<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0" xml:id="kbga-texts-45236">
  <teiHeader>
    <fileDesc>
      <titleStmt>
        <title type="volume" n="vol-45">Karl Barth – Charlotte von Kirschbaum. Briefwechsel Bd. I 1925–1935</title>
        <title type="content">Charlotte von Kirschbaum. Einige Angaben aus ihrem Leben</title>
        <title type="citation_line_1">Barth-Hoffmann, Nelly, Zellweger-Barth, Franziska, Barth, Markus, Barth, Christoph, Barth, Hans Jakob: Charlotte von Kirschbaum. Einige Angaben aus ihrem Leben, in: Karl Barth – Charlotte von Kirschbaum. Briefwechsel Bd. I 1925–1935, kein Datum</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/45236 (Stand: 2. Oktober 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Karl Barth – Charlotte von Kirschbaum. Briefwechsel Bd. I 1925–1935, hrsg. v. Erler, Rolf-Joachim (Gesamtausgabe, Abt. V), Zürich 2008, S. XXXII–XXXIV.</title>
      </titleStmt>
      <editionStmt>
        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
        <sponsor>Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW)</sponsor>
        <sponsor>Schweizerischer Nationalfonds (SNF)</sponsor>
        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
      </editionStmt>
      <publicationStmt>
        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
        <date when="2026">2026</date>
        <availability>
          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons BY-SA 4.0</licence>
        </availability>
        <idno type="url">https://kbga.karl-barth.ch/texts/45236</idno>
      </publicationStmt>
      <sourceDesc>
        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
        <bibl type="pga" xml:id="pga">
          <title type="volume">Karl Barth – Charlotte von Kirschbaum. Briefwechsel Bd. I 1925–1935</title>
          <title type="text">Charlotte von Kirschbaum. Einige Angaben aus ihrem Leben</title>
          <author ref="kbga-actors-26">Barth-Hoffmann, Nelly</author>
          <author ref="kbga-actors-5802">Zellweger-Barth, Franziska</author>
          <author ref="kbga-actors-24">Barth, Markus</author>
          <author ref="kbga-actors-19">Barth, Christoph</author>
          <author ref="kbga-actors-22">Barth, Hans Jakob</author>
          <editor>Erler, Rolf-Joachim</editor>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
          <date type="publication">2008</date>
          <biblScope unit="page">XXXII-XXXIV</biblScope>
          <!--position within a volume-->
          <biblScope unit="part">45236</biblScope>
        </bibl>
        <!-- Data from KBA (https://kba.karl-barth.ch) -->
        <!-- we should provide more types: <bibl type="not-found-in-kba"></bibl> <bibl type="not-in-kba"></bibl>  -->
      </sourceDesc>
    </fileDesc>
    <profileDesc>
      <creation>
        <date type="creation">kein Datum</date>
      </creation>
      <langUsage>
        <language ident="ger">German</language>
      </langUsage>
      <textClass>
        <keywords>
          <term>preface</term>
        </keywords>
      </textClass>
    </profileDesc>
    <revisionDesc>
      <change when="2026-10-02T07:56:15+02:00">teiHeader was automatically produced from the database 2026-10-02T07:56:15+02:00</change>
    </revisionDesc>
  </teiHeader>
  <text>
      <body>
         <div type="paper">
            <pb xml:id="pr032" ed="pga"/>
            <head>CHARLOTTE VON KIRSCHBAUM<lb/> EINIGE ANGABEN AUS IHREM LEBEN<note xml:id="n01">Der Text wurde von <persName ref="kbga-actors-26">Nelly Barth</persName> und ihren Kindern für die Abdankung am 28. 7. 1975 verfaßt. Er ist gezeichnet mit
               «Familie Barth Basel». Die Predigt, die <persName ref="kbga-actors-1620">Helmut Gollwitzer</persName> bei der Feier über <ref type="can" subtype="bible" target="1.Thess.5.10">1. Thess. 5,10</ref>
               hielt, ist abgedruckt in: <bibl corresp="kbga-bibls-7536 ">H. Gollwitzer, <hi rend="italic">Nachrufe</hi> (Kaiser Traktate
               27), München 1977, S. 31-35</bibl>.</note>
                </head>
            <p> <persName ref="kbga-actors-223">Charlotte von Kirschbaum</persName> kam am 25. Juni 1899 in <placeName ref="kbga-places-1250">Ingolstadt</placeName> in Bayern zur Welt, als
               einzige Tochter des Generals <persName ref="kbga-actors-7120">Maximilian von Kirschbaum</persName> und seiner
               Gattin, geborener <persName ref="kbga-actors-7118">Freiin von Brück</persName>. Da die oft
               kränkliche Mutter ihren beiden Söhnen
               sehr nahe stand, entwickelte sich ein besonderes Band zwischen Vater und
               Tochter, wobei der Vater die Begabung Charlottes früh erkannte. <choice><sic>Wahrend</sic><corr type="misprint" resp="sm">Während</corr></choice> des Ersten
               Weltkrieges verdiente sich das junge Mädchen sein Taschengeld bei der Briefzensur.
               Die anschließende Hungerszeit aber führte zu einer ernsten Beeinträchtigung von
               Charlottes Gesundheit. Auch der jähe Tod ihres Vaters im Ersten
               Weltkrieg machte ihr schwer zu schaffen. Wohl nicht zuletzt unter dem Eindruck des
               Krieges entschied sie sich zu ihrer Ausbildung als Krankenschwester. Auf der
               Pflegerinnenschule in <placeName ref="kbga-places-43">München</placeName> wurde die Freundschaft mit <persName ref="kbga-actors-7165">Emmy Lentrodt</persName> geschlossen, mit der sie neben allem
               Menschlichen auch große theologische Interessen teilte, - bis eine Tuberkulose dem
               Leben der Freundin ein Ende setzte.
               Pfarrer <persName ref="kbga-actors-275">Georg Merz</persName> in München entdeckte
               das wache Interesse der jungen Krankenschwester an Theologie und Gemeindearbeit, und
               er nahm sie 1925 zum ersten Mal mit zur Erholung aufs <placeName ref="kbga-places-100">Bergli</placeName>, wo sie in dem großen
               Freundeskreise des gastfreien Hauses von <persName ref="kbga-actors-316">Ruedi</persName> und <persName ref="kbga-actors-315">Gerty Pestalozzi</persName> auch <persName ref="kbga-actors-2151">Karl Barth</persName> kennen
               lernte.</p>
            <p>Die <orgName ref="kbga-actors-9479">Soziale Frauenschule</orgName>, die <persName ref="kbga-actors-223">Charlotte von Kirschbaum</persName> dann in München absolvierte,
               verließ sie mit hervorragenden Zeugnissen. Als die pflegerischen und sozialen
               Tätigkeiten später ein Ende nahmen, da Charlotte sich mehr zur theologischen Arbeit
               heranbildete, konnte sie in <placeName ref="kbga-places-8">Berlin</placeName> eine sogenannte Begabtenprüfung ablegen, welche
               zum Studium an der Universität berechtigte. Die wichtigsten Begriffe des
               Lateinischen und Griechischen sich anzueignen, war kein Problem, und durch
               umfangreiche theologische Lektüre wurde sie zunehmend befähigt, die Arbeit <persName ref="kbga-actors-2151">Karl
               Barths</persName> zu verstehen - ja zu unterstützen. Da sie <pb xml:id="pr033" ed="pga"/> für Karl
               Barth mehr und mehr unentbehrlich wurde als Begleiterin seines Lebens und als
               Mitarbeiterin an seinem Werk, lebte unsere "Tante Lollo" seit 1929 im Kreise unserer
               Familie. In der Monographie über Karl Barth von Professor <persName ref="kbga-actors-11002">Karl Kupisch</persName> wird die Tätigkeit der Verstorbenen wie folgt
               gewürdigt: "Als <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> den Plan zu seinem Lebenswerk faßte, das ohne eine sachkundige
               Hilfe gar nicht zu bewältigen war, war die auf eine solche Tätigkeit bereits
               vorbereitete <persName ref="kbga-actors-223">Charlotte von Kirschbaum</persName> die wünschenswerte Kraft. Sie hat sich dieser
               Aufgabe über dreißig Jahre energisch und zielstrebig hingegeben, wußte mit fester
               Hand und zähem Eifer Steuerung und Wegrichtung des wachsenden Riesenwerkes an der
               Seite des Meisters so kenntnisreich zu überwachen, daß <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> von ihrer in aller
               Stille geübten Arbeit rühmen konnte: Ohne ihre Mitwirkung könnte dieses Werk nicht
               Tag für Tag gefördert werden und wüßte ich nicht, wie ich mir die Zukunft, die es
               haben mag, vorstellen sollte."<note xml:id="n02"> <bibl corresp="kbga-bibls-7537 "><persName ref="kbga-actors-11002">K. Kupisch</persName>, <hi rend="italic">Karl Barth in Selbstzeugnissen und
                  Dokumenten</hi> (rowohlts monographien 174), Reinbek bei Hamburg 1971,
                  S. 104</bibl>, vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-2 ">KD III/3, S. VII</bibl>.</note>
                </p>
            <p>Während der Kriegs- und Nachkriegsjahre spannen sich unzählige Fäden von
               Angefochtenen und Flüchtlingen aus den verschiedensten Ländern zu Karl Barth und
               seiner Mitarbeiterin, die sich mit Leidenschaft und Aufopferung tätig für diese
               Menschen einsetzte. Als Mitglied der Organisation "<orgName ref="kbga-actors-10774">Freies Deutschland</orgName>" vermochte sie
               in der Stille viel Wertvolles zu leisten. Als <persName ref="kbga-actors-223">Charlotte von Kirschbaum</persName> im Jahre
               1949, anläßlich einer Konferenz in <placeName ref="kbga-places-21">Frankreich</placeName>, vier Referate über das biblische
               Zeugnis der Frau zu halten hatte, konnte sie ihre eigene Forschung in der Bibel, in
               katholischer und existential-philosophischer Frauenliteratur fruchtbar machen. Das
               Büchlein "Die wirkliche Frau"<note xml:id="n03"> <bibl corresp="kbga-bibls-5720 "><persName ref="kbga-actors-223">Ch. von Kirschbaum</persName>,
                  <hi rend="italic">Die wirkliche Frau</hi>, Zollikon-Zürich 1949.</bibl></note> ist der Ertrag
               ihrer eigenen Arbeit über die evangelische Lehre von der Frau. In der Tat hat sich
               <persName ref="kbga-actors-223">Charlotte von Kirschbaum</persName> gegenüber vielen Studenten und politisch Verfolgten als
               "wirkliche Mutter" erwiesen!</p>
            <p>Im Jahre 1962 begannen sich Krankheitssymptome zu zeigen, die auf eine allzu frühe
               Form eines Gehirnschwundes hinwiesen, und so schied die aufopfernde Mitarbeiterin
               mehr und mehr aus, bevor das große Werk ganz zum Abschluß gekommen war. Vier Jahre
               später <pb xml:id="pr034" ed="pga"/> wurde unsere liebe Verstorbene zur Pflege in die
               Psychiatrische Klinik "Sonnenhalde" in <placeName ref="kbga-places-448">Riehen</placeName> aufgenommen, wo sie bis zuletzt mit
               besonderer Hingabe und Gewissenhaftigkeit von Ärzten und Diakonissen betreut wurde.
               Dies erfüllt die Verwandten und Freunde mit großer Dankbarkeit.</p>
            <p>Für die Patientin, die in den letzten Jahren gänzlich ans Bett gebunden war und
               geistig mehr und mehr abnahm, bedeutete das Hinscheiden am 24. Juli 1975 um 6 Uhr
               früh eine Erlösung - wir aber verlieren einen der Familie und unzähligen Freunden
               nahestehenden Menschen, dessen Wesen und Wirken unvergessen bleiben wird.</p>
            <!-- leerzeile -->
            <p rend="right"><persName ref="kbga-actors-26">Nelly Barth</persName>
                </p>
            <p rend="right"><persName ref="kbga-actors-5802">Franziska Zellweger-Barth</persName>,<persName ref="kbga-actors-24"> Markus Barth</persName>,</p>
            <p rend="right"><persName ref="kbga-actors-19">Christoph Barth</persName>, <persName ref="kbga-actors-22">Hans
               Jakob Barth</persName>
                </p>
         </div>
      </body>
   </text>
</TEI>
