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        <title type="volume" n="vol-45">Karl Barth – Charlotte von Kirschbaum. Briefwechsel Bd. I 1925–1935</title>
        <title type="formal">Brief Nr. 212</title>
        <title type="content">Charlotte von Kirschbaum an Karl Barth auf dem Bergli</title>
        <title type="citation_line_1">Charlotte von Kirschbaum an Karl Barth auf dem Bergli, 1. Juli 1935</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/45214 (Stand: 2. Oktober 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Karl Barth – Charlotte von Kirschbaum. Briefwechsel Bd. I 1925–1935, hrsg. v. Erler, Rolf-Joachim (Gesamtausgabe, Abt. V), Zürich 2008, S. .</title>
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        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
        <sponsor>Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW)</sponsor>
        <sponsor>Schweizerischer Nationalfonds (SNF)</sponsor>
        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
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        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
        <date when="2026">2026</date>
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          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons BY-SA 4.0</licence>
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        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
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          <title type="volume">Karl Barth – Charlotte von Kirschbaum. Briefwechsel Bd. I 1925–1935</title>
          <title type="text">Brief Nr. 212: Charlotte von Kirschbaum an Karl Barth auf dem Bergli</title>
          <author ref="kbga-actors-223">Kirschbaum, Charlotte von</author>
          <editor>Erler, Rolf-Joachim</editor>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
          <date type="publication">2008</date>
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        <bibl xml:id="A" type="source">A (Vorlage der Edition): Charlotte von Kirschbaum an Karl Barth, 1. Juli 1935. <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/26712">KBA 9372.59</ref>. </bibl>
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          <persName ref="kbga-actors-223">Kirschbaum, Charlotte von</persName>
          <placeName ref="kbga-places-817">Bad Honnef</placeName>
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                        von Kirschbaum an  B. auf dem Bergli
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                        [<placeName ref="kbga-places-817">Bad Honnef</placeName>, <date when="1935-07-01">1.7.1935</date>]
                        [II]<lb/> Montag abend </dateline>
                    <salute>Liebster <persName ref="kbga-actors-2151">Karl</persName>!</salute>
                    </opener>
            
                <p> Es ist wieder ein langer Krankenhausabend
                     und mein Wunsch, noch ein bißchen bei dir zu sein, sehr groß. Vor zwei
                    Stunden wurde mir dein Brief gebracht. Das war das Schönste, was sich in diesem
                        <pb xml:id="p511" ed="pga"/> Zimmer noch zugetragen hat. Ich hatte ihn gerade
                    gelesen, da kam Frau <persName ref="kbga-actors-6470">Lore Schlomka</persName> und nachher <persName ref="kbga-actors-408">Traub</persName>. Er hat uns dann den langen
                    Brief an <persName ref="kbga-actors-1044">Hesse</persName> noch
                    einmal vorgelesen<note xml:id="n01">Siehe oben
                        <ref type="pub" target="../volume/45/p505#fn_n08">S. 505, Anm. 8</ref>.</note>, und als er fertig
                    war, da standen ihm und Lore
                    die hellen Tränen in den Augen. Für die deutsche Kirche bleibt es eine nicht
                    wieder gut zu machende Niederlage. Ich finde den Brief <hi rend="italic">sehr
                        umsichtig</hi> und <hi rend="italic">gut</hi> und wäre dafür, daß du ihn
                    veröffentlichst. Wegen des letzten Passus ist das vielleicht <hi rend="italic">hier</hi>
                    schwer. Ich hoffe, daß <persName ref="kbga-actors-431">Wölflein</persName> mich einmal aufsucht, dann spreche ich mit ihm darüber. Das
                    ist dir doch recht? Abschreiben will ich ihn auf Traubs Maschine, sobald ich wieder
                    krabbeln kann!!</p>
                <p>Der Krankenbericht von heute ist <hi rend="italic">ganz</hi>
                    zufriedenstellend. Ich bin heute abend fieberfrei, es heilt sicher Alles
                    aufs beste. Aber auch dann braucht es etwas Zeit, und es tut mir nun von Herzen
                    leid, daß du nicht nach <placeName ref="kbga-places-35">Italien</placeName>
                    mitgefahren bist. Wie wäre das schön für dich gewesen! Ich kann in dieser Woche
                        <hi rend="italic">sicher</hi> nicht kommen. Ich hoffe <hi rend="italic">sehr</hi>, daß sie mich
                    Mitte nächster fahren lassen. Ich denke, daß wir dann vielleicht nur noch ganz
                    kurz in <placeName ref="kbga-places-5">Basel</placeName> bleiben und dem <placeName ref="kbga-places-1265">Törli</placeName> zustreben? Natürlich wäre ich gern beim
                    Einräumen der Bibliothek zugegen gewesen, und vielleicht läßt sich dies und das
                    doch noch gemeinsam machen. – Und der Schimmel! Natürlich will ich ihn besteigen, zunächst behutsam und
                    dann immer mutiger! Das wird noch ein <hi rend="italic">schöner</hi> Sommer werden. – Die
                    Umschreibung des Aufgabenkreises deiner «persönlichen Assistentin» habe ich sehr
                    nachdenklich gelesen. Hat sie das auch wirklich alles gemacht und
                        <hi rend="italic">gut</hi> gemacht??? Das Eindeutigste am Ganzen ist doch wohl das,
                    daß sie zu dir gehört. – – Heute konnte ich lesen, und zwar in <persName ref="kbga-actors-12">Asmussens</persName>
                    Galaterbrief<note xml:id="n02">Siehe oben <ref type="pub" target="../volume/45/p491#fn_n04">S.491f., Anm. 4</ref>.</note>.
                    Es ist ein <hi rend="italic">starkes</hi> Buch, das man mit Freude liest, aber hat <persName ref="kbga-actors-1913">Steck</persName> nicht doch zu große
                    Worte gemacht, besonders wenn er es mit dem «<bibl corresp="kbga-bibls-48 "><ref type="pub" target="../texts?facet-volume=47">Römerbrief</ref></bibl>» verglich?
                    Ein <hi rend="italic">Neues</hi> im theologischen Gespräch, wie es seinerzeit der Römerbrief war, ist es doch keinesfalls, auch ist mir Vieles viel zu
                    schnell hingesagt. – Pfarrer <persName ref="kbga-actors-9423">Josten</persName> war heute wieder da, hatte
                    aber das Pech, mit Frau <persName ref="kbga-actors-6470">Schlomka</persName> zusammenzustoßen, und ging dann rasch. Ich ließ ihm durch
                        <persName ref="kbga-actors-408">Traub</persName> sagen,
                    er solle mich doch noch einmal allein besuchen, denn er sucht sichtlich ein Gespräch.</p>
                <p><pb xml:id="p512" ed="pga" rend="noPipe"/>Dienstag morgen.</p>
                <p> Gestern abend dunkelte es rasch, ein Gewitter zog herauf, und ich mußte aufhören
                    zu schreiben. Nachts nehme ich – sage es <persName ref="kbga-actors-315">Gerty</persName> nur ins Ohr – doch
                    immer ein bißchen etwas zum Schlafen. Allein geht es noch nicht, aber vielleicht von heute an
                    versuche ich es doch. – Seid ihr beiden nun <hi rend="italic">allein</hi> auf dem <placeName ref="kbga-places-100">Bergli</placeName>
                    oder ist <persName ref="kbga-actors-9593">Leine</persName> noch da? Weißt du, wen ich ganz <hi rend="italic">gegen</hi> alle
                    Vorsätze – Gerty wird lachen – nun doch für einen Tag oder auch eine Nacht im
                    August eingeladen habe? Herrn ­– <persName ref="kbga-actors-1924">Takizawa</persName><note xml:id="n03"><persName ref="kbga-actors-1924">Katsumi Takizawa</persName> (1909–1984),
                        Schüler von <persName ref="kbga-actors-9589">Kitarô Nishida</persName>, dem Professor für europäische Philosophie an der
                        Kyôtô-Universität in Tokio: «Er war es auch, der mir kurz vor meiner Abfahrt
                        nach Europa aufs eifrigste empfahl, lieber bei <hi rend="italic"><persName ref="kbga-actors-2151">Karl Barth</persName></hi> als
                        bei andern Philosophen und Theologen zu studieren, obgleich er selber ein
                        selten erfahrener Zen-Buddhist war» (<bibl corresp="kbga-bibls-3308">K. Takizawa,, Was hindert mich noch, getauft zu werden?, in: Antwort. Karl Barth zum siebzigsten Geburtstag am 10. Mai 1956, hrsg. von R. Frey, Ch. von Kirschbaum und E. Wolf, Zollikon-Zürich 1956, S. 911–925, dort S. 919, Anm. 1</bibl>). Takizawa studierte
                        1934/35 bei <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName>.</note>. Ich traf ihn neulich zufällig in der Stadt. Er
                    war ganz reizend, aufgeschlossen und anhänglich. Dich läßt er <hi rend="italic">sehr</hi>
                    grüßen. <placeName ref="kbga-places-41">Marburg</placeName> hat ihm
                        <hi rend="italic">theologisch</hi> nicht viel geboten. <persName ref="kbga-actors-512">Bultmann</persName> anscheinend gar nicht und <persName ref="kbga-actors-362">Schlier</persName>, der ihn
                    interessierte, doch auch nur mit Vorbehalt. In seiner Frage scheint er dort
                    nicht weitergefördert worden zu sein, möchte ums Leben gern <hi rend="italic">dich</hi>
                    noch einmal sprechen. Für <placeName ref="kbga-places-67">Genf</placeName> hat er kein Geld mehr<note xml:id="n04">Zu <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> Vorlesungen in <placeName ref="kbga-places-67">Genf</placeName> s. unten
                        <ref type="pub" target="../volume/45/p535#fn_n19">S. 535, Anm. 19</ref>.</note>, aber am 20. August
                    reist er über die <placeName ref="kbga-places-58">Schweiz</placeName> dem <hi rend="italic">Osten</hi> zu. Ich sagte ihm, daß du bis
                    24. auf dem <placeName ref="kbga-places-100">Bergli</placeName> zu
                    treffen seiest. Er kommt sicher. Und <persName ref="kbga-actors-316">Ruedi</persName> wird ihn schon als
                    photographisches Objekt billigen. Einen leibhaftigen Japaner hat er nicht alle Tage!! –</p>
                <p> So, und morgen geht das Studierzimmer fort. Und bis ich wieder hinein komme,
                    ist die Vatikanstadt
                    gänzlich aufgelöst. <persName ref="kbga-actors-26">Nelly</persName> fährt mit den Büblein und <persName ref="kbga-actors-7188">Hertha</persName> nun wohl erst Sonntag. Sie
                    meldet dir dann telephonisch aufs <placeName ref="kbga-places-100">Bergli</placeName>, wenn die Möbel eingetroffen sind und
                    die Einräumung beginnen kann. Ich glaube nicht daran, daß dies vor
                        <hi rend="italic">Dienstag</hi> der Fall sein wird. Und Mittwoch abend holst du mich
                    vielleicht dann am badischen Bahnhof<note xml:id="n05">Der
                        rechtsrheinische Badische Bahnhof in <placeName ref="kbga-places-5">Basel</placeName> (im Unterschied zum
                        linksrheinischen Schweizer Bahnhof).</note> ab. Ich hoffe es. –</p>
                <p><pb xml:id="p513" ed="pga" rend="noPipe"/> Eben war die Doktorsfrau von der Lungenheilstätte da. Auch sie ganz verstört,
                    daß du weggehst. In
                    Laienkreisen ist die Bestürzung, will mir scheinen, viel größer als bei den
                    Theologen. – Heute nachmittag in <placeName ref="kbga-places-129">Düsseldorf</placeName> tagen die Vertrauensleute der
                    rheinischen Bekenntnissynode.<note xml:id="n06">Siehe unten
                        <ref type="pub" target="45217">S. 518–520</ref>.</note> Der Fall <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> steht auf
                    dem Programm. <persName ref="kbga-actors-408">Traub</persName> ist erstaunlicherweise eingeladen, und er ist von mir und
                    durch deinen Brief<note xml:id="n07"><persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> Brief an <persName ref="kbga-actors-1044">H. A. Hesse</persName> (<bibl corresp="kbga-bibls-179">Offene
                        Briefe 1909-1935, <ref type="pub" target="../volume/35/p333#p333">S. 333-353</ref></bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-106">
                                Prolingheuer, S. 345-350</bibl>).</note> nun <hi rend="italic">genauestens</hi>
                    informiert. <persName ref="kbga-actors-897">Beckmann</persName><note xml:id="n08">
                            <persName ref="kbga-actors-897">J. Beckmann</persName> hatte den Bemühungen um eine Berufung <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> durch
                        die <orgName ref="kbga-actors-7774">BK</orgName> kritisch gegenüber gestanden (vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-106">
                                Prolingheuer, S. 176, Anm. 18</bibl>). In
                        seinem Brief vom <ref type="kba-objects-id" target="26747">5.7.1935</ref> an Präses <persName ref="kbga-actors-5488">P. Humburg</persName> äußerte <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> dazu: «Bleibt mir,
                        offen gestanden, Einiges – ich denke etwa an die Haltung von Beckmann – in dieser
                        Hinsicht dunkel, so überwiegt doch bei weitem die Empfindung, daß wir Alle
                        auch in dieser Sache <hi rend="italic">geführt</hi> u. zw. wie man vielleicht schon
                        jetzt sagen darf gut geführt worden sind, welches auch die Triebfedern und
                        Bestrebungen im Einzelnen gewesen sein mögen.» <bibl corresp="kbga-bibls-106">(Prolingheuer, S. 352</bibl>)</note> will er
                    ganz direkt stellen, warum er sich gegen den Ruf gesperrt habe. –</p>
                <p>Ich muß aufhören. Der Brief taugt nicht viel, aber der deine ist <hi rend="italic">so
                        lieb</hi>. Vielen Dank. <hi rend="italic">Lieber</hi> Karl,</p>
            <closer>
                    <salute>Deine</salute> <signed><persName ref="kbga-actors-223">L</persName>.</signed> 
            </closer>
                <postscript>
                    <p>Grüße <persName ref="kbga-actors-315">Gerty</persName> herzlich.</p>
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