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        <title type="volume" n="vol-48">Vorträge und kleinere Arbeiten 1914–1921</title>
        <title type="content">Weihnachtsfeier des Arbeitervereins Rothrist</title>
        <title type="citation_line_1">Barth, Karl: Weihnachtsfeier des Arbeitervereins Rothrist, 1914</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/48018 (Stand: 2. Oktober 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Vorträge und kleinere Arbeiten 1914–1921, hrsg. v. Drewes, Hans-Anton / Marquardt, Friedrich-Wilhelm (Gesamtausgabe, Abt. III), Zürich 2012, S. 97–99.</title>
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        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
        <sponsor>Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW)</sponsor>
        <sponsor>Schweizerischer Nationalfonds (SNF)</sponsor>
        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
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        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
        <date when="2026">2026</date>
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        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
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          <title type="volume">Vorträge und kleinere Arbeiten 1914–1921</title>
          <title type="text">Weihnachtsfeier des Arbeitervereins Rothrist</title>
          <author ref="kbga-actors-2151">Barth, Karl</author>
          <editor>Drewes, Hans-Anton</editor>
          <editor>Marquardt, Friedrich-Wilhelm</editor>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
          <date type="publication">2012</date>
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        <!-- Data from KBA (https://kba.karl-barth.ch) -->
        <bibl xml:id="A" type="source">A (Vorlage der Edition): Barth, Karl, Weihnachtsfeier des Arbeitervereins Rothrist, 27. XII 14, 27. Dezember 1914. <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/740">KBA 12106</ref>. </bibl>
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        <head><term key="Weihnacht">WEIHNACHTSFEIER</term> DES ARBEITERVEREINS  ROTHRIST</head>

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            <date when="1914">1914</date>
          </head>
        
        <div type="abstract">
          <p>Am Sonntag, dem <date when="1914-12-27">27. Dezember 1914</date>, stand außer dem Gottesdienst, der Kinderlehre und der <term key="Weihnacht, Weihnachtssfeier">Weihnachtsfeier</term> des <orgName ref="kbga-actors-8613">Blauen <term key="Blaues Kreuz">Kreuzes</term></orgName> noch die Weihnachtsfeier des <orgName ref="kbga-actors-9919">Arbeitervereins</orgName> in <placeName ref="kbga-places-509">Rothrist</placeName> in <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> Kalender. In <placeName ref="kbga-places-509">Rothrist</placeName> – einer etwa 8 km südwestlich von <placeName ref="kbga-places-54">Safenwil</placeName> gelegenen Gemeinde mit damals ca. 3000 Einwohnern – hatte <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> schon <date when="1913">1913</date> die Ansprache zur Weihnachtsfeier des <orgName ref="kbga-actors-9919">Arbeitervereins</orgName> gehalten (s. <bibl corresp="kbga-bibls-215"><hi rend="text-recte">V.u.kl.A. 1909-1914,</hi> <ref type="pub-" target="../volume/22/p723#p723">S. 723–725</ref></bibl>). Näheres über die Umstände der erneuten Einladung und den Verlauf der Feier ist nicht bekannt.</p>
        </div>
        <div>
          <head>Weihnachtsfeier des <orgName ref="kbga-actors-9919">Arbeitervereins</orgName></head>
          
            <head type="sub"><placeName ref="kbga-places-509">Rothrist</placeName>,
<date when="1914-12-27">27. XII 14</date></head>
          
          <p><hi rend="italic"><ref type="can" subtype="bible" target="Lk.2.1 Lk.2.20">Lc 2,1–20</ref></hi> vorlesen. Ein Ton von <term ref="kbga-keywords-1458">Freude</term> durch die Geschichte. <persName ref="kbga-actors-1745">Lukas</persName> ein fröhlicher Mensch, kennt d. Elend u. sein Bedürfnis nach Freude. Diesen Ton spüren, dann rechte <term key="Weihnacht">Weihnacht</term>. Da die Kinder spüren ihn, wir wollen werden wie sie [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Mt.18.3">Mt. 18,3</ref>].</p>
          <p><hi rend="italic">Warum Freude?</hi> Wegen des Menschen, der dort geboren wurde. Ein wundervoller Mensch: glaubt nicht an das <term key="Glaube, an das Böse">Böse</term>[,] sondern nur an das <term key="Glaube, an das Gute">Gute</term>. Sieht seinen Beruf darin, den Andern aufzudecken, daß sie Gottes <term key="Gott, Kind">Kinder</term> sind, sie Alle. Und gerade die <hi rend="sans-serif">Gefehltesten</hi><note xml:id="n01">= Verdorbensten, Sündigsten.</note> verstehen ihn, den <hi rend="sans-serif">Unglücklichsten</hi> wird geholfen, die <hi rend="sans-serif">Verachtetsten</hi> fassen Hoffnung. Löst alle Lebensnot durch die Botschaft: <term ref="kbga-keywords-112">Gott</term> ist euer Vater u. ihr seid Brüder. Das Reich <term ref="kbga-keywords-434">Gottes</term> ist da, sowie das entdeckt ist. Das Leben Jesu zeigte, wie ernst es ihm damit war: von ihm ging <term key="Kraft, Jesu">Kraft</term> aus, die heilte <term key="Jesus Christus, Krankenheilungen">jedermann</term> [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Lk.5.17">Lk. 5,17</ref>], er starb als Unterlegner u. doch als Sieger[.] Sollte es nicht eine Freude sein, von diesem Menschen zu wissen? Fällt nicht ein heller Schein auch in unser Leben? Fühlen wir nicht: der Grund der Welt ist <term ref="kbga-keywords-593">Liebe</term>, Freundlichkeit u. <term key="Friede">Friede</term>?</p>
          <p><hi rend="italic">Aber heute?</hi> Muß uns das[,] was jetzt vorgeht, nicht endgültig <term ref="kbga-keywords-1821">enttäuschen</term>? Wo bleibt das Reich der Liebe? Wo die Menschen[,] die vom Leben Jesu erfaßt, von seinem Geiste gelehrt sind? – Wir fragen die <pb xml:id="p098" ed="pga"/> <hi rend="italic">Christen.</hi> Sie antworten uns mit der Ausrede, daß die <hi rend="sans-serif">Welt</hi> unter andern Gesetzen <term key="Eigengesetzlichkeit">steht </term>als das Leben der Seele, daß die Botschaft der Liebe nur dem Einzelnen gelte, nicht den <hi rend="sans-serif">Völkern.</hi> Sie verschieben den Glauben an den überwindenden Frieden Gottes auf <hi rend="sans-serif">später</hi> oder aufs <term key="Jenseits">Jenseits</term>. Da bleibt wenig von der <term key="Weihnacht, Weihnachtsfreude">Weihnachtsfreude</term>, wenn wir dabei an all die sinnlose Zerstörung denken, an all die verwüsteten u. vernichteten Menschenleben, vor Allem an das Meer von Haß u. Rohheit[,] das jetzt die Erde bedeckt. Wie soll das anders werden, wenn wir nicht an ein Anderswerden glauben?</p>
          <p>Wir fragen die <term key="Sozialismus"><hi rend="italic">Sozialisten</hi></term>. Auch sie sind Erben des zuversichtlichen Glaubens Jesu an das Gute. Auch sie verkündigten etwas von seiner Erlösungsbotschaft u. schon schien es überall zu tagen. Was sagen sie zum Krieg? Sie haben sich von der «<hi rend="sans-serif">Notwendig</hi>keit» überzeugen, von der <hi rend="sans-serif">«Begeisterung»</hi> mitreißen lassen. Der Nationalismus siegt auch über ihre <term ref="kbga-keywords-1539">Überzeugung</term>[,] und [nun] müssen sie, die nur die Selbstsucht u. das Unrecht bekämpfen wollten, einander <hi rend="sans-serif">gegenseitig</hi> zerfleischen. Sie erwarten vom Sieg ihrer <hi rend="sans-serif">«Vaterländer»</hi> die Herbeiführung ihrer Hoffnungen – als ob aus Bösem Gutes entstehen könnte. Sie <hi rend="sans-serif">verschieben</hi> die <term key="Bruderschaft">Bruderschaft</term> aller Völker auf die Zeit nach dem Sieg, als ob aus einem kriegerischen Sieg Brudersinn u. <term ref="kbga-keywords-283">Gerechtigkeit</term> hervorwachsen könnte!</p>
          <ab rend="center">________</ab>
          <p> Wollen wir die Zuversicht auf die Macht des Guten u. damit die <term key="Weihnacht, Weihnachtsfreude">Weihnachtsfreude</term> aufgeben? Eine <hi rend="italic">Prüfungsstunde</hi> ist angebrochen für Alle, die auf ein Besseres hoffen. Für den Augenblick hat diese Hoffnung <term key="Versagen">versagt</term>. Lebendiges <term key="Christentum, lebendiges">Christentum</term> u. lebendiger <term key="Sozialismus, lebendiger">Sozialismus</term> hätten den Krieg schon jetzt unmöglich machen müssen. Zahllose Christen u. Sozialisten gehen jetzt mit dem Strom, finden sich damit ab, daß ihr Glaube ins Gegenteil umgebogen wird[,] u. begeistern sich für das Gegenteil. Wollen wir auch mit ihnen gehen?</p>
          <p>Nein, wir gehorchen einer <hi rend="italic">höhern Notwendigkeit</hi>, wenn wir auch jetzt daran festhalten: Alles das[,] was die Menschen auseinander reißt: <term ref="kbga-keywords-163">Kapitalismus</term>, <term ref="kbga-keywords-1201">Nationalismus</term>, <term key="Militarismus">Militarismus</term> soll nicht sein, muß durch die Ordnung u. den Frieden überwunden werden. Wir sind nicht allein, wenn wir die Hoffnung wach u. lebendig erhalten. Unter den Millionen[,] die jetzt kämpfen u. eifern[,] ist kaum Einer, der nicht <pb xml:id="p099" ed="pga"/> weiß, daß das Alles <hi rend="italic">eigentlich</hi> nicht sein sollte. Unter Allen, die das Vorgehen von <persName ref="kbga-actors-1117">Liebknecht</persName><note xml:id="n02">Die Fraktionsdisziplin durchbrechend, hatte der sozialdemokratische Abgeordnete <persName ref="kbga-actors-1117">Karl Liebknecht</persName> (1871–1919) am <date when="1914-12-02">2. Dezember 1914</date> einen zweiten Antrag der deutschen Reichsregierung auf Bewilligung von Kriegskrediten als einziges Reichstagsmitglied verweigert; seine dazu abgegebene Erklärung wurde nicht in das Protokoll dieser Parlamentssitzung aufgenommen (vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-4151">J. Humbert-Droz, <hi rend="italic">Der Krieg und die Internationale. Die Konferenzen von Zimmerwald und Kienthal</hi>, Wien/Köln/ Stuttgart/Zürich 1964, S. 59f.</bibl>).</note>, <persName ref="kbga-actors-1012">Grimm</persName><note xml:id="n03"><seg type="bio"><persName ref="kbga-actors-1012">Robert Grimm</persName> (1881–1958), sozialdemokratischer Nationalrat, stellte sich, wie <persName ref="kbga-actors-1117">Liebknecht</persName> in <placeName ref="kbga-places-151">Deutschland</placeName>, gegen die Mehrheit der <orgName ref="kbga-actors-6132">SP</orgName>-Fraktion im schweizerischen <orgName ref="kbga-actors-9857">Nationalrat</orgName> und stimmte gegen das zur Debatte stehende Militärbudget</seg>. Das <bibl corresp="kbga-bibls-4387"><hi rend="italic">Jahrbuch der Sozialdem. Partei der <term key="Sozialdemokratie, schweizerische">Schweiz</term></hi> <hi rend="italic">1914</hi> (s. oben <ref type="pub" target="../volume/48/p009#fn_n01">S. 9, Anm. 1</ref>), S. 10–16</bibl>, berichtet über die Dezembersession des <orgName ref="kbga-actors-9857">Nationalrats</orgName>, die am <date when="1914-12-17">17.12.1914</date> begann. <persName ref="kbga-actors-1012">Grimm</persName> gab namens der sozialdemokratischen Fraktion in der Budgetberatung eine Erklärung über die gegensätzlichen Meinungen zum Militäretat innerhalb der Fraktion ab. Er erklärte, gegen das Gesamtbudget, das auch das Militärbudget enthielt, stimmen zu wollen. Mit ihm stimmte schließlich fast die ganze Fraktion gegen das Budget (S. 15f.). Das Protokoll des Parteitages vom <date when="1914-10-31">31.10.</date> und <date when="1914-11-01">1.11.1914</date> in <placeName ref="kbga-places-9">Bern</placeName>, im Anhang des <bibl corresp="kbga-bibls-4387">Jahrbuches S. 43–54</bibl>, schildert die großen Auseinandersetzungen innerhalb der Partei zu diesem Thema.</note> u.s.f. verurteilen, ist kaum Einer, der nicht gestehen müßte: die haben <hi rend="italic">eigentlich</hi> recht – wenn sie nur die Mehrheit hätten in allen Parlamenten u. unter ihren <term key="Wahlen, Wähler">Wählern</term>. Stellen wir uns resolut auf den Boden dessen[,] was <hi rend="italic">eigentlich</hi> gilt! Unsre innere Treue u. Begeisterung dem wahren höchsten Ziel, nicht einer niederen Notwendigkeit! Die Andern werden einmal erwachen u. werden es uns danken, wenn wir jetzt durchhalten in der Zuversicht auf das <hi rend="italic">Eigentliche!</hi></p>
          <ab rend="center">________</ab>
          <p>Aber dazu <hi rend="italic">braucht es etwas:</hi> Menschen, die so <hi rend="sans-serif">fest</hi> auf sich selbst stehen, daß sie es nicht fürchten, einsam zu sein – deren <hi rend="sans-serif">Glaube</hi> so groß und stark ist, daß sie lange warten können – die soviel <hi rend="sans-serif">Frieden in sich</hi> haben, daß sie davon wahrhaft Andern geben können. Sind wir solche Menschen? Dann sind wir die <term key="Christ">Christen</term>, die Sozialisten, die es jetzt braucht.</p>
          <p> Das <term key="Weihnacht">Weihnachtsfest</term> weist uns hin auf die Quelle[,] aus der ein solches inneres Leben kommt. Wenn wir das nehmen, was Gott uns anbietet, dann ist unser Hoffen ein <hi rend="italic">gewisses</hi> Hoffen u. eines[,] das <term ref="kbga-keywords-1682"><hi rend="italic">Kraft</hi></term> hat.</p>
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