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        <title type="volume" n="vol-45">Karl Barth – Charlotte von Kirschbaum. Briefwechsel Bd. I 1925–1935</title>
        <title type="formal">Brief Nr. 202</title>
        <title type="content">Charlotte von Kirschbaum an Karl Barth auf dem Bergli</title>
        <title type="citation_line_1">Charlotte von Kirschbaum an Karl Barth auf dem Bergli, 25. Juni 1935</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/45204 (Stand: 2. Oktober 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Karl Barth – Charlotte von Kirschbaum. Briefwechsel Bd. I 1925–1935, hrsg. v. Erler, Rolf-Joachim (Gesamtausgabe, Abt. V), Zürich 2008, S. .</title>
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        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
        <sponsor>Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW)</sponsor>
        <sponsor>Schweizerischer Nationalfonds (SNF)</sponsor>
        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
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      <publicationStmt>
        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
        <date when="2026">2026</date>
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          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons BY-SA 4.0</licence>
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        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
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          <title type="volume">Karl Barth – Charlotte von Kirschbaum. Briefwechsel Bd. I 1925–1935</title>
          <title type="text">Brief Nr. 202: Charlotte von Kirschbaum an Karl Barth auf dem Bergli</title>
          <author ref="kbga-actors-223">Kirschbaum, Charlotte von</author>
          <editor>Erler, Rolf-Joachim</editor>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
          <date type="publication">2008</date>
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        <bibl xml:id="A" type="source">A (Vorlage der Edition): Charlotte von Kirschbaum an Karl Barth, 25. Juni 1935. <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/26629">KBA 9372.50</ref>. </bibl>
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          <persName ref="kbga-actors-223">Kirschbaum, Charlotte von</persName>
          <placeName ref="kbga-places-10">Bonn</placeName>
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                    <salute>Lieber <persName ref="kbga-actors-2151">Karl</persName>!</salute>
                </opener>
            
                <p> Darauf habe ich mich die ganzen Tage gefreut, daß ich meinen Geburtstag damit
                    «feiern» würde, dir zu schreiben. Es ist ganz still im Hause: Die Kinder sind in
                    der Schule, <persName ref="kbga-actors-26">Nelly</persName>
                    in der Stadt, und nur <persName ref="kbga-actors-7188">Hertha</persName>
                    hantiert leise im unteren Stockwerk. <hi rend="italic">Ich aber</hi> sitze – an deinem
                    Schreibtisch, die Jalousien sind herabgelassen, und draußen brütet die Hitze.
                    Und immer wieder gehen meine Gedanken ein Jahr zurück. Da waren wir noch an der
                        Dogmatik, und jedesmal nach der Vorlesung <pb xml:id="p491" ed="pga"/>
                    habe ich dir ein solches Schälchen frischer Erdbeeren mitgenommen, wie Nelly mir heute
                    eines zum Frühstück spendierte. – Es ist <hi rend="italic">viel</hi> zu erzählen, so daß
                    ich gar nicht recht weiß, <hi rend="italic">wo</hi> beginnen. Vielleicht ganz einfach und
                    ganz bescheiden mit <hi rend="italic">heute</hi>. Dieses «Heute» begann um Mitternacht im
                    Bett, wo ich ganz langsam und sehnsüchtig deinen Brief las, der seit Nachmittag
                    auf meinem Nachttisch gewartet hatte. Die Worte auf der Rückseite «Zum <date when="1935-06-25">25. Juni
                    1935</date>» veranlaßten mich, ihn nicht, wie das Herz wollte, <hi rend="italic">sofort</hi> zu
                    öffnen. Außerdem war das auch technisch nicht ganz einfach, denn ich hatte keine
                    Minute allein. Davon später. – Nun aber war ich also allein und
                        <hi rend="italic">sehr</hi> und <hi rend="italic">ganz</hi> bei dir. Ich dank dir vielmals, daß
                    du mir einen so langen und lieben Brief geschrieben hast. Das war das
                        <hi rend="italic">Schönste</hi>, was sich ereignete, und alles Andere nur noch ein
                    Nachspiel. Immerhin: Das Nachspiel war in seiner Art auch sehr lieblich. Um 7
                    Uhr öffnete sich die Tür zum Studierzimmer und herein traten mit einem
                    Riesenstrauß selbstgepflückter Mohn- und Kornblumen <persName ref="kbga-actors-22">Hansjoggeli</persName>,
                        <persName ref="kbga-actors-25">Matthis</persName> und die kleine <persName ref="kbga-actors-9609">Lore</persName><note xml:id="n01">
                            Tochter von <persName ref="kbga-actors-6470">Lore Schlomka</persName>.</note>, die einige
                    Tage bei uns ist, während ihre <persName ref="kbga-actors-6470">Mutter</persName> in <placeName ref="kbga-places-162">Barmen</placeName> einen Unterweisungskurs für Bibelstunden mitmacht.
                    Sie waren so lieb, die drei, und <persName ref="kbga-actors-22">Joggeli</persName> stellte
                    mir noch ein winziges selbstumwickeltes rotes Drahtmännlein, das eine grüne Ähre
                    hält, aufs Bett, das so fröhlich aussah und über das er vor allem so
                    unüberwindlich fröhlich lachte, daß mir ganz vergnügt wurde. Matthis Thema war entschieden feierlicher, er überreichte mir ein
                    noch gestern abend spät gemaltes Bild: <persName ref="kbga-actors-6287">Gustav Adolfs</persName> Tod. Und die kleine
                        Lore streckte mir
                    ganz schüchtern einen selbstgefertigten Serviettenring entgegen. – Das war
                    Alles sehr, sehr schön. – Nachher kam <persName ref="kbga-actors-26">Nelly</persName> mit dem so ersehnten 1. Band
                    der Forsyte Saga<note xml:id="n02">Siehe oben <ref type="pub" target="../volume/45/p220#fn_n08">S. 220,
                        Anm. 8</ref>.</note>, einer Bastdecke (irgendwie stand dieser Geburtstag unter dem
                    Zeichen des «Bastes»), Pralinen und lieber Post von den Freunden aus <placeName ref="kbga-places-43">München</placeName>,
                    meiner Familie und Frl. <persName ref="kbga-actors-6478">Seifert</persName>, die noch voll
                    ahnungsloser Hoffnung ist. Von <persName ref="kbga-actors-7165">Emmy</persName> kam eine <hi rend="italic">sehr schöne</hi> Photographie des Johannes aus
                    dem Grünewaldbild<note xml:id="n03"><persName ref="kbga-actors-2206">Johannes der Täufer</persName> aus der Kreuzigungstafel
                        des Isenheimer Altars von <persName ref="kbga-actors-584">Matthias Grünewald</persName> (um 1480-1528). Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-3060">R. Marquard, <hi rend="italic">Karl
                            Barth und der Isenheimer Altar</hi> (AzTh 80), Stuttgart 1995</bibl>.</note>
                    und <persName ref="kbga-actors-12">Asmussens</persName>
                    Galaterbrief<note xml:id="n04">
                            
                            <bibl corresp="kbga-bibls-2812"><persName ref="kbga-actors-12">H. Asmussen</persName>, <hi rend="italic">Theologisch-kirchliche
                            Erwägungen zum Galaterbrief</hi>, München 1935</bibl>. Das Buch ist «Herrn
                        Professor D. Karl Barth dem werten Bruder in Ehrerbietung gewidmet».</note>,
                    von <persName ref="kbga-actors-1913">Steck</persName> sauber getippt
                    seine Rezension <pb xml:id="p492" ed="pga"/> dieses Buches<note xml:id="n05">Nicht erhalten.</note>. – <persName ref="kbga-actors-408">H. Traub</persName> hatte hier übernachtet,
                    und auch von ihm wurde ich noch mit einem Buch bedacht. Du siehst, ich bin in
                    dieser Hinsicht ganz beschämend verwöhnt worden! –</p>
                <p> Und nun gehen meine Gedanken immer wieder nach <placeName ref="kbga-places-5">Basel</placeName> und suchen dich auf deinen
                    Wegen dort. Ob <persName ref="kbga-actors-1285">Marguerite</persName> schon an der Wohnungssuche ist? <persName ref="kbga-actors-26">Nelly</persName> will morgen
                    nach <placeName ref="kbga-places-5">Basel</placeName> fahren, ruft aber heute abend vorher noch an, ob es nicht verfrüht
                    ist. Nein, es wäre nicht gut gewesen, wenn sie das nicht <hi rend="italic">selbst</hi>
                    hätte machen können. Ich habe das oft hier ganz deutlich gesehen. Sie ist nicht
                    schlecht dran und lebt im Gedanken an <placeName ref="kbga-places-5">Basel</placeName> sichtlich auf. Wenn das dort
                    vorhält, so wird in <hi rend="italic">dieser</hi> Hinsicht das Leben dort vielleicht eher
                    leichter. Und <hi rend="italic">mein</hi> innerer Friede? Denk, es geht auch mir nicht
                    schlecht. Ich sehe die Situation hier doch je länger je mehr als eine, die dich
                    fast notwendig ausschließt. Und das macht mir das Gehen leichter, als es noch
                    vor ½ Jahr hätte sein können. «<placeName ref="kbga-places-645">Augsburg</placeName>» erscheint mir
                    doch als das – wenigstens vorläufige – Grab von «<placeName ref="kbga-places-804">Dahlem</placeName>». Und daß die
                        <hi rend="italic">guten</hi>
                    Wuppertaler<note xml:id="n06">Vor allem ist wohl an <persName ref="kbga-actors-1044">H. A. Hesse</persName> und <persName ref="kbga-actors-5489">K. Immer</persName> gedacht. Siehe oben
                        <ref type="pub" target="../volume/45/p487#fn_n12">S. 487, Anm. 12</ref>, und <bibl corresp="kbga-bibls-179">Offene Briefe
                        1909-1935, <ref type="pub" target="../volume/35/p344#p344">S. 344</ref></bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-106">Prolingheuer, S. 348</bibl>.</note> das nicht merken, kann zwar
                    nichts an ihrer persönlichen Anständigkeit und Lauterkeit und Treue zu dir
                    ändern, aber zeigt doch, wenn man es nüchtern betrachtet, daß auch dort kein
                    Boden für dich ist im Augenblick. Die junge Generation sieht den Schaden von
                        «Augsburg» weithin. <persName ref="kbga-actors-300">(Niemöller</persName>, mit dem <persName ref="kbga-actors-408">Traub</persName> sprach, <hi rend="italic">nicht</hi>.
                    Ob <persName ref="kbga-actors-12">Asmussen</persName>, weiß ich nicht!)
                    Die Bruderschaft der Vikare in <placeName ref="kbga-places-129">Düsseldorf</placeName> sprach es offen aus.<note xml:id="n07">
                            Die Bruderschaft
                        rheinischer Hilfsprediger und Vikare übergab am 24. 6. Präses <persName ref="kbga-actors-5488">P. Humburg</persName> ein Memorandum zu
                        der durch die Maßnahme des Kultusministers gegen <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> entstandenen Lage,
                        besonders zu dem in der Begründung der Verfügung des Ministers «unverhüllt
                        proklamierten Totalitätsanspruch», «der dem Staat gibt, was allein Gottes
                        ist»: «Wir können all diese Dinge nur in einem großen inneren Zusammenhang
                        sehen und darum erfüllt uns die schwere Sorge, daß falsches Handeln in der
                        Sache <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> die Bekennende Kirche überhaupt auf einen falschen Weg führen
                        könnte.» (<bibl corresp="kbga-bibls-106">Prolingheuer, S. 336f.</bibl>)</note> Und sie ist es auch, die ehrlich
                    nach dir ruft und bei der weithin eine <hi rend="italic">große</hi> Verbitterung gegen die
                        <orgName ref="kbga-actors-7774">Beken<pb xml:id="p493" ed="pga" break="no"/>nende Kirche</orgName> einsetzt, daß sie dich nicht halten
                    konnte. Die Jungen selbst sind ja <hi rend="italic">noch</hi> ohnmächtig. ­Gestern nachmittag saß vier Stunden (!) der junge
                        <persName ref="kbga-actors-7642">Hesse</persName> bei mir. Ich habe ihm
                    nicht ohne Mühe entrungen, <persName ref="kbga-actors-5488">Humburg</persName>, der mit den Studenten am Donnerstag abend anläßlich des
                    Semesterschlusses das Abendmahl
                    feiern will, nicht die Abendmahlsgemeinschaft zu kündigen. Das geht ja doch auch
                    nicht. Er ist immer wieder ein Stürmer und denkt nicht in
                        <hi rend="italic">kirchlicher</hi> Verantwortung. Ich habe ihm das gesagt, und er nahm
                    das sehr gut auf und an. Das ganz Schwere für alle diese Leute ist es, jetzt
                    hindurch zu finden zwischen Resignation und Sektiererei. Und sie sind jung und
                        <hi rend="italic">sehr allein</hi> gelassen. Das klagte er auch. Vielleicht kommt er
                    im Winter nach <placeName ref="kbga-places-5">Basel</placeName>. Ich habe ihm sehr zugeraten. Er muß tüchtig
                        <hi rend="italic">arbeiten</hi>. Sehr lehrreich erzählte er von <persName ref="kbga-actors-5622">Söhngens</persName> Vorlesung.<note xml:id="n08"><persName ref="kbga-actors-5622">Gottlieb Söhngen</persName> (1892–1971), 1931-1937 Privatdozent an der
                        Katholisch-theologischen Fakultät in Bonn, ab 1937 Dozent an der
                        Theologischen Akademie Braunfels, ab 1947 Professor an der Universität
                        München. Im Sommersemester 1935 las er in Bonn Fundamentaltheologie I (Die
                        göttliche Offenbarung in Jesus Christus).</note> Er sprach über <persName ref="kbga-actors-63">Brunners</persName> Büchlein «Vom hl.
                        Geist»<note xml:id="n09">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-3357"><persName ref="kbga-actors-63">E. Brunner</persName>, <hi rend="italic">Vom Werk des heiligen
                            Geistes</hi>, Tübingen 1935</bibl>.</note>. «Meine Herren, wenn Sie in
                    Gewissensnot sind in Heilsfragen, dann lesen Sie dieses Büchlein. Da ist Alles
                    aufs <hi rend="italic">Beste</hi> gesagt. <persName ref="kbga-actors-63">Brunner</persName> kann sich nur auf Grund einer <hi rend="italic">Verzerrung</hi> des
                        Katholizismus noch davor
                    schützen, Katholik zu sein. Tatsächlich ist er es. Und es ist herrlich, wie hier
                    das <foreign xml:lang="lat">simul iustus et peccator</foreign><note xml:id="n10">Vgl. z. B. bei <bibl corresp="kbga-bibls-2015">Luther WA 56; 272, 17f. (<hi rend="italic">Die Vorlesung
                            über den Römerbrief</hi>, 1515-1516)</bibl>: «<foreign xml:lang="lat">simul peccator et Iustus;
                        peccator re vera, Sed Iustus ex reputatione et promissione Dei
                        certa</foreign>».</note> der Reformation preisgegeben und zu
                    biblisch-neutestamentlicher Wahrheit zurückgegangen wird. <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> steht bei den
                    Reformatoren, <persName ref="kbga-actors-63">Brunner</persName> aber hat
                    die Schrift für sich.» – Was
                    sagst du nun?? <persName ref="kbga-actors-1044">Hesse</persName> teilt es
                        <persName ref="kbga-actors-63">Brunner</persName> selbst mit. 
                    </p>
                <p> Gestern abend hielt <persName ref="kbga-actors-408">Traub</persName>
                    Jona-Bibelstunde, wieder sehr
                    gefüllt gedanklich, aber sein Vortrag macht mich leise unglücklich, besonders
                    bei Müdigkeit und großer Hitze. Es griff mir ans Herz, da die <hi rend="italic">Reste</hi>
                    unserer <orgName ref="kbga-actors-10823">Sozietät</orgName><note xml:id="n11"><persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> hielt im Sommersemester
                        1935 privat eine Sozietät
                        über <persName ref="kbga-actors-77">Calvins</persName> Genfer
                        Katechismus.</note> zu finden, die nun außer <hi rend="italic">dieser</hi> Speise so
                    gut wie nichts mehr geboten bekommen. Sie sagen mir, das sei alttestament<pb xml:id="p494" ed="pga" break="no"/>lich das Einzige, was sich lohne, und haben sich eine
                    Reihe von Nachschriften bestellt. – Am Freitag schließt das Semester. Von <persName ref="kbga-actors-416">Weber</persName> und <persName ref="kbga-actors-1950">Hannele</persName> sah ich
                    noch nichts. Es hat ja auch nicht mehr viel Sinn, sie aufzusuchen, oder doch?
                    Wie sich die Leute nun wohl verhalten nach dieser eindeutigen Antwort des Staates?
                    Vor allem <persName ref="kbga-actors-431">Wölflein</persName>? Er
                    hat ohnehin einen Konfliktsfall wegen der Prüfungen, und ich glaube immer, es
                    putzt auch ihn noch<note xml:id="n12">= es trifft auch ihn noch, es
                        kostet auch ihn noch den Kopf.</note>. –</p>
                <p>Ob du hierher kommen sollst? Ich glaube eigentlich <hi rend="italic">nicht</hi>. Du kannst
                        <hi rend="italic">real</hi> sehr wenig helfen bei den Umzugsvorbereitungen und
                    bedeutest für <persName ref="kbga-actors-9600">Herthas</persName> an sich
                    nicht ganz geringe Arbeit doch eine erhebliche Mehrbelastung. Abgesehen davon
                    kannst und sollst du deine Kraft an Besseres wenden. Das Wichtigste ist, daß
                        <hi rend="italic">bald</hi> die Wohnung in Basel gefunden ist, daß wir hier zum <date when="1935-07-01">1.
                    Juli</date> kündigen können.
                    Tust <hi rend="italic">du</hi> das dann sofort? <persName ref="kbga-actors-26">Nelly</persName> ruft dich, wenn sie in den
                    nächsten Tagen in <placeName ref="kbga-places-5">Basel</placeName> suchen sollte, dann vor dem endgültigen Abschluß noch
                    herüber. Du kommst auf diese Weise sehr glimpflich davon. Ich würde dann hier
                    noch möglichst erledigen, was eben zu erledigen ist, und dann vielleicht
                        <hi rend="italic">vor</hi> dem endgültigen Aufbruch das Weite suchen. Frau <persName ref="kbga-actors-6470">Schlomka</persName> und <persName ref="kbga-actors-408">Traub</persName> helfen gern
                    in den letzten Tagen, in denen ja die Packer die eigentliche Arbeit leisten. Das
                    Einpacken der Bücher überwache ich noch selbst. Wir könnten dann den Transport
                    ruhig auf dem <placeName ref="kbga-places-100">Bergli</placeName> abwarten und nur zum Einräumen hinüber fahren
                    nach <placeName ref="kbga-places-5">Basel</placeName>. Ich
                    hoffe, Alles rolle sich so prompt ab, daß Nelly Mitte Juli mit den Buben in
                    Ferien fahren kann. Findet sich die Wohnung auf 1. Juli nicht, dann würde ich
                    sehr raten, erst auf <hi rend="italic">1. September</hi> oder 1. Oktober zu suchen,
                    damit nicht die ganze Ferien- und für <persName ref="kbga-actors-22">Joggeli</persName> sehr
                    nötige Erholungszeit gestört wird. Wie denkst du darüber? – Ob es ratsam ist, <persName ref="kbga-actors-24">Markus</persName> herauszuschicken,
                    frage ich mich sehr. Ich sehe nicht ganz, was er helfen kann, und ein «Herr» an
                    sich ist wirklich nicht nur nicht <hi rend="italic">nötig</hi>, sondern vielleicht sogar
                    eine Arbeitsbelastung. Aber du kannst ja darüber mit Nelly noch in <placeName ref="kbga-places-5">Basel</placeName> reden. – Bis
                    jetzt liefen alle diesbezüglichen, d. h. umzugsbezüglichen Erwägungen ohne
                    Herren, im Gedenken an deine treuen Ermahnungen!! -</p>
                <p><pb xml:id="p495" ed="pga" rend="noPipe"/>
                    Reitstunden? Ja, ich denk dran, welche
                    zu nehmen. Soll ich rasch noch eine Karte erreiten? Jeden Tag eine Stunde? –
                    Weißt du, an was ich noch denk? Doch noch einmal nach <placeName ref="kbga-places-174">Bethel</placeName> zu <persName ref="kbga-actors-275">Georg</persName> zu fahren und vielleicht
                    dabei auch rasch <persName ref="kbga-actors-374">Heinrich Scholz</persName> zu besuchen. Was meinst du dazu? Ich bin sehr unsicher, ob es
                    geraten ist.</p>
                <p> ­Lieber <persName ref="kbga-actors-2151">Karl</persName>, inzwischen sind die Kinder und ist auch <persName ref="kbga-actors-26">Nelly</persName> heimgekehrt. Das heißt, die
                    Ruhe ist gestört. Die «Sparerwägungen» sind fast das Schwierigste. Sag ihr doch auch
                        <hi rend="italic">laut</hi> und <hi rend="italic">deutlich</hi>, daß <placeName ref="kbga-places-5">Basel</placeName> den Umzug vergütet. – Ob
                        <persName ref="kbga-actors-1082">R. Karwehl</persName> bleiben
                    konnte? Ich möchte es dir wünschen. – Ging in <placeName ref="kbga-places-721">Bubendorf</placeName> alles gut?<note xml:id="n13">Das
                        ganztägige Reiten am 24. 6. in <placeName ref="kbga-places-721">Bubendorf</placeName> bei <persName ref="kbga-actors-2644">Rolf Eberhard</persName> (s. oben
                        <ref type="pub" target="../volume/45/p479#p479">S. 479</ref>).</note> Ich habe doch leise besorgt
                    hingedacht. –</p>
                <p>Und sonst? «Sonst» wäre noch <hi rend="italic">viel</hi> zu sagen.</p>
            <closer>
                    <salute>Deine</salute> <signed><persName ref="kbga-actors-223">L</persName>.</signed> 
            </closer>
                <postscript>
                    <p>Grüße <hi rend="italic">Alle</hi>.</p>
                </postscript>
            
        </div>
        </body>
    </text>
</TEI>
