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        <title type="volume" n="vol-46">Erklärungen des Epheser- und des Jakobusbriefes. 1919–1929</title>
        <title type="content">Erklärung des Epheserbriefes W.S. 1921/22. Epheser 1,15–23</title>
        <title type="citation_line_1">Barth, Karl: Erklärung des Epheserbriefes W.S. 1921/22. Epheser 1,15–23, in: Erklärungen des Epheser- und des Jakobusbriefes. 1919–1929, 9. Februar 1922 – 16. Februar 1922</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/46006 (Stand: 2. Oktober 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Erklärungen des Epheser- und des Jakobusbriefes. 1919–1929, hrsg. v. Bohnet, Jörg-Michael (Gesamtausgabe, Abt. II), Zürich 2009, S. 134–147.</title>
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        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
        <sponsor>Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW)</sponsor>
        <sponsor>Schweizerischer Nationalfonds (SNF)</sponsor>
        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
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        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
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        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
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          <title type="volume">Erklärungen des Epheser- und des Jakobusbriefes. 1919–1929</title>
          <title type="text">Erklärung des Epheserbriefes W.S. 1921/22. Epheser 1,15–23</title>
          <author ref="kbga-actors-2151">Barth, Karl</author>
          <editor>Bohnet, Jörg-Michael</editor>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
          <date type="publication">2009</date>
          <biblScope unit="page">Pp.134–147</biblScope>
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        <!-- Data from KBA (https://kba.karl-barth.ch) -->
        <bibl xml:id="A" type="source">A (Vorlage der Edition): Barth, Karl, Epheserbrief [1921/1922], 4. November 1921 – 16. Februar 1922. <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/6607">KBA 1664.1</ref>. </bibl>
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    <head>Erklärung des Epheserbriefes<lb/> W.S. 1921/22</head>
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        <head>Epheser 1,15-23 </head> 
        <p>[ <seg type="verse" n="15"/> <foreign xml:lang="el-GR">Διὰ τοῦτο κἀγὼ, ἀκούσας τὴν καθ’ ὑμᾶς πίστιν ἐν τῷ κυρίῳ Ἰησοῦ καὶ τὴν ἀγάπην τὴν εἰς πάντας τοὺς ἁγίους,</foreign>  <seg type="verse" n="16"/> <foreign xml:lang="el-GR">οὐ παύομαι εὐχαριστῶν ὑπὲρ ὑμῶν μνείαν ποιούμενος ἐπὶ τῶν προσευχῶν μου,</foreign>  <seg type="verse" n="17"/> <foreign xml:lang="el-GR">ἵνα ὁ θεὸς τοῦ κυρίου ἡμῶν Ἰησοῦ Χριστοῦ, ὁ πατὴρ τῆς δόξης, δώῃ ὑμῖν πνεῦμα σοφίας καὶ ἀποκαλύψεως ἐν ἐπιγνώσει αὐτοῦ,</foreign>  <seg type="verse" n="18"/> <foreign xml:lang="el-GR">πεφωτισμένους τοὺς ὀφθαλμοὺς τῆς καρδίας ὑμῶν, εἰς τὸ εἰδέναι ὑμᾶς τίς ἐστιν ἡ ἐλπὶς τῆς κλήσεως αὐτοῦ, τίς ὁ πλοῦτος τῆς δόξης τῆς κληρονομίας αὐτοῦ ἐν τοῖς ἁγίοις,</foreign>  <seg type="verse" n="19"/> <foreign xml:lang="el-GR">καὶ τί τὸ ὑπερβάλλον μέγεθος τῆς δυνάμεως αὐτοῦ εἰς ἡμᾶς τοὺς πιστεύοντας κατὰ τὴν ἐνέργειαν τοῦ κράτους τῆς ἰσχύος αὐτοῦ</foreign>  <seg type="verse" n="20"/> <foreign xml:lang="el-GR">ἣν ἐνήργηκεν ἐν τῷ Χριστῷ ἐγείρας αὐτὸν ἐκ νεκρῶν, καὶ καθίσας ἐν δεξιᾷ αὐτοῦ ἐν τοῖς ἐπουρανίοις</foreign>  <seg type="verse" n="21"/> <foreign xml:lang="el-GR">ὑπεράνω πάσης ἀρχῆς καὶ ἐξουσίας καὶ δυνάμεως καὶ κυριότητος καὶ παντὸς ὀνόματος ὀνομαζομένου οὐ μόνον ἐν τῷ αἰῶνι τούτῳ ἀλλὰ καὶ ἐν τῷ μέλλοντι·</foreign>  <seg type="verse" n="22"/> <foreign xml:lang="el-GR">καὶ πάντα ὑπέταξεν ὑπὸ τοὺς πόδας αὐτοῦ, καὶ αὐτὸν ἔδωκεν κεφαλὴν ὑπὲρ πάντα τῇ ἐκκλησίᾳ,</foreign>  <seg type="verse" n="23"/> <foreign xml:lang="el-GR">ἥτις ἐστὶν τὸ σῶμα αὐτοῦ, τὸ πλήρωμα τοῦ τὰ πάντα ἐν πᾶσιν πληρουμένου</foreign>.]</p> <!-- leerzeile --> 
        <p rend="margin-top"><hi rend="italic"> <seg type="verse" n="15"/> Darum, nachdem ich vernommen von eurem Glauben an den Herrn Jesus und von eurer Liebe zu allen Heiligen, <seg type="verse" n="16"/> höre auch ich nicht auf, euretwegen zu danksagen, euer zu gedenken in meinen Gebeten – <seg type="verse" n="17"/> dass der Gott unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Herrlichkeit, euch gab den Geist der Weisheit und der Offenbarung, ihn zu erkennen, <seg type="verse" n="18"/> Erleuchtung der Augen eures Herzens, dass ihr wisst, <hi rend="spaced">was</hi> für eine Hoffnung euch durch seinen Ruf gegeben ist, <hi rend="spaced">was</hi> der Reichtum der Herrlichkeit seines Erbes ist für seine Heiligen <seg type="verse" n="19"/> und <hi rend="spaced">was</hi> es ist um die überragende Größe seiner Kraft für uns, die wir glauben, in der Betätigung der Macht seiner Stärke.</hi></p>
        <p><hi rend="italic"> <seg type="verse" n="20"/> Diese hat er betätigt in Christus, indem er ihn von den Toten auferweckte und ihn zu seiner Rechten setzte in der himmlischen Welt: <seg type="verse" n="21"/> über alle Anfänge und Gewalten und Kräfte und Herrschaften und über alles, was nur einen Namen haben kann nicht nur in dieser, sondern auch in der zukünftigen Welt, <seg type="verse" n="22"/> und hat ihm Alles zu Füßen gelegt und hat ihn als Haupt über Alles der Gemeinde gegeben, <seg type="verse" n="23"/> welche sein Leib ist, die Erfüllung dessen, der Alles in Allem erfüllt.</hi></p>  
        <p rend="margin-top"><pb ed="pga" xml:id="p135" rend="noPipe"/> <!-- leerzeile --> An die Erinnerung an das, was den <term type="Begriffe" key="Christen">Christen</term> gegeben ist, schließt Paulus an die Mitteilung, dass er für sie betet, es möchte ihnen aufs Neue und erst recht gegeben werden. Darum, sagt er zurückblickend, weil der ganze Segen <term type="Begriffe" key="Gott, Segen">Gottes</term> über euch ist, was mir bestätigt wird durch das, was ich äußerlich von euch vernehme, darum besteht zwischen mir und euch Gemeinschaft in Gott, darum bete ich für euch, unaufhörlich. Die Solidarität, die ihn mit ihnen verbindet, ist keine zufällige, sondern eine notwendige, und darum keine vergängliche, sondern eine bleibende. Wenn man sich in <hi rend="italic">der</hi> Betrachtung des Lebens gefunden hat, deren Spitze heißt: <foreign xml:lang="el-GR">εἰς ἔπαινον τῆς δόξης αὐτοῦ</foreign>, dann hat man sich ganz gefunden, gleichviel, wie eng oder locker das verbindende Band im Übrigen sei. Paulus danksagt für das, was seine Leser sind und haben, aber sofort ergänzt er sich (<foreign xml:lang="el-GR">εὐχαριστῶν – μνείαν ποιούμενος</foreign> parallel zu fassen!) und bittet für sie. Fassen wir das ins Auge, was er für sie erbittet, so fällt uns sofort auf: er bittet nicht etwa um Vermehrung dessen, was sie schon sind und haben, nein, er stellt sich wieder ganz an den Anfang mit ihnen, er bittet um Geist und Erkenntnis für sie, als ob er nicht eben ausführlich gesagt, dass die <term type="Begriffe" key="Christen">Christen</term> mit dem allem schon gesegnet <hi rend="italic">seien</hi>. Kein Wort wird zurückgenommen, als ob etwa dieser <term type="Begriffe" key="Segen">Segen</term> doch noch unvollkommen sei, nein, er ist vollkommen, er ist von Gott gegeben, es braucht gar nichts weiter. Aber in dem Augenblick, wo sein Blick auf seine Leser und auf sich selbst fällt, erinnert er sich und sie: Von <hi rend="italic">Gottes</hi> <term type="Begriffe" key="Gott, Segen">Segen</term> war die Rede. Der muss in jedem Augenblick der Zeit ganz neu dasein als <hi rend="italic">Gottes</hi> <term type="Begriffe" key="Gott, Segen">Segen</term>, der hat noch nicht angefangen, da ist nichts schon im Werden oder gar im Sein – «spiritualium bonorum satietate nihil periculosius» (Calvin)<note xml:id="n178">Calvin, Commentarius Eph., Sp. 155.</note>. Da steht der <hi rend="italic">Mensch</hi> mit <hi rend="italic">leeren</hi> Händen vor Gott, bedürftig, arm, ganz auf <hi rend="italic">Gott</hi> angewiesen, da muss <term type="Begriffe" key="Gebet">gebetet</term> werden. Was in der Natur wächst, das wächst eben. Was Menschen anfangen, daran muss eben weitergearbeitet werden. <term type="Begriffe" key="Beten">Beten</term> kommt <hi rend="italic">da nicht</hi> in Betracht. Beten <hi rend="italic">kommt</hi> aber in Betracht, wenn es sich um die Beziehung zu <term type="Begriffe" key="Beziehung zwischen Gott und Mensch">Gott</term> handelt, um die <foreign xml:lang="el-GR">εὐλογία πνευματική</foreign>. Da muss immer wieder an ihrer <term type="Begriffe" key="Gott, Quelle">Quelle</term>, an ihrem <term type="Begriffe" key="Gott, Ursprung">Ursprung</term> gesucht werden. Dieser Ursprung ist nicht in der Welt, nicht in der Zeit. Die Welt, die Zeit ist der Schleier, der ihn verdeckt. Dieser Schleier muss immer wieder  <pb ed="pga" xml:id="p136"/> <hi rend="italic">zerreißen</hi>. Der Mensch muss Gott immer wieder <hi rend="italic">anrufen</hi> als Gott. Wenn die Wahrheit <hi rend="italic">nicht neu</hi> ist, so ist sie nicht die Wahrheit <term type="Begriffe" key="Gottes Wahrheit">Gottes</term>. Wenn die Errettung aus einem Gegenstand der Hoffnung zu einem Gegenstand des Besitzes und Genusses geworden ist, dann ist sie nicht mehr die Errettung. Wenn der Geist nicht mehr die Verheißung ist, sondern ein Gut, und wäre es das höchste Gut, so ist es nicht mehr der heilige <term type="Begriffe" key="Heiliger Geist, Verheißung">Geist</term>. Darum diese Wendung zur Fürbitte. Es ist Paulus, der Kämpfer um Gott, der uns in dieser Wendung begegnet. Ein neuer Tag ist angebrochen. Was gestern gefunden war, muss heute neu gesucht werden. Die gestrigen <term type="Begriffe" key="Reichtum(, Reicher, reich)">Reichen</term> sind die heutigen <term type="Begriffe" key="Armut(, Armer, arm)">Armen</term>, nur als die Armen werden sie heute wieder reich sein. Kein Weg ist schon zurückgelegt, kein Ziel, keine Etappe eines ordo salutis ist schon erreicht, keine Voraussetzung ist schon gegeben. Hier muss unerbittliche Wahrhaftigkeit gelten, hier muss die ganze Problematik aufs Neue aufgerollt werden. Darum meine <term type="Begriffe" key="Gebet">Gebete</term>: <foreign xml:lang="el-GR">ἵνα ὁ θεὸς ... δώῃ ὑμῖν</foreign>. Gott muss es geben! Das ist die Einsicht, die die Voraussetzung des Gebets ist, und das ist das <term type="Begriffe" key="Gebet">Gebet</term> selber: dass das, was wahr ist, wahr <hi rend="italic">werde</hi>, dass Gottes Name, der wahrlich an sich heilig ist, geheiligt <hi rend="italic">werde</hi>, dass sein ewiger unveränderlicher <term type="Begriffe" key="Gott, Wille">Wille</term> <hi rend="italic">geschehe</hi>, dass sein <term type="Begriffe" key="Gottes Reich">Reich</term>, das über allen Reichen ist, <hi rend="italic">komme</hi> [vgl. Mt. 6,9f.; Lk. 11,2]. Würden wir dieses Werden, Geschehen, Kommen überflüssig finden, würden wir es abschwächen in ein bloßes Wachsen, Sich-Ausbreiten und Fortgesetztwerden, wir würden damit zeigen, dass wir es noch nicht wissen, was wir sagen, wenn wir Gott sagen. Und eben das müssen wir lernen: zu wissen, was wir sagen, wenn wir Gott sagen. Ohne das zu wissen, können wir nicht <term type="Begriffe" key="Beten">beten</term>. Und wir müssen beten, um das zu wissen. |</p>
        <p> Von eben dieser Einsicht herkommend betet Paulus, und er betet für seine Leser und für sich um diese Einsicht. So greift das Gestern und das Heute, der <term type="Begriffe" key="Reichtum(, Reicher, reich)">Reichtum</term> und die <term type="Begriffe" key="Armut(, Armer, arm)">Armut</term>, das Haben und das Nicht-Haben des Einen, was not tut [vgl. Lk. 10,42], ineinander in der lebendigen Bewegung, in der sich ein wirklich in der Beziehung zu Gott stehender <term type="Begriffe" key="Beziehung zwischen Gott und Mensch">Mensch</term> befindet. Um den <hi rend="italic">Geist der Weisheit und Offenbarung</hi><term type="Begriffe" key="Heiliger Geist, Geist der Weisheit und Offenbarung"/><hi rend="italic">, ihn zu erkennen,</hi> betet Paulus. Er könnte es nicht, wenn er ihn nicht schon hätte. Ja, aber eben weil er ihn schon hat, weil er es durchaus auch seinen Lesern zutraut, dass sie ihn schon haben, darum bittet er um ihn, als ob er ihn ganz und gar noch nicht hätte. <foreign xml:lang="el-GR">Σοφία</foreign> ist der Sinn für Gott, <foreign xml:lang="el-GR">ἀποκάλυψις</foreign> die Wirklichkeit Gottes, der sich die<pb ed="pga" xml:id="p137" break="no"/>sem Sinn erschließt. Beides miteinander konstituiert <term type="Begriffe" key="Gotteserkenntnis">Gotteserkenntnis</term>. |</p>
        <p><hi rend="italic">Erleuchtung der Augen eures Herzens</hi> wünscht er ihnen. Es scheint, dass Paulus hier einen Ausdruck gebraucht, der der <term type="Begriffe" key="Mystik">Mystik</term> seines Zeitalters nicht unbekannt war.<note xml:id="n179">Dibelius, Epheser, S. 100, verweist für «die mystische Gottesschau» auf das Vorkommen des Ausdrucks «Augen des Herzens» im hermetischen Schrifttum (Poimandres 7,1; vgl. 7,2; 10,4).</note> Warum sollte er ihn nicht gebrauchen? Die Sache selbst sorgt schon dafür, dass hier keine neue Mystik entstehen kann. Luther hat von der <term type="Begriffe" key="Mystik">Mystik</term> seiner Zeit auch Gebrauch gemacht.<note xml:id="n180">Vgl. Barths Darstellung in seiner Calvin-Vorlesung im Sommersemester 1922: K. Barth, <hi rend="italic">Die Theologie Calvins.</hi> 1922, hrsg. von H. Scholl in Verbindung mit A. Reinstädtler (Gesamtausgabe, Abt. II), Zürich 1993, S. 77-86.</note> Mystische Gedanken scheinen auch dem Isenheimer Altar Grünewalds zu Grunde zu liegen.<note xml:id="n181">Vgl. W. Niemeyer, <hi rend="italic">Matthias Grünewald, der Maler des Isenheimer Altars</hi> (Furche-Kunstgaben: 3. Veröffentlichung), Berlin 1921, S. 3.8f.12–15;  J. Bernhart, <hi rend="italic">Die Symbolik im Menschwerdungsbild des Isenheimer Altars. Vortrag gehalten in der Kunstwissenschaftlichen Gesellschaft in München,</hi> München 1921, bes. S. 27-36; zu Barths Beschäftigung mit Bernharts Deutung s. R. Marquard, <hi rend="italic">Karl Barth und der Isenheimer Altar</hi> (Arbeiten zur Theologie, Bd. 80), Stuttgart 1995, S. 9.</note> Die Wahrheit <term type="Begriffe" key="Gottes Wahrheit">Gottes</term> wird wohl irgendwie der Blickpunkt auch der <term type="Begriffe" key="Mystik">Mystik</term>, der heidnischen wie der christlichen sein. Der hermetische Ausdruck bezeichnet sehr gut, was Paulus hier sagen will: die inneren Augen müssen euch aufgehen, die Augen für das, was kein Auge gesehen, die Anschauung des Unanschaulichen. Ihr müsst die Fähigkeit gebrauchen, über das, was ich eben als euren <term type="Begriffe" key="Glaube">Glauben</term> und eure <term type="Begriffe" key="Liebe">Liebe</term> gerühmt, immer wieder hinauszuschreiten, über dieses Eurige hinaus euch immer wieder aufzuschließen für den Gegenstand. Nicht als ob sie diese Augen, diese Anschauung, diese Fähigkeit nicht schon hätten, aber auch nicht so, als ob dieses Virtuelle irgendwie schon Aktualität wäre. Diese Aktualität kann immer nur Gegenstand des <term type="Begriffe" key="Gebet">Gebetes</term> sein. Um zu <hi rend="italic">wissen</hi>, fährt er nun fort: <hi rend="italic">was für eine Hoffnung euch durch seinen Ruf gegeben ist.</hi> Sie haben einen Ruf bekommen, das ist ihre Lage, ihre Situation, ihr Besitz, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Der Segen <term type="Begriffe" key="Gott, Segen">Gottes</term> ist die große Möglichkeit, die ihnen gegeben ist. Mit dieser Möglichkeit haben sie auch den neuen Tag angetreten. Noch ist sie  <pb ed="pga" xml:id="p138"/> nicht mehr als eine Möglichkeit. Sie muss als solche erkannt, die <foreign xml:lang="el-GR">ἐλπὶς τῆς κλήσεως</foreign>, die Tragweite ihrer Lage muss verstanden werden, damit sie fruchtbar, damit die Möglichkeit Wirklichkeit werde. |</p>
        <p> Nach zwei Seiten wird das entwickelt in der zweiten Hälfte von V. 18 und in V. 19. Es gilt Augenmaß zu bekommen für das, <hi rend="italic">was wir hoffen dürfen</hi>, für den Reichtum der Herrlichkeit seines Erbes bei seinen <term type="Begriffe" key="Heilige(, Heiliger, Heiliges)">Heiligen</term>, es gilt zu lernen, von Gott das <hi rend="italic">Größte</hi> zu erwarten, und es gilt zu merken, dass wir <hi rend="italic">wirklich darauf hoffen dürfen</hi> (V. 19), also das Größte tatsächlich zu <hi rend="italic">erwarten</hi>. Die stammelnde Fülle von Ausdrücken, in der Paulus besonders den letzten Gedanken umschreibt, zeigt, mit welchem Nachdruck er gerade das sagen wollte: Auf Gott hoffen, das ist ein gewaltiges, gottesgewaltiges Tun. «Wenn Gott den <term type="Begriffe" key="Glaube">Glauben</term> schafft im Menschen, so ists ja so ein groß <term type="Begriffe" key="Gott, Werk">Werk</term> als wenn er Himmel und Erde wiederschafft. ... Wo Gott den <term type="Begriffe" key="Glaube">Glauben</term> wirkt, da muss der Mensch wieder neu geboren und neue Kreatur werden» (Luther).<note xml:id="n182"> <hi rend="italic">Luthers Episteln-Auslegung</hi>, S. 623: «Denn wenn Gott den Glauben schafft im Menschen, so ists ja so ein groß Werk, als wenn Er Himmel und Erde wiederschafft. Der Glaub ist eine Kraft Gottes. Wo Gott den Glauben wirkt, da muß der Mensch anderweit geboren und eine neue Kreatur werden» (vgl. oben S.  100f., Anm. 127; <hi rend="italic">Epistel S. Petri gepredigt und ausgelegt.</hi> Erste Bearbeitung 1523<hi rend="italic">,</hi> WA 12, 270, 22f.28f.).</note> <hi rend="italic">So</hi> groß ist die <foreign xml:lang="el-GR">ἐνέργεια</foreign>, die Tätigkeit <term type="Begriffe" key="Gott, Tat">Gottes</term>, die da auf den Plan tritt. Wissen wir das etwa schon? Damit wir es wissen, [erfolgt ein] Ausblick auf Christi <term type="Begriffe" key="Jesus Christus, Auferstehung(, Auferstanden)">Auferstehung</term> und <term type="Begriffe" key="Jesus Christus, Himmelfahrt">Himmelfahrt</term>.</p>
        <p><date rend="right">16. II. 22</date> Der Sinn der V. 20-23 und ihr Zusammenhang mit dem Vorhergehenden liegt darin, besteht darin, dass Paulus in ihnen Antwort gibt auf jene in V. 18 aufgeworfenen <hi rend="italic">Fragen: Was</hi> für eine Hoffnung ist euch gegeben?, näher entwickelt in den zwei weiteren Fragen V. 18 und 19: <hi rend="italic">Was</hi> ist der Reichtum der Herrlichkeit seines Erbes für seine <term type="Begriffe" key="Heilige(, Heiliger, Heiliges)">Heiligen</term>? und: <hi rend="italic">Was</hi> ist es um die überragende Größe seiner Kraft für uns, die wir <term type="Begriffe" key="Glaube">glauben</term>? Dass seine Leser Offenbarung und Erkenntnis bekämen, Erleuchtung der Augen ihres Herzens, Fähigkeit zu begreifen und zu hoffen, dieses <hi rend="italic">Was?</hi>, das ist’s ja, um was Paulus für sie betet, das ist für ihn die große Angelegenheit, das große Problem ihrer <term type="Begriffe" key="Christlichkeit">Christlichkeit</term>. Was heißt das, dass wir von Gott <term type="Begriffe" key="Gott, Segen">gesegnet</term> sind? Was meinen wir, wenn wir uns unterwinden, in Bezug auf uns und unser Dasein den Namen Gottes in dieser Weise in den Mund zu nehmen?  <pb ed="pga" xml:id="p139"/> Was ist solchen Menschen gegeben, von denen man sagen kann, dass sie den <term type="Begriffe" key="Glaube">Glauben</term> an den Herrn <term type="Begriffe" key="Jesus Christus">Jesus</term> und die <term type="Begriffe" key="Liebe">Liebe</term> zu allen <term type="Begriffe" key="Heilige(, Heiliger, Heiliges)">Heiligen</term> haben (V. 15)? Was ist das für eine Macht, unter deren Einfluss und Wirkung die <term type="Begriffe" key="Christen">Christen</term> stehen? |</p>
        <p>Ich habe schon darauf hingewiesen<note xml:id="n183">Siehe oben S.  116.</note>, wie dieses Problem auch am Ende des 1. Korintherbriefes, in dem berühmten <term type="Begriffe" key="Auferstehung">Auferstehungskapitel</term>, aufgeworfen wird als Schlusspunkt der großen kritischen Auseinandersetzung des <term type="Begriffe" key="Apostel">Apostels</term> mit der dortigen Gemeinde. Auferstehungsglaube oder Auferstehungsleugnung<note xml:id="n184">Im Rundbrief vom 26. Februar 1922 schreibt Barth über die Veranlassung der hier folgenden Darlegungen durch einen Vortrag seines Fakultätskollegen W. Bauer: «In derselben Woche ein Vortrag von <hi rend="italic">Walter Bauer</hi> über die Auferstehung Jesu. Saubere kritische Arbeit bis zuletzt, wo das unvermeidliche ‹Erlebnis› dann doch als Erklärungsgrund zum Ausbruch kam, die enge Pforte, durch die in der Diskussion die sämtlichen liberalen und positiven Pfaffen des Orts mit Huronegeheul hereinstürmten, sich gegenseitig in die Arme sanken und Freundschaft bis in den Tod gelobten und also den im Vortrag ‹zu kurz gekommenen‹ <hi rend="italic">positiven Teil</hi> (!) aufrichteten, worauf der arme Historiker im Schlußwort ganz eingeschüchtert bekennen mußte, dies letztere müsse er ‹als Wissenschaftler› in der Tat den Herren Pastoren überlassen. Es war ein Schauspiel für Götter, in dem ich leider als ‹Kollege› nicht wohl mitwirken konnte. Dafür gab ich sofort am andern Morgen im Kolleg über Eph. 1, 20-23 ohne direkte Beziehung die Antwort, die ja nur ‹Na ja eben!› lauten konnte, ein kleines Sensatiönchen erregte und nachweisbar einige Belehrte hinterließ.» (Bw.Th. II, S. 47) Der Vortrag W. Bauers <hi rend="italic">Die Auferstehung Jesu</hi> ist zusammen mit Vorträgen von A. Bertholet, G. Ködderitz und H. K. J. A. Krohn veröffentlicht in: <hi rend="italic">Der Christus. Vier Vorträge</hi> (Veröffentlichung des Verbandes der Freunde Evangelischer Freiheit für Südhannover 1), Göttingen [1922], S. 37-62.</note>, das ist nicht eine <term type="Begriffe" key="Religion(, Religiosität)">religiöse</term> oder <term type="Begriffe" key="Dogmatik">dogmatische</term> Frage neben anderen – aus der Art, wie Paulus sie in 1.Kor. 15 behandelt, wird das m. E. ganz klar –, das ist die Frage nach dem <hi rend="italic">Wesen</hi> des <term type="Begriffe" key="Christentum, Wesen">Christentums</term>, um diesen modernen Ausdruck zu gebrauchen.<note xml:id="n185">Dieser Ausdruck ist prominent geworden durch die im Wintersemester 1899/1900 von Adolf Harnack gehaltene Berliner Vorlesung vor Studierenden aller Fakultäten, die unter dem Titel erschienen sind: <hi rend="italic">Das Wesen des Christentums</hi>, Leipzig 1900. Die zuletzt von Harnack betreute Ausgabe erschien im 72. Tausend im Jahr 1929 und ist kommentiert ediert worden von C.-D. Osthövener, Tübingen 2007<hi rend="sup">2</hi>. Zur Diskussion vgl. J. Wendland, Art. «Wesen des 113­Christentums», in: RGG<hi rend="sup">1</hi> V, Sp. 1967-1973; [Th.] Steinmann, Art. «Christentum: V A. Wesen des Chr[istentum]s», in: RGG<hi rend="sup">2</hi> I, Sp. 1563-1571.</note> Die Frage nach dem Wesen des Christentums ergibt  <pb ed="pga" xml:id="p140"/> sich aus der Beantwortung der Frage nach dem Sinn der <term type="Begriffe" key="Christlichkeit">Christlichkeit</term> der <term type="Begriffe" key="Christen">Christen</term>. Wird diese Frage kurzatmig, unter Außerachtlassung der Distanzen beantwortet, dann ergibt sich unweigerlich, dass das Wesen des <term type="Begriffe" key="Christentum, Wesen">Christentums</term>, um mit <hi rend="italic">Overbeck</hi> zu reden, seine <term type="Begriffe" key="Christentum, Unwesentlichkeit">Unwesentlichkeit</term> ist.<note xml:id="n186">Barth setzte sich mit Franz Overbecks von C. A. Bernoulli aus dem Nachlaß herausgegebenen Aufzeichnungen <hi rend="italic">Christentum und Kultur. Gedanken und Anmerkungen zur modernen Theologie</hi> (Basel 1919; Kritische Neuausgabe: Fr. Overbeck, <hi rend="italic">Werke und Nachlaß</hi>, Bd. 6/1: <hi rend="italic">Kirchenlexicon. Materialien. Christentum und Kultur</hi>, hrsg. von B. von Reibnitz, Stuttgart/Weimar 1996) auseinander und schrieb darüber eine Buchanzeige: K. Barth, <hi rend="italic">Unerledigte Anfragen an die heutige Theologie</hi> (1920; wieder abgedruckt in: Th. u.K., S. 1-25). Darin fasst Barth die Kritik Overbecks am modernen Christentum, das sich, die historische Distanz zum frühen Christentum und dessen zentrale Gehalte gleichermaßen missachtend, «dem modernen Denken konformiert» hat, so zusammen: «Das Wesen des ‹modernen› Christentums» ist «ein Unwesen» (a.a.O., S. 15; vgl. Overbeck, <hi rend="italic">Christentum und Kultur</hi>, a.a.O., S. 67f. [<hi rend="italic">Kirchenlexicon</hi>, S. 100f.]). Overbeck selber schreibt von Chateaubriands <hi rend="italic">Génie du christianisme</hi> und Harnacks <hi rend="italic">Wesen des Christentums:</hi> «Beide Werke wären besser zu verstehen unter dem Titel <hi rend="italic">Die Unwesentlichkeit des Christentums</hi> oder auch <hi rend="italic">Das Wesen, der Geist des Christentums meiner Zeit.</hi>» (a.a.O., S. 208 [<hi rend="italic">Kirchenlexicon</hi>, S. 244]).</note> Paulus beantwortet diese Frage so wie im 1. Korintherbrief mit dem Begriff der <hi rend="italic">Auferstehung</hi><term type="Begriffe" key="Auferstehung"/>. Wir empfinden ganz richtig, wenn wir sagen, dass er sie also mit einer neuen Frage beantwortet, und je deutlicher wir es sagen, dass es nicht nur <hi rend="italic">eine</hi> neue Frage, sondern <hi rend="italic">die</hi> neue Frage ist, mit der Paulus hier antwortet, desto richtiger empfinden wir das, was er ausdrücken will. Kurzatmig ist diese Antwort jedenfalls nicht; viel zutreffender könnten wir sie atemraubend nennen, sofern sie eben gar nicht das <hi rend="italic">ist</hi>, was wir eine Antwort nennen – unsere Antworten sind als solche samt und sonders kurzatmig –, sondern die Einstellung der <hi rend="italic">letzten</hi> Frage genau an der Stelle <hi rend="italic">unserer vorletzten</hi> Frage, der Frage: was sind und haben wir in Beziehung auf <term type="Begriffe" key="Beziehung zwischen Gott und Mensch">Gott</term>? Wenn wir <hi rend="italic">dort</hi> die Antwort: <hi rend="italic">Auferstehung</hi><term type="Begriffe" key="Auferstehung"/><hi rend="italic">!</hi> sehen, d. h. aber für uns <hi rend="italic">die neue</hi> Frage, die wirklich <hi rend="italic">letzte</hi> Frage, dann sehen wir nach der Meinung des Paulus den Sinn unserer <term type="Begriffe" key="Christlichkeit">Christlichkeit</term> und eben damit dann das Wesen des <term type="Begriffe" key="Christentum, Wesen">Christentums</term> als historischer Erscheinung. In drei Wendungen gibt Paulus an unserer Stelle diese Ant<pb ed="pga" xml:id="p141" break="no"/>wort oder vielmehr diese neue Frage: <hi rend="italic">1.</hi> Gott hat Christus von den Toten <term type="Begriffe" key="Jesus Christus, Auferweckung">erweckt</term>. <hi rend="italic">2.</hi> Er hat ihn eingesetzt zu seiner <term type="Begriffe" key="Jesus Christus, eingesetzt zur Rechten">Rechten</term>. <hi rend="italic">3.</hi> Er hat ihn zum Haupt der <term type="Begriffe" key="Jesus Christus, Haupt der Gemeinde">Gemeinde</term> gegeben. So ist die <foreign xml:lang="el-GR">ἐνέργεια</foreign> Tätigkeit <term type="Begriffe" key="Gott, Tat">Gottes</term> beschaffen, deren Analogie (<foreign xml:lang="el-GR">κατά</foreign>, V. 19) unsere eigene <term type="Begriffe" key="Christlichkeit">Christlichkeit</term> ist. Und dass <hi rend="italic">das</hi> der Sinn der den <term type="Begriffe" key="Christen">Christen</term> mit ihrer Berufung gegebenen Hoffnung ist, das sollen sie erkennen. Und dass sie es erkennen möchten, erkennen, als ob sie es noch nie erkannt hätten (denn wer könnte hier sagen: ich <hi rend="italic">habe</hi> erkannt?), das ist das Gebetsanliegen des Apostels.</p>
        <p> Wenn Paulus als Erstes die <hi rend="italic">Auferweckung Christi von den Toten</hi><term type="Begriffe" key="Jesus Christus, Auferweckung"/> nennt, so weist er damit hin auf ein nicht sowohl mögliches als vielmehr unmögliches, auf ein nicht sowohl historisches als vielmehr unhistorisches Ereignis. Er meint <hi rend="italic">das</hi> unmögliche, <hi rend="italic">das</hi> unhistorische Ereignis <foreign xml:lang="el-GR">κατ’ ἐξοχήν</foreign>. Aber ich muss mich genauer ausdrücken: Er meint zweifellos ein <hi rend="italic">Ereignis</hi>. Die Auferweckung Christi von den <term type="Begriffe" key="Jesus Christus, Auferweckung">Toten</term> gehört für ihn der Geschichte an. Sie berührt das Mögliche, Historische, Zeitliche und ist insofern selbst möglich, historisch, zeitlich. Aber es bleibt dabei: sie ist in sich selbst das Unmögliche, das Unhistorische, das ewige Ereignis. Also er meint das Ereignis, das sich genau auf der <hi rend="italic">Grenze</hi> abspielt zwischen dem Möglichen und dem Unmöglichen, dem Historischen und dem Unhistorischen, der Zeit und der Ewigkeit. Ewigkeit ist in der Zeit wie Gegenwart in der Zeit zwischen Vergangenheit und Zukunft, denn nur die Gegenwart konstituiert die Zeit als Vergangenheit und Zukunft. Und Ewigkeit ist nicht in der Zeit, wie Gegenwart nicht in der Zeit ist zwischen Vergangenheit und Zukunft, denn dieser die Zeit konstituierende Punkt <hi rend="italic">ist nie</hi> zwischen Vergangenheit und Zukunft. Die Auferstehung Christi von den <term type="Begriffe" key="Jesus Christus, Auferstehung(, Auferstanden)">Toten</term> ist die Ewigkeit. Die Ewigkeit aber ist die Gegenwart Gottes in der Zeit. Eben darum ist hier die Antwort die <hi rend="italic">Frage</hi> und die Frage die <hi rend="italic">Antwort</hi>. Auf diesen Punkt weist Paulus seine Leser hin, um sie über den Sinn ihrer <term type="Begriffe" key="Christlichkeit">Christlichkeit</term> zu verständigen. An diesem Punkt ist das Wesen des <term type="Begriffe" key="Christentum, Wesen">Christentums</term> zu sehen, werden wir hinzufügen. Diesen Punkt hat Paulus <hi rend="italic">gegeben</hi> gesehen in Jesus <term type="Begriffe" key="Jesus Christus">Christus</term>. Also in der <hi rend="italic">Geschichte</hi> gegeben, also nicht als ein Zweites, Entferntes, Anderes, Jenseitiges, nicht als Idee im Sinn des üblichen Missverständnisses dieses platonischen Begriffs. Im Vollsinn dieses Begriffs verstanden allerdings: Ja, als Idee <hi rend="italic">Gottes</hi>, aber darum eben als das Erste des <hi rend="italic">Ersten</hi>, als  <pb ed="pga" xml:id="p142"/> Entferntes des <hi rend="italic">Nahen</hi>, als Anderes <hi rend="italic">dieses</hi> Lebens, als Jenseitiges des <hi rend="italic">Diesseits</hi>, also als das Geschehen in der <hi rend="italic">Geschichte</hi>. Aber als das <hi rend="italic">Geschehen</hi> in der Geschichte, als das <hi rend="italic">Jenseits</hi> im Diesseits und eben darum nicht als ein bestimmter Inhalt <hi rend="italic">innerhalb</hi> der Geschichte, <hi rend="italic">innerhalb</hi> [des] Diesseits neben anderen etwa, sondern eben als ihre schlechthinige Grenze, ihr schlechthiniger Ursprung. Alles, was innerhalb der Geschichte, des Diesseits gesucht werden kann, und wenn es das Unerhörteste wäre, ist <hi rend="italic">nicht</hi> diese Grenze, <hi rend="italic">nicht</hi> dieser Ursprung. <hi rend="italic">Gegeben</hi> ist ja dieser Punkt für Paulus und das ganze <term type="Begriffe" key="Christentum, Ur-">Urchristentum</term> auch genau <hi rend="italic">jenseits</hi> der Geschichte Jesu <term type="Begriffe" key="Jesus Christus">Christi</term>, <hi rend="italic">nach</hi> seinem <term type="Begriffe" key="Jesus Christus, Tod">Tode</term>. |</p>
        <p>Die Kategorien <hi rend="italic">Tod</hi><term type="Begriffe" key="Tod, als absolute Kategorie"/> und <hi rend="italic">Leben</hi><term type="Begriffe" key="Leben, als absolute Kategorie"/>, in denen hier dieser Punkt bezeichnet wird, sind, wie wir uns auch dazu stellen mögen, im Sinn des Paulus <hi rend="italic">absolute</hi> Kategorien. Ist Christus auferweckt von den <term type="Begriffe" key="Jesus Christus, Auferweckung">Toten</term>, so ist sein <term type="Begriffe" key="Auferstehung">Auferstehungsleben</term> im Sinn des Paulus das neue, das allem anderen Leben grundsätzlich unvergleichliche Leben, das Leben Gottes selbst. Mit Allem, was wir hier begreifen können, begreifen wir notwendig etwas Anderes. Alle Deutung ist notwendig Missdeutung. Selbstverständlich, dass schon die <term type="Begriffe" key="Christentum, Ur-">Urchristenheit</term> von diesem Ereignis nur stammeln konnte; wie sollte es für <hi rend="italic">dieses</hi> Ereignis Worte geben? Selbstverständlich, dass die uns überlieferten Relationen sich widersprechen und gegenseitig aufheben; wie sollte es in Bezug auf <hi rend="italic">dieses</hi> menschliche Übereinstimmung geben? Selbstverständlich, dass später der Versuch gemacht wurde, das Unanschauliche anschaulich zu beschreiben, und dass durch diese Versuche die Unanschaulichkeit nur noch größer wurde. Verlorene Mühe m. E., aus dem Wirrwarr dieser Relationen und Versuche die wahrscheinlichste Möglichkeit herauszuschälen. Und wenn das Verhältnis dieser wahrscheinlichsten Möglichkeit, sagen wir etwa des paulinischen <term type="Begriffe" key="Auferstehung">Auferstehungsberichtes</term> 1.Kor. 15, den anderen gegenüber sich verhielte wie 1000 zu 1, was bedeutet das, wenn auch die wahrscheinlichste Möglichkeit sich zur Wirklichkeit verhält wie 1000 zu ∞! Diese Wirklichkeit: die Erscheinung des <term type="Begriffe" key="Jesus Christus, Auferstehung(, Auferstanden)">Auferstandenen</term>, die Tatsache, dass die <term type="Begriffe" key="Jünger">Jünger</term> nach dem <term type="Begriffe" key="Karfreitag">Karfreitag</term> eine Antwort auf die verbotene [?] Frage <hi rend="italic">fanden</hi>, dass ihnen Leben <hi rend="italic">begegnete</hi>, wo sie nach allem menschlichen Ermessen nur <term type="Begriffe" key="Tod">Tod</term> sehen konnten, diese Tatsache, mit der auf alle Fälle gerechnet werden muss, ist, jedenfalls im Sinn des Paulus, für den das Erlebnis<pb ed="pga" xml:id="p143" break="no"/>se-Machen noch nicht ein so plattes, selbstverständliches Ding war<note xml:id="n187">«Um die Jahrhundertwende [scil. vom 19. zum 20. Jahrhundert] werden ‹E[rlebnis]› und ‹Erleben› schlagartig zu philosophischen Modebegriffen» und «Erlebnis» bleibt ein Grundbegriff der Lebens- und der Weltanschauungsphilosophie des ersten Drittels des 20. Jh., die weniger auf die Wirksamkeit Diltheys als auf den Einfluß <hi rend="italic">Nietzsches</hi> und <hi rend="italic">Bergsons</hi> zurückgehen» (K. Cramer, Art.: «Erleben, Erlebnis», in: <hi rend="italic">Historisches Wörterbuch der Philosophie,</hi> hrsg. von J. Ritter u. a., Bd. 2, Basel 1972, Sp. 702-711, dort Sp. 708). Vgl. G. van der Leeuw, Art. «Erlebnis, religiöses. 1. Religionswissenschaftlich», in: RGG<hi rend="sup">2</hi> II, Sp. 254-256; W. de Boor, Art. «Erlebnis, religiöses. 2. Dogmatisch», in: RGG<hi rend="sup">2</hi> II, Sp. 256-258.</note>, das Unwahrscheinliche, das Unglaubwürdige schlechthin. Neben der Wahrscheinlichkeit und Glaubwürdigkeit Gottes selbst gibt es hier für ihn keine andere Glaubwürdigkeit und Wahrscheinlichkeit. |</p>
        <p>Wer hier von der Wiederbelebung des in das Grab gelegten Leibes des Gekreuzigten und wer hier von der Erscheinung des verklärten Herrn, wer hier von Wunder und wer hier von einer Vision redet, muss in gleicher Weise wissen, dass er von <hi rend="italic">Gott</hi> redet und dass, wenn er von <hi rend="italic">Gott</hi> redet, das <term type="Begriffe" key="Wort">Wort</term> Wunder und das Wort <term type="Begriffe" key="Vision">Vision</term> sich selbst aufheben; denn das Wunder, durch das sich die Wirklichkeit <hi rend="italic">Gottes</hi> bezeugt, ist auf alle [Fälle] kein Wunder neben anderen Wundern, sondern <hi rend="italic">das</hi> Wunder, und die Vision, die Schauung Gottes ist, ist auf alle Fälle keine Vision neben anderen Visionen, sondern <hi rend="italic">die</hi> <term type="Begriffe" key="Vision">Vision</term>. Auf alle Fälle möge also, wer so über sie redet, mit dem Begriff «Erlebnis» behutsam umgehen. <hi rend="italic">Das</hi>, was Paulus hier bezeichnen will, erlebt man nicht nur so, wie man irgend etwas Anderes erlebt. Viel richtiger werden wir in seinem Sinn sagen: das erlebt man überhaupt nicht. |</p>
        <p>Nur <hi rend="italic">dankbar</hi> kann man der historischen Forschung sein, wenn sie so scharf als möglich herausarbeitet, dass hier alle Berichte und Deutungsversuche sich widersprechen und aufheben, dass wir hier in unheilvollen Widerspruch nicht nur zu unserer modernen <term type="Begriffe" key="Weltanschauung">Weltanschauung</term>, sondern zu jeder nur möglichen Weltanschauung geraten, dass hier schon die <term type="Begriffe" key="Heiden">heidnischen</term> Zeitgenossen jener doch so wundersüchtigen und visionsfreudigen und erlebnisdurstigen Epoche unüberwindlichen Anstoß genommen haben, dass wir hier in der Tat vor dem Unwahrscheinlichen, Unglaubwürdigen, Unhistorischen, Unmögli<pb ed="pga" xml:id="p144" break="no"/>chen  stehen; umso dankbarer werden wir der historischen <term type="Begriffe" key="Forschung, historisch">Forschung</term> dann sein, wenn sie sich bewusst ist und es auch uns klar macht, dass auch die verhältnismäßig größte Wahrscheinlichkeit, mit der sie ihre Feststellungen abschließt, doch nur die Wahrscheinlichkeit des gänzlich Unwahrscheinlichen sein kann, und nicht etwa, wie es nun allerdings gewöhnlich geschieht, im letzten Augenblick doch noch einen <term type="Begriffe" key="Friede">Frieden</term> schließt, der den Gegensatz verhüllt und es den <term type="Begriffe" key="Pfarrer">Pfarrern</term> ermöglicht, von der <term type="Begriffe" key="Auferstehung">Auferstehung</term> so oder so doch wieder armsdicke Worte zu reden, als wüssten sie etwa, was sie mit diesen Worten sagen. Je magerer der positive Teil der hier möglichen historischen Ausführungen ausfällt, umso besser, umso sachgemäßer. Denn alles historisch Positive ist hier in Wirklichkeit negativ. Es würde von der Offenbarung und vom <term type="Begriffe" key="Glaube">Glauben</term> weg- und nicht dazu hinführen. Es wäre wie Gott ins Wort fallen, der gerade hier seine Sache selbst führen will. Wer hier zu wissen meint, so oder so, der, gerade <hi rend="italic">der</hi> weiß <hi rend="italic">nicht</hi>. Wer hier Analogien herbeizieht, um zu <hi rend="italic">erklären</hi>, gleichviel ob es Analogien aus der <term type="Begriffe" key="Religionsgeschichte">Religionsgeschichte</term> oder aus der Natur oder aus den <term type="Begriffe" key="Okkultismus">okkulten</term> Wissenschaften oder gar aus seiner eigenen Erfahrung sind, der zeigt damit nur, dass er nicht gesehen hat, was jedenfalls Paulus meint, wenn er von der <term type="Begriffe" key="Auferstehung">Auferstehung</term> redet. Paulus denkt liberaler als die <term type="Begriffe" key="Liberale">Liberalen</term> und gläubiger als die <term type="Begriffe" key="Gläubige">Gläubigen</term>. Er meint <term type="Begriffe" key="Tod">Tod</term>, wenn er Tod sagt, und <term type="Begriffe" key="Leben">Leben</term>, wenn er Leben sagt, und beidemal meint er das Ganze, <hi rend="italic">Gott</hi>. Das Ganze dessen, was wir Leben heißen, ist dem Tode verfallen, und das Ganze dessen, was wir Tod heißen, ist dem Leben verfallen. Den Schritt von hier nach dort, diesen <hi rend="italic">unerhörten</hi> Schritt, den wir nie tun können, <hi rend="italic">den</hi> Schritt, der der <term type="Begriffe" key="Tod">Tod</term> unseres Lebens und das Leben unseres Todes ist, nennt er die Auferstehung. Selbstverständlich meint er damit <hi rend="italic">leibliche</hi> <term type="Begriffe" key="Auferstehung">Auferstehung</term>, denn der Tod ist der Tod des <hi rend="italic">Leibes</hi>, und das Leben, das diesen Tod überwindet, ist wieder das Leben des <hi rend="italic">Leibes</hi>. Wer <hi rend="italic">Zeit</hi> sagt, der sagt Leib, und wer <hi rend="italic">Ewigkeit</hi> in der Zeit sagt, der sagt Auferstehung des Leibes. <term type="Begriffe" key="Leiblichkeit">Leiblichkeit</term> ist Dinglichkeit. Ohne Dinglichkeit kein <term type="Begriffe" key="Individuum">Individuum</term>. Ohne Individuum, ohne Subjekt keine Beziehung zu <term type="Begriffe" key="Beziehung zwischen Gott und Mensch">Gott</term>. Alles hängt hier daran, dass die Beziehung des Individuums zu Gott, Gottes zum Individuum, die Gegenwart Gottes in der Zeit <hi rend="italic">ganz</hi> ernst, <hi rend="italic">ganz</hi> real genommen wird. | </p>  
        <p><pb ed="pga" xml:id="p145" rend="noPipe"/>Aber eben darum: Alles hängt hier daran, dass wir wissen, dass keine Deutung, die wir von dieser Gegenwart Gottes zu geben vermögen, etwa mit ihrer Wirklichkeit zusammenfällt. Alles hängt daran, dass wir hier die endgültige, die umfassende, die radikale Antwort hören, und Alles daran, dass <hi rend="italic">uns</hi> diese Antwort Frage, nichts als Frage ist. So hat Paulus die Auferstehung <term type="Begriffe" key="Jesus Christus, Auferstehung(, Auferstanden)">Christi</term> gesehen als den Punkt in der Geschichte, an dem sich seine Leser immer wieder vergewissern sollten, <hi rend="italic">was</hi> für eine Hoffnung ihnen durch Gottes <term type="Begriffe" key="Gott, Erwählung">Berufung</term> zuteil geworden, <hi rend="italic">was</hi> es sei um ihre <term type="Begriffe" key="Christlichkeit">Christlichkeit</term>. Sie ist ihm die authentische Interpretation der historischen Erscheinung Jesu <term type="Begriffe" key="Jesus Christus">Christi</term> überhaupt, <hi rend="italic">die</hi> Interpretation, neben der es für ihn keine, schlechterdings keine andere Interpretation gibt. Das Ganze dieser Erscheinung ist für ihn, von uns aus gesehen, begriffen im <term type="Begriffe" key="Kreuz〉〉〈〈Tod">Kreuzestod</term> <term type="Begriffe" key="Jesus Christus">Christi</term>, und darum predigt er diesen, den <term type="Begriffe" key="Jesus Christus, der Gekreuzigte">Gekreuzigten</term>, und kennt keinen anderen, denn Alles, was Christus sonst und daneben zu sein scheint, ist er beschlossen und inbegriffen in diesem Einen. Fragen wir aber: was bedeutet dieses Eine, der Kreuzestod, so antwortet er: es bedeutet (von Gott aus gesehen) die <term type="Begriffe" key="Auferstehung">Auferstehung</term>, die <term type="Begriffe" key="Ewigkeit, als schlechthinige Gegenwart Gottes">Ewigkeit</term>, die schlechthinige Gegenwart Gottes, die Gegenwart des Lebendigen bei den <term type="Begriffe" key="Tod">Toten</term>, des Ewigen bei den Zeitlichen, des Unvergänglichen bei den Vergänglichen. Und wollten wir fragen, wie uns dieser Punkt gegeben sei, so antwortet er eben damit, dass er ihn uns als unauflösliche Frage entgegenwirft, als unsere <hi rend="italic">Frage</hi>, die doch nicht <hi rend="italic">unsere</hi> Frage wäre, wenn sie nicht in <term type="Begriffe" key="Jesus Christus">Christus</term> Antwort wäre, als Frage, die nur im Lichte der in Christus gegebenen Antwort unsere Frage werden kann.</p>
        <p> Paulus nennt als Zweites die <hi rend="italic">Einsetzung Christi zur Rechten Gottes</hi><term type="Begriffe" key="Jesus Christus, zur Rechten Gottes"/>. Das ist nichts Anderes als eine neue Wendung des Begriffs <term type="Begriffe" key="Auferstehung">Auferstehung</term>. Es ist der positive Teil, von Gott selbst gegeben zu dem negativen Teil, zu dem Rätsel der <term type="Begriffe" key="Auferweckung">Auferweckung</term> von den Toten. Der <term type="Begriffe" key="Jesus Christus, Auferstehung(, Auferstanden)">Auferstandene</term> ist als solcher eingesetzt zur Rechten <term type="Begriffe" key="Jesus Christus, zur Rechten Gottes">Gottes</term>. «Nur ein Bild» Eben gerade <hi rend="italic">nicht!</hi> Die Rechte Gottes ist für Paulus, wie real und plastisch er sich das auch vorgestellt haben mag, jedenfalls die <hi rend="italic">Macht</hi> Gottes. Der Schritt von hier nach dort, der durch die <term type="Begriffe" key="Auferweckung">Auferweckung</term> getan ist, stellt <term type="Begriffe" key="Jesus Christus">Christus</term>, den Ursprung, <term type="Begriffe" key="Gott, Ursprung">Gott</term>, uns gegenüber als ein Zweites, Anderes, Nichtdiesseitiges. Der Punkt, der hier gewonnen ist, ist <term type="Begriffe" key="Transzendenz">transzendent</term>, ewig, göttlich, darum <hi rend="italic"><foreign xml:lang="el-GR">ἐν τοῖς ἐπουρανίοις,</foreign></hi> im Himmel. Aber dies muss scharf gefasst werden. Es gibt ein <term type="Begriffe" key="Jenseits">Jenseits</term>,  <pb ed="pga" xml:id="p146"/> einen Himmel, der <term type="Begriffe" key="Diesseits">Diesseits</term>, verlängerte Erde ist. So verstanden, hätten wir <term type="Begriffe" key="Jesus Christus">Christus</term> in Wirklichkeit <hi rend="italic">nicht</hi> verstanden. Wir hätten noch im Schema des Gegensatzes gedacht, in dem wir selbst stehen. Er wäre der erhöhte Mensch. Unsere Beziehung zu ihm wäre nicht rein. Die Hoffnung, die wir auf ihn setzen, nicht total. Der Grund des <term type="Begriffe" key="Glaube">Glaubens</term> nicht zuverlässig. Darum: <hi rend="italic"><foreign xml:lang="el-GR">ὑπεράνω πάσης ...,</foreign></hi> über Allem, dem wir einen Namen geben können, über allem so und so Bestimmten. Der Bestimmende ist selbst kein Bestimmter. Der Ursprung ist keine causa. Sein Name ist über alle Namen [vgl. Phil. 2,9]. Seine Herrschaft über alle Herrschaften [V. 21]. <hi rend="italic"><foreign xml:lang="el-GR">Οὐ μόνον ...,</foreign></hi> der neue Äon hier selbst als eine zweite Wirklichkeit gefasst, als eine <term type="Begriffe" key="Transzendenz">Transzendenz</term>, das entspricht nicht der Wirklichkeit. Der Punkt, auf den Paulus zeigen will, ist jenseits auch aller möglichen Transzendenzen. Er ist die Transzendenz schlechthin. Gerade darum die Immanenz Gottes: <hi rend="italic"><foreign xml:lang="el-GR">πάντα ὑπέταξεν ...</foreign></hi> Die Einheit der Welt in ihm. Das also ist unsere Hoffnung. Die Überwindung der Gegensätze, in denen wir jetzt und hier sein und denken müssen, die Einheit von Himmel und Erde. Die <hi rend="italic">Macht</hi> Gottes ist der Punkt, dessen wir uns erinnern sollen. Sie ist der positive Sinn der <term type="Begriffe" key="Auferstehung">Auferstehung</term>: das Leben verschlingt den <term type="Begriffe" key="Tod">Tod</term>, wie der Tod alles, was wir <term type="Begriffe" key="Leben">Leben</term> heißen, verschlingt. – Aber wohl beachten: die Welt als erobertes Gebiet zu betrachten. Die Realität dieser Herrschaft hängt an der Auferstehung. Die Einheit an der Entzweiung. Die Antwort an der Frage. Dass Gott das <hi rend="italic">tut</hi> und dass <hi rend="italic">Gott</hi> das tut in <term type="Begriffe" key="Jesus Christus">Christus</term>, <hi rend="italic">daran</hi> erinnert Paulus seine Leser, <hi rend="italic">das</hi> ist die Hoffnung ihrer Berufung. Die Erinnerung an diese Herrschaft ist also die Erinnerung an das <term type="Begriffe" key="Kreuz">Kreuz</term>. Zwischen uns und der Einsicht in diese Tatsache steht die Wirklichkeit Gottes als der Weg, der <hi rend="italic">kein</hi> Weg ist.</p>
        <p>Das Dritte, was Paulus nennt, bringt die Krönung: <hi rend="italic">Gott hat Christus</hi><term type="Begriffe" key="Jesus Christus, Haupt der Gemeinde"/> <hi rend="italic">zum Haupt der Gemeinde</hi><term type="Begriffe" key="Gemeinde Christi"/> <hi rend="italic">gegeben</hi>. Das ist das Außerordentliche, Kennzeichnende der <term type="Begriffe" key="Christlichkeit">Christlichkeit</term> der <term type="Begriffe" key="Christen">Christen</term>, dass er, der <term type="Begriffe" key="Jesus Christus, Auferstehung(, Auferstanden)">Auferstandene</term>, zur Rechten <term type="Begriffe" key="Jesus Christus, zur Rechten Gottes">Gottes</term> Sitzende ihr Haupt ist. Das «Haupt über Alles» <hi rend="italic">ihr</hi> Haupt. Gott in seiner Majestät <hi rend="italic">ihr</hi> Gott. Der ewige Ursprung <hi rend="italic">ihr</hi> Anfang. Dass Gott Mensch geworden, <hi rend="italic">ihr</hi> Geheimnis. <hi rend="italic">1.</hi> Sie sind sein <hi rend="italic"><foreign xml:lang="el-GR">σῶμα,</foreign></hi> d. h. sie sind in ihrer Vielheit <hi rend="italic">eins</hi> in ihm. Er ist der göttliche Sinn der vielen Individualitäten, der <hi rend="italic">Eine</hi> in den Vielen, sie sind als <term type="Begriffe" key="Christen">Christen</term> <hi rend="italic">er</hi>, dieses eine einzigartige Individuum ist <hi rend="italic">ihre</hi> Individuität. <hi rend="italic">2.</hi> Sie sind sein <hi rend="italic"><foreign xml:lang="el-GR">πλήρωμα,</foreign></hi> die Erfüllung der leeren Form, die  <pb ed="pga" xml:id="p147"/> <hi rend="italic">er</hi> allem Menschlichen gegenüber bedeutet und die doch in Wahrheit die Erfüllung alles Menschlichen ist. So ist ihr Leben verborgen in Gott mit ihm (Kol. 3,3). An dieses Verborgen-mit-Christus-in-Gott-Sein erinnert Paulus. <hi rend="italic">Das</hi> ist die Hoffnung ihrer Berufung. Darum, weil sie das sind, weil sie die <foreign xml:lang="el-GR">ἐκκλησία</foreign>, die von ihm Zusammenberufenen sind, darum ist es wahr, dass sie unter dem Segen <term type="Begriffe" key="Gott, Segen">Gottes</term> stehen. Seid ihr, was ihr seid?</p>
        <p>Ein großes göttliches <hi rend="italic">Vorwärts!</hi> ist ertönt, hinein in die Zeit, die Geschichte, die Menschheit. Das ist <term type="Begriffe" key="Jesus Christus">Christus</term>. Aber was heißt Christus? Gott allein lebt wirklich. Was wir <term type="Begriffe" key="Leben">Leben</term> heißen, das ist dem <term type="Begriffe" key="Tod">Tode</term> verfallen (V. 20), es ist dies und das (V. 20-21), es ist unser Leben in der Vereinzelung (V. 23). Es muss sich selber erst wieder finden. Und es <hi rend="italic">hat</hi> sich gefunden in <term type="Begriffe" key="Jesus Christus">Christus</term>. Aber <hi rend="italic">dass</hi> es sich gefunden in Christus, das ist für uns Frage. So kommen wir in diesem Vorwärts zur Ruhe dadurch, dass es uns nicht zur Ruhe kommen lässt. Nach der <hi rend="italic">Einheit</hi> von Ruhe und Unruhe kann man nur fragen, solange man beide noch nicht kennt. </p>
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