7471">Thimme</persName><note xml:id="n01"><persName ref="kbga-actors-7471">Hans Thimme</persName> (1909–2006), Lic. theol.,
                            im Frühjahr 1934 aus dem Dienst der Westfälischen Kirche entlassen,
                            Hilfsprediger der <orgName ref="kbga-actors-7774">BK</orgName> bei Präses <persName ref="kbga-actors-227">K. Koch</persName>, Sprecher der Bruderschaft westfälischer
                            Hilfsprediger und Kandidaten, Anfang 1935 Leitung der
                            «Reichsbruderschaft» der Hilfsprediger und Kandidaten, Pfarrer in
                            Spenge, später Ephorus des Predigerseminars in Brackwede und Soest,
                            1957-1968 Oberkirchenrat, 1968-1977 Präses der Evangelischen Kirche von
                            Westfalen.</note>. Ist eine der beiden Damen vielleicht Frl. <persName ref="kbga-actors-223">v.
                        Kirschbaum</persName>? Für Sie ist nämlich ein Freiquartier bestellt in der
                        Schubertstraße bei Pastor X. – Ich glaubte dieses freundliche Angebot nicht
                        ausschlagen zu dürfen, holte mein Köfferlein und bestieg ein Auto, begleitet
                        von einer kleinen Führerin. Konfirmandinnen hatten sich zu diesem Zweck
                        erboten, da der ostfriesische Chauffeur einer mildtätigen Dame, die ihr Auto
                        zur Verfügung gestellt hatte, weder Weg noch Steg in <placeName ref="kbga-places-920">Bad Oeynhausen</placeName> kannte!! Das Auto
                        rollte und rollte, die Straßen wurden lichter, die Häuser hörten schließlich
                        auf, der Kurpark lag dunkel am Wegrand. Mir wurde etwas schwindlig zumute.
                        Wie sollte ich jeweils des Nachts nach den Sitzungen hier herausgelangen??
                        Die Kleine meinte getrost: «Oh, da gehen Sie quer durch den Park, dann ist
                        es gar nicht mehr so schrecklich weit!» Schließlich sah man am Horizont noch
                        ein Häuslein liegen. «Das ist es.» Ich klopfte dem Chauffeur: «Bitte, fahren
                        Sie mich wieder zurück ins Hotel. Ich <pb xml:id="p442" ed="pga"/> will
                        lieber ein Zimmer dort mieten.» Brummend machte er kehrt, und etwas
                        verstimmt nahm Pastor <persName ref="kbga-actors-7471">Thimme</persName>
                        meinen eigenmächtigen Entschluß zur Kenntnis, während Frl. <persName ref="kbga-actors-6478">S.</persName> glücklich war über die
                        Wiedervereinigung. – Um 8 Uhr gingen wir in den Hohenzollerhof, wo die
                        Eröffnung der Tagung stattfinden sollte. Kein Mensch war da, nur ein junger
                        Pfarrer ging mit uns zur Türe hinein. Der Boy fragte: Gehören die
                        Herrschaften zur Tagung? – <hi rend="italic">Ich</hi> jedenfalls, meinte der Pfarrer
                        im Vollgefühl seiner männlichen Würde. Wir <hi rend="italic">auch</hi>, sagte ich
                        kühner, als mir zumute war. Und dann warteten wir in weichen Sesseln. Nach
                        und nach füllte es sich, bekannte Gesichter tauchten auf: <persName ref="kbga-actors-987">Fricke</persName>/Frankfurt, <persName ref="kbga-actors-7380">Schipper</persName> und sogar der kleine
                            <persName ref="kbga-actors-3628">Wolf</persName> vom Studentenbruderrat
                            hier<note xml:id="n02">Wahrscheinlich <persName ref="kbga-actors-3628">Hans Walter Wolff</persName> (1911–1993), der im
                            Wintersemester 1934/35 der Vorsitzende des Bruderrats der studentischen
                            Bekenntnisgemeinschaft in Bonn war (vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-3382">W. Scherffig, <hi rend="italic">Junge
                                Theologen im ‹Dritten Reich›. Dokumente, Briefe, Erfahrungen</hi>,
                            Bd. 1: <hi rend="italic">1933-1935</hi>, Neukirchen-Vluyn 1989, S. 161.172</bibl>).
                                <persName ref="kbga-actors-3628">Wolff</persName> wurde 1938 Pfarrer
                            in Solingen, 1947 Dozent, 1951 Professor für Altes Testament in
                            Wuppertal, 1959 in Mainz, 1967 in Heidelberg.</note>. Mit ihm entflohen
                        wir dann in die Stadtkirche, wo <persName ref="kbga-actors-12">Asmussen</persName> predigte. Bis zum letzten Raum war die Kirche
                        gefüllt, und Asmussens klare schöne Stimme teilte das Nötige mit über den
                        Grund der Gemeinde. Es war ein Abend aus einer Folge von Belehrungsvorträgen
                        über die Grundelemente der Gemeinde. Zurückgekehrt fanden wir einen
                        gefüllten Saal, alle Größen des Kirchenkampfes: <persName ref="kbga-actors-897">Beckmann</persName>, <persName ref="kbga-actors-1368">Held</persName><note xml:id="n03"><persName ref="kbga-actors-1368">Heinrich
                                Held</persName> (1897–1957), seit
                            1930 Pfarrer in Essen, Mitbegründer der <orgName ref="kbga-actors-7774">BK</orgName> im Rheinland, 1945
                            Superintendent, 1948-1957 Präses der Evangelischen Kirche im
                            Rheinland.</note> und wie sie alle heißen. Auch Dr. <persName ref="kbga-actors-1269">Stoevesandt</persName> war zu sehen und vor
                        allem, vor allem der liebe, gute <persName ref="kbga-actors-414">Heinrich
                            Vogel</persName>. Pfr. <persName ref="kbga-actors-5792">Weber</persName>, als Vertreter von <persName ref="kbga-actors-227">Koch</persName>, übernahm knapp und gut die Begrüßung. Dann folgte die
                        Berichterstattung aus den verschiedenen Gebieten, merkwürdig nichtssagend
                        (ausgenommen <persName ref="kbga-actors-7380">Schipper</persName>) und von
                            <placeName ref="kbga-places-30">Hannover</placeName> geradezu aufreizend
                            <foreign xml:lang="lat">episkopal</foreign>. Heinrich Vogel saß
                        schräg vor mir mit so traurig-verlassenem Gesicht, daß ich ihm – er hatte
                        mich noch nicht gesehen – einen Zettel zuwarf: «Herr Pfarrer, Ihr
                            Marsch<note xml:id="n04">Der Text des «Bekenntnismarsches» von <persName ref="kbga-actors-414">H. Vogel</persName> findet sich bei <bibl corresp="kbga-bibls-106">Prolingheuer, S. 64</bibl>. Zwei Zeilen
                            sind nach <bibl corresp="kbga-bibls-3382 ">W. Scherffig,
                            a.a.O., S. 157, Anm. 260,</bibl> zu ergänzen.</note> ist <hi rend="italic">herrlich!</hi>
                        <pb xml:id="p443" ed="pga"/> <persName ref="kbga-actors-2151">K. B.</persName> läßt Sie grüßen. <persName ref="kbga-actors-223">L. v. K.</persName>» Sein Gesicht
                        hellte sich auf, und er lachte ganz herzlich und leise. Als um ½11 Uhr dann
                        der Letzte sein Sprüchlein gesagt hatte und wir aufstanden, ergab es sich,
                        daß ich noch mit <persName ref="kbga-actors-7380">Schipper</persName>,
                            <persName ref="kbga-actors-414">Vogel</persName>, <persName ref="kbga-actors-4070">Jannasch</persName>/Lübeck und <persName ref="kbga-actors-276">Horst Michael</persName> sitzen blieb und in ein langes
                        Gespräch mit ihnen kam über deine Situation und deine weitere Entscheidung.
                            <persName ref="kbga-actors-414">Vogel</persName> war sehr offen und ganz
                        bereit, mir zuzustimmen, daß jedes unbedingte Dich-festlegen-Wollen unrecht
                        sei. Er meinte, zu Anfang habe er das getan, aber er habe da sich lockern
                        lassen. – Horst Michael
                        begleitete das Ganze mit schneidend geistreichen Bemerkungen, ein wenig von
                        sich überzogen, aber scharfsichtig und belebend. – Um Mitternacht trennten
                        wir uns, und auf dem Zimmer fand ich Frl. <persName ref="kbga-actors-6478">S.</persName> bereits in friedlichem Schlummer. – Der andere Tag fand
                        uns um 9 Uhr versammelt in einem etwas trüben und vor allem etwas sehr
                        kalten Saal. Aber in der Bereitschaft, mit der Kirche in der Verfolgung
                        alles zu leiden, fanden wir uns damit ab. <persName ref="kbga-actors-12">Asmussen</persName> eröffnete und verlas alle Namen, und dann kam halt
                        unaufhaltsam auch der meine, als Vertreterin von – – <hi rend="italic"><placeName ref="kbga-places-10">Bonn</placeName></hi>. Man sang ein Lied, man betete gemeinsam den
                        <ref type="can" subtype="bible" target="Ps.84">84. Psalm</ref>, das Vaterunser, eine kleine Morgenandacht, die sich jeden Tag in
                        derselben Weise wiederholte. Dann kam eine Stunde Bibelarbeit, an den drei
                        Tagen geleitet von <persName ref="kbga-actors-8410">Albertz</persName>,
                        einem Reformierten. Das war eigentlich an den drei Tagen eher enttäuschend,
                        und ich gestand mir leise, daß wir im Seminar in solchen Fällen sehr viel
                        gründlicher bei Exegesen zu Werke gehen, als dies hier der Fall war. – Gegen
                        Ende trat – – <persName ref="kbga-actors-275">Georg</persName> in den Saal,
                        der bald darauf mit seinem Vortrag über «Alte und neue Kirche, Reformation
                        und Restauration»<note xml:id="n05">Der Vortrag wurde von <persName ref="kbga-actors-275">G. Merz</persName> nicht zum Abdruck im
                            Dokumentationsheft der Tagung (vgl. oben <ref type="pub" target="45181#fn_n01">S. 423f., Anm. 1</ref>) zur
                            Verfügung gestellt. Das Manuskript ist wahrscheinlich nicht mehr
                            erhalten (<bibl corresp="kbga-bibls-2949">Lichtenfeld,
                            S. 513, Anm. 88</bibl>). Ein zur Vorlage an den Reichsbruderrat erarbeitetes
                            Thesenpapier faßt in seinem ersten Teil die Ergebnisse des Vortrags von
                                <persName ref="kbga-actors-275">Merz</persName> und des folgenden
                            Korreferates von <persName ref="kbga-actors-3422">H. Obendiek</persName>
                            zusammen (vgl. a.a.O., <bibl corresp="kbga-bibls-2949">S. 512f.</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-3328"><hi rend="italic">Reformation oder
                                Restauration</hi>, S. 21f.</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-494"><hi rend="italic">Die Bekenntnisse und
                                grundsätzlichen Äußerungen zur Kirchenfrage</hi>, Bd. 3: <hi rend="italic">Das Jahr 1935</hi>, hrsg. von K. D. Schmidt, Göttingen
                            1936, S. 50</bibl>).</note> begann. Dieser Vortrag war nach meiner Ansicht
                        trotz gerade glänzender geistiger Jonglierkunststücke eine Katastrophe. Ich
                        blieb einfach tiefbetrübt auf dem Schauplatz zurück. <pb xml:id="p444" ed="pga"/> Zunächst wehrte er die Begriffe Reformation und Restauration
                        als untheologische und unmögliche ab. Was er <hi rend="italic">dazu</hi> sagte,
                        war ordentlich und theologisch wohl einwandfrei. Ganz verhängnisvoll aber
                        wurde es im zweiten Teil, wo er sich eine Auseinanderreißung von Bekennen
                        und Bekenntnis leistete, die
                        mir nach dem Vorangegangenen einfach schlechthin unverständlich war und die
                        zugunsten einer solchen Überbetonung des 
                            <hi rend="italic">Bekenntnisses</hi> geschah, daß, wäre nicht schon
                        der Vorgang als solcher unmöglich, dies wirklich noch eine besondere Prüfung
                        war. – <persName ref="kbga-actors-3422">Obendiek</persName><note xml:id="n06"><bibl corresp="kbga-bibls-3383 "><persName ref="kbga-actors-3422">H. Obendiek</persName>, <hi rend="italic">Alte und neue Kirche</hi>, in:
                                <hi rend="italic">Reformation oder Restauration</hi>, a.a.O.,
                            S. 5-21.</bibl></note>, der das gleiche Thema nach ihm behandelte, machte es
                        gut. Vielleicht hast du es dir seinerzeit noch strenger exegetisch gedacht,
                        als du ihm den Rat gabst, aber es war nichts dazu zu bemerken, nur
                        vielleicht dies, daß seine Art des <hi rend="italic">Vortrags</hi> wirklich so
                        weitgehend der Anmut entbehrt, daß es schon hart an
                        Das-Licht-unter-den-Scheffel-Stellen geht [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Mt.5.15">Mt. 5,15</ref>]. Aber es tat wohl in
                        der Straffheit und Sauberkeit der Gedankenführung und der Lauterkeit der
                        Bemühung. – Dann gemeinsamer Mittagstisch, neben mir <persName ref="kbga-actors-7380">Schipper</persName>, uns gegenüber <persName ref="kbga-actors-5488">Humburg</persName> und <persName ref="kbga-actors-6416">Fiedler</persName>. Wir hörten nicht
                        uninteressante Dinge über <persName ref="kbga-actors-265">Marahrens</persName> und die Situation in Berlin. <persName ref="kbga-actors-265">M.</persName> scheint kreuzunglücklich, will
                        lieber heute wie morgen gehen. Er habe wörtlich zu <persName ref="kbga-actors-5488">Humburg</persName> gesagt: «Ach, werfen Sie mich
                        doch zum alten Eisen, ich tauge ja doch nichts mehr!» Solche Aussprüche
                        rühren natürlich <persName ref="kbga-actors-5488">Humburgs</persName>
                        wirklich gutes, aber für die schlimmen Zeiten vielleicht doch zu weiches
                        Herz. <persName ref="kbga-actors-6416">Fiedler</persName> ist strammer,
                        jünger, geballter. Er sagte, seine Frau habe gesagt, er habe sich seit dem
                        Zusammenbruch nach <placeName ref="kbga-places-804">Dahlem</placeName> zu einem
                        unglücklichen Manne entwickelt. Und in der Tat, er sieht seltsam gealtert
                        und schlecht aus. An deiner Sache ist er brennend interessiert und sagte mir
                        sofort, er wolle in diesen Tagen noch mit mir darüber sprechen. – Ganz
                        unvermutet kam <persName ref="kbga-actors-275">Georg</persName>: Trinken wir
                        einen Kaffee zusammen? – Ich war bereit. Wir hatten nicht
                        lange Zeit. Er war merkwürdig aufgeschlossen und liebevoll da, sprach von
                        dir als von dem einzigen wirklichen Freund, den er je gehabt habe, sprach
                        von all dem, was ihm schwer war. Darum war ich sehr froh, hatte aber immer
                        im Hintergrund die Angst: Ich darf trotz<pb xml:id="p445" ed="pga" break="no"/>dem nicht schweigen über den Vortrag. Und dann sagte ich ihm
                        alles, was dazu zu sagen war, sehr vorsichtig, aber ich glaube, ohne jede
                        Zudeckung. Ich mußte ihm sagen, daß dieser Vortrag dich nur hätte aufs
                        schwerste betrüben können und deiner gegenwärtigen theologischen Arbeit einfach als
                        unversöhnlicher Gegensatz gegenüberstehe. Er nahm das bekümmert, aber
                        eigentlich gut zur Kenntnis. Durch <persName ref="kbga-actors-7380">Schipper</persName> wurden wir dann jäh unterbrochen. Es geht mir alles
                        noch sehr, sehr nach. Wenn man ihn doch abhalten könnte, sich zu verrennen in so seltsame
                        Versteifungen, wie z. B. auch diese, daß er dich bzw. die Reinheit deiner
                            Lehre gegen dich
                        schützen müsse, denn du stehest im Begriff, jetzt mit umgekehrtem Vorzeichen
                        die Sünde der Religiös-Sozialen<note xml:id="n07">Siehe oben <ref type="pub" target="../volume/45/p434#fn_n22">S. 434, Anm. 22</ref>.</note> zu
                        begehen. Ich lachte ihn aus, ich sagte ihm, er sei aus einem Rechtsanwalt
                        ein Staatsanwalt geworden, er solle doch davon ablassen, das sei nicht gut.
                        Er war nachdenklich und schien aufgeschlossen. – Am Nachmittag in der
                        Diskussion wurde aber <persName ref="kbga-actors-12">Asmussen</persName>
                        gegenüber all das, was ihn von
                        uns trennt theologisch, so grell deutlich, daß ich nur mit Traurigkeit daran
                        denken kann, und umso mehr eigentlich, weil eine gewisse persönliche Nähe
                        diesmal nicht zu leugnen und von ihm gesucht war. – <persName ref="kbga-actors-12">Asmussen</persName> verlor dann
                        vielleicht auch ein wenig zu jäh die Haltung und schrie es förmlich hinaus,
                        die Lutheraner
                        möchten doch bitte, bitte lieber gleich sagen, sie seien nicht mehr gewillt,
                        die Linie von <orgName ref="kbga-actors-5393">Barmen</orgName> zu halten,
                        statt sie zu erweichen bis zur Unkenntlichkeit. Es ging den ganzen
                        Nachmittag um die Gültigkeit der Barmer Erklärung und ihre
                        Anerkennung als Bekenntnis,
                        eine Fragestellung, die ich einfach für verkehrt halte, da man doch nie die
                        Möglichkeit, sondern immer nur die Wirklichkeit eines Bekenntnisses anerkennen kann. <persName ref="kbga-actors-414">Vogel</persName> tat sein Bestes. Er ist
                        theologisch vorsichtiger als <persName ref="kbga-actors-12">Asmussen</persName>, hat freilich menschlich weniger <hi rend="italic">Gewicht</hi>. Von der formalen Frage nach der Gültigkeit ging es im
                        Gespräch über zu der Frage nach Amt und Gemeinde, und dabei traten eben
                        seltsame Dinge zutage bei den Lutheranern, die mich im Verlauf der
                            Tagung
                        noch oft und eigentlich steigernd erschreckten. Sie behaupten zäh, die
                        <foreign xml:lang="lat">communio sanctorum</foreign> sei nicht konstitutives Element der Kirche. Das ging so weit, daß am
                        letzten Tage der eine und schlimmste der Hannoveraner<hi rend="sup">*</hi> es fertig brachte zu
                        sagen: Es sei <pb xml:id="p446" ed="pga"/> letztlich grundsätzlich
                        gleichgültig für ihn, ob ein Mensch unter der Kanzel sitze und zuhöre oder
                        nicht. Die Kirche sei auch ohne diesen Menschen auf dem Plan.</p>
                    <p>
                        <hi rend="italic">Nachts</hi>. Lieber <persName ref="kbga-actors-2151">Karl</persName>, ich mußte lange unterbrechen.
                            <persName ref="kbga-actors-25">Matthislein</persName> wollte ins Bett
                        gebracht sein unter langen Gesprächen über <placeName ref="kbga-places-162">Barmen</placeName>-<placeName ref="kbga-places-5">Basel.</placeName>
                        (Ich glaube, die Leute in <placeName ref="kbga-places-197">Elberfeld</placeName> wissen nicht, daß <hi rend="italic">ich</hi>
                        existiere. Sonst könnten sie das nicht wollen!! Sag doch selbst, ich bin
                        doch in <placeName ref="kbga-places-162">Barmen</placeName> eine unmögliche
                        Gestalt!!) Ich tröstete ihn. Es wird <placeName ref="kbga-places-5">Basel</placeName> werden. – Und mitten hinein kam dein Anruf aus
                            <placeName ref="kbga-places-216">Grindelwald</placeName>. <hi rend="italic">Lieber</hi> <persName ref="kbga-actors-2151">Karl</persName>. Er hat mir Sehnsucht gemacht, soweit sie nicht schon
                        vorhanden war. –
                        Aber wie schön, daß du es <hi rend="italic">gut</hi> hast, daß du durch den
                        Schnee und die herrliche Luft laufen darfst. Bleib doch, so lange es nur
                        geht. –</p>
                    <p>
                        
                        <hi rend="italic"><date when="1935-01-19">19. Jan. 1935</date>.</hi>
                    </p>
                    <p>Inzwischen ist ein <hi rend="italic">neuer</hi> Tag angebrochen. Gestern abend,
                        als ich die gemütliche Erzählung fortsetzen wollte, kam <persName ref="kbga-actors-9244">H. W. Landgrebe</persName> und wollte seinerseits
                        erzählt haben. Und da er als Hausgenosse diesen Anspruch schließlich erheben
                        kann, hielt ich ihm stand. Dann kam noch ein
                        Telefon von <persName ref="kbga-actors-408">Traub</persName>, der
                        anscheinend in der <orgName ref="kbga-actors-10961">Synode</orgName> im Verein mit dem sichtlich sehr guten Pfarrer <persName ref="kbga-actors-3112">Boué</persName><note xml:id="n08"><persName ref="kbga-actors-3112">Edgar Boué</persName> (1898–1974), 1928-1933
                            Pfarrer in Lüdenscheid, 1933-1949 Pfarrer in Oberkassel (bei Bonn),
                            1946-1949 Superintendent in Bonn, 1949-1960 Oberkirchenrat in
                            Düsseldorf.</note> erhebliche Dinge durchdrückt hinsichtlich deiner
                        Angelegenheiten (Eidesfrage
                        und Barmen)<note xml:id="n09">Zur Initiative <persName ref="kbga-actors-408">Traubs</persName> s. unten <ref type="pub" target="../volume/45/p457#p457">S. 457</ref>.</note>, die nun in
                        seiner Formulierung von drei Pfarrern in der Rheinischen Synode vorgebracht werden sollen. Er ist stolz und beunruhigt
                        zugleich wie immer in solchen Fällen, und die Formulierung soll also hier
                        heute mittag unmittelbar vor meiner Abreise nach <placeName ref="kbga-places-94">Köln</placeName> noch – – Gnade
                        finden. – Aber dann war ich müde, und sehr erkältet von dem eiskalten Saal
                        in <placeName ref="kbga-places-920">Oe.</placeName> mußte ich ins Bettlein kriechen. Und heute sieht es leider nicht so
                        aus, als könnte ich diesen Brief noch so zu Ende führen, wie er gedacht war.
                        Die Post brachte den deinigen. Hab vielen herzlichen Dank! Es ist mir alles
                        recht (gelt, ich werde ganz unwahrscheinlich sanftmütig?), und ich begegne
                        deinem Wunsch nach Rückkehr an strenge dogmatische Arbeit mehr als du dir
                        vielleicht vorstellst. Dazu hat Oe. ganz wesentlich beigetragen, und das <pb xml:id="p447" ed="pga"/> war es eben eigentlich, worüber ich dir noch ausführlich
                        schreiben wollte. – Daß du am 1. heimkommen willst, ist ganz unerwartet
                        schön, ich hatte mich innerlich auf längere Zeit einzurichten <hi rend="italic">versucht</hi>. Wirklich nur versucht!! – Eben telefonierte ich mit
                            D. <persName ref="kbga-actors-1044">Hesse</persName> und meldete mich
                        offiziell in <placeName ref="kbga-places-197">Elberfeld</placeName> an für
                        heute abend.<note xml:id="n10">Siehe unten <ref type="pub" target="../volume/45/p452#p452">S. 452f.</ref></note> Ich möchte nicht gerne so dort einbrechen. Er war sehr
                        freundlich und sagte, er fände es ausgezeichnet. – Wie ich dir gestern schon
                        schrieb, spielt aber nun gleichzeitig hier eine wichtige Sache. <persName ref="kbga-actors-6416">Fiedler</persName> kommt zu einem Vortrag in der
                        Bek. Gem. heute abend und sagte mir in <placeName ref="kbga-places-920">Oe.</placeName>, er wolle dann gerne mit
                            <persName ref="kbga-actors-45">Bleibtreu</persName> sprechen und ich
                        sollte doch zusehen, dabei zu sein. Ich habe lange geschwankt, aber ich habe
                        mich – vielleicht nicht nur aus Pflichtgefühl!! – nun doch für <placeName ref="kbga-places-197">Elberfeld</placeName> entschieden. Fiedler ist nämlich der Ansicht, daß
                        man im Augenblick die juristischen Schnitzer der Gegenseite unbedingt
                        ausnützen müßte (die illegale Veröffentlichung des Vorsitzenden formal und
                        den Vernebelungsversuch material<note xml:id="n11">Siehe oben <ref type="pub" target="../volume/45/p414#fn_n01">S. 414</ref>, Anm. 1.</note>) und war darum mit deiner Notiz in den <orgName ref="kbga-actors-5804">B. N.</orgName><note xml:id="n12">Siehe oben <ref type="pub" target="../volume/45/p419#fn_n01">S. 419f., Anm. 1</ref>.</note> nicht ganz einverstanden, weil sie sich
                        trotz allem Protest zu stark schon auf diesen Boden stellt. Mag er nun recht
                        haben oder nicht – <persName ref="kbga-actors-45">Bl[eibtreu]</persName> ist
                        sehr viel pessimistischer – , er hat auf jeden Fall eine Fülle von Erfahrung
                        in den Beziehungen Kirche und Staat hinter sich und hat dazu das
                        große Plus einer unbedingt sauberen theologischen Einsicht, wie mir sein
                        Vortrag in <placeName ref="kbga-places-920">Oe.</placeName><note xml:id="n13">Die «gute und klare Ausführung» <persName ref="kbga-actors-6416">E. Fiedlers</persName>, von der <persName ref="kbga-actors-223">von
                                Kirschbaum</persName> am <date when="1935-01-16">16.1.1935</date> geschrieben hatte (s. oben <ref type="pub" target="../volume/45/p429#p429">S. 429</ref>)</note> zeigte. So daß mir scheinen will, es kann nur gut sein,
                        wenn er sich kümmert um die Sache und <persName ref="kbga-actors-45">Bl.</persName> berät.  Morgen vormittag
                        im Hause von <persName ref="kbga-actors-196">Horst</persName> wird das
                        Gespräch stattfinden. <persName ref="kbga-actors-196">Horst</persName>
                        meinte, ich sollte mit dem Frühzug aus <placeName ref="kbga-places-197">Elberfeld</placeName> herüberfahren, aber ich
                        habe mich nicht gebunden (vielleicht geschieht es doch), sondern habe mit
                            Bl. verabredet, daß er <hi rend="italic">nach</hi> dem Gespräch mittags in <placeName ref="kbga-places-94">Köln</placeName> mit <persName ref="kbga-actors-403">Eduard</persName>, <persName ref="kbga-actors-316">Ruedi</persName> und mir zusammenstößt, so daß diese dir mündlich oder
                        in einer raschen schriftlichen Niederlegung das Ergebnis melden können.
                        Sollte <persName ref="kbga-actors-6416">F.</persName> nach Kenntnisnahme der
                            Urteilsbegründung, die wir ihm aushändigen, die Sache anders
                        sehen und Revision für unnütz halten, dann kann diese jederzeit mit deinem
                            Einverständ<pb xml:id="p448" ed="pga" break="no"/>nis zurückgezogen
                        werden. Aber ich glaube, es ist gut, wenn du noch auf diesen Bericht
                        wartest, wie ich dir gestern abend am Telefon sagte. – (Übrigens sagte ich
                            <persName ref="kbga-actors-196">Horst</persName> eben, daß du am <date when="1935-02-01">1.
</date>                        heimkommst. Nun wird er dich nicht mit einem Schreiben bedrängen, sondern
                            warten.)
                        <persName ref="kbga-actors-431">Wölflein</persName> läßt dich sehr grüßen.
                        Morgen abend feiern wir: er, <persName ref="kbga-actors-408">Traub</persName> und ich zusammen die Geburt des Sohnes. Er ist so gut
                        aufgeschlossen und freundschaftlich. Und weißt du, wer mit uns reiten will?? <persName ref="kbga-actors-135">Goeters</persName>!! Er habe schon die wildesten
                        Pferde gebändigt in seinem Leben, behauptet er. – –</p>
                    <p>Nun aber zurück zu <hi rend="italic"><placeName ref="kbga-places-920">Oeynhausen</placeName></hi>. Es steht also so, daß ein sachliches
                        Protokoll erstellt werden wird mit kurzen Wiedergaben der Vorträge und
                        ausführlicheren der Diskussionsreden, so daß du das dann alles lesen kannst.
                            <persName ref="kbga-actors-7380">Schipper</persName> und ich wollen das
                        in freundlicher Arbeitsgemeinschaft schaffen: er den ersten und dritten Tag,
                        ich den zweiten.<note xml:id="n14">Es liegt nur ein 20seitiger Bericht von
                            <persName ref="kbga-actors-7380">Fritz Schipper</persName> über alle
                            drei Tage vor (<ref type="kba-objects-id" target="88411">KBA 16768</ref>).</note> An diesem zweiten Tag stand das Thema
                            <hi rend="italic">Staat und Kirche</hi> zur Diskussion nach den beiden Vorträgen von
                            <persName ref="kbga-actors-9596">Schmidt</persName>/München<note xml:id="n15">Siehe oben <ref type="pub" target="../volume/45/p429#fn_n03">S. 429, Anm. 3</ref>.</note> und <persName ref="kbga-actors-737">de
                                    Quervain</persName><note xml:id="n16">Siehe oben S. <ref type="pub" target="../volume/45/p429#fn_n04">429, Anm. 4</ref>.</note>. Der zweite war, wie ich dir schon schrieb,
                        ausgezeichnet und hat das ganze Zusammensein darum überhaupt erst zu einem
                        sinnvollen werden lassen, weil er es aus dem bloßen Diskutieren in den Ernst
                        der Entscheidung hob. Es ist ja merkwürdig und etwas mir gänzlich
                        Unbekanntes, weil um dich her Unmögliches, wie weitgehend die Leutchen auch
                        jetzt noch sich mit einer Welle von Reden schützen können dagegen, daß es
                        wirklich ernst wird. Der kleine zappelige <persName ref="kbga-actors-737">de
                            Quervain</persName> (was ist das für ein seltsamer Mann, <persName ref="kbga-actors-2151">Karl</persName>, auch
                        persönlich. Immer wieder tauchte er neben mir auf, setzte sich bei Tisch zu
                        mir, um dann vollkommen abwesend und zerstreut zu sein) hat das geleistet,
                        und das Erschrecken in den Gesichtern war ganz spürbar und fast an den
                        Vorgang erinnernd, der sich um dich herum zu ereignen pflegt. Am Nachmittag
                        im lutherischen Konvent sank dann freilich das Niveau rasch wieder. <persName ref="kbga-actors-12">Asmussen</persName> war dafür, einfach zu erklären,
                        daß wir Lutheraner
                        nicht in der Lage wären, ein eindeutiges gemeinsames Wort in dieser Sache zu
                        finden, und zwei Formulierungen nebeneinanderstellten. Es kam dann
                        schließlich doch <pb xml:id="p449" ed="pga"/> noch anders, und wir einigten
                        uns mit den Reformierten auf
                        eine. Es war nämlich die Aufgabe dieser Konvente, jeweils eine Formulierung
                        zu erstellen, die dann in gemeinsamer Diskussion zusammen verglichen und
                        verarbeitet werden sollte zu der endgültigen Fassung. Und da war es nun
                        jedesmal eigentlich erschütternd zu sehen, wie einmütig, wie konzentriert,
                        wie entschlossen die Reformierten zurückkehrten <persName ref="kbga-actors-1269">(Stoevesandt</persName> auch unter ihnen!) und wie zerrissen, fast
                        feindselig aufgespalten wir Lutheraner sie empfangen mußten. Es
                        ist für mich das Ergebnis dieser Tage, oder eines der Ergebnisse dieser
                        Tage, daß ich niemals mehr sagen könnte, man müsse <hi rend="italic">reformiert</hi> werden, sondern daß ich eigentlich die ganze
                        Bedeutsamkeit dieses Konfliktes im Luthertum gerade dahin verstehen muß, daß
                        man nun erst recht 
                            <hi rend="italic">Lutheraner</hi> sein muß, wenn man es schon einmal
                        ist. Heil allen, die es nicht sind. Aber in diesen so merkwürdig zu
                        Randgestalten gewordenen Gestalten wie <persName ref="kbga-actors-12">Asmussen</persName>, <persName ref="kbga-actors-414">Vogel</persName>,
                        wie weithin deine Schüler, scheint sich mir etwas ganz Wichtiges zu entscheiden.
                        Sie nämlich tragen im Grunde die Last des Kampfes gegen diese böse, böse
                        Ketzerei im eigenen Lager, die aus dem Bekenntnis<hi rend="italic">stand</hi> der Kirche die
                        Wirklichkeit der Kirche ableitet und die mit einer Sicherheit und ja, ich
                        kann eigentlich nur noch einmal sagen: bösen, bösen Unerschrockenheit den
                        Heiligen Geist verleugnet. <persName ref="kbga-actors-12">Asmussen</persName> weiß, warum er so verzweifelt um die
                        <foreign xml:lang="lat">congregatio sanctorum</foreign> kämpft. Es ist, als wollte in diesen Lutheranern die <hi rend="italic">Kirche</hi>, die, das läßt sich nicht leugnen und das ist der
                        Unterschied zu vor einem Jahr, die weltliche Dämonie abgewiesen hat (der
                        Mythus ist gebrochen, und nur aus Ängstlichkeit wird er von den Schwachen
                        noch behutsam behandelt!!), aber nun der viel schlimmeren geistlichen
                            erliegen<note xml:id="n17">Tskr.: «erliegt»; Korrektur vom Hrsg.</note>,
                        wie wenn sie im Kampf um ihre Freiheit sich in einem fürchterlichen Maße
                        Selbstzweck geworden wäre. Nicht Christus gilt es, sondern die 
                            <hi rend="italic">Kirche</hi>. Gewiß, sie sagen alle: Wir meinen die
                        Kirche Jesu Christi, aber (kommt dann) in der bekenntnisbestimmten Kirche, und dann setzt die
                        eigentliche Leidenschaft ein. Und da ist es nun schade, daß <persName ref="kbga-actors-12">Asmussen</persName>, der <hi rend="italic">unbedingt</hi> nach meiner Einsicht sich da für Notwendigstes wehrt, in
                        seinen Formulierungen merkwürdig sorglos sein kann. Und sich darin dann
                        manchmal Blößen gibt, die er den Anderen, die innerlich eine Front <pb xml:id="p450" ed="pga"/> bilden (von <persName ref="kbga-actors-275">Merz</persName> bis zu dem tristen <persName ref="kbga-actors-9596">Schmidt</persName> und wie sie alle heißen) nicht bieten sollte.
                            <persName ref="kbga-actors-414">Vogel</persName> ist da sicherer, weil
                        er rhetorisch schlichter ist, nein, vielleicht nicht <hi rend="italic">weil</hi>,
                        sondern und.</p>
                    <p> Am letzten Abend sagte <persName ref="kbga-actors-12">Asmussen</persName>
                        mit erhöhter Stimme zu der Versammlung: Ich verbitte mir, daß es mir
                        abgesprochen wird, Lutheraner zu sein. Ich bin Lutheraner, und ich verbitte mir,
                        daß nur die als Lutheraner anerkannt werden sollen, die von <placeName ref="kbga-places-296">Rostock</placeName> oder
                        <placeName ref="kbga-places-19">Erlangen</placeName> ein placet haben. Ja, ich halte sogar dafür, daß ich Lutheraner
                        bin, der auf der Grundlage der <bibl corresp="kbga-bibls-13 ">C. A.</bibl> steht, während sie sich von Art.
                            VII<note xml:id="n18"><bibl corresp="kbga-bibls-13 ">Confessio Augustana</bibl>, Art. VII. Von der Kirche: «Es
                            wird auch gelehret, daß alle Zeit musse ein heilige christliche Kirche
                            sein und bleiben, welche ist die Versammlung aller Glaubigen, bei
                            welchen das Evangelium rein gepredigt und die heiligen Sakrament lauts
                            des Evangelii gereicht werden. Dann dies ist genug zu wahrer Einigkeit
                            der christlichen Kirchen […]» (<bibl corresp="kbga-bibls-14 ">BSLK 61, 2-9</bibl>).</note> scheiden. – Aber
                        nun erhebt sich die seltsame Frage, wenigstens im faktischen Zusammentreffen
                        der theologischen Äußerungen und Ergebnisse: Wo liegt der Unterschied, der
                        notwendig trennende Unterschied zwischen <hi rend="italic">diesen</hi>
                        Lutheranern im
                        Sinne <persName ref="kbga-actors-12">Asmussens</persName> und den Reformierten? Ich weiß, man
                        kann diese Frage nicht formal erheben. Aber wird nicht z. B. <persName ref="kbga-actors-1620">H. Gollwitzers</persName> Arbeit<note xml:id="n19">Siehe <bibl corresp="kbga-bibls-3389"><persName ref="kbga-actors-1620">H. Gollwitzer</persName>, <hi rend="italic">Lutherisch, reformiert,
                                evangelisch</hi>, in: EvTh, Jg. 1 (1934/35), S. 307-325</bibl>.</note> da
                        sehr seltsame Dinge ergeben, wenigstens nach den uns bekannten Auszügen?
                        Sieh, es war in <placeName ref="kbga-places-920">Oeynhausen</placeName> dauernd so, daß zwischen <persName ref="kbga-actors-12">Asmussen</persName>, <persName ref="kbga-actors-414">Vogel</persName>, <persName ref="kbga-actors-7380">Schipper</persName> etc. auf der einen und den Reformierten auf der anderen Seite <hi rend="italic">kein</hi> Dissensus gegeben war und daß wirklich <persName ref="kbga-actors-12">Asmussen</persName> dieser
                        Tatsache <hi rend="italic">zum Trotz</hi> behaupten mußte: «Ich gehöre nicht zu
                        euch, sondern zu den Anderen. Ich bin Lutheraner.» <persName ref="kbga-actors-5488">Humburg</persName> flüsterte mir am ersten
                        Nachmittag einmal während einer Rede von <persName ref="kbga-actors-12">Asmussen</persName>  zu: «Er gibt sich verzweifelte Mühe, Lutheraner zu sein.» Und in der Tat,
                        es war so. Ich sagte das <persName ref="kbga-actors-12">Asmussen</persName> nachher, da lachte er nur und meinte dann
                        eben zu <persName ref="kbga-actors-7508">Voget</persName>, wie ich dir schon
                        schrieb, «die Reformierten
                        sollten nicht glauben, er habe eine heimliche Liebe zu ihnen», was Voget mit
                        leisem Lächeln quittierte und ich mit der Bemerkung: Heimliche Liebe gesteht
                        man nie. –</p>
                    <p> Was ich dir nun gestern auf der Karte andeutete mit dem seltsamen zweiten
                        Stadium, in das mir der Kirchenkampf getreten scheint, <pb xml:id="p451" ed="pga"/>
                            der<note xml:id="n20">Tskr: «in den mir der Kirchenkampf getreten
                            scheint und der»; Korrektur vom Hrsg.</note> sich unendlich viel
                        grundsätzlicher austragen muß als der von 1933 und 34, weil er nun eben
                        wirklich ein innerkirchlicher Kampf ist, das hat mich sehr ruhig gemacht im
                        Hinblick auf <placeName ref="kbga-places-5">Basel</placeName>. Es <hi rend="italic">könnte</hi> sein, daß du dort, vielleicht
                        im Kampf mit <persName ref="kbga-actors-63">Brunner</persName>,
                        wirkungsvoller mitsprichst als hier im Nahkampf. Es <hi rend="italic">könnte</hi>
                        sein. Eine Festlegung auf das Reformiertentum innerhalb <placeName ref="kbga-places-151">Deutschlands</placeName> würde dich auf jeden Fall
                        mehr verbauen als die nationale Grenze. Wenigstens scheint es mir nach
                        dieser Woche so. <persName ref="kbga-actors-12">Asmussen</persName>
                        hat, so glaubte ich ihn verstehen zu müssen, ähnliche Gedanken darüber und
                        vielleicht auch noch eine fast ängstliche Abwehr aus konfessionellen
                        Gründen, sich zu eng mit dir zu liieren. Wenigstens wollte es mir fast so
                        scheinen. Er sagte allerdings auch das: Die Schande, die es für uns alle
                        bedeutet, wenn <persName ref="kbga-actors-2151">K. B. </persName>das Land verläßt, ist nicht gut zu machen. –</p>
                    <p> Ja, das sind nun alles nur so hingeworfene Brocken, die dir nicht viel sagen
                        können, aber die dir die Richtung zeigen, in der meine Gedanken über das
                        alles laufen. Ich denke bei dem allen an das, was du einmal im Seminar
                        sagtest, daß es letztlich in all diesen Kämpfen vielleicht um eine neue
                        Erkenntnis des Heiligen Geistes gehe. Und das
                        scheint mir eben hier in den drastischeren Formen und drüben in den ruhigeren
                        des <persName ref="kbga-actors-63">Brunner</persName>kampfes dasselbe zu
                        sein. Oder irre ich mich? Auf jeden Fall, das steht fest: du mußt dich
                        zurückhalten aus diesen Kleingefechten und mußt wieder daran gehen, im
                        Großen die Richtung zu zeigen und in unermüdlicher dogmatischer Belehrung zu
                        helfen. Das ist nötiger als alles Andere. –</p>
                    <p> Wie mag es nun heute abend werden?
                            <persName ref="kbga-actors-403">Eduard</persName> rief gestern noch an.
                        Meint er wohl, ich versteife mich auf <placeName ref="kbga-places-162">Barmen</placeName>? Ich bin weit davon. ­Um 5 Uhr treffe ich sie in <placeName ref="kbga-places-94">Köln</placeName>, am Abend
                        holt <persName ref="kbga-actors-737">de Quervain</persName> uns ab und
                        bringt uns zum Abendessen ins Predigerseminar, dann zur Besprechung zu <persName ref="kbga-actors-5710">Halstenbach</persName>. –</p>
                    <p>Nun will ich noch die Druckbogen<note xml:id="n21">Die Druckbogen für
                            <bibl corresp="kbga-bibls-1259"><persName ref="kbga-actors-2151">K. Barth</persName>, <hi rend="italic">Vier Bibelstunden über Luk. 1</hi> (ThExh 19),
                            München 1935</bibl>.</note> lesen und dann <persName ref="kbga-actors-403">Eduard</persName> mitgeben. Wenn ich nicht ganz fertig werde, mußt du
                        entschuldigen. Ich versuche es möglichst. –</p>
                    <p><pb xml:id="p452" ed="pga" rend="noPipe"/>Alles Andere dann <hi rend="italic">mündlich</hi>. Die guten Berner<note xml:id="n22">Betrifft die von <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> erwähnten Gerüchte, s. oben <ref type="pub" target="../volume/45/p420#p420">S. 420f.</ref> und S. <ref type="pub" target="../volume/45/p437#p437">437f.</ref></note>, haben sie nichts Besseres zu denken und zu tun?? Ich kann es nicht ernst nehmen. <persName ref="kbga-actors-26">Nelly</persName> habe ich beruhigt.</p>
                    <p>Es grüßt dich u. h. d. <hi rend="italic">s</hi>. l.</p>
                <closer>
                    <salute>Deine</salute>
                    <signed><persName ref="kbga-actors-223">L.</persName></signed>
                </closer>
                <postscript>
                    <p>Von einigen <hi rend="italic">guten persönlichen</hi> Begegnungen in <placeName ref="kbga-places-920">Oe.
</placeName>                        <hi rend="italic">erzähle</hi> ich dir dann noch, dazu gehören auch die etwas
                        problematischen: <persName ref="kbga-actors-4070">Jannasch</persName> und
                            <persName ref="kbga-actors-7508">Voget</persName>, die mir beide
                        gefielen. – <persName ref="kbga-actors-1269">Stoevesandt</persName> ist
                        erquickend und «fabelhaft», aber wirklich <hi rend="italic">nicht</hi> belastet
                        mit Reflexionen, vielleicht doch <hi rend="italic">zu</hi> wenig.
                        <lb/>
                        <hi rend="italic"><placeName ref="kbga-places-197">Elberfeld</placeName></hi>, Sonntag <date when="1935-01-20">20. Januar,</date> morgens. – Ich sitze in
                        einem feudalen Zimmer des «Kaiserhofes» und warte, daß <persName ref="kbga-actors-316">Ruedi</persName> und <persName ref="kbga-actors-403">Eduard</persName> mich zum Frühstück abholen. Dann
                        geht es in die Kirche zu D. <persName ref="kbga-actors-1044">Hesse</persName>, dann nach <placeName ref="kbga-places-94">Köln</placeName> zu Dr. <persName ref="kbga-actors-45">Bleibtreu.</persName> ­- ­Der Abend gestern mit den Reformierten (bei <persName ref="kbga-actors-5710">Halstenbach</persName><note xml:id="n24">Im Haus des Wuppertaler
                            Kaufmanns <persName ref="kbga-actors-5710">Willy Halstenbach</persName> trafen sich am Samstag, 19.1.1935, <persName ref="kbga-actors-223">von
                            Kirschbaum</persName>, <persName ref="kbga-actors-403">E. Thurneysen</persName>,
                                <persName ref="kbga-actors-316">R. Pestalozzi</persName>, <persName ref="kbga-actors-911">P. Bockemühl</persName>, <persName ref="kbga-actors-1044">H. A. Hesse</persName>, <persName ref="kbga-actors-1045">H. K. Hesse</persName>, <persName ref="kbga-actors-5488">P. Humburg</persName>, <persName ref="kbga-actors-5489">K. Immer</persName>, <persName ref="kbga-actors-1674">P. Jacobs</persName>, <persName ref="kbga-actors-687">K. Mensing</persName>, <persName ref="kbga-actors-737">A. de Quervain</persName> und <persName ref="kbga-actors-7423">W. Siebel</persName> zu einem Gespräch
                            über <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> Zukunft. <persName ref="kbga-actors-403">E. Thurneysen</persName> und <persName ref="kbga-actors-316">R. Pestalozzi</persName>
                            versuchten immer wieder, «in ihrer Einschätzung der politischen wie der
                            bekenntniskirchlichen Lage des Falles <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> ihre deutschen
                            Gesprächspartner von der Aussichtslosigkeit eines weiteren Wirkens des
                            gemeinsamen Freundes und Lehrers <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> in Deutschland zu überzeugen. Ein
                            Ruf an die Universität Basel sei jederzeit realisierbar» (<bibl corresp="kbga-bibls-106">Prolingheuer, S. 125</bibl>; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-6">Bw.Th. III, <ref type="pub" target="../volume/34/p815#p815">S. 815-824</ref></bibl>;
                            <bibl corresp="kbga-bibls-3390"><persName ref="kbga-actors-4171">R. Steiner</persName>,
                                <hi rend="italic">Die Reformierte </hi> [SVRKG 68], Köln 1982,
                            S. 125f.128</bibl>). – <persName ref="kbga-actors-5710">Carl Wilhelm («Willy»)
                                Halstenbach</persName> (1886–1953), Kaufmann, Kirchmeister in der
                            reformierten Gemeinde (Wuppertal-)Barmen-Gemarke, seit Dezember 1934
                            Mitglied des Moderamens des Reformierten Bundes, «wurde während des
                            Kirchenkampfes Mitglied des Presbyteriums in Gemarke. In seiner Wohnung
                            [der ‹Villa Halstenbach›] fanden sehr viele Zusammenkünfte von Kreisen
                            der Bekennenden Kirche statt» (<bibl corresp="kbga-bibls-3390"><persName ref="kbga-actors-4171">R. Steiner</persName>, a.a.O., S. 149,
                            Anm. 92</bibl>).</note>) hat wohl das gezeigt, daß die Ent<pb xml:id="p453" ed="pga" break="no"/>scheidung wirklich so schwer <hi rend="italic">ist</hi>, wie sie dir fällt, und daß beide Teile das jetzt <hi rend="italic">sehen</hi>. <persName ref="kbga-actors-403">Eduard</persName>
                        hat <hi rend="italic">gut</hi> gesprochen, aber auch die Reformierten haben sich <hi rend="italic">gut</hi>
                        gehalten und mit keiner Wimper gezuckt nach bruchstückweiser Verlesung der
                            Urteilsbegründung. Auch deine <persName ref="kbga-actors-223">L. </persName>hat mehrmals das Wort ergriffen
                        und gegen <persName ref="kbga-actors-5488">Humburg</persName> sogar einen
                        Angriff auf die <orgName ref="kbga-actors-8355">Vorläufige Kirchenleitung</orgName> eröffnet. Ich muß sagen: das ist ein <hi rend="italic">sehr ordentlicher</hi>
                        Mann. Er schreibt dir wohl in
                        der nächsten Zeit. – Mit <persName ref="kbga-actors-403">Eduard</persName> und <persName ref="kbga-actors-316">Ruedi</persName> habe ich es <hi rend="italic">sehr</hi> schön und fühle mich ihnen von Herzen <hi rend="italic">verbunden</hi>. Wir haben in der ganzen Sache wohl keinen Augenblick
                            <hi rend="italic">gegeneinander</hi> gedacht. – <lb/>Jetzt predigst du.<note xml:id="n25">Siehe oben <ref type="pub" target="../volume/45/p436#fn_n04">S. 436, Anm. 4</ref>.</note> Ich denke daran. Gestern abend wählte <persName ref="kbga-actors-1044">Hesse</persName> vor der Verlesung bei Tisch
                        jenes Wort, auf das hin wir am <date when="1929-01-01">1. Januar 1929</date>
                        den Entschluß faßten, daß ich ganz zu dir käme: «Herr Gott Zebaoth, tröste
                        uns, laß uns dein Antlitz leuchten, so genesen wir.» [<ref type="can" subtype="bible" target="Ps.80.4">Ps. 80,4</ref>].<note xml:id="n26">
                                Siehe oben <ref type="pub" target="../volume/45/p081#fn_n16">S. 81, Anm. 16</ref>, und <ref type="pub" target="../volume/45/p124#fn_n22">S. 124, Anm. 22</ref>.</note> Das hat mich sehr bewegt.<note xml:id="n27">Am
                            Rand angestrichen.</note> – – <persName ref="kbga-actors-403">Eduard</persName> berichtet dir sicher in <placeName ref="kbga-places-5">Basel</placeName> von dem Gespräch, von
                        mir findest du <hi rend="italic">hier</hi> dann ein Protokoll<note xml:id="n28">Das von <persName ref="kbga-actors-223">von
                                Kirschbaum</persName> erstellte 12seitige Protokoll über das
                            «Gespräch (im Auszug) zwischen Pastoren und Ältesten von <placeName ref="kbga-places-197">Wuppertal</placeName> und <persName ref="kbga-actors-403">E. Thurneysen</persName> und <persName ref="kbga-actors-316">R. Pestalozzi</persName> am 19. Jan. 1935 in
                                Barmen» (<ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/91061">KBA</ref>).</note>. <lb/>
                        <hi rend="italic"><placeName ref="kbga-places-94">Köln</placeName> Mittag</hi>. Herr <persName ref="kbga-actors-45">Bleibtreu</persName> ist hier eingetroffen nach seiner Unterredung mit
                        Dr. <persName ref="kbga-actors-6416">Fiedler</persName>, sitzt
                        augenblicklich neben mir, nachdem wir mit <hi rend="italic">
                            <persName ref="kbga-actors-316">Ruedi</persName></hi>,<hi rend="italic">
                            <persName ref="kbga-actors-403">Eduard</persName></hi> und <persName ref="kbga-actors-431">Wolf</persName> zu Mittag aßen, und sagt mir die
                        nötigsten dir mitzuteilenden Dinge aus dem Gespräch: <lb/>1. <persName ref="kbga-actors-6416">Fiedler</persName> ist <hi rend="italic">unbedingt</hi> für Durchführung der 
                            <hi rend="italic">Berufung</hi>, und zwar deshalb, weil damit die
                        Möglichkeit der <hi rend="italic">Verteidigung</hi> gegen die politische Diffamierung gegeben ist,
                        auch wenn der Erfolg unsicher ist. <lb/>2. Er hält auch dafür, daß sachlich
                        Alles daran gewandt werden muß, daß auch bei den zwei anderen
                        Anschuldigungspunkten nachgewiesen wird, daß es um ein <hi rend="italic">theologisches</hi> und nicht <hi rend="italic">politisches</hi> Anliegen
                        geht, daß es also im Ganzen um <hi rend="italic">eine</hi> Sache in drei Punkten
                        geht. – <lb/>3. Er hält es für ratsam, zur Verbreitung der <hi rend="italic">schriftlichen Urteilsbegründung</hi> eine Unterredung in <hi rend="italic"><placeName ref="kbga-places-8">Berlin</placeName></hi> einzuberufen
                        mit führenden Kirchenjuristen, an der <hi rend="italic">du</hi> teilnehmen
                        sollst. Die Juristen, an die er <pb xml:id="p454" ed="pga"/> gedacht hat:
                            <persName ref="kbga-actors-119">Flor</persName>, <persName ref="kbga-actors-10993">Kotte</persName><note xml:id="n29"><persName ref="kbga-actors-10993">Erich Kotte</persName>
                            (1886–1961), seit 1923 Geheimer Konsistorialrat, 1934-1945 im Dienst der
                            <orgName ref="kbga-actors-8358">BK</orgName> in Sachsen, juristischer Berater der Bekenntnisgemeinschaft und
                            Mitglied des Landesbruderrates in Dresden, ab 17.3.1936 präsidielle
                            Leitung des sächsischen Landeskirchenamtes, 1946-1957 Präsident des
                            Landeskirchenamtes der sächsischen Landeskirche, 1948 Mitglied der
                            Kirchenleitung der <orgName ref="kbga-actors-10421">VELKD</orgName>.</note>, <persName ref="kbga-actors-687">Mensing</persName><note xml:id="n30"><persName ref="kbga-actors-687">Karl Mensing</persName> (1876–1953),
                            Rechtsanwalt und Kirchmeister in Wuppertal, Mitglied des Rates der
                            Evangelischen Bekenntnissynode.</note>, <persName ref="kbga-actors-10994">Holstein</persName><note xml:id="n31"><persName ref="kbga-actors-10994">Horst Holstein</persName> (1894–1945), Dr.,
                            Rechtsanwalt in Berlin, seit Herbst 1933 juristische Beratung und
                            Vertretung des Pfarrernotbundes in Berlin.</note> und Döring<note xml:id="n32">Nicht ermittelt.</note> (zwei
                        Rechtsanwälte in Berlin) und v. <persName ref="kbga-actors-388">Soden</persName> (?). Sollte das nicht möglich sein, dann will
                            <persName ref="kbga-actors-6416">Fiedler</persName>
                        <hi rend="italic">allein</hi> zu dir.</p>
                        <p> <hi rend="sup">*</hi> «Bruder
                            <persName ref="kbga-actors-225">Klügel</persName>»<note xml:id="n23"><persName ref="kbga-actors-225">Eberhard Klügel</persName> (1901–1966),
                                seit 1933 Pfarrer in Bennigsen, seit 1933 Mitglied des Bruderrates des
                                Pfarrernotbundes und erster Geschäftsführer der Landeskirchlichen
                                Sammlung (Bekenntnisgemeinschaft) Hannover, 1937-1950 Studiendirektor
                                des Predigerseminars Erichsburg, ab 1950 Mitglied der Kirchenleitung
                                Hannover.</note></p>
                </postscript>

            </div>
        </body>
    </text>
</TEI>
