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        <title type="volume" n="vol-48">Vorträge und kleinere Arbeiten 1914–1921</title>
        <title type="content">Das neue Fabrikgesetz</title>
        <title type="citation_line_1">Barth, Karl: Das neue Fabrikgesetz, 1914</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/48004 (Stand: 2. Oktober 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Vorträge und kleinere Arbeiten 1914–1921, hrsg. v. Drewes, Hans-Anton / Marquardt, Friedrich-Wilhelm (Gesamtausgabe, Abt. III), Zürich 2012, S. 9–20.</title>
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        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
        <sponsor>Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW)</sponsor>
        <sponsor>Schweizerischer Nationalfonds (SNF)</sponsor>
        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
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        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
        <date when="2026">2026</date>
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        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
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          <title type="volume">Vorträge und kleinere Arbeiten 1914–1921</title>
          <title type="text">Das neue Fabrikgesetz</title>
          <author ref="kbga-actors-2151">Barth, Karl</author>
          <editor>Drewes, Hans-Anton</editor>
          <editor>Marquardt, Friedrich-Wilhelm</editor>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
          <date type="publication">2012</date>
          <biblScope unit="page">9-20</biblScope>
          <!--position within a volume-->
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        <!-- Data from KBA (https://kba.karl-barth.ch) -->
        <bibl xml:id="A" type="source">A (Vorlage der Edition): Barth, Karl, Das neue Fabrikgesetz. Vortrag im Grütliverein Suhr 19. IV. 14, 19. April 1914. <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/736">KBA 12102</ref>. </bibl>
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        <head>DAS NEUE <term key="Fabrikgesetz">FABRIKGESETZ</term></head>
        
          <head type="sub">
            <date when="1914">1914</date>
          </head>
        
        <div type="abstract">
          <p>
            Die Gemeinde <placeName ref="kbga-places-425">Suhr</placeName> liegt 10 km nordöstlich von <placeName ref="kbga-places-54">Safenwil</placeName> in der nächsten Umgebung von <placeName ref="kbga-places-1">Aarau</placeName>. <date when="1914">1914</date> zählte sie etwa 2300 Einwohner. Nach dem Jahrbuch der <orgName ref="kbga-actors-6132">Sozialdemokratischen Partei</orgName><note xml:id="n01"><bibl corresp="kbga-bibls-4387"><hi rend="italic">Jahrbuch der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz und des Schweizerischen Grütlivereins (Jahresbericht und Parteitagsprotokoll) 1914. Zusammengestellt und bearbeitet vom Partei- und Vereinssekretariat in Zürich</hi>, Zürich 1915, S. 122</bibl>.</note> hatte der <date when="1907">1907</date> gegründete <orgName ref="kbga-actors-9772">Grütliverein</orgName> Suhr, in dem <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> seinen Vortrag hielt, Anfang <date when="1914">1914</date> 42 Mitglieder. Der <orgName ref="kbga-actors-9772">Grütliverein</orgName>, eine schon <date when="1838">1838</date> gegründete, nicht internationalistisch ausgerichtete Handwerksgesellen- und Arbeiterorganisation, fusionierte <date when="1901">1901</date> «mit der <orgName ref="kbga-actors-6132">Sozialdemokratischen Partei (SP)</orgName>, behielt jedoch die selbstständige Organisation bei und wehrte sich gegen die vollständige Integration in die Partei mit dem Austritt <date when="1916">1916</date>».<note xml:id="n02"><bibl corresp="kbga-bibls-3930">F. Müller, Art. «Grütliverein», in: <hi rend="italic">Historisches Lexikon der Schweiz</hi>, Bd. 5, Basel 2006, S. 773f.</bibl></note>
          </p>
          <p>«Mit dem eidgenössischen <term key="Fabrikgesetz"><hi rend="text-recte">Fabrikgesetz</hi></term> von <date when="1877">1877</date> stellte sich die <hi rend="text-recte">Schweiz</hi> an die <hi rend="text-recte">Spitze</hi> der Kulturländer auf dem Gebiete des <hi rend="text-recte"><term key="Arbeiter">Arbeiter</term>schutzes</hi>»<note xml:id="n03"><bibl corresp="kbga-bibls-3931"><persName ref="kbga-actors-9773">Fr. Studer</persName>, <hi rend="italic">Bundesgesetz betreffend die Arbeit in den Fabriken. Textausgabe mit Einleitung und Sachregister</hi>, Zürich 1915, S. 8</bibl>. <persName ref="kbga-actors-9773">Studer</persName> bietet in seiner Einleitung einen Überblick über die Entstehung des Gesetzes.</note>, schrieb der Nationalrat <persName ref="kbga-actors-9773">Fritz Studer</persName>, der als Präsident der <orgName ref="kbga-actors-6132">Sozialdemokratischen <term key="Sozialdemokratie, schweizerische">Partei</term></orgName> der Schweiz an dessen Revision mitwirkte. Das Gesetz regelte zum einen die besonderen Arbeitsbedingungen für Kinder und Frauen und zum anderen die allgemeinen Arbeitsbedingungen für männliche Erwachsene (Maximal-Arbeitstag 11 Stunden pro Tag). Ergänzungen und Erweiterungen kamen im Laufe der Jahre hinzu, u. a.  die gesetzlichen Regelungen der unternehmerischen Haftpflicht (<date when="1881">1881</date> und <date when="1887">1887</date>), der <term ref="kbga-keywords-1764">Lohn</term>zahlung (<date when="1902">1902</date>) und der Arbeitszeit am Samstag (<date when="1905">1905</date>). Die Fülle der Zusätze und vor allem die gewaltige technische Veränderung, die im Fabrikbetrieb im Lauf weniger Jahrzehnte eintrat, legten nach der Jahrhundertwende eine Revision des Fabrikgesetzes nahe. Diese Revision zog sich aber in die Länge. <hi rend="text-recte"><date when="1904">1904</date></hi> erschien ein erster Entwurf für ein neues <term key="Fabrikgesetz">Fabrikgesetz</term>, ausgearbeitet von den drei schweizerischen Fabrikinspektoren. Dieser <pb xml:id="p010" ed="pga"/> wurde nach ausgiebiger öffentlicher Diskussion unter Kantonsregierungen, Handelskammern und Arbeiterbund revidiert und so <hi rend="text-recte"><date when="1907">1907</date>/<date when="1908">08</date></hi> Grundlage für die Beratungen einer größeren Expertenkommission, zusammengesetzt aus Unternehmern, Gewerbetreibenden und <term key="Arbeiter">Arbeitern</term>. <hi rend="text-recte"><date when="1910">1910</date></hi> erschien innerhalb einer Botschaft des <orgName ref="kbga-actors-7798">Bundesrates</orgName> ein redaktionell völlig umgearbeiteter Entwurf, der einer Kommission des <orgName ref="kbga-actors-9857">Nationalrates</orgName> zugeleitet wurde. Diese Kommission einigte sich nach anfänglich großen internen Differenzen mit dem <orgName ref="kbga-actors-7798">Bundesrat</orgName> auf eine Parlamentsvorlage, den sog. <hi rend="text-recte">Verständigungsentwurf</hi> von <hi rend="text-recte"><date when="1913">1913</date></hi>.<note xml:id="n04"><bibl corresp="kbga-bibls-3931">A.a.O., S. 14</bibl>.</note> In den beiden Räten selber wurden nur noch wenige Abänderungen und einige Erweiterungen des Entwurfs vorgenommen, und schließlich stimmten <orgName ref="kbga-actors-9857">Nationalrat</orgName> und <orgName ref="kbga-actors-9858">Ständerat</orgName> am <date when="1914-06-17">17.</date> bzw. am <date when="1914-06-18">18. Juni 1914</date> einstimmig der Gesetzesvorlage zu. «Das <hi rend="text-recte">Volk</hi> ergriff das Referendum nicht und erteilte damit stillschweigend seine <hi rend="text-recte">Sanktion</hi>.»<note xml:id="n05"><bibl corresp="kbga-bibls-3931">A.a.O., S. 15</bibl>.</note> Das Gesetz trat wegen des Ersten Weltkrieges jedoch erst am <date when="1920-01-01">1.1.1920</date> in Kraft.</p>
          <p><persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> behandelt in seinem Vortrag den <hi rend="text-recte">Verständigungsentwurf</hi> von <hi rend="text-recte"><date when="1913">1913</date></hi> nach Abschluss von dessen erster Lesung, die im <orgName ref="kbga-actors-9857">Nationalrat</orgName> zwischen dem <date to="1913-12-04" from="1913-09-25">25. September und 4. Dezember 1913</date> und im <orgName ref="kbga-actors-9858">Ständerat</orgName> zwischen dem <date to="1914-04-02" from="1914-03-24">24. März und 2. April 1914</date> stattgefunden hatte. Paragraphenzählung und Wortlaut stimmen <hi rend="text-recte">nicht</hi> mit der endgültigen Gesetzesfassung von 1914 überein. – <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> Unterlagen bestanden erstens aus einer offiziellen Broschüre mit dem Text der Gesetzesvorlage: «<term key="Fabrikgesetz">Fabrikgesetz</term>. Revision. Gemeinsame Anträge der Kommission des <orgName ref="kbga-actors-9857">Nationalrates</orgName> und des <orgName ref="kbga-actors-7798">Bundesrates</orgName>. <date when="1913-07-03">3. Juli 1913</date>.» (ohne Hrsg. und Verlagsort). Diese Broschüre ist, mit zahlreichen Bemerkungen <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> versehen, im <orgName ref="kbga-actors-8253">Karl Barth-Archiv</orgName> erhalten.<note xml:id="n06"><ref type="kba-objects-id" target="717">KBA 12083</ref>.</note> Sie ist inhaltlich nicht identisch mit dem <ref type="pub" target="../volume/48/p013#fn_n19">S. 13, Anm. 19</ref>, genannten amtlichen Bulletin, das das Ergebnis der Beratungen im <orgName ref="kbga-actors-9857">Nationalrat</orgName> wiedergibt. Zweitens hatte <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> sich über den Wortlaut der Verhandlungen ein ebenfalls im Basler Archiv erhaltenes Dossier von fünfzig Zeitungsseiten aus den <orgName ref="kbga-actors-5804">BN</orgName>, der <orgName ref="kbga-actors-4868">NZZ</orgName>, dem <orgName ref="kbga-actors-4530">Aargauer Tagblatt</orgName> und dem Gewerkschaftsblatt «Der Textilarbeiter» angelegt.</p>
          <p><pb xml:id="p011" ed="pga" rend="noPipe"/> Aus einem Brief <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> an seine <persName ref="kbga-actors-18">Mutter</persName> vom <date when="1914-04-20">20. April 1914</date><note xml:id="n07"><ref type="kba-objects-id" target="8503">KBA 9214.10</ref>.</note>: <hi rend="text-recte">Ich hielt gestern in <placeName ref="kbga-places-425">Suhr</placeName> meinen Vortrag über das Fabrikgesetz vor etwa 40 Arbeitern. Nachher weibelte</hi><note xml:id="n08">weibeln = für einen politischen Vorschlag werbend eifrig herumgehen.</note> <hi rend="text-recte">ich auch für die <term key="Spielbankinitiative">Initiative</term> [gegen die Spielbanken]. Und da war eben eine so</hi> ganz <hi rend="text-recte">andere Stimmung [scil. als in der aargauischen <term key="Synode, aargauische">Synode</term>], die begriffen sofort, worauf es ankam und versprachen mir, sich tüchtig ins Zeug zu legen dafür. Ein Redner, der zaghaft ungefähr die Argumente vorbrachte, die man auch in der Synode</hi> dagegen <hi rend="text-recte">hörte, wurde einfach ausgelacht.</hi></p>
        </div>
        <div>
          <head>Das neue <term key="Fabrikgesetz">Fabrikgesetz</term></head> 
          <head type="sub">Vortrag im <term key="Grütliverein"><orgName ref="kbga-actors-9772">Grütliverein</orgName></term> <placeName ref="kbga-places-425">Suhr</placeName> <date when="1914-04-19">19. IV 14</date></head>
          <p>Ein, bei uns bis jetzt das einzige, aber das wichtigste Stück <hi rend="italic"><term key="Arbeiter, Arbeiterschutz">Arb[eiter]</term>-Schutz. </hi> A[rbeiter]schutz ist ein Eingriff des Staates in die ­Vertragsfreiheit zwischen Unternehmer u. Arbeiter zum Wohl des letztern. <hi rend="italic">Unternehmertum</hi> ist interessiert an möglichster Bewegungsfreiheit (Volle Ausnutzung d. Materials ohne Rücksicht auf die Menschen) <placeName ref="kbga-places-18">England</placeName>, <placeName ref="kbga-places-235">K[an]t[on] Zürich</placeName> früher.<note xml:id="n09">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-215">V.u.kl.A. 1909-1914, <ref type="pub-" target="../volume/22/p665#p665">S. 665</ref></bibl>.</note> <hi rend="italic">Humanität</hi> stellt Menschen über Geld u. fordert darum Beschränkung der Freiheit. Schon daraus ergiebt sich, daß jedes Gesetz auf diesem Gebiet das Resultat eines Kampfes resp. <hi rend="italic">Kompromisses</hi><note xml:id="n10">«[...] der Industrielle <hi rend="italic"><persName ref="kbga-actors-9774">Robert</persName></hi> aus dem neuenburgischen <placeName ref="kbga-places-230">Jura</placeName> und der einzige eigentliche Vertreter der <term key="Sozialdemokraten">sozialdemokratischen</term> Arbeiterschaft im <orgName ref="kbga-actors-9858">Ständerat</orgName>, Reg[ierungs]-Rat <persName ref="kbga-actors-9775">Heinrich <hi rend="italic">Scherrer</hi></persName> von <placeName ref="kbga-places-105">St. Gallen</placeName>, erklärten übereinstimmend, daß sie auf dem Boden des sog. <hi rend="italic">Kompromißvorschlages</hi> stehen [...]. Nachdem nun die Beratungen ihren Abschluß gefunden haben, wird man sich auf beiden Seiten sagen müssen, daß ohne Verständigung, ohne Kompromiß das Gesetz niemals in einer für beide Parteien annehmbaren Form zustande gekommen wäre.» (<bibl corresp="kbga-bibls-4129">BN, Jg. 70, 1. Beilage zu Nr. 159 vom 5.4.1914, S. [1]</bibl>).</note> sein muß, kein himmelstürmender Erfolg. Die Betrachtung eines solchen kann zeigen[,] wie weit wir heute sind in diesem Kampfe zwischen <term key="Sozialismus">Sozialismus</term> u. Selbstsucht (Der Vorwurf gilt natürlich dem System, die einzelnen Vertreter sind vielfach gebunden) – Gut, daß neben A.schutz <hi rend="italic"> Selbsthilfe d. <term key="Arbeiter, Arbeiterschutz">Arbeiterschaft.</term></hi></p>
          <div>
            <pb xml:id="p012" ed="pga"/>
            <head>
              I Allg[emeine] Bestim[mun]g[en]<note xml:id="n11"><persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> übernimmt im folgenden die Gliederung und Zwischenüberschriften des Gesetzes. Den Abschnitt VII daraus über Strafen für Fabrikinhaber, der erst in der endgültigen Gesetzesfassung erscheint, behandelt er hier nicht.</note>
            </head>
            <p rend="long-indent">§ 11 <hi rend="underline italic">Bußen</hi><note xml:id="n12">«Die Verhängung von Bußen gegen die <term key="Arbeiter">Arbeiter</term> ist bloß zulässig zum Zwecke der Aufrechterhaltung der Arbeitsordnung und der Fabrikpolizei und nur dann, wenn sie in der Fabrikordnung vorgesehen ist. Die Buße ist dem Arbeiter bei Ausfällung mitzuteilen. Gegen jede Buße kann sich der Betroffene beim Fabrikinhaber oder bei dessen verantwortlichem Stellvertreter beschweren. Bußen über 25 Rp. sind vom Fabrikinhaber oder seinem verantwortlichen Stellvertreter unterschriftlich zu bestätigen und unter Angabe des Grundes schriftlich mitzuteilen. Bußen dürfen ein Viertel des Taglohnes des Gebüßten nicht übersteigen und sind im Interesse der Arbeiter, namentlich für Unterstützungskassen, zu verwenden. Die Bekanntgabe der Bußen durch Anschlag oder auf ähnliche Weise ist verboten.» (<bibl corresp="kbga-bibls-4129">BN, Jg. 70, 1. Beilage zu Nr. 141 vom 26.3.1914, S. [2]</bibl>).</note> In 85 % aller, in 50 % aller großen Betriebe nicht gebräuchlich.<note xml:id="n13">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-4129">BN, Jg. 69, 1. Beilage zu Nr. 460 vom 3.10.1913, S. [1]</bibl>, und <bibl corresp="kbga-bibls-4165">Aargauer Tagblatt, Jg. 67, Nr. 268, 1. Blatt, vom 3.10.1913, S. [1]</bibl>.</note> <hi rend="italic">Dafür:</hi> Junge, bequem, Unordentliche[.] <hi rend="italic">Dagegen</hi>: Partei Richter u. Vollstrecker<note xml:id="n14">Zu den Gründen «dafür» und «dagegen» vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-215">V.u.kl.A. 1909-1914, <ref type="pub-" target="../volume/22/p594#p594">S. 594f.</ref></bibl></note>, worum gehts sonst?, am Meisten Bußen da, wo Löhne am Geringsten.<note xml:id="n15">«Gerade wo die Löhne die kleinsten sind, werden die meisten Bußen verhängt.» (<bibl corresp="kbga-bibls-4129">BN, Jg. 69, 1. Beilage zu Nr. 460 vom 3.10.1913, S. [1]</bibl>).</note> Moral[isches] <term key="Unrecht, moralisches">Unrecht</term>.<note xml:id="n16">«<persName ref="kbga-actors-729"><hi rend="italic">Pflüger</hi></persName> <term key="Sozialdemokratie, schweizerische">(Soz</term>.) hatte den Auftrag, namens der sozialdemokratischen Gruppe den Antrag auf Abschaffung der Bußen zu stellen. Die Arbeiterschaft empfindet das Bußensystem als etwas Entwürdigendes. Kommt es doch vor, daß Bußtafeln mit den Namen der Gebüßten öffentlich ausgehängt werden.» (<bibl corresp="kbga-bibls-4129">BN, Jg. 69, 1. Beilage zu Nr. 460 vom 3.10.1913, S. [1]</bibl>).</note> Darum alle Kompetenten dagegen.<note xml:id="n17">«Die Fabrikinspektoren, die am meisten in die Praxis hinein sehen, waren schon seit Jahren einmütig für die Abschaffung der Bußen» (<bibl corresp="kbga-bibls-4129">BN, Jg. 69, 1. Beilage zu Nr. 460 vom 3.10.1913, S. [1]</bibl>).</note> <hi rend="italic">Andre Mittel</hi>: Warn[un]g<note xml:id="n18">Äußerung von Bundesrat <persName ref="kbga-actors-4940">Schultheß</persName>: «Ist denn die Buße etwas so entwürdigendes? Durchaus nicht. Eine in Ruhe verhängte Buße ist weit weniger entwürdigend, als eine in scharfem und verletzendem Tone erfolgte Verwarnung» (<bibl corresp="kbga-bibls-4165">Aargauer Tagblatt, Jg. 67, Nr. 268, 1. Blatt, vom 3.10.1913, S. 2</bibl>).</note>, Kündig[ung]sdroh[ung], Kündig[un]g, Entlass[un]g, Lohnentzug für versäumte Zeit, Stundenlohn, 1 Tag Ferien-Abzug, Reinig[ung]sarbeiten, Prämier[un]g d. Guten. <hi rend="italic">Das Erreichte</hi></p>
            <p rend="long-indent"><pb xml:id="p013" ed="pga" rend="noPipe"/>§ 12f <hi rend="underline italic">Fabrikordnung</hi><note xml:id="n19">«Art. 12. Die Fabrikordnung unterliegt der Genehmigung der Kantonsregierung. Die Kantonsregierung wird der Entscheidung vorgängig das Gutachten des eidgenössischen Fabrikinspektors einholen. Sie wird die Fabrikordnung genehmigen, wenn sie nichts enthält, das vorschriftswidrig ist oder offenbar gegen die Billigkeit verstösst.» (<bibl corresp="kbga-bibls-4173">Amtliches stenographisches Bulletin der schweizerischen Bundesversammlung/Nationalrat, Jg. XXIII [1913], Bd. III, Bern 1913, S. 558, Sp. 1</bibl>). «Art. 13. Bevor der Entwurf einer neuen oder abgeänderten Fabrikordnung vom Fabrikinhaber zur Genehmigung vorgelegt wird, muss er in den Arbeitsräumen angeschlagen oder den Arbeitern ausgeteilt werden, mit Ansetzung einer Frist von wenigstens zwei, höchstens vier Wochen, innert welcher sich die Arbeiter, sei es selbst, sei es durch eine von ihnen aus ihrer Mitte gewählte Kommission, schriftlich darüber zu äussern haben. [...] Aeussern sich die Arbeiter innert der ihnen angesetzten Frist nicht, so entscheidet die Kantonsregierung ohne weiteres über die Genehmigung der Fabrikordnung.» (<bibl corresp="kbga-bibls-4173">a.a.O., S. 559, Sp. 1f.</bibl>).</note></p>
            <p rend="long-indent">§ 18 <hi rend="underline italic">Vereinsrecht</hi>. Wichtigkeit der Organisation.<note xml:id="n20">Vgl. das Votum des <term key="Sozialdemokraten">sozialdemokratischen</term> Abgeordneten <persName ref="kbga-actors-4024">H. Eugster-Züst</persName> vor dem <orgName ref="kbga-actors-9857">Nationalrat</orgName>: «<hi rend="italic">Warum legt der Arbeiter</hi>, warum legen eine große Zahl von Proletariern <hi rend="italic">ein so großes Gewicht auf das Vereinsrecht?</hi> Sie sehen, wie ihre Unternehmer, die Prinzipale vereinigt sind in Vereinigungen wirtschaftlicher Art [...]. Sie sehen, [...] wie ihre Prinzipale nach jeder Richtung hin Gebrauch machen können von dem in der Verfassung gewährleisteten Vereinsrecht, und sie selber sehen sich ausgeschlossen von der Ausübung desselben. Sie wissen ganz gut, daß es heute für den Arbeiter kein anderes Mittel gibt, <hi rend="italic">um bessere Arbeitsbedingungen zu erreichen, als das gemeinsame Vorgehen.</hi> [...] Man weiß, daß nur wo Organisationen bestehen, es möglich ist, einen Tarifvertrag [...] mit den Unternehmern abzuschließen, und man weiß, daß an manchem Orte, wenigstens für einige Jahre, der Friede eingekehrt ist gestützt auf einen Tarifvertrag.» (<bibl corresp="kbga-bibls-4174">TA, Jg. 12, Nr. 41 vom 9.10.1913, S. [1f.]</bibl>).</note> Fahrwangen.<note xml:id="n21">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-215">V.u.kl.A. 1909-1914, <ref type="pub-" target="../volume/22/p439#p439">S. 439f.</ref> und <ref type="pub-" target="../volume/22/p596#p596">596f.</ref></bibl></note> Bundesrat <persName ref="kbga-actors-4641">Deucher</persName> <date when="1910">1910</date>[,] anders <persName ref="kbga-actors-4940">Schultheß</persName> <date when="1913">1913</date>[.]<note xml:id="n22">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-215">V.u.kl.A. 1909-1914, <ref type="pub-" target="../volume/22/p597#p597">S. 597f.</ref></bibl></note> Juristische Bedenken<note xml:id="n23">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-215">V.u.kl.A. 1909-1914, <ref type="pub-" target="../volume/22/p597#fn_nj">S. 597f., Anm. j</ref> und <ref type="pub-" target="../volume/22/p597#fn_n72">Anm. 72</ref></bibl>.</note>, aber § 20 b. «Forder[un]g d. Rechtsbewußtseins»[.]<note xml:id="n24">Vgl. in <bibl corresp="kbga-bibls-215">V.u.kl.A. 1909-1914, <ref type="pub-" target="../volume/22/p597#p597">S. 597f.</ref></bibl>, bes. die in Anm. 72 zitierte Botschaft des <orgName ref="kbga-actors-7798">Bundesrates</orgName> von <date when="1910">1910</date>.</note> Formel dafür müßte sich finden, wenn Wille vorhanden<note xml:id="n25">Vgl. die Ausführungen des sozialdemokratischen Nationalrats <persName ref="kbga-actors-9773">Studer</persName> aus <placeName ref="kbga-places-143">Winterthur</placeName>: «Ich sage Ihnen, dass dieser Punkt des Schutzes des Vereinsrechtes ein Kardinalpunkt ist, dass die Arbeiterschaft es nicht verstehen würde, wenn der Rat erklärte: ‹Es ist recht und gut, wir wollen gerne, aber wir finden keine Formel, keinen Ausdruck, um diesen Schutz zu geben›. Die <term ref="kbga-keywords-1464">Arbeiter</term>schaft würde dies nicht verstehen, sondern darin ein Nichtwollen erblicken.» (<bibl corresp="kbga-bibls-4173">Amtliches stenographisches Bulletin der schweizerischen Bundesversammlung/Nationalrat, Jg. XXIII [1913], Bd. III, Bern 1913, S. 568, Sp. 1</bibl>).</note></p>
            <p rend="long-indent"><pb xml:id="p014" ed="pga" rend="noPipe"/>§ 22,3 <hi rend="underline italic">Décompte</hi><note xml:id="n26"><persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> bezieht sich auf den dritten Absatz des Artikels 22: «Am Zahltag darf nicht mehr als der Lohn für die letzten sechs Arbeitstage, bei Akkordarbeit nicht mehr als ein dem Lohn der letzten sechs Arbeitstage ungefähr entsprechender Betrag ausstehen bleiben», von dem die liberal-konservativen <orgName ref="kbga-actors-5804">Basler Nachrichten</orgName> urteilten, dass diese «Decompte-Klausel» sich «unbestreitbar» «als eine Begünstigung der Arbeit<hi rend="italic">geber</hi> charakterisiert» (<bibl corresp="kbga-bibls-4129">BN, Jg. 70, 1. Beilage zu Nr. 159 vom 5.4.1914, S. [1]</bibl>).</note>, sachlich geringfügig, zeigt aber wieder Ungleichheit der Situation</p>
            <p rend="long-indent">§ 26f <hi rend="underline italic">Einigungsstelle</hi> (§ 30, bis!)<note xml:id="n27">«Art. 26. Behufs Vermittlung von Gesamtstreitigkeiten zwischen Fabrikinhabern und Arbeitern über das Arbeitsverhältnis, sowie über die Auslegung und Ausführung von Gesamtarbeits- oder Normalarbeitsverträgen werden von den Kantonen, unter Berücksichtigung der in den Industrien bestehenden Bedürfnisse, ständige Einigungsstellen errichtet. Die Organisation der kantonalen Einigungsstellen unterliegt der Genehmigung des <orgName ref="kbga-actors-7798">Bundesrates</orgName>.  Art. 27. Die Einigungsstelle lässt ihre Vermittlung von sich aus oder auf das Begehren einer Behörde oder von Beteiligten eintreten. Alle von der Einigungsstelle vorgeladenen Personen und Organe sind bei Busse verpflichtet, zur Verhandlung zu erscheinen. Das Verfahren ist für die Parteien unentgeltlich.» (Fabrikgesetz. Revision, S. 7).  «Art. 30 bis. Die Kantone können den Einigungsstellen weitere als die in diesem Gesetze vorgesehenen Befugnisse übertragen.» (<bibl corresp="kbga-bibls-4165">Aargauer Tagblatt, Jg. 67 [1913], Nr. 332, 2. Blatt, vom 6.12.1913, S. [1]</bibl>).</note></p>
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          <div>
            <head>II <hi rend="normal">§ 34f</hi> Arbeitszeit.<note xml:id="n28">«Art. 34. Die Arbeit eines Tages darf nicht mehr als 10, an den Tagen vor Sonntagen nicht mehr als 9 Stunden dauern. Als Sonntage im Sinne dieses Gesetzes gelten auch die gemäß Art. 52 von den Kantonen bestimmten Feiertage. […]  Art. 35. Wenn die Arbeit an Samstagen regelmäßig 6 ½ Stunden nicht übersteigt und spätestens um 1 Uhr aufhört, so darf sie an den übrigen Tagen 10 ½ Stunden dauern. Diese Bestimmung gilt für eine Frist von zehn Jahren, vom Inkrafttreten des Art. 34 an gerechnet.» (<bibl corresp="kbga-bibls-4129">BN, Jg. 69, Nr. 470 vom 9.10.1913 [1. Blatt], S. [1]</bibl>).</note></head>
            <p>Interesse der Fabrikanten: möglichst lange Nutzungszeit für d. Maschinen.<note xml:id="n29">Vgl. Votum von Bundesrat <persName ref="kbga-actors-4940">Schultheß</persName>: «Wo der Arbeiter an Maschinen tätig ist, leidet die Produktionsfähigkeit der Industrie unter der Verkürzung der Arbeitszeit» (<bibl corresp="kbga-bibls-4129">BN, Jg. 69, 1. Beilage zu Nr. 472 vom 10.10.1913, S. [1]</bibl>).</note> Mißbräuche in früherer Zeit. <pb xml:id="p015" ed="pga"/> Gründe für <hi rend="italic">Verkürzung</hi>: a) Maximum an Arbeitskraft n[icht] zu überschreiten b) Maschinenarbeit anstrengend c) freie Zeit nötig d) größte Unfallgefahr in letzten zwei St[un]d[en] e) nicht vergleichen mit andern Berufen f) Arbeitsleistung wird größer bei Verkürz[un]g u. gleichzeitigen industr[iellen] Verbesserungen (<persName ref="kbga-actors-4532">Abbe</persName>, engl[ische] u. schweiz[erische] Baumwollspinnereien, cf. österr[eichische] Tabakregie, cf. <persName ref="kbga-actors-4863">Mundella</persName>!<note xml:id="n30">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-215">V.u.kl.A. 1909-1914, <ref type="pub-" target="../volume/22/p672#p672">S. 672f.</ref></bibl></note>) g) freie Zeit wird <hi rend="italic">nicht</hi> versoffen.<note xml:id="n31">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-215">V.u.kl.A. 1909-1914, <ref type="pub-" target="../volume/22/p674#p674">S. 674</ref>.</bibl></note> Freilich: langsames Tempo mit Rücksicht auf Industrie <hi rend="italic">und</hi> <term key="Arbeiter">Arbeiter</term>!<note xml:id="n32">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-215">V.u.kl.A. 1909-1914, <ref type="pub-" target="../volume/22/p671#p671">S. 671f.</ref></bibl></note></p>
            <p>1877: 12[-­]Std.[-­]Tag unter Protest!<note xml:id="n33">«Die Textilindustrie, welche noch <date when="1877">1877</date> eine heftige Opposition der Reduktion der Arbeitszeit von 12 auf 11 Stunden entgegenstellte, ist nun schon längst zur Einsicht gekommen, daß eine Reduktion auf 11 Stunden ihr keinen Nachteil bringt» (<bibl corresp="kbga-bibls-4165">Aargauer Tagblatt, Jg. 76, Nr. 274, 1. Blatt, vom 9.10.1913, S. 2</bibl>).</note> jetzt 10[-­]Std.[-­]Tag, 65 % haben ihn schon<note xml:id="n34">«Die 65 % Betriebe, die bereits die 10stündige Arbeitszeit haben» (<bibl corresp="kbga-bibls-4129">BN, Jg. 69 [1913], 1. Beilage zu Nr. 470 vom 9.10.1913, S. [1]</bibl>).</note>, in der Text[il]ind[ustrie] erst 47,6 %[.]<note xml:id="n35">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-215">V.u.kl.A. 1909-1914, <ref type="pub-" target="../volume/22/p592#p592">S. 592</ref></bibl>.</note> «Der hinkende Bote»<note xml:id="n36">Vgl. die Äußerung des sozialdemokratischen Abgeordneten <persName ref="kbga-actors-4955">J. Sigg</persName>: «Die radikale Partei ist der ‹hinkende Bote› in der Arbeiterschutzgesetzgebung» (<bibl corresp="kbga-bibls-4129">BN, Jg. 69 [1913], 1. Beilage zu Nr. 458 vom 2.10.1913</bibl>). <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> überträgt die Wendung auf die in der Frage der Arbeitszeit «nachhinkende» Textilindustrie.</note></p>
            <p rend="long-indent">§ 35 <hi rend="underline italic">Freier Samstag</hi><note xml:id="n37">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-215">V.u.kl.A. 1909-1914, <ref type="pub-" target="../volume/22/p675#p675">S. 675–680</ref>.</bibl></note></p>
            <p rend="long-indent">§ 39 <hi rend="underline italic">Nicht Arbeit nach Hause</hi><note xml:id="n38">«Art. 39. Es ist untersagt, die Vorschriften über die Arbeitszeit dadurch zu umgehen, daß den Arbeitern Arbeit nach Hause mitgegeben wird.» (Fabrikgesetz. Revision, S. 9).</note></p>
            <p rend="long-indent">§ 41, 47 <hi rend="underline italic">Zweischichtensystem</hi>: 8 Std., höchstens 10<note xml:id="n39">Aus Art. 41: «Beim zweischichtigen Tagesbetriebe [...] darf die Arbeitsdauer des einzelnen Arbeiters nicht mehr als 8 Stunden betragen». – Aus Art. 47: «Die Arbeitsdauer des einzelnen Arbeiters darf innert 24 Stunden nicht mehr als 8 Stunden betragen. Der <orgName ref="kbga-actors-7798">Bundesrat</orgName> wird jedoch eine Arbeitsdauer von mehr als 8 bis höchstens 10 Stunden bewilligen, wenn dies in den wirtschaftlichen Betriebsbedingungen einer Fabrik oder einer Industrie begründet ist und wenn es der Schutz von Gesundheit und Leben der Arbeiter erlaubt.» <term key="Fabrikgesetz">(Fabrikgesetz</term>. Revision, S. 10.12).</note></p>
            <p rend="long-indent"><pb xml:id="p016" ed="pga" rend="noPipe"/>§ 42, 43 <hi rend="underline italic">Überzeit</hi> 70 x 2 höchstens<note xml:id="n40">Art. 42: «Die Dauer der normalen Tagesarbeit [...] kann, bei nachgewiesenem Bedürfnis und mit Bewilligung der nach Art. 43 zuständigen Behörden, ausnahmsweise und vorübergehend um bestimmte Stunden und für eine bestimmte Zahl von Arbeitern verlängert werden. Die Verlängerung darf nur in Notfällen mehr als zwei Stunden im Tag betragen.» Aus Art. 43: «Die Zahl der Arbeitstage, für die einer Fabrik oder einer Fabrikabteilung Bewilligungen erteilt werden, darf in der Regel zusammen achtzig in einem Jahre nicht überschreiten.» (<bibl corresp="kbga-bibls-4173">Amtliches stenographisches Bulletin der schweizerischen Bundesversammlung/Nationalrat, Jg. XXIII [1913], Bd. III, Bern 1913, S. 699, Sp. 1f.</bibl>). Die Zahl 70 ist anscheinend ein – vielleicht durch die Erinnerung an Art. 46 (s. unten <ref type="pub" target="#fn_n41">Anm. 41</ref>) verursachtes – Versehen <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName>.</note></p>
            <p rend="long-indent">§ 46 <hi rend="underline italic">Nacht- u. Sonntagsarbeit</hi><note xml:id="n41">«Art. 46. Die Bewilligung vorübergehender Ausnahmen in Notfällen oder sonst aus zwingenden Gründen steht zu  a) für höchstens 6 Nächte oder einen Sonntag der Bezirksbehörde, oder, wo eine solche nicht besteht, der Ortsbehörde;  b) für höchstens 70 Nächte oder 2-4 Sonntage der Kantonsregierung;  c) für eine längere Dauer dem <orgName ref="kbga-actors-7798">Bundesrat</orgName>.  Die Bewilligung darf nur für bestimmte Stunden und Tage und für eine bestimmte Zahl von Arbeitern erteilt werden.  Die Arbeitsdauer des einzelnen Arbeiters darf innert 24 Stunden nicht mehr als 10 Stunden betragen.  Während der Nacht soll die Arbeit durch eine wenigstens halbstündige Pause unterbrochen werden.» (<bibl corresp="kbga-bibls-4165">Aargauer Tagblatt, Jg. 76, Nr. 276, 1. Blatt, vom 11.10.1913</bibl>).</note></p>
            <p rend="long-indent">§ 42 <hi rend="underline italic">Feiertage</hi><note xml:id="n42">«§ 42» ist ein offensichtlicher Schreibfehler <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName>, es muss sich um «Art. 52» handeln: «Art. 52. Die Kantone können acht Feiertage im Jahre bestimmen, die im Sinne dieses Gesetzes als Sonntage zu gelten haben [...]. Die konfessionellen Feiertage dürfen nur für die Angehörigen der betreffenden Konfession verbindlich erklärt werden. Wer an andern als den vom Kanton bestimmten konfessionellen Feiertagen nicht arbeiten will, hat dies dem Fabrikinhaber oder seinem Stellvertreter spätestens bei Beginn der Arbeit am Vortage anzuzeigen.» (<bibl corresp="kbga-bibls-4129">BN, Jg. 69, Nr. 562, 2. Blatt, vom 2.12.1913, S. [1]</bibl>).</note></p>
          </div>
          <div>
            <head>III Beschäftigung von weibl[ichen] Personen</head>
            <p><hi rend="italic">Gründe für</hi> bes[onderen] Schutz: die phys[ische] Konstitution der Frau, die Tatsache, daß ihr Verdienst meist nur Zuschußverdienst ist, die geringe Organisationsfähigkeit u. Widerstandskraft. <hi rend="italic">Gründe dagegen</hi> seitens der Frauenrechtlerinnen nicht stichhaltig, wohl aber die Forderung allgem[einer] <term key="Arbeitszeit">Arbeitszeitverkürz[un]g</term>. Besondern Schutz <pb xml:id="p017" ed="pga"/> haben nötig die eheweibl. Arbeiter, aber <hi rend="italic">auch</hi> die Mädchen als die Mütter der Zukunft. Höhere <term ref="kbga-keywords-1764">Männerlöhne!</term><note xml:id="n43">Zum ganzen Abschnitt vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-215">V.u.kl.A. 1909-1914, <ref type="pub-" target="../volume/22/p604#p604">S. 604f</ref>.<ref type="pub-" target="../volume/22/p667#p667">667f.</ref></bibl></note></p>
            <p> 36% der schweiz[erischen] <term key="Arbeiter">Arbeiter</term>schaft, im <placeName ref="kbga-places-152">Aargau</placeName> 38 %, in Textilindustrie 59-76 %<note xml:id="n44">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-215">V.u.kl.A. 1909-1914, <ref type="pub-" target="../volume/22/p604#p604">S. 604f.</ref></bibl></note></p>
            <p rend="long-indent">§ 59 <hi rend="underline italic">Nacht- u. Sonntagsarbeit verboten</hi><note xml:id="n45">«Art. 59. Weibliche Personen dürfen zur Nacht- und Sonntagsarbeit nicht verwendet werden. Der <orgName ref="kbga-actors-7798">Bundesrat</orgName> bezeichnet diejenigen Fabrikationszweige und Verrichtungen, zu denen weibliche Personen überhaupt nicht beigezogen werden dürfen.» (<bibl corresp="kbga-bibls-4165">Aargauer Tagblatt, Jg. 67, Nr. 329, 1. Blatt, vom 3.12.1913, S. [1]</bibl>).</note></p>
            <p rend="long-indent">§ 60 <hi rend="underline italic">Zweischichtensystem</hi><note xml:id="n46">«Art. 60. Die Nachtruhe für weibliche Personen muß wenigstens 11 aufeinanderfolgende Stunden betragen und in allen Fällen, namentlich auch, wenn der Beginn oder der Schluß der Tagesarbeit verschoben oder der zweischichtige Tagesbetrieb eingeführt ist [...], die Zeit von 10 Uhr abends bis 5 Uhr morgens in sich schließen.» (<bibl corresp="kbga-bibls-4173">Amtliches stenographisches Bulletin der schweizerischen Bundesversammlung/Nationalrat, Jg. XXIV [1914], Bd. II, Bern 1914, S. 29, Sp. 1</bibl>).</note></p>
            <p rend="long-indent">§ 61-62 <hi rend="underline italic">Erleichterungen für Hausfrauen u. Mütter</hi><note xml:id="n47">«Art. 61. Arbeiterinnen, die ein Hauswesen zu besorgen haben, dürfen zu den Hilfsarbeiten [...] nicht verwendet werden, soweit diese die Dauer der normalen Tagesarbeit überschreiten. Beträgt die Mittagspause nicht wenigstens anderthalb Stunden, so dürfen sie die Arbeit eine halbe Stunde früher verlassen. Nach Ablauf von fünf Jahren, vom Inkrafttreten dieses Artikels an gerechnet, soll diesen Arbeiterinnen auf ihren Wunsch der Samstagnachmittag freigegeben werden.» (<bibl corresp="kbga-bibls-4129">BN, Jg. 69, 1. Beilage zu Nr. 563 vom 3.12.1913, S. [1]</bibl>).  «Art. 62. Wöchnerinnen dürfen nach ihrer Niederkunft während sechs Wochen nicht in der Fabrik beschäftigt werden. Es darf ihnen während dieser Zeit oder auf einen Termin, der in diese Zeit fällt, nicht gekündigt werden. Der Zivilstandsbeamte, dem die Geburt angezeigt wird, hat ihnen zu Handen des Fabrikinhabers das Datum der Niederkunft unentgeltlich zu bescheinigen. Der Fabrikinhaber soll über die Wöchnerinnen ein Verzeichnis führen. Schwangere dürfen auf bloße Anzeige hin vorübergehend die Arbeit verlassen.» (<bibl corresp="kbga-bibls-4129">ebd.</bibl>).</note></p>
          </div>
          <div>
            <head>IV Beschäftigung von jugendl[ichen] Personen</head>
            <p> Düsterstes Kapitel d. <term key="Sozialpolitik">Sozialpolitik</term>: <placeName ref="kbga-places-18">England</placeName>, Kt. <placeName ref="kbga-places-66">Zürich</placeName> (5–8, 12-6 Uhr! 6-12 Jährige!) Gesundheitl. Folgen. Bildung?!<note xml:id="n48">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-215">V.u.kl.A. 1909-1914, <ref type="pub-" target="../volume/22/p601#p601">S. 601f.</ref></bibl></note></p>
            <p><pb xml:id="p018" ed="pga" rend="noPipe"/> Es vereinigten sich <term ref="kbga-keywords-163">kapitalistische </term><term key="Ausbeutung, kapitalistische">Ausbeutung</term> u. Not u. Unverstand der Eltern – noch heute teilweise<note xml:id="n49">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-215">V.u.kl.A. 1909-1914, <ref type="pub-" target="../volume/22/p603#p603">S. 603</ref></bibl>.</note></p>
            <p>15,6 % der schweiz. Arbeiterschaft 14-18jähr., im <placeName ref="kbga-places-152">Aargau</placeName> 20,4 %[,] Stickerei 27 %<note xml:id="n50">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-215">ebd.</bibl></note></p>
            <p>In den meisten Ländern 13, bei uns 14 J[ahre]<note xml:id="n51">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-215">ebd.</bibl></note></p>
            <p rend="long-indent">§ 63 <hi rend="underline italic">Altersgrenze</hi><note xml:id="n52">«Art. 63. Kinder, die das vierzehnte Altersjahr noch nicht zurückgelegt haben oder über dieses Alter hinaus zum täglichen Schulbesuch gesetzlich verpflichtet sind, dürfen zur Arbeit in Fabriken nicht verwendet werden. Der Aufenthalt solcher Kinder in den Arbeitsräumen von Fabriken ist nicht gestattet.» (<bibl corresp="kbga-bibls-4129">BN, Jg. 69, 1. Beilage zu Nr. 563 vom 3.12.1913, S. [1]</bibl>).</note> 15 für Mädchen wäre gut<note xml:id="n53">Das Mindestalter für die Arbeit in Fabriken wollte der <orgName ref="kbga-actors-9857">Nationalrat</orgName> im <date to="1913-12-31" from="1913-12-01">Dezember 1913</date> für Mädchen auf 15 Jahre festlegen; der <orgName ref="kbga-actors-9858">Ständerat</orgName> sprach sich im <date to="1914-04-30" from="1914-04-01">April 1914</date>, wie der Entwurf und die spätere endgültige Regelung, für 14 Jahre aus. Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-4129">BN, Jg. 70, 1. Beilage zu Nr. 153 vom 2.4.1914, S. [1]</bibl>.</note>, das non possumus der Unternehmer ist nicht so ernst zu nehmen<note xml:id="n54">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-215">V.u.kl.A. 1909-1914, <ref type="pub-" target="../volume/22/p669#p669">S. 669</ref>.</bibl></note>. Mißbräuche u. Notlügen werden vorkommen, kein Grund gegen einen solchen Fortschritt. Bessere Männerlöhne!<note xml:id="n55">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-215">ebd.</bibl></note><term key="Kinderarbeit"> </term></p>
            <p rend="long-indent">§ 64 <hi rend="underline italic">Nacht- u. Sonntagsarbeit verboten</hi><note xml:id="n56">Aus Art. 64: «Personen unter dem vollendeten achtzehnten Altersjahre dürfen zur Nacht- und zur Sonntagsarbeit nicht verwendet werden.» (<bibl corresp="kbga-bibls-4173">Amtliches stenographisches Bulletin der schweizerischen Bundesversammlung/Nationalrat, Jg. XXIV [1914], Bd. II, Bern 1914, S. 30, Sp. 1</bibl>).</note></p>
            <p rend="long-indent">§ 64b <hi rend="underline italic">Keine Überstunden unter 16 J.</hi><note xml:id="n57">Aus Art. 64: «Personen unter dem vollendeten sechzehnten Altersjahre dürfen außerdem nicht zu den die Dauer der normalen Tagesarbeit überschreitenden Arbeiten [...] verwendet werden.» (<bibl corresp="kbga-bibls-4173">ebd.</bibl>).</note></p>
            <p rend="long-indent">§ 65 <hi rend="underline italic">Zweischichtensystem</hi><note xml:id="n58">«Art. 65. Ist der Beginn oder der Schluß der Tagesarbeit verschoben oder der zweischichtige Tagesbetrieb eingeführt [...], so muß die Nachtruhe für Personen unter achtzehn Jahren wenigstens 11 aufeinanderfolgende Stunden betragen und die Zeit von 10 Uhr abends bis 5 Uhr morgens in sich schließen.» (<bibl corresp="kbga-bibls-4173">ebd.</bibl>).</note></p>
            <p rend="long-indent">§ 66-68 <hi rend="underline italic">Unterricht</hi><note xml:id="n59">«Art. 66 bis. Die kantonalen, öffentlich-rechtlichen Vorschriften über Schul- und Religionsunterricht bleiben vorbehalten.  Art. 67. Für Personen unter dem vollendeten 16. Altersjahre, die nicht Lehrlinge sind, sollen der Schul- und Religionsunterricht und die Arbeit in der Fabrik zusammen die Dauer der normalen Tagesarbeit nicht übersteigen. Dieser Unterricht darf durch die Fabrikarbeit nicht beeinträchtigt werden.  Art. 68. Der Fabrikinhaber soll den Personen, die im 17. und 18. Altersjahre stehen und nicht Lehrlinge sind, für den Besuch beruflichen Unterrichts, der in die Zeit der Fabrikarbeit fällt, wöchentlich bis auf fünf Stunden freigeben.» (<bibl corresp="kbga-bibls-4165">Aargauer Tagblatt, Jg. 67, Nr. 330 vom 4.12.1913, S. [1]</bibl>).</note></p>
            <p><pb xml:id="p019" ed="pga" rend="noPipe"/> Hier bes[ondere] Ergänzung nötig durch ein Hausindustriegesetz wie in <term key="Deutschland, Hausindustriegesetz"><placeName ref="kbga-places-151">Deutschland</placeName></term>[.] S. 53 vorlesen!<note xml:id="n60">Bezieht sich offensichtlich auf S. 53 des Manuskripts der «Arbeiterfrage»; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-215">V.u.kl.A. 1909-1914, <ref type="pub-" target="../volume/22/p670#p670">S. 670</ref></bibl>, dort das Zitat aus dem Deutschen Reichsgesetz vom <date when="1903-03-30">30.3.1903</date>.</note></p>
          </div>
          <div>
            <head>V <hi rend="bold">Mit Fabriken verbundene Anstalten</hi></head>
            <p rend="long-indent">§ 70 <hi rend="underline italic">Alkoholartikel.</hi><note xml:id="n61">«Art. 70. Anstalten, die der Fabrikinhaber für die Unterkunft und Verpflegung seiner Arbeiter unterhält, sollen den Forderungen des Gesundheitsschutzes entsprechen. Solche Anstalten sollen alkoholische Getränke nur zu den Mahlzeiten und nur an Volljährige abgeben dürfen. Es ist untersagt, den Arbeitern während der Arbeitszeit alkoholische Getränke abzugeben.» (<bibl corresp="kbga-bibls-4165">Aargauer Tagblatt, Jg. 67, Nr. 330 vom 4.12.1913, S. [1]</bibl>).</note> Freiheitsbeschränkung? Ja[,] wie das ganze Gesetz, zum Wohl d. <term key="Arbeiter">Arbeiter</term>. Parteitag in <placeName ref="kbga-places-1">Aarau</placeName>[.]<note xml:id="n62">Der Parteitag der <orgName ref="kbga-actors-6132">sozialdemokratischen <term key="Sozialdemokratie, schweizerische">Partei</term></orgName> im <placeName ref="kbga-places-152">Aargau</placeName> hatte am <date when="1914-02-08">8.2.1914</date> die Vorlage eines «Gesetzes gegen Trunksucht» zu erarbeiten.</note> Geringere Leistungsfähigkeit. Erhöhte Unfallgefahr.<note xml:id="n63">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-215">V.u.kl.A. 1909-1914, <ref type="pub-" target="../volume/22/p599#p599">S. 599</ref>.</bibl></note> Untauglichkeit für <term ref="kbga-keywords-886">Gewerkschaft</term> u. <term key="Partei">Partei</term><term key="Alkoholismus">.</term></p>
          </div>
          <div>
            <head>VI <hi rend="bold">Vollzugsbestim[mun]g[en]</hi></head>
            <p rend="long-indent">§ 75 <hi rend="underline italic">Inspektion</hi><note xml:id="n64">«Art. 75. Die Oberaufsicht über den Vollzug des Gesetzes liegt dem <orgName ref="kbga-actors-7798">Bundesrate</orgName> ob. Als Kontrollorgane werden eidgenössische Fabrikinspektoren bestellt.» (<bibl corresp="kbga-bibls-4173">Amtliches stenographisches Bulletin der schweizerischen Bundesversammlung/Nationalrat, Jg. XXIII [1913], Bd. IV, Bern 1913, S. 820, Sp. 2</bibl>).</note></p>
            <p rend="long-indent">§ 76 <hi rend="underline italic">Fabrikkommission</hi><note xml:id="n65">«Art. 76. Der <orgName ref="kbga-actors-7798">Bundesrat</orgName> bestellt eine Fabrikkommission, in der die Wissenschaft und unter sich zu gleichen Teilen die Fabrikinhaber und die Arbeiter vertreten sein sollen. Es kommt ihr insbesondere die Begutachtung der Fragen zu, die zum Erlass von Verordnungen oder von Bundesratsbeschlüssen grundsätzlicher Natur führen.» (<bibl corresp="kbga-bibls-4173">a.a.O., S. 823, Sp. 1</bibl>).</note></p>
            <ab rend="center">________</ab>
            <p><pb xml:id="p020" ed="pga" rend="noPipe"/> Unter Achselzucken annehmbar! Aber</p>
            <list rend="text-indent">
            <item><hi rend="italic">1.</hi> Bild[ung] u. moral[ische] Lebenshalt[un]g d. <term key="Arbeiter Arbeiterschaft">Arbeiter</term>schaft muß steigen, damit sie bald mit Recht mehr fordern kann.</item>
            <item><hi rend="italic">2.</hi> Achtung auf den Vollzug des Gesetzes!</item>
            <item><hi rend="italic">3.</hi> Ausbau der <term ref="kbga-keywords-886">gewerkschaftl[ichen] </term> Organisation zur weiteren Selbsthilfe <lb/>
                          der polit[ischen] Organisation zur Vorbereitung späterer kräftiger Staatshilfe.</item>
            </list>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
